29
Juli 2014

Science Fiction Triple Feature: “Appleseed Alpha”, “Survivor” & “The Machine”

Ich muss gestehen, dass Double und Triple Feature einen massiven Vorteil gegenüber Einzelkritiken haben: Sie ermöglichen einen Kontext, einen Vergleich, einen Kontrast. Sucht man thematisch oder technisch verwandte Filme aus, kann man erheblich mehr “Fleisch” aus der Besprechung ziehen.

Heute schreibe ich über drei Science Fiction-Filme, die sich zwar das Genre teilen, ansonsten aber scheinbar durch Welten getrennt sind. Es treffen Low Budget und CGI aufeinander, Monster und Roboter, fremde Welten und die nahe Zukunft. Die ganze Bandbreite der SF eben. Und doch gibt es auch Ähnlichkeiten über das Label hinaus: Alle drei Filme präsentieren starke weibliche Hauptfiguren, wo normalerweise männliche Stereotypen herrschen. Zweimal wird mit sehr geringem Budget gearbeitet, zweimal liegt das Augenmerk primär auf der Action. Ambitioniert sind sie alle – mit unterschiedlichen Ergebnissen.

Appleseed Alpha

Appleseed AlphaJapan 2014. Regie: Shinji Aramaki

Offizielle Synopsis: Die beiden Söldner Deunan und ihr Cyborg-Partner Briareos kämpfen in einer Nachkriegsgesellschaft ums Überleben. Sie werden auf eine Mission in die Außenbezirke ihrer kriegszerstörten Stadt geschickt, wo sie Iris und Olson, zwei Einwohnern der utopischen Stadt Olympus, begegnen, die den Schlüssel zur Rettung der Welt in der Hand zu halten scheinen. Doch der skrupellose Talos sowie der durchtriebene, selbsternannte Machthaber Two Horns haben andere Pläne. Deunan und Briareos müssen ihre neuen Freunde schützen, um der Menschheit ihre letzte Hoffnung zu bewahren.

Kritik: Wie meine Leser wissen, bin ich weder Fan noch Experte in Sachen Anime (das wurde mir auch bei meinem Verriss von “Death Note” vorgehalten). Da ich aber der Meinung bin, dass Filme für sich genommen bewertet werden können, schreckt mich das nicht. Zumal ich in Sachen “Appleseed” zumindest den Originalfilm von 1988 und die schnittige Neuauflage von 2004 gesehen habe. Ich bin beeindruckt, wie die Franchise zwar thematisch auf der Stelle tritt, aber immer an der vordersten Front der technischen Entwicklung steht – von traditioneller Cell-Animation über Pseudo-Cell im 3D-Environment  bis zur fotorealistischen Darstellung in der neusten Version.

Inhaltlich werden natürlich wieder keine Bäume ausgerissen – das Universum von “Appleseed” ist vage und inkonsequent, wirkliche Systeme, aus denen dramaturgischer Saft gezogen werden könnte, existieren nicht. Es ist im Grunde die ewig gleiche Buddy Cop-Geschichte von der taffen Soldatin/Polizistin/Söldnerin, die mit ihrem Partner durch die Gegend zieht und Bösewichte dutzendfach niedermäht – während sie darüber sinniert, inwieweit ihr Kollege noch Mensch ist.  Ein bisschen “RoboCop”, ein bisschen “Ghost in the Shell”, ein bisschen “Lethal Weapon”.

Aber mannometer, fotorealistische CGI “has come a long way, baby”, besonders wenn man sie mit steifbeinigen Versuchen wie dem “Final Fantasy”-Film vergleicht. Es mag immer noch nicht “echt” aussehen (ob das gewollt wäre, sei dahingestellt), aber die Details und die schiere Üppigkeit der Szenerie nötigen Respekt ab:

Darüber hinaus ist “Appleseed Alpha” zwar inhaltlich karg, aber flüssig und sehr dynamisch inszeniert. Die permanenten Actionsequenzen habem echten Schauwert, ohne zum sinnlosen Feuerwerk zu verkommen. Die Balance von Tempo, Plot und Cast stimmt.

Das Problem, das ich z.B. mit Aramakis “Starship Troopers Invasion” hatte, findet sich hier nicht mehr: Die Figuren wirken lebendig, unterscheidbar, bewegen sich authentisch und funktionieren als Charaktere nicht weniger als in einem “echten” Spielfilm. Besonders der sarkastische Gangsterboss “Two Horns” ist bemerkenswert gut umgesetzt.

Man kann die Frage stellen, ob es sinnvoll ist, ein Manga fast schon gewaltsam auf Fotorealismus zu trimmen. Persönlich fand ich die 2004er-Variante gelungener, weil sie zwar die Dynamik und Räumlichkeit von CGI mitbringt, in der Darstellung der Figuren aber weite auf den Comic-Look setzt. Ein “best of both worlds”-Prinzip, das ich hier ein wenig vermisse. Trotzdem lässt sich nicht bestreiten, dass “Appleseed Alpha” für Fans der Franchise und alle Liebhaber von CGI-Action ein echtes Highlight darstellt.

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Fazit: Hochklassig animierter und (zumindest in der englischen Version) sauber synchronisierter Anime-SF-Kracher für Egoshooter-Freunde und Anhänger der These, dass für einen guten Film auch mal ganze Häuserblöcke eingeebnet gehören.

Survivor

SurvivorUSA 2014. Regie: John Lyde. Darsteller: Kevin Sorbo, Danielle Chuchran, Nicola Posener, James C. Morris, Blake Webb

Offizielle Synopsis: Jahrzehnte sind vergangen, seit das Raumschiff die unbewohnbar gewordene Erde verlassen hat. Endlich stößt die Crew auf einen erdähnlichen Planeten, der eine neue Heimat werden könnte. Ein kleiner Spähtrupp soll die Oberfläche erkunden. Doch der Transporter zerschellt in einem Meteoritenschauer. Die Überlebenden werden von Aliens verschleppt, die sie als Mahlzeit betrachten. Nur Kate kann sich befreien. Ganz auf sich allein gestellt will sie ihre Kameraden vor den blutrünstigen Kreaturen retten. Auf die humanoiden Krieger, die ebenfalls auf dem Planeten leben, kann sie nicht zählen. Sie sind jedem feindlich gesonnen, der nicht zu ihrem Stamm gehört. Da trifft Kate auf Rogan, einen Krieger auf der Suche nach seiner entführten Tochter…

Kritik: Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich die Scheibe mit wenig Erwartungen eingelegt habe. Ex-Hercules Kevin Sorbo spielt mittlerweile in viel vergessenswerter C-Ware mit und das Packaging sah nach einem Low Budget-Indie-Reißer irgendwo zwischen “Hunter Prey” und Asylums “Princess of Mars” aus. Ein paar Leute in der “Alien”-Wüste, ein bisschen CGI, eine Handvoll Feuergefechte – aus und Deckel drauf.

“Survivor” ist tatsächlich inhaltlich schwach konstruiert, die Backstory ist zu umfangreich für die dürftige “Gestrandet”-Geschichte, die Dialoge sind banal und so manche heroische Szene ist dann doch so albern, dass man kichern muss. Das Skript traut sich nicht, Kate tatsächlich zu isolieren, sondern bombardiert sie auf dem angeblich so einsamen Planeten permanent mit Konfrontationen. Daneben reißt der Kontakt zu ihrem Captain nie ab, was zusätzlich Spannung raus nimmt. Am Ende fällt den Autoren kein Dreh ein, die ganze Chose zu einem akzeptablen Ende zu bringen. Selten versickerte eine Dramaturgie zum Nachspann hin derart im Sand.

