9
Januar 2017

Heroes: Captain America isn't event supposed to be here today! And he's gay.

Ich habe die letzten Tage damit verbracht, mein gesamtes digitales Archiv neu zu ordnen - Bilder, Scans, Texte und Emails von 1995 bis heute. Es ist mir gelungen, das Datenvolumen von über 20 Gigabyte auf unter 5 zu bringen, ohne dabei Informationen oder Material zu verlieren. Meine "digitale Akte" ist damit wieder sauber.

Natürlich tauchen bei solchen Ausgrabungen zwangsläufig Relikte aus der frühen Internet-Ära auf, z.B. diese Shockwave-Animation "Heroes", eine putzige Marvelhelden-Parodie auf Kevin Smiths Erstling "Clerks". Ich habe sie mal in eine Videodatei umgewandelt und für euch auf YouTube hochgeladen, um sie dem digitalen Nirwana zu entreißen - sorry, dass der Ton etwas leise geraten ist:  

Entstanden ist dieses selbstreferenzielle Kleinod noch vor dem Boom der Marvel-Filme vor mindestens 15 Jahren. Erstaunlich ist dabei weniger die immer noch überzeugende Qualität im typischen Shockwave-Stil der Jahrtausendwende. Erstaunlich ist vielmehr, dass die Macher damals einen kompletten 5minüter mit Dialogen und Soundtrack in unglaubliche 2,2 Megabyte packen konnten.

Heutzutage braucht jedes meiner Handyfotos mehr Speicherplatz.

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2
Januar 2017

Robbie Williams statt Johannes B. Kerner: Es gibt kein richtiges Silvester im falschen

First things first: Frohes Neues!

Wir haben Silvester sehr gesittet verbracht, was man auch als Euphemismus für langweilig lesen kann. Am Abend haben wir einen Drink in einer Bar genommen und sind dann ins Karlsruher Staatstheater gefahren, um uns "Dinner for One" als Live-Stück mit Musikeinlagen anzusehen. Launig und unterhaltsam, aber eher einer unabhängigen, jungen Bühne würdig.

Um 23.00 Uhr waren wir wieder daheim, um den Katzen zur Seite zu stehen. Glücklicherweise haben wir in der neuen Wohnung rundum elektrische Rollläden, die sehr dicht schließen. Wie in den letzten Jahren blieben Rufus & Becky trotz Knallerei ungestresst, Rufus sprang sogar auf die Fensterbänke, weil er sehen wollte, woher die Geräusche kommen.

Nachgeholt wurde Silvester am Neujahrstag, an dem wir uns am Abend gemütlich vor den Fernseher gesetzt und die TV-Highlights mit 24 Stunden Zeitversetzung genossen haben.

Wortvogel-Veteranen wissen es: In so einem Fall spreche ich von den englischen TV-Highlights, nicht den deutschen. Ich KANN so einen Abend nicht mit Andrea Kiewel, Johannes B. Kerner und den reanimierten Vengaboys verbringen. Mich schert "Das Beste aus 10 Jahren Popshow" nicht, weil die Nostalgie für den 80er-Pop mittlerweile im Spießertum verankert ist wie der Schlager und die Volksmusik. Das ist nicht mehr lustig, das ist nur noch unsäglich.

In der ARD derweil: das hier (lesenswert). Es erinnert an das hier

Wollt ihr wissen, was auf BBC One vor, zur und nach der Mitternacht lief? Robbie Williams rocks Westminster, ein 90minütiges Live-Konzert der Extraklasse mit einem gut gelaunten Popstar, einem begeisterten Publikum und frisch präsentierten Hits. 

Kurz vor Mitternacht hat Robbie sein Konzert unterbrochen und vom Dach der Westminster Central Hall das Publikum am Themse-Ufer begrüßt, um mit "Auld lang syne" das Neue Jahr einzuläuten.

Dann gab es dieses unfassbar geile Feuerwerk, das sich bis zum Schluss anzuschauen lohnt: 

Danach rockte Williams noch mal 40 Minuten lang die Hütte. 

SO geht Silvester.

Kerner und Kiewel werden auch nächstes Jahr auf mich verzichten müssen.

Falls es wen interessiert - ich fand im gesamten deutschen Feiertagsprogramm gerade mal die "Winnetou"-Neuverfilmungen mäßig reizvoll, während die Engländer zwischen 20.12. und 1.1. folgendes ausstrahlten (Liste unvollständig):

  • Das Weihnachtsspecial von "The Great British Bake off"
  • Die "Christmas Masterclass" des "Great British Bake off"
  • Das Weihnachtsspecial von "Victorian Bakers"
  • Eine zweiteilige Neuverfilmung von Agatha Christies "Zeugin der Anklage"
  • Der zweite "Maigret"-Film mit Rowan Atkinson
  • Ein Weihnachtsspecial von "Call the Midwife" (für die LvA)
  • Die aufwändige Jasper Fforde-Adaption "The last dragonslayer"
  • "Charlie Brooker's Newswipe 2016"
  • Das "Doctor Who"-Weihnachtsspecial
  • Das "Jonathan Creek"-Weihnachtsspecial
  • Das "Big Fat Quiz of the Year 2016"
  • Adele live in New York
  • Die Weihnachtsausgabe der Sketch-Show "Walliams & Friend"
  • "To walk invisible", eine Film über das Leben der Brontë-Schwestern
  • Die erste neue Folge "Sherlock"

Es wird langsam Zeit, meine Rundfunkgebühren nicht mehr an ARD und ZDF zu überweisen, sondern an die BBC...

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28
Dezember 2016

Ariana Grande: Weil sowas von sowas kommt...

Ich kenne Ariana Grande, die steckengroße neuste "Kinderstar wird Popstern"-Version, nur aus Saturday Night Live-Sketchen und Auftritten in Late Night Shows, wo sie erstaunliche stimmliche Bandbreite beweist:

Nun beschwert sich die junge Dame auf Social Media-Kanälen, dass Fans sie wohl massiv sexuell objektifizieren würden - und SPon ist das auch gleich einen Artikel wert. 

Das wäre mir kein Posting wert - hätte ich nicht kürzlich bei meinem türkischen Hausfriseur aus dem Augenwinkel ein Musikvideo der jungen Dame gesehen:

Der Fan hat sie objektifiziert? Nein, das tut ihre Plattenfirma, ihr Management, letztlich auch sie selbst. Der Fan hat lediglich das genau geplante und gewollte Image der sexuellen Verfügbarkeit angenommen. Denn eins ist klar: die Erregung, die Sehnsucht, das Verlangen der großteils pubertären und post-pubertären Zielgruppe - die sind kommerziell nützlich und für Frau Grande extrem lukrativ. Sie verkauft ja weit mehr als ihre Stimme.

Ariana Grande nennt das natürlich nicht "objektifizieren". Sie nennt das "weibliche Sexualität ausdrücken" - was augenscheinlich nur geht, in dem man sich in Reizwäsche vier Minuten lang räkelt, im Schummerlicht Schmollmund und Popo in die Kamera dreht. Diese "weibliche Sexualität" scheint mir verdächtig männlich definiert. Letztlich möchte/muss Ariana geil gefunden werden - nur nicht in ihrem Beisein. Da hat man sie höflich und respektvoll zu behandeln.

Das erinnert mich ein wenig an den Reality-Star Farrah Abraham, die keine Gelegenheit ausläßt, sich zu prostituieren, sogar Pornofilme mit professioneller Unterstützung dreht und diese "aus Versehen" als angebliche Privataufnahmen an die Medien weitergibt, um in den Schlagzeilen zu bleiben. Sagt man ihr allerdings im freundlichen Gespräch, sie sei deswegen Porno-Aktrice, beginnt sie zu heulen und besteht darauf, eine anständige junge Frau zu sein. Der Disconnect zwischen Handeln und Verantwortung ist erstaunlich.

