Nachdem ich alle Filme aus meiner Bloggerzeit bereits verlistet habe, sind nun die Klassiker dran – hier ist die Aufstellung dessen, was ich von 1990 bis 2006 gesehen habe. Sagt viel über meinen Geschmack aus, aber auch über das Festival und die Veränderungen im Genre allgemein.

Wie schon erwähnt, bin ich seit 1990 jedes Jahr beim Fantasy Filmfest dabei gewesen. Anfangs bestand das Programm noch primär aus Retrospektiven und Schwerpunkten, weil neue Streifen für so ein „Mini-Festival“ kaum zu bekommen waren. Mit dem Erfolg änderte sich das und ab Mitte der 90er dominierte das FFF die Genre-Festivalszene im ganzen Land.

Ich habe in den ersten 17 Jahren nicht annähernd so viele Filme gesehen wie in den letzten acht. Erstens, weil ich damals nicht drüber schreiben musste und dementsprechend keine Bringschuld empfand. Zweitens, weil ich keinen Urlaub dafür nehmen konnte und sich meine Verfügbarkeit auf die „Primetime“ beschränkte. Und drittens, weil ich damals sowieso mit Screenern und Pressevorführungen eingedeckt war. Der Bedarf war nicht vorhanden.

Die nachfolgende Liste ist eine Rekonstruktion anhand der Programminfos der Webseite f3a.net. Ich werde sicher einige Filme vergessen haben – andere stehen hier, obwohl ich sie bei regulären Pressevorführungen gesehen habe. Meine Erinnerung ist brüchig. Aber ich denke, zu 95 Prozent müsste es hinhauen.

Ein Klick auf die Überschriften bringt euch zur Gesamtübersicht des Jahres, ein Klick auf die Filmtitel zu den entsprechenden Programmheft-Texten.

München 1990 – 8

Frisch nach München gezogen, enttäuscht von „Blue Steel“, beeindruckt von den Puppenfilmen „Marquis de Sade“ und „Meet the Feebles“, verstört von „Santa Sangre“ – meine erste Begegnung mit Jodorowsky. Nach „Hardware“ noch mit Vorbild und Genrekritik-Legende Norbert Stresau diskutiert. Drei Monate später starb er – mit 31.

Blue Steel
Darkman
Hardware
Leatherface: Texas Chainsaw Massacre III
Marquis de Sade
Meet the Feebles
Santa Sangre
Twin Peaks: Fire walk with me


München 1991 – 7

Anime, Thriller, TV-Event, B-Grusel, Stephen King und französische Weirdness – die perfekte Mischung.

Akira
Body Parts
Condition Red
Delicatessen
Jacob’s Ladder
Misery
Past Midnight


München 1992 – 3

War ich in Urlaub – hatte ich zu wenig Zeit oder Lust? Keine Ahnung. Minusrekord. Dafür „Hellraiser III“ in einer noch nicht farbkorrigierten Schnittfassung als Premiere und „Split Second“ als Beweis, dass auch kleine B-Movies auf der großen Leinwand gewinnen können.

Hellraiser III
Split Second
Wedlock


München 1993 – 13

Umzug in die Nähe des Kinos – lange Abende, wenig Schlaf, am nächsten Tag wieder in die GONG-Redaktion. Im Programm immer mehr Premieren und aktuelle Filme, die Zeit der riesigen Retrospektiven geht zu Ende. Solide Mischung, Enttäuschung allerdings bei den selbstreferenziellen „Stage Fright“ und „Matinee“. Der Totalausfall „Tobe Hooper’s Living Nightmare“ ist meine erste Kinokonfrontation mit Harry Alan Towers, den ich Jahre später persönlich und gut kennenlernen werde. Eine Frechheit ist der Überraschungsfilm „Posse“, ein „black Western“, der vor allem deshalb überrascht, weil er auf einem solchen Festival nichts zu suchen hat.

