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Mrz 2023

12 days of Friendship: Wortvogels Worldtour 2023

Themen: Film, TV & Presse |

Ich hatte euch einen größeren Reisebericht angedroht und heute ist mir danach.

Wer sich erinnern kann, ist klar im Vorteil: Anfang des Jahres hatte ich mich entschieden, eine größere Tour durch die Republik anzutreten, um alte Freunde und neue Bekannte zu besuchen. Nicht nur im Keller muss man ab und an aufräumen, auch im sozialen Umfeld. Pflege und Hege sozusagen.

Los geht es am Samstag, den 4.3. Ich habe kräftig Podcasts, Zeitzeichen und Blinkist-Lesungen auf mein Handy geladen, um die Fahrtzeit nach Düsseldorf zu verkürzen. Dort soll nämlich – Gästezimmer in der Wohnung meines Bruders sei Dank – das erste Basislager aufgeschlagen werden. Bei einer Pause auf einer Autobahn-Raststätte bietet sich mir mit diesem seltsamen Aufkleber die erste Fotogelegenheit:

Kurz vor Düsseldorf kommt es im Köln schon zum Termin des Tages in der hübschen 50er-Kneipe Hallmackenreuther:

Hier treffe ich mich mit Drehbuch-Autor und Regisseur Matthias Dinter (FEUER, EIS & DOSENBIER), der gleich noch seinen Kameramann mitbringt – es stellt sich raus, dass dieser seinerzeit auch meine “Märchenstunde” gekurbelt hat. Es gibt also viele Schnittmengen für launige Gespräche über alte Kollegen, nervige Schauspieler und neue Projekte. Dazu ein Süppchen:

Auf dem Weg zurück zum Wagen tippe ich der LvA folgende WhatsApp:

“Wenn dieser Abend die Messlatte ist, liegt die Messlatte sehr hoch für die nächsten Tage. Big fun!”

Ich bin dennoch froh, zur Nacht dann ins Bett bei meinem Bruder zu fallen.

Am Sonntag besuche ich erstmals das Urnengrab meiner Mutter. Es gibt auch Familiäres mit dem Bruder zu besprechen. Danach fahre ich zu Reiner, einem ganz alten Schulfreund, den ich vor Jahren beim Klassentreffen wiedergesehen hatte. Seine außerordentlich sympathische Frau und er haben viel Geduld, sich beim lodernden Kaminfeuer meine noch frischen Anekdoten aus Australien anzuhören. Mit den beiden Hunden des Hauses ist schnell Freundschaft geschlossen:

So wird man gerne empfangen:

Kurios, wie gegenseitige Sympathie eine Brücke über 35 Jahre schlagen kann…

Am nächsten Tag gibt es eine Corona-bedingte Absage, aber auch eine unerwartete Ersatz-Zusage. Auf dem Weg zum Supermarkt, um mich für die Fahrt zu stärken, stoße ich auf ein Relikt aus alter Zeit, lieblos auf die Straße geräumt:

Wann habe ich das letzte Mal einen Röhrenfernseher in freier Wildbahn gesehen?

Davon ab: Düsseldorf, mon amour! Immer noch die Stadt meiner Geburt, meiner Kindheit, meiner Jugend. Moderner, schöner, eleganter als in den 80ern, auch wenn ich Data Becker vermisse, Horten, Schauland und das Resi-Center.

Auf der Checkliste an diesem Montag steht das Sauerland und damit Onkel Filmi, mit dem ich die Audiokommentare zu DR. MORDRID und SAS MALKO eingesprochen habe. Immer wieder sehr unterhaltsam, zumal Filmi extrem gut vernetzt ist in der Nerd-Szene in und um Köln. Da ist es kein Wunder, dass mir wieder Namen um die Ohren gehauen werden, die ich schon bei Dinter gehört habe. Das Fandom ist ein Dorf. Und es ist ebenso wenig ein Wunder, dass das Treffen bis in den Abend geht.

Dienstag dann ein Termin mit Jens Schröder, dem Chief Data Analyst u.a. von meedia.de. Immer gemocht, zu selten gesehen. Es sieht aber auch an diesem Tag nicht gut aus: Vollsperrung in der Innenstadt. Da, wo ihr die Baustelle seht, war früher der erste McDonalds von Düsseldorf, in dem ich gerne mit dem oben schon erwähnten Reiner spachteln war. Die unglückliche Verkehrssituation hält mich 45 Minuten lang auf, aber Jens hat erfreulicherweise ausreichend Zeit eingeplant.

