“Dr. Hope”: Waffenruhe

Gepostet am 12. März, 2010 um 14:24 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, In Arbeit, Neues, Privates.

45034-0-07

((c) ZDF und Erika Hauri)

Die SZ hat es eben vermeldet:

“”Dr. Hope”: Lösung in Sicht

(…) Danach erhält Krauss 15 000 Euro “als Abgeltung der wissenschaftlich-publizistischen Leistung, die in Auffindung und Darstellung des verfilmten Stoffes liegt”; so seien alle etwaigen Rechte Krauss” an der Verwertung des Films und eines Begleitromans abgegolten, sie erhebe keinen Plagiatsvorwurf (…)  tyc”

Nochmal fürs Protokoll: “sie erhebe keinen Plagiatsvorwurf“.

Am Ende musste die Gegenseite einsehen, dass der Plagiatsvorwurf nicht halt- oder belegbar ist, und hat gar nicht erst Anzeige erstattet. Aus dem Skandal wurde plötzlich wieder eine Verhandlungssache, und was noch vor zwei Jahren unverschämt und inakzeptabel war, schien der Gegenseite plötzlich fair und angemessen. Schau an.

Damit ist die hässliche Angelegenheit ausgestanden, der Vorwurf hinfällig, und ich kann mich wieder mit Sachen beschäftigen, die tatsächlich relevant sind. Zum Beispiel dem Badmovies-Forumstreffen in Nürnberg an diesem Wochenende.

Es ist kein fauler Kompromiss, ganz im Gegenteil. Schon in unserem Autorenvertrag hatten wir die Bitte eintragen lassen, Frau Krauss als Beraterin zu würdigen. Ihr erinnert euch vielleicht:

Darum wurde der Historikerin, die die größte „Hope“-Biographie geschrieben hatte, von uns als Beraterin der Produktionsfirma vorgeschlagen. Wir hofften darauf, dass sie uns bei den Details zur Seite stehen könne, für ein Honorar, eine Erwähnung im Nachspann, eine Danksagung.

Es wurde ihr Geld für ihre Quellenarbeit und ein Credit angeboten.

Das lehnte sie unter allerlei Forderungen und Drohungen ab. Sie wollte mehr. Viel mehr.

Jetzt bekommt Geld für ihre Quellenarbeit und einen Credit.

Weniger Geld, als sie bekommen hätte, wenn sie vor zwei Jahren unterschrieben hätte. Sie bekommt auch keine Rechte an der Figur Hope. Den Vorwurf des Plagiats muss sie zurückziehen. Den Zweiteiler in ihrem Sinne zu beraten und zu beeinflussen, die Chance hat sie ebenfalls vertan. Sie wurde beim Filmfest nicht auf die Bühne geladen, bei den Pressekonferenzen nicht als Fachfrau präsentiert. Das muss schal schmecken, und weh tun.

Sie hätte es einfacher haben können – ohne Drohungen, ohne Verleumdungen, ohne Schmierkampagne in der Presse. Das Ergebnis wäre dasselbe gewesen. Sogar besser noch: Hofmann & Voges hätte ihr sicher mehr geboten, hätte man nicht in den letzten Wochen beträchtliche Honorare an Anwälte zahlen müssen, die gegen die Vorwürfe vorgehen.

Auch der Sache ist nicht gedient: Da Frau Krauss explizit keine Rechte an dem Stoff zugesprochen bekommt, ist kein Präzedenzfall für andere Sachbuchautoren und Biographen geschaffen worden. Ihre kreative Eigenleistung wurde weder anerkannt, noch vergütet.

Wie Lärm um nichts also? Na ja, ich fühle mich wohler damit, dass die primäre Quelle unserer Recherchen entsprechend gewürdigt wird. Ich habe ihr das ja nie missgönnt. Noch vor drei Wochen habe ich in einem Interview mit dem Münchner Merkur betont:

Meine Mit-Autorin Katrin Tempel hat Frau Krauss kontaktiert, weil wir so begeistert waren von dem Stoff und der Arbeit, die sie geleistet hat, dass wir unbedingt mit ihr zusammenarbeiten wollten.

Die Pressekampagne werde ich Frau Krauss allerdings nicht verzeihen. Das war niederträchtig und verlogen. Letztlich ineffektiv, aber trotzdem niederträchtig.

Ich bin auch froh, dass der Plagiats-Vorwurf aus der Welt ist. Wer mich kennt weiß, dass ich sowas nicht nötig habe. Oder zumindest nicht dumm genug wäre zu glauben, ich käme damit durch.

sie erhebe keinen Plagiatsvorwurf

Ich bin sauber. Und jetzt habe ich es auch schriftlich.

Besonders dankbar bin ich den Lesern meines Blogs, die daran nicht gezweifelt haben.

Fremdschämen voraus: “Ich steh auf Country, sie auf New Wave”

Gepostet am 11. März, 2010 um 18:19 Uhr
Kategorien: Lustiges, Neues.