Und wenn ich euch nun noch sage, dass “Survivor” inhaltlich ein Mockbuster von “After Earth” ist, inszeniert mit dem Catering-Budget einer Episode “ALF”, dann dürften die meisten von euch schon abwinken.

Böser Fehler.

“Survivor” mag aus den genannten Gründen kein großer SF-Film sein, aber was ihm an inhaltlicher Potenz fehlt, macht er mit Ambitionen und Einsatz wieder wett. Ich habe selten eine Low Budget-Produktion gesehen, bei der alle Beteiligten so entschlossen wirken, ihr Bestes zu geben und nicht auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu schielen.

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Unfassbare 41.000 Dollar betrug das Budget angeblich nur. Dafür bekommen wir tonnenweise CGI, Weltraumaction, kristallklare Bilder einer fantastischen Wüstenlandschaft, knackig inszenierte Kampfszenen, Monster, Aliens, Explosionen – und eine Heldin, die wirklich als Vorbild taugt und ihren Appeal nicht aus Duschszenen zieht.

Tatsächlich ist Danielle Chuchran Dreh- und Angelpunkt des Films, übernimmt fast alle Stunts selbst und verschluckt sich nicht an den zähen Dialogen, die man ihr in den Mund legt. Ihr Einsatz und ihr Talent tragen “Survivor” immer dann, wenn dem Skript wieder mal nichts mehr einfällt als noch eine Verfolgungsjagd. Sie springt, kämpft, sprintet, klettert, reitet, schießt und schwimmt, als gelte es einen Zehnkampf bei der Olympiade zu gewinnen. Hut ab.

Ich sag’s gerne noch mal, bevor ihr den Trailer schaut – 41.000 Dollar:

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Mehr Entertainment pro investiertem Dollar geht nicht.

Klar machen der schicke Look, die flüssige Inszenierung und die angenehm klischeefreie Hauptfigur das blasse Skript nicht wett und auch nicht das enttäuschende Non-Ende, aber “Survivor” begeistert mit einem Enthusiasmus, den ich lange nicht mehr bei einer solchen Micro-Produktion gesehen habe. Er ist “the real deal” und sollte Pflichtprogramm für alle Nachwuchsfilmer sein, die immer meinen, mit ein paar Tausend Euro für den Erstling könnte man nur Spacken im Wald meucheln lassen.

Es geht so viel mehr.

“Survivor” sollte man demnach nicht gucken, weil es ein hervorragender SF-Film ist, sondern weil die Mühen der Macher Solidarität verdienen. Die Wahrscheinlichkeit, dass John Lyde dann irgendwann mal einen richtig großen Knaller abliefert, ist nämlich weitaus größer als bei Uwe Boll, Paul W.S. Anderson oder Michael Bay.

Fazit: Inhaltlich soft und kein Fettnäpfchen auslassend, beeindruckt dieser Low Budget-Abenteuerfilm mit weiblichem Touch eher durch die Ambitionen der Macher, die aus ganz wenig ganz viel rausholen.

The Machine

HD DVD TemplateEngland 2013. Regie: Caradog W. James. Darsteller: Caity Lotz, Toby Stephens, Sam Hazeldine, Denis Lawson, Lee Nicholas Harris

Offizielle Synopsis: Die nahe Zukunft: England und China befinden sich im Kalten Krieg, ein geheimes Wettrüsten ist in vollem Gange. Ingenieur Vincent steht kurz davor, für das britische Militär einen humanoiden, voll funktions- und lernfähigen Roboter zu erschaffen. Unterstützt wird er dabei von der jungen Wissenschaftlerin Ava, die allerdings vor Vollendung des Projekts ermordet wird. Kurzerhand speist Vincent die Scans von Avas Gehirnströmungen in die Maschine, um eine künstliche Intelligenz zu kreieren. Das unglaubliche Experiment gelingt: Wie aus dem Nichts erschafft Vincent eine Maschine, die ein eigenes Gewissen zu haben scheint und unzerstörbar ist. Doch seinen Vorgesetzten ist eine selbstständig denkende Maschine zu gefährlich…

Kritik: “The Machine” kommt mit viel Vorschusslorbeeren nach dem Motto “Der bessere Universal Soldier”, was aber primär daran liegt, dass Regisseur James seinen Film nicht als Action-Blockbuster anlegt, sondern als räumlich reduziertes SF-Drama. Wie in “Universal Soldier” und “RoboCop” und “Appleseed” und “Ghost in the Shell” und “Blade Runner” und “Almost Human” und “AI” und “I, Robot” und “Transcendence” geht es um die grundsätzlichen Fragen: Was macht den Menschen aus? Ist es der Geist in der Maschine oder bedarf es der unverbrüchlichen Einheit von Körper und Bewusstsein? Ab wann werden aus simulierten Gefühlen echte Gefühle – und was sind überhaupt “echte” Gefühle? Ist eine Maschine, die auf Menschlichkeit programmiert ist, nicht ungleich menschlicher als der Mensch, der seine Menschlichkeit durch Grausamkeit, Egoismus und Zynismus verrät? Kann die Maschine für ihr Verhalten Verantwortung übernehmen? Wenn die Maschine den Menschen überragt, hat sie dann nicht das Recht zu herrschen?

Machine1An diesen Fragen ist “The Machine” deutlich mehr interessiert als an aufwändigen Actionszenen mit der Supersoldatin, die hier gebaut wird. Während man die kontrastierenden Standpunkte in einem US-Film vermutlich sauber auf den Protagonisten und den Antagonisten verteilt hätte, vermeidet Regisseur James allzu plakative Positionen – die Themen stehen mehr im Raum, als dass sie konkret diskutiert werden. Es bleibt dem Zuschauer überlassen, sich viele der Konflikte und Widersprüche zu erarbeiten.

Zur Seite stehen ihm dabei mit Caity Lotz und Toby Stephens zwei exzellente Darsteller, die das Innenleben ihrer Figuren spannend ambivalent halten. Vincent hat hehre Motive, ist zu deren Durchsetzung aber fast völlig frei jeglicher Moral. Die Maschinen-Ava dagegen ist unschuldig an ihrer Existenz – aber gefährlich in ihren Möglichkeiten, die weit über das Programm hinaus gehen.

“The Machine” wandelt dabei souverän in den Schnittmengen von SF, Thriller und Horror, ist erzählerisch so komprimiert, dass trotz des begrenzten Casts und der oberflächlich eintönigen Location nie Langeweile aufkommt. Das Budget von knapp einer Million Pfund wurde effektiv investiert, das steht fest. Einige der FX sind nicht weniger als berauschend und erzeugen Bilder, die wir so noch nie gesehen haben. An verschiedenen Stellen war ich ratlos, ob es sich um CGI oder um praktische Effekte handelt. Das verwischt teilweise die Frage, ob Avas Konstruktion Körper oder Karosserie ist, noch mehr. Und es sieht mächtig cool aus.

Leider teilt “The Machine” das “third act problem” vieler Filme, die den interessanten Fragen keine interessante Antwort folgen lassen. Das Ende möchte gerne ominös und bedrohlich sein, ist dafür aber zu unkonkret. Und ich bin es ein bisschen leid, dass immer mehr Filme statt “The End” auch eine Zeile “Was nun? Niemand weiß es so genau…” tragen könnten.

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Fazit: Ein intensiver und druckvoller Thriller zum Thema Menschmaschine, dem im letzten Drittel die Luft ausgeht und der zwar sattsam bekannte Fragen interessant neu stellt, sich dann aber um die Antworten drückt.