Asking for it? Natürlich nicht. Aber vielleicht "playing with fire"?! Und dafür habe ich vergleichsweise wenig Verständnis. 

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27
Dezember 2016

2016 - The year of the unfortunate death

David Bowie, Prince, George Michael, Alan Rickman, Leonard Cohen, Muhammad Ali, Bud Spencer, Maurice White, Hans-Dietrich Genscher, Götz George - der Schnitter hatte ein fleißiges Jahr und so manches Mal dachte ich, er hätte aus Versehen die falsche Liste mitgenommen. Zu viele, deren Zeit und deren Potenzial noch nicht abgelaufen schien. Anton Yelchin? 

Natürlich gibt die Querschläger, die behaupten, wir würden dieses Jahre alle nur verstärkt hinschauen - das stimmt aber nicht: 2016 ist/war ein statistisch abnormales Jahr in Sachen Promi-Beerdigungen.

Es ist ja nicht so, dass es überrascht, wenn lebenverbrennende oder sieche Stars die Fähre über den Fluss Styx buchen oder in die ewigen Jagdgründe reiten. Mancher legt es drauf an, mancher ist einfach dran.

Ohne Zynismus oder Häme möchte ich aus diesem Grund hier meine Liste der Prominenten präsentieren, von denen ich dachte, man würde in diesem Jahr ihre Nachrufe lesen:

  • Kirk Douglas
  • Charlie Sheen
  • Keith Richards
  • Val Kilmer
  • Prinz Philip, Duke of Edinburgh
  • Lamar Odom
  • Helmut Kohl
  • Michael Schumacher
  • Betty White
  • Meat Loaf
  • Eine der letzten beiden Jacob-Sisters
  • Doris Day
  • Rita Süssmuth
  • Jimmy Carter
  • Steven Seagal
  • Vader Abraham
  • Costa Cordalis
  • Roger Whittaker
  • pogo

DAS sind die Menschen, bei deren Todesnachricht ich allenfalls gedacht hätte: "Ach je - na dann...".

Und damit seid natürlich ihr dran - welche Geronten und Schicksalsverächter überraschen euch einfach dadurch, dass sie sich konsequent zu sterben weigern? Wer steht auf eurer ganz persönlichen "hit list" unter der Rubrik "überfällig"?

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24
Dezember 2016

Fro-ho-ho-e Weihnachten!

Sabbatical ist kein Grund, unhöflich zu sein - ich wünsche allen meinen Lesern ein Frohes Fest und einen Guten Rutsch. Und der gesamten Welt ein gnädigeres Jahr 2017. 

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15
Dezember 2016

Kino Kritik: Rogue One - A Star Wars Story

USA 2016. Regie: Gareth Edwards. Darsteller: Felicity Jones, Diego Luna, Donnie Yen, Wen Jiang, Forest Whitaker, Ben Mendelsohn, Jimmy Smits, Mads Mikkelsen u.a.

Story: Jyn Erso ist eine Kleinkriminelle aus dem Umfeld der Rebellen gegen das Imperium - aber die Tatsache, dass sie auch die Tochter eines der Konstrukteure einer neuen imperialen Superwaffe ist, macht sie für den Widerstand hochinteressant. Eher widerwillig schließt sich Jyn einem kleinen Trupp von Aufständischen an, um die Pläne für den so getauften "Todesstern" zu finden - und damit auch ihren Vater. Das Imperium wiederum setzt alles daran, den letzten Widerstand und die Reste der alten Republik zu brechen.

Kritik: Klar hätte ich mir am Montag gerne die Pressevorführung des neuen Star Wars-Films angesehen. In Stuttgart, vielleicht in Frankfurt. Aber ich musste beruflich in die Schweiz, haben den Tag in einem bezaubernden, zum Adventscafé umgebauten Bauwagen verbracht. Es gibt schlimmere Schicksale - the force was with me. Always.

Also Mitternachtsvorstellung im modernen Cineplex vor Ort. Baden Baden ist nicht Nerdstadt, das ist offensichtlich - das Kino war gerade mal halb voll und der Saal auch nicht mit Endorphinen überschwemmt. Eine gesittete, halbgare Angelegenheit, eher mühsam gestützt von verdächtig aussehender Security (links im Bild):

Vor dem Film gab's viel Werbung und Trailer - 2017 wird kein gutes Kinojahr, ich sag's jetzt schon mal voraus. Ein Big Budget-"Power Rangers"? "The Great Wall"? "Assassin's Creed"? Noch ein "Pirates of the Caribbean"? Noch ein "Resident Evil"? "Bullyparade - Der Film"? Nichts, wirklich gar nichts hat mich da ernsthaft interessieren können.

Kommen wir aber zum Film. Ich will meine Rezension diesmal aufteilen - erst die Kritik, dann die eher akademische Analyse. Minimale Spoiler sind unvermeidlich, aber ich glaube, damit den Genuss des Kinobesuchs nicht zu schmälern.

Das vorab: "Rogue One" ist ein Rocker. Wie "Das Erwachen der Macht" gelingt ihm der Spagat zwischen klassischem Heldenabenteuer und modernem Blockbuster. Er verkauft seine Seele nicht an seine Effekte und braucht für seine Protagonisten keine Muskelmonster oder Monstermöpse. Die Mechanismen, so bekannt sie auch sind, funktionieren weiterhin perfekt. Im Zentrum stehen Figuren, nicht "action set pieces". Was er tut, ist altbekannt und dennoch frisch, die perfekte Balance zwischen Mythos und Pathos.

Ja, der Film kommt etwas schwer in die Puschen, ist in den ersten 15 Minuten wirr und unfokussiert, bevor er seinen Groove findet. Man spürt mehrere Bruchstellen, seltsam harte Schnitte und hektische Ortswechsel, die vermutlich den weithin berichteten Reshoots zu verdanken sind. Immer wieder werden eigentlich potente Szenen beiläufig weg gewischt und ein paar Dialogzeilen wirken so holperig, als hätte man vergessen, ein letztes Mal drüber zu schleifen. War "Das Erwachen der Macht" in seiner Perfektion beeindruckend, sieht man bei "Rogue One" wieder Ecken und Kanten. 

Das gibt dem Film aber auch eine Chance, die er zu nutzen weiß: "Rogue One" steigert sich nach dem etwas unbeholfenen ersten Akt. Zuerst auf das Niveau von "Das Erwachen der Macht", in seinen besten Momenten sogar darüber hinaus. Man kann der Lernkurve der Macher förmlich zusehen - und zum Finale hin hat sich der Film auf eine Höhe gearbeitet, die wenige Teile der Franchise bisher erreicht haben.

Die Angst, "Rogue One" würde sich beim Versuch, einen völlig banalen Nebenstrang der ersten Todesstern-Geschichte auszuwalzen, mit ebenso banalem Füllmaterial überfrachten, erweist sich als unbegründet, ganz im Gegenteil: Gareth Edwards Film finden in der beiläufigen Aussage, viele Rebellen hätten für die Beschaffung der Pläne ihr Leben gelassen, unerwartet viel Potenz. Er gibt den Rebellen Gesichter, Backstory, Leidenschaft - und Schicksal. Es gab wohl kaum je einen Star Wars-Film, dessen Ende uns vorab so bekannt war - und das uns doch so sehr packt. Hier wird richtig gemacht, was Lukas bei den Jugendjahren von Anakin Skywalker falsch gemacht hat.

Zwischen den großen Schlachten und der fulminanten Action von "Rogue One" verbirgt sich die vielleicht tragischste Star Wars-Geschichte, die je auf die Leinwand gebracht wurde. Und diese Tragik, dieses Pathos pumpen den emotionalen Impact des Films zum Finale hin massiv auf, geben ihm Gewicht und bleibende Wirkung.