12:01
Accion mutante
Body Snatchers
Carnosaurus
Freaked
Kalifornia
Matinee
Posse
Return of the Living Dead III
Stage Fright – Eine Gurke erobert Hollywood
The Turn of the Screw
Ticks
Tobe Hooper’s Living Nightmare


München 1994 – 13

Erstkontakt mit Guillermo del Toro, dessen Talent schon in „Cronos“ offensichtlich ist. Carpenter auch mal wieder gut drauf, solide Action in „Full Eclipse“ und „Surviving the Game“ („always check the barrel, bitch!“). Dafür peinlich berührtes Rumgeschubber auf dem Sitz bei „Das Schweigen der Hammel“.

Angriff der 20 Meter-Frau
Cronos
Das Böse III
Das Schweigen der Hammel
Dellamorte Dellamore
Die Mächte des Wahnsinns
Freddy’s new nightmare
Full Eclipse
Heart and Souls
Killing Zoe
Love and a .45
Necronomicon
Surviving the Game


München 1995 – 5

„Die Passion des Darkly Noon“ begeistert, gerade auch weil der Film in Deutschland gedreht wurde. „Castle Freak“ ist Hardgore. „Fist of the North Star“ ist eher so meh. Start der großartigen „God’s Army“-Saga – sollte jeder mal im Kino gesehen haben.

Castle Freak
Die Passion des Darkly Noon
Die Stadt der verlorenen Kinder
Fist of the North Star
God’s Army


München 1996 – 8

Die Brüste von Pamela Anderson dominieren alles und Anime-Fans sind sich einig: So wie in „Crying Freeman“ geht das in Ordnung. „Hellraiser IV“ enttäuscht, Albert Pyun sowieso, „Evil Ed“ ist einer der vielen kleinen Festival-Filme, von denen man nie wieder hört.

Barb Wire
Crying Freeman
El dia de la bestia
Evil Ed
Ghost in the Shell
Hellraiser IV
Lord of Illusion
Ultimate Chase


München 1997 – 9

„Dobermann“ rockt zynisch, „Dark World“ ist sehr solide, „Wax Mask“ nur eine schwache Erinnerung an Giallo-Legenden. Jackson goes Mainstream.

Bordello of Blood
Bram Stoker: Dark World
Curdled
Dobermann
Hemoglobin
Nirvana
Space Truckers
The Frighteners
Wax Mask


München 1998 – 11

Es sind die kleineren Filme, die begeistern: „Bone Daddy“ mit Faux-King-Grusel, „18th Angel“ mit der bezaubernden Rachel Leigh Cooke, „Cube“ von Natali. Carpenter enttäuscht, „Talos“ sowieso. „Dark City“ sorgt für Diskussionen.

18th Angel
Bone Daddy
Cube
Dark City
Das Böse IV
Jerry & Tom
John Carpenters Vampire
Orgazmo
Progeny
Talos – Die Mumie
Wishmaster


München 1999 – 7

Ich konzentriere mich auf Mainstream, meide asiatische Produktionen – ein wenig bemerkenswertes Jahr.

13th Warrior
13th Floor
Beowulf
Drop dead gorgeous
Echoes
eXistenZ
Idle Hands


München 2000 – 11

„Ginger Snaps“, „Final Destination“ und „Pitch Black“ machen drei Franchises auf – „Fortress 2“ macht seine wieder zu. William Hurt goes Grusel, „Komodo“ ist besser, als Titel und Thema vermuten lassen. Der argentinische „Sleepwalker“ ist ein lohnenswerter Außenseiter.

4th Floor
Cherry Falls
Convent
Final Destination
Fortress 2
Ginger Snaps
Komodo
Mystery Men
Pitch Black
The Sleepwalker
Tinseltown


München 2001 – 9

Sehenswerter deutscher Beitrag „Vortex“. „Der Pakt der Wölfe“ begeistert das gesamte Publikum. Mir gefällt „Jason X“ und der spanische Außenseiterfilm „Heart of the Warrior“ rührt mein Herz.