P.S.: Das nächste “Triple” steht schon fest - fangt schon mal zu beten an…

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28
Juli 2014

heute im Hyperland

Das Hyperland-Blog, für das ich gut und gerne geschrieben habe, ist in seiner bisherigen Form eingestellt worden. Besser gesagt: Es wurde als eigene Entität geschlossen und ins heute-Blog des ZDF eingefaltet. Das finde ich schade, weil ich gerne für die Leute und das Label gearbeitet habe. Das finde ich toll, weil es auch was hat, für das Blog des ZDF zu schreibseln.

Heute mein erster Artikel auf dem heute-Blog erschienen – es geht um eine virtuelle Friedensbewegung ins Sachen Israel/Hamas-Konflikt. Erstaunlich, wie viele Leute das auf Facebook kommentieren.

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28
Juli 2014

Lost in Time (8): 50 Serien, die ihr verpasst habt

Welcome to the show, everybody – we got a great program for you tonight. Our guests are some hilariously unfunny dudes in a crappy rocketship – AND the family friendly alien NOT called ALF!

Die 90er waren das Jahrzehnt, in dem die Digitaleffekte Einzug in der Sitcom hielten. Waren nennenswerte CGI-Szenen in den 80ern noch unbezahlbar gewesen, konnte man nun mit dem Computer Sachen auf den Bildschirm zaubern, die “Bezaubernde Jeannie” alt aussehen ließen. Und doofe Puppen wie in “ALF” und “Scorch” brauchte man dafür auch nicht mehr. Hurra?

Es ist heute kaum noch vorstellbar, wie scheiße die rudimentären Effekte der populären 90er-Sitcoms waren. Während man sich bei “ernsten” Serien aus dem Bereich Science Fiction und Fantasy mühte, halbwegs glaubwürdig zu bleiben, waren die Tricks in Sachen Comedy teilweise bewusst schlecht – alles für den Lacher.

Ich will nicht alles über einen Kamm scheren – “The secret world of Alex Mack” zeigte sehr gut, dass man sich auch für wöchentlich 20 Minuten durchaus Mühe geben kann – und Hexe “Sabrina” setzte erfolgreich auf sympathische Gimmicks von der Festplatte.

Aber dann gab es da noch die

Homeboys in Outer Space

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Hier haben wir es mit der ungesunden Verquickung der beiden Mega-Sitcom-Trends der 90er zu tun: Fantasy UND “urban style”. Wobei “urban” auch 1996 schon “schwarz” hieß, was aber keiner so richtig sagen wollte.

Am überraschendsten an “Homeboys in Outer Space” ist, dass keiner der Beteiligen vor oder hinter der Kamera Wayans hieß, schließlich dominierte der Wayans-Clan in den 90ern das Genre der “urban” (ihr wisst schon) comedy. Während die Sketch-Show “In Living Color” noch ganz unterhaltsam war (und uns Jim Carrey schenkte), waren die meisten Sitcoms aus der Gag-Fabrik so spießig wie Bill Cosby und so lustig wie “Millennium“. Genau genommen waren die Wayans die von der weißen Mittelschicht sanktionierte Neger-Comedy wie heute Tyler Perry.

Aber ich schweife ab – vermutlich auch, weil ich über “Homeboys in Outer Space” so wenig wie möglich schreiben möchte. Brutal unkomisch wäre eine Untertreibung – und die “hiphop attitude” wirkt heute so authentisch wie die Streetcred von Vanilla Ice. Schlecht gemacht und schlecht gealtert – keine gute Mischung.

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Müsste ich etwas Gnädiges finden, ich würde vielleicht auf die erstaunliche Liste von Gaststars verweisen: James Doohan und George Takei, Natasha Henstridge und Shannon Tweed, Burt Ward und John Astin – und Anthony Hopkins. I shit you not. Da saßen wohl ein paar Nerds im Besetzungsbüro.

Es sei noch angemerkt, dass HBIOS NICHT auf den urban angelegten Kleinsendern UPN oder WB lief, sondern ausgerechnet auf dem stinkstoffeligen, schneeweißen CBS. Tja, anno 1996 dachte man halt noch, “urban comedy” wäre “das nächste große Ding”. Im Fall von HBIOS war man nach 21 Folgen schlauer.

Meego

Meego_castEin Jahr nach “Homeboys in Outer Space” ging eine weiter Sitcom mit SF-Aufhänger auf Sendung, wenn auch in einem erheblich konventionelleren Rahmen. Auf dem gleichen Sender am gleichen Abend. Im Grunde genommen ist “Meego” nichts anderes als der Versuch, “ALF” für die 90er upzudaten – mit einem menschlich aussehenden Alien, das aber über tolle Kräfte verfügt. Das Fundament legte sicherlich die großartige Slapstick-Sitcom “Hinterm Mond gleich links”.

Hauptdarsteller dieser neuen Serie war Bronson Pinchot, dessen zahme Sitcom “Ein Grieche erobert Chicago” (bei uns auf ProSieben) ihn in 150 Folgen zum Star gemacht hatte. 1993 war damit Schluss gewesen und Pinchot fiel 1995 primär durch eine wahnwitzige Performance in der unterirdischen Stephen King-Adaption “Langoliers” auf (Link klicken, gucken, sehr lustig). Aus der Karriere jenseits der Sitcom wurde also nichts, darum schneiderte man ihm ein neues Vehikel auf den schlaksigen Leib.

Nun ist es nicht ungewöhnlich, dass man den Schauspielern aus verdienten Sitcoms neue Serien anbietet, um die Zuschauer zum Bildschirm zu ködern. So bekamen fast alle Darsteller aus “Cheers”, “Friends” und “Seinfeld” eigene Piloten, diverse Schauspieler aus “Eine schrecklich nette Familie” und “Wer ist hier der Boss?” auch. Klingt zwingend, funktioniert aber eher selten. Erinnert sich wer an “Jessie”, “The George Wendt Show”, “Pearl”, “Bob Patterson”? Eben.

Für “Meego” wurde 1997 massiv Promo betrieben, man erwartete nicht weniger als den “breakout hit of the season”. Schließlich war Pinchot der Star von “Ein Grieche erobert Chicago” gewesen und das familienfreundliche Konzept der Serie war darauf ausgerichtet, ein Maximum der Zielgruppe anzusprechen und ein Minimum zu verprellen.

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Und daran scheiterte es dann auch auch. Abgesehen von den teilweise erbärmlichen Spezialeffekten krankt “Meego” primär an seiner ekligen Zuckrigkeit, der zur Schau gestellten Treehugger-Message, dass wir uns doch gern haben und einander verstehen sollten. Für meinen Teil stimme ich sogar zu: Diese Serie kann mich mal gern haben. Ernsthaft.

Das US-Publikum stimmte mir zu, ließ “Meego” auf einem lachhaften 111. Platz in den Einschaltquoten versauern – und CBS zog nach sechs von 13 Folgen den Stecker. Soweit ich weiß, lief die Serie auf deutsch nur in Österreich. Klappe zu, Alien tot (hoffentlich).

Pinchots Karriere hat sich von dem Flop nicht mehr erholt – nicht geschadet hat das Debakel allerdings der süßen Michelle Trachtenberg, die ein paar Jahre später erfolgreich bei “Buffy” einstieg.

Morgen holen wir die Plastik-Fangzähne raus.

P.S.: Darf ich mal einwerfen, dass die Ursprungsidee war, zu jeder Serie nur ein oder zwei Absätze zu schreiben?! Das artet aus, da verfalle ich wieder in den neunmalklugen “SF TV-Guide“-Modus und erkläre Gott und die Welt. Das kostet Zeit und Nerven – wenn es nur nicht so elend viel Spaß machen würde…

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27
Juli 2014

BILDER dir deine Meinung!

