5
Februar 2017

Promitod als Deppenköder: Facebook Fake News

Ich habe mich - wegen des Sabbaticals und mangels Interesse - aus der gesamten Fake News-Diskussion rausgehalten. Aber was ich eben bei Facebook gesehen habe, hat schon eine ganz neue Dimension. Dass zum Ködern potenzieller Kunden für obskure Produkte so ziemlich jeder Clickbait erlaubt ist, war mir klar. Aber das hier...

Klickt man den Link an, ist Dwayne Johnson aka The Rock aka "dWayne" zwar nicht mehr tot, aber immer noch in Schwierigkeiten:

Nur: Das Bild ist aus einem Film, Johnson nicht angeklagt und die Webseite auch gar nicht von ESPN, wie man an der URL sehen kann. Es geht nämlich schlicht um den Verkauf der angeblich muskelbildenden Nahrungsergänzungsmittel namens Horlaxen und Armostrax. 

Ziemlich clever ist dabei, wie muskelhungrige Spacken als Kunden geködert werden: Es wird so eine Art halbseidene Legende aufgebaut, nach der die beiden Pülverchen tatsächlich unter der Hand bei den Actionstars der Traumfabrik kreisen und von den Behörden massiv kritisch gesehen werden. Wer die nimmt, hat also nicht nur Herrschaftswissen, sondern ist auch eine verdammt coole Sau.

Es ist schon wieder meta, dass die kritischste Analyse dieser Masche von einer Webseite stammt, die ebenfalls solche Mittel verhökert, allerdings von der Konkurrenz...

Hier äußert sich ein Kenner der Szene:

Und wer nun meint, nur Männer würden auf eine so doofe Nummer reinfallen, dem empfehle ich bei Übermedien einen Artikel über die Frauen-Variante...

Trackback-URL 2 Kommentare
5
Februar 2017

Ärgernis Fantasy-Filmfest-Planung

Abteilung "Nach dem Festival ist vor dem Festival..."

Die Artwork zum neuen Fantasy Filmfest 2017 ist raus - und entfernt sich wieder mal einen Schritt von Konzept Fantasy. Was soll das sein? Was soll mir das sagen? Warum sollte mich das scheren? Was war an Fay Wray so falsch, an Boris Karloff, an Bela Lugosi, am Schrecken vom Amazonas, an Pinhead?

Aber damit fangen die Probleme erst an...

Das nächste "kleine" Fantasy Filmfest, in Form der regulären (non-White) Nights, startet Ende April. Finde ich persönlich ein bisschen zu nah an den gerade erst beendeten White Nights, aber da das große Fantasy Filmfest diesmal erst im September startet, ist es gut zur Überbrückung. Dauerkarten sind bestellt, es wird wieder Nürnberg werden. Zwar bin ich hier erst in der zweiten Woche dran, aber in der ersten Woche könnte ich sowieso nicht - da friere ich mir die Zehen in Island ab...

Leider haben sich die Veranstalter entschieden, beim großen Fantasy Filmfest mal wieder die Karten neu zu mischen. Wir erinnern uns: Ich bin nach Jahren in München für die Periode 2010 bis 2013 nach Berlin gepilgert, weil man die Hauptstadt zum ersten Festivalort erklärt hatte. Da es mein Interesse ist, die Filme so früh wie möglich zu besprechen, um den Besuchern in anderen Städten die Auswahl zu erleichtern, war es schlicht nicht praktikabel, in München hinten in der Schlange zu stehen.

Aus organisatorischen Gründen bin ich nach ein paar Jahren in Berlin auf Nürnberg ausgewichen. Das ist insgesamt stressfreier und ich genieße bekanntermaßen die Gesellschaft von Doc Acula, dem Yeti. Die Tatsache, dass Nürnberg traditionell ein oder zwei Tage nach Berlin startet, ist ein weiteres Plus.

Nicht so 2017.

Diesmal ist MÜNCHEN wieder Ausgangspunkt des Festivals, einen Tag später startet STUTTGART, eine Woche später Berlin, und Nürnberg ist Schlusslicht. Irgendwo mittendrin: Hamburg, Frankfurt und Köln.

MÜNCHEN 06–16 Sep
STUTTGART 07–17 Sep
BERLIN 13–24 Sep
FRANKFURT  14–24 Sep
HAMBURG 21 Sep–01 Okt
KÖLN 21 Sep–01 Okt
NÜRNBERG  21 Sep–01 Okt

Das ist für mich die denkbar ungünstigste Konstellation, weil:

  • Nürnberg ist damit de facto raus
  • Berlin ist mir ebenfalls zu spät
  • In München fehlt mir mittlerweile die "crew", die mit mir das gesamte Festivalprogramm zuverlässig durchleidet
  • In Stuttgart habe ich keine Kontakte und es ist gerade weit genug von Baden-Baden entfernt, um keine Heimübernachtung zu erlauben
  • Ditto Frankfurt
  • In Köln hätte ich sicher Gleichgesinnte, müsste aber aus Kostengründen jeden Abend nach Düsseldorf zur Übernachtung fahren - und terminlich liegt's auch hinten

Was tun? 

Ich weiß es schlicht nicht. Und darum geht die Frage auch an euch: Wird dieses Jahr jemand in München eine Dauerkarte kaufen? Wer ist vollzeit in Berlin? Irgendjemand aus Stuttgart anwesend?

Ich bin für Vorschläge, die zu meinem Bedarfsprofil passen, offen.

Trackback-URL 1 Kommentar
16
Januar 2017

Fantasy Filmfest White Nights 2017: Das Fazit

Für mich sind die FFF Nights immer ein prima Kompakt-Festival, bei dem es sich lohnt, per Bus oder Bahn anzureisen. Das ermöglicht mir die Erstellung der Review-Vorlagen auf der Hinfahrt und das Schreiben der letzten fünf Reviews auf der Rückfahrt. Heute war es gar so, dass ich im IC von Nürnberg nach Karlsruhe mangels Internet die Kritiken in Word verfasst und sie dann in den zehn Minuten ICE von Karlsruhe nach Baden-Baden hochgeladen habe. Mit dieser Strategie bleibt das Festival in sich geschlossen und nimmt mir weder vorher noch nachher viel Zeit.

Ein bisschen ärgerlich ist und bleibt die Pausenbemessung zwischen den Filmen, die eigentlich nie genug Zeit für eine warme Mahlzeit lässt. Da wird die Nahrungsaufnahme unnötig stressig. Echte Profis wie ich haben die Dominoes-App auf dem Handy und schaffen es, während des Nachspanns eine Pizza zu ordern, sie in der Filiale abzuholen und sie punktgenau zum Start des nächsten Films zu verputzen. Schön (und gesund) ist anders.

Das Programm? Statistisch ein gutes Jahr mit wenigen Ausfällen, etwas subjektiver betrachtet aber eher schwach. Eine zu starke Dominanz der amerikanisch oder generell englischsprachigen Produktionen, nichts aus Asien, nichts aus Deutschland, nichts aus Südamerika. Und genau genommen hatten 60 Prozent der Filme keinerlei phantastische Elemente. 

Was gut war, war aber richtig gut und auch in der Mischung (Splatter-Comedy, Home Invasion, Science Fiction, Jugendabenteuer) breit gestreut. 

