24
März 2015

Wasserstandsmeldung des Wortvogels

Erst Kurzurlaub in Dublin, nun Reportagemarathon in und um München – man kommt zu nix. Wenigstens habe ich heute ein Angebot bekommen, das ich stressfrei ablehnen konnte:

angebotErwartungsgemäß habe ich mir deshalb meine guten Carnaby Boots durchwässert, was einen trockenen Fleck hinterließ, der erstaunlich an Texas erinnert:

Texas

Zum Wochenende hin schreibe ich wieder ein paar Texte für euch, versprochen. Bis dahin seid mit dieser Anekdote vertröstet:

Ich kam heute Abend sehr müde, durchfroren und gestresst im Hotel an. Hunger hatte ich auch. Also dachte ich mir: Wenn schon in München, dann doch gleich in mein Lieblingsrestaurant Sangam in Schwabing. Nach satten sechs Runden um den Block erinnerte ich mich daran, die Parkplatzsituation in der Münchner Innenstadt wie die Pest zu hassen. Um den Ärger zu verstärken, schaute ich erst dann zum Lokal – und stellte fest, dass das Sangam dicht gemacht hat!

Kaum bin ich ein Jahr weg, schon sind die pleite?!

Die Webseite der Betreiberfamilie erklärt es so:

“Das SANGAM Restaurant musste am 31. Januar seine Pforten schließen, da uns entgegen früherer Zusagen der Pachtvertrag leider nicht verlängert wurde. Wir aber sagen DANKE für die langjährige Treue unsere Gäste in Schwabing.”

Mit dem letzten Satz meinen die mich, keine Frage. Also weiter in Richtung Odeonsplatz, Richtung Schwesterlokal Sangeet.

Auch geschlossen.

Man kann die bayerische Metropole nicht mal 12 Monate aus den Augen lassen, schon geht da alles drunter und drüber…

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17
März 2015

Das deutsche Horror-Fandom bläst zum Angriff!

Es ist schön, dass sich manche Dinge nie ändern. Schon in den 80ern war sehr offensichtlich, dass man mit den Fans bestimmter Filme nicht reden kann – weil die auf jede Kritik an ihren Heiligtümern aggro reagieren. Da treffen sich Nerd und Neigung in seltener Eintracht, hilflos wird mit verbalen Bierdosen geworfen und “deine Mudda!” gegrölt.

Aus dem Grund wundert es mich auch nicht wirklich, dass die Beteiligten von “German Angst” und ihre Claqueure meinen Verriss von zwei Dritteln des Werkes eher unsouverän aufnehmen:

papeBundestag, RTL, Gymnasium – die holen wirklich die ganz dicken Kanonen raus. Beim “Pape-Hasser” überschätzt Andreas Pape seine Strahlwirkung allerdings ganz gewaltig. Im Gegensatz zu ihm kann ich Mensch und Werk auseinander halten.

Sollte ich angesichts dieser dumpfen Wut meine Meinung zum Film nochmal überdenken? Nö. Zumal eigentlich alle, mit denen ich nach dem Film gesprochen habe, so ziemlich einer Meinung waren. Meiner. Allenfalls die Buttgereit-Episode wurde hier und da etwas wohlwollender gesehen.

Wahrlich, das deutsche Fandom ist mal wieder genau so, wie es ständig behauptet, eben nicht zu sein. QED.

Nachtrag: Zumindest Kosakowski scheint Peilung zu haben – auch wenn danach wieder ein Buttgereit-Fan mit Penis-Fixierung zu Wort kommt:

kosa

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16
März 2015

Fantasy Filmfest Nights 2015: Die Reviews (2)

poster_marshlandMarshland

Spanien 2014. Regie: Alberto Rodriguez. Darsteller: Raul Arévalo, Javier Gutierrez, Antonio de la Torre, Nerea Barros u.a.

Story: Zwei Polizisten sollen das Verschwinden zweier Schwestern in der spanischen Provinz des Jahres 1980 aufklären. Bald gibt die weite Sumpflandschaft die Leichen frei und es geht um Mord. Um mehrere Morde. Und schließlich um die Frage, wie weit eine Gemeinschaft zu gehen bereit ist, um vergangene Sünden und nie bestrafte Täter zu schützen. Dabei verläuft der Graben nicht nur zwischen den Dörflern und der Polizei, sondern auch zwischen den Beamten selbst…

Kritik: Man kann “Marshland” für einen entsetzlich mäandernden Krimi halten, der seine zu komplizierte Geschichte zu spannungslos und mit trüben Bildern erzählt, in dem durchschwitzte Polyesterhemden und schlechte Haarschnitte regieren und geraucht und gesoffen wird, als gälte es Rekorde zu brechen. Zähes Männerkino, wie es auch aus Chile oder Mexiko kommen könnte. Man läge nicht mal wirklich falsch damit.

Hat man allerdings rudimentäre Ahnung von den historischen Zusammenhängen, dann wird schnell klar, dass “Marshland” unterschwellig vibriert, dass jede Szene aufgeladen ist mit schmerzhafter Geschichte und gerade bei uns Deutschen die entsprechenden Knöpfe drücken kann. Hier wird eine Mordserie erzählt, die weit zurück greift in einen über Jahrzehnte tumb hingenommenen Unrechtsstaat, der immer noch lautstarke Verteidiger hat und dessen schmierigste Vertreter weiterhin an den Schnittstellen der Macht sitzen. Wo aus folternden “Sicherheitskräften” brave Polizisten werden und aus Diktatoren Demokraten, als müsse dafür nur das Hemd gewechselt werden, als habe das System nicht unter der Erde noch seine Wurzeln erhalten.

Sound familiar?

“Marshland” schafft es, mit einer großen Bandbreite von klar gezeichneten Figuren die Spannungsverhältnisse in der noch wackeligen Demokrat über den Kriminalfall zu erzählen, ohne in simples Schwarzweiß zu verfallen. Hier tun gute Menschen Böses, und böse Menschen Gutes. Das alles ist in großartig-deprimierenden Bildern eingefangen, in denen sogar die Häuser und Autos zu schwitzen scheinen und die ewig präsenten Staub- und Matschflecken bis in die Seelen reichen.

Sicher kein leichter Film, keiner, der sich dem Publikum anbiedert oder es mit einfachen Erklärungen bei der Stange hält. Aber ein schöner Beweis, dass anspruchsvolle Krimikost auch außerhalb Skandinaviens und Großbritanniens serviert wird.

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Fazit: Langsamer, drückender Krimi vor der Kulisse des nach dem Tode Francos neu demokratisierten Spaniens. Ein Film, der von seinem Zeitkolorit und seinen gut beobachteten Figuren lebt, die sich mit einer gänzlich neuen Kultur arrangieren müssen.

springSpring

USA 2015. Regie: Justin Benson, Aaron Moorhead. Darsteller: Lou Taylor Pucci, Nadia Hilker, Francensco Carnelutti, Nick Nevern, Jeremy Gardner u.a.

Story: Evan hat seine krebskranke Mutter verloren, seinen Job auch, und ein dumpfer Schläger will ihm die Fresse polieren. Auf den Rat einer Freundin hin kauft er sich spontan ein Flugticket nach Europa, um Kopf und Gemüt auszulüften. Er landet schließlich im malerischen Italien, wo er sich prompt in die so hübsche wie eigenwillige Louise verliebt. Was er nicht ahnt: Louise ist ein Jahrhunderte altes Monstrum, das in jeder Generation geschwängert werden muss, um sich aus den Stammzellen des Fötus zu regenerieren. Doch auch für Louise ist die Liebesgeschichte nicht das, was sie erwartet hat…

Kritik: Durch einen kurzen Vorabplausch mit Onkel Filmi ging ich diesen Film eher negativ belastet an – die Macher sind wohl aus der Indie/Mumblecore-Ecke, für die ich wenig Leidenschaft hege. Darum dauerte es auch eine Weile, bis ich die improvisiert wirkende Kameraarbeit und die unaufdringlichen Dialoge als Stilmittel und nicht als Unfähigkeit identifizieren konnte. Ab da ging’s dann geradewegs bergauf.

90 Prozent der Laufzeit ist “Spring” eine Urlaubs-Liebesgeschichte zweier junger Menschen, deren Leben sich im Umbruch befindet. Das erinnert an die “Before”-Trilogie von Linklater mit Julie Delpy und Ethan Hawke, und natürlich ist das “exotische” Europa der Katalysator.

Benson und Moorhead verstehen es dabei hervorragend, das aneinander Herantasten der beiden Protagonisten glaubwürdig zu inszenieren, Evans Faszination, Louises’ Distanz. Da findet sich kein Kitsch, kein Melodrama. Hier finden sich zwei, die erst ihre Rezeptoren öffnen müssen. Nähe zulassen, wenn man das Klischee bedienen möchte.

Die Atmosphäre Apuliens verstärkt die traum-hafte Qualität des Sommermärchens, in die eher beiläufig nach einer Stunde der Horror von Louises’ immer unkontrollierbareren Verwandlungen einbricht. Aber auch dann dreht “Spring” nicht in die Genrestandards, hält sich weiter an der Liebesgeschichte fest, die sich von der lovecraftschen Unbeschreiblichkeit nicht zerstören lassen möchte. Das Monster in Louise – es könnte auch ein gewalttätiger Exfreund sein, eine Drogenabhängigkeit, eine tödliche Krankheit. Es ist nicht wirklich Fokus, sondern nur das Hemmnis, das die Liebenden überwinden müssen.

Die bewusst dokumentarische begleitende Kamera ergänzt sich hervorragend mit den wenigen, aber exzellent umgesetzten Spezialeffekten, die bei größerer Käsigkeit den Zuschauer leicht aus der Filmwirklichkeit hätten reißen können.