Ich habe diese Woche Miniponys gestreichelt, Lederhosen gewaschen und den Königssee berudert. Heimatbasis war dabei München, was mir ermöglichte, meine vor kurzem verlassene Stammstadt mal wieder per Fahrrad zu durchstreunen. Ich war bei meinem alten Friseur, meinem alten Inder, meinem alten Haus – und habe “Monty Python live” im Kino gesehen (charmant, auch wenn der “live”-Aspekt keinen wirklichen Mehrwert bringt – schaut euch die TV-Aufzeichnung an).

Hier ein paar Eindrücke, die ich von dieser Woche mitgebracht habe…

In der Nähe vom Isartorplatz hat ein Laden für Schnickschnack aufgemacht, dessen Namen ich ausdrücklich begrüße:

Gamer

Das weiß der Gamernerd gleich, was Sache ist.

Der “Leierkasten” ist der sicher bekannteste Puff Bayerns. Hier trieb sich in den 90ern so manche Münchner Filmgröße zu “Besprechungen” herum. Als Vorbeifahrender amüsierte man sich primär über die grässlich gemalte Frauenfigur auf der Fassade und den Animierspruch “Du kommst als Fremder und gehst als Freund”.

Der “Leierkasten” wurde nun aufwändig renoviert. die im schlechten Airbrush-Stil gehaltene Fassadenfrau ist überpinselt. Den Werbespruch hat man beibehalten sogar noch um den Zusatz “Wir garantieren:” erweitert:

leierkastenWie genau diese “Garantie” zu verstehen ist, hat sich mir nicht erschlossen. Ich finde es aber entzückend, dass man knallfett vor den Eingang eine hübsche Briefkasten/EC-Automaten-Kombi gestellt hat, die der wahren Natur der käuflichen Liebe deutlich näher ist: “Du kommst als Fremder und gehst pleite.”

Gleich um die Ecke treffen zwei ehemalige Kapitäne der Fußball-Nationalmannschaft aufeinander:

Werbung

Vermutlich lese ich deutlich mehr in die Sache rein, als drin steckt, aber ist es nicht bezeichnend, dass sich Lahm für die Gesundheit des Nachwuchses stark macht, während Loddar aussieht, als habe er mal wieder eine Nacht lang umsonst vor der Damentoilette des P1 rumgelungert und die frohe Botschaft verkündet “Schmeißt euer Geld beim Glücksspiel raus!”?

Perfekter hätte nur noch das Triple sein können – statt weg.de in der Mitte ab-in-den-urlaub.de mit einem feist grinsenden Michael Ballack, der verkündet: “Ich bin dann mal weg!”

Erlaubt mir, eine Sekunde lang pubertär zu sein. Es ist nämlich gleich um die Ecke von

Fickenhofen

wo man die Westernstadt Pullman City findet. Aber nur echte Cartwrights erkennen den Humor im absolut authentischen, nur einen Steinwurf entfernten Wegweiser:

Hopsing

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24
Juli 2014

TV-Loser: We’ll be right back after these messages

Ich habe heute “Guardians of the Galaxy” gesehen (leider mit Sperrfrist) und bin auch sonst vom Tag geschlaucht. Also gönne ich meiner Reihe über vergessene TV-Serien eine kleine Pause bis vermutlich morgen. Bis dahin habe ich euch ein paar launige Videos zum Thema rausgesucht.

Lee Goldberg, mit dem ich schon gearbeitet habe, hat so ziemlich das Standardwerk zum Thema “unsold TV pilots” geschrieben – es wurde auch ein TV-Special darüber produziert. Hier der launige Teil über SciFi und Fantasy-Testballons:

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Wer heute “Game of Thrones” und “Doctor Who” liebt, der sollte dem Himmel danken – das hier war in den 80ern das, was als “Fantasy” durchging:

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Erfolglose Pilotepisoden gab es schon in den 60ern:

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Und hier noch ein paar weitere Obskuritäten:

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Dass die meisten dieser Piloten mit gutem Grund nie in Serie gingen, kann man sehr schön erkennen, wenn man sich z.B. die Marvel-Adaption “Dr. Strange” ansieht, die hierzulande auch als VHS-Kassette in jeder Videothek stand:

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23
Juli 2014

Lost in Time (7): 50 Serien, die ihr verpasst habt

Anfang der 90er befand sich Don Johnson in einer Zwischenphase seiner Karriere. Als Sonny Crockett hatte er in “Miami Vice” den Superstar-Status erreicht, der ihm als junger Filmschauspieler in den 70er versagt geblieben war. Aber nach fünf Staffeln war MV eingestellt worden, die letzte Episode lief im Januar 1990. Es passt, dass eine der prägendsten Serien der 80er mit den Aufbruch in die 90er ad acta gelegt wurde, zusammen mit den Synthie-Soundtracks von Leuten wie Jan Hammer und Harold Faltermeyer.

Johnson versuchte, den TV-Ruhm in eine Kinokarriere umzumünzen – mit mäßigem Erfolg. Zwar erkannten die Kritiker seine darstellerischen Fähigkeiten in “Dead Bang” und “Harley Davidson und der Marlboro-Mann” durchaus an, aber an Popularität waren ihm Kevin Costner und sogar Patrick Swayze weit voraus.

Um 1993 muss Johnson klar gewesen sein, dass es mit dem Hollywood-Ruhm nichts werden würde und er plante sein Comeback auf der heimischen Mattscheibe. Ein Reality TV-Projekt, das seine Produktionsfirma damals entwickelt, wurde angesichts des Waco-Debakels schnell zu einer Fiction-Serie umgestrickt. Eine Serie über einen Marshal, der allein Gesetzesbrecher in ganz Amerika jagt, passte eigentlich ideal zum gut gealterten Don Johnson. Trotzdem entschied der sich,

The Marshal

2490MARSHALnicht selbst zu spielen. Er heuerte stattdessen Jeff Fahey an, einen kantig aussehenden Schauspieler hoher Intensität. Gerade mal drei Jahre jünger als sein Produzent, kann man Fahey durchaus als Johnson-Surrogat sehen, als geeignete, aber mit weniger Starpower versehene B-Besetzung.

Schaut man sich die alten Folgen heute noch mal an, kann man nur konstatieren, dass “The Marshal” seiner Zeit einfach voraus war. Natürlich sind die Mechanismen kruder und die Inszenierung konventioneller – aber “The Marshal” hat das, was heute “Longmire” und “Justified” so erfolgreich macht. Es ist eine Hymne an den “lawman”, den Gesetzeshüter des amerikanischen Westens, der ganz allein für das Recht steht. Fahey spielt die Titelrolle entspannt, cool, souverän. Damit braucht er sich wirklich nicht verstecken.

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Leider war der Serie kein großer Erfolg vergönnt. Zwei Staffeln mit 13 und 12 Folgen wurden produziert und von der übermächtigen Konkurrenz platt gemacht (u.a. vom vergleichbaren “Walker, Texas Ranger” und von Football). In Deutschland lief die Serie auf SAT.1.

Jeff Fahey wurde in der Folge einer der meist beschäftigten Darsteller fragwürdiger B-Movies und drehte fast ausschließlich echte Stinker, die seinen Fähigkeiten in keinster Weise gerecht werden. Über 100 Filme hat er in den letzten 20 Jahren runter gerissen – und um die 50 TV-Episoden.

Und Don Johnson? Entschied sich nach der Einstellung von “The Marshal”, doch mal wieder selber vor die TV-Kameras zu treten. Seine unterhaltsame, aber sehr konventionelle Krimiserie “Nash Bridges” brachte es mit sechs Staffeln sogar auf mehr Folgen als “Miami Vice”.

Soviel dazu. Morgen bringen wir HipHop in die unendlichen Weiten…

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22
Juli 2014

Jack Deth approves!

