31
Oktober 2014

Lektüre: Zum Abend, zu Halloween

Ich hatte darüber nachgedacht, eine eigene Kurzgeschichte zum Halloween zu schreiben – leider fehlt mir gerade die Zeit. Also überlasse ich das Guy de Maupassant, dessen (leicht gekürzte) Variante einer Gruselgeschichte ich hier nun präsentieren möchte:

Gestern bin ich nach Paris zurückgekehrt. Als ich mein Zimmer wiedersah, unser Zimmer, unser Bett, unsere Möbel, dieses ganze Haus, an dem alles noch hing, was von einem Menschen nach seinem Tode bleibt, packte mich noch einmal die Verzweiflung so gewaltig, daß ich das Fenster öffnen und mich auf die Straße hinabstürzen wollte. Ich konnte es, von all diesen Dingen umgeben, von diesen Mauern, die sie einst umschlossen, und beschirmt, nicht mehr aushalten, in diesen Wänden, die in all ihren kleinen unmerklichen Rissen tausend Atome von ihr bewahren mußten, von ihrem Körper, ihrem Hauch, und ich nahm meinen Hut, um zu entfliehen. Plötzlich, als ich an die Thür kam, mußte ich an dem großen Spiegel vorüber, den sie dort hatte aufstellen lassen, um sich täglich, wenn sie ausging, von Fuß bis zu Kopf zu betrachten, zu sehen ob ihre Toilette ihr gut stand, in Ordnung war, hübsch aussah, von den Schuhen bis zum Hut.

Und starr blieb ich vor dem Spiegel stehen, der so oft ihr Bild zurückgeworfen, so oft, so oft, daß er doch auch ihr Bild hätte in sich festhalten müssen.

Zitternd stand ich da, die Augen auf das Glas gerichtet, das glatte, tiefe, leere Glas, das sie aber völlig festgehalten hatte, und besessen, ebenso wie ich, genau so wie mein leidenschaftliches Auge. Mir war als liebte ich diesen Spiegel – ich berührte ihn – er war kalt. Ach, die Erinnerung! die Erinnerung! Schmerzensspiegel, brennender Spiegel, lebendige furchtbare Scheibe, die Du alle diese Leiden heraufbeschwörst! Glücklich die Menschen, deren Herz gleich einem Spiegel ist, in dem die Erscheinungen auftauchen und wieder verblassen, die alles vergessen, was er wiebergab, alles was vor ihm geschehen ist, alles was sich in seiner Liebe, in seiner Zuneigung betrachtet, gesonnt, gespiegelt hat. O, wie ich leide!

Ich ging aus. Und ohne es zu wollen, ganz von selbst, fast ohne es zu wissen, ging ich zum Kirchhof. Ich fand ihr einsames Grab, worauf ein Marmorkreuz stand mit den wenigen Worten: »Sie liebte, ward geliebt und starb.«

Da drunten lag sie nun verwest! Entsetzensvoller Gedanke! Ich schluchzte, die Stirn am Boden.

Lange, lange blieb ich liegen. Dann merkte ich, daß es Abend ward. Da kam ein verrückter, toller Gedanke über mich, der Wunsch eines an den Rand des Wahnsinns gebrachten Liebenden. Ich wollte die Nacht bei ihr bleiben, die letzte Nacht auf ihrem Grabe weinen. Aber man würde mich sehen und mich fortjagen. Wie sollte ich es anfangen? Ich gebrauchte eine List. Ich erhob mich und begann durch die Totenstadt zu irren. Ich ging und ging. Wie klein sie ist, diese Stadt, neben der anderen, der, in der man lebt. Und doch wie viel mehr Tote giebt es als Lebende! Wir brauchen große Häuser, Straßen, so viel Platz für die vier Generationen, die zu gleicher Zeit das Licht der Sonne genießen, von den Quellen, vom Wein der Weinberge trinken, das Brot der Ebenen essen.

Und für all die Generationen von Toten, für diese ganze Stufenleiter der Menschheit, die bis zu uns herabsteigt, ist fast nichts nötig, als ein Feld, – fast nichts. Die Erde nimmt sie auf, die Vergessenheit löscht sie aus. Lebet wohl!

Am Ende des Kirchhofs, wo noch begraben wurde, erblickte ich plötzlich den verlassenen Kirchhof, den, wo die längst, längst Gestorbenen ihre Verbindung mit der Mutter Erde eingehen, wo sogar die Kreuze faulen, und wo man vielleicht schon morgen wieder die Letztangekommenen betten wird. Er ist mit wilden Rosen überrankt, mit kräftigen, dunklen Cypressen bestanden, – ein trauriger, wundervoller Garten, vom Leibe der Menschen genährt.

Ich war allein, ganz allein. Ich verbarg mich unter einem grünen Baum, versteckte mich gänzlich, zwischen den dunklen dichten Zweigen und, an den Stamm geschmiegt, wartete ich wie ein Schiffbrüchiger auf den Trümmern des Schiffes.

Als es Nacht war, dunkle Nacht, verließ ich mein Versteck und begann leise, mit langsamen, schleichenden Schritten auf dieser Erde dahin zu gehen, darunter Totes an Totem lag.

Ich irrte lange, lange, lange. Ich fand sie nicht wieder. Mit ausgestreckten Armen, die Augen aufgerissen, tastete ich mich mit den Händen an den Gräbern hin, stieß mit den Füßen, den Knieen, der Brust, sogar dem Kopf an, irrte auf und ab und fand sie nicht. Ich tastete und fühlte mich fort wie ein Blinder, der seinen Weg sucht; betastete Steine, Kreuze, Eisengitter, Kränze aus Glas-Perlen, Kränze aus verwelkten Blumen. Ich ließ den Finger über die Inschriften gleiten und las die Namen. Welche Nacht! welche Nacht! Und ich fand sie nicht.

Kein Mond! Welche Nacht! Ich hatte Angst, eine entsetzliche Angst in diesen schmalen Wegen, zwischen diesen beiden Gräberreihen. Gräber! Gräber! Gräber! Überall, überall Gräber! Rechts, links, vor mir, um mich herum, überall Gräber! Ich setzte mich auf eines, denn ich konnte nicht mehr gehen, mir brachen die Kniee. Ich hörte wie das Herz mir schlug, und ich hörte noch andere Dinge. Was? Ein unnennbares, dumpfes Geräusch. War es in meinen verstörten Sinnen? Lag es in der undurchdringlichen Nacht? Kam es aus der geheimnisvollen Erde, kam es aus der Erde, die besät war mit menschlichen Gebeinen? Ich blickte um mich.

Wie lange ich dort geblieben bin, weiß ich nicht. Ich war vom Schrecken wie gelähmt, trunken vor Entsetzen. Ich hätte aufbrüllen mögen, dem Tode nahe.

Plötzlich schien es mir, als ob die Marmorplatte, auf der ich saß, sich bewegte. Ja, sie bewegte sich, als hätte man sie emporgehoben. Mit einem Satz sprang ich auf das benachbarte Grab und sah, sah wie der Stein, auf dem ich eben gesessen, sich emporrichtete und der Tote erschien, ein nacktes Skelett, und den Marmor aufhob mit dem gekrümmten Rücken. Ich sah, sah es ganz deutlich, obgleich die Nacht dunkel war. Und auf dem Kreuze konnte ich lesen:

»Hier ruht Jakob Olivant, gestorben im einundfünfzigsten Jahr seines Lebens. Er liebte die Seinen, war brav und gut, und starb im Frieden Gottes.«

Nun begann auch der Tote zu lesen, was auf dem Grabe stand. Dann nahm er einen Stein vom Wege, einen kleinen, spitzen Stein, und begann emsig an der Schrift zu kratzen. Langsam löschte er sie fort, indem er mit seinen leeren Augenhöhlen die Stelle betrachtete, wo die Buchstaben noch eben gestanden. Und mit der Spitze des Knochens, der sein Zeigefinger gewesen, schrieb er mit flammenden Lettern, wie Zeilen, die man mit einem Streichholz an die Wand malt:

»Hier ruht Jakob Olivant, gestorben im einundfünfzigsten Jahr seines Lebens. Er trieb durch seine Härte, seinen Vater, den er zu beerben wünschte, in den Tod; er quälte seine Frau, peinigte seine Kinder, betrog seine Nachbarn, stahl wo er konnte und starb eines elenden Todes.«

Als der Tote fertig war mit schreiben, betrachtete er unbeweglich sein Werk. Und wie ich mich umwendete, gewahrte ich, daß alle Gräber offen standen, daß alle Leichen herausgestiegen waren, alle die Lügen weggelöscht hatten, die auf den Leichensteinen von den Hinterbliebenen eingegraben worden, um statt dessen die Wahrheit hinzusetzen.

Und ich sah, daß alle, alle Henker ihrer Mitmenschen gewesen, voller Haß, Unehrlichkeit, Heuchler, Lügner, Betrüger, Verleumder, Neider, daß sie gestohlen, betrogen hatten, alles Schmachvolle und Böse vollführt, sie alle diese guten Väter, diese treuen Gattinnen, diese liebevollen Söhne, diese keuschen, jungen Mädchen, diese ehrlichen Kaufleute, – alle diese Männer und Frauen, denen man nachsagte, daß sie tadellos gewesen.

Alle schrieben sie zu gleicher Zeit auf die Schwelle ihrer Erdenwohnung die grausame, furchtbare, heilige Wahrheit, die alle auf der Erde nicht kennen oder thun, als ob sie nichts davon wüßten.

Und ich dachte, daß auch sie, sie, jetzt auf ihrem Grabstein schreibe. Und nun lief ich ohne Angst mitten zwischen den halbgeöffneten Gräbern, zwischen all den Leichen, den Skeletten hin zu ihr, sicher, sie zu finden.

Ich erkannte sie von weitem, ihr Gesicht war in das Schweißtuch gehüllt und auf dem Marmorkreuz, auf dem ich vorhin noch gelesen: »Sie liebte, ward geliebt und starb!« gewahrte ich die Worte:

»Eines Tages ging sie aus, um ihren Geliebten zu hintergehen, erkältete sich bei Regenwetter und starb.«

Bei Tagesgrauen soll man mich ohnmächtig neben einem Grabe gefunden haben…

IN ENGLISCH

Yesterday I returned to Paris, and when I saw my room again — our room, our bed, our furniture, everything that remains of the life of a human being after death, I was seized by such a violent attack of fresh grief, that I was very near opening the window and throwing myself out into the street. As I could not remain any longer among these things, between these walls which had enclosed and sheltered her, and which retained a thousand atoms of her, of her skin and of her breath in their imperceptible crevices, I took up my hat to make my escape, and just as I reached the door, I passed the large glass in the hall, which she had put there so that she might be able to look at herself every day from head to foot as she went out, to see if her toilet looked well, and was correct and pretty, from her little boots to her bonnet.

And I stopped short in front of that looking-glass in which she had so often been reflected. So often, so often, that it also must have retained her reflection. I was standing there, trembling, with my eyes fixed on the glass — on that flat, profound, empty glass — which had contained her entirely, and had possessed her as much as I had, as my passionate looks had. I felt as if I loved that glass. I touched it, it was cold. Oh! the recollection! sorrowful mirror, burning mirror, horrible mirror, which makes us suffer such torments! Happy are the men whose hearts forget everything that it has contained, everything that has passed before it, everything that has looked at itself in it, that has been reflected in its affection, in its love! How I suffer!

I went on without knowing it, without wishing it; I went towards the cemetery. I found her simple grave, a white marble cross, with these few words:

“‘She loved, was loved, and died.

She is there, below, decayed! How horrible! I sobbed with my forehead on the ground, and I stopped there for a long time, a long time. Then I saw that it was getting dark, and a strange, a mad wish, the wish of a despairing lover seized me. I wished to pass the night, the last night in weeping on her grave. But I should be seen and driven out. How was I to manage? I was cunning, and got up, and began to roam about in that city of the dead. I walked and walked. How small this city is, in comparison with the other, the city in which we live: And yet, how much more numerous the dead are than the living. We want high houses, wide streets, and much room for the four generations who see the daylight at the same time, drink water from the spring, and wine from the vines, and eat the bread from the plains.

And for all the generations of the dead, for all that ladder of humanity that has descended down to us, there is scarcely anything afield, scarcely anything! The earth takes them back, oblivion effaces them. Adieu!

At the end of the abandoned cemetery, I suddenly perceived that the one where those who have been dead a long time finish mingling with the soil, where the crosses themselves decay, where the last comers will be put tomorrow. It is full of untended roses, of strong and dark cypress trees, a sad and beautiful garden, nourished on human flesh.

I was alone, perfectly alone, and so I crouched in a green tree, and hid myself there completely among the thick and somber branches, and I waited, clinging to the stem, like a shipwrecked man does to a plank.

When it was quite dark, I left my refuge and began to walk softly, slowly, inaudibly, through that ground full of dead people, and I wandered about for a long time, but could not find her again. I went on with extended arms, knocking against the tombs with my hands, my feet, my knees, my chest, even with my head, without being able to find her. I touched and felt about like a blind man groping his way, I felt the stones, the crosses, the iron railings, the metal wreaths, and the wreaths of faded flowers! I read the names with my fingers, by passing them over the letters. What a night! What a night! I could not find her again!