Wir treffen uns in einem Currywurst-Restaurant am Medienhafen und während der Plauderei stoßen wir auf viele weitere Gemeinsamkeiten. Außerdem finde ich heraus, dass Jens Trading Cards und andere Sammelbilder hortet. Der perfekte und dankbare Abnehmer für mein vollständiges Set von WÜSTENPLANET (2003)-Trading Cards, die ich damals vom Produzenten geschenkt bekomme habe. Außerdem setzt Jens mir einen Floh ins Ohr, was eine neue berufliche Herausforderung angeht…

Nächster Morgen: Schnee in Düsseldorf. What the hell? Das hatte ich nun wirklich nicht eingeplant. Ich habe nicht mal einen Pulli dabei, nur ein Sweatshirt. Blick vom Balkon meines Bruders, btw:

Tatsächlich ist jetzt erstmal Pause. Ich gönne mir einen Tag Entspannung und lade meinen Bruder am Abend zum Essen in das schicke Restaurant Bona’me ein:

Sehr hipp: Hier wird an Touchscreens bestellt und man holt die Speisen am Tresen ab, wenn der Funksensor brummt. Mal eine gänzlich andere Küche:

Markus, Freund und Komplize aus den Horror-Fanzeiten meiner Jugend, hat sich am nächsten Tag tatsächlich für mich freigenommen und Frühstück vorbereitet – er ist mittlerweile Chef-Maskenbildner am Theater in Oberhausen. Das ist nur konsequent, hat er mich doch als Teenager schon in Zombies und andere Dämonen verwandelt:

Wir hatten vor gut 20 Jahren den Kontakt verloren. Es gibt dementsprechend SEHR viel zu erzählen, nicht immer leicht, aber immer in der Freude, es nachholen zu können. Markus frönt seinem Sammlerhobby in einem Gartenschuppen – er kauft legendäre, teilweise von der Zeit fast vollständig zerstörte Horror-Masken und Figuren, die er dann liebevoll restauriert:

Ich werde seiner Sammlung in diesem Jahr sicher noch einen ausführlicheren und würdigeren Beitrag widmen. An dieser Stelle sei nur ein Beispiel herausgegriffen. William Katt wird in der legendären Horrorkomödie HOUSE von 1986 von diesem Monster attackiert:

Markus hat das schöne Stück in erbärmlichem Zustand erworben, aufwändig restauriert und sogar auf ein Holzboard montiert:

Auch dieser Termin: eine Freude für Seele & Geist. Die Reise tut mir gut. So viele alte und neue Erinnerungen, so viele Gemeinsamkeiten.

Danach ist Christian Lukas dran, mit dem ich schon seit Ewigkeiten auf Social Media befreundet bin. Obwohl wir uns nie persönlich begegnet sind, haben unsere Biografien viele Schnittpunkte – so war auch er ein fleißiger Autor beim Heel-Verlag. Es wird ein gemütlicher Nachmittag in Witten, dem Ort, in dem ich meine Zivildienst-Schulung 1988 absolviert habe.

Kurze Wege: Von Witten geht es nach Bochum. Da lebt Tobias Hohmann, u.a. Autor hochwertiger Filmbücher, die ich hier schon vorgestellt habe. Beim Bierchen in einer angemessen ranzigen Ruhrpott-Kneipe besprechen wir ein mögliches Projekt. Danach macht er einen sensationellen Vorschlag: Im Bahnhofskino ist 80er-Monat und heute Abend läuft eine blitzsaubere Kopie des grandiosen STRASSEN IN FLAMMEN. Ich bin SOWAS von dabei:

Was für ein Kino! Was für ein Erlebnis! Was für ein Film! Was für eine Musik! Aber mir fallen wieder die klaren Defizite in Sachen Casting und Story auf, über die ich beizeiten noch schreiben werde.

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Eine letzte Nacht in Düsseldorf, dann muss ich gen Norden weiter. Erster Stopp ist endlich mal wieder Stefan, ein lieber und guter Freund aus Ibiza-Zeiten.

