23
Mai 2013

Die Autobiographie von Harry Alan Towers: Ein zu kleines Buch für eine zu große Persönlichkeit

Mr Towers of London-500x500Ich habe Harry Alan Towers wahrlich oft genug gebeten, seine Biographie schreiben zu lassen. Mit dem unausgesprochenen Zusatz “… am besten von mir”. Irgendwann erwähnte Harry beim Mittagessen, dass er mit einem kanadischen Journalisten dabei sei, sein Lebenswerk zu durchforsten. Wie es aussieht, wurde daraus nichts.

Mir war immer klar, dass es eine schwierige Aufgabe sein würde, Harry Alan Towers zwischen zwei Buchdeckeln gerecht zu werden. Sein Leben war lang, ereignisreich, voller unerwarteter Wendungen – und voller dunkler Ecken, in die er niemanden schauen lassen wollte. Von denen gerne mal zwei oder drei “Wahrheiten” existierten. Darum schien es mir auch angebracht, auf eine Biographie zu setzen und nicht auf eine Autobiographie. Dass Harry sich sein eigenes Leben schön schreiben würde, war genau das, was es zu verhindern galt. Ich wollte die große Enthüllung, den Skandal, die Exzesse – the true Harry, warts and all.

Im Juli 2009 verstarb Harry Alan Towers. Danach habe ich noch zweimal versucht, das Projekt anzuschieben. Ich habe Ted Newsom den Tipp gegeben, Harrys Leben für ein Buch aufzuarbeiten, Tim Lucas auch. Beide haben nicht angebissen. Dabei gibt es genügend Mitstreiter, Komplizen und Weggefährten (inklusive Christoper Lee, Peter Jobin und Maria Towers), die Auskunft über sein bemerkenswertes Leben geben könnten. Jack Palance, Jess Franco und Oliver Reed hingegen können schon nicht mehr interviewt werden.

Neulich erzählte ich Peter Osteried von diesem Traum, nach dem Charles Band-Buch vielleicht doch mal die Towers-Biographie anzugehen. Mampfend murmelte Peter: “Wieso? Ist doch neulich erst erschienen”. Entgeistert checkte ich Amazon UK – und siehe da. Eine Autobiography. Keine Biographie. Hurra?

Ich habe das Buch vor 2 Wochen bekommen. Es ist von der Aufmachung her so ernüchternd, wie das Cover befürchten ließ: Druckqualität und Bindung sind auf BOD-Level, das Layout ist schlampig, diverse Rechtschreibfehler und mangelndes “fact checking” trüben schon den oberflächlichen Ersteindruck.

Der Titel ist auch nicht gerade der Knaller: “Mr. Towers of London – A Life in Show Business. The Autobiography of Harry Alan Towers. Movie Producer Extraordinaire”. Könnte ETWAS knapper sein, ETWAS knalliger. Wenn ich mal die Biographien seiner Kollegen dagegen halte:

Roger Corman: How I made 100 movies in Hollywood and never lost a dime

William Castle: STEP RIGHT UP!…I’m Gonna Scare the Pants Off America

Sam Arkoff: Flying Through Hollywood by the Seat of my Pants 

Lloyd Kaufman: Make Your Own Damn Movie! Secrets of a Renegade Director

Hier, wie in der ganzen Aufmachung, mangelt es an Showmanship. Wieso zeigt das Cover nicht eine Collage von “Fu Man Chu”, “Delta 3″, “Quatermain”, “10 Little Indians”, “99 Women” und “Fanny Hill”? Wo ist der erklärte Wille, Harrys Werk auch jüngeren Filmfans schmackhaft zu machen?

Es zeugt zudem von wenig Feingefühl in gestalterischen Dingen, auf der Rückseite mit einem fetten Anführungszeichen einzusteigen, dessen korrespondierendes Abführungszeichen man mit der Lupe suchen muss.

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Wer hat die grässlichen Farben ausgesucht, dieses Muster, die Schrift?

Die Fotosektion in schwarzweiß und auf holzigem Papier ist eine weitere Enttäuschung: ein paar Familienfotos, ein paar Pressefotos, das war’s auch schon. Mehr hat der Produzent von “Sumuru”, “Christina”, “River of Death” und “Bullet to Beijing” nicht in seinen Schuhschachteln finden können?

Aber es geht ja um den Inhalt, um die “life story”, die Harry Alan Towers hier tatsächlich noch selbst erzählt. Wie ehrlich, wie schonungslos, wie selbstkritisch geht er mit seinem eigenen Leben und seinen Filmen um?

Die Antwort ist ernüchternd. “Mr. Towers of London” gönnt sich gerade mal 138 Seiten, um von 80 Jahren zu erzählen, über 100 Filmen, Hunderten von TV- und Radioepisoden. Die Erzählgeschwindigkeit “Schweinsgalopp” zu nennen, wird ihr nicht gerecht. Harry hastet hier noch einmal durch sein Leben, räumt Anekdoten über britische Theaterregisseure mehr Platz ein als seinen Produktionen, hält sich immer wieder mit Altherrenwitzen auf, springt ständig vor und zurück, ohne den Leser dabei an die Hand zu nehmen. Eine wirre Sammlung von Erinnerungen, geeignet für einen Plausch auf der Cocktailparty – aber keine Autobiographie. Harry sonnt sich in der Gesellschaft erheblich berühmterer Zeitgenossen wie Noel Coward und Orson Welles, redet von Deals und Abschlüssen – zu den Filmen selbst mag er uns allerdings nicht mitnehmen.

Nur ein Beispiel: Einer der ersten aufwändigeren Towers-Filme, die als Kind mein Interesse erregten, war “The Shape of Things to Come”, ein Abklatsch von “Star Wars” und “Battlestar Galactica”:

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Hier der vollständige Text aus der Autobiographie dazu:

“Around the time of the first Star Wars success, when Science Fiction was very popular, I felt that it was a good time to return to the master and I adapted H.G. Wells’s The Shape of Things to Come with Jack Palance. The film was shot entirely at the Kleinberg Studios, on the outskirts of Toronto.”

Die meisten seiner Filme sind Harry sogar noch weniger Erwähnung wert, viele finden sich gar nicht. Natürlich weiß ich auch, woran das liegt: Harry war nur selten selbst am Set, ihm ging es um den Deal, nicht um Inhalte. Aber genau DESHALB wäre es notwendig gewesen, mit den Leuten zu sprechen, die für ihn vor Ort die Stellung gehalten haben, die vor und hinter der Kamera umsetzen mussten, was er in windigen Absprachen weltweit verkauft hatte. DA ist das Fleisch, DA ist der Nektar für die Nerds.

Ich kann nur vermuten, dass es sich bei dieser “Autobiographie” um eine grobe erste Sammlung von Erinnerungen handelt, die von einem Profi gesichtet, strukturiert, erweitert und ergänzt werden sollte. Was dann leider nicht mehr passierte.

Die Einblicke in Harrys Privatleben überschreiten mitunter die Grenze zur Schmierigkeit. Wer Jewel Shepards spannendes, aber sicher auch nicht immer wahres Buch “If I’m So Famous, How Come Nobody’s Ever Heard of Me?” gelesen hat, der wird wissen, dass Harry eine eher rustikale Einstellung in Sachen Sex hatte. Frauen waren für ihn “crumpets”, die man sich ins Hotelzimmer bestellte oder mit denen man sich auf Filmpremieren sehen ließ. Und darum beschreibt er auch mit augenfällig großer Begeisterung die Nachtclubs, in denen er in den 50ern einen Stammtisch hatte, die Escort-Services, von denen er sich in den 60ern “Hausdamen” schicken ließ, ehemalige Schönheitsköniginnen, die arabischen Herrschern “zugeführt” wurden. Das ist alles so uninteressant wie unangenehm.

Wie ich befürchtet  hatte, kehrt Harry zudem seine Beteiligung an diversen epochalen Skandalen wie der Profumo-Affäre bequem unter den Teppich. Er hatte mit nichts was zu tun, kannte auch niemanden der Beteiligten genauer, war immer die verfolgte Unschuld. Das ist mit ziemlicher Sicherheit nicht mal die halbe Wahrheit und immer noch ein Feld, das einem ehrgeizigen Journalisten üppige Ernte verspricht.

Wirklich interessant ist nur der beiläufige Einblick in die “Methode Towers”. Harry hatte die Gabe, Steuervorteile und Drehorte zu kombinieren, internationale Partner zu finden, in jede Nische zu stoßen, die irgendein Blockbuster oder ein Förderprogramm gerade aufmachten. Wer heute preiswerte Exploitationfilme für den Weltmarkt produzieren will, tut gut daran, von der Umtriebigkeit und Flexibilität eines Harry Alan Towers zu lernen. Ob die Zielgruppe des Buches damit mehr als 20 Personen überschreitet, wage ich allerdings zu bezweifeln.