There was no moon. What a night! I am frightened, horribly frightened in these narrow paths, between two rows of graves. Graves! graves! graves! nothing but graves! On my right, on my left, in front of me, around me, everywhere there were graves! I sat down on one of them, for I could not walk any longer, my knees were so weak. I could hear my heart beat! And I could hear something else as well. What? A confused, nameless noise. Was the noise in my head in the impenetrable night, or beneath the mysterious earth, the earth sown with human corpses? I looked all around me, but I cannot say how long I remained there; I was paralyzed with terror, drunk with fright, ready to shout out, ready to die.

Suddenly, it seemed to me as if the slab of marble on which I was sitting, was moving. Certainly, it was moving, as if it were being raised. With a bound, I sprang on to the neighboring tomb, and I saw, yes, I distinctly saw the stone which I had just quitted, rise upright, and the dead person appeared, a naked skeleton, which was pushing the stone back with its bent back. I saw it quite clearly, although the night was so dark. On the cross I could read:

Here lies Jacques Olivant, who died at the age of fifty-one. He loved his family, was kind and honorable, and died in the grace of the Lord.

The dead man also read what was inscribed on his tombstone; then he picked up a stone off the path, a little, pointed stone, and began to scrape the letters carefully. He slowly effaced them altogether, and with the hollows of his eyes he looked at the places where they had been engraved, and, with the tip of the bone, that had been his forefinger, he wrote in luminous letters, like those lines which one traces on walls with the tip of a lucifer match:

Here reposes Jacques Olivant, who died at the age of fifty-one. He hastened his father’s death by his unkindness, as he wished to inherit his fortune, he tortured his wife, tormented his children, deceived his neighbors, robbed everyone he could, and died wretched.

When he had finished writing, the dead man stood motionless, looking at his work, and on turning round I saw that all the graves were open, that all the dead bodies had emerged from them, and that all had effaced the lies inscribed on the gravestones by their relations, and had substituted the truth instead. And I saw that all had been tormentors of their neighbors — malicious, dishonest, hypocrites, liars, rogues, calumniators, envious; that they had stolen, deceived, performed every disgraceful, every abominable action, these good fathers, these faithful wives, these devoted sons, these chaste daughters, these honest tradesmen, these men and women who were called irreproachable, and they were called irreproachable, and they were all writing at the same time, on the threshold of their eternal abode, the truth, the terrible and the holy truth which everybody is ignorant of, or pretends to be ignorant of, while the others are alive.

I thought that she also must have written something on her tombstone, and now, running without any fear among the half-open coffins, among the corpses and skeletons, I went towards her, sure that I should find her immediately. I recognized her at once, without seeing her face, which was covered by the winding-sheet, and on the marble cross, where shortly before I had read: ‘She loved, was loved, and died,’ I now saw: ‘Having gone out one day, in order to deceive her lover, she caught cold in the rain and died.’”

It appears that they found me at daybreak, lying on the grave unconscious.

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30
Oktober 2014

Deutsche Köche verderben den Brei: The Great British Bake Off

Es gibt sie noch, die Fernseh-Phänomene. Und weil eines davon bei uns fast untergegangen ist, möchte ich es euch heute mal näher bringen. Weil man dabei viel über das Fernsehen lernen kann und über die dummen Vorurteile, die Leute darüber haben.

England ist das Land, in dem zur Primetime Gärtnersendungen und Antiquitäten-Shows ausgestrahlt werden. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen ist vollgepackt mit Dokus über die britische Geschichte und die britische Lebensart. Auch wenn man sich den technischen Möglichkeiten der Zeit angepasst hat, bleibt die Erzählweise dabei immer souverän entspannt. In England ist Fernsehen noch deutlich mehr als bei uns sozialer Kleber, Wir-Gefühl, urbanes Lagerfeuer, Identitätsstifter. Den Großteil des ausländischen Remmidemmi-Fernsehens überlässt die BBC dem Kommerzkonkurrenten Sky.

Die Briten sind stolz auf ihre Fernsehkultur und dokumentieren das gerne mit solchen Clips, die eine Generation hochwertiger Dramen feiern:

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Aber Anspruch und Qualität sind nicht nur die Merkmale aufwändiger Fiction-Produktionen. Man kann auch bei den kleinen Sendungen Liebe investieren und Sorgfalt walten lassen.

Und deshalb ist “The Great British Bake Off” wie “Strictly come dancing” eine Sendung, die nur in Großbritannien erfunden werden konnte. Zehn Amateur-Bäcker mühen sich in ebenso vielen Sendungen, mit allerlei Sorten von Gebäck, Törtchen und Keksen vor den zwei strengen Juroren Mary Berry und Paul Hollywood Gnade zu finden.

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Nun denkt man vielleicht “na ja, so Sachen wie Promi-Dinner haben wir ja auch”. Aber dieser Vergleich könnte falscher nicht sein. “Bake Off” bedient keinen Voyeurismus. Man hofft nicht auf Konflikte, baut keine Bösewichte, bläht keine Nichtigkeiten zum Drama auf. Die Sendung, die Moderatoren – und darüber auch die Zuschauer – LIEBEN ihre Kandidaten, jeden Einzelnen. Der Appeal dieser bezaubernd simplen Show liegt darin, dass wir eigentlich niemanden verlieren sehen möchten.

Jede Folge ist exakt gleich konzipiert: Einführung, 1. Aufgabe (beste Variation einer vorgegebenen Speise), Bewertung, 2. Aufgabe (beste Ausführung eines vorgegebenen Rezepts), Bewertung, 3. Aufgabe (beste Spektakel-Präsentation einer Backware), Wahl des “Star Bakers” und Abwahl des schwächsten Bäckers. Eingestreut ein paar Außenaufnahmen der Location und ein paar Soundbytes der Kandidaten.

60 Minuten kneten, gehen lassen, backen, verzieren. Jede Woche. Was nach keinem Maßstab der Welt mehr als ein animiertes Testbild für das Seniorenprogramm am Sonntag Vormittag sein sollte, hat sich zum Phänomen entwickelt. Nach zwei Millionen Zuschauern auf BBC 2 zum Start der Sendung vor vier Jahren sind die Quoten Jahr für Jahr angeschwollen – das kürzliche Finale der fünften Staffel holte über 12 Millionen auf BBC 1 und ist damit die erfolgreichste TV-Sendung nach Sport. Das ist eine Quote, die in England die Kultsendung “X-Factor” weit hinter sich lässt und in Deutschland “Tatort” und “Wetten dass…?!” genau so auf die Plätze verweist wie “Das Supertalent”.

Ich sage es noch mal: 10 Amateure, die backen. In einem Zelt.

Wo Erfolg ist, ist eine Erweiterung der Marke nicht weit: In englischen Buchläden stehen diverse Hardcover zur Serie, nach der Sendung gibt es einen Interview-Nachklapp mit Jo Brand, es gibt eine Celebrity-Version und ein Spin-Off für Kids. Die Serie läuft mit lokalen Versionen in Irland, Frankreich, Finland, Polen, der Türkei, den USA.

Was “The Great British Bake Off” dabei auszeichnet – Erfolg und Vermarktung haben den Kern der Sendung nicht korrumpiert. Sie wurde nicht aufwändiger gestaltet, durch Product Placement aufgepumpt, oder mit Eigenwerbung angefüllt. Nach fünf Staffeln ist TGBBO immer noch eine “kleine”, sympathische Sendung mit sympathischen Moderatoren und sympathischen Kandidaten.

Klar, dass die Lizenz auch nach Deutschland verkauft wurde. Doch leider landete sie nicht beim WDR oder beim ZDF, wo sie zum Senderprofil und zum Publikum gepasst hätte, sondern auf… SAT.1.

Unter dem Titel “Das große Backen” machte man beim Münchner Sender in der Vorweihnachtszeit 2013 so ziemlich alles falsch, was man falsch machen kann, ohne wirklich was zu verändern (die Lizenz legt den Ablauf der Sendung ja relativ fest).

Weil man dem FilmFilm-Publikum wohl keine Pastetchen zur Primetime zutrauen wollte, legte man die Serie in den Vorabend, kürzte sie auf vier Folgen und holte als Moderatorin SAT.1-Urgestein Britt Hagedorn an Bord, die bisher primär durch eine unsägliche Talkshow und Nackfotos im Playboy aufgefallen war. Ihr stellte man eine mir bis dato unbekannte Frau zur Seite, die laut Internet wohl eine türkischstämmige Comedienne ist. Geballte Back-Kompetenz, man merkt es schon.

Vor allem aber – man entschied sich offensichtlich, dass die Originalfassung erheblich zu truschig sei und man sie ganz dem oft behaupteten Sender-Image gemäß frech und flott gestalten müsse.

Und da kommt dann sowas bei raus:

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Wenn ihr euch jetzt gerade ein kleines bisschen geschämt habt – das ist normal. “Das große Backen” ist sehr augenscheinlich von Redakteuren, die den Reiz des Originals nicht verstanden haben, für den deutschen Markt kaputtoptimiert worden. Quoten und Presse-Echo waren entsprechend verhalten.

Seufz.

Zur Weihnachtszeit 2014 versucht SAT.1 es noch einmal – wieder mit vier Folgen, aber diesmal zur besten Sendezeit und mit Juroren Enie als neuen Moderationsmittelpunkt. Das ist clever, denn die Frau hat wenigstens eine gewisse Grundkompetenz in Sachen Butter, Eier, Mehl und Zucker.

Ich werde mit der LvA mutig und aufgeschlossen mal reinschauen – bis dahin dürften wir auch die restlichen Folgen der britischen Originalversion durch haben. Entzug macht auch Ersatzdrogen attraktiv. Die Erwartungen sind allerdings gedämpft.

Euch lege ich indes erstmal das Original ans Herz:
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23
Oktober 2014

Liebe deutsche Post…

… das mit uns wird nichts mehr. Ich habe mich in diesem Forum schon häufiger über dich ausgelassen, über deine Umständlichkeiten, deine unfreundlichen Bediensteten, über die Unverfrorenheit, mit der du deine Defizite zu meinen Problemen machst. Du bist im schlechtesten Sinne ganz deutsch.

Und heute ist es mal wieder an der Zeit, davon zu berichten.

Ich habe vor einem Monat begonnen, signierte Exemplare meines Buches an verdiente Freunde und Komplizen zu verschicken. Umschläge hatte ich genug, darum schien es mir sinnvoll, die Marken nicht beim Postamt zu kaufen, sondern im Internet – so kann ich die Sendungen direkt in den Briefkasten nebenan werfen und muss nicht zur Filiale latschen. Ich also so zur eFiliale. wie das ganz pfiffig heute heißt. Komplizierte Navigation, unnötig viele Daten werden verlangt, das Popup hat 45 Cent-Marken voreingestellt, obwohl ich den Button “1 Euro” gedrückt habe – das ficht mich nicht an, das habe ich erwartet. Ich bin durch viele Internet-Einkäufe und Buchungen bei sowas gestählt. Nach zwei Minuten habe ich vier Marken für Büchersendungen im Warenkorb und kann diese auch bequem über Paypal bezahlen.

Einen Tag später das gleiche Spiel, diesmal mit nur drei Marken. Aber was ist das? Der Computer sagt nein. Ein Hinweis klärt mich auf, dass ich unter dem Mindestbestellwert von 3,90 Euro geblieben bin. So geht’s nicht. Warum es bei virtuellen Daten und der Bezahlung mit Paypal plötzlich einen Mindestbestellwert geben sollte, erschließt sich mir nicht. Eine Briefmarke ist keine Pizza. Aber kein Problem – die eFiliale hat gleich eine Lösung. Ich solle mich doch beim Portokasse-Dienst der Post anmelden, dann könne ich auch für kleinere Beträge Marken kaufen. Ich müsse nur hier meine Daten, die AgB, Email, Passwort…

Du. Mich. Auch.

Eine Woche später. In Vorbereitung auf unseren Urlaub und den begrenzten Platz im Briefkasten beauftrage ich die eFiliale, unsere Post vom 2.10. bis zum 21.10 zu lagern. Sowohl für meinen Namen als auch den Namen der LvA. Es kostet fast 10 Euro, was ich für eine selbstverständliche und kostenlose Dienstleistungen halten würde. Egal. Ich bekomme eine Bestätigung per Email – alle Daten stimmen. Zwei Tage später bekomme ich die Bestätigung noch mal per Post. Stimmt immer noch. Aber man hat ja offensichtlich genug Ressourcen zu verschwenden.

Es ist schön zu wissen, dass sich während der Ferien daheim nicht die Post stapelt. Zumal wir beide in der Zeit Geburtstag haben, was das Volumen leicht erhöhen dürfte.

Als wir am Montag Abend erschöpft, aber glücklich aus dem Urlaub kommen, steht der freundlich lächelnde Oberkellner vom Thai-Restaurant im Erdgeschoss – mit einem riesigen Packen Post in der Hand: “Habe ich für Sie aus dem Briefkasten geholt”.