Ist schon älter, hat auch die Runde gemacht, aber ich hab’s heute mal wieder gehört, und wollte euch das nicht vorenthalten. Fieser Ohrwurm:

YouTube Preview Image

Teuer – aber jeden Cent wert

Gepostet am 10. März, 2010 um 18:17 Uhr
Kategorien: Gedanken, Neues, Privates.

Ich reise viel, mache mir aber keine nennenswerten Gedanken über mein Gepäck. Ich bin keiner dieser Fanatiker, die auf Gedeih und Verderb ihre Habseligkeiten für 3 Wochen Alaska in ein Handgepäck-Stück kriegen müssen, nur um triumphierend am Rest des Plebs vorbei zu schlendern, der nach der Ankunft am Laufband steht.

In den 90er Jahren bin ich fast nur mit Reisetasche und/oder Seesack unterwegs gewesen. Ging auch. Als ich in Los Angeles mal eine übergroße Menge Jeans, T-Shirts, und Socken gekauft hatte, legte ich mir eher aus Notwendigkeit einen Trolley zu – Preis bei einem dieser Billigläden am Venice Beach: 18 Dollar. Schwarzes Nylon, viele Taschen, erweiterbar, und mit zwei Rollen untendran. Passt.

Dieser Trolley hat mir über 10 Jahre gute Dienste erwiesen. Er ist zwar mittlerweile etwas abgenutzt, aber er funktioniert. Mehr habe ich bisher auch nicht erwartet.

Trotzdem: In meinem Kopf spukte seit einiger Zeit die Idee, mir mal einen “richtig guten” Trolley anzuschaffen. Von einer Marke. Samsonite oder so. Angesichts der 18 Dollar, die ich für meinen Oldie bezahlt hatte, rechnete ich mit 80, 100 Euro. Soll ja auch lange halten.

Ein Besuch in einem Fachgeschäft im Wertheim Village verursachte Herzflattern, und brachte mich krachend wieder auf den Boden der Tatsachen zurück: Die drei Trolleys, die mir gefielen, fingen nicht unter 400 Euro an. 400 Euro! Das sind 800 Mark! Für einen Koffer ohne was drin! Und es geht noch teurer!

(mehr…)

Tron. Legacy. Awe. Some.

Gepostet am 9. März, 2010 um 20:28 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

Dieses Kinojahr macht Träume wahr – ich möchte euch allerdings mit aller Inbrunst die Fullscreen-Variante ans Herz legen:

YouTube Preview Image

Ultimate Bizarro Movie Experience: Artwork that will blow your brain! (1)

Gepostet am 8. März, 2010 um 22:43 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Lustiges, Neues.

Früher habe ich mir von den Filmmessen, die ich nicht selber besuchen konnte, alles mitbringen lassen, was irgendwie nach Genre-Material aussah: Horror, Science Fiction, Fantasy. Es liegt in der Natur der Sache, dass es sich dabei hauptsächlich um Flyer für Filme handelte, die oftmals noch nicht produziert waren – und oft genug auch nie produziert werden würden.

Nun sollte man meinen, dass Menschen, die etwas zu verkaufen haben, sich wenigstens ein Mindestmaß an Mühe geben, Begeisterung oder Optimismus zu verbreiten. Mitnichten. Auf den Filmmärkten wie dem AFM (American Film Market) trifft sich der Bodensatz, und Projekte werden nicht verkauft, sondern verhökert. Mancher Teilnehmer gebiert sich als eine Mischung aus Gebrauchtwagenhändler und Zuhälter. Der Wahrheitsgehalt bleibt gerne und oft auf der Strecke.

Ein paar ganz bezaubernde Beispiele habe ich euch hier mal rausgesucht. Alle Bilder sind klickbar.

LycantropusDas fängt ja gleich gut an – schon der Titel dieses Prachtstücks ist anscheinend falsch geschrieben, jede Form von Design glänzt durch Abwesenheit, dafür gibt es Sex & Monsters, und meinen Recherchen zufolge blieb es bei diesem Flugblättchen.

Über den Regisseur “Robert Fani” konnte ich ebenso wenig herausfinden wie über die herzig benamste Darstellerin “Edel Weiss” (!!). Vielleicht weiß einer von euch ja mehr. Jedenfalls habe ich nicht das Gefühl, dass uns hier ein Meisterwerk entgangen ist. Besser als “The Wolfman” wäre er aber sicher gewesen…

creeper

Wenn es eine Sache gibt, die ich den asiatischen, afrikanischen, und russischen Distributoren ans Herz legen möchte, dann diese: Gebt einfach die 50 Dollar für einen anständigen Übersetzer eurer Promo-Materialien aus! Das ist gut angelegtes Geld. Nun mag man denken: “Okay, der Text auf dem Cover ist krude, aber man versteht doch halbwegs, worum es geht”.

Sicher.