Dazu diesmal erheblich abwechslungsreichere Welten und Szenarien sowie die famose, williams-eske Musik von Michael Giacchino - fertig ist der nächste Baustein des generalüberholten Mythen-Meisterwerks. Man muss Disney mittlerweile auf Knien danken, dass sie die Franchise dem Bärtigen weggenommen haben, der uns das "Star Wars Holiday Special", "Die Ewoks: Karawane der Tapferen" und die Episoden I-III "schenkte".  

Immer wenn man denkt, Star Wars könnte nicht noch besser werden, wird es noch besser. Und mein altes Fan-Herz macht hü-hüpf!

Soviel zu meiner persönlichen Begeisterung, meinem Bauchgefühl. Der Star Wars-Fanboy hat gesprochen. Nun ist der Filmkritiker an der Reihe.

"Rogue One" hat eine schwierige Ausgangsposition: Er soll aus einem Nebensatz in "Star Wars" von 1977 einen Blockbuster zimmern. Das erinnert an die "extended universe"-Romane, die jedem Hintergrund-Alien eine 1000 Seiten lange Backstory andichten. Disney geht damit den Marvel-Weg: Es gibt nicht mehr eine Reihe von Filmen, sondern diverse Einzelabenteuer, die in großen Events kulminieren. 

Letztlich ist es eine eher philosophische Frage, ob man die hier präsentierte Konstellation für redundant oder für dem Mythos treu hält: es gibt wieder mal die Klischees orphaned rebel, dashing rogue, wise mystic, lost father, funny robot. Die Population von Star Wars befruchtet sich weiterhin ausschließlich aus Star Wars. 

Ähnlich ist es mit den konkreten Querverbindungen primär zu "Star Wars" von 1977: es gibt mehr Insider-Jokes zu entdecken, als der Weihnachtskalender Türchen hat. Manche sind brillant und fast schon subtil eingewoben, andere werden mit dem Holzhammer in die Handlung gekeilt, dass es schmerzt. Hier zeigt sich die Problematik des Versuchs, einen eigenständigen Film zu schaffen, bei der gleichzeitigen Notwendigkeit, ihn im etablierten Universum zu verankern.

Die Frage ist damit natürlich, wie eigenständig "Rogue One" sein kann. Steht er wirklich auf eigenen Füßen oder bedarf es doch der Kenntnis bisheriger Star Wars-Abenteuer zum vollständigen Genuss? Meine Antworten darauf sind "schon" und "doch". Als Blockbuster-Kino bedient der Film auch unbelecktes Publikum, aber der Mehrwert für altgediente Star Wars-Fans ist beträchtlich.

Die Einbindung in den "overall plot" von Star Wars bleibt bei "Rogue One" allerdings nicht ohne Reibungsverluste. So sehr die Bemühungen der Macher begeistern, inhaltlich und visuell wirklich nahtlos an "A new hope" anzudocken, so sehr hakt die Verbindung doch emotional. Es gibt einen Bruch gerade beim Aufhänger, dem Todesstern. Ist die Superwaffe in "Star Wars" noch eine düstere Bedrohung, wird sie in "Rogue One" zeitlich davor konkretisiert und letztlich auch "besiegt" (mehr will ich um der Spoiler willen nicht sagen). Das "happy end" (nicht ohne Grund in Anführungszeichen) bedingt eine Einstellung zum Todesstern, die schon in "Star Wars" wieder verschwunden ist - und das, obwohl die Filme zeitlich ungefähr eine halbe Stunde auseinander liegen. 

Und auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen (die Franchise tut es ja auch): ein Todesstern? Schon wieder?! Zum vierten Mal in acht Filmen?!

Das Bemühen der Einbindung in die Handlung eines konkreten, aber eben doch fast 40 Jahre alten Films hat die Macher zu ein paar Experimenten verführt, die weit über Querverweise hinaus führen und bestenfalls halb erfolgreich sind. Ich werde wieder - wegen der Spoiler - vage bleiben: Es ist in meinen Augen technisch unzulänglich, aber vor allem auch emotional geschmacklos, tote Schauspieler als CGI-Marionetten wieder auferstehen zu lassen. Es hätte absolut gereicht, diese Rollen in den Schatten zu halten und auf Funksprüche zu beschränken. Es mag mittlerweile besser aussehen als der junge Jeff Bridges im "Tron"-Sequel, aber es macht mir Bauchgrimmen.

Und damit sind wir bei den Sünden von "Rogue One" noch lange nicht am Ende. Inhaltlich werden die Filme nämlich auch immer dünner, opfern ihren Mythos einer immer höheren Erzählgeschwindigkeit und der Notwendigkeit ständiger Actionszenen und Locationwechsel. Neue Welten, so schön sie auch sein mögen, werden nicht mehr entdeckt, sondern durcheilt. Es geht um McGuffins wie bei James Bond, das World Building orientiert sich an Fantasy-Märchenreichen wie im "Herrn der Ringe", und die wirklich banalen Quests haben den Ruch von Videospielen (hier einen Schalter umlegen, da einen Gegenstand finden, dort ein Kabel einstöpseln). Star Wars ist mittlerweile vieles, aber Science Fiction gehört nicht mehr dazu. Das ausformulierte Universum besteht nicht mehr aus Welten, sondern aus Leveln. Dazu passt, dass Entfernungen endgültig keine Rolle mehr spielen, jede Minute Überbrückung von einem Planeten zum nächsten wird als potenzielle Langeweile durch einen schnellen Schnitt ersetzt. Die Beteiligten durchreisen Sonnensysteme, als wäre es ein Spaziergang von Event-Hotel zu Event-Hotel auf dem Strip in Vegas.

Weil Videospieler es gewohnt sind, Heerscharen von Gegnern niederzumähen, passt sich auch das Star Wars-Universum an: Die behauptete Übermacht des Imperiums ist hier ins Absurde überdreht, die tatsächliche Stärke im Kampf gegen eine Handvoll Rebellen dafür noch weiter herunter gefahren. Weder die Sturmtruppen noch die imperialen "Walker" sind nennenswerte Bedrohungen, in gigantische Festungsanlagen kann man bequem hinein spazieren, und ein paar X-Wings können gegen mehrere Hundertschaften Tie-Fighter bestehen. Die Rebellen gewinnen jeden Kampf, den sie verlieren müssten. Da geht mitunter doch ein wenig die Plausibilität flöten.

Das klingt alles sehr banal, und darum ist es vielleicht überraschend, dass der Film auch in seinen politischen Projektionsflächen problematisch ist. Tritt man mal einen Schritt zurück, kann man ihn durchaus als Hymne auf religiös motivierten Terrorismus gegen als tyrannisch empfundene Regierungen interpretieren, wobei der Glaube an die eigene Sache jedes Opfer auf allen Seiten rechtfertigt. Es würde den Rahmen dieses Reviews sprengen, das genau zu analysieren, aber wie auch die Hinnahme massiver ziviler Kollateralschäden in einigen Marvel-Filmen drückt sich "Rogue One" um jede Verantwortung außerhalb des eigenen Quests. Der Zweck heiligt hier auf schreckliche Weise alle Mittel. Aus Star Wars wird Star Massacre.

So ist "Rogue One" schon im Ansatz, aber auch in der Ausführung problematisch, weil er das Neue im Altbekannten sucht, eine 40 Jahre alte Narrative für eine von Videospielen und Virtual Reality gefütterte Zielgruppe aufhübschen muss, ohne dabei Geschmack und Textur des Originals zu verraten. Wie viele Geschichten kann man mit den immer gleichen Bausteinen erzählen? Ich habe darauf keine Antwort - die Zeit muss es zeigen.