Sieh an. Das mit der Lagerung hat wohl nicht GANZ so funktioniert. Trotz der Erholung und der damit verbundenen Milde entschließe ich mich zur Beschwerde. Ich habe ja schließlich für den nicht geleisteten Service bezahlt.

Am nächsten Tag führt mich der Weg beim Postamt vorbei, wo ich ein Päckchen abholen muss. Während ich es entgegen nehme, erwähne ich beiläufig, dass es ganz schön gewesen wäre, wenn die Post während meines Urlaubes auch die Lagerung ordnungsgemäß durchgeführt hätte. Die Mitarbeitern bedauert, damit NATÜRLICH nichts zu tun zu haben und verweist mich an ein kostenloses Service-Telefon an der Wand: “Da werden Sie geholfen.”

Das Service-Telefon ist eine direkte Verbindung zur Post-Kundenhotline. Ich erkläre einer anonymen jungen Dame kurz mein Anliegen, was sie knapp mit “Dann brauche ich die Auftragsnummer der Lagerung” bescheidet. Die habe ich nicht dabei – ich hatte ja nicht erwartet, gleich in den Vorgang gehen zu müssen. Ob man das in der Datenbank nicht auch anhand meines Namens finden könne – der sei ja nicht so beliebig? Natürlich nicht. Ich solle noch mal anrufen, wenn ich die Auftragsnummer habe.

Zuhause suche ich die Auftragsnummer raus, versende sie allerdings samt der Beschwerde per Email an die eFiliale – um meine Nerven zu schonen. Ich warte jetzt gespannt auf die Rückmeldung. Ich er-warte eine Erklärung, eine Entschuldigung, eine Erstattung und eine Entschädigung. Vermutlich bin ich sehr naiv.

But wait! There’s more!

Eben bin ich wieder zum Postamt, weil ich ein signiertes Buch in die Schweiz verschicken musste. Ein Leser hatte mir den von Charles Band signierten Schinken als Hardcover geschickt, um auch noch die Signatur eines der Autoren zu bekommen. Weil er als Dankeschön noch massig Schweizer Schokolade in das Päckchen gelegt hatte, nahm ich das Buch am letzten Wochenende mit nach London, um Primär-Autor Dave ebenfalls den Kuli schwingen zu lassen. So einer bin ich. Und weil ich so einer bin, legte ich dem Leser auch noch ein “Demonic Toys”-Comic in den Umschlag. Hatte ich gerade doppelt.

Der Beamte beim Postamt legt den Umschlag auf die Waage, schaut in seine Liste und grinst schief: “Das ist jetzt aber doof”. Er macht mich darauf aufmerksam, dass ich mit 1098 Gramm fast 100 Gramm über die erlaubte Grenze für Briefsendungen komme und damit 10 Euro mehr zahlen muss. 17 statt 7 Euro. Wegen 98 Gramm. Ich akzeptiere, dass bei 10 Prozent Übergewicht keine Kulanz zu erwarten ist. Der Beamte fragt: “Ist in dem Umschlag vielleicht was drin, was Sie rausnehmen könnten?”

Ich überlege. Na gut, dann bekommt der Schweizer Leser das Comic eben nicht. Ich nehme mein Taschenmesser, schlitze den Umschlag auf und ziehe das Heftchen raus.

Wieder auf die Waage. 1022 Gramm. Ich denke mir: Na, das wird ja wohl gerade so gehen. Der Beamte denkt sich: Na, das geht ja wohl gerade so nicht. Er schiebt mir den Umschlag wieder zu.

Ich überlege noch einmal. 1022 Gramm. Ein Irrwitz. Kurz entschlossen zerre ich die Bubbelfolie auf dem Umschlag, der auch für sich genommen genug Schutz bieten sollte. Das nackte Buch, der nackte Umschlag. Jetzt aber! Jetzt aber?

1011 Gramm. Langsam komme ich mir wie in einem Loriot-Sketch vor. Ich sage betont freundlich: “Bei 11 Gramm Übergewicht fällt das aber doch unter passt schon, oder?”. Der Beamte schüttelt den Kopf, schaut fragend zu seiner Kollegin, die ebenfalls den Kopf schüttelt: “Da gibt’s keine Toleranz.”

Wikipedia: Toleranz, auch Duldsamkeit, ist allgemein ein Geltenlassen und Gewährenlassen fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten.

Keine Toleranz bei der Post – wie deutsch. Dass täglich Millionen Umschläge transportiert werden, die für den vollen Preis WENIGER wiegen als 1 Kilo? Geschenkt. Nach unten offen, nach oben Pech gehabt.

“Na ja, Toleranz ist eine Entscheidung”, sage ich vorsichtig. Die Beamtin sieht das als unangemessene Kritik an ihrer Person: “Dafür sind wir nicht zuständig, da müssen Sie sich mit der Post auseinander setzen”. Ich drehe mich verblüfft einmal im Kreis und frage: “Ich bin hier gar nicht bei der Post?”

Sie besäuft sich sichtlich an ihrer Besserwisserei: “Sie sind hier bei der Deutschen Postbank!”. Ich nicke skeptisch: “Aber meine Post nehmen Sie schon entgegen?”. Sie mauert: “Und die leiten wir dann an die Post weiter”. Ich halte dagegen: “Dann sind Sie eine Postfiliale, die von der deutschen Postbank betrieben wird. Und als solche erwarte ich eigentlich Zuständigkeit in Sachen Postangelegenheiten – allerdings erwarte ich ja auch eine gewisse Toleranz, womit ich offensichtlich schon daneben liege.”

Dem Beamten, der mich eigentlich bedient, wird die Sache merklich unangenehm. Er möchte den Vorgang abschließen: “Können Sie nicht noch was rausnehmen?”. Ich werde nun doch ein wenig grau in der Stimmung: “Soll ich aus dem Buch ein paar Seiten rausreißen?”

Es hat keinen Sinn. Ich pfriemel die Bubbelfolie und das Comic wieder in den Umschlag und bezahle die 17 Euro. Der Beamte legt den Umschlag wieder auf die Waage.

1085 Gramm.

Ich rechne im Kopf nach. Der selbe Umschlag mit dem selben Inhalt (minus ein Streifen Tesa) hat vor drei Minuten noch angeblich 1098 Gramm gewogen. Das macht 13 unerklärliche Minusgramm. Abzüglich des Comics und der Folie wären es demnach jetzt nur noch 998 Gramm. Vermutlich eine Messungenauigkeit der Waage.

Ich denke darüber nach, Stunk zu machen. Eine Prüfung der Waage zu verlangen. Den Manager der Filiale. Irgendwas, um den Betrieb aufzuhalten und dafür zu sorgen, dass die Mitarbeiter ihre Arschigkeit bis zum Feierabend bereuen.

Ich lasse es. Ich bin einfach zu erholt und gut gelaunt.

Aber Post? Ich wünsche dir die Pest an den Hals. Oder wenigstens ein Konkurrenzunternehmen, das dir Beine macht.

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15
Oktober 2014

Kritik: “Space Station 76″

space_station_sevensixUSA 2014. Regie: Jack Plotnick. Darsteller: Patrick Wilson, Liv Tyler, Marisa Coughlan, Matt Bomer, Jerry O’Connell u.a.

Story: Jessica hat sich zur Raumstation 76 versetzen lassen, um dort ihren Dienst als Co-Commanderin zu versehen. Vor Ort steht es nicht zum Besten, denn die Besatzung kümmert sich ausschließlich um die eigenen kleinen Dramen und Problemchen: Commander Glenn trauert seinem Ex-Lover nach, Misty betrügt ihren Gatten mit dem Stations-Stecher, Ted kämpft mit dem Trauma seiner mehr schlecht als recht funktionierenden elektrischen Ersatzhand. Alle Versuche, Ordnung in das Chaos zu bringen, scheitern – und ein riesiger Asteroid torkelt unbemerkt auf die Station zu.

Kritik: Wieder so ein SF-Film, den niemand auf dem Schirm hatte, bis der entzückend gestaltete Trailer samt Filmplakat auftauchte. Zuckerschnute Liv Tyler in einer “Mondbasis Alpha”-Comedy? Retro-Space für Hipster-Nerds? Independent-SF als Hommage an “2001” und “Dark Star”?

shutup

Leider trügt der Schein, wie so oft – was sich konzeptionell bezaubernd liest und nach einem schrägen Vergnügen klingt, entpuppt sich als konzeptloses Abspielen dröger Zwischenmenschlichkeiten, als freudloses Wiederkäuen von Swinger-Suburbia-Klischees der 70er – nur eben auf einer Raumstation. Man schluckt Pillen, betrügt sich, missgönnt dem Nachbarn die Beförderung, etc. Der luftleere Raum ist hier die Dramaturgie, nicht das Weltall.

Es gibt keine Handlung, nur lose Szenen, die wie willkürlich aus einer Seifenoper der 70er geschnitten scheinen. Keine Charakterentwicklung, keine Bögen, keine Steigerung, keine Spannung – konsequenterweise hat “Space Station 76″ auch keine Ende im cineastischen Sinne. Er hört nur einfach irgendwann auf.

Schwer zu beschreiben, wie stickig und leblos der Film wirkt, wie starr die Figuren, wie hölzern die Dialoge. Das braun/beige/grau des Production Designs durchdringt als Stimmung die Atmosphäre, infiziert die Darsteller. Sprach- und Antriebslosigkeit regieren.

Die Schuld an dem Debakel muss man eindeutig Schauspieler Jack Plotnick geben, der hier als Autor und Regisseur versucht, seinem früheren Brötchengeber Quentin Dupieux auf dem Gebiet der Avantgarde-Comedy nachzueifern, deren Avantgarde primär darin besteht, alles auszulassen, was für Comedy gehalten werden könnte. Die zwei, drei gelungenen Szenen ersaufen in einer Abfolge von peinlichen, jedes Timings befreiten Blackouts.

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Das alles ist eine Schande, denn der Film hat das Geld, den Look und die Darsteller für eine wirklich überzeugende Independent-Komödie. Ich würde mich über “Reno 911! – in SPACE!” ebenso freuen wie über “Party down – in SPACE!” oder “It’s always sunny – in SPACE!” oder “The Office – in SPACE!”. Aber das hier ist “Diese Drombuschs – in SPACE!”. Zur Hölle noch mal, “Jupiter Moon” hatte mehr Tempo als diese Schnarchnummer! In SPACE!

Fazit: Wer Quentin Dupieux’ Filme “Wrong” und “Wrong Cops” für großes Kino hält und “Dark Star” zu nervenaufreibend findet, dürfte sich bei diesem handlungsfreien Valium-Vakuum wohl fühlen. Filmfans, die ihre Murmeln beieinander haben, sollten sich vom schicken Retro-Look nicht täuschen lassen. Gelebte Lethargie.

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14
Oktober 2014

Meine persönlichen Top 10: Bücher

Auf Facebook grassieren derzeit Aufforderungen, Listen der Bücher, Filme, Alben etc. zu teilen, die einen persönlich geprägt haben. Also nicht die besten, sondern die eindrücklichsten. Kann man für alberne Ketten-Postings halten, aber man lernt viel über den eigenen Geschmack und den Geschmack anderer, wenn man solchen Listen liest.

An meinen Film- und Musikalbenlisten arbeite ich noch, die über meine relevantesten Bücher habe ich neulich aber schon gepostet. Wenn ich sie heute mit euch teile, ergänze ich sie noch um ein, zwei erklärende Sätze. Alle Titel sind zu Amazon verlinkt, ein Ranking gibt’s nicht.

Bonus:

“Der Gentleman: Handbuch der klassischen Herrenmode”: Als modisch geschmacksbehinderter Jungredakteur in den 90ern hat mir dieses Buch das Leben, den Ruf und die Finanzen gerettet. Hier lernt man die zeitlosen Basics, was Kleidung, Körperpflege, Auftreten und Benehmen angeht. James Bond hat’s garantiert gelesen.

Und wie sieht’s bei euch aus?

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13
Oktober 2014

Kritik: “Autómata”

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USA, Frankreich, Spanien 2014. Regisseur: Gabe Ibáñez. Darsteller: Antonio Banderas, Birgitte Hjort Sørensen, Dylan McDermott, Melanie Griffith, Robert Foster, Tim McInnerny

Story: Jacq Vaucan lebt in einer wenig erstrebenswerten Zukunft: Sonnenstürme und radioaktive Strahlung haben die Erde in eine Wüste verwandelt und die letzten Städte in dystopische Ghettos. Roboter der “Pilgrim”-Serie machen die meiste Drecksarbeit, werden aber wenig geschätzt, seit es ihnen nicht gelungen ist, die allgegenwärtige tote Wüste zurück zu drängen.

