27
Juli 2016

TV-Serien-Nostalgie: unangebracht?

Seit ein paar Tagen schaue ich mit großer Begeisterung den YouTube-Kanal von RwDt09, der etwas zusammenschneidet, was keine so große Begeisterung auslösen dürfte: Serien-Vorspänne aus verschiedenen Jahrzehnten.

Ein schönes Beispiel ist dieses Video mit den Top 16-Serien der Saison 1973/74 (man achte auf den Titelsong des "Six Million Dollar Man"!):

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Davon kennt man ja einiges. Interessant sind auch Videos mit Vorspännen von Serienflops, von denen die meisten hierzulande nie gelaufen sind:

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Es ist schon faszinierend, wie weit wir gekommen sind, wie sehr das Fernsehen sich als erzählerisches Medium weiterentwickelt hat. Es ist eskapistischer geworden, was aber auch den Zeitgeist reflektiert. Es wird oft horizontal erzählt, verwebt seine verschiedenen Geschichten über mehrere Episoden oder Staffeln hinweg. Die Schauspieler sind nicht mehr nur TV-Weißbrot (man schaue sich gerade bei den Drama- und Krimi-Zusammenschnitten mal die unsägliche Menge austauschbarer Blondinen in den weiblichen Hauptrollen an). Das Würgehalsband der verpflichtenden Familienfreundlichkeit ist ebenso abgelegt wie der Fokus auf den weißen heterosexuellen Mittelstand und seine vermuteten Vorlieben.

Die TV-Serie ist auch nicht mehr der Pensionsanspruch ausgemusterter Hollywood-Stars wie Rock Hudson oder Doris Day, die sich gegen Ende der Karriere großherzig dazu herab lassen, dem Pantoffelkino die Ehre zu geben. Die heutigen Castlisten der Sender lesen sich nicht schlechter als die der Kinos: Dustin Hoffman, The Rock, Anthony Hopkins, Sharon Stone, Halle Berry, Jennifer Lopez, Hugh Jackman, Mark Wahlberg, Jack Black, Tim Robbins, Elijah Wood, Adam Sandler, Woody Allen, etc. pp.

Vor allem aber ist Fernsehen aufwändiger geworden, befreit von der alleinigen Funktion des Zeitvertreibs zwischen zwei Werbeblöcken, die den Verzicht auf Effekte, Sets und Anspruch zum Hauptanliegen machte.

Das Medium ist erwachsen geworden - und es ist ein Monster. Nirgendwo wird das besser ersichtlich als bei diesem Fake-Trailer - mit ziemlicher Sicherheit hätten die "Avengers" in den 70ern in der Tat SO ausgesehen:

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Wer sich das ehrlich eingesteht, dem geht nicht die Nostalgie für die alten Serien verloren, schon allein deswegen nicht, weil sie unzertrennlich mit unserer eigenen Biographie, mit unserer eigenen Geschichte verbunden sind. Aber die Nostalgie ist nicht mehr so golden gefärbt. Weil gerade im neuen Zeitalter des Anspruchs-Fernsehens Mangel und Makel der alten TV-Welt schmerzhaft offensichtlich sind. Selbst gute Serien waren damals meistens nicht objektiv gut, sondern "gut" im Sinne von "nicht so unerträglich wie der restliche Scheiß".

So sehr ich manchmal den einfachen, episodischen Serien nachtrauere und mich an "Castle" und "House" klammere, so sehr ich im Zeitalter von Binge Watching die Vorfreude auf nächste Folge vermisse, so sehr freue ich mich doch, miterleben zu dürfen, wie mein liebstes Medium eine neue und unerwartete Blütezeit erlebt. Vor zehn, fünfzehn Jahren war noch fleißig der Tod der TV-Serie prophezeit worden. Voreilig, wie sich nun zeigt.