Als besonderen Pluspunkt muss man zudem die deutsche Nadia Hilker nennen, die nach Auftritten in “Soko” und “Alarm für Cobra 11″ als Louise ein ganz starkes internationales Debüt hinlegt. Sinnlich und scharfsinnig, schlagfertig und sehnsüchtig – das könnte (sollte!) der Beginn einer beeindruckenden Karriere sein.

Gut, insgesamt könnte “Spring” Kürzungen von 10 bis 20 Minuten in den ersten beiden Akten vertragen und das Finale ist zwar folgerichtig, aber auch etwas unspektakulär – das tut der Frische und der Vitalität der Liebesgeschichte jedoch keinen Abbruch.

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Fazit: Eine dialoglastige Independent Love Story, in der die Tatsache, dass es nicht nur um „boy meets girl“, sondern auch um „boy meets monster“ geht, eher nebensächlich bleibt. Das grundsympathische und gut gespielte Stück verdient ein Publikum weit über das Horrorfilm-Genre hinaus.

wyrmwood-posterWyrmwood: Road of the Dead

Australien 2014. Regie: Kiah Roache-Turner. Darsteller: Jay Gallagher, Bianca Bradley, Leon Burchill, Keith Agius, Catherine Terracine u.a.

Story: Die Zombie-Apokalypse kommt schnell, gnadenlos und unerwartet. Mechaniker Barry muss sogar seine Frau und seine Tochter erschießen, bevor er sich auf den Weg macht, um wenigstens seine Schwester Brooke zu retten, die sich allerdings schon in den Fängen eines außerordentlich madden scientists befindet. Doch man kann ja auch mal Glück im Unglück haben und als Barry im gepanzerten Wagen seine Schwester befreien kann, hat diese durch ungefragt an ihr durchgeführte Experimente ein paar Fähigkeiten, die sich beim Kampf gegen die Zombies als durchaus nützlich erweisen.

Kritik: Kann die Zombiewelle ENDLICH mal wieder abebben? Haben wir neben Dutzenden von B-Movies, Blockbustern wie “World War Z”, den diversen “Resident Evil”-Sequels UND TV-Serien wie “Z Nation” und “The Walking Dead” nicht ENDLICH mal genug schlurfende Untote gesehen? Wie wär’s mal wieder mit Dämonen, Vampiren oder meinetwegen auch Mumien?

“Wyrmwood” ist weniger ein Film, mehr ein verfilmtes Armutszeugnis. Eine Handlung gibt es nicht: Die Seuche bricht aus, Barry will seine Schwester retten. Nicht mal der Weg von diesem mageren A zu diesem mageren B ist möglich – letztlich stoßen die beiden durch puren Zufall aufeinander. Es gibt auch keine “character arcs”, niemand entwickelt sich oder lernt dazu. “Wyrmwood” führt lediglich ca. 10 Figuren ein, von denen am Schluss nur noch zwei übrig bleiben. Der Rest ist großkalibriges Zerplatzen von Zombieschädeln.

Es ist völlig egal, ob die Action halbwegs flüssig inszeniert ist oder ob Bianca Bradley im durchgeschwitzten BH gut aussieht – “Wyrmwood” ist ein kleinster gemeinsamer Nenner, der nicht mal ein Basisgerüst mitbringt und allen Ernstes glaubt, 100 Minuten könne man auch mit schierer Freude am Schmodder totschlagen. Und dem ist halt nicht so.

So gehalt- und stilvoll wie australisches Dosenbier.

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Fazit: Zombie-Splatteraction ohne nennenswerte Story oder Charakterentwicklung, die zwar flüssig inszeniert ist und zwei oder drei nette Ideen mitbringt, der aber auch spätestens in der zweiten Hälfte die Puste ausgeht und die den Rest der Laufzeit mit Schießereien und Zombie-Zähnefletschen rumbringt.

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16
März 2015

Fantasy Filmfest Nights 2015: Die Reviews (1)

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Belgien 2014. Regie: Jonas Govaerts. Darsteller: Gill Eeckelaert, Maurice Lujiten, Stef Aerts, Titus de Voogdt u.a.

Story: Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern – so stellt sich ein Pfadfinder-Ausflug nur in Donald Duck-Comics dar. In der Realität von „Cubs“ ist der Mikrokosmos der Ferien-Waldläufer seitens der Kids wie der Aufseher geprägt von Animositäten, Bösartigkeiten und keimender Geilheit. Die zur Gänsehauterzeugung erzählte Wildkind-Lagerfeuerstory macht die Sache nicht besser, zumal das ferale wie brutale Wildkind Kai tatsächlich existiert und sich über diverse Untaten mit dem unsicheren Sam „anfreundet“. Der Bodycount eskaliert und bald sind Zwei- und Vierbeiner auf der Flucht durch einen mit geradezu albern aufwändigen Fallen gespickten nächtlichen Wald. Nicht einer für alle – jeder für sich lautet nun die Devise…

Kritik: „Cubs“ ist der ideale Einstieg in die Fantasy Filmfest Nights – nicht, weil er bahnbrechend gut ist, sondern weil er perfekt repräsentiert, wofür das Festival steht: Kleine Filme aus Ländern, die man vielleicht sonst nicht auf dem Schirm hat, untertitelt und manchmal etwas sperrig, aber voller Überraschungen und frischen Gesichtern.

„Automata“, der im Anschluss kam, wird nie das Problem haben, dass man ihn in der DVD-Abteilung des Drogeriemarktes übersieht: Aus Amerika, Science Fiction, mit Killerrobotern UND Antonio Banderas. Aber „Cubs“ schafft es vermutlich nicht mal bis in die DVD-Regale und wird bestenfalls mit ein oder zwei Exemplaren ganz unten auf dem Wühltisch liegen. Und genau darum ist es wichtig, dass das Fantasy Filmfest solche Streifen zeigt, die Macher fördert und das Genre jenseits des Mainstream am Leben erhält.

Dass „Cubs“ darüber hinaus eine ziemlich sehenswerte Killercomedy ist, kann als erfreulicher Bonus gewertet werden. Die Idee, statt der üblichen geilen Teenager einfach mal einen Trupp Pfadfinder in den Wald zu schicken, ist ziemlich clever, gerade weil die Spiegelung der typischen Charaktere in die Pubertät (der Dicke, der Mitläufer, das Großmaul) entlarvt, wie unreif und eindimensional diese Figuren gewöhnlich sind. Die psychische wie physische Bedrohung Minderjähriger hat zudem deutlich mehr Potenz als das willkürliche Abschlachten von College-Absolventen, die wir sowieso nicht leiden können. So, wie Sam eine Art verkleinerter Held ist, ist Kai sein pubertierender Gegenpart. I was a (barely) teenage leatherface.

Dabei ruht sich „Cubs“ nicht auf dem Gimmick aus, Protagonist und Antagonist zehn Jahre jünger als üblich zu präsentieren – Regisseur Govaerts macht auch richtig was aus dieser Prämisse. Immer wieder wird deutlich, dass Kai auch charakterlich das Spiegelbild von Sam ist, seine wütende pubertierende Seite, die es entweder anzunehmen oder zu überwinden gilt. Die schrecklichen Ereignisse sind eine Reifeprüfung, die Sam den Rest seines Lebens prägen wird. Bis zum Schluss ist damit nicht nur unklar, wer überlebt – sondern auch als was…

Hinzu kommen ein paar hübsch absurde Szenen, diverse solide Splattereffekte und eine gefällige Kameraarbeit, die gut damit zurecht kommt, dass „Cubs“ fast ausschließlich nachts im stockfinsteren Wald steht. Und im Cast sind es ebenfalls die Darsteller von Sam und Kai, die überzeugen können – nicht zu amateurhaft, aber auch nicht zu hyperprofessionell haftet ihrem Spiel eine Authentizität an, die man sich bei den meisten Splatterfilmen vergeblich wünscht.

Ach joh, manchmal hapert es ein wenig an der Logik, diverse Nebenfiguren dienen nur der Streckung der Laufzeit und man kann die Verbindung von Aktion und Reaktion mitunter für brüchig halten, aber das stört nur, wenn man den Film mit überkritischem Studienratsblick seziert. Und das sollte man sich bei einem Crowdpleaser wie „Cubs“ verkneifen.

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Fazit: Fähnlein Fieselschweif meets „The Hills have Eyes“ als kleine, fiese Splattergroteske, die zwar nicht in jeder Szene logisch oder inszenatorisch überzeugt, aber als Beispiel für gelungenen Euro-Horror allemal erneut die Frage aufwirft, warum wir Deutschen so etwas nicht zustande bringen.

Speaking of which…

angstGerman Angst

Deutschland 2015. Regie: Jörg Buttgereit, Michael Kosakowski, Andreas Marschall. Darsteller: Lola Gave, Anderas Pape, Annika Strauss, Axel Holst, Matthan Harris, Daniel Faust, Denis Lyons, Milton Welch, Katja Bienert u.a.

Story: Drei Geschichten aus Berlin. In Buttgereits „Final Girl“ wird die blutige Rache eine Mädchens an einem (vermutlichen) Peiniger mit einem Schulaufsatz über die Kastration von Meerschweinchen begleitet. Michael Kosakowskis „Make a wish“ illustriert die brutale Folter eines taubstummen Pärchens durch Neonazi-Schläger – und widmet sich der Frage, ob Opfer- und Täterrollen jemals austauschbar sein können. Andreas Marschalls Mini-Spielfilm „Alraune“, der den großen Teil der Laufzeit beansprucht, erzählt von einem frustrierten Fotografen, der im nächtlichen Exzesse/Extase-Berlin einen Club findet, der scheinbar totale Erfüllung verspricht.