Als Versicherungsagent im Auftrag des Herstellers ist es Jacqs Aufgabe, Fehlfunktionen der Maschinen nachzugehen und sicher zu stellen, dass ihre zwei unverrückbaren Protokolle intakt bleiben: “Kein lebendes Wesen schädigen” und “Keine Modifikationen”. Als erste Pilgrim-Versionen auftauchen, die sich scheinbar eigenhändig reparieren können, was dem zweiten Protokoll widerspricht, stößt Jacq in ein Wespennest, denn wenn die Roboter eine Form von Bewusstsein haben, haben sie auch eine Form von Leben und eine Form von Bürgerrechten. Und gegen die Masse und Widerstandsfähigkeit der Pilgrims sähen es für die kläglichen Reste der Menschheit schlecht aus…

Kritik: Es gibt diese “Erwartense nix”-Ecken in der Filmindustrie, bei denen man vorab weiß, was man bekommt. So wie Asylum Trash produziert und Vivid Pornos, so kann man sich bei Millennium drauf verlassen, dass hirntote Haudrauf-Action auf der Scheibe ist. Mal besser, mal schlechter, mal mit Adkins, mal mit Lundgren, mal aus Osteuropa, mal aus Südafrika. Die Budgets sind in den letzten Jahren gestiegen (wie auch bei Asylum und Vivid), aber am Geschäftsprinzip wurde nicht geschraubt, wie man dieses Jahr an “Expendables 3” und “The Legend of Hercules” sehen konnte.

Bis jetzt.

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“Autómata” ist der englischsprachige Erstling des FX-Designers Gabe Ibáñez, dessen Arbeit mich schon vor 15 Jahren bei dem spanischen FFF-Beitrag “Heart of the Warrior” beeindruckt hat. Wie Gareth Edwards in “Monsters” und Neill Blomkamp in “District 9” nutzt er seine Expertise (und vermutlich die Arbeitskraft seiner Posse), um für 15 Millionen Dollar einen Film abzuliefern, der nach Hollywood-Maßstäben locker 75 hätte kosten müssen.

Technisch ist “Autómata” ein absoluter Hingucker, es paaren sich exzellente CGI-Effekte mit grandiosen Panorama-Aufnahmen, überwältigende Locations mit üppigen Sets. Wer als echter Fan genau hinguckt, erkennt auch die New York-Bauten des Nu Boyana-Studios, in dem u.a. “Ninja” und “Expendables 2” gedreht wurden. Da wird am ganz großen Rad gedreht und an keinem Ende sichtbar gespart. Für mich der erste Millennium-Film, der die große Leinwand verdient hat – auch wenn er sie in vielen Märkten vermutlich nicht erreichen wird.

Nicht hoch genug loben kann man Ibáñez’ Darstellung der Pilgrim-Roboter, die wie in “Real Steel” keine Unterscheidung von CGI und praktischen Effekten mehr erlauben. Sind sie Computergrafik, sind sie Animatronic? Die Frage stellt sich nicht mehr. Für den Zuschauer sind sie einfach nur echt. Und als Figuren absolut stimmig.

Die technische Exzellenz wird durch ein paar Darsteller gestützt, die ebenfalls deutlich über Millennium-Niveau arbeiten. Banderas, der sich zuletzt für die Firma in “Expendables 3″ als Maulclown verheizen lassen musste, zeigt starke dramatische Potenz, Dylan McDermott überzeugt als Drecksack mit Polizeimarke, Robert Foster menschelt als Senior der Darstellerriege – und sogar Ex-Mrs.-Banderas Melanie Griffith wringt ein wenig Sympathie aus ihrer starren, den Pilgrim-Robotern unangehm ähnlichen Gesichtsmaske.

Technik & Talent allein machen die Faszination von “Autómata” allerdings nicht aus. Gute, sehr gute, sogar brillante Effekte kann man kaufen, Schauspieler ebenso. Das ist nur eine Frage des Geldes. Aber Ibáñez will mehr als Robo-Thrill. Er hat etwas zu sagen. Über die Natur der Menschlichkeit, über die Limits der Menschen, über das Recht auf Leben und den Übergang einer Spezies auf eine nächste. Er streift Schöpfermythen ebenso wie Bürgerrechte, flechtet grundlegende soziale Prinzipien wie Familie und Solidarität ein.

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“Autómata” ist kein SF-Kracher, es ist ein futuristischer Message-Film im Stile der alten und neuen Klassiker: “I am Legend”, “Blade Runner”, “Planet der Affen”, “Dredd”, “Wall*E”, “District 9″. Die “human condition” ist das Thema, Schauwerte trotz ihres Vorhandenseins zweitrangig. Der Kampf zwischen Mensch und Maschine ist keine Frage der Hardware, der Firepower, sondern des Intellekts und der Anpassungsfähigkeit. Survival of the fittest. To kill something, you have to admit that it is alive.

Das alles erzählt “Autómata” mit erfreulicher Ruhe, fast kontemplativer Ent-Spannung. Es ist ein Film, der nicht auf den Showdown ausgerichtet ist, für den der Weg das Ziel ist. Darum ist es so schade wie folgerichtig, dass er das Ziel ein wenig aus dem Auge verliert, am Ende offen sein möchte, wo der Zuschauer Geschlossenheit vermutlich bevorzugen würde. Man kann sicher darüber diskutieren, ob die vage Message des Finales erfreulichen Raum für Interpretationen lässt, aber mir ist sie deshalb aufgestoßen, weil der Film immer wieder eine deutlich konkretere Reaktion für seine etablierten Katalysatoren andeutet.

An dieser Stelle ergehe ich mich in fiktiven SPOILERN, weil ich zwar nicht erläutere, was der Film erzählt, aber was er in meinen Augen hätte erzählen SOLLEN: Wie bei “Battlestar Galactica” sind die Pilgrims (religiöser Begriff, btw) auf der Suche nach ihrem Schöpfer, dem Wesen, nach dessen Bild sie geschaffen wurde. Der erste experimentelle Roboter, noch ohne die einschränkenden Protokolle und damit quasi allmächtig. Er ist es, den sie mit Hilfe der Nuklearbatterie (Kraft des Atoms, Kraft des Urknalls!) und des Original-Kernels (Funke des Lebens!) auferstehen (!) lassen wollen. Denn nur er ist es, der durch den Mangel des zweiten Protokolls neue Roboter mit neuen Funktionen bauen kann, der die Pilgrims zu vollständigen Wesen machen kann – als Schöpfer der neuen beherrschenden Spezies der Erde. Somit wäre “Autómata” die Genesis, das erste Kapitel der neuen Robo-Bibel.

Aber obwohl Ibáñez alle Elemente für diese große Geschichte einführt, bringt er sie am Ende nicht zusammen und entscheidet sich für ein deutlich kleineres, in seinem Impact deutlich schwächeres Finale. Sein Recht. Sein Film. Was weiß ich denn schon?

Trotzdem ist “Autómata” eine ganz große Überraschung, eine SF-Perle aus dem Nichts, ein schöner Ausklang einer an Highlights nicht gerade reichen Saison.

Wikipedia: “Automata received generally negative reviews from critics“. Fuck that. Ibáñez und besonders Millennium bekommen von mir den verdienten slow dramatic clap:

Slow-Clap

Fazit: Ein erstaunlicher, visuell spektakulärer Mix aus “Blade Runner” und “I, Robot”, in seiner mächtigen Bildsprache und in der Konzeption mit “District 9″ vergleichbar. Die thematische Zerfaserung im letzten Akt ist verzeihlich.

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8
Oktober 2014

Where in the world is Wort Vogel?

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A) Paris?

B) Jersey/Guernsey?

C) London?

D) All of the above?

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27
September 2014

Blockbuster-Rückschau: Zu spät, zu kurz, zu blah

Amazing Spider-Man 2

Spiderman 2Man sollte meinen, dass Sony nach vier “Spider-Man”-Filmen halbwegs den Bogen raus hat – oder dass sie wenigstens die gröbsten Fehler der Raimi-Trilogie nicht wiederholen. Leider scheinen sie entschlossen, aus der Geschichte nicht zu lernen – und sind deshalb verflucht, sie zu wiederholen.

“The Amazing Spider-Man” isst ein grundsolider, unterhaltsamer, wenn auch sehr flacher Film, dessen größtes Problem darin liegt, dass er eine Origin-Story erzählt, die wir zu oft schon gesehen haben. Aber er macht auch viel richtig: Stone und Garfield sind deutlich massenkompatibler als Maguire und Dunst, die akrobatischen Szenen sitzen, das Kostüm wirkt realistischer, und Lizard ist ein vergleichsweise cooler Gegner.

Wo sich Raimis Trilogie mit “Spider-Man 2″ zu ihrem Höhepunkt steigerte, um zum Ende der Trilogie bös abzustürzen, ist “The Amazing Spider-Man 2″ erschreckend lustlos. Er scheint kein Gespür zu haben, wie er die große Geschichte von Peter Parker weiter erzählen will und verliert sich im klein-klein. Diverse Mini-Dramen ersetzen eine echte Handlung, ein Overkill an Bösewichten nervt wie in so vielen Superhelden-Filmen und die großen Action-Setpieces sind solide inszeniert, aber ohne wirklichen Wumpf.

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Ein richtiges Ärgernis ist dabei Electro. Abgesehen davon, dass er mit der Comic-Vorlage nichts zu tun hat, ist Jamie Foxx’ Nerd-Wissenschaftler derart überholt und kitschig, dass man ihn eher in alten “Superboy”-Comics verorten würde. Schon klar – für teenager-taugliche Blockbuster muss man mit dem groben Pinsel arbeiten, aber den hier haben die Autoren bestenfalls ins Skript gespuckt.

Doch trotz der vielen Schwächen ist auch ASM2 gutes Entertainment. Das Tempo ist hoch, viele Gags sitzen, Peter und Gwen sind ein nettes Paar und es nervt kein Bay-Overkill. Solide ist in diesem Fall ein positives Attribut. Und eine weitere Fortsetzung willkommen.

Sin City: A dame to kill for

Sin City 2Ich weiß: Niemand hat den Film gewollt, er kommt mindestens fünf Jahre zu spät, Frank Miller ist ein Arschloch und in den USA ist “Sin City 2″ gefloppt. Können wir uns den Film trotzdem mal vorurteilsfrei anschauen?

Rein oberflächlich ist der neue Film “business as usual”: Comic-Noir in schwarzweiß, mit Farbeffekten als Hingucker, viel CGI und Voiceover. Mehrere Geschichten aus dem “Sin City”-Universum werden mehr oder weniger souverän verknüpft, unwirsches Zentrum ist Katie’s Bar und Dauergast Marv, der immer dann geholt wird, wenn tumbe Gewalt vonnöten ist.

Leider trägt “Sin City 2″ auch deutlich mehr die Handschrift von Frank Miller, sackt von der Hommage ständig in die Farce ab und überzieht die Comic-Elemente so lange, bis das Drama völlig impotent wird. Stilmittel, die im ersten Film noch sehr sorgfältig eingesetzt wurden, sterben einen melodramatischen “je mehr, desto besser”-Tod. Frauen sind Beute, Männer sind melancholische Schläger, die Bösen haben die Macht, die Nacht endet niemals – nur noch Standards, kein Wow-Effekt. Oft genug näher an Millers grandios vergeigtem “The Spirit” als am Original.

Vor allem der permanente, von der eigenen Gravitas besoffene Voiceover nervt massiv und ja – man kann sich an Eva Greens Brüsten satt sehen. Jessica Alba schafft es erneut, 90 Prozent ihrer Screentime als Stripperin auf der Bühne zu verbringen, ohne auch nur eine Pobacke auszupacken. Marv ist keine tragische Figur mehr, nur noch ein Comic-Katalysator, ein tumber Haudrauf, der die einzelnen Episoden mühsam zusammen hält.

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Aber trotz der weitgehend vernichtenden Kritiken und der offensichtlichen Defizite möchte ich “Sin City 2″ damit nicht einfach abhaken. Denn er ist trotz allem monströs unterhaltsam, auf prollige Weise rasant und angefüllt mit Bildkompositionen, die man sich screenshotten und als Wallpaper verwenden möchte. Im Vergleich zur Escort-Lady “Sin City” ist “Sin City 2″ eine billige Schlampe – was eben nicht heißt, dass man mit ihr nicht verdammt viel Spaß haben kann. Und es ist hochgradig erfreulich zu sehen, wie Joseph Gordon Levitt selbst inmitten der härtesten Kerle Hollywoods nicht abstinkt, sondern eine der besten Performances des Films abliefert.

Kein Vergleich mit “Sin City”, aber allemal einen launigen Abend wert.

Expendables 3

Expendables 3Ich bin damit relativ allein, aber ich fand schon “Expendables 2” redundant und den Charme mangelnd, den die Idee, große Actionstars noch EINMAL zusammen zu bringen, ausmacht. Und “Expendables 3″ ist der nächste konsequente Abstieg einer Franchise, die niemals eine Franchise hätte sein dürfen und die ad acta gelegt werden sollte, bevor sich alle Beteiligten mit dem Frauen-Spinoff “Expendabelles” blamieren. Wenn Asylum dir nicht mehr hinterher läuft sondern dich überholt, dann ist der Zug abgefahren.