Zu meiner Freude sind die nächsten Fantasy Filmfest Nights bereits für Ende April terminiert. Auch am großen Haupt-Festival wird schwer gearbeitet - für viele dürfte es keine gute Nachricht sein, dass die Veranstalter dieses Jahr mit unfassbaren 12 TAGEN Programm planen! Das können also locker mehr als 60 Filme werden. Wie viele Fans sich dafür allerdings so viel Urlaub nehmen dürfen, steht auf einem anderen Blatt. Ich halte diese Streckung für Dauerkarten-feindlich und möchte auch gar nicht wissen, was der permanente Sitzplatz im August kosten wird...

Mir egal - ich bin FFF-Oldie und gehöre quasi zum Inventar. Mein Dank geht wie immer an Yeti Doc Acula für den geteilten halben Schmerz und an die ganzen Nasen, die man mittlerweile schon kennt, weil man sie vor Ort jedes Jahr trifft. Es ist mir eine Freude. 

Trackback-URL 9 Kommentare
16
Januar 2017

FFF White Nights 2017: Prevenge


England 2016. Regie: A
lice Lowe. Darsteller: Alice Lowe, Gemma Whelan, Kate Dickie, Jo Hartley, Dan Renton Skinner, Kayvan Novak, Mike Wozniak, Tom Davis, Tom Meeten

Offizielle Synopsis: Am Anfang steht eine drastische Gräueltat. Damit ist das psychologische Fundament für ihre hochschwangere Ruth gelegt! Es gibt kaum etwas, was der frisch gebackenen Witwe noch ein Lächeln abringt. Dafür spürt Ruth eine besondere Verbindung zu ihrem Ungeborenen: Sie meint, Befehle von ihm zu erhalten! Tödliche Befehle, denen sie nur allzu gerne nachkommt ...

Kritik: War es bei „The Void“ die konzeptionslose Wirrnis der Handlung, die mich wütend machte, ist es bei „Prevenge“ die Hauptfigur und Hauptdarstellerin. Da sind die Grenzen fließend, denn Alice Lowe hat sich quasi den Thriller zur eigenen Schwangerschaft geschrieben und inszeniert. Eine Idee, die so prima ist wie die von Künstlerinnen, mit ihrem eigenen Menstruationsblut Bilder gegen den Hunger in Afrika zu malen. Die Frau ist als Mittelpunkt ihres eigenen Films unsäglich, ihr permanentes leeres Depri-Gesicht hat mich wirklich aggressiv gemacht. Sie spielt (ist?) eine dieser sitzengebliebenen Mittdreißigerinnen, die tagein tagaus nur darüber jammern, dass kein Mann eine Frau will, die tagein tagaus nur darüber jammert, dass kein Mann eine Frau... ad infinitum. Ihre Welt kreist ausschließlich um sie, und diese Welt ist schlecht. Emotional ist sie auf den Stand einer depressiven 14jährigen stehen geblieben. Niemand versteht mich. Buhuuu.

Wem die Frau übrigens bekannt vorkommt, der hat vielleicht die Kult-Sitcom "Garth Marenghi's Dark Place" gesehen:

Über diese unsäglich eitle Nabelschau hinaus hat „Prevenge“ keinerlei Handlung zu bieten. Ruth bringt Leute um, die sie für irgendwie mitverantwortlich an der eigenen Misere hält. Das stimmt zwar nicht, aber Ruth ist überzeugt, dass Ihr Baby im Bauch das so will. Und irgendwie sind ja alle Menschen Schweine, da trifft es nie den Falschen.

Wäre es wenigstens komisch oder ironisch gebrochen! Aber „Prevenge“ ist eine gelebte Schwangerschafts-Psychose, wenn ich mal auf Yeti-Sprech zurückgreifen darf. Er ist der Beweis, dass man von einem Film deprimiert werden kann – wenigstens (hoffentlich) nicht auch noch schwanger. Ich werde das Gefühl nicht los, dass Alice Lowes einzige Motivation war, sich im letzten Trimester nicht zu Hause langweilen zu müssen – und dass die Hormone ihr jedes Verständnis dafür, was ein brauchbares Skript ausmacht, weggeblasen haben. Haltet ihr das für eine sexistische und arrogante Aussage von mir? Mag sein. Aber der Film und seine Macher haben bei mir jede Rücksicht auf soziale Konventionen verspielt. Alice Lowe war fies zu mir – bin ich halt fies zu ihr.

Oder ist das wieder so ein Männerding? Würde eine Frau, insbesondere nach einer durchlebten Schwangerschaft, eine ganz andere Solidarität zum Geschehen auf der Leinwand aufbauen? Gibt es da eine hormonelle Meta-Ebene, die sich mir verschließt? Ich fordere die Damenwelt unter meiner Leserschaft auf, sich zu äußern!

Das hier wäre eigentlich einer der seltenen 1 Punkte-Kandidaten (ich muss mal durchdenken, ob meine Skala überhaupt eine 0 beinhaltet). Aus diesem tiefen Tal der Trübnis reißt „Prevenge“ nur die Tatsache heraus, dass ein paar der Nebenfiguren ganz nett ge/überzeichnet sind.

Fazit: Eine dröge, deprimierende und gänzlich freudlose Mordserie einer drögen, deprimierenden und gänzlich freudlosen Hochschwangeren in einem drögen, deprimierenden und gänzlich freudlosen Film. Für gleichgesinnte Zuschauer. 2 von 10.

Shriek of the Yeti:

"Schwangerschafts-Psychose - der Film. Warum muss ich solches Egogewichse sehen? 3/10."

Trackback-URL 5 Kommentare
16
Januar 2017

FFF White Nights 2017: The Void

Kanada 2016. Regie: Jeremy Gillespie, Steven Kostanski. Darsteller: Ellen Wong, Kathleen Munroe, Kenneth Welsh,Aaron Poole, Art Hindle, Amy Groening, Stephanie Belding

Offizielle Synopsis: Sheriff Carters gemütliche Nachtschicht kommt zu einem jähen Ende, als ihm aus dem Wald ein blutender Mann vors Auto rennt. Umgehend bringt Carter den Verletzten ins naheliegende Krankenhaus, doch damit tritt er ungewollt eine höllische Lawine los. Zuerst tauchen zwei mysteriöse Jäger auf, die dem Unbekannten nach dem Leben trachten. Aber schon bald sieht sich die illustre Schar von Patienten und Angestellten einem viel größeren Problem gegenüber: Niemand kann das Krankenhaus verlassen, denn draußen versammeln sich messerschwingende Kultisten in weißen Roben, die jeden Fluchtversuch vereiteln. Und als dann drinnen die ersten Opfer zu ekelerregenden Schleimmonstern mutieren, müssen die Überlebenden erkennen, dass das wahre Tor zur Hölle gerade erst begonnen hat, sich zu öffnen ...

Kritik: Auf jedem Festival gibt es ein oder zwei Filme, die einem die Laune verderben. Nicht, weil sie schlecht sind – schlechte Filme gehören im wahrsten Sinne des Wortes zum Programm, da muss man durch, das preist man mit ein. Ich rede von ärgerlichen Filmen, von doofen Filmen, die selbst einfachste Prämissen vergeigen, weil die Macher denken, sie hätten einen ganz tollen Dreh gefunden – der komplett nach hinten losgeht.

2015 war das z.B. „Hellions“, ein kanadischer Film, der ein ganz solides „Home Invasion“-Setup in einen pinkfarbenen, unentschlüsselbaren Mindfuck dreht und dabei die Zuschauer komplett außen vor lässt. 2017 begeht der ebenfalls kanadische „The Void“ so ziemlich den exakt gleichen Fehler.