Fazit: Ein nach Startschwierigkeiten rasant besser werdender Spinoff, der genau genommen als Verbindungsstück zwischen den Episoden 3 und 4 funktioniert und am Ende mehr Drama und Pathos zustande bringt als die letzten Akte der letzten vier Filme. Nicht so perfekt wie "Das Erwachen der Macht", in seiner Wucht aber ebenbürtig. Gratulation an Disney für die gelungene Etablierung einer zweiten Star Wars-Kinofranchise.

P.S.: Im Star Wars-Universum scheint es keine Blondinen zu geben.

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30
November 2016

Arcade Dreams: USB rocks! (Nachtrag!)

Ich unterbreche das Sabbatical jetzt mal, weil ich diese Woche schon sehr viel erledigt habe und mich die Begeisterung an die Tastatur treibt.

Wenn dereinst die Verdienste von Microsoft und Intel gewürdigt werden, sollte das nichts mit Chips, Windows oder PCs zu tun haben. Wenn es eine wirklich grandiose, das Leben ALLER User einfacher und preiswerter machende Entwicklung gab, dann ist es der USB-Anschluss.

Es ist nicht die Tatsache, dass Dutzende verschiedener Schnittstellen durch einen vereinheitlichten Standard ersetzt wurden. Dass Hardware darüber aufgeladen werden kann. Dass es möglich ist, dieselben Geräte an den verschiedensten System zu betreiben. Dass die verkackte Runterladerei von Treibern deutlich abgenommen hat. 

USB hat sich zum robusten Allrounder entwickelt, der sich auch von besseren und schnelleren Nachfolgern nicht ablösen lässt, einfach weil er allgegenwärtig ist. USB ist die Hardware-Entsprechung von MP3 und JPG. Die Arbeiterklasse unter den Standards. Eine eierlegende Wollmilchsau, die selber über vorgesehene Verwendungszwecke hinaus Verbindungen schafft, die von den Entwicklern der Hardware nie vorgesehen waren.

Case in point:

mametablet

Ich betreibe hier den Arcade-Controller einer Dreamcast-Konsole Baujahr 1999, dessen proprietären Anschluss eine nette Seele durch einen USB-Stecker ersetzt hat, an einem Amazon Fire Tablet Baujahr 2016. Der Controller ist dabei über einen simplen Adapter von USB auf USB micro als "USB on the go" an das Tablet angeflanscht, welches diesen auch sofort als externes Gamepad identifiziert. Damit spielteste ich R-Type, einen Arcade-Automaten von 1987.

Kein ideales Setup, natürlich. Eher eine frankenstein'sche Verhöhnung allen, was heilig ist.

"It's alive!"

Ich werde mittelfristig das Arcade-Brett durch ein einfaches Gamepad im Stil des SNES-Controllers ersetzen. Aber zuerst einmal wollte ich probieren, ob dieser Handschlag über die Jahrzehnte überhaupt technisch möglich ist, ob ein umgebauter Joystick einer Konsole über den Adapter eines USB-Ports mit der Emulation eines Arcade-Klassikers kommunizieren kann. 

Und es geht. Ich bin förmlich besoffen begeistert davon, dass es geht. 

NACHTRAG: Ich habe mir diese Wochen den hier für 13 Euro gekauft:

Billig, plasticky - funktioniert aber auch tadellos, um ältere Arcade-Games kabellos zu zocken. Gut für unterwegs am iPhone und am Tablet.

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14
November 2016

Wortvogels Wochenspiegel (5)

Heute mal ein bisschen mehr "free form", weil vieles nicht in die etablierte Struktur passt.

Weil ich vor Ewigkeiten mal drüber geschrieben hatte, euch aber die Updates schuldig geblieben bin, verkünde ich an dieser Stelle: Mein altes Häuschen, der Geburtsort des Wortvogel-Blogs, ist mittlerweile fertig kernsaniert.

Es war ein harter, steiniger Weg - und es ging schief, was schief gehen konnte. Bauliche wie menschliche Enttäuschungen waren an der Tagesordnung. Aber man beißt sich durch. Weil man keine Alternative hat und weil es den Charakter schult (hoffe ich).

Ein kleiner Überblick über das Ergebnis:

Haus Dewi

Mehr Platz, USB-Buchsen an den Steckdosen, Fußbodenheizung, Glasfaser-Anschluss. Da bin ich meinem Mieter durchaus neidisch, dass ich selber nicht mehr das Vergnügen habe, darin zu wohnen.

Wo wir gerade bei architektonischen Details sind: Ich war mit der LvA ja kürzlich in Oslo (und in Lillehammer und in Göteborg usw.). Faszinierend, wie entspannt und liebenswert die Menschen dort sind. Da es an Geld nicht mangelt, ist auch alles Neue sehr modern, alles Alte sehr gut erhalten. Ein besonderes Highlight ist das Rathaus der norwegischen Hauptstadt, in dem ich sogar den Herren-Waschraum fotografierenswert fand:

rathaus

Das Bild hängt nun als Poster hinter Acrylglas im Badezimmer.

Vor fünf Jahren war ich enttäuscht und wütend, als ich die Live-Übertragung von "Frankenstein" aus dem National Theatre in London nicht sehen konnte. Wir hatten Karten, freuten uns auf Benedict Cumberbatch, Jonny Lee Miller, die Regie von Danny Boyle - aber eine Familientragödie verlangte unsere Anwesenheit anderswo. 

Umso erfreulicher, dass die Aufführung mitgeschnitten wurde und nun im Rahmen einer "encore"-Reihe wieder in die Kinos kommt. So konnten wir am Samstag nachholen, was uns 2011 entgangen war:

Ich sage das nicht leichtfertig: Dieses Theaterstück ist die beste Umsetzung des Romans, die ich je gesehen habe - Kino, Bühne, Hörspiel, völlig egal. In Sachen Bühnenbild, Regie und vor allem Darstellung wird hier unfassbar aufgefahren. Wer bisher dachte, dass Cumberbatch (der auch schon in der Live-Übertragung von "Hamlet" herausragend war) ein guter Schauspieler ist, der darf sich hier belehren lassen. Cumberbatch ist sensationell.

Auf Wunsch der Beteiligten gibt es keine DVD von der Aufführung, man muss also drauf achten, dass man eine Kino-Wiederholung erwischt. 

Kommen wir zu den Sachen, die nicht so glatt laufen. Für Diät und Sport habe ich aktuell weder Zeit noch Konzentration. Ist so. Meinen Kopf beschäftigen andere Dinge.

Wie ich mit der Trump-Wahl umgehe? Vogel Strauß-Methode. Ich lese derzeit keine US-News-Seiten, überspringe alle Artikel zum Thema ungelesen. Ich teile die Meinung nicht, dass wir zu blauäugig waren, dass wir nun einen Weg finden müssen, uns mit der Situation zu arrangieren. Das Falsche wird nicht das Richtige, nur weil es eine Mehrheit bekommt. Für die gute Sache zu kämpfen, ist nicht immer bequem und siegreich. 

Von Brecht stammt angeblich das passende Zitat:

"Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!"

Und was ist mit dem groß angekündigten NaNoWriMo? Musste pausieren. Weil ich vier Tage lang auf Reportage in Franken und Niedersachsen war. Und weil ich für die Steuer die gesamten Belege zur Haussanierung der letzten drei Jahre zusammen stellen musste - was sich erwartungsgemäß mit "komplex" noch freundlich umschreiben lässt. Aber ich bin dennoch entschlossen, das Ziel zu erreichen und am Monatsende eine Novella von 25.000 Wörtern beisammen zu haben.

Und die Katzen? Modeln immer noch gerne:

rufi

Damit bin ich raus für heute.

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9
November 2016

Hier gibt es keine Antworten

Ich bin fassungslos. Und ich habe Angst.