Für mich persönlich hat das Buch den mageren Mehrwert, dass ich viele der Geschichten aus erster Hand kenne und hier in teilweise variierter Fassung vorfinde. Kinskis Sexkapaden, die Streitigkeiten der Cannon-Gründer, Orson Welles’ Geldsorgen – ich weiß noch, wie ich an Harrys Lippen gehangen habe, als er mir auf Locationsuche in Kroatien davon erzählte.

Ich mochte Harry Alan Towers – warts and all. Manchmal, besonders in den letzten Jahren seines Lebens, stand er sich aber selbst im Weg. Weil er verlernt hatte, was ihn einst groß machte: zu erkennen, was der Markt will – und ihm genau das zu geben. Diese Autobiographie ist ein letztes Zeugnis davon. Sie baut ihm weder ein zufrieden stellendes Denkmal, noch taugt sie als letztes “Fuck you!” an ein eitles, gieriges und niederträchtiges Geschäft, auf das Harry sich verstand wie wenige andere. Sie entspricht eher unseren langen Tischgesprächen – angefüllt mit schwach verknüpften, zotigen, halbgaren Anekdoten aus vergangener Zeit, nur halb wahr aus Berechnung und schwindender Erinnerung, amüsant, aber letztlich erkenntnisfrei und oft frustrierend. All sizzle, no steak.

Ich hätte mir viel mehr gewünscht – und Harry viel mehr gegönnt.

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21
Mai 2013

Wortvogelpark Walsrode: Das Leben macht klüger, nicht schöner

Mit meiner Oma bin ich 1979 in den Vogelpark Walsrode gefahren. Das fand ich toll. In einer Freiflughalle setzte sich sogar ein Beo auf meinen Arm. Als Oma auf den Auslöser drückte, schrie der Vogel plötzlich wie am Spieß. Ich hätte mir fast in die Hose gemacht. Dieses Bild entstand glücklicherweise eine Sekunde DAVOR:

Walsrode1979Elf Jahre war ich damals alt. Die Zähne krumm, die Brille peinlich – aber mit Oma war alles ein Abenteuer. Gute Zeiten.

Vorgestern bin ich mit einem Fotografen nach Hamburg gefahren, von wo aus wir einen Mietwagen nach Walsrode nahmen. Der Vogelpark heißt mittlerweile Weltvogelpark. Ich weiß nicht, ob die 15 Minuten, die wir Zeit hatten, dort ein paar Aufnahmen zu machen, wirklich als authentischer Besuch gelten können. Aber wir haben die Freiflughalle gesehen und das Lori-Haus, in dem die Tiere ebenfalls unbehindert umher flattern, Besuchern auf den Kopf scheißen und sich dafür auch noch füttern lassen. Ich ließ es mir nicht nehmen, kurz vor das Objektiv der Kamera zu treten.

Presto – zwei schräge Vögel 2013:

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Ich bin 44, brauche keine Brille mehr und die Zähne sind auch gerichtet. Trotzdem sehe ich VERDAMMT müde aus. Ich war es auch. Das sind erheblich zu viele Falten, nicht nur im direkten Vergleich mit meinem Ich von 1979. Aber es gibt eben so Tage, da steht einem die Arbeit ins Gesicht geschrieben. Trotzdem hat es wie immer Spaß gemacht. Und dieser Vogel hat auch nicht geschrien.

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20
Mai 2013

Der Wortvogel und seine Ländereien

Wer genau aufgepasst hat, wird es vielleicht gemerkt haben: im zweiten Halbjahr 2012 gab es von mir keine launigen „behind the scenes“-Fotos von Reportagen zu sehen. Seit einigen Wochen gibt es die allerdings wieder vermehrt.

Das ist kein Zufall.

Ende Juli habe ich die „LandIdee“ verlassen, für die ich drei Jahre lang geschrieben habe. Es ist eine Geschichte für die Gerichte – und hoch unterhaltsam, sobald ich das Okay habe, sie hier zu erzählen. Aber das wird eventuell noch dauern.

Ein zweites Puzzleteil. Vielleicht hat der eine oder der andere von euch diese Meldung bei DWDL gelesen. Die etablierte „Liebes Land“ (einzige Landzeitschrift mit monatlichem Erscheinungsrhythmus) hat mit der Juni-Ausgabe 2013 den Verlag gewechselt, die Redaktion, den Sitz, etc. Von Stuttgart ging es nach Speyer.

Speyer? Einige von euch werden jetzt aufhorchen. War der Wortvogel in letzter Zeit nicht auffällig häufig genau da? War er. Er durfte bisher nur nicht offen drüber reden, noch weniger schreiben.

Um es kurz zu machen: Ich konnte ein Angebot der neuen „Liebes Land“-Chefredakteurin nicht ablehnen. Dann hätte es nämlich zu Hause Ärger gegeben – es ist die LvA. Also habe ich angenommen. Ich werde jetzt besser behandelt, besser bezahlt, und darf „editor at large“ auf meine Visitenkarten drucken. Zu meiner Freude hat sich die beste Frau der Welt auch als die beste Chefin der Welt heraus gestellt.

Mitte dieser Woche kommt die erste Ausgabe unseres „Liebes Land“-Relaunchs an die Kioske der Republik:

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Ein beträchtlicher Anteil des redaktionellen Volumens ist von mir. Ich habe einen Alphornbauer im Allgäu besucht und eine Blütenbildnerin im Erzgebirge. Ich habe mir von einer jungen Frau Speyer zeigen lassen, über Ostsee-Bodden geschrieben, über Wildorchideen und das Saterland.

Es war ein hartes Stück Arbeit, fast 150 Seiten mit einem im Aufbau befindlichen Team redaktionell zu befüllen. Glücklicherweise unterstützen uns dabei ein paar erfahrene Kollegen aus alter Zeit. Die Atmosphäre in der Redaktion ist exzellent, geprägt von Respekt und Teamwork auf allen Ebenen. War dieses Heft noch ein echter Ritt auf der Kanonenkugel, ist die zweite Ausgabe (derzeit auf der Zielgeraden) schon deutlich entspannter. Wir denken, mit Ausgabe 3 werden wir den endgültigen Groove finden.

Wir leben derzeit ein seltsam zerrissenes Leben zwischen München und Speyer: die LvA pendelt, manchmal pendle ich. Nicht immer gehen die Planungen auf, dann müssen gemeinsame Wochenenden kurzfristig der Redaktionsräson geopfert werden. Unsere Zweitwohnung direkt in der wunderschönen Altstadt am Dom ist noch ungemütlich karg eingerichtet. Einzige Dekoration: ein Gemälde von Schwabing.

Ein Heft, das alle vier Wochen erscheint, verlangt eine ganz andere Schlagzahl als eines, das nur alle zwei Monate am Kios ausliegt. Es gibt keine Ruhephasen zwischen den Heften, kein Durchatmen. Was gemacht werden muss, muss sofort gemacht werden. Nach dem Artikel ist vor dem Artikel.

Trotzdem macht es Spaß. Ich habe meine Leidenschaft für den Journalismus neu entdeckt, der eben nicht immer Sensation und Enthüllung sein muss. Fakten, Info-Bits und lehrreiche Grafiken gibt es im Internet – wir bieten gedruckte Entspannung mit Texten und schönen Bildern, auf die man sich einlassen kann, die ab- statt aufregen.

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Ich werde weiterhin auf die Arbeit an Drehbüchern und Romanen nicht verzichten. Der Tanz auf mehreren Hochzeiten ist für mich ein sportliches Hobby, dem Walzer der „Liebes Land“ lasse ich auch künftig den Hyperland-Tango folgen, während der ewige Ententanz des Wortvogels-Blogs zum Gelenke schütteln einlädt – und es wird noch mehr, nicht weniger. Das Klischee stimmt: mein Tag müsste 48 Stunden haben.

Mir ist klar, dass die „Liebes Land“ für die wenigsten von euch eine notwendige oder gar interessante Lektüre darstellt. Ihr seid nicht die Zielgruppe. Wäre ich nicht Autor – sorry: editor at large – des Magazins, hätte ich die „Liebes Land“ vermutlich auch nicht im Abo. Das ist okay. Ich erwarte von niemandem Loyalität durch alle Medien. Es war mir nur wichtig, euch zu erzählen, was mich derzeit umtreibt.

Wer das Heft aber trotzdem oder gerade deshalb kaufen will, den werde ich nicht abhalten. Ich bin schließlich stolz drauf.

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19
Mai 2013

Schwerkraft? Welche Schwerkraft?

Ich könnte das hier stundenlang anschauen:

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Die Eleganz, die Perfektion, die Konzentration, die Leichtigkeit.