Er hat sich Leberkäse vom Metzger schicken lassen, den er für mich aufbäckt. Wie es scheint, wollen mich alle alten Freunde vor allem mästen. Steckt ein finsterer Plan dahinter?

Bevor es weitergeht, halte ich kurz auf dem Parkplatz eines Möbelhauses, weil ich mir diese Fotogelegenheit nicht entgehen lasse:

Bin ich irgendwo falsch abgebogen?!

Ein privater Abstecher führt mich nach Bramel. Ich habe ja schon öfter über das Haus meiner Oma geschrieben, das mir nach ihrem Tod ein paar Jahre gehörte und das im neuen Jahrtausend leider völlig verfallen ist. Ich wollte mal den Stand der Dinge checken. Zu meiner Beruhigung ist da – nichts mehr:

Abgerissen, abtransportiert, zugewachsen. Richtig so. Es war nur noch das tote Haus einer lange toten Frau. Ich gedenke meiner Oma – und meiner Kindheit – an diesem Ort wie an einem Grab.

Sollte wer in Bramel ein Renovierungsprojekt suchen, dem kann geholfen werden:

Zu blöd: an einem banalen Nimm2 breche ich mir den Teil einer Keramikkrone am hintersten Backenzahn links unten ab. Die scharfe Kante reibt an meiner Zunge. Das kann hässlich werden…

Weiter nach Walsrode. Dort wartet vor einem Café Torsten, der mir eine große Plastikbox mit Zeitschriften für mein Scan-Archiv überreicht. Torsten und ich, das geht SEHR weit zurück – er war eine meiner ersten Internet-Bekanntschaften und seinerzeit der Webmaster der ersten deutschen “Episodenführer-Seite. Weil das Café früher schließt als beworben, wird es ein entsprechend kompaktes Gespräch. Aber das holen wir nach. Ich weiß zu diesem Zeitpunkt schon, dass ich spätestens 2024 nochmal auf Tour gehen werde. Es macht mir einfach zu viel Spaß.

Torsten gibt mir eine Sammlung zurück, die ich ihm vor über 25 Jahren mal geschenkt hatte – fast alle Ausgaben der legendären semiprofessionellen Zeitschrift Epi-Log:

Über die ist heute im Internet kaum noch etwas zu finden und einzelne Ausgaben werden bei Ebay für Mondpreise verkauft. Wir entscheiden gemeinsam: Die Digitalisierung verlangt Opfer und ich werde die ersten Stunden nach der Heimkehr damit verbringen, das Konvolut zu zerschneiden und zu scannen. Für die Nachwelt!

Ich bleibe in Walsrode, denn hier lebt ja auch Kommentatoren-Urgestein Dietmar, der mit seiner Familie auch bei meiner Hochzeit 2015 dabei war. Erneut ein schöner Abend im Kreise guter Freunde, trotz (oder wegen?) einer lebhaften Diskussion über die kulturelle Unverzichtbarkeit des Akkordeons.

Als ich zwischendurch mal rausschaue, traue ich meinen Augen kaum:

Es schneit. Nicht wenig. Viel. Als ich auf die Autobahn komme, ist nichts gestreut oder geräumt. Gottseidank habe ich noch Winterreifen drauf. Mit 60 km/h schleiche ich in Richtung Hannover und bin sehr dankbar für die Laster, die mit 90 km/h vorbei brettern und den Wagen mit Schnee und Schlamm zudecken, so dass ich immer wieder komplett die Sicht verliere. Ich habe nichts gegen Abenteuer, aber das ist hardcore.

In Hannover steige ich im Prizeotel mit den trippigen Farben und Formen ab:

Hier habe ich schon während einiger Reportagen Station gemacht und ich mag beim Frühstück den “american pancake” aus dem Automaten. Es gesellt sich Philipp zu mir, den ihr noch als meinen Gefährten von einigen Fantasy Filmfest-Festivals kennt und dem ich auf diesem Wege eine tolle Zeit in Japan wünsche!

Es wird am Samstag schnell wieder warm, der Schnee schmilzt, und die Fahrt zum nächsten Treffen ist entspannt: ich besuche erstmals das hübsche Uelzen und dort ein indisches Restaurant.

