Liebe Unterhaltungsindustrie…
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… dieser Tage geht die Internationale Funkausstellung los. In Berlin. Habe ich im Radio gehört. Ich selbst werde wieder nicht dabei sein – seit 1994 habe ich die Veranstaltung nicht mehr besucht. Damals fiel mir vor allem auf. dass etliche Besucher augenscheinlich nur darauf aus sind, die größtmögliche Menge an Tüten und Prospekten mit nach Hause zu schleppen. Es ist wahrscheinlicher, dass man mich bei der “Venus 2010” trifft. Da geht es auch um große Tüten.
Egal.
Deutschlandradio hat berichtet, was der Mega-Trend dieses Jahr ist. Zu meiner Überraschung nicht “Kühlschränke mit Internet-Anschluss“. Das Thema scheint nach zehn Jahren endlich durch zu sein.
Es ist – tataaa!!! – 3D-Fernsehen! In fünf Jahren sollen schon 20 Prozent aller neuen TV-Geräte 3D-tauglich sein. Wenngleich, wie der befragte Branchen-Guru erklärt, es derzeit leider noch an Programmangeboten in 3D mangelt. Aber man könnte. Wenn man wollte. Und gelassen würde.
Ich habe mir 3D-TV neulich mal im Kaufhof angesehen: “Monsters vs. Aliens” lag im Player, die Brille war schon leicht angegrabbelt. Ergebnis des subjektiven Sehtests: Coole Spielerei. Braucht kein Mensch.
Nun könnte ich sagen: Schauen wir doch mal, wie sich das entwickelt. Ist ja irgendwie gelebte Science Fiction. Obwohl ich immer gedacht hatte, dass 2010 schon holographisches Fernsehen dran sei.
Stattdessen sage ich: LECKT MICH DOCH ALLE AM ARSCH!!!
3D-Fernsehen? Geht’s noch? Schon wieder neue Fernseher, neue Dekoder, neue Sender, neue Abspiel- und Aufzeichnungsgeräte? Für ein paar Spielfilme vom Schlage “Clash of the Titans“? Oder ein paar Ego-Shooter, bei denen mir 2D schon speiübel wird? Bundesliga endlich noch mittendrinner statt nur dabeier? Porno mit (fast) anfassen?
Ihr könnt mich mal gepflegt und kreuzweise. Etabliert erstmal HD flächendeckend und mit verlässlichen Standards, und lasst mich danach 10-15 Jahre in Ruhe. Vorher gibt es von mir keinen müden Cent für neue TV-Hardware oder andere Systeme.
HD. Genau. Das Zeug, mit dem ihr uns seit 10 Jahren ködert, Flachbild-Fernseher samt Receiver neu zu kaufen und Premiere/Sky zu abonnieren. Jenes hochauflösende Bild, dass selten GANZ HD ist, dann wieder gar nicht, dann nur über Satellit, dann nur mit speziellen Kabeln, kopiergeschützt, gerne auch mal runter- oder raufgerechnet. Das Zeug, bei dem keiner vollends durchblickt, und von dem Otto Normalkunde (ich eingeschlossen) bisher hauptsächlich weiß: gibt es. Aber nicht bei mir. Zumindest nicht jetzt. Oder so richtig. Muss ich erst mehr zahlen.
Dass das neue “over the air”-Fernsehen DVB-TV zwar gänzlich digital, aber auch nicht in HD kommt, ist da fast schon eine Randnotiz.
Der Übergang von analog auf digital und von Low Res auf High Definition ist wie kaum ein zweiter von der Unterhaltungsindustrie verbockt worden. Dagegen waren die Formatkriege VHS vs. Betamax, CD vs. MiniDisc und HDDVD vs. Blu-Ray, die allesamt auf dem Rücken der Konsumenten ausgetragen wurden, harmlos. Seit Jahren können wir theoretisch hochauflösend die Kaffeeflecken auf der Krawatte des Nachrichtensprechers analysieren. Praktisch kann das fast niemand. Weil Hard- und Software nicht ineinander greifen, weil Hersteller, Sender und Politik keinen für alle Beteiligten vertretbaren Übergang definieren konnten. Jeder wurschtelt vor sich hin, verspricht viel, und zeigt beleidigt auf den anderen, wenn man ihn fragt, warum das alles nicht richtig funktioniert.
Totales Chaos.
Machen wir uns nichts vor: Der Umstieg auf HD war von der Industrie gewollt, um endlich den Tod des (aus ökonomischer Sicht erheblich zu langlebigen) Röhrenfernsehers zu forcieren. Gebeten hat darum keiner. Genauso wie um das alberne 16:9-Format, das ebenso nur dazu diente, den Kauf neuer TV-Geräte zu rechtfertigen. Von der EU gefördert, dafür ohne erklärbaren Nutzwert. Wer jetzt “aber für Spielfilme ist das doch ideal!” schreit, den erinnere ich gerne daran, dass auch Spielfilme oft nicht in 16:9 gedreht wurden, und nach 60 Jahren die Masse der TV-Produktionen in der Wiederholungsschleife nun mal 4:3 vorliegt.
Früher war das so: Man hatte einen Fernseher zu Hause von der Größe einer Umzugskiste. Der hatte zwei Kabel: Eins für Strom, eins für Programm. Das Bild war gewöhnlich hell und scharf, die Auflösung konstant, und was ausgestrahlt wurde, konnte man auch ohne Schnickschnack oder Einschränkungen anschauen. Bei Spielfilmen war oben und unten ein schwarzer Rand. Der verhieß uns unausgesprochen: Hollywood. Nachts gab es Schnee, und wenn man ausschaltete, gab es noch eine Weile lang einen neckischen Leuchtpunkt in der Mitte des Bildschirms. Technische Expertise war nur einmal von Nöten: wenn die Kiste nach dem Kauf eingestellt werden musste, damit das ZDF auch auf dem zweiten Knopf der Fernbedienung lag.
Heute hat mein Flachbild-Fernseher mehr Anschlüsse als das Control Panel des Space Shuttle, das Low Res-Kabelsignal ist irgendwie matschig, HD-Sender kann ich nicht empfangen, und ich könnte schwören, dass die Fußball-WM auf meiner alten Röhre knackiger ausgesehen hat. Liegt vielleicht auch nur am Alter. Meinem, nicht dem des Gerätes.
Und jetzt also 3D.
3D my ass.
Bevor die Zukunft des Fernsehens kommt, soll erstmal die Gegenwart funktionieren.








AUSTRALIEN 2009 / 94 Minuten

GROSSBRITANNIEN 2010, 97 Minuten








USA/DEUTSCHLAND 2010, 94 Minuten

GROSSBRITANNIEN 2010, 95 Minuten