Der Pakt der Wölfe
Donnie Darko
Faust: Love of the Damned
Heart of the Warrior
Jason X
Jeepers Creepers
Memento
Vampire Hunter D: Bloodlust
Vortex


München 2002 – 12

Einer der kurzweiligsten Jahrgänge mit den sehr rasanten „51st State“, „Bloody Mallory“, „Cube 2“, „Dog Soldiers“, „The Bunker“ und „Versus“. Wer mehr Anspruch und etwas weniger Tempo sucht, findet beides beim polnischen „Avalon“ und bei „Human Nature“.

51st State
Avalon
Bloody Mallory
Cube 2
Demonlover
Dog Soldiers
Human Nature
Legend of the Phantom Rider
Reign of Fire
The Bunker
Versus
Vidocq


München 2003 – 11

Daft Punk begeistern mich mehr als Rob Zombie, mit Natali liegt man nie falsch und viele solide B-Movies sorgen für ein rundes Festival.

11:14
Bubba Ho-Tep
Cypher
Dead Creatures
Dead End
House of 1000 corpses
Identity
Interstella 555
Monster Man
Phone Booth
Undead


München 2004 – 13

Ein Festival, auf dem „Butterfly Effect“ und „Open Water“ die besten Filme sind, kann kein Top-Jahrgang sein. Aber „Nothing“ und „Hellboy“ machen Spaß, die Chinesen lassen mit „Twins Effect“ die Sau raus und Franka Potente langweilt (sich und uns) im Londoner Untergrund.

Butterfly Effect
Creep
Dawn of the Dead
Dead and Breakfast
Hellboy
Immortel
Kaena: The Prophecy
Nothing
Oldboy
Open Water
Spy Bound
The Machinist
The Twins Effect
Trespassing


München 2005 – 7

„Reefer Madness“ macht mit der süßen Kristen Bell bekannt, Emily Booth rockt „Evil Aliens“, „The Descent“ weist auf ein neues Regie-Talent hin – aber ausgerechnet der gehypte „Kiss Kiss Bang Bang“ entpuppt sich als eitler und geschwätziger Rohrkrepierer. „Kampfansage“? Autsch.

Appleseed
Evil Aliens
Godzilla: Final Wars
Kampfansage
Kiss Kiss Bang Bang
Reefer Madness: The Musical
The Descent


München 2006 – 12

Doc Acula ist aus Nürnberg zu Besuch, ich hole mir beim Trip zwischen den beiden Kinos Blasen an den Füßen. Wieder überzeugen kleine Filme, „Them“ ist Terror pur, „Renaissance“ ein visueller Trip, „River King“ eine exzellente Romanadaption. Der launige „Behind the Mask“ ist ungerechtfertigterweise fast schon vergessen.

A Scanner darkly
Adrift
Behind the Mask
Brick
Frostbite
Karla
Final Fantasy: Advent Children
Renaissance
Severance
The River King
Them
Wolf Creek

Was für ein Festival-Senior ich bin, kann man schon daran erkennen, dass die Programmhefte in meinem Kopf auf ewig A5 und blau sein werden – wie in der glorreichen 1993-1999-Ära:

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Dr. Acula

Und 2006 hast du glatt noch „Final Fantasy: Advent Children“ vergessen. Vor „See No Evil“ hast du Pussy dich ja gedrückt…

heino
heino

Meine FFF-Vergangenheit könnte ich auch nur teilweise rekonstruieren. Angefangen habe ich 1996, das war das 10jährige Jubiläum, da konnte ich „Braindead“ und „near dark“ auf der grossen Leinwand nachholen, habe „Lord of illusions“, die Kurzfilme und jeweils 2 Folgen der X-Files und Outer Limits gesehen. Und das Porgrammheft war noch klein:-)

Marcus
Marcus

Und schon wieder disst der Schurke „Kiss Kiss Bang Bang“. 🙁

10tacula
10tacula

Twin Peaks – Fire Walk with Me gab es 1990 doch noch gar nicht, oder?