Natürlich ist auch 2016 noch viel Katzengold dabei. Eine Industrie, die 50 Jahre lang auf Simpel-Geschichten und Küchenmeister Schmalhans geeicht war, produziert nicht schlagartig nur noch Diamanten. Oft genug sind die Geschichten und die Figuren hinter dem enormen Aufwand keinen Deut besser geworden und die horizontale Erzählweise dient nur dazu, Magerplots auf 13 Folgen zu strecken. Aber wer auswählt, wer sich als kritischer, mündiger Zuschauer begreift, der kann sich 24 Stunden am Tag mit Fernseh-Delikatessen die Zeit vertreiben. Vor 20 Jahren Jahren war ich froh, fünf oder sechs Serien pro Woche zu haben, die mich nicht nervten.

Mein "Science Fiction TV Guide" war damals nötig, damit die Fans ausreichend Informationen hatten, damit sie die wenigen Genre-Highlights nicht verpassten. Heute, im Zeitalter von Internet, Streaming und Blu-ray, besteht diese Gefahr nicht mehr. Man wird vorab mit Informationen, Clips und Bildern überschüttet, kann selber entscheiden, ob und wann man etwas schauen will. "Verdammt, ich habe vergessen, die Folge aufzunehmen!" gehört ins Lexikon der aussterbenden Phrasen. Würde ich heute wieder einen "Science Fiction TV Guide" konzipieren - seine Aufgabe wäre die Perlentaucherei, die Entscheidungshilfe für Geeks, die keine Zeit haben, alles zu schauen. Das Konzept wäre nicht das Finden von neuen Serien, es wäre die kuratierte Auswahl in der aktuellen Schwemme.

Aber das ist nicht mehr meine Aufgabe, denn dies ist nicht mehr meine Generation. Ich bin ein Dinosaurier. Ich schaue vom Wegesrand zu, wie der Serien-Zeitgeist an mir vorbei galoppiert. Manchmal schüttel ich wütend die Faust und knurre "Zu MEINER Zeit...". Dann beneide ich die heutigen TV-Junkies, die 20 Folgen an einem Wochenende konsumieren können. Andererseits: Dafür habe ich erstaunlich verschiedene Phasen des Fernsehens miterleben dürfen, von den spröden und farblosen 70ern über die aufgeblasenen 80er bis in die verspielten 90er. Das kann mir keiner mehr nehmen und das Gefühl dieser Epochen kann sich auch niemand nachträglich anlesen.

Was ich eigentlich nur sagen wollte: Geile Zeiten.

Zum Abschluss eine Reihe von Vorspännen der Serien, die primär in den 90ern als Fantasy oder Comic-Action produziert wurden und die heute fleißig zum Fremdschämen einladen (Bonus-Cameo von Christopher Lee):

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Tja, die richtigen Ideen und Stoffe hatte man - nur auf die richtige Umsetzung mussten wir bis "Game of Thrones", "Daredevil", "Walking Dead" und "Vikings" warten...

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27
Juli 2016

#allwordsmatter

Wieder nur ein kleiner Beitrag. Ich nenne das Affekt-Blogging - wenn mir quasi im Vorbeilesen was aufstößt und raus muss.

Heute geht es unter anderem um den Independent-Thriller "River", der in Deutschland "Mekong-Rush - Renn um dein Leben" heißt:

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Die offizielle Synopsis macht in zwei, drei Zeilen durchaus Lust:

"In the south of Laos, an American volunteer doctor becomes a fugitive after he intervenes in the sexual assault of a young woman. When the assailant’s body is pulled from the Mekong River, things quickly spiral out of control."

Das baut Spannung, setzt den Konflikt, erzählt aber nicht zu viel.

In der IMDB hat jemand eine eigene Inhaltsangabe hochgeladen - ungefähr genau so lang, mit ungefähr den gleichen Beats. Und trotzdem ist sie ein Beispiel dafür, wie problemlos man auch jedes Interesse an einem Film im Keim ersticken kann:

"A medical practitioner gets himself involved in a crime which happens in a unexpected way. Filled full of guilt, he tries to escape from the cops of Thailand but finally gets captured for a while, then gets approached to go back to his own country."