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19
Mai 2013

Eurovision Song Contest 2013: Facebook raw

Ja, es ist Sonntag. Ja, es ist Pfingsten. Ja, es ist nicht mal halb Acht. Trotzdem sitze ich schon wieder am Flughafen und warte darauf, für eine Reportage gen Hamburg zu fliegen. Morgen erfahrt ihr auch, warum ich das alles auf mich nehme.

In den letzten Jahren habe ich euch an meinen Gedanken zum ESC teilhaben lassen, dieses Jahr sollte es eigentlich ein Liveblog sein. Es stellt sich aber heraus, dass Facebook es deutlich einfacher macht, einen Kommentarschwall in Echtzeit abzulassen. Erfreulicherweise fand sich eine Rotte Leser, mit der ich mich entspannt durch den schwächsten ESC der letzten Jahre lästern konnte. Die Songs und die Performances waren diesmal so mau, dass ich nicht einmal das Voting abgewartet habe. Es reichte völlig, den nicht überraschenden Sieg Dänemarks zum Frühstück zur Kenntnis zu nehmen. Platz 21 für Cascada? Burn!

Wie dem auch sei, ich habe euch einfach mal den fetten Kommentarstrang mit über 500 Beiträgen unformatiert hinter den Break gelegt. So habt ihr was zu lesen, bis ich heute Abend wieder nach Hause komme. Außer Dietmar – der hat was zu tun…

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18
Mai 2013

Entenhausen: Enten hausen in Schwabing

Ich habe kürzlich mal auf Facebook von unserem netten Vermieter erzählt, der sich für eine Toplage in Schwabing streng an den Mietspiegel hält, zwei WGs erlaubt und einer 104jährigen Dame (eingezogen Heiligabend 1945!) seit den 80ern die Miete nicht mehr erhöht hat. Bei Problemen in der Wohnung ist er eigentlich immer binnen von 20 Minuten mit seinem Werkzeug vor Ort. Ein Mann nach meinem Geschmack.

Nun gab es Nachricht von ihm – wie immer auf Geschäftspapier am Schwarzen Brett hier im Hausflur. Inhalt: Der verwilderte Hinterhof des Hauses ist vorläufig gesperrt, die Mülltonnen stehen übergangsweise im Hausflur. Beschwerden zwecklos.

Warum?

Eine Entendame hat sich entschlossen, ihren Nachwuchs statt im Englischen Garten (500 Meter entfernt) lieber in unserem City-Dschungel aufzuziehen. Sie hockt entspannt aber wachsam auf der kleinen Rasenfläche, unter sich fünf Küken, die immer mal wieder neugierig ihre Köpfchen raus strecken:

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Der Vermieter hat Prioritäten gesetzt: bis die Küken groß genug sind, um mitsamt der Mama human umgesiedelt zu werden, haben sie bei uns Asyl. Er hat außerdem eruiert, dass man die Kleinen noch nicht mit Brot füttern darf, weil sie das nicht vertragen. Auch dazu gibt es einen Aushang.

Von uns Mietern protestiert keiner – nicht mal die WGs, die um ihre sommerlichen Grillpartys gebracht werden. Die jungen Mädchen aus dem dritten Stock stehen mehrfach am Tag begeistert an der Tür zum Hof, um die Enten durch die Scheibe zu beobachten und dafür zu sorgen, dass wenigstens die Mama gut versorgt ist.

Ich wohne gerne hier.

BONUSBILD: Gerade vom Balkon aus gesehen – zum Abend hin dürfen die Kleinen noch mal plantschen gehen, während Mama aufpasst:

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14
Mai 2013

33 Argumente für Gott, 33 Einwände vom Wortvogel

33Dieses bezaubernde Bändchen könnt ihr euch bei Soulsaver runterladen, einer religiösen Webseite für junge Menschen, die für einen ollen Zyniker wie mich ein Bierkasten voll mit Phrasenbrause ist. Schaut euch dort mal um, es gibt viele spannende Sachen zu entdecken.

“33 Argumente für Gott” habe ich hauptsächlich deshalb eingetütet, weil ich das an den SPIEGEL angelehnte Design so drollig fand.

Nun wollen wir mal sehen, ob die Frömmler mich in 33 Runden argumentativ k.o. hauen können. Eigentlich sind es nur 28 – das Büchlein präsentiert an einigen Stellen Zitate mehr oder weniger berühmter Menschen, die für sich genommen als Argumente gelten sollen, aber als persönliche Meinungen kaum zur Diskussion taugen.

Wer will, kann sich mit dem PDF genauer in die Argumente der Gegenseite einlesen, die ich hier nur verkürzt wiedergeben kann. Damit baue ich auch dem Vorwurf vor, die Position der “Seelenretter” absichtlich verzerrt darzustellen.

1) “Diese Welt ergibt keinen Sinn ohne Gott”. Aha, die steigen mit einem Klassiker ein, zitieren sogar Hawking, dessen veraltete Aussagen sie sich wunschgemäß zurecht biegen.

Ich halte dagegen: Die Welt hat keinen Sinn, braucht keinen Sinn – und eine emotional empfundene Sehnsucht nach Sinn eignet sich nicht als Gottesbeweis.

2) “Die Evangelien sind historisch zuverlässig”. DAS traut man sich heute noch als “pro Gott”-Argument? Ich hoffe, die können das plausibel belegen. Natürlich nicht, denn dieses “Argument” reduziert sich auf eine intellektuell unredliche, aber fast schon wieder putzige Kreisargumentation:

“Doch bei genauerer Betrachtung ist gerade das ein Argument dafür, dass die Kirche diese Texte nicht verändert haben kann, denn sie hätte sie „harmonisiert.“ Niemand hat sie nachträglich ineinander überführt oder manipuliert, um ihre Glaubwürdigkeit zu erhöhen.”

Abgesehen davon, dass die Bibel sogar massiv harmonisiert wurde, ist die Aussage natürlich hanebüchen: wäre die Bibel nicht wahr, hätte man sicher weniger offensichtlich gelogen.

3) “Wissenschaft und Glaube schließen sich nicht aus”. Hier wird zum ersten Mal versucht, Wissenschaftler der letzten Jahrhunderte als gottgläubige Zeitgenossen heran zu ziehen, die der Bibel und der Kirche das Wort reden – bequem verschweigend, dass es bis in die Neuzeit hoch gefährlich für einen Wissenschaftler war, sich öffentlich von der Kirche abzuwenden. Nach aktuellen Studien glauben die meisten Naturwissenschaftler der westlichen Welt nicht an einen realen Gott oder auch nur an ein ordnendes Prinzip, dem man göttliche Eigenschaften zuweisen kann. Demnach schließen sich Wissenschaft und Glaube nicht aus – wohl aber Wissenschaft und Glaube, der sich über die Wissenschaft erhebt.

4) “Der Glaube heilt Bitterkeit”. Abgesehen von der Tatsache, dass ich mehr Menschen im Glauben habe verbittern sehen, findet sich hier ein besonders perfides Beispiel: Corrie ten Boom, die selber im KZ saß und dort Teile ihrer Familie verloren hat, vergab später einem der Wachmänner, der zum Christentum konvertiert war.

Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll: es wird klar gemacht, dass sie ihm nicht verziehen hätte, wäre er nicht konvertiert. Reue allein hilft nicht, es muss im richtigen “System” bereut werden. Und der Wachmann darf nun auf ein ewiges Leben im Himmelreich hoffen. Wo er sich wenigstens nicht mit Juden abgeben muss, die zwar im KZ verreckt sind, nach christlichem Glauben aber keinen Eingang in den Himmel finden.

Und die Sache mit der Vergebung gehört für mich zum ekelhaftesten Instrument des christlichen Glaubens: dass es egal ist, welche Scheiße man baut, so lange man noch rechtzeitig die Kurve bekommt. Ein sehr offensichtliches Konstrukt, um Mitglieder auch aus den niederträchtigsten Schichten rekrutieren zu können. Als bekennender Atheist glaube ich, dass es keine Vergebung gibt – wir werden IMMER an ALLEM gemessen, was wir JEMALS getan haben. Wir haben Verantwortung von Tag 1 und es mag manchmal schwer sein, diese Verantwortung für vergangene Schuld zu tragen, aber ich brauche keinen jüdischen Zombie, der sie mir abnimmt. Es ist meine Schuld – und es steht niemandem zu, mir Vergebung gegen Unterwerfung anzubieten.

5) “Gott allein ist fähig, aus dem Nichts zu erschaffen”. Ich kann mittlerweile ausreichend Vorkenntnisse bei euch unterstellen, um es auf die simple Formel herunter zu brechen: wer hat dann Gott erschaffen? Hat er sich selbst erschaffen? Wenn er nicht erschaffen wurde und doch ist, ist er dann nicht der Beweis, dass es Sein ohne Schöpfung gibt? Es ist eines der schwächsten Argumente der Kirche: der unsichtbare Superheld, der alles kann, weil wir ihn uns für die unerklärlichen Phänomene dieser Welt ausgedacht haben. Das macht ihn verständlich, vielleicht tröstlich, aber nicht wahr.