Kritik: Ich habe Buttgereit zuletzt 1991 oder so gesehen, als er beim „Howl Weekend of Fear“ seinen Streifen „Nekromantik 2“ vorstellte (was dank der Unfähigkeit des Projektors, die Tonspur abzutasten, deutlich daneben ging). Meinen damaligen Eindruck, dass hier ein Szene-Nerd nur deshalb, weil er keinen dumpfen Proll-Splatter dreht, fälschlich in die Kunst/Kult(ur)-Schublade gesteckt wurde, hat sich in den folgenden Jahren bestätigt: Buttgereit schreibt Theaterstücke und Hörspiele, in denen er sein Nerdtum ausleben kann, was aber immer irgendwie meta oder ironisch gemeint ist.

Und so beweist “Final Girl” dann auch, dass das “Ende” der “Karriere” des “Regisseurs” Jörg Buttgereit vor mehr als 20 Jahren kein Verlust war. Die technischen Mittel haben sich (minimal) verbessert, die erzählerischen Werkzeuge sind immer noch pubertär und grobschlächtig: Ha ha, Pimmel! Kastrationsangst, kennt man ja! Die Frau als Opfer wird zum Täter, der Mann ist schmierig, die Welt gemein. Das soll wohl irgendein Statement sein, nur welches, das bleibt buttgereitesk im Dunkeln. Auch die Gleichsetzung mit den Meerschweinchen ist nur im ersten Moment charmant, letztlich aber inhaltsleer. Die spröde inszenierte und mäßig nachvertonte Episode macht immer wieder den Mund auf, ohne was zu sagen.

Wenigstens ist Buttgereit Buttgereit – augenblicklich identifizierbar und damit für die Zielgruppe der Buttgereit-Kultisten auch empfehlenswert. Was man von Kosakowskis “Make a wish” allerdings nicht sagen kann. Ein paar Nazi-Hooligans (oder Skins oder Punks, wer weiß das schon?) foltern ein taubstummes polnisches Pärchen. Voll der Kommentar, weißte, weil Weltkrieg Zwo und so. Nur leider sind die gewaltgeilen Schläger ungefähr so realistisch wie die Bewohner von Tromaville und man muss dem Macher unterstellen, dass er weder die Mechanismen von Aggression noch die Chiffren der Szene verstanden hat. Diese unsägliche Suhlerei in Gewalt bei gleichzeitiger Oberlehrerhaftigkeit erinnert an das Projekt einer Film-AG zum Tag gegen Rassismus an einem mittelgroßen Gymnasium.

Rausreißen muss es Andreas Marschall, der einst Buttgereits Filmplakate pinselte und seit “Masks” als deutsche Giallo-Hoffnung gilt (wenn man so etwas für möglich und/oder erstrebenswert hält). Konsequenterweise macht sich Marschall frei von den Restriktionen des Episodenfilms und liefert einen Mini-Spielfilm ab, der als Einzelstück auf Scheibe sicher eine größere Chance auf Anerkennung hätte als auf dem Dreirad mit den zwei erzählerisch gehandicappten Miniaturen der Herren Buttgereit und Kosakowski.

“Alraune” ist ein Fiebertraum zwischen Wave-Film und Giallo, spielt mit den Obsessionen von Jess Franco und dem Urbösen Lovecrafts. Ein Blick in die Seele wird zum Abstieg in die Hölle. Nichts ist neu, aber es ist verwegen erzählt und mit großer Souveränität inszeniert. Auch darstellerisch wird ausnahmsweise mal keine Wassersuppe gereicht. Im Gegensatz zu den anderen Episoden brüllt nicht jede Szene das Klagelied des nicht vorhandenen Budgets, sondern schwelgt in Farben, Bewegung, malerisch zerfallenden Locations und schwitzenden Körpern.

Wenn ich Kosakowski (der den Film auch produziert und finanziert hat) einen Rat geben dürfte, würde er lauten: “Alraune” als singulären Film vermarkten (lang genug ist er) und “Final Girl” und “Make a wish” als Boni auf die DVD packen. Es macht einfach keinen Sinn, den Zuschauern zuerst mit zwei hilflosen Amateurfilmchen die Laune zu verderben, bevor sie zum Filet kommen. Das hat Marschalls intensives Erzählstück nicht verdient.

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Fazit: Kann man sich die Episode von Buttgereit als „typisch Buttgereit“ noch schönreden, ist Michael Kosakowskis hanebüchenes Gewaltcomic von allen guten Geistern verlassen. Highlight ist Andreas Marschalls fiebriger Giallo-Traum, der ihn nach „Masks“ erneut als großes deutsches Talent empfiehlt, das für höhere Budgets entdeckt gehört.

A-girl-walks-home-posterA Girl walks home alone at Night

USA 2014. Regie: Ana Lily Amirpour. Darsteller: Sheila Vand, Arash Marandi, Mozhan Marnò, Dominic Rains, Marshall Manesh u.a.

Story: Arash ist jung, ehrlich und bemüht, aber im Teheran des Jahres 2014 hat er wenig Chancen auf eine menschenwürdige Existenz – das Mädchen seiner Träume spielt außerhalb seiner Liga, sein Vater ist heroinabhängig und ein Zuhälter nimmt ihm den geliebten Wagen. Doch in der Nacht taucht das Mädchen auf, ein melancholischer Vampir wie aus einem Traum von Coco Chanel. Sie wird die reinigende Kraft in der bösen Stadt, Arashs Anker und Ausweg, auch wenn das einige Opfer fordern wird…

Kritik: “A girl” (ich kürze den so ab) zeigt exemplarisch, wie interessant es sein kann, wenn man (wie ich) ohne jegliche Vorkenntnisse ins Kino geht und den Film komplett “at face value” nehmen muss. Es zahlt sich aus, weil es ein Erlebnis ohne Altlasten ist, ein faire Chance auch für Filmemacher oder Genres, die man vielleicht ablehnt.

Aus der Sicht des “Unwissenden” ist “A girl” ein bezaubernd poetischer Film in kontraststarkem Schwarzweiß, auf der Suche nach Schönheit in einer hässlichen Welt, zugleich dem italienischen Neorealismus verwandt und der harschen Nachtgier eines Coffin Joe. Der Junge, dessen Unschuld an der gemeinen Wirklichkeit aufgerieben wird, findet ausgerechnet in der Blutsaugerin seine Madonna, seine Erlösung aus dem Mikrokosmos von vier, vielleicht fünf Figuren, die einander das Leben unerträglich machen.

Langsam, schleichend, betörend, ein Film wie eine blutige Feder.

Das. Ist. Kunst.

Und wenn es keine Kunst ist, dann ist es zumindest verdammt kunstvolles Avantgarde-Kino, wie man es auf dem Fantasy Filmfest sucht und zu wenig findet. Das iranische Genrekino als aufregend neue Stimme im “world cinema”, wer hätte es gedacht?

Doch diese Sicht hält nur so lange, bis man den Wikipedia-Eintrag zum Film liest und feststellt, dass er u.a. von Elijah Wood produziert wurde, die Regisseurin in Los Angeles lebt, der Film in Kalifornien gedreht wurde und der heroinsüchtige Vater vom Limousinenfahrer aus “How I met your Mother” gespielt wird.

Die Authentizität von “A girl” ist komplett behauptet, die Bildsprache und Erzählweise nicht der iranischen Filmkultur entsprungen, sondern als Substitut für eine solche erfunden. Der Film hat kein Fundament, stellt kein Erbe und keine Weiterentwicklung dar. Es handelt sich um einen am Reissbrett entwickelten Versuch, gerade die Eigenständigkeit des “world cinema” zum Bestandteil der Hollywood-Maschine zu machen. Das alles inkludierende System erzählt sogar seine Exklusion. Wie eine Diktatur, die ihre eigene Revolution anzettelt, weil sie das nicht dem Pack überlassen mag.

Ich möchte wieder zur Unwissenheit zurück. Ich will nicht wissen, dass der Frodo Beutlin aus “Open Windows” dahinter steckt, dass “Death” von den White Lies gar kein übersehenes Pop-Kleinod der 80er ist, dass die Ölfelder nicht südlich von Teheran, sondern nördlich von Santa Barbara stehen oder dass Hauptdarsteller Arash Marandi mal im “Großstadtrevier” mitgespielt hat. Ich will, dass “A girl” wieder die Ausnahme ist und nicht nur die clever verpackte Regel.

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Fazit: Ein Film, dessen Bewertung nur anhand der Einstellung des Zuschauers getroffen werden kann: Akzeptiert man den Ursprung des Films in Hollywoods Hipster Horrorcommunity, ist er ein wunderschönes, elegisches, neorealistisches Vampirmärchen. Erwartet man vom „world cinema“ kulturelle Authentizität, muss man den Streifen zwangsläufig als „fake wie Sau“ einstufen.

Andererseits…

the-lazarus-effect_1424378817The Lazarus Effect

USA 2015. Regie: David Gelb. Darsteller: Mark Duplass, Olivia Wilde, Donald Glover, Jennifer Floys, Ray Wise u.a.

Story: Ein Team von Wissenschaftlern arbeitet an einem Serum, dass die Gehirntätigkeit im Falle des Todes strecken soll, um Wiederbelegung zu ermöglichen. Die Testergebnisse sind spektakulär: Ein längst verstorbener Hund ist auf einmal wieder lebendig und sein Grauer Star is vollständig geheilt. Als ein Pharmakonzern sich die Formeln unter den Nagel reißt, kommt es zu einer folgenschweren Verkettung unglücklicher Umstände, an deren Ende ein Menschenversucht steht…

Kritik: Viele Zuschauer waren der Meinung, “Lazarus Effect” sei zwar nicht der große Bringer gewesen, zu vorhersehbar und in Klischees suhlend, aber die gelackte Produktion, die guten Darsteller und die flotte Inszenierung höben den Streifen dennoch gerade so über das Mittelmaß.

I beg to differ.