Die Ausgangssituation ist weder neu noch spektakulär, aber vielversprechend: In düsterer Nacht entdeckt ein Sheriff einen verletzten Mann auf der Landstraße, bringt ihn in ein Krankenhaus, das nach einem Brand nur noch mit einer Notbesetzung arbeitet, die auf den Umzug in das neue Gebäude wartet. Schnell stellt sich heraus, dass eine Sekte bizarrer Kuttenträger hinter dem Flüchtling her ist und eine paranormale Entität die Toten in Monster verwandelt...

„Das Ding aus einer anderen Welt“ meets „Assault on Precinct 13“. Klingt doch gut. Klingt solide. Klingt wie „kann man machen, bringt man 90 Minuten mit rum“.

Leider fliegen die Carpenter-Anleihen nach dem ersten Akt aus dem Fenster und die Lovecraft- und Barker-Gäule gehen mit den Machern durch. Es geht um geheime, obszöne Experimente, Tore in gar schröckliche Dimensionen, satanische Allmacht, verbotenes Wissen – und zu letzterem gehört anscheinend auch die Frage, was der wirre Kappes überhaupt soll. Jeder stringente Plot wird abserviert, der Antagonist geriert sich als Möchtegern-Pinhead und man fragt sich im Rückgriff auf die Sesamstraße: wieso weshalb warum? Tausend tolle Sachen, die gibt es überall zu sehen – aber nicht hier.

Es zieht sich, es kommt nichts voran, man wünscht sich das Ende herbei. Und dieses Ende ist erwartungsgemäß metaphysischer Unfug ohne jeden inneren Abschluss, da wird fleißig am Altar des ersten Phantasm-Films und bei Fulci gehuldigt.

Fazit: Hätte als Satanisten-„Assault“ funktionieren können, aber die Macher hatten andere Ideen. Dumme Ideen. Ein wirres Ärgernis ist das Ergebnis. 2 von 10. Es kann kaum noch schlechter werden...

Shriek of the Yeti:

"Aus Carpenter- und Barker-Versatzstücken zusammengestückelter Horror, der sich nach einer starken ersten halben Stunde leider dem kompletten groben Unfug ergibt. 5/10."

Trackback-URL 6 Kommentare
16
Januar 2017

FFF White Nights 2017: Hunt for the Wilderpeople

Neuseeland 2016. Regie: Taika Waititi. Darsteller: Julian Dennison, Sam Neill, Rima Te Wiata, Rachel House, Rhys Darby, Cohen Holloway, Stan Walker, Taika Waititi

Offizielle Synopsis: Der dicke Ricky ist ein Problemkind mit hohem Verschleiß an Pflegefamilien. Die grummeligen Hinterwäldler Bella und Uncle Hec sind seine letzte Chance, die drohende Erziehungsanstalt zu verhindern. Doch kaum hat sich der dreizehnjährige Pechvogel eingelebt, kommt es zu einem unerwarteten Schicksalsschlag. Eine Katastrophe, die Ricky und Uncle Hec bald durch den tiefsten neuseeländischen Busch stapfen lässt, ständig auf der Flucht vor durchgeknallten Kopfgeldjägern, machtbesessenen Sozialarbeiterinnen und gereizten Wildschweinen. Aus einem harmlosen Trip wird plötzlich eine der größten Hetzjagden des Landes. Und unter den Augen von Medien und Sympathisanten steigt das ungleiche Duo zu Volkshelden auf. Doch die Schlinge zieht sich immer enger um die beiden zusammen. Oder, wie Ricky sagen würde: „Shit just got real!“

Kritik: Ich weiß, dass ihr jetzt die Augen verdreht und denkt: „Schon wieder? Alter, wie oft willst du das noch sagen?!“. Aber es muss gesagt werden: J’accuse! Was zur Hölle macht mittlerweile die Definition von Fantasy im Kontext des Fantasy Filmfest aus? War schon „My big night“ im letzten Jahr weit über die Maßstäbe hinausgeschossen, ist dieses Jahr „Hunt for the Wilderpeople“ ein Beitrag, dessen Auswahl die Stirn runzeln lässt. Es ist die Verfilmung eines Kinderbuches ohne jegliche Genre-Elemente. Ein Jugendfilm über das erwachsen werden, über die Möglichkeit, sich in der Natur neu zu justieren. Es kann doch nicht sein, dass die Veranstalter sich damit rechtfertigen, der Regisseur habe aber mit „What we do in the Shadows“ vor nicht allzu langer Zeit einen echten Festival-Favoriten abgeliefert. Nach diesem Maßstab müsste man hier auch „Die Farbe Lila“ zeigen, weil Spielberg vorher „Der weiße Hai“ gedreht hat.

That said...

„Hunt for the Wilderpeople” ist ein ganz erstaunlicher, sanfter, anrührender Film mit viel Humor und Herz, der im Grunde eine Variante von “Heidi” erzählt: Die kleine Waise landet im abgelegenen Tal beim grummeligen Eremiten, der ihr Natur und Eigenverantwortlichkeit näherbringt. Als das Kind in die Zivilisation zurückgeholt werden soll, kommt es zum Konlikt.

In Waititis Adaption ^wird die Figurenkonstellation entscheidend erweitert: Ausgangspunkt ist die freundliche, gutmütige Bella, die den als hoffnungslosen Fall eingestuften Ricky auf ihre Farm holt, wo sie schon den knorrigen Hector vom alkoholisierten Totalausfall zum verlässlichen Helfer umgeschult hat. Sie ist das Herz der kleinen Familie, alles kreist um ihre Wärme – als sie plötzlich stirbt, hinterlässt sie ein für alle Beteiligten unfassbares und unfüllbares Loch. Die Satelliten des Planeten Bella müssen nun lernen, umeinander zu kreisen.

„Hunt“ erzählt diese alte Geschichte mit gänzlich modernen Figuren: Ricky trägt ein blingbling-Hoodie und nennt seinen Hund Tupac, die Fürsorge setzt zuerst die Polizei, später sogar Helikopter und Panzer auf die Flüchtlinge an. Sogar für eine putzige Anspielung auf „Der Herr der Ringe“ ist Zeit. Sind Ricky und Hector noch vergleichsweise normal, wenn auch typisch für Kinderbücher etwas überzogen gezeichnet, lässt der Film bei den Nebenfiguren die Sau raus – sie sind reiner Cartoon, überspitzte Katalysatoren und Comic Relief.

Am meisten hat mich erstaunt, wie mühelos die Elemente ineinandergreifen, wie sich Herzschmerz und Humor abwechseln, die Härte der Natur und ihr Frieden nahtlos ineinander übergehen. Der Film hat einen steten, nie überhasteten Fluss, kein erzählerischer Misston stört den Genuss.

Fazit: Ein bezaubernder Abenteuerfilm für Jung und Alt, der streng genommen nichts auf dem Fantasy Filmfest zu suchen hat, aber trotzdem niemals fehl am Platze wirkt. Ein Kleinod. Seltene 9 von 10.

Shriek of the Yeti:

"Hat nun eigentlich wirklich nichts auf dem FFF verloren (außer, dass er halt vom "What we are in the shadows"-Regisseur ist), ist aber ein ungeheuer sympathischer und emotional befriedigender Abenteuerfilm 8,5/10."

Trackback-URL 3 Kommentare
16
Januar 2017

FFF White Nights 2017: Safe Neighborhood

Australien, USA 2016. Regie: Chris Peckover. Darsteller: Levi Miller, Olivia DeJonge, Ed Oxenbould, Aleks Mikic, Dacre Montgomery, Patrick Warburton, Virginia Madsen u.a.