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2
November 2016

Kinokritik: Doctor Strange

doctor-strange-comic-con-posterUSA 2016. Regie: Scott Derrickson. Darsteller: Benedict Cumberbatch, Tilda Swinton, Chiwetel Ejiofor, Rachel McAdams, Mads Mikkelsen

Offizielle Synopsis: Der egozentrische, hochintelligente Neurochirurg Dr. Stephen Strange steht nach einem Autounfall, bei dem seine wichtigsten Instrumente, seine Hände, schwer verletzt wurden, vor dem Nichts. Seine letzte Hoffnung auf Heilung führt ihn nach Tibet zu einem sonderbaren Einsiedler, doch überfällt ihn dort eine komplett neue, übernatürliche Realität. Nur sehr langsam schwinden seine Zweifel an der Existenz magischer Kräfte und beginnt er sich seiner wahren Begabungen und Fähigkeiten bewusst zu werden. Immer weiter dringt er in neue, mystische Dimensionen vor, doch als Mittelsmann zwischen Raum und Zeit, entdeckt er nicht nur kosmische Parallelwelten, sondern entfesselt auch deren dunkelste Mächte, die unserer Welt bisher verborgen blieben...

Kritik: Vorab - ich habe "Doctor Strange" auf deutsch gesehen und in 3D. Das mag meine Experience ein wenig trüben, auch wenn die Synchronisation okay ist und das Bild tiefenscharf. Erwartungsgemäß bin ich über ein paar "strange"-Pointen gestolpert, die sich einfach nicht übersetzen lassen und einige der Actionszenen wirken fahrig und unübersichtlich - das hat nicht die Eleganz der Fights von "Captain America: Civil War" oder "Ant-Man". Your mileage may vary.

Mit Doctor Strange (wenn man Scarlet Witch mal ausklammert) kehrt Magie in das MCU ein - bigly, wie Donald Trump sagen würde. Die Kreation von Stan Lee und Steve Ditko gehörte für mich immer in einen anderen Strang als die Avengers oder die X-Men, bevölkert für mich immer ein Parallel-Marvelversum, in das auch Dracula, Blade und Man-Thing gehören. So wie Perry Rhodan und John Sinclair kein Crossover vertragen würden, halte ich Dr. Strange für ein "unique animal", denn seine Kräfte sind nicht mechanistisch quantifizierbar und passen nicht in eine Welt, in der Kraft ausschließlich mechanistisch quantifiziert wird. So absurd übermenschlich das MCU auch ist - es ist seiner internen Logik nach eben nicht übernatürlich. null

Aus diesem Grund wird es sehr interessant sein, wie sich Strange in den angekündigten Teamups in das etablierte MCU einpasst. Sein erstes Solo-Abenteuer hat dieses Problem ja noch nicht: Diese Geschichte existiert fast vollständig außerhalb der Marvel-Realität. Was allerdings die Frage aufwirft, wo zur Hölle die ganzen anderen Superhelden sind, während Stranges Antagonist mal eben London, New York und Hongkong zerlegt. Hallo? Iron Man? Thor? Hulk? Niemand zu Hause? Das ist ein Problem des "shared universe", das sich nie ganz wird auflösen lassen - und es spricht für Marvel, dass sie es auch nie wirklich versuchen.

Und schließlich möchte ich, bevor ich zum Film komme, noch ein paar Worte über die bisherigen Strange-Verfilmungen verlieren. Der 1978er-TV-Film stand ja in den 80ern in jeder deutschen Videothek:

Trotz meiner Affinität zu okkulten Abenteuern und Comic-Verfilmungen habe ich ihn damals konsequent stehen lassen - Hauptdarsteller Peter Hooten war für mich einfach indiskutabel.

Deutlich besser war da schon der unlizensierte Ripoff "Doctor Mordrid" aus der Full Moon-Factory von Charles Band, der in Deutschland fatalerweise während des Dino-Fiebers als "Rexosaurus" vermarktet wurde. Die neue Blu-ray-Fassung des Films ist wirklich beeindruckend und als sympathische B-Version des MCU-Blockbusters absolut sehenswert:

Vor ein paar Jahren schob Marvel dann noch eine Zeichentrick-Version nach, die kurioserweise erstaunliche Parallelen im Storytelling zur aktuellen Verfilmung aufweist:

Tatsächlich hätte es dem MCU gut getan, wenn man mit dieser Fassung die Origin Story von Strange abgehakt hätte und im neuen Film mit einem simplen "hier ist der Sorcerer Supreme mit den Zauberkräften" eingestiegen wäre. Denn - und das muss als Kritik erlaubt sein - die Routine, mit der Marvel jeder neuen Figur einen Solo-Film mit Origin Story abzwingt, ermüdet langsam. Sooo sehr unterscheiden sich die einzelnen Heldengeschichten ja nun auch nicht: Brillante Figur, traumatisches Erlebnis, Depression, Entdeckung sagenhafter Kräfte, Erlösung, Erkenntnis, Kostümkauf.

Aber ich schweife ab, bzw. greife vor. Das liegt u.a. daran, dass ich zum eigentlichen Film wenig zu sagen habe. Er ist erwartungsgemäß klasse, auf dem hohen Niveau der letzten zehn MCU-Filme produziert, präsentiert poppige und pompöse Spezialeffekte, balanciert das Pathos mit ausreichend Comedy und gibt Benedict Cumberbatch mal wieder die Gelegenheit, als übermächtiges Genie die schauspielerischen Eier zu schaukeln. Nichts davon muss eigentlich erwähnt werden, weil es überraschungslos ist - die MCU-Maschine hat eine fließbandmäßige Perfektion erreicht, die man seelenlos finden kann, von der sich aber nicht bestreiten lässt, dass sie liefert. Großes Entertainment ohne Risiko, solider Gegenwert für den Eintrittspreis, ein weiteres buntes Puzzleteil für das immer weiter wachsende MCU. Mittlerweile könnte man solche Reviews auch mit dem Baukasten schreiben und nur die Namen der Figuren und Locations austauschen.

null

Was würde ich meckern, wenn ich meckern müsste? Wie gesagt: Die Action ist manchmal etwas chaotisch. Die Inception-Sequenzen mit den sich übereinander faltenden Realitäten sind letztlich nur Eye Candy. Die Post Credits-Szenen werden immer mehr zu hohlem Selbstzweck (es gibt zwei - also wieder bis GANZ zum Schluss sitzen bleiben). Das sind so selbstverliebte Marvel-Standards, die man ruhig auch mal in Frage stellen könnte.

Davon ab und darüber hinaus: Für Fans des MCU ein Muss, für Gegner des MCU ein weiterer Beweis, dass das Blockbuster-Kino tot ist.

Fazit: Ein erwartbar smoother Blockbuster für die Nachsaison, dessen perfektes Casting und die aufwändigen Spezialeffekte locker aufwiegen, dass Marvel erneut Dienst nach Vorschrift liefert. Für das Kostüm von Doctor Strange würde ich fast zum Cosplayer mutieren.

 

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31
Oktober 2016

An die Arbeit! Der NaNoWriMo ruft!

"Fange an zu schreiben, komme, was da wolle. Das Wasser fließt nicht, so lange man nicht den Wasserhahn aufdreht."
(Louis L'Amour)

crestIch hatte ja angedroht, dass ich mein Sabbatical nutzen würde, um mal wieder in der tiefen Pfütze der Fiction zu waten (und um mir solche krummen Analogien abzugewöhnen). Nach sechs Jahren, in denen ich primär journalistisch gearbeitet habe, möchte ich mein Fabuliergeschick entrosten. Sei es mit Kurzgeschichten oder Romanen - Genre egal. Einfach mal wieder was schreiben, was Anfang, Mitte und Ende hat - und haltlos erfunden ist.

Nun ist die Motivation ja etwas, das mich nicht mit glühender Leidenschaft verfolgt, und so manche hehre Absicht, "heute aber!" zwei bis fünf Seiten zu schreiben, verstarb einen leisen "ohh, guck mal, ein neues Nostalgia Critic-Video!"-Tod. Machen wir uns nichts vor: Das Sabbatical ergebnislos zu verschlabbern wäre eine Leistung, die ich leichten Fußes und fetten Arsches zu liefern in der Lage wäre.