Aber lest mal die Inhaltsangabe auf der Rückseite:

creeper2

Wenigstens GIBT es dieses Prachtstück – als Import sogar in Deutschland (mit einer noch etwas stümperhafteren Artwork).

aftershockMachen wir den Sprung von “schräg” zu schlicht “inkompetent”. Hallmark ist nicht gerade eine kleine Firma, und gönnt sich immer wieder Produktionen, die bei Budget nicht kleckern, sondern klotzen. Ich erinnere mich gerne an Miniserien wie “Die Odyssey” mit Armand Assante (angeblich zusammen mit “Der Glöckner von Notre Dame” die erste kommerzielle DVD in Deutschland).

Aus diesem Grund muss ich unterstellen, dass man furchtbar in Eile war, und in der Hotellobby nur eine Papierschere und einen Farbkopierer zur Verfügung hatte, um die Artwork für “Aftershock” zu erstellen. Anders ist das, was bei der MIPCOM als Flyer verteilt wurde, echt nicht zu rechtfertigen.

Ein wirkliches Highlight ist hingegen “The Wild Cat”:

wc1

Falls es jemand nicht gleich erkennt: Von der üppigen Inderin links im Bild abgesehen ist das natürlich die “entliehene” Artwork von Charles Bands “Ghost Town“. Die Dame scheint dem Blick nach selber nicht begeistert. Wildkatze ist anders…

Das ist aber noch nicht alles – die Rückseite hält noch ein paar Überraschungen bereit, und es lohnt sich, die Inhaltsangabe zu lesen:

wc2

Die abschließend gestellten Fragen bringen mich um den Schlaf. Und jawoll, das ist Gabrielle Anwar in Abel Ferraras Remake von “Invasion der Körperfresser” (die Katze gehört nicht hierher).

Tatsächlich wurde “Billi (The Wild Cat)” gedreht, allerdings erst 2006, und der Name des Regisseurs (Autors, Cutters, Produzenten) wandelte sich von “Leo” in “Tilak”. Hhhhmmm….

aod1Zurück in deutsche Gefilde. Horrorporno-Filmer Andreas Bethmann war noch nie dafür bekannt, sich um die Qualität seiner Filme zu scheren. Oder um Artwork. Oder Rechtschreibung. Oder “truth in advertising”. Case in point: “Angel of Death”.

Bethmann ist genau die Sorte Schundkurbler, die erheblich zuviele graue Zellen dem Trashfilm-Konsum geopfert hat, ohne auch nur im geringsten verstanden zu haben, was einen guten Trashfilm ausmacht. Irgendwie Sex und Gewalt in einen Topf, rühren, auskochen, bis auch eine eventuell vorhandene Restkompetenz sich verflüchtigt hat – fertig ist die Schlachtplatte für den Gore-Bauern.

Ich kann euch nur inständig bitten, die nachfolgende Inhaltsangabe in ihrer ganzen epischen Breite (Aufbau, Stringenz, Sprachgefühl, Rechtschreibung) zu genießen. Aus dann ersichtlichen Gründen aber erst nach dem Break.

(mehr…)

Iron. Man. Rock. Hard.

Gepostet am 8. März, 2010 um 19:56 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

Gimmegimmegimme:

YouTube Preview Image

Nicht mal einmal hingeguckt: Spiegel online/Getty Images massive *FAIL*

Gepostet am 8. März, 2010 um 08:54 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

head

Selbst wenn man drei oder viermal genau hinschaut, wird man hier kaum “Ben Carrington” (aka Christopher Cazenove) erkennen – es ist augenscheinlich Anthony Head (“Buffy”).

NACHTRAG: Immerhin – 15 Minuten, nachdem ich per Email auf den Fehler hingewiesen habe, wurde das Bild ausgetauscht.

Kurze Oscar-Gedanken

Gepostet am 8. März, 2010 um 07:45 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

Ich habe die Verleihung nicht geschaut. Ich finde das nicht spannend, mein Schlaf ist mir wichtiger, und blöderweise liege ich auch meistens meilenweit daneben mit meinen Voraussagen. Es ist allemal ausreichend, morgens beim Frühstück die Tabelle mit den Gewinnern zu studieren.

Dieses Jahr kann ich nur sagen: Respekt. “Hurt Locker” als bester Film und beste Regie, das entspricht meinem Verständnis von Fairness. Und dass “Avatar” alle relevanten technischen Oscars bekommen hat, ist genauso gerechtfertigt wie die Tatsache, dass ihm die wirklich wichtigen Auszeichnungen versagt blieben. Ich hätte vermutlich den Rest des Tages mit den Zähnen geknirscht, wenn dieses Öko-Eso-Wellness-Spektaktel als bester Film des Jahres 2009 in die Geschichte eingegangen wäre.

Christoph Waltz? Freut mich. War aber nun wirklich keine Überraschung. Sandy Bullock? Das hätte ich nicht gedacht – harte Konkurrenz, eher banaler Film. Ich gönne ihr die Statue, weil sie die Chuzpe hatte, am Tag zuvor die Goldene Himbeere für “All about Steve” persönlich in Empfang zu nehmen. Ob Jeff Bridges seinen Oscar nur wegen der darauf angelegten Kampagne bekommen hat, ist mir egal – er hätte ihn früher schon verdient.

