Originaltext April 2013:

Praktisch zeitgleich startet in diesen Tagen in mehreren Ländern eine neue Actionserie, die altbekannte Motive des Westerns in eine ferne Zukunft überträgt. Aus Indianern werden Aliens, aus Pferden Motorräder, und die Stadt St. Louis wird zum futuristischen Fort Alamo. Spannend ist „Defiance“ aber hauptsächlich deshalb, weil die Produzenten parallel zur Serie eine riesige Online-Welt geschaffen haben. TV-Episoden und Game sollen sich gegenseitig befruchten. Ob die Rechnung aufgeht, ist noch völlig offen.

Es ist ein mutiges Konzept, das steht außer Frage. Bisher schuf der Erfolg in einem Medium den Bedarf im anderen.  [weiterlesen]



Es war ein zu langer Tag im Kino, meine Schritte sind müde und mich fröstelt auf dem Rückweg vom Festival zum Hotel. Ein wenig Neid kommt auf, als ich auf halber Strecke an der kleineren, billigeren Herberge vorbei komme, die ich nicht mehr buche, seit ich es mir leisten kann. Davor: eine kleine Clique, vielleicht sechs oder sieben junge Leute, vielleicht zwei oder drei Frauen darunter, angeregt schnatternd. In dem Alter, in dem die späte Nacht kein Grund ist, ein Bett zu suchen, sondern Abenteuer. Aufgekratzte Lebenslust. Geschichten und Zigaretten werden ausgetauscht. Sie fällt auf, größer als die anderen,  [weiterlesen]



England 2016. Regie: Sean Foley. Darsteller: Julian Barratt, Simon Farnaby, Essie Davis, Russell Tovey, Steve Coogan, Andrea Riseborough, Kenneth Branagh, Simon Callow u.a.

Story: Richard Thorncroft war Ende der 80er als Detektiv „Mindhorn“ in England für kurze Zeit so etwas wie ein Star. Aber der Erfolg stieg ihm zu Kopf, er scheiterte in Hollywood und ausgerechnet sein gedemütigter Sidekick wurde mit dem Spinoff „Windjammer“ zum Dauerbrenner auf britischen Bildschirmen. Thorncroft, reduziert auf peinliche Werbespots und magere Gastauftritte, sieht die Bitte des Polizeipräsidiums der Isle of Man, ihnen bei der Jagd nach einem Killer mit Mindhorn-Fetisch zu helfen,  [weiterlesen]



Es war nicht leicht, von München nach Speyer zu ziehen. Es war nicht leicht, von Speyer nach Baden-Baden zu ziehen. Und es war nicht leicht, nach einem halben Jahr innerhalb Baden-Badens umzuziehen. Weg von allen vertrauten Freunden, Orten, Erinnerungen. Nochmal bei Null anfangen. Wie macht man das? Mit 20 ist das leicht, da wird man schnell auf Partys eingeladen. Hat man Kinder, findet man im Nu Kontakt zu anderen Eltern. Wir? Wir haben nicht mal einen Hund. Und unsere beiden Katzen sind an Gästen nicht sonderlich interessiert. Wir sind ein freundliches älteres Ehepaar. Unspannend.

Da ist man umso erfreuter,  [weiterlesen]



Lesen bildet!

Dass Pop ein Business ist und dass Erfolge gekauft werden, ist eine Binsenweisheit. Dieser Artikel vom Deutschlandfunk handelt deshalb nicht nur vom Glamour, sondern von den vielen fleißigen Handwerkern, die alle hoffen, irgendwann für das nächste „Shake it off“ verantwortlich zu sein – oder wenigstens das nächste „Atemlos“.