Na ja, nicht GANZ ergebnislos: Nach der Neuinstallation meines von Amazon ersetzten Fire Tablets habe ich es schon wieder bis Level 450 bei "4 Bilder 1 Wort" gebracht.

Doch "Autor" soll meine Berufsbezeichnung sein, nicht "Lusche"!

Warum also zur Abwechslung nicht mal auf "peer pressure" setzen, auf Social Media-Coaching, auf neumodische Belohnungsmechanismen aus dem Gaming-Umfeld?

Und da kommt der NaNoWriMo ins Spiel, entzerrt "NAtional NOvel WRiting MOnth". Das Prinzip ist eigentlich ganz simpel. Man nimmt sich vor, im November einen Roman zu schreiben. 1500 Worte am Tag. Genre egal, finale Länge egal, Qualität letztlich auch egal. Es geht nur darum, zu schreiben. Erfahrung zu sammeln. Schreibblockaden zu überwinden. Disziplin zu lernen. 

"Du kannst nur lernen, ein besserer Schreiber zu sein, indem du schreibst. Ich weiß nicht viel über Kurse für kreatives Schreiben. Aber sie sagen dir nicht die Wahrheit, wenn sie dir nicht beibringen, dass Schreiben harte Arbeit ist."
(Doris Lessing)

Zu diesem Zweck legt man einen Account an, sucht sich einen Titel für das geplante Epos und schreibt ein paar Zeilen zum Inhalt. Und dann: legt man los. Und lässt die gesamte Welt über die Webseite des NaNoWriMo am Fortschritt der Arbeit teilhaben. Für das Erreichen gesetzter Wegmarken kassiert man zudem virtuelle Orden. Die sonst so einsame Arbeit des Schriftstellers wird zum sozialen Happening mit spielerischen Elementen.

Mein Kumpel und Ko-Autor Nathan Shumate nimmt schon seit Jahren am NaNoWriMo teil und ist der lebende Beweis, dass am Ende des Monats tatsächlich ein fertiger (kurzer) Roman dabei rauskommen kann.

Ihr ahnt es: 2016 habe ich mich entschieden, auch mal mitzumachen, die Kombination aus Web-Sabbatical und genereller Entspannung in den Dienst der gute Sache zu stellen. Und darum schreibt der Wortvogel in den nächsten vier Wochen unter den Augen der Welt den Horror-Schundschmöker "The Train". Hoffentlich.

Natürlich arbeite ich jetzt schon härter an den Entschuldigungen für mein Versagen als am eigentlichen Konzept des Romans. So bin ich nächste Woche wieder fünf Tage auf Reportage, da sehe ich mein Macbook nicht mal von weitem. Wie soll ich da meine 1500 Wörter-Etappen schaffen? Und wer zählt Manuskripte (bzw. Typoskripte, wie es eigentlich heißen muss) in Wörtern?!

Egal. Ich probier das jetzt einfach mal. Grob habe ich mir eine Obergrenze von 25.000 Wörtern für "The Train" gesetzt, was THEORETISCH in 17 Tagen zu schaffen sein sollte. Laut dem ollen MRR habe ich alles, was es braucht:

"Ohne Eitelkeit gibt es kein Schreiben. Egal, ob Autor oder Kritiker - Eitelkeit muss dabei sein. Sonst entsteht nichts."
(Marcel Reich-Ranicki)

Man kann das Spiel natürlich noch bis zur Kasteiung steigern, in dem man die Etappen für den NaNoWriMo mit der "most dangerous writing app" schreibt, die jedes Innehalten, jedes Zögern mit der gnadenlosen Löschung der bisherigen Ergüsse bestraft. Da wird die Schreibarbeit zum Akkord, zur Folter gar - aber nicht für mich. Schließlich besteht bei mir jederzeit die Möglichkeit, dass eine Katze auf meinen Schoß steigt, mir ihren Popo ins Gesicht hält und mit einem mäßig interessierten "wasmachstnda?" den Blick auf den Bildschirm verstellt. 

Sollte "The Train" fertig werden und in seiner Gänze mein gnädiges Urteil finden, stellt sich natürlich die Frage, was ich damit mache. Mal sehen.

Genug der Vorrede. Morgen geht's los. Und ihr seid dabei.

P.S.: Eigentlich mache ich das mit dem NaNoWriMo nur, weil der doofe Doc Acula es auch macht. Und wenn DER das schon kann...

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12
Oktober 2016

Wortvogels Wochenspiegel (4)

Derzeit in Oslo - bringt mir den Kopf von Spider-Man!

spidey

Anlass: "Marvel Universe Live". Eine tolle Sache für die ganze Familie, fettes Pyro-Spektakel und beeindruckende Stunts inklusive. Man bekommt wirklich so eine Art Avenger-Film vorgespielt, plus X-Men und ein paar bisher im Film vernachlässigte Figuren wie Ms. Marvel und The Black Cat. Man hätte mir nur vorher sagen können, dass die Dialoge natürlich auf norwegisch sein würden...

Norwegen und Oslo generell? Klasse. Verhält sich zu Deutschland wie Kanada zu den USA. Man möchte bleiben, aber die sind alle so schön, sportlich und jung hier - die würden uns nicht wollen.

Norwegische Blaulinge habe ich allerdings noch keine entdeckt - die müssen daheim gut festgenagelt sein:

Ich lese: "The complete Peanuts". Weil man das einmal im Leben gemacht haben sollte. Interessant erscheint mir primär, wie stark sich die Serie in den unglaublichen 50 Jahren ihrer Laufzeit verändert hat, nicht nur was den Stil angeht. Die Peanuts sind ein Spiegel des Amerikas der Nachkriegszeit, reflektieren soziale und politische Strömungen, emanzipatorische Bemühungen und die Auseinandersetzung mit dem eigenen Versagen ebenso wie den Traum vom besseren Morgen. Und von ca. 1965 bis 1995 waren die Strips mitunter saukomisch, auch wenn ich mir den Luxus erlaube, Bill Wattersons "Calvin & Hobbes" immer noch für den Höhepunkt dieser Kunstform zu halten.

Ich empfehle die englische Version, da die deutschen Übersetzungen teilweise beschämend schlecht sind. Wen der Preis schreckt, der bekommt auch bei diesem Jubiläumsband viel Gegenwert fürs Geld.

Ich schaue: „Suicide Squad“. Was für ein konfuser Käse! Völlig handlungsfrei, ohne Hauptfigur, besetzt mit schlecht und unterentwickelten Charakteren, moralisch zutiefst korrupt, technisch wie inszenatorisch zweitklassig, nur dank der schieren Geschwindigkeit, dem bonbonigen Klamauk und dem weitgehenden Verzicht auf Pathos über dem Niveau von „Batman vs. Supeman“. Auch die Darsteller können nicht punkten: Will Smith versucht penetrant, sich in den Mittelpunkt zu schieben und verzichtet aus offensichtlicher Eitelkeit bis auf zwei Sekunden auf die eigentlich notwendige Deadshot-Maske. Cara Delevingne ist spektakulär schlecht, Jared Leto einfallslos und dank Zahnklammer schwer verständlich - nur Margot Robbie zieht sich (und ihre dauerpräsenten Pobacken) ehrenhaft aus der Affäre. Ein Film wie seine eigene Asylum-Parodie.

Ich empfehle: Nochmal zehn Leichen aus meiner Leseliste:

How Seinfeld's Productivity Secret Fixed My Procrastination Problem

Wie werden Kalorien gemessen?

