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Mrz 2017

The true original (well…) Sorcerer Supreme: Doctor Mordrid, Master of the Unknown!

Themen: Film, TV & Presse |

"What’s you name?"
"Doctor Mordrid."
"Strange."
"No, Mordrid."

Es ist ein guter Zeitpunkt, Charles Band-Fan zu sein. Nicht nur erscheint dieses Jahr noch der zweite Band über die Karriere des fleißigen B-Film-Produzenten, seine comic-esken Abenteuerstreifen werden auch verstärkt wiederentdeckt. Als ich zusammen mit Dave Jay vor mehr als 10 Jahren die Arbeit an dem Buch begann, waren die meisten kleineren Filme von Band schwer zu bekommen, ich musste teilweise TV-Aufnahmen aus irgendwelchen Obskur-Ländern einkaufen. Viele Fassungen waren gar nicht mehr verfügbar, der ganze Softsex- und Familien-Sektor von Full Moon praktisch verschollen.

Band selbst begann dann, seine Produktionen aus den 90ern wenigstens auf DVD auszuwerten. Zwar bekam der Käufer für sein Geld oft genug nur digitalisierte VHS-Rips oder geschnittene Rumpffassungen ohne Extras, aber immerhin – es ging voran, u.a. mit einem Box Set einiger Surrender Cinema-Schweinereien:

Es blieb in der Folge anderen, größeren Vertriebsfirmen wie Shout Factory und 88 Films vorbehalten, Band’s beste Streifen international aus- und dabei aufzuwerten. Mittlerweile sind diverse echte Klassiker aus der Full Moon- und Empire-Schmiede ENDLICH in HD verfügbar: From Beyond, Trancers, Prison, Terrorvision, Dolls, u.a.:

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Auf dem deutschen Markt sah es lange Zeit eher mau aus, was Re-Releases von Full Moon-Highlights angeht. Aber es kommt Bewegung in die Sache. So hat Wicked Vision am 3.3.2017 die Lovecraft-Melange "Lurking Fear" (in Deutschland: "Shocking Fear") in einer limitierten, mit drei Cover-Varianten versehenen Mediabook-Edition auf den Markt geworfen. Besonders erfreulich: die Masse an teils exklusiven Extras.

Das wirkliche Sahnestück von Wicked Vision kommt allerdings erst noch – einer meiner absoluten Favoriten aus der Full Moon-Fabrik:

Egal, welches Cover man bevorzugt – man bekommt auf jeden Fall einen sehr schön remasterten Film auf Blu-ray und DVD mit massenweise Bonusmaterial. Ich muss es wissen: Ich habe nicht nur das 24seitige Booklet geschrieben und ein Interview mit dem Cover-Künstler geführt, sondern auch mit Onkel Filmi einen der beiden Audiokommentare eingesprochen. Aber das ist längst nicht alles, was diese Edition zu bieten hat – die volle Packung:

24-seitiges Booklet mit einem Essay von Torsten Dewi und einem exklusiven Interview mit Lee MacLeod • Audiokommentar mit Regisseur Charles Band und Hauptdarsteller Jeffrey Combs • Audiokommentar mit Torsten Dewi und Marco Erdmann • Videozone: „Hinter den Kulissen von Doctor Mordrid“ • Uncut Footage: Hinter den Kulissen Dokumentation (ca. 92 Min., BD only) • Rare Interview: Interview mit Stuart Gordon, Jeffrey Combs und Barbara Crampton • Interview mit Comic-Legende Jack Kirby • Deutscher Trailer • Alternativer Trailer • US-Trailer • Bildergalerie

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Es würde mich freuen, wenn meine Beteiligung und die Tatsache, dass hier ein kleiner Klassiker des 90er-Fantasy-Kinos endlich angemessen präsentiert wird, den einen oder anderen von euch zum Kauf bewegen könnte. Denn nur das sichert weitere Lizenzen – die Quelle Full Moon ist noch lange nicht versiegt.

Hier die Links zur Bestellung von Cover 1Cover 2 Cover 3.

Bleiben wir aber noch ein wenig bei "Doctor Mordrid". Der Film galt schon immer als Perle aus dem Filmstudio von Charles Band und wird auch von der aktuellen Kritik trotz einiger Mängel sehr wohlwollend gesehen:

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Das neuerliche Interesse hat natürlich auch mit dem Boxoffice-Erfolg von "Doctor Strange" zu tun – einem Film, zu dem "Doctor Mordrid" nicht zufällig erstaunliche Parallelen zeigt. Warum das so ist, erkläre ich euch nun in einem kleinen, wunderschön bebilderten Exzerpt aus meinem Booklet für Wicked Vision.