Offizielle Synopsis: Eigentlich ist Luke längst zu alt für einen Babysitter. Aber die Aussicht, einen gemeinsamen Abend mit seiner heißen Flamme Ashley verbringen zu dürfen, ist eine ganz andere Sache. Blöd nur, dass die Angebetete a) einen Freund hat, mit dem sie ständig telefoniert, b) es die letzte Gelegenheit für den Zwölfjährigen sein wird, sie klar zu machen, bevor ihre Familie am nächsten Tag wegzieht und c) plötzlich maskierte Typen auf der Veranda rumschleichen und anfangen, den Abend zu ruinieren. Dabei hatten Luke und sein Best Buddy, der nerdige Garrett, alles perfekt geplant! Als die Verbrecher ins Haus eindringen, wird es jedoch sofort tödlich ernst. Luke bekommt jede Gelegenheit, seine für sein Alter zweifelsfrei beeindruckende Männlichkeit und Reife unter Beweis zu stellen. Vor allem haben die Angreifer aber nicht mit dem Löwinnen- bzw. Killerinstinkt von Ashley gerechnet. Es beginnt eine lange, blutige und verhängnisvolle Weihnachtsnacht, in der nichts und niemand ist, wie es anfangs schien...

Kritik: „Safe Neighborhood“ ist wieder so ein Film, der neonostalgisch Klischees und Plots der 80er aufgreift, in diesem Fall das klassische „Home Invasion“-Szenario in Kombination mit einem Feiertag. Die Weihnacht steht bevor, die hübsche Babysitterin Ashley ist mit ihrem jungen Schützling Luke allein im Haus... da, ein Schatten am Fenster! Ein mysteriöser Anruf! Bedrohliches Klopfen an der Tür!

Schon das ist nett gemacht und mit viel amerikanischem Xmas-Sirup inszeniert, auf dass sich die vorweihnachtliche Kommerzidylle schön mit der ausbreitenden Gefahr kontrastiere. Kein Problem, diese „The call is coming from inside the house!“-Handlung nochmal und modern aufbereitet über 90 Minuten zu stricken. Aber Regisseur und Autor Chris Peckover hat größere Ambitionen und stellt nach dem ersten Akt unversehens alles auf den Kopf. Die verfolgte Unschuld selbst wird zur satanischen Bedrohung. Und sind die Masken im wahrsten Sinne des Wortes erstmal gefallen, eskaliert die Situation schnell und schrecklich...

Nun gut, man kann einige der extremen Entwicklungen in „Safe Neighborhood“ für überspitzt und sogar unglaubwürdig halten. Sind die Opfer wirklich so dumm bis hilflos, ist der Bösewicht wirklich so brillant und jenseits aller Moral? Aber Peckover ist sehr gut darin, diese legitimen Fragen durch eine flüssige Inszenierung und einen Sinn für das Absurde in den Hintergrund zu drängen. Das schiere Entertainment schlägt die Logik wie Stein die Schere.

Man sollte sich so einen unterhaltsamen, splatterigen und bösen „Kevin allein zu Hause“-Thriller nicht durch übermäßige postcinematische Analyse kaputt machen, aber dennoch wundert mich der Verzicht auf ein selbstverständliches Element: die Sexualität Ashleys. Sie ist letztlich der Auslöser der Handlung, sie gibt dem Babysitter spielerische Macht über alle männlichen Personen in ihrem Umfeld – doch selbst in höchster Not kommt sie nicht auf die Idee, ihre Werkzeuge auch nur andeutungsweise einzusetzen. Der Charakter verhält sich, als wäre ihre Ausstrahlung eine tabuisierte Waffe, deren Gebrauch selbst in höchster Not verboten bleibt. Ich kann nicht ausschließen, dass sich mir hier einfach eine Meta-Ebene nicht erschlossen hat, dass Regisseur Peckover damit irgendetwas sagen wollte. Hat jemand dazu eine Idee?

Technisch und darstellerisch spielt „Safe Neighborhood“ auf hohem Niveau, auch wenn der Anblick der gelifteten und in die Breite gegangenen Virginia Madsen mir einen Stich versetzt hat. Insbesondere bei der Kamera ist der Streifen erstaunlich, weil er die Weiterentwicklung der filmischen Möglichkeiten illustriert: vor 30 Jahren spielten diese Filme entweder ist stockdusterer Finsternis oder im Kegel von mehr oder weniger auffälligen Scheinwerfern. Die modernen Sensoren von Digitalkameras sind allerdings so feinfühlig, dass selbst in dunklen Szenen alle Details sichtbar und alle Farben kräftig bleiben. Das Objektiv wird ein immer souveräneres Auge, sein Blick immer präziser. Beeindruckend.

Fazit: Ein ironisch aufgepeppter „Home Invasion“-Thriller im Stil der 80er, der in der zweiten Hälfte eine überraschende Kehrtwende vollzieht und zunehmend boshaft eskaliert. Ideales Horrorfutter für den vierten Advent. Man sollte sich aber die gelungene Unterhaltung hinterher nicht durch zu viel Nachdenken verderben. 8 von 10.

Shriek of the Yeti:

"Schöner böser kleiner Thriller, der einen zunächst aufs völlig falsche Gleis führt und dann richtig boshaft aufdreht. 7,5/10."

Kein Trailer auffindbar.

Trackback-URL 3 Kommentare
16
Januar 2017

FFF White Nights 2017: The Osiris Child

Australien 2016. Regie: Shane AbbessDarsteller: Kellan Lutz, Daniel MacPherson, Isabel Lucas, Luke Ford, Rachel Griffiths, Temuera Morrison, Teagan Croft

Offizielle Synopsis: Deserteur Kane Sommerville kämpft sich Seite an Seite mit Ex-Häftling Sy Lombrok durch unwirtliches Niemandsland. Dicht gefolgt von einer Horde fieser Alien-Monster, die versehentlich freigesetzt nun auf Vernichtungsfeldzug gegen die Menschheit wüten. Der gefährlichste Gegner der beiden Männer ist jedoch die Zeit: In wenigen Stunden soll alles Leben auf dem Planeten ausradiert werden.

Kritik: Ich gehe bekanntermaßen „unbeleckt“ ins Festival-Kino und versuche immer, vorab so wenig wie möglich über die Filme zu lernen, um sowohl unnötig hohe Erwartungen als auch Vorurteile zu vermeiden. Wenn man eine Dauerkarte hat, sind die eh kein Kriterium für die Auswahl. Ich gehe soweit, dass ich die Inhaltsangaben aus dem Programmheft „blind“ in die Review-Vorlagen kopiere und darauf Wert lege, zwar die Trailer zu finden und einzubinden, diese aber nicht anzuschauen. Im Kino frage ich dann oft genug den Doc, wenn das Licht ausgeht: „Wie heißt denn der Streifen, der jetzt kommt?“

Gegen „The Osiris Child“ sprachen allerdings vorab zwei Details – der alberne vollständige Titel „Science Fiction Volume One: The Osiris Child“ und die mir vom Doc unvorsichtigerweise übermittelte Meinung des Lesers „Heino“, der Film sei totaler Kappes. Und „Heino“ ist durchaus jemand, dessen Urteil man ernstnehmen kann.

Ehrlich? Ich verstehe jeden, der an „Osiris Child“ was zu mäkeln findet. Der Film macht Fehler, die nicht sein müssten und die ihn ungebührlich ausbremsen. So fokussiert er sich eigentlich auf die Geschichte von Kane seiner Tochter, nur um dann die Backstory von Sy in ein paar völlig überflüssigen und ausbremsenden Rückblenden nachzuholen. Überflüssig deshalb, weil wir keine neuen Informationen bekommen – wir WISSEN, dass es einen Aufstand und einen Ausbruch im Gefängnis gab. Diesen später noch mal ausführlich zu zeigen, ist redundant und nimmt nach spektakulären ersten 20 Minuten gefährlich das Tempo raus.

