04
Apr 2024

Kino-Kritik: DAS ERSTE OMEN

Themen: Film, TV & Presse |

USA 2024. Regie: Arkasha Stevenson. Darsteller: Nell Tiger Free, Tawfeek Barhom, Sonia Braga, Ralph Ineson, Bill Nighy, Nicole Sorace

Story: Die Novizin Margaret reist im Jahr 1971 nach Rom, um in einem Waisenhaus zu arbeiten und ihr Gelübde abzulegen. Sie freundet sich mit dem Mädchen Carlita an, dem die Nonnen weitgehend ausweichen. Es stellt sich heraus, dass eine katholische Sekte die Geburt des Antichristen in die Wege leiten will, um die Menschen wieder zur Kirche zu drängen.

Kritik: DAS OMEN ist auch wieder so eine Franchise, die eher aus wirtschaftlichen als aus kreativen Gründen am Leben erhalten oder wiederbelebt wird (siehe auch AMITYVILLE HORROR, PSYCHO und DER EXORZIST). Die erste Teil der Trilogie ist für mich ein Klassiker des Mainstream-Grusels:

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Teil 2 bemüht sich weitgehend, mit einem neuen Hauptdarsteller das gleiche Territorium zu beackern, was auch ganz passabel gelingt:

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Der dritte Teil schließt die Saga ab, auch wenn das Finale von BARBARA’S BABY: OMEN III zu den größten Blindgängern der Filmgeschichte gehört:

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Höhepunkt zum Thema OMEN war für mich sowieso immer das hier:

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But wait – there’s more! Der TV-Film, der 1991 als Teil IV vermarktet wurde, war so etwas wie ein versuchter (aber dann abgebrochener) Reboot der Franchise:

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Im Jahr 2006 machte man dann Nägel mit Köpfen und startete von vorn:

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Es dürfte niemanden wundern, dass auch noch eine TV-Serie produziert wurde:

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Was macht man, wenn man das Konzept der Fortsetzungen und Reboots endgültig ausgelutscht hat, aber weiter Geld verdienen will? Prequels!

DAS ERSTE OMEN (wobei es ja im Wortsinne nicht primär um Omen geht) kehrt dabei kurioserweise an den Ausgangspunkt zurück – er erzählt die Vorgeschichte von DAS OMEN von 1976 mit Gregory Peck, was am Ende auch klar ausformuliert wird. Inhaltlich passt das ganz gut, denn das Original begann ja mit dem Tausch der Babys. Wo kam das Teufelsbaby her? Eine legitime Frage.

Letztlich wissen wir ähnlich wie bei STAR WARS: ROGUE ONE, dass sich der Film an alle Vorgaben des Originals halten muss. Er kann nicht ausbrechen, kann nicht variieren, er kann nur unausweichlich auf den Schnittpunkt zum Richard Donner-Film zusteuern. Womit sollte uns sein erwartbares Ende also überraschen?

Tatsächlich rechne ich Regisseurin Arkasha Stevenson hoch an, dass sie sich der Aufgabe committed, einen Film abzuliefern, der optisch und vom Erzählrhythmus her in die 70er passt, auch dank eines fast vollständigen Verzichts auf erkennbare digitale Effekte. Das künstlich ausgebleichte Filmmaterial und die sorgsam ausgestatteten Locations lassen DAS ERSTE OMEN streckenweise wie einen restaurierten Horror aus der italienischen OMEN-Trittbrettfahrer-Ära wirken. Man riecht das Polyester der Hemden und Schlaghosen, den leichten Moder der verfallenden Stadt, den Schweiß unter Koteletten und langen Haaren.

Die Schauspieler sind ein weiteres Plus, ausgesucht nicht nach Markt- und Wiedererkennungswert, sondern nach expressiver Mimik und Geschichten erzählenden Falten. Gelebte Gesichter, gebeugte Körper.