Jep, das hier ist Tim Thomerson, der beim “D-Day of the B movies” unser Buch in die Kamera hält:

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Keine Ahnung, wer Tim Thomerson ist? Schämt euch:

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Ihn haben wir im Buch natürlich auch ausführlich interviewt.

Und wo ich euch gerade so schön beisammen habe, teile ich mit angemessenem Stolz mit, dass unser kleines Buch dem Verlag so große Freude macht, dass in absehbarer Zeit eine Hardcover-Edition auf den Markt kommen wird.

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22
Juli 2014

Lost in Time (6): 50 Serien, die ihr verpasst habt

Ich sitze im Rilano-Hotel in München, erstmals musste ich eine Reportage wetterbedingt absagen. Nun habe ich zwar Zeit, aber absurderweise ist das Surfvolumen hier stark beschränkt (auf alberne 100Mb in 24 Stunden). Ich sehe mal zu, ob ich innerhalb dieses Rahmens die wichtigsten Aufgaben erledigt bekomme.

1993, man kann es sich kaum vorstellen, war Fox noch ein junger und aggressiver Sender, der gerade die Vormachtstellung der “großen 3″ ABC, NBC und CBS gebrochen und mit den “Simpsons” und “Eine schrecklich nette Familie” diverse goldene Regeln des US-Fernsehens auf den Kopf gestellt hatte.

Im Bemühen, etablierten Serienkonzepten eine lange Nase zu drehen, begab man sich in der Sommersaison 1993 dann auf sehr dünnes Eis – Parodien sind im US-Fernsehen eine ganz hakelige Geschichte. Der beste Beweis ist “Police Squad”, eine Parodie klassischer Polizeiserien der 50er und 60er Jahre, die gnadenlos floppte – als Kinoreihe “Die nackte Kanone” danach aber mehrere hundert Millionen Dollar einspielte. Das klassische TV-Publikum bevorzugt Klischees und ist Parodien seiner Lieblinge von jeher eher abgeneigt.

Wie dem auch sei, im Juli 1993 probierte es Fox mit dem halbstündigen

Danger Theatre

1993_Press_Photo_TV_showAn Veteranen, die sich selbst auf die Schippe nahmen, mangelte es der Serie nicht: Robert Vaughn, immerhin “The Man from U.N.C.L.E.”, gab den realitätsfremden Gastgeber der beiden 10minütigen Parodie-Episoden “Tropical Punch” mit Adam “Batman” West und “The Searcher”. In der letzten Folge wurde “Tropical Punch” durch “357 Marina del Rey” ersetzt.

“The Searcher”, eine Mischung aus “Then came Bronson” und “Dr. Kimble auf der Flucht“, entpuppte sich schnell als das beliebtere Segment der Serie und es ist anzunehmen, dass man bei einer Verlängerung der Serie komplett auf Diedrich Bader als namenlosen Fremden gesetzt hätte:

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Allerdings stellte Fox die Serie nach sieben Episoden ein.

Ich erinnere mich daran, “Danger Theatre” damals gesehen zu haben – begeistert hat mich die Serie, die meines Wissens nach nie in Deutschland lief, nicht. Das war alles ganz launig, aber die Gags zielten grundsätzlich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner und wiederholten sich schnell.

Das Hauptproblem von Fox und dem “Danger Theatre” war, dass der junge hungrige Sender in diesem Fall hoffnungslos hinterher hinkte – ABC selbst hatte 1988 das Polizeiserien-Genre mit “Sledge Hammer!” brillant durch den Kakao gezogen. Gegen die satirische Schärfe und die genaue Beobachtungsgabe von Alan Spencers Serie konnte “Danger Theatre” an keiner Stelle anstinken, war nur eine müde Nummernrevue.

Es ist eine sympathische Fußnote der Fernsehgeschichte, dass dem “Searcher” zwar nur ein kurzes Leben vergönnt war, das Konzept allerdings – bierernst – zu einem der größten Syndicationhits der 90er wurde:

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Morgen zückt ein B Movie-Held den Stern des Gesetzes.

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21
Juli 2014

Ich hab’ ein Haus, kein kunterbuntes Haus:
Altbau-Sanierung redux (1)

Es mag den erst in diesem Jahrzehnt hinzu gestoßenen Lesern angeraten sein, sich die volle Saga meiner letzten Altbau-Sanierung durchzulesen. Zu teuer, zu stressig – aber seitdem ist halbwegs Ruhe, die Mieterin ist nett und die Wohnung in gutem Zustand.

Neben der Wohnung in Düsseldorf besitze ich ja noch das kleine Haus in Obergiesing, in dem ich von 2002 bis 2011 gewohnt habe. Echte Wortvogel-Veteranen haben mir schon ins Wohnzimmer geschaut und werden sich zudem erinnern, dass ich oft von einer anstehenden (weil dringend notwendigen) Sanierung des Dachgeschosses schwadroniert habe, das mir als Arbeitszimmer diente. Weil ich weder Zeit noch Lust noch Expertise hatte, mich mit so etwas rumzuschlagen, habe ich das Thema 10 Jahre lang erfolgreich vor mir her geschoben.

Jetzt ist Showtime.

Wir spulen in der Zeit zurück.

Als ich das Haus 2002 kaufe, ist klar, dass es nicht in Bestzustand ist: Das Dach ist nur mäßig gedämmt, die Elektrik ist uralt. die Haustür ein verrotteter Witz, einige Bodenkacheln gebrochen – und so ziemlich alles, was der Vorbesitzer renoviert hat, wurde in Eigenarbeit ohne Rücksicht auf Verluste hingeschlampt. Von außen sieht das Haus zu seinen besten Zeiten, als ich es frisch habe malern lassen, so aus:

STA60001 (2) Ich habe mir das Häuschen auch eigenwillig, aber passend eingerichtet:

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Aber es lässt sich kaum leugnen, dass an vielen Stellen der Wurm drin ist:

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Mir gefällt auch der potthässliche Zaun nicht, der die Patio zur Straße abschließt, aber der Nachbar weigert sich, einem Austausch für ein schöneres Gestänge zu zu stimmen:

Patio 2

Nun ja, ich habe in diesen Jahren auch genug andere Sachen zu tun und als Junggeselle bin ich relativ schmerzfrei. Das kann erstmal so bleiben.

Was mich allerdings nachhaltig stört, ist die ungünstige Raumaufteilung, die den eh schon begrenzten Quadratmetern einiges abzwackt – durch die Eingangstür kommt man in einen kleinen Vorraum mit einer monströsen Stahlbeton-Treppe, die nach oben führt. Durch einen Durchgang kommt man in einen weiteren Vorraum, von dem Bad und Küche/Wohnzimmer zu erreichen sind.

Treppe 5

Es ist ein befreundeter Architekt, der mich auf eine praktikable Lösung gleich mehrerer Probleme hinweist: Warum nicht das Fenster im zweiten Vorraum (das zur Patio hinaus geht) zur Haustür umbauen und die jetzige Haustür zum Fenster mauern?

Schauen wir uns das am lebenden Objekt mal an – die Haustür direkt auf den Bürgersteig würde damit einem Fenster weichen und das Fenster in der Mitte der Längsseite wäre der neue Austritt:

STA60003 (2)

Der Effekt: Der bisherige erste Durchgangsflur würde schlagartig ein neues Zimmer werden, erstmalig ein Abstellraum in dem Haus, das mangels Unterkellerung sowieso wenig Stauraum bietet. Und von der Haustür ginge es nicht mehr direkt auf den Bürgersteig, sondern (gemütlicher) auf die Patio.

Es ist so sinnvoll, dass es fast schon erschüttert, dass in 170 Jahren niemand drauf gekommen ist. Ich mache eine mentale Notiz, das bei der großen Renovierung, die immer “nächstes Jahr” ansteht, zu berücksichtigen.