6) “Die Prophetien über Israel haben sich exakt erfüllt”. Hier wird Retrofitting betrieben, dass die Schwarte kracht. Die Bibel hat demnach die Entstehung des Staates Israel vorher gesagt – während ungleich wahrscheinlicher ist, dass die Entstehung des Staates Israel von den Vorgaben der Bibel inspiriert ist. Analog kann ich mein IKEA-Regal zur erfüllten Prophezeiung erklären, weil die Anleitung exakt vorher sagte, was ich bauen würde – und demnach göttlich inspiriert sein musste.

Zu diesem Punkt gibt es auch noch ein schönes Bonus-Gschmäckle:

“Gott stand und steht immer noch zu seinem Volk, daran wird sich nichts ändern, auch wenn viele Juden Jesus als Erlöser nicht erkannt haben.”

7) “Historiker halten die Auferstehung für möglich”. Wow. Da war ich erstmal baff. Eins der übernatürlichen Kernereignisse der Bibel wird von seriösen Wissenschaftlern für plausibel gehalten (wenn auch nicht bewiesen, wir wollen ja nicht übertreiben)? Leider nein, denn dieses “Argument für Gott” reduziert sich auf die Verwunderung darüber, dass die frustrierten Jünger kurz nach Jesu Beerdigung begeistert um die Häuser zogen, um sein Wort zu lehren:

“Am Kreuz waren sie erledigt, ausgepumpt und leer. Wenige Tage später waren sie Märtyrer und verfolgte Zeugen. Dazu reicht keine bloße Mythifizierung, das geschah auf der Grundlage von wahrhaftiger Auferstehung aus den Toten!”

8) “Die Bibel überdauerte jeden Angriff in der Geschichte”. Das ist richtig. Und schade. Aber kein “Argument für Gott”. Es gab auch vorher nie ein Buch, das so sehr in ein System von Strafe und Verdammung eingebunden war, das aus sich selbst heraus legitimiert sein wollte, das mit Gewalt und Zucht in jeder Generation Kindern gelehrt wurde, deren Geist noch nicht die Kapazität besaß, sich dagegen zu wehren. Wahrlich, dieses “Argument” ist kein Ruhmesblatt.

9) “Marc: Gott rettet von Gewalt und Droge“. Ich bin überrascht, dass es die Allzweckwaffe “Anecdotal Evidence” (bevorzugte Anwender: Esoteriker) nur einmal in die Top Ten geschafft hat. Ich freue mich für Marc, dass er von den Drogen und den linken Revolutionären losgekommen ist. Ehrlich. Aber was genau will uns seine Geschichte sagen? Dass Atheisten keine Chance haben, von Drogen loszukommen? Dass man im Drogenrausch so ziemlich alles zusammen halluziniert, die Visionen von Jesus aber natürlich echt sind? Dass die Unterwerfung unter eine Autorität der ideale Ersatz für eine andere ist? Oder dass Marc sich vielleicht mal mit seinem Erlöser über die Tatsache auseinander setzen sollte, dass er ihm beim jahrelangen Drogenmissbrauch untätig zugesehen hat?

10) “Trotz Vergasung seiner Familie – Thomas Graumann kann vergeben!”. Wem bei diesem “Argument” nicht die kalte Kotze hoch kommt, dem ist nicht zu helfen. Wieder eine der unappetitlichen Anekdoten von Juden, die nach dem Zweiten Weltkrieg den “richtigen” Glauben gefunden und dann ihren Peinigern vergeben haben. Ich mag nicht mal dagegen argumentieren, das ist mir zu schmierig.

11) “Selbst die Feinde von Jesus bezeugen übernatürliche Kräfte”. Nun kann man argumentieren, dass es nicht viel Beweiskraft hat, wenn sich ein paar abergläubische Schafhirten von einem durchtriebenen Wanderprediger haben blenden lassen. Aber soviel Mühe muss ich mir gar nicht machen, weil das Büchlein die Argumentation von Haus aus dünn klingen lässt:

“Aus Sicht von Historikern sind Berichte über einen Wundertäter stichhaltig, wenn nicht nur Freunde die Taten bezeugen, sondern auch Feinde.”

Das klingt, als wäre es eine wissenschaftliche Faustregel: Wundertäter sind historisch als “echt” einzustufen, wenn auch ihre zeitgenössischen Feinde sie für Wundertäter hielten. Als ob es auch nur EINEN Historiker gäbe, der so einen Dummfug ernsthaft behauptet.

12) “Der Atheismus ist keine Erfindung der Wissenschaft, sondern vielmehr der Philosophie“. Das ist richtig, führt aber auf die falsche Spur. Denn auch die Religion ist keine Erfindung der Wissenschaft, sondern der Philosophie. Und es ist der Atheismus, der im Gegensatz zur Religion mit der Wissenschaft vereinbar ist.

13) „Gott bewahrte meinen Mann vor dem Selbstmord“. Das ist schön für “Klaudia”. Gott bewahrte ihren Mann allerdings nicht vor wirtschaftlichem Ruin, Unfall, Koma, Depressionen, etc. Weil er da noch nicht im “Verein” war. Ich fände einen Gott besser, der die Menschen vor Leid bewahrt, auch wenn sie noch nicht soweit sind, sich zu ihm zu bekennen. Aber das ist wohl – trotz seiner unendlichen Güte – zuviel verlangt.

An dieser Stelle finden wir einen Cartoon, den ich schlicht nicht verstehe. Was will uns der Künstler hier sagen?

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Ich hatte eigentlich vor, die unter die “Argumente” gemischten “Zitate” auszulassen, weil sie ja für sich genommen kaum Widerspruch zulassen und nicht dem Diskurs dienen sollen. Aber das hier – von einem “hochgebildeten Arzt und Chinamissionar” – fand ich drollig:

„Meine Herren, wenn Sie morgen mit der Bahn nach Hause fahren wollen, dann schlagen Sie den Fahrplan auf. Darin steht Ihr Zug, der zu einer bestimmten Zeit abfährt. Was machen Sie nun? Prüfen Sie nach, ob das einen historischen Kern hat? Fragen Sie nach, ob das literarische Zusätze eines Bahnoberinspektors sind? Fragen Sie nach, ob das für alle Zeiten so gilt? Gewiss nicht, meine Herren. Sie gehen doch zum Bahnhof. Sie finden Ihren Zug. Sie kommen ans Ziel. So mache ich es mit der Bibel. Ich nehme ihre Anweisungen und Verheißungen ernst und merke: So geht es, so kann man fahren. So kommt man ans Ziel.“

Wer so einen Vergleich als “Inspiration” zwischen Buchdeckel drucken lässt, disqualifiziert sich als Diskussionsteilnehmer. Weil wir tatsächlich wissen, dass es die Deutsche Bahn AG gibt. Weil wir zuschauen können, wie Fahrpläne erstellt werden. Weil die Bahn Züge nicht verspricht, sondern schickt. Weil wir den Fahrplan nicht nach Belieben interpretieren müssen. Weil nichts an der Bahn den Glauben an übernatürliche Mächte erfordert. Und weil die Bahncard – im Gegensatz zur Kirchensteuer – konkrete finanzielle Vorteile bringt.

14) “Christen haben Hoffnung über diese Welt hinaus“. Auch das: eine alte Leier. Vielleicht haben viele Menschen weniger Angst vor dem Tod, weil sie an das Himmelreich glauben. Allerdings gibt es vermutlich genau so viele, die den Tod genau deshalb fürchten, weil sie womöglich in der falschen Etage landen. Somit erlaubt der Glaube an den christlichen Gott nicht notwendigerweise eine positive Aussicht auf das Jenseits. Noch wichtiger aber: die Angst vor dem Tod ist natürlich und notwendig. Ich vertraue niemandem, der ernsthaft behauptet, sie im Glauben an Gott überwunden zu haben. Das ist krank. Und damit muss ich nicht mal die argumentative Keule heraus holen, dass das Wissen ob der eigenen Endlichkeit ein Ansporn sein sollte, im Diesseits gut und erfüllt zu leben.

15) “Gott hilft Mircos Eltern, dem Mörder ihres Sohnes zu vergeben”. Wieder diese Vergebungsnummer. Ich sähe (vermutlich) keinen Grund, dem Mörder meines Kindes zu vergeben. Meinen Frieden muss ich mit mir selber machen. Und wo dieser gerechte Gott war, als der Junge ermordet wurde, möchte ich lieber gar nicht wissen. Vermutlich in der Zigarettenpause.