Überhaupt ist der erste Akt von „Osiris Child“ der stärkste – hier wird straff erzählt und 80 Prozent der Schauwerte kommen zum Einsatz. Es erinnert an „Starship Troopers“ und „Star Trek“, überall gibt es was zu entdecken, die Konflikte werden plakativ gesetzt. Auf der Mars-Oberfläche angekommen, schaltet der eher auf eine Mischung aus „Mad Max: Fury Road“ und „Dune“ um, schwenkt von der Techno-SF zur Survival-Action.

Zu kritisieren ist auch, dass „Osiris Child“ über seine sehr episodische „wir müssen mit A nach B, um C zu finden“-Struktur den eigentlichen Plot sehr unterentwickelt lässt. Die „Raggeds“-Monster sollen indigene Lebensformen auf dem Mars eliminieren – von denen wir keine einzige zu sehen bekommen. Und die Raggeds selbst sind unbewegliche, klopsige Biester, die man kaum als Gefahr für die gesamten Kolonien ernstnehmen kann.

All das ist richtig – und mir dennoch wurscht. Weil „Osiris Child“ entgegen jeder Erwartung etwas darstellt, das ich lange nicht mehr gesehen habe: aufwändige, jugendtaugliche Science Fiction, die Begeisterung für Raumschiffe und Abenteuer auf fremden Welten weckt, die nicht an Zerstörungswut und Massakern interessiert ist, die Herz und Spielfreude mitbringt. Wer mit Filmen wie „Damnation Alley“, „Flash Gordon“, „Space Hunter: Adventures in the Forbidden Zone“ und „Cherry 2000“ aufgewachsen ist, der weiß, was ich meine. Wer Sturgeon gelesen hat und Bradbury, Asimov und Herbert, der weiß, was ich meine. Wer „Zack“ gelesen hat und „Heavy Metal“, der weiß, was ich meine. Und genau in diesem Kontext ist der Langtitel von „Osiris Child“ auch überhaupt nicht prätentiös, denn der Film wird erzählt wie ein großer Abenteuerroman (und ist auch in Kapitel unterteilt).

Abgesehen davon, dass sich Shane Abbess ganz im Stil des 80er-Kinos auf eine klassische Helden-Odyssee konzentriert, fährt er bei den Schauwerten mächtig was auf: „Osiris Child“ ist erstaunlich aufwändig, kombiniert panoramige Locations mit riesigen Sets, gönnt sich durchdachtes Design bei den Kostümen und Requisiten – und was die CGI angeht, wird auch keine Margarine aufs Brot gestrichen. Das ist Oberliga. Highlight ist dabei mit Sicherheit der „dogfight“ von Kane bei der Flucht von der Basis, bei dem sich manche Blockbuster in Sachen Actionchoreographie und Editing ein paar Scheiben abschneiden könnten.

Und schließlich: Auch die Besetzung ist fehlerlos. Daniel MacPherson überzeugt als besorgter Vater, Kellen Lutz gibt den knarzigen Wüsten-Eastwood, Teagan Croft spielt den Kinderpart ohne Peinlichkeit und immer wieder sind australische und neuseeländische Stars wie Temuera Morrison zu sehen. Einzig Isabel Lucas, die ja mal als Nachfolgerin von Megan Fox in den Transformers-Filmen gehandelt wurde, bereitet mir Unbehagen: Das ehemalige Model ist so klapperdürr, dass sie im Alleingang eine Renaissance des „heroic chic“ der 90er einleiten könnte.

There you go. Da mein Herz sowieso mehr für Science Fiction als für Horror und Fantasy schlägt und es außerhalb der Blockbuster-Franchises zu wenig davon gibt, ist es mir unmöglich, „Osiris Child“ trotz der offensichtlichen Schwächen böse zu sein. Stellt euch vor, euer 15jähriges Kind hat beim Schulsportfest den ersten Platz im 100 Meter-Sprint gemacht. Dann sagt man ja auch nicht „Usain Bolt ist schneller“. Man freut sich über die im Kontext erbrachte Leistung, klopft die Schulter, wuschelt die Haare, zieht eine Zwanziger als Belohnung aus der Tasche. Das würde ich mit Shane Abbess auch gerne machen.

Die ideale Vorspeise für „Valerian“.

Fazit: Aufwändige, abenteuerlustige und mit viel Enthusiasmus gebastelte Outback-SF, die noch nicht vergessen hat, was „sense of wonder“ bedeutet. Ein Film, mit dem man befreundet sein möchte. 8 von 10 und Fleißkärtchen. Das findet sogar das „ragged“ im Sitz neben mir:

Shriek of the Yeti:

"Ein Film, der sicher vieles falsch macht, aber das Herz am rechten Fleck hat und von großer Ambition zeugt. Das lässt mich Sympathiepunkte verteilen 7/10."

Kein Trailer auffindbar.

Trackback-URL 4 Kommentare
15
Januar 2017

FFF White Nights 2017: The Night Watchmen

USA 2016. Regie: Mitchell Altieri. Darsteller: Ken Arnold, Dan Deluca, Kevin Jiggetts, Kara Luiz, Max Wilbur, James Remar, Matt Servitto u.a.

Offizielle Synopsis: Es ist Justins erster Abend im neuen Job, und schon wünscht er sich, er hätte die Stelle als Nachtwächter in der „Baltimore Gazette“ besser nicht angenommen. Nicht nur, dass seine Kollegen ihn einem menschlichen Kegeltest unterwerfen und ihn stoisch mit falschem Namen anreden – es scheint auch so, als hätte der ganze Trupp im Keller des Bürokomplexes einen an der Waffel: Ken lässt den Ex-Marine raushängen, Jiggetts ist süchtig nach Donuts und Luca soll angeblich mal drei Leute umgebracht haben. Zu allem Überfluss legt das Redaktionsteam eine Nachtschicht ein und ein mysteriöser Sarg landet irrtümlich in der Tiefgarage. Dieser enthält einen Vampir ... im Clownskostüm! Erst einmal in Freiheit macht sich das blutdürstige Monster mit seinen quietschenden Schuhen sofort über die Belegschaft her und während die Infektion rasend schnell um sich greift, sehen sich unsere heldenhaften Nachtwächter einer wachsenden Armee aggressiver Kreaturen gegenüber.

Kritik: Es wäre so leicht, "The Night Watchmen" in Grund und Boden zu rezensieren. Er ist billig gedreht, die Mischung aus Real- und CGI-Splatter sitzt nicht immer fest im Sattel, es gibt keinen wirklichen Spannungsbogen und der ganze Aufhänger ist Quatsch - die groß herausgestellten Clowns kommen kaum vor und haben auch keinerlei relevante Funktion. Es geht um ein paar Spacken, die in einem billig zu mietenden Fabrikgebäude vor Vambies (Zompiren?) davon laufen müssen. Und Splattercomedy? Echt? Das ist meistens eine Ausrede in Sachen "Für echtes Spannungskino mangelt uns das Talent, also behaupten wir einfach, es wäre lustig gemeint". Siehe hier. Oder hier. Oder hier.  