Das Dach ist eine der anderen neuralgischen Stellen – durch die mangelnde Dämmung heizt sich das Obergeschoss im Sommer zur Sauna auf, nur um im Winter zum Iglu abzukühlen. Mir kommt die Idee, das Dach nicht nur neu zu dämmen, sondern in Giebelform dem Nachbarhaus anzugleichen. Es gibt tatsächlich Pläne aus den 30er Jahren, dass das mal geplant und genehmigt worden war:

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Leider waren die Umbauarbeiten damals nie durchgeführt worden und im Jahr 2006 winkt die Sanierungsbehörde sofort ab: Das widerspricht dem Denkmalschutz. Denn tatsächlich unterliegt mein Haus als Bestandteil der Feldmüllersiedlung dem Ensembleschutz. Will sagen: Ich darf nicht beliebig rumdoktorn und muss ständig bei der Behörde um Erlaubnis fragen. Das macht jeden Umbau zäher und teurer, als er sein sollte.

Was mich ebenfalls abhält: Immer wieder lasse ich mir Kostenvoranschläge von Handwerkern machen. Die Kosten, mit denen ich als Laie rechne, werden dabei LEICHT übertroffen – um das Vier- bis Fünffache. Das rechnet sich nicht, auch wenn Mieter ortsüblich zahlen. So bleibt das Sanierungsprojekt weiter liegen.

Während das Projekt brachliegt, bzw. weiterhin “nächstes Jahr” ansteht, kämpfe ich für und gegen den Verfall. Durch meinen Aufenthalt verbraucht sich die Substanz natürlich weiter, der Putz bröckelt, die Billig-Armaturen im Bad geben den Geist auf, die Heiztherme zickt etc. Ich zahle auch teuer für nicht ganz so offensichtliche Versäumnisse des Vorbesitzers. Der hatte z.B. “vergessen”, beim Einbau der Heiztherme ein Stahlrohr in den Kamin einbauen zu lassen. Das rächt sich, als nach fünf Jahren eine Kombination aus Ruß und Regenwasser die Kaminsteine endgültig durchsotten hat und braune Brühe aus der Tapete quillt. Ich muss den halben Kamin neu mauern lassen – UND ein Stahlrohrsystem installieren.

Es tut mir weh, dass das schöne Haus, in dem ich sehr glücklich bin, immer mehr Macken bekommt, immer mehr Kompromisse verlangt. Ich will es retten, scheue mich aber gleichzeitig vor dem Aufwand und den Kosten. Bei einem denkmalgeschützten Haus kann man nicht einfach einen Trupp polnischer Handwerker anheuern – das muss alles professionell geplant, finanziert und genehmigt werden. Von jemandem, der sich schon mit dem Erwerb einer Monatskarte des Öffentlichen Nahverkehrs schwer tut, ist das ein bisschen viel verlangt.

Als ich 2011 mit der LvA zusammen ziehe und das Haus vermiete, fasse ich präventiv den Entschluss: Dieses Mietverhältnis wird temporär sein. Die Mieter zahlen eine für München lachhaft geringe Miete, akzeptieren dafür die Defizite (u.a. das schlecht gedämmte Dach), und müssen zum Ende des befristeten Mietvertrages, wenn es doch mal an die Renovierung geht, bereitwillig von dannen ziehen.

Aus dem einen Jahr, das ich so überbrücken will, werden insgesamt drei. Mit meinem Umzug nach Speyer will ich die Sache nun aber endlich angehen. Und erwartungsgemäß entwickelt sich daraus eine unendliche Geschichte, die sich zu erzählen lohnt…

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20
Juli 2014

Stix-Trix

Ich habe ungefähr 15 USB-Sticks. Ein paar davon habe ich legitim als Datenspeicher erworben, angefangen mit 128Mb für 55 Euro bis 32Gb für 10 Euro. Der Großteil ist allerdings bei irgendwelchen Aufträgen liegen geblieben, wurde mir geschenkt – oder kam von Firmen zum Transport unnötigen Pressematerials. Mit ihren Kapazitäten von 2 bis 8 Gigabyte haben die Sticks die Nachfolge von Disketten angetreten.

Nun ist es kein Geheimnis, dass ich kurios geformte USB-Sticks ganz lustig finde. Und es ist immer gut, eine Handvoll Sticks in der Schublade zu haben, wenn man schnell mal eine Galerie von Bildern der letzten Reportage transportieren muss oder eine Videodatei zum Fernseher drängt. Die Marketing-Sticks haben dabei den Vorteil, dass ich ihnen keine Träne nachweine, wenn sie doch mal verloren gehen.

Nicht missen möchte ich allerdings diese beiden Exemplare, weil ich sie irgendwie goldig finde:

stix

Der Merci-Stick hat tatsächlich die exakten Maße einer Merci-Schokolade und ist mit aufgestecktem Deckel von einer solchen praktisch nicht zu unterscheiden. Der Zuckerhut hingegen ist aus weichem Gummi.

Habt ihr Sticks, die euch über die Funktionalität hinaus am Herzen liegen?

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19
Juli 2014

Lost in Time (5): 50 Serien, die ihr verpasst habt

Es ist kein Zufall, dass im Kontext dieser Reihe immer wieder Anthologieserien auftauchen werden – diese sind notorisch erfolglos, haben aber oft genug Gimmicks, die ihre Erwähnung rechtfertigen. Heute fasse ich drei recht ähnliche Serien zusammen, die hauptsächlich über den wiederkehrenden Cast zu punkten versuchten. Außerdem verbindet sie die kuriose Tatsache, dass sie allesamt in den letzten Jahren auf dem Grusel-Kabelsender “Chiller” wieder zu sehen waren.

Nightmare Café

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“Nightmare Café” (produziert von Wes Craven) unterscheidet sich von “Dark Realm” und “Night Visions” durch eine Rahmengeschichte, deren Figuren auch in die einzelnen Episoden eingreifen. Das orientiert sich mehr an Serien wie “Hotel” als an der “Twilight Zone”. Für Robert Englund war es ein weiterer Versuch, seine Karriere als Freddy Krueger in einen langlebigen TV-Job umzumünzen, nachdem “Freddy’s Nightmares” kaum zwei Jahre zuvor nach 44 Folgen eingestellt worden. “Nightmare Café” zielt eindeutig auf ein softeres, weniger auf Horror fokussiertes Publikum — und (üb)erlebte auf NBC gerade mal sechs Folgen.

Das Intro vermittelt einen sehr guten Eindruck vom preiswerten MAZ-Look und dem versuchten ironischen Ton der Serie.

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Wer die Serie gesehen hat, den verwundert der Misserfolg nicht: Die Skripts zu schwach, die Twists entweder zu vorhersehbar oder gar nicht vorhanden – und nichts ist armseliger, als Sarkasmus, der einfach nicht komisch ist. Hinzu kommt, dass “Nightmare Café” diesen extrem billigen Kabelsender-Look hatte, der so viele Serien Ende der 80er plagt und heute für eine Auswertung auf Scheibe fast untauglich macht. Was man damals an Budget gespart hat, rächt sich nun.

Dark Realm

dark realm

“Dark Realm” startete fast zehn Jahre nach “Nightmare Café” und kaum zwei Monate vor der deutlich aufwändigeren Network-Serie “Night Visions”. Nicht auszuschließen, dass beide der lange angekündigten “Twilight Zone”-Neuauflage zuvorkommen wollten, die im Herbst 2002 spektakulär auf die Schnauze fiel.