16) “Die Handschriftenfunde der Bibel belegen ihre Glaubwürdigkeit”. Auch hier macht man sich nicht die Mühe, harte Fakten bei zu bringen. Es müssen krude Gedankensprünge reichen.

“Es ist schwer vorstellbar, wie die Kirche die Bibel verändert haben soll, wenn Handschriften vorliegen, die vor dem vierten Jahrhundert – als die Kirche entstand – verfasst wurden oder sogar kurz nach Jesu Tod entstanden sind.” 

Es ist wieder die sich selbst stützende Prophezeiung: unsere Unterlagen bestätigen uns, dass sie wahr und vollständig sind. Ich könnte nach dem gleichen Muster auf eine Serviette schreiben: “Diese Serviette spricht die Wahrheit – und du schuldest mir 100 Euro”. Zur Kasse, bitte.

Und dann reklamiert man noch fix die historische Authentizität nach dem Motto “anderen Quellen glaubt man doch auch”:

“Cäsars „Gallische Kriege“ sind die einzige Schrift des 1. Jahrhunderts über diesen Krieg. Es gibt keine anderen Berichte. Ohne seine Schrift hätten Historiker keinerlei Aufzeichnungen dieser Kriege. Doch seine Originalschrift existiert gar nicht mehr. Trotzdem gelten diese Dokumente als Darstellung historischer Fakten.”

Nun sind aber sowohl Cäsars Existenz als auch die Gallischen Kriege vielfach belegt. Die historische Person Jesus, die als konkretes Vorbild der religiösen Figur angesehen werden kann, kommt dagegen außerhalb der Bibel nicht vor.

17) “Die Natur spricht für einen Schöpfer“. Nein. Alles in der Natur spricht gegen eine “Schöpfung”. Was ist, entwickelte sich aus dem Kleinsten. Es wurde nicht zu einem gesetzten Zeitpunkt irgendwann einmal piffpaffpuff in die Welt gesetzt.

18) “Hans und Sophie Scholl: Der Widerstand gegen Hitler entstand aus ihrem christlichen Glauben“. Mit diesem Punkt werde ich mich nicht auseinander setzen, weil schon die Einleitung so widerlich ist, dass ich ihm keine Zeile mehr als nötig widmen will:

“Im Widerstand gegen Hitler standen vor allem Christen. Diese Tatsache wird oft verschwiegen.”

And fuck you, too.

19) “Exakte Voraussagen über die Kreuzigung treffen ein“. Die Bibel wusste, was geschehen würde. Sagt die Bibel. Und in der Bibel steht, dass sie Recht behielt. Klingt stimmig.

Hiernach folgt wieder ein Comic – diesmal über die Erbsünde, die den besonders verachtenswerten Glauben ausdrückt, jedes Kind werde als Sünder geboren. Müsste ich mir ein Detail des christlichen Glaubens aussuchen, das für sich genommen schon ausreicht, diesen Verein abzulehnen – das wäre es. Ich überlasse es euch, das Comic im PDF zu “genießen”. Es kommt mir auf jeden Fall nicht auf diese Webseite.

20) “Jesus rettete mich von der Ausweglosigkeit”. Meine Leben war scheiße ohne Gott, jetzt bete ich täglich und alles ist super, bla bla bla…

21) “Glaube verändert Menschen zum Guten, Atheismus nicht“. Über dieses Argument musste ich tatsächlich nachdenken. Es klingt im ersten Augenblick stimmig:

“Argumente für Gott? Gibt es viele, nämlich Millionen von Menschen, die zum Guten hin verändert wurden. Welche Arbeit leistet der Atheismus an den Herzen der Menschen?”

Es gibt hier in der Tat keine simple Antwort. Am ehesten kann ich es so formulieren: jede Veränderung zum Guten, die Christen für sich reklamieren, ist dem Atheisten schon inne. Sein “gerechtes” Leben ist keine Wende, kein Vorgang, den man in der Kirche besingen kann. Atheismus, weil er nicht ist, sondern etwas nicht ist, ist denkbar unspektakulär. Und ich würde durchaus sagen, dass mich der Atheismus zu einem “besseren” (wenn man das werten will) Menschen gemacht hat. Ich sehe die Welt klarer, unterteile Menschen nicht in banalste Kategorien und nach Ritualen. Vor allem aber habe ich dem Atheismus einen inneren Frieden zu verdanken, den mir keine Religion geben kann.

Gratulation, wir haben hier das erste “Argument für Gott”, das ich zumindest diskussionswürdig finde.

22) “Scheinbare Widersprüche: Gott ist gerecht und gnädig“. Eine interessante Frage, in der Tat: wie könnte ein gnädiger Gott, der z.B. Hitler vergibt, auch ein gerechter Gott sein? Leider ist die Antwort wenig bemerkenswert:

“In einem Menschen ist Gott gerecht und gnädig, denn in seinem Sohn ist der  Zugang zur Gnade geschaffen, bei ihm am Kreuz wird der Sünder begnadigt. In Ihm haben wir  Gnade und Gerechtigkeit.”

Tja, die Dreifaltigkeit ist seit jeher so eine Art christliche Allzweckwaffe, das Äquivalent zur esoterischen Definition der Quantenphysik. Ist gleichzeitig alles und nichts, lässt sich beliebig heran ziehen, um jeden Humbug zu erklären.

23) ”Gott ist nicht verantwortlich für das Böse in der Welt”. Auch das gehört zu den Dingen, die mich vom Glauben (den ich nie ernsthaft hatte) haben abfallen lassen – diese Hörigkeit. Alles, was an Gutem in der Welt passiert, haben wir dem Herrgott zu verdanken. Auf die Knie und danket ihm! Alle Scheiße, die wir täglich erleben, ist “nicht mein Tisch, sorry, Kollege kommt gleich”.

“„Gott, warum lässt du das zu?“ Das ist meistens der Satz, der unsere Tageszeitungen ziert, wenn etwas Schreckliches passiert ist. Gott allerdings würde uns dieselbe Frage stellen: Mensch, warum lässt du soviel Leid zu?”

Ahhh, die bequeme “Der Mensch verursacht des Menschen Leid”-Argumentation. Die leider nicht greift, wenn es um behindert geborene Kinder geht. Um hunderttausend Unschuldige, die vom Tsunami weggespült wurden. Um Pest, Erdbeben, Vulkanausbrüche und Fehlgeburten. Wo ist da des Menschen Schuld? Und wo Gottes Verantwortung?

24) “Die Bibel ist in sich stimmig – trotz ihrer großen Autorenzahl“. Eine mutige Aussage, vor allem deshalb, weil sie auf breiter Front widerlegt wurde. Das scheinen die Autoren des Bändchens aber irgendwie nicht mitbekommen zu haben.

Ausnahmsweise verweise ich, um den Beitrag nicht noch weiter ausufern zu lassen, auf eine externe Liste mit Widersprüchen in der Bibel. Und diese Grafik zum gleichen Thema ist auch schön:

bibleContra_small25) “Samuel Koch: „Sein Wille geschehe!“. Grundgütiger, wir sind bei “Wetten dass…?!” gelandet! Ich kann es nicht verstehen, aber ich respektiere, dass der bei dem Wettunfall verunglückte Samuel sich in den Glauben flüchtet. Sich einem Gott anzudienen, der genau dieses Unglück mit angesehen (nach striker Auslegung der Bibel: verursacht) hat, das will mir nicht in den Kopf. Aber Samuel Koch ist nicht Thema. Thema ist dieser Zynismus, der jedes noch so große Leid zum Mysterium erklärt:

“So bekommt Leid eine neue Perspektive, denn Gottes Gedanken sind nicht unsere Gedanken, doch weil Gott souverän ist, können wir wissen: Alles dient uns zum Besten. Auch unser Leid.”

Ich kann förmlich den Pfaffen sehen, der dem gelähmten Samuel auf die Schulter klopft und gütig sagt: “Freu dich doch drüber!”

26) “Zeugnisse außerbiblischer Quellen über Jesus”. Das Thema wurde hier schon lang und breit und fruchtlos diskutiert. Deshalb nur soviel: selbst ein historisch belegter Charakter namens Jesus wäre kein Gottesbeweis. Und jeder im Büchlein genannte Geschichtsschreiber stammte aus der Zeit NACH Christus.

27) “Der Mensch hat einen Sinn für Schönheit”. Ein perfektes Beispiel für die “God of the Gaps”-Argumentation, die den Herrgott in jede dunkle Spalte hinein schmuggeln will, die von der Wissenschaft noch nicht ausgeleuchtet wurde. Hier ist es also die Tatsache, dass wir Musik schön finden können, die wohl irgendwie Gott beweist:

Wenn wir Beethoven oder Bach hören, wenn wir die großen Symphonien des Lebens mit dem zugehörigen Sonnenuntergang betrachten, dann wird der größte Wissenschaftler ganz klein und auch er weiß in seinem Herzen um die Sinnhaftigkeit der Schöpfung. Doch ihre Herzen streiten gegen ihren Verstand.