“Lazarus Effect” ist Hollywood at its worst, gerade nach dem fordernden und belohnenden “A girl” ein Schlag mit dem nassen Handtuch ins Gesicht. Hier ist wirklich gar nichts frisch, die Charaktere so abgenudelt wie die Dialoge, jede Szene lässt sich auf bekannte und bessere Vorbilder zurück führen. Es ist ein Fließbandfilm, der zynisch darauf setzt, dass sein bisschen CGI-Splatter, das Casting von Olivia Wilde und die solide Poster-Artwork schon reichen werden, Publikum zu ködern.

Es hat auch gereicht. Der Film hatte in den USA einen Kinostart und hat am ersten Wochenende das Dreifache seines (geringen) Budgets eingespielt. Ein Erfolg.

Soll ich gratulieren? Nein. Weil ich genau diese Sorte von blind durchgekliniertem Genrestandard nicht mehr ertragen kann. Wer sich die erzählerischen Eier abschneidet, um ja nichts falsch zu machen, macht eben auch nichts richtig. Ein bisschen “Flatliners”, ein bisschen “Lucy”, ein bisschen “Carrie”, angereichert mit den Schocks aus der J-Horror-Kiste und preiswert runtergekurbelt in einem gesichtslosen Laborkomplex. Das kann man als “ausreichend” benoten, ist aber eine Mathe-Arbeit, wo ein Aufsatz stehen sollte.

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Fazit: DVD-B-Ware, die sich bei Dutzenden anderer Science Thriller bedient, in der zweiten Hälfte in okkulten Hokuspokus abdriftet und ohne den deutlich unterforderten Cast als Genre-Fastfood schnell gesehen und schnell verdaut wäre. Von Allesdrehern für Allesseher.

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14
März 2015

We’ll be back after a short break

Sodele, nach zwei Tagen “auf Reportage” (Tirschenreuth und Seligenstadt) fahre ich nun direkt weiter in Richtung Kölner Dom. Die Fantasy Filmfest Nights rufen. Drei Filme habe ich bereits gesehen und besprochen, die lasse ich dementsprechend aus:

Automata, The Guest und Tusk.

Damit ihr euch zwischenzeitlich nicht langweilt, hat Dia Westerteichter satte 3 Stunden “Evil Ed on Video 2″ für euch digitalisiert und hochgeladen. Proxy wie ZenMate braucht ihr immer noch, dafür ist die Bildqualität diesmal deutlich erträglicher. Ein wirklich spannendes Relikt für alle, die sich für die Horror-Szene der späten 80er interessieren. Und ganz am am Schluss gibt der Wortvogel noch mal den Volldeppen in einem aufwändig produzierten Werbespot für sein Fanzine “Dark Palace“:

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Durch das Evil Ed-Video führt übrigens Stephan Lenzen, ein ungewöhnlich talentierter Fanfilmer der späten 80er, dem ich immer eine größere kommerzielle Karriere gewünscht hätte. Seine Streifen “Living Room” und “Cut Character” waren frischer, aufwändiger und einfallsreicher als alles, was “die Szene” seither zustande gebracht hat.

Dia Westerteicher präsentiert auf YouTube auch Lenzens Frühwerk “Zander”, einen experimentellen Psycho-Horrorfilm mit Musik von Chris Hülsbeck, den ich euch absolut ans Herz legen möchte:

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Das sollte euch beschäftigt halten, bis ich wieder da bin.

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10
März 2015

Wortvogels Video-Archäologie: Die 5. Braunschweiger Aktionstage der Science Fiction (1998)

In den 90ern wurde ich immer mal wieder zu kleineren SF-Cons eingeladen. Dortmund, Garching, Frankfurt – und Braunschweig. Das hing mit meinem Job bei ProSieben zusammen, meinen SF-TV-Guides und sicher auch der Tatsache, dass ich auf jeder Bühne ein Knaller bin. Rampensau, deine Name sei Wortvogel.

An Braunschweig habe ich nur gute Erinnerungen. Eine kleine, völlig unkommerzielle Con, ohne Stars, aber dafür mit Leuten, die in der Szene als echtes Urgestein durchgehen. 1998 waren das (außer mir, dunkles Hemd) noch Peter Terrid (grünes Polo) und Rolf Giesen (nicht im Bild):

SF-Tage Braunschweig 13

Ich habe damals ein Q & A zu aktuellen SF-Produktionen geleitet, ein Mini-Seminar zum Thema Drehbücher gegeben und mich an einer Podiumsdiskussion mit Terrid und Giesen beteiligt.

Rolf Giesen. Tja. Von dem hatte ich ein halbes Dutzend Bücher zu Hause im Schrank. Ich traf ihn in der kleinen Cafeteria des Veranstaltungsortes vorab, wir unterhielten uns eigentlich ganz nett – auch wenn mir sehr bewusst war, dass Giesen als langjähriger Mitarbeiter der Stiftung Deutsche Kinemathek nicht nur ein ganz anderes Standing hatte als ich, sondern dass trotz gerade mal 15 Jahren Altersunterschied hier zwei völlig verschiedene Generationen Filmfan aufeinander trafen: “Orion” vs. “Babylon 5″, Ray Harryhausen vs. Stan Winston, Robbie der Roboter vs. Terminator.

Und so war es kein Wunder, dass wir uns bei der Podiumsdiskussion recht schnell in die Haar bekamen – Giesen vertrat z.B. die These, dass keine CGI dem Realismus von Stop Motion gerecht werden könne, was ich mit einem höferesken “Das ist doch grotesk!” quittierte. Wenn ich mich recht erinnere. Es blieb angespannt, aber respektvoll.

Peter Terrid war eine andere Nummer. Ein typisch schluffiger Groschenroman-Autor, mit dem ich mich heute über viel mehr Themen unterhalten könnte als damals. Genau genommen bin ich mittlerweile ja auch ein Groschenroman-Autor der neuen Generation. Terrid war ein unprätentiöser Typ, ein in Ehren gealterter Fan, der seine Liebe zur klassischen SF und zum Kriminalroman nie höheren Zielen geopfert hatte. Einer, mit dem man prima auf ein Bier gehen kann – und nach zehn oder zwölf zufrieden aus der Kneipe wankt.

Den einzig wirklich bizarren Moment gab es beim Q & A, wo sich ein Extrem-Fan massiv über die Synchro und die Ausstrahlungspolitik zum Thema “Akte X” ereiferte, weil die “Verzerrungen” klare politische Motive hätten. Dann stellte er tatsächlich in den Raum, er werde ja auch schon überwacht. Da hatte jemand seine Medikamente nicht genommen.

Nichtsdestotrotz: Gute Tage, spannende Gespräche, nette Leute.

Und weil ich mich vor ein paar Wochen daran erinnerte, dass überall Jungs mit Videokameras rumgelaufen waren, nahm ich über Olaf Funke Kontakt mit Stefan Schaper und Alexander Braccu aus, um mich auf die Suche nach dem Material zu machen. Und siehe da: Stefan hatte das offizielle Con-Video noch und war auch bereit, mir eine digitale Version zur Verfügung zu stellen. Den Jungs gebührt mein Dank.

Schade natürlich, dass bei diesem 71minütigen Zusammenschnitt viele der “leckeren” Momente rausfallen mussten – so ist von meinem Streit mit Giesen nichts mehr zu sehen. Und das Drehbuch-Seminar ist auch nicht dabei. Aber dafür bekommt ihr einen sehr knackigen und (wie ich finde) unterhaltsamen Blick in die Independent-Con-Szene Ende der 90er Jahre.

Ich war jung, ich war schlank, ich hatte Haare:

Ich widme dieses Video übrigens Peter Terrid, der in einer Szene fast hellsichtig erwähnt, wie schnell man tot umfallen kann – und gerade mal vier Monate später “mit gutem Beispiel” voran ging…

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10
März 2015

Schlafes Schwester

Ich habe ja schon öfter gehört, dass Katzen gerne auf dem Schoß des Besitzers schlafen, niedlich eingerollt oder quer drüber. Rufus hat das von Anfang an anders gehandhabt, er will wie ein Kleinkind gehalten werden:

rufischlaeft

Dabei schläft er nicht besonders tief, er tankt nur eine Viertelstunde Nähe zu “seinem” Menschen. Dann steht er auf und sucht sich einen ruhigen Platz für das richtige Nickerchen.

Seine Schwester Becky ist da anders. Sie ist generell lieber für sich, braucht Kuscheleinheiten eher sporadisch und formlos, gerne auch verpackt in Spielereien. So quetscht sie sich gerne zwischen zwei Küchenschränke, wo ich ihr ganz wild den Bauch rubbeln muss, damit sie sich genüsslich platt gedrückt hin und her wälzen kann:

flat cat Kopie

Es ist allerdings auffällig, dass Becky manchmal das Kuschelverhalten ihres Bruders nachahmt – aber nur, wenn er selber im anderen Stockwerk weilt. Dann traut sie sich ein bisschen mehr, wo sie sonst Rufus den Vortritt lässt.

Nach einer besonders ausgiebigen Rubbelpause (darum sieht sie etwas durch die Hecke gezogen aus) kam sie gestern tatsächlich an und versuchte es auch mal mit der Chefplauzen-Premiumlage. Allerdings mangelt es ihr noch an Erfahrung, wie man sich das bequem einrichtet:

beckyschlaeft

Das üben wir noch.

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7
März 2015

Evil Ed on Video: Handgemachter Horror

Über meine Jugend als Horrorfan habe ich schon ausgiebig geschrieben, über meine ersten Fanzines auch. Damals gab es neben unserem “Dark Palace” ja auch das befreundete “Evil Ed”-Magazin von Dia Westerteicher, Michael Nagenborg und Peter Blumenstock. Von “Evil Ed” produzierten die fleißigen Jungs sogar ein paar “on video”-Ausgaben, um z.B. der Tatsache zu huldigen, dass sie alljährlich am großen “Brussels International Fantastic Film Festival” teilnahmen. Dort hatten sie für Impressionen und Interviews Camcorder dabei, die eben doch direktere Eindrücke lieferten als geschriebene Artikel.