“Dark Realm” ist eine französisch/kanadisch/britische Produktion, produziert für den Syndication-Markt. Ich glaube es ist soweit, dass man den Begriff heute wieder erklären muss: Syndication bedeutet, dass die Serie in den USA nicht bei einem der großen, landesweit sendenden Networks läuft, sondern Stadt für Stadt an Lokalsender verkauft wird. Dafür wird ein Paket an Folgen vorfinanziert und vorproduziert, dass dann sein Geld Markt für Markt wieder herein holen muss. Es gibt Serien, die damit eine Abdeckung von 90 Prozent der US-Haushalte erreichen, andere nur 60 Prozent, einige nur die großen Metropolen wie Los Angeles, Dallas und New York. Hat man das Pech, nicht in einer dieser Regionen zu wohnen, bekommt man die Serie auch nicht zu sehen.

Die 90er waren die Hoch-Zeit der Syndication-Serien, zu denen “Hercules”, “Renegade”, “Star Trek: The Next Generation” und “Baywatch” gehörten. Aus marktregulatorischen Gründen, auf die einzugehen hier nicht der richtige Ort ist, trocknete die Oase Syndication Anfang des neuen Jahrtausends aus, “Dark Realm” gehört zu den letzten Versuchen, über die internationale Produktion noch eine Serie ohne großes Network oder ohne einen Kabelsender zu stemmen.

Dem echten Serienfan macht es durchaus Spaß, im eklektischen Cast nach vielleicht nicht berühmten, aber doch bekannten Darstellern zu suchen: Edward “Equalizer” Woodward ist ebenso dabei wie Lysette “Krull” Anthony, Cory “Lost Boys” Feldman, der Sänger von Def Leppard spielt einen untoten Rockstar, und man schlag mich tot – Axel Milberg und HOWARD CARPENDALE gehen auch mal durchs Bild!

13 Folgen schaffte “Dark Realm” mit seinem “Host” Eric Roberts – und blieb auch danach so obskur, dass ich euch nicht mal einen Clip zeigen kann. Es würde mich wundern, wenn die Serie jemals in Deutschland gelaufen wäre.

Night Visions

Night Visions

“Night Visions” war der Versuch von NBC, mit einer richtig edlen Anthologieserie zu punkten, die eher für Spannung und Atmosphäre als auf oberflächlichen Grusel setzt. Mit Dan Angel hatte man einen Produzenten an Bord, der sich mit “Goosebumps” und “X-Files” schon um das Genre verdient gemacht hatte. Zu den Regisseuren gehörten Legenden wie Tobe Hooper und Joe Dante, bei den Darstellern wurde ebenfalls aus dem Vollen geschöpft: Bridget Fonda, Jack Palance, Sherilyn Fenn, Bill Pullman, Randy Quaid.

Im Gegensatz zu “Dark Realm” gönnte man sich zwei Geschichten pro Episode, was sicher auch zum deutlich höheren Budget beigetragen haben dürfte.

Vielleicht wollte man zuviel, vielleicht überforderte man die Zuschauer mit zu wirren Geschichten ohne klares Dilemma oder Auflösung – vielleicht schalteten aber schon viele Leute ab, weil Rockpoet Henri Rollins als Host einfach sehr gelangweilt und steif wirkte. Schaut euch das hier im Intro der ersten Folge mal an:

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Der Ansatz orientiert sich sehr offensichtlich an den unaufgeregten, seminaresken Intros von Rod Serling aus der “Twilight Zone”, kann dem Original aber an keiner Stelle das Wasser reichen:

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Genau wie “Dark Realm” schaffte es “Night Visions” nicht über 13 Folgen. Aufgegeben wurde das Format der Anthologieserie damit allerdings noch lange nicht.

Am Sonntag macht diese kleine Reihe Pause – Montag sitzt ihr dafür bei der Gefahr in der ersten Reihe…

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18
Juli 2014

Lost in Time (4): 50 Serien, die ihr verpasst habt

In den frühen Jahren des Fernsehens waren historische Serien keine Seltenheit – Western natürlich, aber auch Piratenabenteuer und Geschichten aus dem Mittelalter. So verdiente sich Roger Moore seine ersten Meriten für James Bond nicht als “Simon Templar”, sondern als “Ivanhoe”:

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Mit den heran nahenden 70ern verloren die Kostümklamotten für viele Zuschauer an Reiz – Relevanz war gefragt, aktuelle Themen und moralische Ambivalenz. Erst die aufkommende Fantasy- und Rollenspiel-Welle der frühen 80er machte die Sender wieder etwas mutiger, was zu der wirklich albernen Serie “Wizards and Warriors” führte:

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Hätte eigentlich hier auch reingepasst, muss man aber nicht gesehen haben.

Anfang der 90er war das Genre wieder mal tot. Umso überraschter war ich, als ich in der alljährlich heiß erwarteten “Fall Preview”-Ausgabe des amerikanischen TV-Guide auf eine Seite über

Covington Cross

seriescastlizstolperte. Vielleicht glaubten die Amis, dem britischen Erfolg von “Robin of Sherwood” etwas entgegen stellen zu müssen. Dafür heuerten sie mit Nigel Terry und Cherie Lunghi gleich zwei Hauptdarsteller aus “Excalibur” an, um mit ihnen eine Art “Dallas” in merry old England zu drehen. An Kostümen mangelte es dabei ebenso wenig wie an Burgen und Anhöhen, über die sich prächtig galoppieren ließ. Hinter den Kulissen wurde ebenfalls nicht gespart – den Piloten drehte mit William Dear immerhin der Mann, der schon “Bigfoot und die Hendersons” und “Timerider” auf die Kinoleinwände gebracht hatte.

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Gut gemeint ist allerdings nicht gut gemacht und trotz der schauspielerischen Potenz blieb “Covington Cross” eine eher blasse Angelegenheit, die genau daran scheiterte, dass sie das Genre thematisch und dramaturgisch nicht an die Neuzeit anpasste. Es blieb alles sehr pudrig und affektiert, kein Vergleich mit heutigen Kostümepen wie “Spartacus” oder “Game of Thrones”. Und “Blackadder” war schon damals einfach lustiger. Nach sieben Folgen von dreizehn zog ABC denn auch den Stecker.

Wer trotzdem mal ausgiebiger reinschauen mag:

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Morgen gehen wir zusammen einen trinken – und das geht nicht gut aus…

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17
Juli 2014

Lost in Time (3): 50 Serien, die ihr verpasst habt

Anthologieserien mit in sich abgeschlossenen Episoden gehören zu den Fundamenten der Fernsehgeschichte. Um ein verbindendes Element über die Folgen hinweg zu haben, wurde auf Erzähler und Autoren gesetzt, unter deren Schirmherrschaft die Produktionen Woche für Woche präsentiert wurden: Rod Serling bei der “Twilight Zone”, ein dicker Brite bei “Alfred Hitchcock presents”, aber auch Ellery Queen.

Dieses Genre des hochwertigen, episodischen Kurzdramas kam in den späten 60ern aus der Mode, erlebte aber in den 80ern eine Renaissance mit der neuen Version von “Alfred Hitchcock presents” und vor allem dem großartigen “Ray Bradbury Theatre”. Auch in Deutschland ließ man sich nicht lumpen und drehte über das ganze Jahrzehnt verteilt Adaptionen der Kurzgeschichten von Henry Slesar mit dem Titel “Die Krimistunde“.

Ein besonderer Erfolg war diesen meist anspruchsvollen, aber gerne unterfinanzierten Serien bei den Neuauflagen leider nicht vergönnt. Das änderte sich auch nicht, als mit “Quicksilver Highway” und “Body Bags” und “Nightmares & Dreamscapes” immerhin Clive Barker, John Carpenter und Stephen King sich an dem Genre versuchten.