Ich kann kein Gegenargument bringen, weil das kein Argument ist. “Wir finden Musik schön” ist eine Tatsache. Man kann prächtig sinnieren, warum das so ist. Es ist aber eines nicht: ein klares Indiz für die Existenz eines Gottes, oder gar des einen Gottes, den uns die Bibel vorschreibt.

28) “Die Pascal’sche Wette”. Ein Klassiker. Allerdings keiner, der einen auch nur halbgebildeten Atheisten aus der Ruhe bringt. Für alle Nachzügler und Einsteiger hier noch einmal die Annahme des Philosophen Blaise Pascal:

„Ihr sagt: Es gibt keinen Gott.  Ich sage: Gott existiert. Es steht also unentschieden! Wenn ihr Recht habt, und es gibt wirklich keinen Gott, was wäre dann mit mir? Eigentlich nichts! Ich würde sterben, und alles wäre vorbei. Ich hätte hier vielleicht nicht alles ausgekostet, was man als unverzichtbar hinstellt. Aber ist das ein so großer Verlust? Wenn es Gott aber gibt, dann wäre alles, wirklich alles, für euch verloren! Ihr würdet sterben und müsstet dann vor Gott Rechenschaft ablegen. Oder glaubt ihr, dass sich Gott eure Ignoranz seiner Person gefallen lässt? Ihr habt dann zwar hier alles mitgenommen und trotzdem alles verloren!“

Ganz simpel gesagt: würde ich nur aus Angst, ich könnte irren, zum Christentum konvertieren, würde mich der “liebe” Gott zu Recht wegen Unaufrichtigkeit in der Hölle schmoren lassen. Er will schließlich echte Hingabe, keine rationale Abwägung. Demnach wäre nicht nur jeder Atheist verloren – sondern auch jeder Atheist, der sich auf der Basis von Pascals Modell bekehren lässt.

Ich habe dem noch einen ganz persönlichen Gedanken hinzu zu fügen, der aus meiner Jugend stammt, als ich offiziell “katholisch” war. Selbst damals habe ich mich dem Dogma der Bibel nicht unterworfen, weil ich überzeugt war, dass Pascal irrt: Gott hat uns als denkende Wesen erschaffen. Auch wenn wir uns seiner Schrift nicht vollends unterwerfen, wird er uns dereinst nach der Rechtschaffenheit unseres Charakters, nach unseren Taten richten. Und ich war schon mit 14 überzeugt, damit eine größere Chance auf die Eintrittskarte zum Himmel zu haben als die frömmelnden, unlustigen Hostienlutscher, die sich aus Angst vor Ihm und der eigenen Verantwortung sklavisch an die Bibel halten. Der Gott, den ich mir damals vorstellen konnte, will keine Ja-Sager – weil er uns nicht als Ja-Sager geschaffen hat.

Okay, damit bin ich durch. Eine intellektuelle Fingerübung, mehr nicht. Bis auf Punkt 21 alles bekannt, alles widerlegt, alles falsch, vieles zynisch und menschenverachtend. Aber das ist ja genau der Kern der Religion: ihre Unveränderbarkeit, die immanent und gewollt ist, verhindert jedes neue Argument, mit dem sie sich verteidigen könnte. Ihre absurde Position ist statisch – und sie bröckelt, weil sich alle anderen wissenschaftlichen und geistlichen Disziplinen weiter entwickeln. Ich würde ja jetzt “Gottseidank” sagen, aber dann heißt es wieder, der Dewi ist schnippisch.

“Wer glaubt, weiß noch mehr” – stimmt. Mehr Unfug.

Buchtitel_rz.epsWir haben mit einem Buch angefangen, wir sollten mit einem Buch aufhören. Mein Bruder hat mir letztes Jahr Michael Schmidt-Salomons “Manifest des evolutionären Humanismus” geschenkt. Ich habe es verschlungen. Weil es sich nicht an einem Gegner abarbeitet, etwas zu widerlegen versucht, mühsam eine Gegenposition aufbaut. Es ist ein Buch, das Skeptizismus und Atheismus für sich nimmt und aus ihnen heraus das Bild eines freien, modernen und sozialen Menschen entwickelt – ausgehend von der Realität, die uns vielleicht oft nicht schmeckt, aber konkreter ist als die Wunschvorstellungen, an denen das Christentum genau so gescheitert ist wie der Kommunismus. Ich kann dieses Buch allen Lesern ans Herz legen, die mal ganz konkret wissen wollen, wie eine humane Gesellschaft aussehen könnte, die dem Menschen und seiner Natur gerecht wird. Awesome.

Hier findet ihr eine gute und knappe Zusammenfassung des Inhalts.

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13
Mai 2013

B-Film Basterds: der ganze dreckige Rest

Ich bin wieder in München, so ermüdet wie aufgekratzt. Es war ein tolles, sehr erfolgreiches und harmonisches Wochenende, das vor allem eins zeigt: das Festival wächst und gedeiht. Fast durchgehend ausverkauft und mit einem üppigeren Programm als in den Jahren zuvor, müssen sich alle Beteiligten jetzt schon Gedanken machen, wie sie dem Erfolg 2014 Rechnung tragen wollen.

Gegenüber des Kinos stand am Samstag übrigens ein Wagen, den ich euch nicht vorenthalten wollte:

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Persönlich gefreut hat mich die Anwesenheit von mindestens 20 Jungs und Mädels aus dem Wortvogel / Trashtalk / Fantasy Filmfest-Kontext, die mittlerweile so eine Art Posse bilden. Da geht man auch morgens zusammen frühstücken, nimmt noch einen Drink in der Hotelbar, räumt die DVD-Abteilung des lokalen “Müller” leer.

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Zum Abschluss (nachdem wir im Irish Pub wie immer brunchen waren) gab es noch drei Filme als “Rausschmeißer” – und das muss man fast wörtlich nehmen, denn nach den massenkompatiblen Funtrashern der zwei Tage davor war diesmal harte Kost angesagt.

Das Geständnis eines Mädchens

Bei der letzten “Spende” von “Buio Omega” handelt es sich um einen “Sittenreißer” der späten 60er, der vom Abstieg der braven Angela in Kriminalität und Promiskuität erzählt. In schwarzweiß mit viel Lokalkolorit an Originalschauplätzen gedreht (Supermärkte, Neckermann-Kaufhaus, Berliner Tanzlokale und Schwimmbäder), kann “Das Geständnis eines Mädchens” mehr als Schaufenster in eine vergangene Zeit punkten denn als authentische Fallstudio. Der Film ist in der Darstellung so brav wie in seiner Moral, allerdings auch erstaunlich zynisch in seiner Weltsicht – Männer sind durchweg korrupte, sexgierige Schweine, Frauen entweder berechnend oder verloren im Haifischbecken der Großstadt. Eine durchaus illustre Besetzung (Günter Pfitzmann! Horst Jüssen! Ulli Kinalzik!) und die bezaubernde Entdeckung Margitta Sonke heben den Film streckenweise deutlich über das Niveau seines sehr niedrigen Budgets.

Leider brach der Film gegen Ende ab – man hatte vergessen, die letzte Rolle mitzubringen! Einer der Veranstalter von “Buio Omega” war so nett, uns den Ausgang der Geschichte zu erzählen. Wir wollten ja nicht dumm sterben.

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Raumschiff Terra zum Planet der Affen

Oh boy. Da muss man wohl auch durch. Wie letztes Jahr mit “Raumschiff Alpha”, mussten wir auch heuer einen “Science Fiction”-Film italienischer Provinienz über uns ergehen lassen. Diesmal leider ohne Franco Nero, ohne nennenswerte Raumschiff-Modelle und ohne nennenswerte Ansätze, uns über das absolut notwendige Maß hinaus zu unterhalten. Das ist wirklich ganz dröger Unsinn, der keinen Deut dadurch gewinnt, dass die Amis noch eine Sequenz aus “Doomsday Machine” reingeschnitten haben und ein “Planet der Affen” nur in dem Sinn vorkommt, dass das Raumschiff “Terra” vom Planeten “Gamma” mal Zwischenlandung auf einem Himmelskörper macht, auf dem die Weltraumreisenden 10 Sekunden lang von Komparsen in Zottelkostümen attackiert werden. Das rettet den hanebüchenen, so kindertauglichen wie hoffnungslos veralteten Schnarch auch nicht.