Anzumerken sei, dass Waltz vor ein paar Jahren noch in einer Handvoll Schundstreifen des von mir verehrten, und leider 2009 verstorbenen Harry Alan Towers mitgespielt hat: “Terror im Orient Express”, “She”, “Queen’s Messenger”, “Dorian”.

Es fällt auf, dass die zwei am meisten geehrten Filme (“Hurt Locker” und “Push”) mit sehr amerikanischen Sujets in Deutschland kaum Wellen gemacht haben.

Eben wollte ich allerdings zum Mörder werden: Bei mir lief (eher zufällig) der Lokalsender Radio NRJ. Da brachte es die launige, aber unerträglich inkompetente Moderatorin fertig, Kathryn Bigelow (“Near Dark”, “Blue Steel”, “Point Break”) als “praktisch unbekannte Regisseurin” und “junge Frau” (sie ist 59) zu bezeichnen. Den Namen konnte sie auch nicht aussprechen.

Ich verlange ein interaktives Feature, über das man diese merkbefreiten Äther-Schwätzer auf die Schnauze hauen kann…

Guckt mal da rechts…

Gepostet am 6. März, 2010 um 10:20 Uhr
Kategorien: Neues.

Kleine Neuerung beim Vogel, besonders für neue und/oder gelangweilte Leser. Durch den “zufällig”-Button in der Suchbox könnt ihr einen… na ja… eben zufällig ausgewählten Beitrag aufrufen. Ich mache das selber gerne, wenn ich mal wieder in alten Artikeln stöbern will. Bei mehr als 1000 Beiträgen kann man sich ja nicht an alles erinnern.

“Dr. Hope” Special (2): Regie-Tagebuch

Gepostet am 5. März, 2010 um 09:48 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, In Arbeit, Neues.

“Die Zeitreise gelingt”

Drehtagebuch von Regisseur Martin Enlen

Am 6. Dezember 2008 wurde nicht nur in ganz Deutschland Nikolaus gefeiert, sondern auch im Münchner Wirtshaus am Schlachthof das Abschlussfest vom Dreh “Dr. Hope”. Weit über hundert Mitwirkende (Team und Schauspieler) waren mit dabei, um das Ende der 50 Dreh­tage zu feiern. Ein emotionaler, bewegender Abschied, da für die allermeisten die Zeit und Arbeit mit “Dr. Hope” hier wirklich endete (für mich sollte sie noch bis Ende Juni 2009 weitergehen). In meiner tradi­tionellen Abschlussrede kam ich auf einige ganz persönliche “magi­sche Momente” während des Drehzeitraums zu sprechen. Sicherlich hat jeder Mitarbeiter so seine eigenen Erinnerungen, manche über­schneiden sich auch bestimmt – aber dies sind meine:

hope2

((c) ZDF und Erika Hauri)

1. Drehtag
Wir beginnen im Park von Schloss Nymphenburg (den wir für Leipzig verkaufen) an einem großen See. Ursprünglich sollte die Szene mit Hope in einem Ruderboot stattfinden, aber da der See und die darin lebenden Tiere unter Naturschutz stehen, gibt es keine Boote – statt­dessen viele Komparsen, die flanierend über Wege und Wiesen lau­fen. Und es ist ein wahrhaft großer Moment, als unsere Darsteller in ihren Originalkostümen an diesem besonderen Ort auftauchen. Es liegt noch ein leichter Morgennebel über dem See, die Sonne bricht zaghaft durch die Bäume, als nach meinem ersten “Bitte” diese einge­frorene, historische Postkarte das erste Mal zum Leben erwacht. Mein großer Respekt gilt auch Tim, meinem zweiten Regieassistenten, der es tatsächlich schafft, im Kostüm auf einem riesigen Hochrad durch das Bild zu fahren – ohne umzukippen! Und Heike (Makatsch), soviel ist nach wenigen Augenblicken klar, wird Dr. Hope mit soviel Leben füllen, dass ich mir um eine historische Starre keine Gedanken ma­chen muss.

3. Drehtag
Hope und Otto heiraten standesamtlich. Das ging schnell, erst der dritte Drehtag, aber schön zu sehen, wie gut die Chemie zwischen Heike und Justus (von Dohnányi) stimmt. Nach seinen anfänglichen Beden­ken hat er offensichtlich nun auch Freude, sich selber mal 20 Jahre jünger zu sehen…

5. Drehtag
Der erste Auftritt von Carl (Martin Feifel) – und dann gleich eine ab­solut mitreißende Rede vor über hundert “Arbeitern und Sozialisten” in einem engen, dampfigen Wirtshaussaal. Und Martin (Feifel) reißt uns alle mit. Nach einer Woche kann man sagen: Die Zeitreise gelingt!