Pulp Fiction under German totalitarianism

Here is what happens when you cast Lindsay Lohan in your movie

Rundfunkbeitrag bald fast so schlimm wie Hitler

Esquires interview with Megan Fox is the worst thing ever written

Studentin in Splatter-Filmen: Nach der Unis schlachtet sie Zombies

Writing Life: Writing by dictation. Ergänzend: Dictation software that works?

Eine zeitgemäße Erregung: Der Skandal um Ingmar Bergmans Film "Das Schweigen" und die Aktion "Saubere Leinwand"

Dennis Miller rant: Victimless crimes

Ich verweise: Erneut auf den fehlerfreien Kundenservice von Amazon - mein beim Sturz gesplittertes Fire Tablet wurde (ohne Garantie oder Verantwortlichkeit) durch ein "refurbished"-Gerät ersetzt. Einziges Ärgernis: Ich verliere beim Daten-Umzug demnächst alle 700 geschafften Level von "4 Bilder 1 Wort".

Die Katzen (Becky in diesem Fall):

starcat

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1
Oktober 2016

Wortvogels Wochenspiegel (3)

feldarbeit

Ich denke: Dass ich Schattenrasen bis letzte Woche für das Gegenteil von Schattenparken gehalten habe. Dass ein "Denver Clan"-Reboot ohne Schulterpolster und ozonfeindliches Haarspray nicht funktionieren kann. Dass Kürbiskerne in Schokolade zu lecker sind. Dass Oettinger so ziemlich der peinlicheste Büttel der Medien-Mogule ist, den man sich vorstellen kann (aber nicht will). Dass wir einen wunderschönen Sommer hatten. Dass der Oktober richtig gut startet.

Ich lese: Den SPIEGEL. Erstmals seit Monaten. Weil ich ihn wieder lesen KANN. Dank meiner ersten Gleitsichtbrille. Der Wortvogel ist nun offiziell ein alter Mann. Außerdem: John Sinclair. Aus Gründen.

Ich schaffe: Ein Romankonzept. Ist lange genug her. Die Grundidee ist klar, nur die Dreiakt-Struktur drängt sich mir noch nicht auf.

Ich schaue: "Ghostbusters 2016" (extended version). Fuck the haters and the horses they rode in on - das Problem des Films hat nichts mit der geschlechtlichen Umstellung zu tun. Die Dynamik zwischen den weiblichen Darstellern ist so ziemlich das Einzige, was hier funktioniert - und Kate McKinnon ist ein Hammer. Es ist der Rest des Film, der so flüssig wie ein Würfel auf Schotter rollt - zu zahm inszeniert, zu flau oldschool, zu uninteressiert am eigentlichen Plot, zu redundant in der Action. Als Komödie für einen beiläufigen Abend in Ordnung - aber wer zur Hölle hat gedacht, dieses untertourige Leichtgewicht könne ein Blockbuster werden?

Playhouse presents: Eine Serie mit drei Staffeln und Darstellern wie Stephen Fry, David Tennant, Tom Jones, Emma Thompson, Kylie Minogue, Vanessa Redgrave, Matthew Perry, Mark Strong, Billie Piper und Kiefer Sutherland, von der ihr nie etwas gehört habt? Gibt's nicht! Gibt's doch?

"Playhouse presents" ist hochkarätiges Darsteller-Fernsehen von Sky Arts, produziert 2012 bis 2014, jede Folge nur 22 Minuten lang. Es geht durch alle Genres, inklusive Science Fiction und Horror. Warum eine solche Produktion so durch das Raster fallen kann? Vielleicht ist "Playhouse" letztlich zu gefangen in der Tradition der literarischen Adaption, entspricht nicht dem "horizontal storytelling" der aktuellen TV-Generation und verweigert sich daher dem "binge watching". Es sind einfach hochkarätige Geschichten, premium inszeniert und erstklassig gespielt. I love it.

Wer nun neugierig geworden ist - das Problem mit der geräuschlosen Versendung hatte Sky Arts schon mit der sehr reduzierten, aber sehr sehenswerten Adaption "The nightmare worlds of H.G. Wells":

Ich empfehle: Diese zehn Artikel:

Why Calvin and Hobbes is great literature

Desperately holding on to the debunked idea of gender wage gap

Tagebuch vom Sterbebett

Worst Film Ever - "The legend of El Dorado"

"Welcher Schriftsteller ist kein Kotzbrocken?"

The Challenge of getting rid of stuff

Belted, Booted and Buckled: B-Movie Title Design of the 1960s

Rekonstruktion eines Doppellebens: Wie der Tod die Lüge schützt

The Hateful Life And Spiteful Death Of The Man Who Was Vigo The Carpathian

Horrorfilme: Die Hölle sind wir

BONUS: Leser "G" (alias Udo Seelhofer) hat einen Artikel über das Thema "Bloggen - Eine Leidenschaft" geschrieben - und jau, der Wortvogel kommt ausgiebig zu Wort.

Ich verweise: Google Trips ist ein perfektes Beispiel für Traum und Alptraum von "data mining" - eine potente App für die Planung von Reisen, die deshalb so leistungsfähig ist, weil sie sich wie der Ceti-Egel in das Gehirn meiner Online-Identität gebohrt hat. Sie weiß jetzt schon mehr über meine geplante Reise nach Oslo als ich. Yay oder nay?

Ich wiege: 102 Kilo.

Die Katzen:

Becky:

chat

Rufus:

sonne

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24
September 2016

Wortvogels Wochenspiegel (2)

Ich denke: Dass dieses Essay von mir nach mehr als zwei Jahren immer aktueller wird. Dass Brangelina mir wurscht sind. Dass es zu früh für Stollen im Supermarkt ist. Dass Terry Jones das nicht verdient hat. Dass es geil ist, dass man von Baden-Baden aus für 43 Euro zu prima Zeiten nach London und zurück fliegen kann. Dass ich in Basel mal im Rhein schwimmen gehen will. Dass ich hoffe, dass die Welt 2017 ihren gesunden Menschenverstand wiederfindet - aber zweifle. Dass diese Zeit die Zeit meines Vaters in den 70ern war - als Taxifahrer:

Ich fühle: Entspannung. Dinge passieren, Dinge werden erledigt. Der Ballast verringert sich, der Druck lässt nach.

Ich lese: "John Carter and the Gods of Hollywood" - ein kurz nach dem Flop des Kinofilms kostenlos erhältliches Buch über das Leben von Edgar Rice Burroughs, die Entstehung der Barsoom-Bücher und die vielfältigen Versuche, diese zu verfilmen. Am Ende der unterhaltsamen Lektüre steht die sympathische wie nerdige Aufrechnung, warum sich eine Fortsetzung trotz des gescheiterten Erstlings lohnen würde. Wunschdenken - aber nichtsdestotrotz ein spannendes Buch und ein gutes Plädoyer, dass John Carter nicht auf ewig im Schatten von Tarzan stehen darf.

Ich schaue:

ARQ: Eine Kuriosität - ein sehr preiswertes Science Fiction-Kammerspiel, das nicht primär auf Drama, sondern auf Action setzt. So eine Art „Groundhog Day“ trifft „Die hard“, in dem ein Militär-Wissenschaftler in einer nicht näher beschriebenen (aber augenscheinlich beschissenen) Zukunft immer und immer wieder den gleichen Angriff einer Terroristengruppe abwehren muss, der durch seine Energiemaschine in eine Zeitschleife gelegt wurde. Der Fokus auf Schießereien, Schlägereien und „mexican standoffs“ tut dem Film allerdings nicht gut, weil ihm inhaltlich der Saft ausgeht und viele der Twists eher der Logik des Actionfilms als de Logik der Science Fiction geschuldet sind. Kann man gucken, kann man aber auch auslassen.