Mitchell Altieri allerdings hat genau verstanden, was für einen Film er drehen wollte. Weil das Gerüst so vage ist, stopft er sämtliche Lücken mit Gags und schrägen Figuren voll, bis es fast platzt. Hier gibt es keine "normalen Menschen", hier gibt es nur Comiccharaktere mit coolen Sprüchen und albernen Macken, die jederzeit die an sie gestellten Erwartungen ins Gegenteil verkehren. Masse statt Klasse - wenn von zehn Sprüchen nur einer wirklich lustig ist, muss man halt zehn pro Minute machen, um am Ende trotzdem mit einem Lacher pro Minute erfolgreich über die Ziellinie zu kommen.

Während sich die meisten Komödien gar nicht die Mühe machen, Humor aus der Konterkarierung der Genreklischees zu ziehen, gelingt es "The Night Watchmen" immer wieder, mehr Meta-Ebene einzubauen als in so manchem meta gemeinten Streifen: Die "damsel in distress" entpuppt sich als taffe Lesbierin, der Schwarze kann nicht mal seine Ghetto-Phrasen richtig aufsagen und eine Zompir-Kollegin ist ohne ihre Brille auch als Monster noch fast blind. Treffer versenkt.

Und so ballert und splattert und albert sich "The Night Watchmen" über die straffe Laufzeit zu genau dem Midnight-Kultfilm, den man nach einem sehr langen Festival-Tag braucht und den man auch daheim immer wieder einlegen kann, um die bierseligen Kumpel zu begeistern.

Es ist nicht "Shaun of the Dead" - aber was ist das schon?

Fazit: Der Partykracher des Festivals, eine doofe Chips- und Dosenbier-Splattercomedy im Stil von "Dance of the Dead" und "Jack Brooks Monster Slayer", die alle ihre Schwächen (und es gibt einige) durch Rasanz, sympathische Figuren und schräge Sprüche wett macht. 8 von 10, da verbrüdern sich sogar Wortvögel und Badmovie-Yetis drüber.

Shriek of the Yeti:

"Ein paar heillos dämlicher Nachtwächter wird mit einer Clown-Zombie-Vampir-Apokalypse konfrontiert. Partysplatter der besten Sorte, der vor keinem schlechten Gag zurückschreckt. Crowdpleaser. 8/10"

Trackback-URL 2 Kommentare
15
Januar 2017

FFF White Nights 2017: The Monster

USA 2016. Regie: Bryan Bertino. Darsteller: Zoe Kazan, Ella Ballentine, Scott Speedman, Aaron Douglas, Chris Webb, Christine Ebadi, Marc Hickox

Offizielle Synopsis: Auf dunkler Landstraße kommt es zwischen Mutter und Tochter erst zum Streit und kurze Zeit später zu einer unerfreulichen Begegnung mit einem verletzten Wolf, die nach misslungenem Ausweichmanöver im Straßengraben endet. Die telefonisch angeforderte Hilfe verzögert sich aufgrund des unberechenbaren Wetters, und so sitzen Kathy und Lizzy vorerst untätig in nächtlicher Einsamkeit – bis sich die Anzeichen mehren, dass dort draußen im Dunkeln etwas auf sie lauert. Natürlich, versichert Kathy ihrer Tochter, gebe es keine Monster. Doch schon der erste gutmütige Helfer, der vorbeikommt, macht eine anderweitige Erfahrung. Inmitten eines plötzlich über sie hereinbrechenden Albtraums aus Tod und Raserei muss Kathy erkennen, dass sie sich schwerstens geirrt hat ...

Kritik: Es ist interessant, dass das FFF-Programmheft bei der obigen Inhaltsangabe den Motor des Handlung völlig ausblendet, die treibende Metapher. Kathy ist nämlich eine Schlampe, eine schwere Trinkerin, und hat Elisabeth vermutlich schon mit 15 oder 16 in die Welt gesetzt. Als Totalversagerin ist sie das Feindbild ihrer Tochter, deren Überlebensstrategie das totale Gegenteil ist: sie ist organisiert, kontrolliert, fokussiert. So haben sich im Laufe der Jahre die Rollen vertauscht, ist Kathy zum "Kind" der eigenen Tochter geworden - in der Attacke des Monster wird sie allerdings ein letztes Mal als Mutter gefordert.

"Gilmore Girls" als Monsterfilm quasi.

Wie bei "Babadook" ist das Monster nur ein externer Katalysator, der die Beziehung von Mutter und Tochter in Frage stellt und dann neu definiert. Darum ist es auch völlig irrelevant, woher das Monster kommt, was es kann und was es will. Es bleibt eine Chiffre - das schwarze, Zähne fletschende Biest in dunkler Nacht, das Mutter und Tochter zu vernichten droht. 

Regisseur und Autor Bertino ist anzurechnen, dass er auf diese Weise versucht, einen Wald- und Wiesen-Monsterfilm mit ein bisschen mehr Gehalt und Drama aufzupumpen. Es gelingt ihm allerdings nur halb, denn er stellt seine Figuren zwar korrekt auf und platziert sie in einem wirklich beängstigenden Szenario - dann geht ihm aber schnell die Luft aus. Das Monster belagert das Auto - und nun? Statt clevere Angriffe und nicht minder clevere Gegenangriffe eskalieren zu lassen, wird jeder noch so banale Vorgang (Handy holen, toten Wolf anschauen) weit über die Schamgrenze hinaus gestreckt und mit Phrasen wie "Alles okay" und "Hab' keine Angst" aufgefüllt. Wenn Kathy ihrer Tochter zum gefühlt dreißigsten Mal versichert, sie werde außerhalb des Wagens schon sicher sein, dann möchte man die Leinwand anbrüllen: "Steig halt endlich aus, du blödes Stück!"

Weiter ausgebremst wird "The Monster" durch die Rückblenden, die das schwierige Verhältnis von Mutter und Tochter illustrieren sollen, aber letztlich nur Zeitschinderei sind - wir erfahren rein gar nichts, was wir nach dem Prolog nicht eh schon wussten. 

Würde man die Rückblenden rausschneiden und die Spannungsmomente etwas straffen, würde "The Monster" vermutlich zu einem sehr knackigen Kurzfilm von 60 Minuten mutieren. Als Episode der Serie "Masters of Horror" hätte das von mir den Daumen hoch bekommen. Aber die Notwendigkeit, auf klassische Spielfilmlänge zu kommen, überfordert den Autor sichtlich und strapaziert dann auch das atmosphärisch dichte Setting und das sichtliche Bemühen der beiden Darstellerinnen.

Einen Extrapunkt gibt es für die gelungene technische Umsetzung des Monsters als ölige Mischung aus Alien und Grizzly (es werden auch Erinnerungen an "Attack the Block" wach). Zwar besagt das Neue Handbuch der Horrorklischees, dass die Strategie des "Monster erst spät und dann nur wenig zeigen" mittlerweile nicht mehr funktioniert, aber "The Monster" ist ein schönes Beispiel dafür, dass das eben nicht immer stimmt. Das ist sympathisch klassisch inszeniert.

Fazit: Möchte gerne ein Hybrid aus "Cujo" und "Babadook" sein, überhebt sich aber seinem zu dünnen Plot und den Minimal-Dialogen, die eh schon gestreckte Spannungssequenzen endgültig überstrapazieren. Wegen der düsteren Atmosphäre, dem gelungenen Monster und den beiden überzeugenden Hauptdarstellerinnen reicht es trotzdem noch für 7 von 10 - nur Yetis vergeben bekanntermaßen halbe Punkte.

Shriek of the Yeti:

"Mutter und Tochter mit arg gestresstem Verhältnis bleiben nach einem Unfall mitten in der Nacht im Wald liegen. Wär schon creepy genug, aber es gibt eben noch ein böses böses Monster. Angenehm old-schoolig, aber etwas zu lang und mit störenden Flashbacks. Kann man aber kucken. 6,5/10."