11. Drehtag
Wir drehen in der Münchner Ruhmeshalle, direkt an der Bavaria. Das Oktoberfest ist gerade erst am Wochenende zu Ende gegangen, die Abbauarbeiten sind in vollem Gange. Wir versuchen, einen Blickwinkel zu finden, die unsere historische Illusion nicht stören, während der Tonmann einen hoffnungslosen Kampf führt: gegen den Lärm der Ab­rissarbeiten auf der “Wiesn”.

12. Drehtag
Der Münchner Hofgarten ist unser Motiv. Großartig, wie viel man hier fast im 360 Grad Winkel zeigen kann (inkl. Frauenkirche), ohne später eine digitale Retouche vornehmen zu müssen – alles echt! Aber natür­lich hat man an einem so zentralen Platz auch viele Zuschauer – lei­der nicht historisch gekleidet. Das weitläufige Absperren ist ein wahr­haft kompliziertes, logistisches Unterfangen mit vielen Zusatz­helfern. Aber es gelingt.

16. Drehtag
Wir sind an den sogenannten Osterseen (südlich von Starnberg), und der Wettergott meint es (wieder mal!) sehr gut mit uns: klare Sicht auf das fantastische bayerische Alpenpanorama! Heut hat “Baby” seine Premiere – das ist Hopes Oldtimer, der für diesen Film speziell ange­fertigt wurde, da es ja nicht nur historisch korrekt aussehen, sondern auch über Stock und Stein (und Wiese …) fahren soll. Ein großer Mo­ment für uns alle, als der Wagen angetuckert kommt – und Heike lernt wirklich schnell, ihn zu beherrschen. Und auf dem Kühler (dem Fabri­katennamen) haben wir unsere Produzentin (Claudia) “Rittig” ver­ewigt. Eine Überraschung, sie sieht es an diesem Tag das erste Mal und ist sichtlich gerührt. Wie schön – sie hat es mehr als verdient!

20. Drehtag
Ein sehr langer Tag bzw. eine sehr lange Nacht, da wir die Ankunft von Ottos Kutsche zum Jahrhundertwechsel drehen und dafür auch künstlichen Schnee erzeugen. Und zwar einen besonderen Schnee. Ich möchte einen, der durch die Luft schwebt, nur ganz langsam zu Boden fällt. Das ist in Wirklichkeit eine Art Asche, die sanft durch den Wind gleitet. Der Haken: Die “Fackeln”, wie die speziellen Schnee-kanonen genannt werden, können nur bis zu zwei Minuten am Stück laufen. Schon deshalb erweist sich dieses Nachtbild als sehr mühsam, es ist sehr kalt und nass, und alle sind am Frieren.

(mehr…)

Faktenhuberei: Just so you know…

Gepostet am 2. März, 2010 um 18:03 Uhr
Kategorien: Neues.
http://www.vimeo.com/9641036

Fotofrei & Spaß dabei: Der ungedruckte “Coyote Ugly”-Artikel aus der TV Sünde

Gepostet am 2. März, 2010 um 12:00 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, In Arbeit, Neues.

Ich hatte es vor einigen Tagen angekündigt: Ein Artikel von mir, der aus Streitigkeiten über die Fotorechte nicht abgedruckt werden konnte, findet sein Gnadenbrot nun hier. Aus naheliegenden Gründen lasse ich lediglich die Bildunterschriften weg. Man berücksichtige bei der Lektüre bitte Medium und Zielgruppe.

Coyote Ugly: Der heisseste Tresen des Universums!

Gute Laune, gutes Bier, und scharfe Ladys hinter der Bar: In mehr als einem Dutzend „Coyote Ugly“-Saloons weltweit geht es rund

Es ist eine dieser Ideen, die man eigentlich nur haben kann, wenn man betrunken ist – oder verdammt clever: 1992 entschied sich Liliana Lovell, eine Karriere an der Wallstreet sausen zu lassen, um Bartenderin zu werden. Und sie machte schnell Furore, weil sie auf der Theke tanzte, und die meist männlichen Gäste singend und johlend dazu animierte, immer mehr Getränke zu ordern. Schon bald brachte sie anderen Girls bei, das Publikum sexy, aber anständig aufzuheizen, und im Januar 1993 eröffnete in Manhattan das erste „Coyote Ugly“: Ein Saloon, in dem man zum Bier auch richtig was für die Augen geboten bekommt.

Vier Jahre später schrieb ein Bar-Girl für das „GQ“-Magazin einen Artikel über seine Erlebnisse – daraus wurde am Ende der Film „Coyote Ugly“, der 100 Millionen Dollar einspielte, und den Begiff CU weltweit populär machte. Mittlerweile ist aus den „Ugly“-Bars eine ganze Kette geworden, die zwar nach strengen Regeln aufgebaut ist, in den einzelnen Saloons aber lässig entspannt rüberkommt. Ein Besuch im „Coyote Ugly“ von Las Vegas beweist es: Die Musik ist laut, das Bier kommt aus der Flasche, und Bri hinter der Bar hat mehr Tattoos als die meisten Trucker auf dem Highway. Vickie schwenkt den knackigen Hintern im kurzen Schottenröckchen, wenn sie sich zur Kasse umdreht, und irgendwann steckt sich Violet einen Plastikbecher in den üppigen Ausschnitt, und fordert zum „Booze Ball“ auf: Besucher können einen Dollar zerknüllen, und auf den Becher werfen. Wer trifft, bekommt einen Drink umsonst. Wenn der Dollar daneben geht, ist er Trinkgeld für Violet.