“Expendables 3″ ist ein schwacher Abklatsch der Vorgänger, der um der Jugendfreigabe willen die Comic-Gewalt runterfährt, auf Quantität statt Plausibilität bei den Gaststars setzt und endgültig nichts mehr zu erzählen hat. Mit dem “neuen” Team wird das Grundprinzip der Expendables ad absurdum geführt, mit dem Bodycount 0 bei den Altstars sowieso – der Rest ist Budenzauber in bulgarischen Industriebrachen, der auch nicht besser aussieht als in diversen Seagal-Regalfüllern. Bei der CGI ist manchmal derart geschlampt worden, dass man unterstellen muss, dass die Produzenten angesichts der zu erwartenden Einspiel-Rückgänge schon mal vorsorglich das Budget runtergeschraubt haben.

Fuck it – Stallone macht sich nicht mehr mal mehr die Mühe, den typischen Barney Ross-Look anzunehmen. Harrison Ford ist ein alter Mann, Wesley Snipes offensichtlich im falschen Film und Mel Gibson strahlt zwar immer noch angemessen Machismo aus, ist als Gegner im finalen Fight aber nicht ansatzweise so überzeugend wie van Damme im Vorgänger. Und wen bitte sollen die jungen Hüpfer aus dem neuen Team scheren?

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Ähnlich wie “Transporter 3″ oder “Sin City 2″ wirkt “Expendables 3″ nicht wie eine konsequente Fortsetzung, sondern wie ein preiswerter, aber schlechterer Abklatsch der ersten Teile. Weil die Luft raus ist. Weil Stallone das eh schon dünne Konzept weit über sein Verfallsdatum hinaus ausgelöffelt hat. Bei aller Sympathie: Lasst es gut sein!

Und die Sache mit der blitzsauberen Raubkopie Monate vor dem Kinostart, die dem Film angeblich die Einnahmen versaut hat? Aw, shut up. It’s the movie and you know it.

Godzilla

Godzilla

In manchen Dingen bin ich ein Nerd wie jeder andere – als die Nachricht kam, “Monsters“-Regisseur Gareth Edwards werde den neuen “Godzilla”-Film drehen, war meine Reaktion: “Wer auch sonst?”. Der Mann hatte mit seinem Erstling eine Liebe zum Kaiju bewiesen, die im Westen zumindest selten ist – und das mit einem eigenen ganz eigenen Stil verbunden. Für nicht mal 50.000 Euro Budget.

Das Studio hat es auch gut verstanden, Look & Story so lange geheim zu halten, dass sich ein regelrechtes Godzilla-Fieber entwickeln konnte. Und selbst Hardcore-Gegner des japanischen Stadterneuerers ließen sich zumindest zu der Aussage hinreißen, schlechter als der Emmerich-Godzilla könne die 2014er-Variante ja kaum werden.

Und dann kam “Godzilla”. Und ging wieder. Und die Kritiken waren… meh. Ich habe selten einen Film gesehen (vielleicht abgesehen von “Man of Steel”), bei dem man den Reviewern (Profis und Fans alike) derart anmerkte, dass sie den Film lieben WOLLTEN, es aber in letzter Konsequenz nicht fertig brachten. Es wurde so penetrant auf gelungene Momente verwiesen, dass man damit umso deutlich auf die langen Strecken im Mittelteil gestoßen wurde, in denen der Film nichts zu erzählen hat.

Manchmal reicht Liebe zum Genre einfach nicht aus. Ein Blockbuster muss als Blockbuster funktionieren – und “Godzilla” findet nie den richtigen Fokus.

Statt des normalen Trailers poste ich an dieser Stelle mal den “Honest Trailer”, denn der trifft es sehr gut:

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Keine 12 Minuten Godzilla in einem Film von mehr als 120 Minuten Laufzeit. Need I say more?

Edwards’ “Godzilla” verbringt zuviel Zeit mit Figuren, die uns nicht scheren, die aber IMMER zufällig zur rechten Zeit am rechten Ort sind, um ehrfürchtig dahin zu schauen, wo wir fast einen Blick auf Godzilla erhaschen könnten, wenn nicht Hochhäuser, Nebel, Dunkelheit oder Wasser dazwischen wären.

Das, was wir wirklich sehen wollen – Godzilla SMASH! – wird uns zu lange vorenthalten, wird mit zuviel Ehrfurcht behandelt, als dass es die kindliche Freude an der Zerstörung wecken könnte, die es für einen “Godzilla”-Film einfach braucht.

Und so entwickelt sich “Godzilla 2014″ immer mehr zu einer vom Respekt vor der Vorlage verkrüppelten, steifen und bemühten Kaiju-Hommage, die erst ganz weit im letzten Akt in die Puschen kommt und den Zuschauer durch einen wunderbaren Monsterfight gerade soweit hochpuscht, dass er glaubt, einen gar nicht so schlechten Film gesehen zu haben. Aber wenn das Adrenalin nachlässt, setzt der Frust ein.

Unglaublich, aber wahr: “Godzilla 2014″ mag der authentischere Godzilla-Film sein und das beste Godzilla-Design der letzten 30 Jahre mitbringen – aber der Emmerich-Film war der bessere Blockbuster.

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27
September 2014

Gold! Beute für die Band-Komplizen

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Es hat fast ein halbes Jahr gedauert, aber endlich sind sie da – 20 von ALLEN Autoren UND Charles Band signierte Exemplare des Buches “Empire of the B’s“. Es sind die einzigen weltweit. Sie sind von Los Angeles nach Utah gereist, von dort nach London und schließlich zu mir nach Speyer, wo ich sie eben frisch signiert habe.

Ich hoffe, morgen mindestens die Hälfte an die Menschen rausschicken zu können, die mich auf dem langen Weg von der Idee bis zum druckfertigen Exemplar begleitet haben – ihr wisst, wer ihr seid.

Was passiert mit den restlichen Exemplaren? Vier oder fünf werde ich sicher für mein eigenes Archiv behalten. Wer weiß, wozu die mal gut sein werden. Und den Rest bringe ich unter die Leute – ob in Form von Verlosungen oder Versteigerungen für einen guten Zweck, das muss ich mir noch überlegen. Auf jeden Fall werden regelmäßige Leser meines Blogs einen Heimvorteil dabei haben.

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26
September 2014

Das Wortvogel-Manifest: Wofür ich stehe (4)

Ja, der letzte Teil ist eine Weile her – Umzug nach Speyer, Fantasy Filmfest und familiäre Notwendigkeiten haben meinen Blogfluss ein wenig gebremst. Ich muss ja auch noch Geld verdienen und Artikel wie diesen tippt man nicht mal eben in zehn Minuten. Aber keine Sorge: Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch – und für die nächsten acht Jahre geht mir das Material auch nicht aus, versprochen.

Genau: Der Vogel ist während des Fantasy Filmfest 2014 acht Jahre alt geworden. So eine flegelige Rotznase…

Heute will ich mit euch unter anderem über

Accountability

sprechen, also Verantwortlichkeit und Rechenschaft. Dass es daran mangelt, habe ich in den anderen Teilen dieser Reihe ausreichend moniert. Angesichts der Pläne der Regierung, mit der PKW-Maut marode Brücken zu sanieren, die gar nicht marode sein dürften, und der beschämenden Einsatzunfähigkeit der Bundeswehr habe ich mir einen frischen Ansatz dazu ausgedacht.

Wir müssen die staatlichen Aufgaben, Befugnisse und Verpflichtungen neu verteilen. Es muss Dringlichkeitsstufen geben, Prioritäten, deren Einhaltung nicht wünschenswert, sondern bindend ist. Ohne A kein B, oder um es polemisch zu sagen: Ohne kostenlose Schulbücher keine Kampfpanzer.

Mit würde da ein Stufensystem vorschweben, vielleicht mit drei Stufen, ob 1 bis 3 oder A bis C ist völlig irrelevant. Stufe 1 benennt die grundlegendsten Aufgaben des Staates: Alle Bürger müssen im und vom Rechtsstaat geschützt werden, jeder hat das Recht auf Essen und Unterkunft, die Behörden funktionieren, grundlegende analoge und digitale Infrastrukturen sind gesichert. Die “basics”, wenn man so will.

Nun kann man meinen, dass das ja sowieso klar ist. Aber mein Stufensystem ist auch für die Ausnahmesituationen gedacht – sollte das System mal zusammen brechen, haben die Aufgaben der Stufe 1 absolute Priorität. Sacken die Haushaltseinnahmen weg, sind diese Bereiche nicht verhandelbar. Eine Regierung, die Stufe 1 nicht bedingungslos garantieren kann, ist handlungsunfähig.

Wichtig: Stufe 2 steht nicht NEBEN Stufe 1, sondern DANACH. Erst wenn Stufe 1 “sitzt”, kommt Stufe 2. Weitere Selbstverständlichkeiten: Forschung und Lehre, Bildung, soziale Leistungen über das Mindestmaß hinaus, Förderung strukturschwacher Regionen, Erhalt von Kulturgut und historischem Bauwerk.

Auch hier gilt: Wenn es irgendwo in Stufe 1 oder 2 hakt, wird Stufe 3 nicht gezündet oder automatisch finanziell so lange beschnitten, bis die Stufen 1 und 2 bedient sind. Das wird durch unabhängige Expertengremien laufend überprüft. Solange noch eine Autobahnbrücke als “marode” eingestuft wird oder eine Schule aus Personalmangel keinen Sportunterricht mehr anbieten kann, ist Stufe 3 der Topf, aus dem die notwendigen Mittel geholt werden. Oder anders ausgedrückt: Solange die Hörsäle überfüllt sind, fährt auch der Minister nur einen VW Polo.

Stufe 3 ist das, was ich die Luxusstufe nenne. In die fällt alles, was in einem wohlhabenden Land wünschenswert, aber eben nicht lebensnotwendig ist: Subventionen, Kulturförderung, Rüstung, milliardenschwere Neubauten für die Regierung, Repräsentation von Land und Staat. Das ist alles in Ordnung und normal – aber eben nur, solange Stufen 1 und 2 bedient sind. Und da darf es keine Diskussionen geben.

Der Staat ist zuerst einmal für ALLE Bürger da, dann für bestimmte Gruppen, dann für sich selbst – so kann man die Stufen nämlich auch definieren. Nur gerät diese Reihenfolge immer wieder durcheinander.


Thema 2 scheint Thema 1 zu widersprechen, aber nur scheinbar. Es mag jetzt klingen, als würde ich sinnloser Geldverschwendung das Wort reden, aber mir geht es darum, dass Staatsführung nicht nur Haushaltsführung ist, sondern auch Mentalitätsführung, Psychologie.

Ich glaube daran, dass es wichtig ist, dass sich die Bewohner eines Landes als Volksgemeinschaft begreifen, dass sie einen (sicher oft irrationalen) Stolz empfinden, Bewohner von Land X und nicht Land Y zu sein. Das ist den Religionen nicht unverwandt, die sich ebenfalls allesamt als auserwählt und besser betrachten, was aber nur dann ein Problem wird, wenn sie diese Sicht auch nach außen pressen.

Nationalstolz ist nicht schlecht, dumpfer und grundloser und von der billigen Abgrenzung gespeister Nationalstolz ist schlecht. Die Franzosen halten sich “le grande nation”, die Amerikaner ihr Land sowieso für “the greatest country in the world”. Das basiert nicht auf Fußballergebnissen oder Einbildung, sondern auf Errungenschaften, auch wenn sie lange her sein mögen: Französische Revolution, Mondlandung, Martin Luther King, Eiffelturm, ALF.

Wir? Haben Goethe, Schiller und eine verdammt gute Verfassung. Vor ein paar Jahren noch die Wiedervereinigung, aber da ist schon ziemlich der Lack ab. 70 Jahre ohne Krieg? Es ist schwer, ein Volk für etwas zu begeistern, dass man NICHT gemacht hat.

Wenn wir wollen, dass der Nationalstolz (so er denn gewünscht ist) kein rückwärtsgerichteter und in seiner Unaktualität frustrierter sein soll, dann wird es Zeit, dem Klein-Klein des Tagesgeschehens etwas entgegen zu setzen. Wir brauchen

Leuchttürme

Leuchttürme sind Projekte, mit denen ein Land sich herausfordert. Die ihm Geld, Mut und Schweiß abverlangen, ohne einen direkten Gegenwert zu liefern. Die von spießigen Biedermännern mit “Davon könnte man aber auch so und so viele Kindergärten bauen” kleingeredet werden.

Unser Land droht am Parkinsonschen Gesetz zu ersticken – das System beschäftigt sich immer mehr mit sich selbst, saugt seine eigenen Profite aus, verbrennt Energie beim Versuch, Energie herzustellen. Die Folge dauerhaften Wohlstands ist Stillstand.

Leuchttürme sind NICHT die Elbphilharmonie, der Berliner Flughafen oder ein Transrapid zum Münchner Flughafen. Größe ist gefragt, nicht Gigantomanie.

Was sind Leuchttürme dann? Ich kann es nicht sagen, weil ich es nicht sagen will. Weil ein Leuchtturm eine gemeinschaftliche Entscheidung sein sollte. Sich einlassen auf etwas, das teuer wird, schwer und von vielen als “unmöglich!” verlacht. Etwas, das Vision fordert – und nicht in der größenwahnsinnigen Form von Hitlers Hauptstadt Germania:

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In einem Land, das derart vom Mikromanagement lebt wie unseres, braucht es für Leuchttürme auch politischen Mut, neue Wege zu gehen. Dann müssen Politiker Hürden nehmen und Bürger sich verkneifen, gegen jedes neue Straßenschild eine Bürgerinitiative zu gründen. Wir brauchen einen Ausbruch aus der “Veränderung gerne – aber doch nicht bei MIR!”-Mentalität.