Ich hatte ja schon über betrügerische Autoren geschrieben, die Werke anderer als ihre eigenen ausgeben. Auf der Webseite der irischen Zeitung Independent kann man nun aus erster Hand nachlesen, wie man sich als Bestseller-Autorin fühlt, deren Werke und Konzepte plötzlich unter anderem Namen auftauchen.  [weiterlesen]



In einem Beitrag vor einem Monat schrieb ich das hier:

Besonders enttäuscht bin ich darüber hinaus von den Mitgliedern der Facebook-Gruppe „Nothing but the Truth – Aktiv gegen Chemmies und andere VT’ler“, die den Artikel von Lorenzen heute feixend geteilt haben. Auf meinen Einwand, ob sie denn überhaupt wüssten, worum es bei Illig geht, antworteten sie mit abfälligen Bemerkungen wie „wenn es nach drei Sekunden Nachdenken anfängt wehzutun, gehört es in diesen Topf“ (der Verschwörungstheorien) und „Da muss man doch nicht son Scheiß glauben!!!“. Ich hatte mehr erwartet als pubertäre Überheblichkeit.

Es sollte sich als prophetisch herausstellen…  [weiterlesen]



Ich war nie ein Mega-Fan von PSB, aber immer ein Verehrer ihrer großen Hits und ein Bewunderer ihres großen Einflusses in Sachen Elektropop. Darum scheute ich mich auch 1992 (?) nicht, sie mir in der Olympiahalle in München anzuschauen. Es war ein fetter Event mit Dutzenden von Sets, Kostümen und Tänzern – als Versuch, den doch relativ mauen Schauwert der Herren Tennant & Lowe auszugleichen. Hinterher gab es Presseberichte, dass dabei Millionen verbraten wurden.

2011 sah ich sie im Olympiastadion wieder – als Vorgruppe von Take That. Sound mies, Tennant gelangweilt. Insgesamt eine sehr ernüchternde Angelegenheit.  [weiterlesen]



Es ist ein Tag, der eigentlich nur Stress verspricht: eine Reportage schreiben, eilig benötige Informationen von Experten besorgen, die kein Konzept des Begriffes „eilig benötigt“ haben, dann 6 Kilometer Trainingslauf bei knapp 30 Grad (die Trainerin ist kostenpflichtig gebucht). Nur 10 Minuten für Dusche und Reisetasche, um den Trip nach Nürnberg zum B-Film Basterds Festival anzutreten. Bevor man frische Klamotten trägt, ist man schon wieder durchgeschwitzt. Nichts vergessen? Computer, Smartphone, Ladekabel, Schlüssel, Geldbörse, Sportkleidung? Frau geküsst?

Go, go, GO!

Schnell noch den Wagen tanken. Während der Diesel gluckert, sucht das Handy die Bluetooth-Verbindung zur Multimedia-Anlage des BMW.  [weiterlesen]



Originaltext Januar 2014:

Hummer, Regenschirme, Unterwäsche: Es gibt mittlerweile kaum etwas, das sich nicht am Automaten kaufen lässt. Im Gegensatz zum Ladengeschäft spart der Anbieter Fläche und Personal, damit Geld. Nun versucht sich auch Online-Riese Amazon am Straßenverkauf.

Der Automat ist ein treuer Begleiter des Menschen durch das Zeitalter der Industrialisierung. Seine Bedienung ist eine perfekte Metapher für den globalisierten Markt: Der Kunde gibt sein Geld, die Maschine spuckt ein Produkt aus. Woher die Ware kommt, wer den Automaten bestückt, was die Strukturen dahinter sind? Es braucht den Käufer nicht zu interessieren.  [weiterlesen]



Stephen Furst ist letzte Woche gestorben. Wieder ein Schauspieler von „Babylon 5“, der zu früh abberufen wurde. Ich habe ihn mal live auf der Bühne erlebt. Ein netter, bescheidener Mensch. Er ist nun bei Andreas Katsulas, bei Richard Biggs, bei Jerry Doyle, bei Jeff Conway, bei Michael O’Hare. Keine schlechte Besetzung, um auf „der anderen Seite“ neue Abenteuer durchzuspielen.

Bei der Erwähnung von Furst wurde natürlich mantramäßig wiederholt, was für eine tolle, bahnbrechende, anspruchsvolle und komplexe Serie „Babylon 5“ war. Wer wüßte das besser als ich? Schließlich habe ich ein Buch drüber geschrieben.  [weiterlesen]