Rainer ist eine kurzfristige Aufnahme in meinen Reiseplan gelungen, weil wir trotz der frischen Bekanntschaft viele Gemeinsamkeiten entdeckt haben, die sich beim Essen vervielfältigen. Es geht um Fernsehen, um Serien, um Scans, um das Leben.

Ich bin froh, dass ich nach dem Mittagessen keinen weiteren Termin mehr habe, denn es steht ein längere Tour an – Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin! Hier ist meine letzte Station, hier ballen sich die geliebten “Altlasten” meines Lebens.

Mein Quartier in der Hauptstadt: ein sehr schönes Zimmer mit Kochecke in Sichtweite des Ku’Damms:

Erfreulich, vor allem weil mit Hilfe einer Park-App die Suche nach einem Parkplatz vergleichsweise angenehm verläuft. Da kenne ich Berlin auch anders.

Es stellt sich heraus, dass sich nicht nur im gleichen Haus, sondern sogar im gleichen Stockwerk wie mein Hotelzimmer auch eine Zahnarztpraxis befindet. Ich lasse mir fix einen Termin für den nächsten Tag geben und den Kronenrest abschleifen. So wird meine Zunge nicht weiter in Mitleidenschaft gezogen.

Mit Leser und Kommentator Mark, den ich bei meinen Berlin-Trips immer gerne treffe, vereinbare ich ein zwangloses Mittagessen in den Potsdamer Platz-Arkaden, die bei meinem letzten Besuch vor ein paar Jahren ein ziemlich trostloses Bild boten. Mittlerweile hat man aufwändig renoviert und den Fresstempel Manifesto dort hochgezogen:

Tatsächlich mangelt es hier nicht an Auswahl und/oder pfiffigen Ideen:

Ich gönne mir eine sehr individuell zusammengestellte “bowl”:

Und danach ein üppiges geschabtes Eis – der Mensch lebt nicht vom Brot allein!

Rückblickend sehe ich ein: die kleinere Portion hatte auch gereicht.

Außerdem gibt es in den Arkaden eine großartige und mit vielen tollen Automaten bestückte Arcade – aber das ist ein Thema für einen separaten Beitrag.

Mit Mark bin ich auch erstmals auf den Aussichtspunkt hochgefahren, der eine sehr schöne Sicht über die Hauptstadt erlaubt:

Zum Abend bin ich mit Mario Sixtus unterwegs, mit dem mich eine langjährige Düsseldorfer Freundschaft verbindet, sowie manches spannende Projekt. Wir essen japanisch und sprechen über eine Doku, an der er arbeitet.

Am Kulturkino, wo ich das Fantasy Filmfest 2019 mitgenommen habe, wartet am nächsten Mittag der Christian, den ich in den späten 90ern als “Hilfsschreiber” für meine SF-Guides ins Boot geholt hatte und der dann eine beeindruckende Karriere in der Branche hingelegt hat. Mittlerweile sieht er aus wie Ron Swanson und lässt es ruhiger angehen. Wir frühstücken spät, aber lecker bei “Zeit für Brot” und spinnen über das, was man alles noch machen könnte, wenn man in unserem Alter den Hintern hochbekäme.

Danach habe ich ein wenig Zeit, mir die Stadt zu Fuß zu erschließen. Es ist immer schön, wenn man bei Spaziergängen auf interessante Details stößt. Das hier ist keine Litfaß-Säule, die man einfach von allen Plakaten bereinigt hat – es handelt sich vielmehr um ein Denkmal zu Ehren von Herrn Litfaß selbst:

Am Alex wurde vor ein paar Jahren eine weitere “Mega-Mall” aus dem Boden gestampft, die mir bisher entgangen war:

Gut, irgendwann gleicht sich das alles und die Geschäfte sind auch immer dieselben:

Erfreut hat mich diese Polizeistation direkt auf dem Alexanderplatz – da gehört sie hin, denn das ist ein notorischer sozialer Brennpunkt.

Nein, nein, nein, ich fühle mich trotzdem nicht wie zu Hause:

Es ist schon dunkel, als ich mich auf den Weg in den Berliner Südosten mache. Familie Schröder erwartet mich – auch so eine Freundschaft, die (zumindest beim Papa) bis in meine Zivildienst-Zeit zurückreicht. Some bonds are strong. Mittlerweile hat Frank zwei Kinder und eine Katze der Nachbarn hat sich dem Haushalt angeschlossen:

Es ist ein schöner, ruhiger Abend. Frank macht Spaghetti Bolognese. Das Leben ist anscheinend doch ein Ponyhof.