Komplette Abkopplung heimischer Energieversorgung vom Öl? Städteplanerisch wagemutiger Neubau einer neuen “Ost-Hauptstadt” zu Belebung brachliegender Regionen? Bau eines überregionalen Schnellbahnnetzes, das nur die Metropolen verbindet – mit anschließendem Eurotrain von Finnland bis Gibraltar? Komplettverzicht auf eine Armee, die wir seit 70 Jahren nicht gebraucht haben, die aber im Haushalt den zweitgrößten Kostenfaktor darstellt? Komplette Freigabe von Drogen und Entkriminalisierung von Süchtigen?

Nicht Anführer sein, sondern Vorbild. Auf neuen Wegen gehen, nicht auf ihnen marschieren. Nicht auf Lorbeeren ausruhen, sondern nach vorne schauen. Und wenn es geschafft ist, dürfen alle 80 Millionen (und nicht nur die 200.000, die vielleicht aktiv dran beteiligt waren) sich wie einem WM-Sieg auf die Schulter klopfen. Wir.

Es ist mehr machbar, als wir glauben – wenn wir wieder anfangen, daran zu glauben.


Weil das jetzt alles sehr pathetisch und mit der groben Kelle ausgeteilt wurde, möchte ich noch zwei kleinere Denkanstöße in die Runde werfen.

Fangen mit dem leidigen Thema

Kleidergrößen

an. Dass die Angaben auf den Labels nicht nur europaweit, sondern auch weltweit vereinheitlicht gehören, ist eine Binsenweisheit. Ich finde es geradezu albern, wenn ich in einer Jeans einen zigarettenschachtelgroßen Tag finde, der mir die Größe in zehn verschiedenen Codes für zehn verschiedene Länder anzeigt.

Wichtiger ist aber: Die Größeneinheiten müssen verbindlich aus konkreten Zahlen und keinen Verhältnisangaben bestehen. S, M, L, X – klingt verführerisch einfach. Ist aber scheiße. Weil es nur aussagt, dass S die kleinste Größe ist und (hoffentlich) kleiner als M, L und X ist. Es sagt nichts darüber aus, WIE GROSS S ist. Es ist auch nur EINE Angabe, die vielleicht die Länge der Hose meint, nicht aber die Bundweite. Oder das Volumen?

S, M, L und X können von den Herstellern beliebig interpretiert werden, oft genug ist “S” das, was eigentlich M wäre – aber man möchte die Kundin erfreuen, dass sie in S passt. Taschenspielerei. Blendwerk.

Und was genau soll “slim fit” überhaupt heißen?

Ich fordere verbindliche Kleidergrößen mit metrischen Angaben und klarem Bezug – bei Hosen z.B. Bundweite in Zentimetern, Länge in Zentimetern, Beindurchmesser in Zentimetern. Bei Hemden Kragenweite, Brustumfang, Ärmellänge.

Nun werden einige stöhnen und sagen “Was hat der Dewi denn schon wieder – gerade bei Hosen steht es doch in Inches immer drin!”. Das stimmt. Es ist nur Makulatur, weil die Zahlen oft genug keinen Bezug zur Realität haben. Auch bei den Inches werden gerne 34 als 32 verkauft, weil der Kunde im Gedanken, die Diät sei erfolgreich, eher zum Kauf neigt.

Ich liebe es, wenn eine Verkäuferin mir sagt “Die 32er fällt bei dieser Hose eher weit aus”. Dann habe ich die Gelegenheit, meinen “32 ist eine mathematische Angabe, die kann nicht klein ausfallen, so wie 4 auch keine eher klein ausfallende 5 ist”-Rant abzulassen. Während man über “Größe M” diskutieren kann, ist “32 Zoll Bundweite” eigentlich nicht verhandelbar. Außer in jedem Modeladen, in dem ich in den letzten 30 Jahren eingekauft habe.

Also: Metrische Angaben für alle relevanten Größenangaben verpflichtend machen und die Hersteller beim Verstoss richtig ran nehmen. Der positive Nebeneffekt wäre: Man könnte tatsächlich blind online Hosen kaufen. Weil die passen, wenn man die richtige Größe angeklickt hat.

Und wenn jetzt jemand fragt “Was hat der denn immer mit Hosen?” – ich muss heute noch eine Hose kaufen gehen.


Der letzten Gedankenanstoß für heute kommt aus der Ecke “Verpflichtung zum sozialen Miteinander”. Dass wir nicht alles tun können, was wir tun wollen, ist klar – aber wir sollten wenigstens tun müssen, was wir tun können, um auch die Schwächsten der Gesellschaft mit durch zu bringen.

Ich finde Die Tafeln gut. Toll, dass es sie gibt – schlimm, dass es sie geben muss. Weil unsere Gesellschaft generell nichts wegschmeißen sollte, woran es Menschen mangelt. Das kann Essen sein, Medizin, aber auch mein altes Smartphone.

Aber Die Tafeln sind nur ein erster Ansatz. Millionen Tonnen Lebensmittel landen jedes Jahr auf dem Müll. Vieles aus Privathaushalten, aber auch massenhaft Joghurts und Wurstwaren, deren Verfallsdatum gekommen ist. Sie sind nicht schlecht oder schädlich, aber kaufen mag sie auch niemand mehr. Ähnliches gilt für Obst und Gemüse, das unperfekt und angebatscht aussieht. Daran greifen die Konsumenten notorisch so lange vorbei, bis es im Container landet.

Meine Idee wären nun

Konsum-Bistros

in allen großen Supermärkten. Kleine Cafés, deren Angebot sich komplett aus Waren zusammen setzt, die tagesaktuell aus den Regalen geräumt werden müssen. Die B-Äpfel werden zu Apfelsaft und Müsli-Beigabe verarbeitet, die Wurst kommt auf überzählige Brötchen, Kohl und Gurken werden als Juice-Smoothie in die letzte Runde geschickt. Das alles zu Preisen, dass es sich deckt, aber so günstig, dass die Kunden einen klaren Anreiz haben, nach dem Einkauf kurz einzukehren.

Die Konsum-Bistros müssen nicht mal den Supermärkten selbst angeschlossen sein, sondern könnten als kleine Cafés selbstständig arbeiten – auch wenn dann natürlich sicher gestellt werden müsste, dass sie mit dem Konzept keine wettbewerbsverzerrende Konkurrenz zu “normalen” Bistros darstellen. Und am Ende muss auch die Energiebilanz stimmen.

Es wird nie möglich sein, den Ausschuss eigentlich verbrauchsfähiger Waren auf 0 zu senken. Aber es könnte auch eine nationale Aufgabe sein, die Zahl zumindest jährlich aufs immer Neue zu unterbieten. Wo ist der Sportsgeist?

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25
September 2014

Lost in Time (13): 50 Serien, die ihr verpasst habt

Heute geht es mal um zwei Serien, die durchaus repräsentativ für den Zeitraum ihrer Entstehung sind und über die ich auch wenig aus dem Nähkästchen plaudern kann. Beide wurden von deutschen Top-Regisseuren produziert, die es nach Hollywood gezogen hatte. Und beide belegen sehr schön, dass sich Kinoerfolg nicht so leicht ins Fernsehen übertragen lässt.

The Visitor

Als Roland Emmerich zusammen mit NBC 1997 seine erste TV-Serie ankündigte, war zumindest das SF-Fandom relativ überrascht: Hatte der Schwabe nicht mehrfach angekündigt, “Raumpatrouille” auf die Fernsehleinwände zurück zu bringen?

Hatte er. Aber nach mehr als einem Jahr zähem Ringen mit ProSieben hatte man sich einfach nicht auf ein Finanzierungskonzept einigen können. Ich war damals beim Sender und peripher an dem Projekt beteiligt – Emmerich verlangte derart viel Budget und wollte im Gegenzug nur derart wenig Rechte abtreten, dass sich die neue “Raumpatrouille” unmöglich für uns gerechnet hätte. Man hätte “Raumpatrouille” nur als prestigeträchtigen Verlustbringer fahren können – und das war dem Sender zu riskant. Am Ende muss ja auch was rumkommen.

Wie weit war das Projekt gediehen, als es abgeblasen wurde? Es gab ein Pilotdrehbuch (“Baptism by fire”), einen Regisseur für die erste Folge (Ben Burtt - auf Emmerichs strikten “Wunsch”) und ein paar Pläne für den Verlauf der Serie. Ich selbst war vom ersten Skript, an dessen Autor ich mich leider nicht mehr erinnern kann, extrem enttäuscht. Das war nicht Raumpatrouille, das war Star Trek. Ein TNG-Klon über ein eine gemischte Crew, die mit ihrem Raumschiff dorthin fliegt, wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist. Die Updates des Konzepts eliminierten alles, was man bis dato mit “Raumpatrouille” assoziierte. Warum eine Serie neu auflegen, wenn man dafür alles aus dem Fenster schmeißt?

So ist zumindest meine Erinnerung.

Aus “Raumpatrouille” wurde also nix – und Emmerich tauchte plötzlich bei NBC mit “The Visitor” auf, einer Serie, die sich eher an “Akte X” orientierte und dem Mystery-Boom der 90er aufs Trittbrett stieg. Hauptdarsteller John Corbett war in “Ausgerechnet Alaska!” positiv aufgefallen, der Sender ließ sich auf mindestens 13 Folgen verpflichten – und doch wurde ein massiver Flop draus.

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Sieht man sich “The Visitor” heute an, ist die Serie sehr schlecht gealtert. Das ist wirklich tief in den 90ern verwurzelt, hat keine spannenden Figuren oder gute Dialoge zu bieten – und trotz des betriebenen Aufwands wird bei den Actionsequenzen und den Effekten auch kein Baum ausgerissen. Das ist zu weichgespült.

In Deutschland schaffte es “The Visitor – Die Flucht aus dem All” nicht in die Primetime. Die 13 produzierten Folgen liefen zuerst auf Premiere, später wurde sie am Wochenende nachmittags bei ProSieben verbrannt.

The Agency

Hinter “The Agency – Im Fadenkreuz der C.I.A.” steckt Wolfgang Petersen, der damals im Gespräch war, für Tandem Communications die “Ring der Nibelungen”-Miniserie zu produzieren. Ich habe ihn zweimal in LA getroffen (einmal zum Essen, einmal auf dem Warner Lot bei den Dreharbeiten zu “Perfect Storm”). Ein sehr netter, bodenständiger Typ. Als klar wurde, dass er sich auch mal an einer Serie versuchen wollte (wenn auch nur in produzierender Kapazität), hofften wir natürlich zuerst auf eine TV-Version von “In the Line of Fire”. Der Eastwood-Thriller bot sich prima als Basis einer wöchentlichen Show über einen Ex-Präsidenten-Bodyguard in Washington an. Die 90er waren ja auch das Jahrzehnt aufwändiger “crime procedurals” wie “Law & Order” und “New York Cops”. So in der Art stellten wir uns das auch vor – nur mit ein bisschen mehr Politik.

Natürlich hätte man die Serie nicht mit Eastwood besetzen können – aber “Hunter” war als Abklatsch von “Dirty Harry” ja auch jahrelang erfolgreich gewesen.

Daraus wurde aber nichts, die Rechte für “In the Line of Fire” waren nicht zu bekommen. Statt einer 180 Grad-Wende entschieden wir gemeinsam, das Kind nicht mit dem Bad auszuschütten und eine Serie im Stil von “In the Line of Fire” zu stemmen. Gleiches Konzept, ähnliche Figur, andere Rollennamen. Titel der Serie: “Potomac”. Auch hier wurde ein Pilotdrehbuch geschrieben, das ich ausnahmsweise mal richtig gut fand. Es traf den Ton von “In the Line of Fire” exzellent, war spannend, ohne übertrieben aufgeblasen zu sein und legte ein paar schöne Köder für die größeren, übergreifenden Plots der Serie aus. Der Pseudo-Eastwood-Charakter bekam eine Journalistin (?) zur Seite gestellt, mit der sehr offensichtliche erotische Spannung besteht – nur leider finden wir in der letzten Szene des Piloten heraus, dass sie verheiratet ist.

Es war zwar nicht sicher, aber wir hofften natürlich darauf, dass Petersen die Zeit finden würde, zumindest den Pilotfilm von “Potomac” als Regisseur zu übernehmen. Qualitativ gut genug war das Skript dafür allemal.

Ich weiß nicht mehr, warum die Entwicklung von “Potomac” dann eingestellt wurde. Vielleicht biss in den USA kein Sender an (was mich überrascht). Es verlief im Sande und Petersen produzierte schließlich für CBS die CIA-Serie “The Agency”.