Das Festival gibt es übrigens immer noch und nächsten Monat geht es ins unglaubliche 33. Jahr.

“Evil Ed on video” galt lange als verschollen – es wurden nur wenige Kopien gezogen, die Bildqualität des Masterbandes war schon nicht dolle gewesen und VHS altert nicht sehr gut. Nach 25 Jahren kommen auch die Magnetpartikel der besser gepflegten Tapes mal durcheinander.

Trotz aller Bedenken hat sich Dia Westerteicher nun von mir windelweich klopfen lassen und das Video mühsam digitalisiert und so weit als möglich restauriert. Ergebnis: Fast drei Stunden Video-Reviews, Festival-Ereignisse und Interviews aus den späten 80er Jahren.

Die Sache hat zwei Haken: Zuerst einmal stört sich YouTube an irgendeinem Tonclip und verweigert in Deutschland die Freigabe. Da müsst ihr auf einen Proxy ausweichen, z.B. über Hola oder (wie ich) ZenMate. Und dann ist da noch die Sache mit der Bild- und Tonqualität: beides jämmerlich, eigentlich sogar unguckbar jämmerlich.

ABER: Wir kämpften damals mit Videos, die sich wegen NTSC nicht auf heimischen Rekordern abspielen ließen, wir schauten auch die x-te Kopie der x-ten Kopie, so lange ungeschnittener Splatter winkte. Bildrauschen, Farbaussetzer, Tonsprünge waren unser täglich Brot! Ich habe das selbst mal so erklärt:

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Und aus genau diesem Grund ist “Evil Ed on video” vielleicht grausam anzuschauen und eine Pein für die Gehörgänge – aber damit eben auch sehr “authentisch 80er”. Uns ging’s damals (fast) immer so, nun könnt ihr das wenigstens nachvollziehen.

Ohne weitere Vorrede – Teile überspringen oder abbrechen erlaubt, denn das hier ist nur von Interesse für die ganz Harten aus dem Garten:

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Ich hoffe, dass Dia noch dazu kommt, auch die weiteren Ausgaben zu digitalisieren – dann gibt es nämlich einen aufwändigen Hollywood-Spot für den “Dark Palace” mit mir selbst in der Hauptrolle zu sehen. Und ein “Intro” von Dennis Hopper. Stay tuned.

P.S.: Wem das Gerausche und die Geräusche zu unerträglich sind, der kann sich freuen: Dieser Tage stelle ich ein weiteres Video online, an dem der Zahn der Zeit erheblich weniger genagt hat. Das Con-Video der “Braunschweiger Aktionstage Science Fiction 1998″ zeigt mich bei einer Q&A-Session, auf dem Podium in hitziger Diskussion mit Rolf Giesen und viele andere spannende Sachen. Oh, the memories…

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7
März 2015

Der Wortvogel wir memefiziert

Es war kein schönes Erlebnis: Beim Versuch, mir mit einem monströsen Messer ein Brötchen zu zerteilen, entglitt mir erst die jahrelange Expertise, dann die Klinge:

finger

Seid froh, dass ihr nur diese Aufnahme von einem Tag später seht – das hat geblutet wie Sau, wollte gar nicht aufhören, und natürlich hätte ich damit zum Arzt gehen müssen. Weshalb ich zum Apotheker ging, um ein extrastarkes Pflaster zu kaufen. Immerhin lernte ich dort, dass es Pflaster mit extralangen Klebestreifen gibt, die man um den Finger wickeln kann, um mehr Druck auf die Wunde auszuüben. Trotzdem habe ich vier von den Pflastern durchgeblutet, bis endlich Ruhe war.

So eine Verletzung ist besonders dann kritisch, wenn man mit der Tipperei sein Geld verdient – jeden neunten Buchstaben auslassen ist ja auch keine Option. Aber es geht: Der Schnitt ist nicht weit genug oben an der Fingerspitze, um meine Tastaturakrobatik nachhaltig zu beeinträchtigen. Sollte die Fingerkuppe allerdings abfaulen, müsste ich das noch mal neu durchdenken.

Gestern habe ich das obige Bild auf Facebook gepostet, weil mir auffiel, dass das fahle Fleisch mit dem roten Riss ein bisschen nach Joker aussah – und es hat keine Stunde gedauert, bis einer meiner Leser das entsprechend umsetzte:

fingaz

Ich bin entzückt!

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6
März 2015

Whatthefuckbuster Double Feature: “Vice” & “Everly”

viceVice

USA 2015. Regie: Brian A. Miller. Darsteller: Thomas Jane, Bruce Willis, Ambyr Childers, Jonathon Schaech u.a.

Offizielle Synopsis: Julian Michaels hat das ultimative Resort entworfen, “Vice”. Hier ist alles möglich, und die Kunden können mit den künstlichen Bewohnern, die wie Menschen aussehen, fühlen und denken, ihre wildesten ausleben. Doch dann gibt es einem weiblichen Cyborg eine Fehlfunktion, denn sie entwickelt ein Bewustsein und flieht aus dem Komplex. Auf der Flucht vor Julians Söldnern bekommt sie unerwartete Hilfe von einem Cop, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Vice zu schließen und die Gewalt zu beenden.

Kritik: Dieser Film war von Anfang an ein Mysterium für mich. Wie kann es einen Science Fiction-Thriller mit Bruce Willis und Thomas Jane geben, von dem ich vorher noch nie gehört habe? Wieso geht der direkt auf Scheibe und ins Streaming, mit nur einem marginalen Kino-Release?

Nach ein wenig Recherche war klar: “Vice” ist Teil des Geschäftsmodells der Firma Emmett/Furla, deren Output vor niedrig budgetierten Pseudo-Actionfilmen strotzt, die das Geld nicht auf die Leinwand bringen, sondern lediglich in einen oder zwei “name stars” investieren, die sich drei Drehtage richtig teuer bezahlen lassen. Das anämische Endergebnis mag nicht als großes Blockbusterkino taugen, aber über die globalen Märkte und neue Medien rechnet sich das Geschäftsmodell anscheinend sehr gut.

“Setup”, “Catch .44″, “Lay the Favorite”, “Fire with Fire” und “Prince” boten schon Bruce Willis auf – und selbst viele Willis-Fans dürften diese Streifen nur vom Hörensagen kennen. “Empire State” mit The Rock? “Freelancers” mit Robert de Niro? “Touchback” mit Kurt Russell? “Two Guns” mit Denzel Washington? Alles Emmett/Furla.

Das ist kein Kino, das ist Kino-Substrat, eine clevere Imitation, die wie Kino aussieht, aber “direct to Zweitverwertung” liefert.

Man muss sich klarmachen, dass dieser “Bruce Willis-Actionthriller” gerade mal 15 Millionen Dollar gekostet hat – ein Drittel der aktuellen Jason Statham-Filme. Und wenn man weiß, dass von den gerade mal 15 Millionen mindestens die Hälfte an Willis und Jane gegangen sind, dann ahnt man: Das große Effektkino hat hier kein Zuhause gefunden hat.

Und so ist es dann auch. “Vice” verstolpert sich schon mit den ersten Szenen an einem albernen “Westworld”-Plagiat, das unausgegoren wirkt und schlecht erzählt wird. Man möchte einem der großen SF-Klassiker der 70er huldigen, bringt aber nicht mehr erzählerische Eier auf als unzählige Videoheuler der 90er mit dem Präfix “Cyborg” im Titel. Um Seriosität vorzugaukeln, verkneift man sich jedoch deren sleazigere Elemente, was den Film weiter auf frühes Kabelsender-Niveau drückt und gefährlich in die Nähe solcher Gurken wie “Cyborg Agent” und “Chameleon”.

Einen interessanten Look oder aufwändige Sets sucht man vergebens – um der Fördermittel willen hat man alles in “downtown Mobile, Alabama” gedreht, was einfach nicht sonderlich futuristisch aussieht. Der Super-Vergnügungspark “Vice” ist letztlich eine Gewerbe- und Geschäftsviertel und erschreckend viele Szenen beschränken sich – wie bei Seagal und Lundgren – auf Seitenstraßen, Fabrikgebäude und verlassene Einkaufszentren.

Der gesamte Film spielt übrigens in einer Nacht, die in diesem Kontext ungefähr 36 Stunden dauern müsste (nun gut, den Fehler hat “Die Klapperschlange” auch schon gemacht) und “Science Fiction” heißt hier, dass überall große Neonröhren rumliegen und an der Straßenecke ein Autowrack brennt. Man gönnt uns nicht mal ein paar Laserstrahlen oder Hologramme oder Roboter-Eingeweide. Der Aufwand macht Hungerkur.

“Vice” hat kein interessantes Setup, keinen interessanten Quest, keinen Drive und keine interessante Figur zu bieten. Er weiß nicht, wo er hin will, darum dreht er sich im Kreis. Alle Darsteller mit Ausnahme der beiden “name stars” könnten auch aus einer aktuellen CW- oder Fox-Serie stammen. Bruce Willis schlafwandelt durch seine Rolle als “Strippenzieher im Hintergrund” und man hat das Gefühl, sein patentiertes süffisantes Grinsen ist schiere Verachtung für die Macher, den Film und letztlich das Publikum. Selten habe ich eine Performance gesehen, bei der das totale Desinteresse des Stars derart offensichtlich war. Und Thomas Jane? Der Ex-“Punisher” auf dem Sturzflug in die B-Movie-Hölle kann nicht retten, was die Pappfigur “rebellischer Cop” nicht hergibt. Das hätten auch Miles O’Keeffe oder Lorenzo Lamas spielen können.