Glaubt mir: Ich erwähne die dauernde Futterei nicht gern, aber es scheint, als wäre jeder meiner Freunde der Meinung, ich müsse doch angesichts der anstrengenden Tour total ausgehungert sein. Das Gegenteil ist der Fall: ich befinde mich in einem permanenten Zustand von pappsatt.

Es geht weiter, wie es angefangen hat: Zum Frühstück treffe ich mit Stefan, einem Drehbuchautoren-Kollegen aus der Rat Pack-Zeit, dessen neuer Film beim Fantasy Filmfest laufen und danach bei Netflix zu sehen sein wird. Dem Trailer nach kann ich schon mal sagen: geiles Teil. Wir schwadronieren über den desaströsen Zustand der Branche, die Zicken einiger Hauptdarstellerinnen und die Freude, als “alte weiße Männer” nicht mehr jeden Scheiß mitmachen zu müssen.

Ein letzter Termin noch. Ich bin eigentlich langsam müde, möchte heim, vermisse Frau und Katzen. Aber es gibt Leute, mit denen ist das Miteinander so angenehm und plauderig, dass man sich ausnehmend gerne noch mal aufrafft – mit meinem Haus & Hof-Fotografen Uwe hocke ich mich für ein paar Stunden in das georgische Restaurant “Der blaue Fuchs”:

Mittwoch. Ist echt schon der 15. März? Unfassbar. Es ging alles so schnell, hat so viel Spaß gemacht. Ich packe meinen Kram ein und checke aus meinem “Hotel” aus. Beim Zeitschriftenstand um die Ecke sehe ich diesen Aufsteller:

Die Epoch Times als “unabhängige Presse”? Peinlich genug, dass sich der Kiosk nicht schämt, für diesen Müll zu trommeln.

Ich wandle kurz auf den Spuren von Katja Bienert und Christiane F.:

In mir drängt nun alles nach Hause. To sleep, perchance to dream. Aber netterweise hat mir der Verleiher die Möglichkeit eingeräumt, vor der Abfahrt den neuen SHAZAM im schönen Zoopalast-Kino anzuschauen. Mehr zum Film hier. Weil ich keine fixe Alternative sehe, stelle ich den Wagen im überteuerten Parkhaus des Waldorf-Astoria ab.

Das Problem: Als ich aus dem Kino komme und endlich heimfahren will, ist der gesamte Block abgesperrt und von schwer bewaffneter Polizei blockiert:

Ich schaue rechtschaffen dumm, der erste uniformierte Beamte mag mir auch nicht sagen, worum es geht. Ich bleibe hartnäckig, weil ich halt doch gerne mein Auto hätte. Es mangelt mir an einem Plan B. Es stellt sich heraus: Der israelische Ministerpräsident ist im Hotel abgestiegen und das bedeutet Gefahrenstufe 1. Erst als ich dank Parkschein beweisen kann, kein dahergelaufener Heiopei zu sein, wird mir Einlass ins Hotel gewährt, wo man sicherstellt, dass der Wagen durch die Blockade gelassen wird.

Um die Mittagszeit nach 12 Tagen bin ich wieder auf der Autobahn gen München. Im Fichtelgebirge werde ich noch einmal mit Schneetreiben konfrontiert:

Trotzdem komme ich gut durch. Zum frühen Abend fahre in Trudering ein. Keine Konfetti-Parade, kein roter Teppich, keine Wortvogel-Fahnen – aber die Frau und die Katzen freuen sich. Das ist mir in diesem Momen mehr als genug.

Je nach Zählung 20-22 Freunde in knapp zwei Wochen und etwas über 2000 Kilometern. Und was hat’s gebracht? Alles, was ich zu hoffen wagte – und mehr, als ich mir erträumen konnte. Ich wurde warm aufgenommen, habe jede Minute genossen, fühle mich gemocht und respektiert. Manche Dinge funktionieren nicht über Chat oder Facebook, für die muss man beieinandersitzen, ungeplant drauflos quatschen – und sehen, wohin es führt. Treffen, die mit einem Handschlag beginnen und einer Umarmung enden. Das habe ich in den letzten Jahren vernachlässigt, das hatte mir Corona auch genommen.