The "strange" story of Doctor Mortalis aka Doctor Mordrid

Es war um das Jahr 1985/86 und Empire Pictures auf dem wirtschaftlichen Höhepunkt, als Charles Band stolz eine neue Zusammenarbeit verkünden konnte: Mit Jack Kirby hatte er eine echte Comic-Legende an Bord geholt, dessen Name für praktisch alle großen Marvel-Helden der 60er stand: Fantastic Four, Hulk, Silver Surfer, X-Men, Thor. Kirby sollte für Band einige neue Heldenfiguren entwerfen, die dieser dann mit großem Aufwand filmisch umsetzen wollte. Was Band vorschwebte, war eine verknüpfte Welt aus diversen Filmen, ähnlich dem Marvel-Comicuniversum.

Kennt man sowohl die Arbeitsweise von Charles Band als auch die Spätwerke von Jack Kirby, dann ist es kein Wunder, dass die beiden am stärksten promoteten „neuen“ Figuren aus Versatzstücken von bereits bekannten Charakteren bestanden: So war der „Mindmaster“ eine Mischung aus Professor X und Iron Man, während „Doctor Mortalis“ sehr eindeutig an Doctor Strange angelegt war. Wie üblich verwendete Band großformatige Poster-Artwork, um für diese Produktionen zu werben – man kann sie heute noch z.B. im japanischen Presseheft zu „Re-Animator“ sehen. Dort steht auch ein Verleihstart geschrieben: „October 1986“.

Dazu sollte es allerdings nicht kommen. Charles Band hatte sich am Kauf eines kompletten Studiogeländes in Italien übernommen und beim Versuch, einen immer überhitzteren Markt mit immer mehr Produktionen zu fluten, hoch verschuldet. Während der Produktionsphase einiger der ambitioniertesten Empire-Produktionen („Arena“, „Robot Jox“) kam der Konkurs und viele vielversprechende Drehbücher wurden auf Eis gelegt. Dazu gehörten neben dem Frauenpiraten-Film „Bloody Bess“ und der Lovecraft-Verfilmung „Shadow over Innsmouth“ leider auch „Mindmaster“ und „Doctor Mortalis“.

Charles Band war von der Pleite seiner Produktionsfirma nicht kleinzukriegen. Er gab schon Ende der 80er die Gründung eines neuen Studios bekannt: Full Moon Entertainment. Dafür hatte er finanzkräftige Partner gewinnen können: Hollywood-Gigant Paramount Pictures beteiligte sich den Budgets, um einen Großteil der Vertriebsrechte für die Full Moon-Filme zu erhalten. Das garantierte Band einen steten Geldfluss – und ein neues Geschäftsmodell: Full Moon war das erste nennenswerte Studio, das sich vollkommen auf die Produktion von „direct to video“-Genrefilmen konzentrieren sollte. Kostspielige Kinoauswertungen waren nicht mehr geplant.

Es war dieser Rahmen, in dem Charles Bands Idee eines geschlossenen filmischen Universums tatsächlich gedeihen konnte. Wie bei Marvel und DC wurden nicht einzelne Filme, sondern gleich ganze Reihen konzipiert. Es gab Comics zu diversen Full Moon-Franchises (Trancers, Puppet Master), Merchandise in Form von Figuren und Sammelkarten wurde produziert. Ein eigens gegründeter Verlag kümmerte sich um die Vermarktung der Soundtracks (primär von Charles Bands Bruder Richard).In Deutschland startete der Verleih sogar einen kurzlebigen Full Moon-Fanclub mit eigener „Zeitung“. Und am Ende jeder Videokassette fanden die Zuschauer die „Videozone“, eine Art Full Moon-Magazin mit vielen „behind the scenes“-Aufnahmen. Im Grunde genommen hatte Charles Band damit die DVD-Extras erfunden, bevor es DVDs gab! Es sei der Fairness halber erwähnt, dass die Videozones auch dazu dienten, die Laufzeit der notorisch kurzen Full Moon-Filme etwas zu kaschieren.

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Kern der Full Moon-Philosophie war es jedoch, die langlaufenden Franchises mittelfristig miteinander zu verzahnen, damit sie einander befruchten konnten. Das war Anfang der 90er ein geradezu revolutionär neues Konzept, das außerhalb von Comics noch nie versucht worden war. So kam es, dass der Mini-Cop Brick Bardo aus dem „Dollman“ gegen die teuflischen Spielzeuge aus „Demonic Toys“ antreten konnte – im konsequent betitelten „Dollman vs. Demonic Toys“.