Das gehört dann schon wieder in die Rubrik "Inhaltsangaben zum Abschalten".

Ich will dem Autor der zweiten Synopsis gar keinen Vorwurf machen - vermutlich auch nur ein Fan, möglicherweise ist Englisch nicht seine Muttersprache. Es geht mir eher darum aufzuzeigen, wie wenig Text es braucht, um Qualität zu setzen - oder eben nicht. "Kann doch jeder schreiben, wie er will" ist für mich keine Option. Es erschüttert mich immer, wenn ich Menschen treffe, die sich keinerlei Gedanken mehr über den Impact, den Rhythmus, die Befindlichkeit ihrer Worte machen. Da haben Sätze keine Choreographie, Geschichten keine Tiden.

Ein Freund bat mich vor ein paar Jahren, seinen Pulp-Vampirroman zu lesen. Er hoffte auf ein wenig ehrliches Feedback, nachdem die Mitglieder seiner Familie das 150 Seiten-Werk hoch gelobt hatten. Ich tat ihm den Gefallen, ihm keinen Gefallen zu tun. Ich schrieb sieben Seiten Notizen - über die durchsichtige Motivation des Bösewichts, die allgegenwärtigen Klischees, die kleinen Schlampereien bei der inneren Logik. Vor allem aber: Ich wies ihn darauf hin, dass sein Roman nie richtig in Fahrt komme, weil er das Erzähltempo nicht wechseln wolle. Dialoge und Beschreibungen hatten immer den gleichen Flow. Das kann nicht funktionieren. Wenn der Ich-Erzähler plötzlich in einer dunklen Seitenstraße brutal zusammengeschlagen wird, darf er es nicht mit der selben Ausführlichkeit beschreiben, mit der man eine lange Autofahrt von Rügen nach Hannover nacherzählt. Menschen unter Stress sprechen anders als Menschen unter Drogen. Ein schmieriger Drogendealer spricht anders als ein College-Professor. Unsere Intentionen und Komplexe sind in unseren Gesprächen vielleicht nicht immer konkret hörbar - aber ein guter Autor weiß, wie man sie mitschwingen lässt.

Es tut mir bis heute leid, dass der Freund sich zwar überschwänglich für die "ehrlichen und weitgehend nachvollziehbaren" Notizen bedankte, sie aber nicht umsetzte. Er ließ das Projekt sterben. Ein Fehler.

Kein seltenes Phänomen übrigens: Autoren behaupten zwar gerne, konstruktive Kritik zu wollen, sind aber sehr selten in der Lage, damit umzugehen. Selbst wenn sie zugeben (müssen), dass der Rezensent ganz objektiv problematische Stellen aufgezeigt hat, ist die Reaktion zumeist mühsam verkleideter Trotz. Man erklärt Fehler lieber zu persönlichem Stil, als sich mit den eignen schreiberischen Defiziten auseinander zu setzen.

Aber zurück zum Thema Sprachgewalt - ein Begriff, der eigentlich mal eine eigene Doktorarbeit wert wäre.

Wie knapp man Spannung und Terror setzen kann, wurde auch gestern bei der achten Folge von "Preacher" klar (die Serie hat zwar immer noch einen Schneckenplot, überlebt aber dank ihrer Atmosphäre und ihrer Charaktere): Der bedauernswerte Junge Arseface schafft es (scheinbar) aus der Hölle zurück, er gräbt sich durch den Kirchenboden nach oben wieder in unsere Welt. Jesse Custer ist so erschüttert wie fasziniert und hat ein paar Fragen zur Befindlichkeit der Unterwelt.