Meine Seele ist eingecremt und mein Kopf mit Ideen gefüllt worden. Matthias, Markus, Frank, Stefan, Uwe, ausnahmslos alle anderen – eure Freundschaft ist mein Ego. Dieser Beitrag ist das kleine bisschen Danke, das ich dafür sagen kann.

Jedem von euch sei das hier ans Herz gelegt – ich meine es wirklich:

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Der Kartenvorverkauf der Wortvogel Worldtour 2024 startet demnächst. Termine und Spielorte werden zeitnah bekannt gegeben. Featuring special guests.



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Coco
Coco
29. März, 2023 18:48

Vielen Dank, hat Spaß gemacht das quasi mitzuerleben.

Thomas Bunzenthal
Thomas Bunzenthal
29. März, 2023 19:06

Gut geschrieben.

Hab das auch erlebt, Leute, die man 25 Jahre nicht gesehen hat und es sich anfühlt, als wäre es gestern gewesen.

comicfreak
comicfreak
30. März, 2023 15:11

ich und meine Quasicousine.
30 Jahre kein Kontakt, jetzt passt kein Blatt zwischen uns. Hat sich nicht eine Sekunde fremd angefühlt

Mick Briem
Mick Briem
29. März, 2023 19:29

Und diesmal sind wir Frühbucher und dabei! 😊

Bärbel
Bärbel
29. März, 2023 20:26

wenn du lust hast, in dortmund vorbei zu schauen, sag bescheid 🙂

comicfreak
comicfreak
29. März, 2023 21:28

Ich und die Hühner bewerben uns um eine Karte

gerrit
gerrit
30. März, 2023 00:29

Geniale Idee, das zu machen, sobald sich die Zeit findet und nicht erst wenn man alt ist.

S-Man
30. März, 2023 00:34

Danke, es war mir ein Fest! Gern wieder!

Manuhiri
Manuhiri
30. März, 2023 11:38

Sorry, in B von oben runter glotzen, aber in D nicht mal die 168 bewältigen?
Was’n das?

Manuhiri
Manuhiri
30. März, 2023 14:41
Reply to  Torsten Dewi

Wenn ich den Leuten die Zähne lang mache, dann nehme ich sie
auch mit, vielleicht bliebe was hängen. Für vernünftige Bilder
wäre auch Platz und Worte sollen doch auch einfangen. Fotos
von Eis, Pizza und Katzen gibt es doch im Netz genug. Mich
überkam ein leichtes Gefühl von Bäckerblume.

Dinozeros
Dinozeros
30. März, 2023 13:51

Ron Swanson… früher war es oft Riker. Beide okay. Guck S3. Viel Gold. Enjoy.

Patrick
Patrick
30. März, 2023 14:08

Glückwunsch zur tollen Tour und den vielen Freundschaften!
Da wird man glatt neidisch! 😉

Den ehemaligen Düsseldorfer McDonald’s kenne ich noch aus den 90ern.
Der wurde in der Kindheit ab und zu mal kombiniert mit einem Besuch des UFA Universum Kinos ein paar Meter weiter, das es aber auch schon lange nicht mehr gibt.

Walter K. aus H.
Walter K. aus H.
30. März, 2023 15:09

„auch wenn ich Data Becker vermisse, Horten, Schauland und das Resi-Center“

Und den Stern-Verlag? DER STERN-VERLAG!

Dinozeros
Dinozeros
30. März, 2023 16:31
Reply to  Torsten Dewi

Beitrag…

Martin
Martin
30. März, 2023 23:29

Da wird mein gefühlskaltes Herz ganz warm.
Schön zu lesen. Und schön, wenn es noch so viele Menschen gibt, mit denen man sich treffen will und von denen man getroffen werden will.
Dann hat man nicht so viel falsch gemacht im Leben.

Moritz
Moritz
30. März, 2023 23:58

Danke für den schönen Bericht, der mich daran erinnert, dass ich meine Freunde viel häufiger von Angesicht zu Angesicht treffen sollte.
Sehr passend finde ich übrigens die Tatsache, dass deine Reiseroute ein (zugegebenermaßen etwas deformiertes) Herz beschreibt.