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Es lohnt sich wirklich, auf den Titel der Serie oben zu klicken und den Wikipedia-Eintrag zu lesen. “The Agency” hatte das große Pech, sechs Tage nach den Angriffen von 9/11 zu starten, was sofortige Änderungen im Produktionsplan und Nachdrehs verursachte. Zum Ende der ersten Staffel wurde das Konzept noch mal deutlich überarbeitet, Hauptdarsteller Gil Bellows verließ die Show. Sowas nennt man wohl “schlechtes Karma”.

“The Agency” ist nicht schlecht, aber ähnlich wie “The Visitor” erstaunlich kantenfrei und belanglos. Als würden Hollywood-Regisseure die Mechanismen von TV-Serien nicht verstehen oder als hätten sie zuviel Angst, sich die Finger zu verbrennen. Nur kein Risiko eingehen! Da Petersen seine Karriere in den 70ern als TV-Regisseur kontroverser Dramen begonnen hat, sollte man das eigentlich ausschließen können.

44 Folgen lag schleppte sich die Serie mühsam dahin, in Deutschland lief sie erst anderthalb Jahre später erfolglos bei RTL2.

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23
September 2014

Apothekerpreise

Es ist keine neue Erkenntnis und allemal das Recht des Marktes, das Preise variieren. Den teuersten Ketten-Burger meines Lebens habe ich am Flughafen von Antalya gegessen. Der Preis eines Produktes richtet sich eben nicht nur nach den Herstellungskosten, sondern auch nach der Ladenmiete und den lokal zu zahlenden Löhnen. Binsenweisheit.

Manchmal sind Preisunterschiede aber gleichzeitig so nah und krass, dass es mir schon aufstösst. Drei Bespiele der letzten Wochen möchte ich mit euch teilen, auch weil sie zufällig alle mit Getränken zu tun haben.

Nennt mich den Preisspanner.

Als ich beim FFF in Berlin war, holte ich mir morgens die Getränke und Snacks für den Tag beim LIDL, der bequemerweise neben meinem Hotel verortet war. Ich trinke zwar keine Energy Drinks, aber der Preis von 99 Cent für eine große Dose Monster blieb aus unerklärlichen Gründen in meinem Kopf hängen – vielleicht wegen der kurzen Assoziationskette zum Fantasy Filmfest.

Eines Abends ging mir der Flüssigkeitsnachschub vor dem letzten Film aus und ich machte mich auf die Suche nach einem dieser Nachtläden. Dort fand ich Aufnahme und Angebot – sowie die Dose Monster für 2,69 Euro. Ich habe dann doch lieber eine Apfelschorle genommen.

Ich trinke nicht gerne Automatenkaffee, das finde ich vergleichbar mit Cheeseburgern aus der Mikrowelle, auch wenn die moderneren Koffeinspender ja durchaus frisch und mit erprobter Technik brühen. Aber bevor ich am Bahnsteig in München oder Hannover 4 Euro bei Starbucks lasse, reicht “on the go” auch ein kleiner Becher “French Vanilla by Jacobs” aus dem stummen Knecht. 50 Cent für etwas, das sich ohne Würgereiz konsumieren lässt. Passt.

Aus diesem Grund freute ich mich auch, in meinem Hotel in Berlin exakt den gleichen Automaten vorzufinden. Prima, dachte ich mir, da kann ich vor und nach einem langen Tag im Kino schnell noch mal den Kreislauf in Schwung bringen. Leider sollte hier der gleiche Becher mit der gleichen Brühe aus dem gleichen Bottich 1,60 Euro kosten.

Und schließlich Starbucks. Bin ich naiv, weil ich bisher dachte, deren Preise wären bundesweit einheitlich? Wie dem auch sei: Ich habe in Berlin den Luxus schätzen gelernt, längere Pausen zwischen Filmen nicht im Hotelzimmer oder auf der Parkbank zu verbringen, sondern in der Filiale im Sony Center. Erster Stock, bequemer Sessel, gute Aussicht, WLAN. So manche Kritik zum FFF habe ich hier geschrieben, meistens begleitet von einem Venti Caffé Latte mit Double Espresso Shot. Hält wach und lange vor.

Ich weiß nicht, warum ich an einem Abend zu einem anderen Starbucks gegangen bin, nämlich zu dem in der Einkaufspassage auf der anderen Seite des Cinemaxx-Kinos. Luftlinie liegen zwischen den Filialen keine 200 Meter – trotzdem ist Venti Caffé Latte mit Double Espresso Shot hier 40 Cent billiger. Say what?

Natürlich kann ich mir eine Dose Monster für 2,69 Euro leisten oder einen Automatenkaffee für 1,60 Euro. Ich verfluche auch nicht den Tag, an dem ich bei der einen Starbucks-Filiale 40 Cent mehr für die Latte bezahlt habe. Aber man muss kein zahlendes Mitglieder der “Geiz ist geil”-Gesellschaft sein, um diese variierenden Margen etwas komisch zu finden.

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18
September 2014

Syfy Double: “High Moon” & “Z Nation”

Der Syfy-Channel hat die Serienproduktion in den letzten Jahren ziemlich schleifen lassen. War man lange Zeit der Haussender für unterhaltsame, recht aufwändig produzierte SF-Langläufer wie “Battlestar Galactica”, “Stargate” und “Farscape”, wurde in den letzten Jahren deutlich versucht, mit weniger Geld mehr Mainstream zu erreichen. “Eureka”, “Haven” und “Warehouse 13″ schielten deutlicher auf die Zielgruppe von “Akte X” als auf die Zielgruppe von “Star Trek”. Billiger Schund wie “Flash Gordon“, “The Phantom” und “Painkiller Jane” trug dazu bei, das eigentlich recht gute Image des Senders nachhaltig zu ramponieren.

Auch im Spielfilmsektor hat sich der Sender nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Wurden die TV-Filme über die Jahre immer beliebiger und abhängiger von albernen Gimmicks, drehte man fortlaufend an der Budgetschreibe: Wurden vor 10 Jahren noch 1,5 bis 2 Millionen Dollar für einen “Movie of the Week” ausgegeben, hat sich das mittlerweile bei unter 500.000 Dollar eingependelt. Weil sich leider gezeigt hat, dass dem Publikum rotzegal ist, WIE billig “Crotopus vs. Sharkeagle vs. Mechamouse” ist. Asylum hat UFO als “main provider” abgelöst und niemand stört’s.

Aber der Druck auf den Syfy Channel wird größer. Immer mehr Nischen- und Kabelsender, mitunter sogar “nur” Streaming-Provider, wagen sich in den Serienbereich. Der Kuchen, einst sauber unter den drei großen US-Networks aufgeteilt, muss nun erheblich mehr Mäuler stopfen. Im Gegenzug ist er gehaltvoller geworden: Musste sich eine Serie früher fast komplett über die Erstausstrahlung und den Paketverkauf in die Syndication finanzieren, winken heute internationale Deals, Streaming-Exklusivverträge, DVDs, Webportale und andere Amortisierungsoptionen. Außerdem kann man neue Serien gleich multimedial anlegen, um mehrere “revenue streams” zu generieren – das wurde letztes Jahr (mehr oder weniger erfolgreich) mit “Defiance” begonnen.

Derzeit scheint der Syfy-Channel in der Tat entschlossen, wieder etwas mehr Zeit & Geld in die Entwicklung neuer Serien zu stecken. Da ist sicher nicht alles Sternenstaub, was da glänzt, aber zwei aktuelle Produktionen habe ich mir dieser Tage mal angesehen.

High Moon

“High Moon” spielt, wie der Titel dezent andeutet, auf dem Mond. Verschiedene Gruppierungen (Amerikaner, Russen, Inder, etc.) haben sich den Erdtrabanten zur Förderung des überlebenswichtigen Helium-3 aufgeteilt, infrastrukturell betreut wird das Ganze von einer multinationalen Corporation mit ganz eigenen Zielen. Die Fördernationen sich sich untereinander nicht grün, mit allerlei technischen Gadgets trickst man sich immer wieder gegenseitig aus – und als auf dem Mond der Sauerstoff knapp wird, weil sich unter der Oberfläche sehr seltsame Dinge ereignen, kommt es schnell zu Zusammenstößen der verschiedenen Fraktionen:

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Wowza, das war jetzt aber mal… schräg. Und bunt. Und hübsch. Und albern. Und schräg. Und bizarr. Und poppig. Und schräg.

Und das ist verständlich, denn der Pilotfilm (dem keine Serie folgen wird) basiert auf einer “young adult novel” aus den späten 60ern und wurde von Bryan Fuller produziert, dem wir so schräge, bunte und hübsche Serien wie “Wonderfalls”, “Dead like me” und “Pushing Daisies” verdanken. Dabei ist nun eine Mischung aus “Moon Zero Two” und “2001: A Space Travesty” herauskommen, die ernste Plots mit einem permanenten Augenzwinkern und kompetentes Design mit einer Spielzeug-Wunderwelt fusioniert. Ein Comic, vollgepackt mit sympathischen Ideen, einem viel zu großen Cast und irgendwie völlig veraltetem Szenario. Glaubt man am Anfang noch, es gehe primär um lunare Industriespionage und Mystery, ist spätestens mit dem Auftauchen eines gigantischen Roboter-Dinosauriers klar – “High Moon” will nur spielen.

Das Ende hängt leider – Pilotfilmsyndrom – völlig in der Luft.

Ich bin letztlich etwas hin- und hergerissen: “High Moon” ist schon SEHR unterhaltsam und angenehm “anders” als der übliche deprimierende Brei, der einem als TV-Gold vorgesetzt wird. Andererseits: Als Serie könnte ich mir diese leichtgewichtige Produktion, die mich nicht ein einziges mal wirklich emotional gepackt hat, kaum vorstellen.

So ist es schön, dass es den Piloten gibt – aber auch okay, dass es dabei bleibt.

Z Nation

“Z Nation” ist so ziemlich das Gegenteil von “High Moon”, eine Nummer Sicher-Produktion, mit der sich Syfy GANZ eng an “The Walking Dead” anlehnt, allerdings etwas bescheidener produziert – von Asylum. Ausgerechnet.

Die Zivilisation ist dank der Zombies (die hier auch so genannt werden) mal wieder am Arsch, es gibt einen eher unfreiwilligen Patienten, der gegen ihre Bisse immun ist, und ein paar Leute, die ihn zu einem Labor nach Kalifornien bringen sollen. Unterstützt werden sie von einem Armeefunker, der den Abflug aus einem arktischen NSA-Hauptquartier verpasst hat.

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Es ist frustrierend, dass “Z Nation” gegenüber “High Moon” alle Untugenden besitzt, die ich anprangern will – Einfallslosigkeit, Brutalität, Simplizität -, aber im Gegensatz zu “High Moon” als Serie deutlich besser funktioniert. Der Pilot legt ein ziemliches Tempo vor, “Universal Soldier”-Regisseur John Hyams hält die Action straff und hart. Mit Karl Schaefer hat man sich einen Showrunner geholt, der 20 Jahre Erfahrung im Genre mitbringt. Das ist alles nicht neu, alles nicht frisch, aber dafür vertraut und eingespielt.

Die sehnige Vorwärtskraft der Produktion lässt sogar die paar logischen Patzer und budget-bedingten Schwächen untergehen, die deutlich zeigen, dass Syfy eben nicht AMC und “Z Nation” nicht “Walking Dead” ist. Aber für einen kleinen, illegitimen Ableger schlägt sich “Z Nation” ziemlich gut – sofern das Niveau des Piloten über die nächsten Folgen gehalten werden kann. Ich habe so eine Ahnung, dass man das Konzept sehr schnell auslutschen könnte.

Wir halten also fest: Syfy arbeitet fleißig an neuen Serien, traut sich was, setzt aber auch auf vertraute Konzepte und vertraute Partner. Nach der Ansicht von “High Moon” und “Z Nation” bin ich momentan wieder mit dem Sender versöhnt.

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16
September 2014

Retourkutschen

Zuerst einmal – ich halte dieses Video für einen Fake:

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Es spricht aber einen ziemlich guten Punkt an, über den ich mich vor ein paar Jahren schon mal ausgelassen habe und zu dem mir gerade noch eine Anekdote einfällt.

Schon immer habe ich mich darüber aufgeregt, dass Leute ihre Zigarettenkippen aus dem Auto schmeißen. Aus Autos, die allesamt Aschenbecher haben. Aber beim Tankvorgang den Aschenbecher auszuleeren, ist vermutlich zuviel verlangt. Auch immer wieder gerne gesehen: Den Aschenbecher beim Parken einfach am Bürgersteig ausklopfen.

Rechnet man das nur sehr konservativ hoch, landen jedes Jahr Millionen Kippen aus Celluloseacetat und Triacetin, vollgeladen mit karzinogenen Giftstoffen, in der freien Natur. Sie werden nach links rausgeschmissen, wo rechts der passende Entsorgungsbehälter steht. Das kotzt mich noch mehr an als Leute, die den Dreck ihrer Hunde nicht wegschaufeln – das ist wenigstens organischer Abfall und die stehen eben auch nicht immer neben einer Tonne. Aber Kippen aus dem Auto werfen? Meiner rheinischen Herkunft gemäß bekomme ich da SO’N HALS.