Plötzlich grölen ein paar Jungs, die einen feuchtfröhlichen Junggesellenabschied feiern: Einer von ihnen muss sich über den Tresen legen, und kriegt den Hintern von der resoluten Lorie mit dem Gürtel verdroschen. Immer wieder gibt es neue Spiele, neue Tänze, neue Aktionen. Ein paar bullige Security-Jungs achten dabei darauf, dass der Spass nicht ausufert, und niemand die Mädels unerlaubt antatscht. Denn eins ist das „Coyote Ugly“ nicht: Ein getarnter Neppschuppen, in dem sich billige und willige Bardamen abschleppen lassen. Jen, Bri, Tiffany und ihre Kolleginnen sind Profis, und verdienen Respekt, auch wenn sie immer wieder begeistert auf den Tresen springen, und die Meute mit heißen Tänzen anheizen.

Mittlerweile gibt es ein Dutzend „Coyote Ugly“-Saloons in den USA, einen in Moskau – und endlich auch zwei bei uns! In Koblenz und in Baumholder warten Girls wie Steffi, Sabrina, und die rassige Vanessa darauf, den Gästen zu beweisen, dass sie sich vor den US-Ladys nicht zu verstecken brauchen. Das lohnt auch die Fahrt in die Provinz – am besten mit guten Kumpeln…

Wer jetzt traurig ist, dass sich die Bardamen der CU-Kneipen nicht mit nach Hause nehmen lassen, der kann sich mit mit dem aktuellen Girl-Kalender 2010 trösten, den es in den Bars immer noch zu kaufen gibt…

Film Funnies

Gepostet am 1. März, 2010 um 21:44 Uhr
Kategorien: Film Funnies.

mrdodd01

Journalismus 2010: Drecksarbeit

Gepostet am 27. Februar, 2010 um 16:44 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

Wenn ich mir die Meldungen der letzten Wochen so ansehe, dann muss ich mir selbst eingestehen, 20 Jahre lang naiv gewesen zu sein: Schmierenkampagnen scheinen ebenso an der Tagesordnung zu sein wie Bespitzelungen, und eine Branche verlangt nach Bestandsschutz, die nicht mal mehr die eigenen Mindeststandards erfüllt, mit denen sie sich angeblich von Bloggern und Online-Medien abhebt.

Mir sind diese Woche gleich zwei Dinge widerfahren, die aktuelle Probleme der gedruckten Presse dokumentieren, ohne gleich hochtrabende Begriffe wie “Qualitätsjournalismus” oder “redaktionelle Autonomie” zu strapazieren.

landideeFall 1: Ich schreibe für die “LandIdee”. Das ist bekannt. Ein wertiges Heft, und wirklich befreiend, weil es grundsätzlich um positive Dinge geht, um das Schöne im und am Leben. Leser, Schreiber und Beschriebene bilden eine wohlfühlige Einheit, es ist eine win-win-win-Situation, die ohne Enthüllungen, üble Nachrede, und Panikmache auskommt. “LandIdee” ist gut für mein journalistisches Karma. Viel Arbeit ist es trotzdem.

Derzeit rödeln wir fleißig an der neuen Ausgabe, und dafür telefoniere ich ständig in der Republik herum, um alte Werkstätten und Familienbetriebe zu finden, die wir porträtieren können. Meistens ergibt sich eine freundliche, manchmal sogar herzliche Zusammenarbeit, die sich in liebevollen Reportagen niederschlägt.

Doch bei zwei möglichen Betrieben, über die wir eine Geschichte machen wollten, wurde ich mit einer skeptischen Zurückhaltung konfrontiert, die in fast identisch gestellten Fragen mündete: “Was soll uns das denn kosten, wenn Sie über uns berichten?”

Es stellt sich heraus, dass die Firmen mehrfach, manchmal sogar regelmäßig, von “Journalisten” kontaktiert werden, die einen Deal bieten: Berichterstattung gegen Geld, oder – juristisch sauberer – gegen Anzeigenschaltung. Es gibt auch die Variante mit dem Buch: Ein Betrieb wird in einem Prachtband über seine Region gefeatured. Dafür verpflichtet er sich, dem Verlag 100 Bücher abzukaufen. Bei 100 porträtierten Betrieben ist das eine exzellente verkaufte Auflage von 10.000 Stück, und das ohne wirtschaftliches Risiko. Das Geschäftsmodell ist üblicher, als man denken (und hoffen) sollte.