Und damit… bin ich schon so ziemlich am Ende der Haben-Seiten. DAS ERSTE OMEN hat eingezahlt, hebt dann aber zu viel vom Vorschusslorbeeren-Konto ab, um nicht in die Miesen zu rutschen.

Das Problem ist – wie so oft – das Drehbuch. Es will ein “slow burner” sein, ein langsamer Abstieg in die Hölle, bei dem wir erst langsam ein sich steigendes Gefühl von Unsicherheit und dann Schrecken verspüren. Nur leider funktioniert das halt gar nicht, weil von der ersten Minute an klar ist, dass die permanent angedeutete Auflösung der Geschichte nur ein roter Hering ist – und der tatsächliche Twist offensichtlich. Er wäre nicht plakativer gewesen, wenn man ihn auf das Plakat geschrieben hätte.

Damit das funktioniert, muss Margaret als Hauptfigur weitgehend impotent sein – alles, was sie tut und herausfindet, ist im dritten Akt irrelevant. Wir wissen, was passieren muss. Es passiert.

Und so schleppt sich DAS ERSTE OMEN mit sattsam bekannten Versatzstücken und vielen “fake scares” durch die Laufzeit, nur gelegentlich unterbrochen von handgemachten und erstaunlich ekligen Gore-Einlagen, von denen zumindest eine so durch keine Kino-Freigabe hätte kommen dürfen.

Ich kann verstehen, dass die Macher den Stoff ernst nehmen und auf jegliche Ironie und jegliches Augenzwinkern verzichten, um einen “harten” Horrorfilm abzuliefern. Aber angesichts der Durchschaubarkeit der Story und der verwendeten Mittel macht es den Film fußlahm und freudlos.

Gelacht habe ich nur ein einziges Mal, ausgerechnet bei der letzten Dialogzeile vor dem Nachspann, genauer gesagt sogar beim letzten gesprochenen Wort des Films, auf das die einzige Reaktion nur ein lautes “no shit, Sherlock!” sein kann.

Fazit: Ein zu lethargischer und zu vorhersehbarer Okkult-Horror, der die Genre-Highlights der 70er optisch überzeugend nachspielt, aber keinen erzählerischen Hook für eine neue Generation findet.

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7 Kommentare
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Heino
Heino
4. April, 2024 19:36

Kann es sein, dass die Werbung auf der Seite zunimmt? Mir wurden in dem Artikel gleich 4 Banner eingeblendet, von denen 3 den Text unterbrechen.

Tim
Tim
4. April, 2024 21:35
Reply to  Torsten Dewi

Ich habe insgesamt 6.

Tim
Tim
4. April, 2024 21:38
Reply to  Tim

Mit dem permanenten Ding ganz unten sind es 7, ich habe bei Interesse Screenshots. Da bin ich bei allem Verständnis dann auch so langsam incentiviert, den Adblocket anzuwerfen.

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos
9. April, 2024 18:57

Oha, die bisherigen Kritiken, die ich überflogen habe, klangen recht wohlwollend :/
Naja, mal schauen, was nächste Woche noch so läuft – für nen kleinen Kurs vielleicht ja trotzdem guckbar.

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos
17. April, 2024 23:10

Gerade raus aus dem Kino – trotz des warnenden Reviews, war halt für lau – und drei Fragen:

„ auch dank eines fast vollständigen Verzichts auf erkennbare digitale Effekte“
Also die Zündelszene im Mittelpart sah hochgradig schäbig und digital aus, das erinnerte an Videospiele der frühen 2000er-Jahre?!
Und – vielleicht lag es am Kino und der Projektoreinstellung – wo war der 70er-Look? Das Ding sah komplett steril und digital aus, abseits von ganz wenigen Momenten (Disco, Studentenproteste) hätte die ganze Chose auch heute spielen können.

„ erstaunlich ekligen Gore-Einlagen, von denen zumindest eine so durch keine Kino-Freigabe hätte kommen dürfen“

Welche meinst du? Die Hand?

Last edited 1 Monat zuvor by Rudi Ratlos