So’n Hals hatte ich auch vor ca. 15 Jahren während eines sehr heißen Sommers, was allerdings primär an einer brutalen Grippe lag, die mich zum Einwurf heftiger Medikamente zwang. Ich beging den Fehler, mich nicht krankschreiben zu lassen, sondern zugedröhnt in Richtung ProSieben zu gondeln. Auf dem Mittleren Ring in Höhe Olympiastadion dann: Stau.

Noch mal zur Erinnerung: Hitze, Medikamente, Stau.

Hinter mir ein Jaguar. Ich sehe im Rückspiegel, dass der Fahrer raucht und der Bequemlichkeit halber aus dem Fenster ascht. Benebelt fabuliert mein Gehirn ein paar Flüche zusammen, denkt sich adäquate Foltermethoden für diesen Arsch aus, der MIT SICHERHEIT die Kippe gleich aus dem Wagenfenster werfen wird.

Er wirft die Kippe aus dem Wagenfenster.

Hitze, Medikamente, Stau.

Ich ziehe die Handbremse an, steige aus meinem VW Golf, gehe die paar Schritte zurück zum Jaguar, hebe die Kippe auf – und bevor er das Fenster schließen kann, werfe ich die noch glimmende Rest-Zigarette so in seinen Wagen, dass sie im Bodenbereich des Beifahrersitzes landet. Dann gehe ich entspannt zu meinem Wagen zurück und fahre in den sich auflösenden Stau.

Im Rückspiegel sehe ich, wie der wild gestikulierende Jaguar-Fahrer aussteigen will (vermutlich, um mich zu hauen), nachdem es ihm endlich gelungen ist, die Kippe erneut zu entsorgen (diesmal im Aschenbecher seiner Luxuskarre). Dann aber wird er hupend vom nachfolgenden Verkehr davon abgehalten, alttestamentarische Rache zu nehmen.

Es waren die Hitze, die Medikamente, der Stau. Sonst wäre ich vernünftiger gewesen. Was ich heute, 15 Jahre später, schade finden würde. Denn im Jahr 1999 hat sich ausnahmsweise mal das Arschloch geärgert und nicht ich.

Mittlerweile würde ich so etwas nicht mehr machen. Nicht aus Feigheit, nicht aus Einsicht – aber KEINER, bei dem man es macht, würde daraus lernen. Es ist einfach den Stress nicht wert.

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16
September 2014

Fantasy Filmfest Masterliste (2): The Classics

Nachdem ich alle Filme aus meiner Bloggerzeit bereits verlistet habe, sind nun die Klassiker dran – hier ist die Aufstellung dessen, was ich von 1990 bis 2006 gesehen habe. Sagt viel über meinen Geschmack aus, aber auch über das Festival und die Veränderungen im Genre allgemein.

Wie schon erwähnt, bin ich seit 1990 jedes Jahr beim Fantasy Filmfest dabei gewesen. Anfangs bestand das Programm noch primär aus Retrospektiven und Schwerpunkten, weil neue Streifen für so ein “Mini-Festival” kaum zu bekommen waren. Mit dem Erfolg änderte sich das und ab Mitte der 90er dominierte das FFF die Genre-Festivalszene im ganzen Land.

Ich habe in den ersten 17 Jahren nicht annähernd so viele Filme gesehen wie in den letzten acht. Erstens, weil ich damals nicht drüber schreiben musste und dementsprechend keine Bringschuld empfand. Zweitens, weil ich keinen Urlaub dafür nehmen konnte und sich meine Verfügbarkeit auf die “Primetime” beschränkte. Und drittens, weil ich damals sowieso mit Screenern und Pressevorführungen eingedeckt war. Der Bedarf war nicht vorhanden.

Die nachfolgende Liste ist eine Rekonstruktion anhand der Programminfos der Webseite f3a.net. Ich werde sicher einige Filme vergessen haben – andere stehen hier, obwohl ich sie bei regulären Pressevorführungen gesehen habe. Meine Erinnerung ist brüchig. Aber ich denke, zu 95 Prozent müsste es hinhauen.

Ein Klick auf die Überschriften bringt euch zur Gesamtübersicht des Jahres, ein Klick auf die Filmtitel zu den entsprechenden Programmheft-Texten.

München 1990 – 8

Frisch nach München gezogen, enttäuscht von “Blue Steel”, beeindruckt von den Puppenfilmen “Marquis de Sade” und “Meet the Feebles”, verstört von “Santa Sangre” – meine erste Begegnung mit Jodorowsky. Nach “Hardware” noch mit Vorbild und Genrekritik-Legende Norbert Stresau diskutiert. Drei Monate später starb er – mit 31.

Blue Steel
Darkman
Hardware
Leatherface: Texas Chainsaw Massacre III
Marquis de Sade
Meet the Feebles
Santa Sangre
Twin Peaks: Fire walk with me

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München 1991 – 7

Anime, Thriller, TV-Event, B-Grusel, Stephen King und französische Weirdness – die perfekte Mischung.

Akira
Body Parts
Condition Red
Delicatessen
Jacob’s Ladder
Misery
Past Midnight

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München 1992 – 3

War ich in Urlaub – hatte ich zu wenig Zeit oder Lust? Keine Ahnung. Minusrekord. Dafür “Hellraiser III” in einer noch nicht farbkorrigierten Schnittfassung als Premiere und “Split Second” als Beweis, dass auch kleine B-Movies auf der großen Leinwand gewinnen können.

Hellraiser III
Split Second
Wedlock

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München 1993 – 13

Umzug in die Nähe des Kinos – lange Abende, wenig Schlaf, am nächsten Tag wieder in die GONG-Redaktion. Im Programm immer mehr Premieren und aktuelle Filme, die Zeit der riesigen Retrospektiven geht zu Ende. Solide Mischung, Enttäuschung allerdings bei den selbstreferenziellen “Stage Fright” und “Matinee”. Der Totalausfall “Tobe Hooper’s Living Nightmare” ist meine erste Kinokonfrontation mit Harry Alan Towers, den ich Jahre später persönlich und gut kennenlernen werde. Eine Frechheit ist der Überraschungsfilm “Posse”, ein “black Western”, der vor allem deshalb überrascht, weil er auf einem solchen Festival nichts zu suchen hat.

12:01
Accion mutante
Body Snatchers
Carnosaurus
Freaked
Kalifornia
Matinee
Posse
Return of the Living Dead III
Stage Fright – Eine Gurke erobert Hollywood
The Turn of the Screw
Ticks
Tobe Hooper’s Living Nightmare

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München 1994 – 13

Erstkontakt mit Guillermo del Toro, dessen Talent schon in “Cronos” offensichtlich ist. Carpenter auch mal wieder gut drauf, solide Action in “Full Eclipse” und “Surviving the Game” (“always check the barrel, bitch!”). Dafür peinlich berührtes Rumgeschubber auf dem Sitz bei “Das Schweigen der Hammel”.

Angriff der 20 Meter-Frau
Cronos
Das Böse III
Das Schweigen der Hammel
Dellamorte Dellamore
Die Mächte des Wahnsinns
Freddy’s new nightmare
Full Eclipse
Heart and Souls
Killing Zoe
Love and a .45
Necronomicon
Surviving the Game

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München 1995 – 5

“Die Passion des Darkly Noon” begeistert, gerade auch weil der Film in Deutschland gedreht wurde. “Castle Freak” ist Hardgore. “Fist of the North Star” ist eher so meh. Start der großartigen “God’s Army”-Saga – sollte jeder mal im Kino gesehen haben.

Castle Freak
Die Passion des Darkly Noon
Die Stadt der verlorenen Kinder
Fist of the North Star
God’s Army

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München 1996 – 8

Die Brüste von Pamela Anderson dominieren alles und Anime-Fans sind sich einig: So wie in “Crying Freeman” geht das in Ordnung. “Hellraiser IV” enttäuscht, Albert Pyun sowieso, “Evil Ed” ist einer der vielen kleinen Festival-Filme, von denen man nie wieder hört.

Barb Wire
Crying Freeman
El dia de la bestia
Evil Ed
Ghost in the Shell
Hellraiser IV
Lord of Illusion
Ultimate Chase

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München 1997 – 9

“Dobermann” rockt zynisch, “Dark World” ist sehr solide, “Wax Mask” nur eine schwache Erinnerung an Giallo-Legenden. Jackson goes Mainstream.

Bordello of Blood
Bram Stoker: Dark World
Curdled
Dobermann
Hemoglobin
Nirvana
Space Truckers
The Frighteners
Wax Mask

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München 1998 – 11

Es sind die kleineren Filme, die begeistern: “Bone Daddy” mit Faux-King-Grusel, “18th Angel” mit der bezaubernden Rachel Leigh Cooke, “Cube” von Natali. Carpenter enttäuscht, “Talos” sowieso. “Dark City” sorgt für Diskussionen.

18th Angel
Bone Daddy
Cube
Dark City
Das Böse IV
Jerry & Tom
John Carpenters Vampire
Orgazmo
Progeny
Talos – Die Mumie
Wishmaster

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München 1999 – 7

Ich konzentriere mich auf Mainstream, meide asiatische Produktionen – ein wenig bemerkenswertes Jahr.

13th Warrior
13th Floor
Beowulf
Drop dead gorgeous
Echoes
eXistenZ
Idle Hands

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München 2000 – 11

“Ginger Snaps”, “Final Destination” und “Pitch Black” machen drei Franchises auf – “Fortress 2″ macht seine wieder zu. William Hurt goes Grusel, “Komodo” ist besser, als Titel und Thema vermuten lassen. Der argentinische “Sleepwalker” ist ein lohnenswerter Außenseiter.

4th Floor
Cherry Falls
Convent
Final Destination
Fortress 2
Ginger Snaps
Komodo
Mystery Men
Pitch Black
The Sleepwalker
Tinseltown

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München 2001 – 9

Sehenswerter deutscher Beitrag “Vortex”. “Der Pakt der Wölfe” begeistert das gesamte Publikum. Mir gefällt “Jason X” und der spanische Außenseiterfilm “Heart of the Warrior” rührt mein Herz.

Der Pakt der Wölfe
Donnie Darko
Faust: Love of the Damned
Heart of the Warrior
Jason X
Jeepers Creepers
Memento
Vampire Hunter D: Bloodlust
Vortex

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München 2002 – 12

Einer der kurzweiligsten Jahrgänge mit den sehr rasanten “51st State”, “Bloody Mallory”, “Cube 2″, “Dog Soldiers”, “The Bunker” und “Versus”. Wer mehr Anspruch und etwas weniger Tempo sucht, findet beides beim polnischen “Avalon” und bei “Human Nature”.

51st State
Avalon
Bloody Mallory
Cube 2
Demonlover
Dog Soldiers
Human Nature
Legend of the Phantom Rider
Reign of Fire
The Bunker
Versus
Vidocq

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München 2003 – 11

Daft Punk begeistern mich mehr als Rob Zombie, mit Natali liegt man nie falsch und viele solide B-Movies sorgen für ein rundes Festival.

11:14
Bubba Ho-Tep
Cypher
Dead Creatures
Dead End
House of 1000 corpses
Identity
Interstella 555
Monster Man
Phone Booth
Undead

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München 2004 – 13

Ein Festival, auf dem “Butterfly Effect” und “Open Water” die besten Filme sind, kann kein Top-Jahrgang sein. Aber “Nothing” und “Hellboy” machen Spaß, die Chinesen lassen mit “Twins Effect” die Sau raus und Franka Potente langweilt (sich und uns) im Londoner Untergrund.

Butterfly Effect
Creep
Dawn of the Dead
Dead and Breakfast
Hellboy
Immortel
Kaena: The Prophecy
Nothing
Open Water
Spy Bound
The Machinist
The Twins Effect
Trespassing

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München 2005 – 7

“Reefer Madness” macht mit der süßen Kristen Bell bekannt, Emily Booth rockt “Evil Aliens”, “The Descent” weist auf ein neues Regie-Talent hin – aber ausgerechnet der gehypte “Kiss Kiss Bang Bang” entpuppt sich als eitler und geschwätziger Rohrkrepierer. “Kampfansage”? Autsch.

Appleseed
Evil Aliens
Godzilla: Final Wars
Kampfansage
Kiss Kiss Bang Bang
Reefer Madness: The Musical
The Descent

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München 2006 – 12

Doc Acula ist aus Nürnberg zu Besuch, ich hole mir beim Trip zwischen den beiden Kinos Blasen an den Füßen. Wieder überzeugen kleine Filme, “Them” ist Terror pur, “Renaissance” ein visueller Trip, “River King” eine exzellente Romanadaption. Der launige “Behind the Mask” ist ungerechtfertigterweise fast schon vergessen.

A Scanner darkly
Adrift
Behind the Mask
Brick
Frostbite
Karla
Final Fantasy: Advent Children
Renaissance
Severance
The River King
Them
Wolf Creek

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Was für ein Festival-Senior ich bin, kann man schon daran erkennen, dass die Programmhefte in meinem Kopf auf ewig A5 und blau sein werden – wie in der glorreichen 1993-1999-Ära:

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