Trackback-URL 4 Kommentare
15
Januar 2017

FFF White Nights 2017: Dog Eat Dog

USA 2016. Regie: Paul Schrader. Darsteller: Nicolas Cage, Willem Dafoe, Christopher Matthew Cook, Louisa Krause, Paul Schrader, Melissa Bolona

Offizielle Synopsis: „Diesen Job erledigen wir richtig! Dieser Job wird Triumph oder Untergang!“ – Nachdem wir die Kleinganoven Troy, Mad Dog und Diesel mittlerweile schon bei einigen früheren Schandtaten begleiten konnten, kommt uns ganz stark der Verdacht: Die Nadel des Schicksals wird sich für die drei Ex-Knackis eher in Richtung Untergang drehen ...

Kritik: Was war eigentlich der letzte wirklich gute Paul Schrader-Film, den man ohne Einschränkungen empfehlen konnte? "The Affliction" 1997? Das ist auch schon wieder 20 Jahre her. Oder sogar "The Light Sleeper" von 1992? Wir reden hier vom Regisseur von "American Gigolo" und "Mishima", vom Autor von "Taxi Driver", "Rolling Thunder" und "Red Bull", der seine jahrelange Kokainsucht gerne biographisch wie filmisch thematisiert und vielleicht in den Ruhestand hätte gehen sollen, bevor er schmierige No Budget-Dramen mit Lindsay Lohan und Pornostars drehen musste.

"Dog eat dog" ist sicher ein Fortschritt gegenüber der deprimierenden Sackgasse, die "The Canyons" war, aber als Rehabilitierung taugt er leider auch nicht. Dafür hat er zu wenig Anspruch, zu wenig Eier. Seine manische Energie, natürlich wieder gespiegelt im massiven Drogenkonsum der Protagonisten, wirkt seltsam gezwungen, als wäre Schrader weniger an dem interessiert, was auf der Leinwand passiert, sondern mehr an dem, was die Leute von einem Schrader-Film erwarten. Gangster, Drogen, Sexismus, explosive Gewalt - alles wird eher abgehakt als inszeniert.

Da passt es auch, dass mit Cage und Dafoe zwei frühere Weggefährten Schraders mit an Bord sind, die zu kalkuliert die Sau rauslassen, weil sie halt Cage und Dafoe sind. Nichts ist neu, keine Facette, keine Geste. Dafoe und Cage spielen Schrader. Das ist zu "laid back", da fehlt die Wut, die Anklage. Die Dreharbeiten können kaum jemanden beansprucht haben, das Ergebnis wirkt, als hätten die Beteiligten sich gefreut, einfach mal wieder drei Wochen lang gemeinsam abhängen zu können. 

Natürlich ist Schrader selbst auf Autopilot niemand, der seine 40 Jahre Hollywood-Erfahrung vergisst: Die Sprüche sind amüsant schräg, die Gewalt kommt unterhaltsam überdreht - und wenn sonst nichts geht, läuft halt eine Statistin oben ohne durch die Bar. Frauen war bei Schrader ja seit jeher nur Schlampen oder frigide Miststücke. 

Und ja: Mit Besuchen in Strip-Bars, Drogen-Trips und vergeigten Verbrechen kann man durchaus 90 Minuten rumbringen, ohne dass der Zuschauer wegdöst. Aber ist das noch oder schon Entertainment?

So bin ich hin- und hergerissen: Soll ich "Dog eat dog" gut finden, weil er im kurzfristigen Kontext einen Aufstieg für Schrader darstellt und zumindest über die Laufzeit launig zu unterhalten weiß? Oder soll ich ihn schlecht finden, weil er im gesamten Oeuvre des legendären Filmemachers nur eine weitere belanglose Fußnote darstellt und man von Schrader einfach mehr erwarten darf? Ich ziehe mich mit auf ein feiges "sowohl als auch" zurück.

Fazit: Ein kleines, schmutziges Gangsterdrama, aufgepumpt mit Zynismus und selbstreferenziellem Overacting, das von einem Nachwuchs-Regisseur akzeptabel wäre, für eine der großen Stimmen des New Hollywood der 70er aber nur eine beschämende Fingerübung darstellt. 5/10 - Yetis mögen so etwas mögen, aber die haben ja auch keinen Anspruch.

Shriek of the Yeti:

"Schrader goes Tarantino, a bit. Drei Kleinganoven versauen den großen Coup. Cage und Dafoe spielen verdammt gut, es ist durchaus lustig, aber im Endeffekt nicht wirklich was neues. Wer das Genre mag, wird aber gut bedient. 7/10."

Trackback-URL 5 Kommentare
15
Januar 2017

FFF White Nights 2017: The Invisible Guest

Spanien 2016. Regie: Oriol Paulo. Darsteller: Mario Casas, José Coronado, Bárbara Lennie, Francesc Orella, Ana Wagener

Offizielle Synopsis: Der erfolgreiche Unternehmer Adrián hat einen schlechten Tag, einen richtig schlechten Tag. Als er in einem Hotel aufwacht, findet er seine Geliebte ermordet im Badezimmer. Die Beweislast ist erschlagend: die Tür war von innen versperrt und es gibt keine anderen Verdächtigen. So steht der reiche Geschäftsmann kurz davor, alles zu verlieren: seine Familie, seine Karriere, seine Freiheit. Am Abend vor der Verhandlung taucht dann auch noch ein neuer Zeuge auf, der Adriáns Urteil erheblich beeinflussen könnte. Einzig Star-Anwältin Virginia kann jetzt noch helfen, in letzter Minute eine neue Verteidigung auf die Beine zu stellen. Dafür muss sie allerdings die volle Wahrheit kennen! Unaufhaltsam wie ein Uhrwerk spitzt sich die scheinbar ausweglose Situation zu, und je mehr Adrián sich in die Ecke gedrängt fühlt, desto düsterer werden seine Geständnisse.

Kritik: Trotz des Titels ist "The invisible guest" wieder ein Film ohne konkrete Genre-Elemente, sofern man Thriller nicht als selbstverständliche Ergänzung des Triumvirats Horror/Fantasy/Science Fiction versteht. Das muss jeder mit sich selbst ausmachen. Ich würde allerdings bestreiten, dass irgendjemand den Film zum Abspann noch als ungeeignet für das Festival bezeichnen kann.

Die Spanier haben sich in den letzten Jahren - weit mehr als die Franzosen - zu Lieferanten spannender, kommerzieller, aber doch kreativer Genrebeiträge entwickelt, die Lovecraft-Horror ebenso können wie Action-Thriller und Showbiz-Satiren. Die Tatsache, dass das spanische Kino vom Volumen her eher beschränkt ist, führt natürlich dazu, dass man den gleichen Protagonisten immer wieder begegnet. So haben wir Hauptdarsteller Mario Casas beim letzten FFF auch schon zweimal gesehen und Regisseur Paulo konnte vor ein paar Jahren mit dem Kriminalfilm "The Body" begeistern, der durchaus als einleitende Fingerübung für die komplexe Erzählstruktur vor "The invisible guest" zu sehen ist.

Der Plot ist verführerisch einfach: Adrián ist mit seiner toten Geliebten und viel Geld in einem von innen verschlossenen Hotelzimmer geschnappt worden. Er hat eine plausible Geschichte, warum er trotzdem nicht der Täter ist. Die ehrgeizige Anwältin, die ihn verteidigen soll, kann allerdings jedes fehlende Detail, jede verdächtige Auslassung wie ein Trüffelschwein riechen - Adrián gerät in die Enge, ändert seine Aussagen, passt die immer wieder in Rückblicken gezeigten Geschehnisse seiner Strategie an.