ISRA 88: Zwei Astronauten fliegen mit einem hyperschnellen Raumschiff (aber dennoch in endlosen Jahren) auf den Rand des Universums zu, um zu schauen, was dahinter liegt. Noch ein Kammerspiel, diesmal beschränkt auf einen zynischen Hipster-Wissenschaftler und einen Miltär-Bozo (mit erfreulichem Stoizismus gespielt von Casper van Dien). Man wird das Gefühl nicht los, dass der unsäglich dröge Abklatsch von John Carpenters Erstling „Dark Star“ im Nachhinein noch mal achronologisch umgeschnitten wurde, um durch schiere Verwirrung ein wenig Interesse beim Zuschauer zu wecken. Es funktioniert nicht. Auch mit der Milde, die ich preiswerter SF gegenüber an den Tag lege: Ein Blindgänger.

Beta Test: Das passiert selten, aber es passiert; Ich habe den Film nach einer halben Stunde abgebrochen. Abgesehen davon, dass wir die „Videospiel in der Realität“-Nummer dieses Jahr schon mehrfach hatten (siehe „Andron“, „Level up“ und „Call up“), wird hier zugunsten billiger Action wirklich auf jeden Anflug von Logik geschissen, es fehlt jedes Verständnis für die Mechanismen der Gamer-Kultur und letztlich hat „Gamer“ das vor sechs Jahren nicht viel plausibler, aber erheblich unterhaltsamer dargeboten. Ein Retortenfilm, der seine per Marktforschung identifizierte Zielgruppe nicht versteht oder bedient, sondern nur nervt.

The Last Heist: Nach dem sehr spassigen „Don’t kill it“ wollte ich dringlich auch mal die zweite aktuelle Produktion von Mike Mendez sehen, auch wenn er das phantastische Genre dabei zu Gunsten des Heist-Films verlässt: Eine Gruppe skrupelloser Gangster überfällt eine in Schließung befindliche Bank. Dabei hat nicht nur praktisch jede beteiligte Person (inklusive der Polizisten) Zweit- und Dritt-Motive, es befindet sich als letzter Kunde auch noch ein gesuchter Serienkiller im Tresorraum - gespielt von Henry Rollins. Das klingt leider besser, als es im Ergebnis ist - hier wird inhaltlich zu wenig gestemmt und mit zu wenig Geld umgesetzt, nur die relativ dynamische Regie von Mendez rettet diese DVD-Wühltisch-Randnotiz vor der totalen Langeweile.

Ich höre: Meatloaf - Braver than we are: Waren schon die letzten Platten und Konzerte ein Armutszeugnis, knallt „Braver than we are“ endgültig den Sargdeckel über einer der potentesten Rock-Kooperationen der letzten 40 Jahre zu. Sowohl Meatloaf als auch Jim Steinman sollten sich was schämen. Steinman, weil er wieder mal nur altes Material recycelt - hat der in den letzten 25 IRGENDWAS Neues geschrieben? Und Meatloaf, weil man nicht mehr singen sollte, wenn man nicht mal unter idealen Studiobedingungen mehr singen kann. Die Cover von „More“ und „Loving you’s a dirty job“ mögen schön pumpend produziert sein, auf die Vocals kann man nur noch mit Mitleid reagieren. It hurts (only when I listen):

Ich empfehleDiesen Blog, der - wie auch ich schon - auf die Suche nach Betrügereien im eBook-Business geht.

Ich erinnere: An diese Begegnung mit dem Nachbarn aus dem hässlichen Haus auf der anderen Straßenseite.

Ich preise: Diesen Einblick in die Herstellung einer Uhr für 2,2 Millionen Euro. Pottenhässlich, aber echte Mechanik-Pornographie.

Ich lerne:

Podcasts schätzen. Auf meinem iPhone kann man die ja prima abonnieren. Ideal für längere Autofahrten. Hörspiele, Hoaxilla, History - ich habe sicher erst die Spitze vom Eisberg gehört.

Mac OS Sierra nutzen. Ärgerlich - einige durchaus im Gebrauch befindliche Tools sind nicht mehr kompatibel, von manchen wird es auch keine Updates geben (z.B. Speed Download). Das behindert den Workflow, aber es stoppt ihn nicht. Ansonsten wieder alles smooth wie üblich bei Apple, man braucht auch kein komplett neues Environment zu lernen.

Ich wiege: 102 Kilo. Immerhin.

Die Katzen:

cats

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16
September 2016

Wortvogels Wochenspiegel (1)

Ich denke: Bautzen sollte sich schämen. Die freie Markt der Fernbusse bröselt zu schnell. Auch ein Sieg Hillary Clintons bei der Präsidentschaftswahl wird nichts daran ändern, dass nicht nur das politische System, sondern auch der gesellschaftliche Entwurf der USA fundamental zerbrochen ist.

Ich fühle: Unruhe. Die massive Reduktion meiner üblichen Online-Aktivitäten schlägt erwartungsgemäß nicht augenblicklich in massiven kreativen Output um. Das sorgt für mentale Durchhänger und Leerstellen.

Ich lese: "Harry Alan Towers: The Transnational Career of a Cinematic Contrarian" - eine zu teure, extrem trockene und akademische Analyse des Towers'schen Geschäftsmodells. Keine leichte Lektüre, aber man kann sehr viel über internationale Filmproduktionen und den oft inhärenten Rassismus und Chauvinismus der Branche lernen. Ein paar Informationen bezüglich "Sumuru" und "High Explosive" sind allerdings nicht korrekt, das muss ich dem Autor noch mitteilen.

Ich schaue: „Hard Target 2“ - ein mit erstaunlichem Aufwand an Locations und Stunts von Sequel-Meister Roel Reiné inszeniertes Double (kein Remake, keine Fortsetzung) von John Woo's US-Debüt, diesmal mit Scott Adkins statt Jean Claude van Damme. Leider kann aller Eifer der Beteiligten das strunzdumme, banale und eierlose Skript nicht wettmachen. Das ist "Cannon lite", ähnlich wie Adkins "Ninja". Wenn Adkins den Durchbruch als Actionstar in die Oberliga noch schaffen will, wird es Zeit - nach mittlerweile zehn Jahren solider Mittelklasse tickt die biologische Uhr. Immerhin ist "Hard Target 2" besser als "Kindergarten Cop 2" vom gleichen Label, aber was heißt das schon? Lieber noch mal die "Undisputed"-Sequels gucken. So geht's.

Ich schaffe: Eine beschauliche Weihnachtsgeschichte mit Schnee und Christbaumkugeln - bei 30 Grad unter strahlend blauem Himmel. Und an die 20 Ideen für Kurzgeschichten habe ich gesammelt, die primär zur Erprobung verschiedener Schreibstile und Genres dienen sollen.

Ich empfehle: Bernhard Torschs Textanalyse eines ZEIT-Artikels über den IKEA-Katalog, die von mir hätte sein können.

Ich erinnere: Wortvogel-Retrospektive - dieser Beitrag über die aktuelle Klatschpresse hat 2008 beträchtlichen Wirbel verursacht.

Ich preise: Die Dokumentation "Out of the Ashes: Captain Power and the Soldiers of the Future" - eigentlich ein spielfilmlanges DVD-Extra vom Box Set zur kultigen SF-Actionserie der 80er. Könnte bald von YouTube gelöscht werden:

Und hier noch ein Shoutout an Dietmar - Gratulation!

ds

Ich esse: Eisbecher "thai style" im Goldzünglein in Karlsruhe - leider ist das Ecklädchen nicht sehr einladend, die durchweg weiblichen Aushilfen (von den durchweg männlichen Gründern des Geschäfts keine Spur) tun sich sehr schwer, das Eis kompakt und appetitlich zu rollen. Konzeptionell interessant, massive Probleme in der Umsetzung. Und nein, auch für ein "kostenloses Extratopping" bekommt ihr kein Like auf Facebook von mir.

Ich wiege: 103 Kilo. Seufz.

Die Katzen:

Kreisel

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