Janes Rolle zeigt zudem exemplarisch die Schwächen des Skripts: Cop Roy ermittelt rein gar nichts, ist (wie weiland Indiana Jones in “Raiders”) für die Handlung komplett irrelevant. Schlimmer noch: Wie weiland Indiana Jones in “Raiders” ist es seine Dummheit, die es der Evil Corporation ™ erlaubt, die Replikantin Kelly problemlos zu finden. Er ist eine Figur, die nur existiert, weil das Skript einen Helden braucht – nicht aber die Story.

Und wo die Story, die Darsteller und das Budget nichts reißen, ist auch die Regiearbeit von Brian A. Miller exakt so einzigartig wie sein Nachname. Hier wird Dienst nach Vorschrift geleistet, als ginge es nicht um einen Bruce Willis-Film, sondern um eine beliebige Episode von “Ein Colt für alle Fälle”.

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Fazit: Ein eierloser und hirntoter “Westworld”-Abklatsch ohne jeglichen Unterhaltungswert, ein seelenloses Produkt für die Regale. Watch Bruce Willis not giving a shit.

everlyEverly

USA 2014. Regie: Joe Lynch. Darsteller: Salma Hayek, Akie Kotabe, Jennifer Blanc, Masashi Fujimoto, Togo Igawa, Gabriella Wright, Caroline Chikezie, Laura Cepeda, Hiroyuki Watanabe u.a.

Story: Als Everlys Zuhälter und hochrangiger Yakuza-Boss Taiko herausfindet, dass sie eine FBI-Informantin ist, wird Everlys luxuriöse Bleibe zur tödlichen Falle. Um das vom Boss versprochene Kopfgeld zu kassieren, steht bald eine ganze schwer bewaffnete Armada von Profikillern vor der Tür. Gefangen in ihrer Wohnung, wehrt sich die unbedarfte Everly mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln und kennt dabei keine Gnade…

Kritik: “Everly” ist ein Film, der nicht funktionieren sollte – und dem man umso höher anrechnen muss, dass er eben doch funktioniert. Gerade nach dem gelebten “leck mich doch” von “Vice” beweist Joe Lynchs Film, dass es auch in die andere Richtung geht: Statt getürktem Großkino eine Konzentration auf das Wesentliche, sehnige Action mit üppigem Splatter und rotzigem Humor, die eigenen Grenzen kennend – und dann lässig sprengend.

Man hat das Gefühl, “Everly” könnte als besoffener Scherz begonnen haben:

“Alder, ich hab’s – wenn wir kaum Kohle haben, aber fette Action machen wollen, dann lassen wir das alles eben IN EINEM RAUM spielen. Stirb langsam meets Cocktail für eine Leiche!”.

Und alle Beteiligten waren zu hackedicht, um rechtzeitig zu widersprechen.

Wenn man den Anspruch hat, einen harten, aber durchaus emotional packenden Actionfilm abzuliefern, dann ist es schon sehr mutig oder sehr dumm, diesen in das Korsett einer einzigen Location zu zwängen. Schließlich ist es mit Helden und Action wie mit dem Prophet und dem Berg – kommt der eine nicht zum anderen, muss der andere zum einen kommen. Die Beschränkungen müssen genutzt werden, als Bonus und nicht als Malus. Da trennt sich die Spreu vom Weizen – und das Drehbuch von (hauptberuflich Script Coordinator bei TV-Serien) Yale Hannon ist knackigster goldgelber Weizen.

“Everly” packt genügend Shootouts, Explosionen, Killer-Charaktere und hässliche Wendungen in 90 Minuten, um nicht auf geschwätzige Pseudo-Suspense zurückgreifen zu müssen. Und er bietet Salma Hayek die Gelegenheit, nach Jahren als kurvenstarkes Helden-Gspusi oder augenbrauige Drama-Queen ganz im Zentrum des Geschehens zu stehen – und da schlägt sie sich hervorragend. Ebenso liebende Mutter wie arschtretender Racheengel, legt sie Everly deutlich breiter an als eine typische männliche Variante dieser Spezies. “Everly” ist nicht nur die Geschichte eines bleischwangeren Ausbruchs aus einem belagerten Apartment – es ist auch die Geschichte eines Ausbruchs aus männlicher Unterdrückung, ein splatteriges Plädoyer für weibliche Selbstbestimmung und den Vorrang von Mutterschaft vor Promiskuität. All das – plus knappe Tops und Yoga-Pants.

Natürlich versucht “Everly” an keiner Stelle, so etwas wie Realität aufkommen zu lassen. Er ist ein zynisches Comic, das sich in der Übersteigerung des Absurden gefällt, dabei aber nie den Griff um den Hals der Zuschauer verliert. Die Gewalt und die Geschmacklosigkeit haben etwas Pubertäres, erinnern an “Cat Run” und “Julia X“.

Ich hatte Joe Lynch (der mit Adam Green auch in der unsäglichen Horror-Sitcom “Holliston” auftritt) bisher in das Umfeld der minder talentierten Neo-Horror-Kultregisseure wie Ti West und Eli Roth eingeordnet. Aber wie bei Adam Wingard muss ich das revidieren – Lynch hat ein präzises Auge für gut choreographierte Action auf kleinem Raum, weiß Schauspieler zu führen und die Spannungsschraube anzuziehen. Respekt.

Eine echte Entdeckung – und in einer gerechten Welt der Beginn einer zweiten Karriere von Salma Hayek.

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Fazit: Knallhartes Comic-Kino als Bastard von Tarantino und Miike, ein perfektes Showcase für Salma Hayek, ein hochoktaner feministischer Actionthriller im Experimentalfilm-Gewand – und big fun for everyone!

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5
März 2015

Der Funk Uhr Serientäter schlägt wieder zu!

FU CoverDie Pointe von letzter Woche funktioniert ja leider nicht noch einmal, also sage ich es frei heraus: Das große sechsseitige Special über Filmbiographien (neudeutsch Bio-Pics) ist von mir. Auch hier plaudere ich aus dem Nähkästchen und gehe das Thema von allen Seiten an: Die Geschichte der Filmbiographien, große Blockbuster über große Menschen, die Schauspieler in den besten Bio-Pic-Rollen, legendäre Mehrteiler und die kommenden Events werden abgefeiert. Außerdem schreibe ich darüber, was den Reiz der Filmbiographie ausmacht, wo die Gefahren liegen, warum immer Nico Hoffmann dahinter steckt und von wem ich gerne mal ein Bio-Pic sehen würde. Kompakt und trotzdem unterhaltsam, finde ich. Aber ich bin da parteiisch.

Man entschuldige die etwas freudlosen Farben dieses Fotoscans:

FU Filmbios

Jetzt ist aber erstmal Ruhe im Karton, ich schmiede gerade fleißig Texte für die “Liebes Land” uns muss ja auch mal wieder auf Reportage…

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5
März 2015

Neue Postgeschichten

Zur Einstimmung (auf Leserhinweis ausgetauscht):

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Meinen Bücher-Basars ist es zu verdanken, dass ich in den letzten Tagen viel mit Paketen und Päckchen, mit Porto und Postkästen zu tun hatte. Es wird niemanden wundern, dass ich auch dabei wieder ein ums andere mal mit den Tücken des Systems zu kämpfen hatte.

Zur Erklärung: Es gibt (seit einer Vereinfachung des Tarifsystems) nur noch zwei Sorten von Büchersendungen: bis 500 Gramm für 1 Euro, bis 1000 Gramm für 1,65 Euro. Kann man sich also auch auf Vorrat holen, damit man dafür nicht immer in die Filiale muss.

Vorrat ist gut, denn vor ein paar Wochen hatte ich bemerkt, dass der Briefmarkenautomat im Vorraum der Postfiliale – die ja keine Postfiliale ist – zwar funktionierte, aber in kleiner Rotschrift auf dem Display verkündete, “momentan” keinerlei Zahlung per Geldchip auf der EC-Karte zu akzeptieren. Das ist schade, da ich grundsätzlich münzgeldfrei durch die Welt marschiere und die bargeldlose Zahlung deshalb bevorzuge.

Letzte Woche war der Vorrat aufgebraucht und ich so: Auf zur Post!

Nun denke ich mir: In sechs Wochen werden die das Problem wohl behoben haben. Ich Tor! Ich Narr! Natürlich zeigt der Automat IMMER NOCH die Fehlermeldung und verweigert die Herausgabe der gewünschten Postwertzeichen.

Also gehe ich an den Schalter und sage der dort stehenden Dame

“Ich hätte gerne 10 Marken zu 1 Euro und 10 Marken zu 1,65 Euro, bitte.”

Sie schaut mich kurz an und nickt in Richtung Vorraum:

“Die kriegen Sie draußen am Automaten.”

Ich schüttele den Kopf und erkläre ihr, dass ich leider kein Bargeld bei mir habe und der Automat die Annahme der EC-Karte verweigere. Ich sehe schon, wie sie erneut den Kopf schütteln und zur Maßregelung ansetzen will, dass ich wohl zu dumm zur Bedienung des Briefmarkenautomaten sei, als ein Kollege von der Seite verbal herein grätscht:

“Das stimmt, das geht gerade nicht.”

Ich murmele eher für mich

“Gerade ist gut. Seit sechs Wochen.”

Zumindest sieht die Mitarbeiterin nun ein, dass sie mir zu Diensten sein muss und fragt emotionslos:

“Was für Marken möchten Sie denn?”

“Ich hätte gerne 10 Marken zu 1 Euro und 10 Marken zu 1,65 Euro, bitte.”

Vier, fünf Sekunden lang denkt sie vor sich hin. Dann:

“Die habe ich nicht.”

Ich bin zugegeben ein wenig baff und hake nutzlos nach:

“Wie? Die haben Sie nicht?”

Sie geht sofort wieder in die Verteidigungsstellung:

“Das sind keine Standardwerte, die gibt es nicht als Marken.”