Und genau darin liegt die Brillanz von "The invisible guest": Die Rückblenden sind kein Selbstzweck, keine Exposition - sie sind liquide Märchen, deren Protagonisten und Abläufe immer wieder wechseln, in denen Adrián mal als schwacher Pantoffelheld, dann plötzlich als eiskaltes Alphamännchen erscheint. Die Wahrheit muss mühsam erarbeitet und aus den verschiedenen Varianten gefiltert werden. Es ist Paulo hoch anzurechnen, dass er sich nicht verstolpert und "The invisible guest" über alle Twists hinweg nachvollziehbar und plausibel bleibt - auch wenn die Logik irgendwann gestreckt wird wie ein Kaugummi.

Abgesehen von dem intellektuellem Vergnügen, dem Verhörduell der abgebrühten Anwältin und des jungen Tech-Unternehmers zu folgen, weiß "The invisible guest" auch noch mit exzellenten Darstellern, edlen Bildern und einer Atmosphäre zunehmender Bedrohung zu überzeugen. 

Ich frag's nur mal, weil's ja schon Standard ist: Warum gibt es solche Filme eigentlich nicht in Deutschland? Mangelnde Eier oder mangelnder Ehrgeiz?

Fazit: Eine irreführend konventionell beginnende Mischung aus Verhör-Thriller und "locked room mystery", die sich zunehmend verschachtelt und in der das zentrale Geschehen immer wieder unter neuen Gesichtspunkten umgebaut wird. Nicht immer 100 Prozent logisch, aber faszinierend und gerade für Puzzle-Fans und Sherlock-Geeks ein gefundenes Fressen. 8/10 - das müssen selbst Yetis einsehen.

Shriek of the Yeti:

"Spanischer Thriller für Freunde des ultraverschachtelten Logikpuzzles im Stile von "Loft" oder "Usual Suspects". Maybe not the best of this genre, but very very entertaining. 8/10."

Trackback-URL 5 Kommentare
15
Januar 2017

Fantasy Filmfest White Nights 2017: The Transfiguration

USA 2016. Regie: Michael O'Shea. Darsteller: Eric Ruffin, Chloe Levine, Aaron Moten, Danny Flaherty, Anna Friedman

Offizielle Synopsis: Milo ist vierzehn und lebt mit seinem älteren Bruder in einem heruntergekommenen Viertel von Queens. In der Schule gilt er als Freak, zu Hause vergöttert er alte Vampirschinken auf VHS und verbringt seine Zeit mit schrägen Naturdokus. Wenn Milo durch die Straßen der Stadt streift, fühlt er sich wie einer von den LOST BOYS und es dauert nicht lang, bis mehr und mehr blutleere Leichen seinen Weg pflastern und ihre Habseligkeiten sich hinter seinem Videostapel vermehren. Doch dann zieht eines Tages das Mädchen Sophie nebenan bei ihrem Großvater ein – und Milo findet unerwartet eine Freundin in der Außenseiterin. Plötzlich sieht er die Welt mit anderen Augen und schmiedet einen Plan, der Konsequenzen haben wird ...

Kritik: Ich habe es mehrfach gesagt, ich sage es nochmal - das FFF sollte seine Planung etwas überdenken. Ich kann mir gut vorstellen, dass einige weniger entspannte Zuschauer (z.B. Yetis) auf der Suche nach splatteriger Zerstreuung nicht gerade hoch erfreut sind, zum Auftakt der FFF White Nights eine Sozialstudie über emotional blockierte Jugendliche im Wohnförderungsghetto zu schauen, die nur marginale Genreelemente mitbringt. "The Transfiguration" ist keine leichte Kost, kein leichter Einsteig. Da wird einiges an Sitzfleisch aufgebraucht, was in den nächsten zwei Tagen anderweitig verplant ist.

Ich bin aber kein Yeti, ich habe auf dem FFF schon "End of Animal" und "Evolution" überlebt und so manchem oberflächlich die Geduld strapazierenden Introspektionsdrama einen Unterhaltungswert abgerungen. Und das gilt auch für "The Transfiguration". Weil der Film trotz oder gerade aufgrund seiner extremen Langsamkeit einen genauen Blick entwickelt, weil die Figuren um Milo herum folgerichtig entwickelt werden und weil sein ganz persönliches Drama, das wir aus unaufdringlichen Details zusammen puzzeln können, schmerzhaft authentisch wirkt. 

Milos Glaube, ein Vampir zu sein, ist keine Spinnerei - es ist die logische Reaktion auf sein Umfeld, seine Überlebensstrategie. In ihr er hat er sich eingerichtet. Sophie bricht diese Schale auf, weil sie andere Ziele hat, Heilung und Neuanfang sucht. Dass Milo über den "point of no return" hinaus ist, zwingt den Film in die Erlösung, die kein Happy End sein kann.

Die Tatsache, dass "The Transfiguration" von Leuten gemacht wurde, die augenscheinlich den Projects-Alltag ebenso genau kennen wie die Geschichte der Kino-Vampire, sorgt für eine Fülle netter Details, die dann eben doch die arg gezogene Dramaturgie aufhübschen.

Schon klar: O'Sheas Film ist nichts für Gelegenheitsgucker, Gorebauern und Gruselfans. Aber ich ihr wisst ja, dass ich gerade deshalb zum FFF gehe, um Filme aus der Genreperipherie zu entdecken, die nicht für 3,99 Euro bei Müller auf dem Grabbeltisch zu kriegen sind. Und weil bei "The Transfiguration" die gemächliche Erzählgeschwindigkeit dem Konzept und nicht der mangelnden Kompetenz geschuldet ist, passt das auch ganz gut. 

Fazit: Eine extrem lakonische "black experience"-Variante von Romeros "Martin", die wie das Original nicht von Tempo und Effekten lebt, sondern von der behutsamen Beobachtung gebrochener Lebensentwürfe. 6/10. Man müsste ein Yeti sein, um das nicht zu verstehen.

Shriek of the Yeti:

"Zielsicher als Auftakt ein gnadenloser Langweiler. Möchte gern ein "Martin" für heute sein, ist aber halt doch nur pretentious crap, in dem ein paar gute Ideen heillos vergammeln. 4/10."

Trackback-URL 6 Kommentare
13
Januar 2017

C64 vs Nintendo Switch: How time flies

Das hier galt vor 30 Jahren als Fun Racer und ich habe Stunden damit zugebracht:

Das gilt heute als Fun Racer:

Noch ein Beispiel - mein erstes Fantasy-"Rollenspiel" war das hier:

Die neuste Version von Zelda auf dem Switch sieht so aus:

Klempner Mario begann seine Karriere in den 80ern so:

Er ist erstaunlich fit geblieben:

Ich will gar keine Debatte anfangen, ob früher alles besser war - ich habe vor sieben Jahren schon geschrieben, dass ich Retro-Gaming weitgehend für nostalgischen Kinderkram halte. Mich begeistern nur die Vergleiche und die Evolution der Spielmechaniken.

Trackback-URL 10 Kommentare
11
Januar 2017

Becky so: "Vroom vroom! Schneller!!!"

Während Rufus selig schläft, will seine Schwester Action. Ihr neuster Spleen: In einen Karton springen und sich rumschubsen lassen:

Trackback-URL 6 Kommentare