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Jungfrau unter Kannibalen

Ebenfalls unter “Pflichtübung” muss man wohl “Jungfrau unter Kannibalen” verbuchen, der im Gedenken an den kürzlich verstorbenen Jess Franco kurzfristig ins Programm genommen worden war. Italo-Rotz mit Al Cliver und Ursula Buchfellner, die wenigstens den Großteil der Laufzeit unbekleidet (wenn auch nicht als Jungfrau) verbringt und als Playmate auch die dafür geeigneten Qualitäten vorführt. Der Rest ist Franco-typische Inkompetenz mit einem Feigenblatt von Handlung, miesen Schmoddereffekten, erbarmungswürdiger Kameraarbeit und einem Showdown, in dem der Held sich mit einem nackten Neger prügelt. Muss man nicht mögen, aber… nein. Eigentlich kein “aber”. Muss man echt nicht mögen.

Jungfrau

And that’s all, folks!

Als Sahnehäubchen habe ich noch etwas Besonderes für euch. Ihr erinnert euch doch sicher an die “Paco”-Gedächtnispose, oder? Diesmal entwickelte sich der Gruß aus “Megaforce” ratzfatz zum Kult. Und weil der sich bildlich schlecht darstellen lässt, habe ich das Publikum des letzten Festival-Films für euch auf Video festgehalten:

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In diesem Sinne – wir sehen uns 2014!

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12
Mai 2013

B-Film Basterds: dreckige Filme, dreckiges Gelächter

Wer hätte gedacht, dass es mir vergönnt sein würde, u.a. die Filmrollen mit Charles Bands Riesenroboter-Epos “Robotjox” durch die Republik zu kutschieren, damit sie für ein B-Movie Festival abgespult werden können?

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Und wahrlich, ich sage euch: es ist wieder ein Heidenspaß. Die Zahl der “Stammgäste” wächst von Jahr zu Jahr, die meisten Vorstellungen sind ausverkauft, die Stimmung ist super – im Gegensatz zu den Filmen, was aber auch Sinn der Sache ist. Dieses Jahr hatten Doc Acula und seine Komplizen ein besonders glückliches, weil sehr ausgeglichenes Händchen bei der Filmauswahl. Schwülstige Erotica, krachende Riesenroboter-Action, bumsige Westernparodie, Karate-Hampeleien, Italoschmodder, Superhelden-Umtriebe,  - schon die erste Hälfte des Programms konnte voll überzeugen.

Hier mal meine schnell hingeschluderten ersten Gedanken zu Freitag und Samstag. Die drei Sonntagsfilme trage ich heute Abend nach.

Argoman – der phantastische Supermann

Roger Browne ist das Fleisch gewordene Heldenkinn in einem Comicfilm, der ganz die Popart der 60er atmet: die Bösewichtin kämpft weniger mit dem Argoman als mit ihrem unglaublichen Vorrat an “swinging sixties”-Klamotten, alles ist bunt und blinkt, die launige deutsche Synchro drückt “Argoman” weg von “Diabolik”, hin zu den “Fantomas”-Filmen mit Louis des Funes. Für die Zeit angemessen frauenfeindlich und blöd (Argoman verliert nach Geschlechtsverkehr für sechs Stunden seine Superkräfte!), mit viel Pariser und Londoner Postkartenansichten. Einzig der absolute Mangel an tatsächlicher Action nervt – Argoman erledigt alle Probleme per Telekinese im sprichwörtlichen Handumdrehen. Da boten “Die drei Supermänner” und “Diabolik” erheblich mehr. Trotzdem: granatenstark.

argomanDjango Nudo und die lüsternen Mädchen von Porno Hill

Als Film gewordene Unfassbarkeit angekündigt, gelingt es “Django Nudo” tatsächlich, die hoch gestellten Erwartungen zu erfüllen und sogar zu übertreffen. Einen schmierigen Softsex-Western mit Elementen deutscher Bumsfilme und Slapstick-Comedys sowie einer für ihre Zeit geradezu spektakulär introspektiven Deppen-Synchro zum Kult umzustricken, das muss man erstmal schaffen. Hier gibt es viele haarige Männerärsche und teigige Frauenbrüste zu bewundern, Silikon im Wilden Westen, das notgeile Pärchen Bumsi und Bumso sowie eine Postkutsche, die aus Kostengründen gänzlich ohne Pferde auskommen muss. Die Synchro wendet sich immer mal wieder direkt an den Zuschauer, in den Dialogen werden “Bonanza”, “Big Valley” und “Ihr Auftritt, Al Mundy” referenziert. Django stellt sich vor als “Der Herausgeber der Zeitung ‘Django und die Sieben Zwerge’”. Kurzum: hier ist alles drin, worum es bei dem Festival geht.

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Mädchen zum Mitnehmen

Sexbombe Mary-Lou landet auf der Cooper-Farm und bringt das Machtgefüge der eingeschworenen Männergesellschaft dort schnell durcheinander. Dieser Film spaltete das Publikum – viele Zuschauer fanden ihn langweilig und banal. Ich nicht. Man muss sicher einen Draht zu den aufgeheizten, aber letztlich harmlosen “Bad girl”-Filmen der 50er haben, die schwülstige Lust als Gift für die saubere Nachkriegsmoral anprangerten und gleichzeitig gierig darboten. “The Girl with an Itch” ist dafür ein so typischer wie solider Beitrag, der mit guten darstellerischen Leistungen aufwarten kann. Hätte Ed Wood “Dallas” gedreht, wäre vermutlich so etwas dabei raus gekommen.

maedchenzummitnehmen

Alien 2 – Die Saat des Grauens kehrt zurück

Bekanntlich waren die Italiener schneller als Ridley Scott, als es darum ging, ein “Sequel” zu “Alien” auf die Rampe zu hieven. Dabei ist “Astaron – Brut des Schreckens” für Freunde des 80er Splatterfilms gar keine schlechte Investition: nicht gut, aber unterhaltsam. “Alien 2″ hingegen ist das ANDERE “Sequel” – und ein brutaler Marathon für jeden Geduldsfaden, bei dem am Ende die Augen bluten. Hier passiert nichts, wird nichts erzählt, nichts entwickelt – es gehen nur ein paar erschütternd uninteressante Vollpfosten in eine Höhle und werden von ein wenig Schmodder gemeuchelt, der nach in Kunstblut getunktes Klopapier aussieht. Ein Non-Film, der seine Laufzeit primär damit rum bringt, dass wir den Charakteren beim Pinkeln, beim Autofahren, beim Einkaufen und beim Umziehen zuschauen. Einziges (schwaches) Highlight: Das Ende. Wie es aussieht, haben die Aliens nicht nur in wenigen Stunden die ganze Welt übernommen und alle Menschen ermordet – sie haben auch noch die Leichen beseitigt und schnell feucht durchgewischt. Respekt.

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Liebesgrüße aus Fernost

Superagent Mike Harper soll heraus finden, warum weltweit Sportler verschwinden. Dabei kommt er einem Transplantationskartell auf die Schliche, das sexy Frauen als Handlanger einsetzt. Der schmierige Grindhouse-Actionfilm der 70er – so sah er aus. Vollgepackt mit billigem Remmidemmi, gewürzt mit T&A, Sexismus, Rassismus, dazu ein wenig Tiersnuff und Polyesterhemden mit Tesbildmuster. Für sich genommen schon eine große Tüte Kinopommes, aber erst die Leckmich-Synchro von Rainer Brandt macht den Ketchup drauf. Im blauen “leisure suit” wandelt “Liebesgrüße aus Fernost” im Niemandsland zwischen B-Movie und seiner eigenen Parodie. Auch für Trashnoobs absolut empfehlenswert.

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Robotjox

Ich habe Robotjox zum letzen Mal 1990 gesehen. Damals, vor dem Boom der CGI-Effekte, beeindruckten mich die Stop Motion-Roboterschlachten, während der ganze Plot dahinter mit seinen Pappmaché-Sets und Pappmaché-Charakteren eher dürftig war. Das hat sich nicht geändert. Die Jahre haben “Robotjox” nicht gut getan, er wirkt noch mal deutlich kindischer als zur Zeit seiner Entstehung, Hauptdarstellerin Anne-Marie Johnson ist fatal fehlgecastet, die Narrative kommt an keiner Stelle über das Niveau einer billigen TV-Serie hinaus. Aber die Nostalgie fängt einiges wieder auf, weil man WEISS, wie unglaublich schwer ein solches Projekt damals zu stemmen war, als die Hardware noch nicht von der Hardware kam – David Allens Effekte mögen krude wirken, ihren Charme haben sie allerdings nicht verloren. Die Sequels “Robot Wars” und “Crash and Burn” waren vielleicht weniger anspruchsvoll, aber insgesamt runder.