Ich weiß, dass es keinerlei Sinn macht, diese Diskussion zu führen, aber ich kann es mir nicht verkneifen:

“1 Euro und 1,65 sind Kosten für Buchversand. Das sind damit NATÜRLICH von der Post festgelegte Standardwerte!”

Ich verstehe, dass sie nichts dafür kann und dass Logik in diesem Fall ein stumpfes Schwert ist, darum nehme ich ihr das

“Die haben wir aber nicht als Briefmarken.”

nicht übel. Allerdings verlange ich nun Fachwissen:

“Und wie komme ich an das Porto für meine Buchsendungen?”

Sie rechnet mit Ihrem Kollegen ein paar Sekunden lang nach, dann hat sei eine Lösung:

“Kaufen Sie einfach jeweils zwei 45er und eine 10er für die 1 Euro, sowie eine 1,45er und zwei 10er für die 1,65.”

“Einfach”. Ich komme mir vor wie in einem Loriot-Sketch. Mangels Alternativen lasse ich mich auf den Deal ein – und bemerke erst draußen vor der Tür, dass die Frau mir nur einen Bogen 45er gegeben hat, nicht die benötigten zwei. Aber ich habe nicht den Nerv, nochmal rein zu gehen.

Das war letzte Woche. Heute morgen musste ich wieder ein paar Umschläge in den Briefkasten vor dem noch geschlossenen Postamt werfen. Vom Vorraum lächelt mich der Automat an. Ich schaue nach:

“Momentan leider keine Zahlung per EC-Geldchip möglich.”

Erwartbar. Aber der Automat druckt “Wunschwerte”, da kann ich die 7 Euro-Marke für die Briefpost nach Amerika mitnehmen. Geld habe ich diesmal frisch dabei, man lernt ja, mit der deutschen Service-Qualität umzugehen.

Ich bemerke eine zweite Meldung im Display:

“Automat gibt kein Rückgeld.”

Okay, denke ich so bei mir, das ist kundenunfreundlich und auch nicht wirklich logisch – technisch ist ein Rückgeld-System problemlos einzurichten und es ist nicht einzusehen, warum ich mir das Wechselgeld als Marken aufdrängen lassen muss. Ich bin ziemlich sicher, dass das einer konsequenten Klage auch nicht standhalten würde.

Egal, ich hab’s ja passend – ein 5 Euro-Schein und eine 2 Euro-Münze.

Ich suche ungebührlich lange, weil es einfach nicht in meine Vorstellungswelt passt, dass der Automat, der meine EC-Karte nicht will und kein Rückgeld ausgibt, auch keinen Annahme-Schlitz für Geldscheine besitzt.

Nur Münzen.

Und 7 Euro in Münzen habe ich nicht dabei.

Als ich den Rückweg nach Hause antrete, habe ich das Gefühl, der Automat lacht mir hinterher. Wie sein Kollege in Nürnberg.

Jetzt mag man mich fragen, warum ich nicht weiterhin konsequent bei der eFiliale im Netz die benötigten Marken ausdrucken. Ganz simpel: Weil die Nutzung des Automaten, wenn ich sowieso an ihm vorbeikomme, einfacher ist. Oder sein sollte. Und weil ich vor ein paar Wochen erst eine Ladung Internet-Marken online gekauft und ausgedruckt habe, woraufhin die Post sofort das Porto erhöht hat, was mir erlaubte, dieses schöne Satzkonstrukt zu lernen:

“Eine Mischfrankatur ist bei Internetmarken leider nicht möglich.”

Das heißt schlicht, dass ich die Internet-Marken nicht mit anderen Marken kombinieren kann, um den neuen Wert zu erreichen. Ich muss sie erstatten lassen. Der Link zur Seite, wo dieser Vorgang erklärt wird, ist allerdings tot.

Kommen wir zum Fazit: Es ist mal wieder der letzte Scheiß und ganz typisch – dem Kunden wird zugemutet, sich den wechselnden und unsteten Bedürfnissen der Maschinen unterzuordnen oder gleich den Anforderungen des Postsystems. Dass die Post als Dienstleister zuerst einmal die Pflicht hätte, die Automaten so zu gestalten, dass sie größtmögliche Flexibilität bieten? Geschenkt. Dass auch die Mitarbeiter hinter dem Tresen in der Lage sein sollten, Wunschwerte auszudrucken? Das wäre ja fast wie im 21. Jahrhundert. Und dass Online-Marken mehr und nicht weniger Komfort bieten sollten als analoge Marken? Science Ficton!

9.50 Uhr. Ich habe schon wieder die Schnauze voll.

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3
März 2015

Landfreundschaften

Ich mache gerne Reportagen mit Johannes Geyer, weil er nicht nur als Fotograf ein echter Profi ist, sondern weil er frei von Allüren ist und die Chemie einfach stimmt. Er hängt sich sich immer zu 150 Prozent rein, “geht nicht” gibt’s nicht, und wenn er sich in ein Motiv verbeisst, muss man ihn manchmal mit strengen Worten wegzerren. Das mag ich.

joge

Was die meisten von euch nicht wissen: Johannes war nicht immer Fotograf. Der hat sein Berufsleben als Kameramann verbracht, war für den “Pumuckl” ebenso mitverantwortlich wie für “Rohe Ostern”, hat dem “Tatort” die Bilder gegeben und Serien wie “Die Cleveren”. So manche Stunde im Auto verbringen wir mit Anekdoten aus dem deutschen Film- und Fernsehbusiness. Wir kennen und hassen oft genug die gleichen Arschlöcher und die gleichen Arschlöchrigkeiten. Das schweißt zusammen.

Johannes hat eine sehr dezente und geschmackvolle Webseite, auf die ich euch heute mal hinweisen möchte. Sie dient nämlich ihm und mir – und damit auch euch: Hier könnt ihr sehr viele der Reportagen lesen, die ich in den letzten Jahren mit Johannes machen durfte. Was noch schwerer wiegt: Hier könnt ihr die Bilder genießen, die Johannes gemacht hat:

jogey

Manchmal, wenn wir vor Ort einen alten Handwerker besuchen, dann merke ich, wie Johannes ein Foto mit besonderer Sorgfalt vorbereitet: Eine Nahaufnahme der Hände bei der Arbeit. Das ist nämlich nicht nur ein Shot für das Heft – das ist einer für Johannes’ persönliche Sammlung. Diese Bilder sind ihm wichtig, die möchte er festhalten.

Auch diese Impressionen findet ihr auf seiner Webseite.

Warum ich euch das erzähle? Weil mir gerade heute aufgefallen ist, wie wunderschön ich die Bilder finde, wie gerne ich an diese spannenden Menschen zurück denke, und wie stolz ich darauf bin, dafür Texte schreiben zu dürfen. Aus dem Kontext des Heftes genommen haben die Reportagen einen ganz eigenen Reiz, stehen in einem ganz eigenen Licht.

Ob Reifendreher oder Ziegen-Flori, Stockmacher oder vegane Patisserie – ich bin beschenkt mit dem Beruf, der meine Berufung ist.

Wenn mich jemand fragt “Was machst du eigentlich bei der Liebes Land so?”, dann verweise ich ihn auf diese Webseite.

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2
März 2015

Bodensatz-Double Feature: “Alien Outpost” &
“Jurassic City”

Outpost-37Alien Outpost

GB/SA 2015. Regie: Jabbar Raisani. Darsteller: Adrian Paul, Reiley McClendon, Douglas Tait, Darron Meyer, Rick Ravanello u.a.

Story: Irgendwann in naher Zukunft starten Aliens, die “heavies” genannt werden, eine Invasion auf der Erde. Unter großen Verlusten gelingt es, sie zurück zu schlagen. Außenposten weltweit sollen die letzten Außerirdischen finden und vernichten. Ein paar Jahre nach Kriegsende fährt ein Kamerateam mit Soldatennachschub zum abseits gelegenen Außenposten 37, um den herum sich etwas zu rühren scheint.

Kritik: Titel und Poster-Artwork (in Grenzen auch der Trailer) erwecken den Eindruck, es hier mit einer Art “Neill Blomkamp light” zu tun zu haben. Dicht am Boden bleibende, fast dokumentarische SF, die sich auf das menschliche Drama vor dem futuristischen Hintergrund fokussiert.

Tatsächlich ist “Alien Outpost” ein Propagandavideo aus der Bush/Cheney-Denkfabrik, das für Terroristen Aliens einsetzt, ansonsten aber der SF keinen Fußbreit Boden gibt. Dies hier ist ein Kriegsfilm, und ein ganz besonders schmieriger obendrein.

Es ist schwer zu begreifen, wie konsequent “Alien Outpost” seine Metapher durchzieht, die gar eine ist, weil eine Metapher eben nicht aus dem simplen Austausch von Taliban gegen Aliens besteht. Es geht an keiner Stelle um mehr als um eine Handvoll Infanteristen, die im Nahen Osten in einer Barracke hocken und vereinzelte Angriffe von meist schwer auszumachenden Gegnern abwehren. Auf die lokale Bevölkerung ist kein Verlass, weil die gerne mal mit dem Feind gemeinsame Sache macht und wenn es hart auf hart kommt, ruft man Luftunterstützung, um pakistanische Dörfer plattbomben zu lassen.

Der Science Fiction-Gehalt von “Alien Outpost” ist damit nur behauptet und äußerlich, besteht aus ein paar wenigen Raumschiffaufnahmen und ein paar “heavies”, dir wir aber nie genau zu sehen bekommen. Der Rest ist Waffen-Fetisch, gegrunzte Befehle und wirre Gefechtsituationen. Es fällt schwer, die Charaktere auseinander zu halten – und noch schwerer, sich auch nur einen Dreck um sie zu scheren.