Nun höre ich nicht das erste Mal, dass “Berichterstattung gegen Anzeige” in der Printbranche kein Tabu ist. Gerade in Service-Zeitschriften, die Produkte vorstellen (Autos, Stereoanlagen, Videospiele) ist das gang und gäbe. Mehr noch: Auch die Bewertung der Produkte wird an das Anzeigenaufkommen geknüpft. Im Videospiel-Bereich werden Tester mitunter nur dann mit Mustern bestückt, wenn sie versprechen, dass der Titel eine Top-Wertung bekommt. Manchmal wehren sich die Kollegen, oft wird es aber auch als notwendiges Übel hingenommen.

Pfeif auf Begriffe wie Standesehre und journalistischer Auftrag: Ich habe keine Ahnung, wie manche Kollegen es mit ihrem simplen Selbstverständnis vereinbaren, ihre Arbeit und ihr Integrität derart schäbig zu verhökern. Die wirtschaftlichen Notwendigkeiten können doch nicht alles rechtfertigen.

Für mich kommt sowas nicht in Frage. Hätte ich im Auftrag von Firmen Waren unters Volk bringen wollen, wäre ich in die Werbung gegangen. In beiden Fällen habe ich den Betrieben versichert, dass wir kein Interesse an einer solchen “Kooperation” haben – wir berichten im Interesse unserer Leser, und das ist nicht käuflich. Sichtliche Erleichterung war die Reaktion, und das Resultat sind bezaubernde Reportagen, die in der nächsten LandIdee (kommt Ende März) zu lesen sein werden.

TVsuendeFall 2: Ich schreibe für die “TV Sünde”. Das ist bekannt. Ein Radau-Heft der fast schon satirischen Sorte, rüde im Ton, luderig im Bild, und mit einer hohen Preis/Möpse-Ratio für Leute, die ihre TV-Zeitschrift “nach Gewicht” kaufen (darf’s ein bisschen Fleisch mehr sein?). So wie die LandIdee gut für mein journalistisches Karma ist, so wird die TV Sünde mich in die Hölle bringen. Aber es macht Spass, auch mal über Rockstars und ihre Penisse zu schreiben. Die TV Sünde ist vielleicht kein Sturmgeschütz der Demokratie, aber sie ist “harmless fun” für eine Leserschaft, die in jedem Werbeblock nach Mitternacht rüdere Kost geboten bekommt.

Nun war ich kürzlich in den USA unterwegs, und stolperte bei meinen “Recherchen” (ähem) auch in ein Etablissement der “Coyote Ugly”-Kette. Franchise hin oder her: Diese Saloons mit dem billigen Bier und den sexy Girls hinter dem Tresen haben mir gefallen. Irgendwann dachte ich: Schicke Grundlage für einen Artikel in der TV Sünde. Dann kann ich sogar das Bier absetzen, und die zwei Dollar, die ich beim “booze ball” verloren habe.

Grundlage jedes Artikels in der TV Sünde sind die Fotos – da ist das Heft nicht anders als die LandIdee. Wir kontaktierten also Coyote Ugly USA und Coyote Ugly Deutschland mit der Bitte um Pressefotos. Ich beschrieb den Amerikanern unser Heft folgendermaßen: “We have a few nude and semi-nude pictorials, but nothing too raunchy (that would get us banned from distribution, anyway). The articles mainly focus on cool places to go, how to look good for the ladies, and crazy sex laws from around the world. Harmless fun, really. We have done a similar feature with “Trashy Lingerie” from Los Angeles recently, an both parties were really happy with the result.

Außerdem schickte ich noch einen aktuellen Cover-Scan, damit die US-Boys wussten, womit sie es zu tun hatten. Wir schämen uns für die TV Sünde nicht, und vermarkten sie deshalb auch nicht “sauberer”, als sie tatsächlich ist.

Tatsächlich bekamen wir einen ganzen Haufen toller Bilder von den Bars und den Babes, alles jugendfrei, versteht sich. Eine Kollegin besorgte noch ein paar weniger professionelle, aber allemal verwertbare Fotos aus den beiden deutschen Dependancen von “Coyote Ugly”. Sie versprach dem deutschen Lizenzbesitzer, er könne vor dem Abdruck einen Blick auf den Artikel werfen, um sicherzugehen, dass seiner Franchise dadurch kein Schaden entstehe. Das ist okay, und nicht unüblich. Quid pro quo.

Nun geschah ein blöder Fehler: Eine andere Kollegin schickte das Layout des Artikels als PDF zum Lizenznehmer mit der Notiz, der Artikel könne nun abgenommen werden. Problem: Der Text war noch Blindtext aus einer alten Ausgabe (was über Sexsucht bei Promi-Schauspielern, wenn ich mich recht erinnere), der richtige Text noch gar nicht geschrieben. Erbost rief der Lizenznehmer an und polterte, in dem “Artikel” kämen die Bars ja gar nicht vor. Ich erklärte ihm die Sachlage, bat um Verzeihung für den Fehler, machte aber auch klar, dass ich ihm sowieso nicht die Hoheit einräumen könne, den Tenor oder die einzelnen Formulierungen des Artikels zu bestimmen. Da bin ich bei der TV Sünde so strikt wie beim SPIEGEL.