Wortvogel
Wortvogel

@ 10tacula: Stimmt, das war der Pilotfilm der Serie – und den habe ich definitiv nicht auf dem FFF gesehen. Ist gestrichen. Danke.

Peroy
Peroy

„Ein Festival, auf dem “Butterfly Effect” und “Open Water” die besten Filme sind, kann kein Top-Jahrgang sein.“

Gut dann, dass sie es nicht waren… sondern „The Machinist“. Du Honk…

Peroy
Peroy

„“Der Pakt der Wölfe” begeistert das gesamte Publikum.“

Was wiederum gegen das Publikum spricht…

G

Dass Posse auf dem FFF gezeigt wurde ist in doppelter Hinsicht unfair. Erstens dem Publikum gegenüber, weil es auf so einem Festival einfach (gerechtfertigterweise) etwas anderes erwartet und zweitens auch dem Film gegenüber, weil der so wahrscheinlich jede Menge ungerechtfertigten Hass abkriegt. Das ist schade, Posse ist nämlich ziemlich gut.

heino
heino

Hier muss ich in beiden Fällen mal Peroy zustimmen. Besonders „Pakt der Wölfe“ war ein übel zusammen geklauter und oftmals sinnloser (wie oft hat Dacascos sich da ohne Grund geprügelt?) Versuch, sich verspätet an den Erfolg von Sleepy Hollow anzuhängen

heino
heino

@Marcus:nachdem ich den Streifen vor ein paar Monaten nochmal gesehen habe, muss ich mein damals sehr positives Urteil doch zum Teil revidieren. Klar ist der unterhaltsam, aber das extrem nervige und auf deutsch oft nicht funktionierende VO macht da einiges kaputt.

Marcus
Marcus

Dann guck ihn halt auf Englisch. 😎

heino
heino

Dadurch wird es auch nicht weniger Gelaber;-)

Peroy
Peroy

Aber es ist awesomes Gelaber…

heino
heino

Finde ich nicht, das meiste ist unnötiger Füllkram und erklätr nur, was man sowieso sieht

Peroy
Peroy

Aber awesome.

heino
heino

Deine Schallplatte hat nen Sprung….

Dietmar

“Pakt der Wölfe” war ein … Versuch, sich verspätet an den Erfolg von Sleepy Hollow anzuhängen

Den Zusammenhang sehe ich nicht.

heino
heino

Ähnliches Setting, ähnlicher Look, mehr auf Märchen als auf Horror ausgerichtet, die Hauptfigur war wie Ichabod Crane ein Wissenschaftler unter abergläubischen Leuten, die Vorgänge sind auf ein Dörfchen im Nirgendwo begrenzt……da könnte man noch lange weitermachen. Zieh die schlechten Tricks und unnötigen Prügeleien ab, ersetze den kopflosen Reiter durch einen Werwolf (Pixelmatsch trifft es eher) und die böse Stiefmutter durch eine Zigeunerhexe und fertig ist der Trittbrettfahrer

noyse
noyse

Bis auf Mani orientiert sich allerdings PdW an den originalen Geschehnissen und involvierten Personen rund um die Bestie des Gévaudan (http://de.wikipedia.org/wiki/Bestie_des_G%C3%A9vaudan) Mani ist wahrscheinlich der Leidenschaft Christophe Gans‘ für Kung fu und Konsorten geschuldet. Mich hats nicht gestört und ich fühlte mich gut unterhalten.

Peroy
Peroy

Geharnischte Löwen auf Mordtour, Kung Fu-Indianer und Historienquatsch… hochgepimpter Euro-Trash. Für Vollspacken…

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[…] “Eragon”, “Tintenherz”, die Scheibenwelt-Romane von Terry Pratchett oder zahlreiche Fantasy-Filme zu […]