Auch wenn behauptet wird, es handele sich um eine globale Streitmacht, ist “Outpost 37″ so amerikanisch, dass es kracht. Es geht auch ausschließlich um die amerikanische Weltsicht, das amerikanische Verständnis von “might makes right”, von Männerfreundschaften und Soldatenpflicht. Wie wenig die Autoren der Rest der Welt schert, erkennt man schon daran, dass der einzige deutsche Soldat allen Ernstes “Alderich “Hans” Heilbronner” heißt. Das erinnert an Til Schweiger als “Beau Brandenburg” in “Driven”.

Kleine Randbemerkung: In vielen Datenbanken und Artikeln wird Adrian “Highlander” Paul als Hauptdarsteller gelistet. Im Nachspann steht er an ZWANZIGSTER Stelle – und ich habe ihn im Film nicht gesehen. Erstaunlich.

Mich ärgert aber letztlich weniger die verkackt-militaristische Einstellung des Films oder das “USA! USA! USA!”-Szenario – es ist die Tatsache, dass hier viel mehr schaffbar gewesen wäre. Man hat die Locations, man hat die Darsteller, man hat die Ausrüstung, man hat die Pyrotechnik, man hat die Effekte – es fehlt am Willen, nicht an den Möglichkeiten. “Alien Outpost” stirbt an mangelnder Inspiration wie ein Inneneinrichter, dem man eine halbe Million gibt, dem aber doch nicht mehr einfällt als Raufaser und IVAR-Regale. Mit ein bisschen mehr Mut, das SF-Szenario auch in der Handlung zu spiegeln, hätte “Alien Outpost” tatsächlich in der Liga vom “Screamers 2“, “Starship Troopers 3” oder “Hunter Prey” spielen können.

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Fazit: Ein zur SF umgepinselter Low Budget “Hurra Krieg!”-Film, den sein stolz zur Schau getragenes konservativ-imperialistisches Weltbild für jedes Zielpublikum außerhalb der USA unerträglich macht.

Jurassic_City_PosterJurassic City

USA 2015. Regie: Sean Cain, DarstellerRay Wise, Kevin GageDana Melanie, Vernon Wells u.a.

Story: Ein Forschungsanstalt der Regierung in Los Angeles muss ein paar (wohl künstlich gezüchtete) Velociraptoren kurzfristig anderweitig unterbringen. Man fährt die Bestien kurzerhand in ein benachbartes Gefängnis, wo an diesem Abend auch ein lange gesuchter Killer und drei Studentinnen eingeknastet werden. Schon bald sind die Saurier frei und hinter den Gefangenen her und machen standesgemäß… na ja, keine Gefangenen.

Kritik: Oh boy. The things we do for love.

Muss man “Alien Outpost” primär das dramaturgische Konzept und die unterliegende Ideologie vorwerfen, schießt man bei “Jurassic City” damit ins Leere. Der Film hat keine Agenda, kein Thema, keine Botschaft – er will einfach nur als Mockbuster ein paar Kröten einfahren, bevor “Jurassic World” ins Kino kommt. Das wird ihm gelingen.

Nun lassen sich Horrorfans seit Jahren mit billigem Schund aus der “CobraGator”-Ecke mästen, was macht “Jurassic City” da zu einem besonders ablehnenswerten Beispiel? Nichts, eigentlich. Und alles.

Es ist eine Sache, wenn ein Film an seinem Mangel an Möglichkeiten scheitert, an zu wenig Geld und zu wenig Zeit, vielleicht auch an zu schlechten Darstellern. Das gehört beim aktuellen C-Movie zum Spiel, das subtrahiert man als Kritiker so unbewusst wie automatisch. Aber Sean Cain (eigentlich Editor bei nicht weniger schrottigen Produktionen) legt selbst angesichts dieser Maßstäbe einen besonders rotzigen Zynismus an den Tag. “Jurassic City” zeichnet sich durch eine zur Schau getragene “Scheiß drauf, die Leute werden’s schon fressen”-Einstellung aus, die den Zuschauer auslacht, von dem sie sich bezahlen lässt. Es ist Dreck, der nie mehr als Dreck sein will, der Dienst nach Vorschrift leistet und Vorschrift dabei als Minimalleistung definiert. Es gibt nicht eine Rolle, nicht einen Dialog, nicht eine Szene oder auch nur einen Effekt, der über das hinaus geht, was als “gerade noch” durchgeht.

Das fängt bei der Story an oder besser gesagt deren Mangel. Warum das M1-Institut Raptoren züchtet? Keine Ahnung. Warum man glaubt, diese seien ausgerechnet in einem Gefängnis gut aufbewahrt? Beats me. Warum Sorority-Girls wegen eines Parkunfalls gleich im Knast landen? Weil Autor Cain es so bestimmt hat. Die Elemente werden einfach zusammen geführt und aufeinander los gelassen. Der Rest ist Geschrei, Rennerei und billigster Digitalsplatter, mit dem man nicht mal mehr bei einem Browserspiel durchkommen sollte.

Die Menge der Figuren und Subplots dient nicht etwa der Vertiefung des menschlichen Dramas, es muss nur mit endlosen statischen Dialogszenen kaschiert werden, dass mehr als fünf Minuten grottiger Dino-CGI einfach nicht drin waren. Der Rest muss gefüllt werden.

Überhaupt die Dinos: Echt? 20 Jahre nach “Jurassic Park” ist das C-Kino immer noch auf dem Stand von “Raptor Island”? Das geht wirklich nicht besser, auch wenn man nur wenig Kohle hat? Es ist erschütternd.

Am meisten ins Bein schießt sich “Jurassic City” aber damit, dass der Film vor lauter Figuren vergisst, einen Protagonisten zu etablieren. Wir schalten permanent zwischen einem Dutzend Charaktere hin und her, von denen jeder zwischen zwei und zehn Minuten Screentime bekommt. Weder gibt es einen Helden, noch eine Hauptfigur mit irgendeinem definierten Ziel. Es gibt nur Dino-Futter. Mechanisch reiht sich plumpe Exposition an schlecht inszenierte “action”, bis die Laufzeit rum ist.

Während Genre-Gesichtsverleiher Ray Wise sich auf Autopilot aus der Affäre zieht, wirkt “Mad Max”-Bösewicht Vernon Wells, als lese er mühsam und leicht betrunken Textkarten ab, die hinter der Kamera hoch gehalten werden. Und auch der Rest der No Name-Besetzung hat anscheinend keinerlei Hinweise bekommen, in welchem emotionalen Kontext man seine Szenen spielen soll. Das wechselt teilweise mit der Kameraperspektive.

Die Tatsache, dass die produzierende Entität laut Nachspann “Jurassic Block” heißt, lässt darauf schließen, dass “Jurassic City” eben nie stadtweites Drama sein sollte, sondern immer als Knastfilm mit Dinos angelegt war. Dann hat man sich (auch angesichts des Titels “Jurassic World”) wohl entschlossen, dass das zu kurz gedacht war und Zuschauer mehr Spektakel wünschen. Nun gibt man ihnen zwar nicht mehr Spektakel, aber immerhin die Behauptung desselben.

Um’s mit einer Videospiel-Analogie zu erklären: Es gab Pac-Man. Es gab Ms. Pac-Man. Es gab Jr. Pac-Man. Wenn man das mit “Jurassic Park” gleich setzt, dann ist “Jurassic City” das schrabbelige Modul mit dem nordkoreanischen Ripoff “Snuckman”, das man ohne Verpackung für drei Euro auf dem Polen-Trödelmarkt gekauft hat und das beim dritten Level grundsätzlich abstürzt. Ich rate zum Original.

Aber wie gesagt: alles Wumpe. Der Film wird seine Zielgruppe finden, weil es auch dem Trailer empörend und doch beneidenswert gelingt, erheblich mehr dicke Hose vorzutäuschen, als im Film drin ist (praktisch alle Szenen städteweiter Verwüstung stammen aus dem Epilog):

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Fazit: Sinn- und spaßfreier Regalfüller, für den sich alle Beteiligten schämen müssten, wenn sie nicht gut an den Spacken verdienen würden, die das mit dem Argument “geil schlecht, ey” trotzdem kaufen. Sogar Jim Wynsorki würde sich schämen – und der schämt sich für nix!

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1
März 2015

Bücher-Bazar (2): Special Edition

Der erste wortvogelsche Buch-Flohmarkt ist super gelaufen, darum heute gleich Schwung Nummer 2. Diesmal habe ich mich unter anderem an meine Kisten mit Belegexemplaren begeben. Zu jedem Buch, das man schreibt oder übersetzt, bekommt man vom Verlag nämlich mindestens 10 Exemplare geschickt – gerne auch mehr. Da sammelt sich was an, vor allem wenn man bedenkt, dass ich sicher um die 20 “Charmed”-Romane zu verantworten habe, sei es als Übersetzer oder als Autor. Praktisch alles vom vgs-Verlag ist Hardcover, vieles sogar noch druckfrisch eingeschweißt und nur vom Sonnenlicht an den Kanten etwas angegilbt.

Als kleinen Bonus erkläre ich mich bereit, alle Bücher aus meinem direkten Umfeld auch signiert zu verschicken.

Und wer blind ein Paket von fünf verschiedenen “Charmed”-Romanen kauft, bekommt die komplett für 10 Euro!

Grundsätzlich bleiben die Spielregeln wie gehabt – ich würde euch diesmal nur bitten, bei Paypal grundsätzlich drei Informationen preiszugeben:

  • Die erworbenen Bücher
  • Eure Adresse
  • Der Name, unter dem ihr hier zugeschlagen habt

Es hat mich letztes Mal Stunden gekostet, das alles zusammen zu fieseln.

Genug der Vorrede – Vorhang auf für 45 28 25 22 15 neue Angebote:

Charmed: Die Macht der Gefühle

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Hardcover, nagelneu. Zwei Geschichten, eine von mir. Gerne signiert. 3 Euro.

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