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Megaforce

Hier kamen die Jungs vom “geheimnisvollen Filmclub Buio Omega” ins Spiel, die heuer drei Filme “stifteten” und uns vorab noch das Konzept ihres Kultkinos in Gelsenkirchen erklärten. Ich bewundere ihre Liebe zu den manchmal hässlichen und vernachlässigten Stiefkindern der Filmindustrie und teile ihre Mission: zu zeigen, dass diese Filme für die Leinwand gedacht waren und dass so mancher vorschnell als “Trash” abgestempelte Billigheuer einen ganz neue Qualität bekommt, wenn man ihn in guter Gesellschaft in einem großen dunklen Saal sieht.

Ich habe “Megaforce” in den frühen 80ern im Kino gesehen und mir viel davon versprochen. Aber selbst im Jahrzehnt von Cannon und Michael Dudikoff, von Ninjas und Weltraumpiraten stach “Megaforce” als besonders hirntoter Militaria-Furz heraus. Ein Film, dem man den penetranten Sexismus, die permanente Eierschaukelei und den präpotenten Waffenfetisch noch verziehen hätte – wäre er nicht so erschütternd schlecht. Die Kontrahenten balgen sich um irgendwelche imaginären Grenzen in irgendwelchen staubigen Wüstengebieten, niemand hat eine persönliche Motivation und es gibt keine Zivilisten zu schützen. “Megaforce” ist das verfilmte Hin- und Hergeschiebe von Figuren auf einer militärischen Strategiekarte. Was Hal Needhams “Hurra Amerika!”-Film bis heute aber zum wenigstens einmaligen Pflichtfilm macht, ist Barry Bostwicks Performance als “Hunter” – der zugleich schwulste und chauvinistischste, selbstbesoffenste und fake-bescheidene Commander der Filmgeschichte. Ein Richard Branson mit Fönfrisur und hautengen Spandex-Strampelanzügen, dem man jede emotionale Regung zwischen den Beinen ablesen kann.

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Die Vergnügungsspalte

Die zweite “Buio Omega”-Leihgabe hat eine ähnlich krude Verleihgeschichte hinter sich wie “Django Nudo” – hier wurde ein italienisches Softsex-Drama erst um zwei Drittel gekürzt, dann mit in Deutschland neu gedrehten Bumsszenen auf doppelte Länge gestreckt. Der Versuch, eine kohärente Geschichte zu erzählen, wird an keiner Stelle gemacht. Wenn ein deutscher Darsteller-Ersatz mal keine Ähnlichkeiten zu der Figur in den Originalszenen hat, muss er halt drei Minuten lang den Kopf vom Publikum abwenden. Es definiert den Begriff “Fremdschämen” und lädt zu der Frage ein: was sollte das? Wenn man 45 Minuten neu drehen kann, kann man auch gleich 70 Minuten neu drehen und das “Original” in dem Keller verrotten lassen, in den es gehört. Dann hat man vielleicht keinen besseren Film, aber zumindest einen, der in Bildqualität, Location und Darstellern stimmig bleibt. In der vorliegenden Version ist das Ergebnis der cineastischen Geschlechtsumwandlung von der mediterranen Erotiksoap zur deutschen Bumsfidel-Fabel zwar aufklappenden Kiefern förderlich, aber nicht annähernd so unterhaltsam wie “Django Nudo”. Ein Film, der wirklich nur der beinharten “Midnight Crowd” zuzumuten ist – und die war anwesend.

Fanny

So, und nun muss ich in den lokalen “Irish Pub” zum Brunch mit den Jungs und Mädels. Danach stehen noch drei “Perlen” auf dem Programm.

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10
Mai 2013

“Star Trek into Darkness” SPOILER-ZONE!!!

Rosebud-

Die nächsten drei Tage bin ich beim B-Film Basterds Festival. Ich habe aber das Gefühl, dass einige von euch gerne die Details des neuen Trek-Films diskutieren möchten, ohne ständig um den heißen Brei herum zu reden. Hier habt ihr das Forum dafür.

Ich selber fange mit ein paar Gedanken an, aber erst nach dem Break.

AB JETZT AUF EIGENE GEFAHR!!!

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9
Mai 2013

The anime art of insanity

Ich bin kein so großer Fan von Anime, das wisst ihr. Was ich an technischer Expertise bewundere, vermisse ich an Erzählkultur. Aber das ist nur meine Meinung und die japanischen Trickserien sind weltweit erfolgreich genug, um mir Ignoranz vorwerfen zu können.

Ein besonderes Talent der japanischen Studios sind die Serienvorspänne. Hier ist einer meiner “all time favorites”:

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Die coolste Erinnerung meiner Kindheit verdanken wir allerdings den deutschen Redakteuren, die “Captain Future” nicht nur einen neuen Vorspann, sondern auch eine neue Musik verpassten:

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Heute bin ich über eine andere Serie gestolpert, die ein großartiges Intro hat, das an “Battlestar Galactica” und “Babylon 5″ erinnert – nur um dann mit dem Einsetzen der Titelmusik derart radikal abzudrehen, dass ich laut lachen musste:

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Die haben doch echt einen an der Klatsche.

P.S: Ja, das hier ist der Versuch eines “Überbrücker-Artikels”, bis am Freitag das B-Film Basterds Festival los geht. Ich wollte eigentlich vorher noch eine Kritik zu “Now you see me” schreiben:

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Ich bin nur zur Pressevorführung gefahren, um diese Woche hier keine totale Ödnis einziehen zu lassen. Und was stelle ich vor Ort fest? Sperrfrist bis 31.5. Ich würde was sagen, aber ich darf nicht. Grrr….

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7
Mai 2013

Münchner Kindle

Kennt ihr auch Leute, die ihr eigentlich mögt, die euch aber manchmal zum Wahnsinn treiben, weil sie in ihrer schluffigen und unverbindlichen Art weder präzise Diskussionen noch präzise Planungen zulassen? Julian Reischl ist so einer. Ich kenne niemanden, der Julian nicht mag – von destruktiven Vollpfosten mal abgesehen. Julian ist dick, gemütlich, jovial und immer freundlich.

Aber Julian neigt auch (obwohl er Atheist und Skeptiker sein will) zur Denkfaulheit und zu mangelnder intellektueller Trennschärfe. Er tritt für das bedingungslose Grundeinkommen ein, verhaspelt sich aber bei jeder Diskussion, in der es plausibel erklären soll. Er empört sich gerne über die korrupten Machteliten – verkauft aber für ein paar magere Euro Beiträge auf seiner Webseite Filmjournalisten.de, die Leser zu Abzockseiten locken. Er postet Bilder von fetten Schweinebraten, die er sich zubereitet – verlangt aber lautstark bei Facebook, dass man Bedürftigen keine Lebensmittel mit Pferdefleisch schenken dürfe, weil das deren Würde untergrabe.

Kurzum: Julian macht es sich oft zu einfach und denkt zu kurz. Er versteht nicht einmal, dass ich mich mit ihm nur deshalb immer wieder auf Diskussionen einlasse, weil ich hoffe, dass er dadurch lernt, etwas ausgewogener zu denken, etwas weniger bauchgesteuert. Der besten Sache ist nicht gedient, wenn man sie nicht glaubwürdig vertreten kann. Wäre Julian mir wurscht, wäre er mir die Zeilen nicht wert.

Leider enden die meisten unserer Diskussionen damit, dass er lautstark proklamiert: “Mensch, wieso hackst du eigentlich immer auf MIR rum?”

Aber das sind alles nur Nebenkriegsschauplätze. Eben holte ich nämlich ein Buch aus dem Briefkasten, das mir Julian geschickt hat. Es ist von Julian. Und er hat es mir signiert. Das finde ich nett.

Nun habe ich keinen Kindle und bin deshalb auch nicht Zielgruppe. Das soll aber kein Grund sein, für dieses Buch (das angesichts der Produktzyklen ein kurzes Leben haben wird) zu trommeln. Das macht man unter Freunden so. Beim interessierten Durchblättern kann ich das auch durchaus rechtfertigen: übersichtlich strukturiert, ordentlich geschrieben, angemessen detailliert.

Wer also mehr als die mageren Online-Anleitungen zum Kindle sucht, der klicke auf das Cover, welches ihn schwuppdiwupp nach Amazonien bringt.

kindleJulian selbst hat hier über die Entstehung des Buches geschrieben.

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4
Mai 2013

Abt. “sehen wollen”: Star Trek – Pixar Style!

Ich weiß, das hier ist nicht neu – aber es passt zum aktuellen Film und ich spiele gerade mit meinem neuen Galerie-Plugin:

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3
Mai 2013

Kleines TV-Bilderrätsel zum Wochenende

Mir ist gerade aufgefallen, dass es eine Serie gibt, bei deren Vorspann ich zwanghaft drei Gesten an drei bestimmten Stellen mache:

intro

Kommt jemand drauf? Und macht es noch wer außer mir?

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