Die ersten Jahre des neuen Jahrzehnts verbrachte Charles Band daher damit, sein Universum mit spannenden Figuren zu bevölkern. Den knorrigen Cop Jack Deth aus „Trancers“ rettete er noch aus Empire-Zeiten herüber, dazu kamen die tödlichen Marionetten aus „Puppet Master“, die Vampire und ihre Kreaturen aus der „Subspecies“-Reihe, die Riesenroboter aus den „Robot Jox“-Nachfolgefilmen, etc.

Und dann waren da noch „Doctor Mortalis“ und der „Mindmaster“ von Jack Kirby.

Es lässt sich trefflich diskutieren, warum sich Charles Band entschloss, beide Figuren einer Namensänderung zu unterziehen. Es gibt Gerüchte, nach denen der Deal mit Jack Kirby abgelaufen war. Andere Quellen behaupten, Band habe schlicht das Geld für die Urheberrechte sparen wollen. Die Umbenennung gab ihm außerdem die Möglichkeit, frühere Verpflichtungen abzuwerfen. Wie dem auch sei – aus „Mindmaster“ wurde 1992 der „Mandroid“ (angelehnt an eine ähnliche Figur aus Bands früherem Film „Eliminators“) und aus „Doctor Mortalis“ wurde „Doctor Mordrid“. Der damalige Full Moon-Hauszeichner Lee MacLeod fertigte beeindruckende Artwork für beide Produktionen an.

Wie sehr Charles Band daran gelegen war, Doctor Mordrid zu einer Schlüsselfigur seines filmischen Universums zu machen, kann man gut daran erkennen, dass er zusammen mit seinem Vater selber die Regie übernahm. Mit (angeblich, diese Zahlen sind grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen) 2 Millionen Dollar Budget wurde „Doctor Mordrid: Master of the Unknown“ einer der teuersten Full Moon-Filme und ausnahmsweise nicht in Rumänien gedreht, wo Charles Bands Firma Anfang der 90er Dauergast war.

"Jurassic Park", dem Eventereignis des Kinosommers 1993, hatte „Doctor Mordrid“ es hierzulande zu verdanken, dass sowohl seine Hauptfigur als auch die spektakuläre Artwork von Lee MacLeod in der Vermarktung keine Rolle spielten. Der Verleiher Highlight entschied sich, den Film im November 1993 unter dem Label „Condor Video“ mit einem neuen Cover auszustatten, das primär den Tyrannosaurus Rex in Szene setzte. Dazu verpasste man „Doctor Mordrid“ einen neuen, denkbar dämlichen Titel: „Rexosaurus“. Und weil man schon mal dabei war, den Karrierestart von Doctor Mordrid zu torpedieren, ließ man gleich auch noch die begleitende „Videozone“ weg. Damit mag man erfolgreich auf der Dino-Welle geritten sein – die Magie hatte man Mordrid allerdings weitgehend ausgetrieben.


Soviel dazu. Am Ende reichte es nicht für die teilweise bereits geschriebenen Sequels und Teamups –  uns bleibt als Teaser nur noch das Vorab-Plakat von Charles Bands hauseigener Avenger-Variante "Legion of Doom":

Wer jetzt auch nur einen Hauch meiner Begeisterung für "Doctor Mordrid" teilt, sollte sich das Mediabook besorgen. Da erfahrt ihr noch viel, viel mehr.

Und wenn ihr brav seid, gibt’s demnächst noch eine Verlosung…



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Peroy
Peroy
22. März, 2017 19:52

Furchtbarer Film.

dyson
23. März, 2017 09:37

Nee. Der Film ist knuffig, der steht auch schon seit Ewigkeiten hier als DVD rum. Aus Verbundenheit für WV werde ich mir bei Zeiten natürlich auch die BD zulegen.

Torsten, bist du bei "Ghost Town" auch wieder mit dabei?

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos
23. März, 2017 12:36

Und hier wären wir wieder beim Thema vom 20.03: Vielen Dank für den Hinweis auf den Film und alle Beteiligten waren hier sicher mit viel Liebe am Werk, ABER 30€ für einen obskuren B-Film? Für Liebhaber des Streifens sicher interessant, aber mir als Nichtkenner ist das leider einfach zu teuer (trotz der charmanten Anpreisung hier).

TimeTourist
TimeTourist
23. März, 2017 12:53

Ich bin brav!
Wenn du jetzt noch eine Blu-ray von Robot Jox drauf legst würde ich sogar einen Monaten deinen Haushalt schmeißen 🙂

Peroy
Peroy
23. März, 2017 18:14

Der is' nicht knuffig, der is' furchtbar.

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[…] Vorarbeit für „Avengers“ leisteten, zogen bei Charles Band der „Mandroid“, „Doctor Mordrid“ und „Invisible (Man)“ gegen das Böse zu Felde, um schließlich als „Legion of […]