Zu den unbekannteren Anthologieserien, die einen großen Namen tragen, gehört zweifelsfrei

Kurt Vonnegut’s Monkey House

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Es handelt sich hierbei um eine Umsetzung von Geschichten aus der lesenswerten Sammlung “Welcome to the Monkey House”, in Deutschland erschienen unter dem wenig reizvollen Titel “Geh zurück zu deiner lieben Frau und deinem Sohn”. die preiswert für das kanadische Fernsehen (teilweise in Neuseeland) gedreht wurden. Gerade mal sieben Episoden von knapp 30 Minuten verteilte der Sender über satte zwei Jahre. “More Stately Mansions” kann man sich – YouTube sei dank – auch heute noch zur Gänze anschauen:

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Klar ist das kein Actionfernsehen für hyperaktive Kids und auch keine Edelserie für die verwöhnten HBO-Zuschauer des neuen Jahrtausends – aber es hat Charme, die pfiffigen Geschichten sehr bescheiden uns hausbacken auf der Mattscheibe zu entdecken. Noch dazu, wenn es um einen der Titanen des Genres geht, dem wir “Schlachthaus 5″ und “Harrison Bergeron” verdanken.

Und wo ich gerade bei Vonnegut und “Harrison Bergeron” bin – die sehr gute Adaption mit Sean Astin findet man ebenfalls bei YouTube. Ich rate dringlich zur Ansicht:

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Schalten Sie auch morgen wieder ein, wenn es heißt: “Zu den Schwertern – für den König!”

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16
Juli 2014

Lost in Time (2): 50 Serien, die ihr verpasst habt

So, für den zweiten Beitrag hatte ich euch ein seifiges Weltraumabenteuer versprochen. Willkommen zur ersten und einzigen Daily Sci-Fi Opera:

Jupiter Moon

jmJa, man glaubt es kaum, 1990 wurden für einen britischen Satellitenkanal 150 Episoden einer Daily Soap produziert, die komplett auf einem Raumschiff im Orbit um Jupiter spielen. Im Rahmen einer Soap macht das durchaus Sinn – die Sets sind begrenzt und können beliebig oft eingesetzt werden, der Cast ist überschaubar, es müssen nicht ständig neue Planeten zusammen geschustert werden. Hinzu kommt, dass Soaps und Science Fiction zwei Genres sind, die beide sehr loyale und große Fangruppen anziehen können – die Idee, das zu kombinieren, liegt in meinen Augen näher, als man denkt.

Schaut man sich Bilder von den Modelleffekten an, wirkt das erstmal gar nicht so schlecht:

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What’s not to like? Wenn man sich vor Augen führt, dass die Science Fiction ab den 90ern immer mehr Soap-Elemente übernahm (“Babylon 5″, “Battlestar Galactica”), könnte man “Jupiter Moon” sogar als konsequenten Vorgänger von “Deep Space Nine” betrachten. Und JEDEN TAG eine neue Folge – wie geil ist das denn?

Die Macher mühten sich zudem nach Kräften, mit wissenschaftlicher Akkuratesse ans Werk zu gehen – dieser Bericht des Produzenten liest sich fast schon drollig verbissen. Hier ist auch noch ein erhellendes Making of, das sich leider nicht direkt einbinden lässt.

Doch grau ist leider alle Theorie – und in der Praxis ist “Jupiter Moon” eher so eine Art “Gute Zeiten, schlechte Zeiten” mit ganz viel steifem Technobabble, ganz wenig echter Suspense und sehr peinlichen Frisuren, wie dieser (recht typische) Cliffhanger zeigt:

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Tja, sechs Millionen Pfund Budget für 130 Folgen sind halt auch nicht ganz so viel…

In den späten 90ern Jahren, als ich im Zuge meiner Recherchen für die Science Fiction TV-Guides über Berichte zu “Jupiter Moon” stolperte, war die Serie so etwas wie das goldene Einhorn der SF – fast jeder hatte davon gehört, aber praktisch niemand hatte sie gesehen. Sie wurde ja auch lange Zeit nicht wiederholt. Ihr habt es da heute einfacher – 2005 wurden mindestens die ersten 50 Episoden endlich auf DVD veröffentlicht. Ob man sich das antun sollte, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Trotz der Defizite, die “binge watching” in diesem Fall zu seiner Strafe machen dürfte, ist “Jupiter Moon” ein faszinierendes und seiner Zeit verhaftetes Relikt – und damit perfekt für diese Reihe.

Hier noch der Vorspann:

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Morgen kommt Kurt – ohne Helm und ohne Gurt. Es geht’s ins Affenhaus.

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15
Juli 2014

Lost in Time (1): 50 Serien, die ihr verpasst habt

Wir alle erinnern uns an “Star Trek: The Next Generation”, an “Akte X”, an “Buffy” und an “Lost”. Serien, die ihre Generation definiert haben und denen ein ewiges Leben in der TV-Dauerschleife, als Silberling, Stream oder gar Remake vergönnt ist. Stammtischfutter, Fundament vieler “Weißt du noch”-Gespräche.

Aber für jede Kultserie, die warm ums Herz macht, gibt es zehn Flops, an die sich kaum einer erinnert, die in Standardwerken nur Fußnoten wert sind. Mutig begonnen, aber oft nach sechs Folgen entmutigt eingestellt. Produktionen, bei denen selbst die etwas obsessiven Nerds passen müssen. Während die Hits sich traditionell an einer Hand abzählen lassen, gibt es von den Misserfolgen locker 100 – pro Saison.

Ab heute werde ich täglich (so es mir zeitlich gelingt) eine Serie vorstellen, die es nicht geschafft hat, einen wirklichen Abdruck in der TV-Geschichte zu hinterlassen. Dies ist mein kleiner Beitrag zur Fernseharchäologie, zur Aufbereitung von Nischenwissen für die von “Game of Thrones” besoffene Serienjugend. Dabei gehe ich halbwegs chronologisch vor, packe aber auch immer wieder thematisch oder stilistisch verwandte Produktionen zusammen.

Fangen wir ganz soft an, mit einer Sitcom aus dem Jahr 1989:

Free Spirit

lief hierzulande Anfang der 90er unter dem Titel “Die reinste Hexerei” in einer Endlosschleife auf SAT.1 und brachte es gerade mal auf 14 Folgen:

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Ihre Existenz verdankt die Serie sowohl der Nostalgie in Sachen “Bezaubernde Jeannie” und “Verliebt in eine Hexe” als auch dem Erfolg von “ALF”, der eine kurzlebige Renaissance der Gimmick-Sitcom nach sich zog. Fettfreie, freundliche und glattgebügelte Unterhaltung für die ganze Familie – die “Auszeichnung” als “schlechteste Serie im US-TV” fand ich damals schon völlig daneben.

Die Hauptrolle der bezaubernden Hexe Winnie Goodwin spielte die süße Corinne Bohrer, die seit mehr als 20 Jahren immer wieder in Serien auftaucht (“Rude Awakening”, “Partners”, “Double Rush”, “Vereonica Mars”). Der Durchbruch zum Serienstar blieb ihr allerdings verwehrt – ganz im Gegensatz zu Alyson Hannigan, die nach “Free Spirit” erst in “Buffy” und dann in “How I met your Mother” ganz groß raus kam. Sie ist neben Alyssa Milano (“Wer ist hier der Boss?”, “Charmed”) sicher eine der erfolgreichsten TV-Schauspielerinnen ihrer Generation.

Die Pilotepisode könnte ihr euch hier komplett ansehen – mehr 80er-Familienklischees bekommt man allenfalls bei den “Cosbys”:

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Teaser-Rätsel: Morgen geht’s ins seifige Weltall…

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