Trotz aller testosteron-geschwängerten Streitigkeiten einigten wir uns schließlich darauf, dass der Artikel erscheinen können, sofern er vorab vom Lizenznehmer abgesegnet würde. Es wurde auch Zeit, denn das Heft sollte in Druck gehen. Angesichts meiner Begeisterung für die “Coyote Ugly”-Bar schrieb ich einen sehr positiven Text mit deutlich werbendem Charakter und einem besonderen Fokus auf der Tatsache, dass es sich bei aller Sexyness eben nicht um einen Bumsschuppen handelt, in dem man die Bargirls abschleppen darf. Titel: “Die heissteste Theke der Welt”

An dem Tag, an dem das Heft in Druck gehen sollte, kippte der Lizenznehmer den Beitrag. Warum? Es lag nicht an meinem Artikel. Konnte es ja auch nicht, der war respektvoll und enthusiastisch. Ich kann nur vermuten, dass sich der zuständige Herr endlich mal eine TV Sünde am Kiosk gekauft hatte – denn man wollte plötzlich “in so einem Umfeld” (ich paraphrasiere) nicht präsentiert werden.

Nun hätte er sich vorher schlau machen, und die Kooperation gleich von Anfang an ablehnen können. Hat er nicht. Man hat kooperiert, ohne sich zu informieren. Uns am Tag vor Druck ins Kreuz zu treten ist nicht gerade im “spirit” einer guten Zusammenarbeit. Wir haben von Anfang an mit offenen Karten gespielt, und der Artikel ist so positiv, wie er nur sein kann. Aber egal: Ohne die lizensierten Bilder war der Beitrag undruckbar, und genau diesen Hebel nutzte der Lizenznehmer.

Binnen von zwei Stunden musste ich eine doppelseitige Alternative finden, recherchieren, bildmäßig ausstatten, und schreiben – so kam es zu dem oben genannten Beitrag über “Rockstars und ihr bestes Stück” (der ziemlich gut geworden ist). Brutal, aber es braucht schon mehr, um mich aus der Ruhe zu bringen.

Was lernen wir daraus? So wie es viele Journalisten gibt, die sich mittlerweile auch als Anzeigenakquise ihres Verlages sehen, so gibt es viele kommerzielle Partner, die ernsthaft glauben, sich redaktionell einmischen zu können/dürfen/müssen. Für die ist “win-win” ein Deal, bei dem beide gewinnen – nur der Leser wird halt angeschmiert. Auf beiden Seiten ist der Respekt vor dem journalistischen Produkt erodiert, es ist zur reinen Rohmasse verkümmert, in die jeder seine Interessen und Vorgaben injizieren kann.

Mir bleibt als letzte Bastion der journalistischen Weißweste dieser Blog, und erfreulicherweise kann mir niemand verbieten, meinen gekippten Text zur “Coyote Ugly”-Bar hier zu posten. Das werde ich dieser Tage machen. Und zu den Bildern kann ich dann ja verlinken. Bätsch.

Präzise Wortvogel-Wettervorhersage:
Das Krötenscheiße-System irrt niemals!

Gepostet am 26. Februar, 2010 um 14:21 Uhr
Kategorien: Lustiges, Neues, Privates.

Von meinem Kumpel Marlowe und der Tatsache, dass der mit seinen 36 Jahren ein paar tolle Sachen kann, habe ich ja schon berichtet. Aber so eine langfristige Beziehung bringt durchaus auch Stress mit sich.

Jedes Jahr im Winter mache ich mir Sorgen. Marlowe geht nicht in den Winterschlaf (dafür müsste ich ihn in einer Plastikdose in den Kühlschrank legen), aber er fährt seinen Stoffwechsel extrem weit runter. Faul liegt er unter der Heizung, den Kopf auf das warme Rohr gelegt, und pennt. Er scheißt kaum noch – und fressen mag er auch nicht. Das ist zwar alles ganz normal und wahrlich bekannt, aber immer wieder wächst in den dunklen Monaten die Panik, dass er diesmal, diesmal, den Stoffwechsel nicht wieder angeworfen bekommt, wenn der Frühling naht. Was würde ich ohne ihn machen?

Ich weiß nicht, welche biologischen Mechanismen meine Schildkröte befähigen, das Ende des Winters präzise vorher zu sagen. In meinem Wohnzimmer bekommt er weder was von Tageslicht oder schwankenden Temperaturen mit. Aber er hat diese Schalter im schildkrötischen System, auf die Verlass ist. Kommt der Frühling, scheißt er mir von einem Tag auf den anderen die Badewanne voll, und frisst danach Bachflohkrebse, bis der Panzer zu platzen droht. Ich atme dann immer dreimal gut durch, und meine Woche ist gerettet. Marlowe ist fit für die nächste Saison.

Deshalb vermelde ich heute aus aktuellem Anlass und absolut verbindlich: Der Winter ist vorbei. Der Frühling kommt.

marlowe