Nun ist "Preacher" eine Serie im wahrsten Sinne des Wortes über "die Macht der Sprache". Man kann die Hölle vielfältig beschreiben, kann Worte finden für Qualen, Brutalität, Hoffnungslosigkeit. Man kann viel darüber schreiben - oder sehr wenig. Und "Preacher" hat auf zwei Fragen genau die Antworten, die ich nicht erwartet habe - und sie sind entsetzlich, weil sie Bilder in den Kopf brennen.

Jesse Custer :
"You dug all the way up from hell?!"

Arseface:
"It's not that far."

Jesse Custer:
"What's it... like?"

Arseface:
"Crowded."

Bam.

P.S.: Ich wollte eigentlich nur über den Inhaltstext zu "River" schreiben. Der Rest ist mir so spontan rausgeplumpst. Sorry.

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26
Juli 2016

bento und die Beliebigkeit der Titelzeilen

Das wird jetzt kein langer Artikel, ich muss das nur los werden, weil es mich nervt und ich den Speicherplatz auf meiner Hirnfestplatte defragmentieren möchte.

In einem anderen Beitrag über bento hatte ich bereits moniert, dass die Aussagekraft und manchmal sogar der Inhalt einer Titelzeile in der digitalen Welt erstaunlich wandelbar sind - je nach dem Medium, aus dem man sich zum Beitrag klickt. Heute ist mir das erneut aufgefallen.

Schauen wir uns diesen Verweis auf bento beim Mama SPon an:b1

Das ist eine klare Aussage. Man versteht, worum es geht. Nimmt eigentlich das Ergebnis des Beitrags vorweg, aber wir wollen nicht kleinlich sein.

Lässt man sich allerdings zum Klick verführen, wird die Titelzeile ratzfatz erheblich unverbindlicher:

b2

Eine unnötig lange und eher langweilige Zeile, aber wenigstens ambivalent genug, um die für den Leser nötige Grundspannung aufzubauen - ist es der Autorin wohl gelungen, "unglaubliche Kräfte" zu aktivieren?

Teilt man den Artikel auf Facebook, um andere Leser an der investigativen Recherche teilhaben zu lassen, heißt es plötzlich:

b4

Ihr ahnt es schon - am Ende geht es nicht um "unglaubliche Kräfte", sondern bestenfalls ein bisschen Selbstbewusstsein, und selbst dafür reicht es beim Fazit nicht:

b3

Was mir fehlt? Das Verständnis dafür, dass die SPon- und Facebook-Zeilen eigentlich das genaue Gegenteil des Artikels aussagen.

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25
Juli 2016

DVD-Kritik: Batman: The Killing Joke

kjUSA 2016. Regie: Sam Liu. Sprecher: Kevin Conroy, Tara Strong, Ray Wise, Mark Hamill

Story: Wieder einmal ist der Joker aus Arkham Asylum ausgebrochen - und diesmal ist sein Plan besonders perfide: Er schießt Barbara "Batgirl" Gordon zum Krüppel und entführt ihren Vater, um ihn in den Wahnsinn zu treiben. Damit will er Batman beweisen, dass jeder Mensch eine Sollbruchstelle besitzt - so wie er selbst an dem Tag, an dem aus einem verzweifelten und erfolglosen Bühnenkomiker der tödliche Clown von Gotham City wurde. Für Batman wird die Jagd nach dem Joker auch zu einer Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit...

Kritik: Ich hatte schon mal drüber geschrieben, dass "The Killing Joke" mein liebstes Batman-Comic ist, weil es ein grandioses Thema hat, optisch keine unnötigen Experimente eingeht und die Beziehung von Joker und Batman besser als je zuvor ausleuchtet. Deshalb war ich von der Idee, "The Killing Joke" als Trickfilm umzusetzen, gleichermaßen begeistert wie besorgt. "The Dark Knight returns" hat uns ja vor ein paar Jahren Makel und Möglichkeiten solcher Adaptionen aufgezeigt. Das Ergebnis war ruppig, uneinheitlich, aber letztlich eine überzeugende Ergänzung zur Vorlage.

"Batman: The Killing Joke" ist nur noch uneinheitlich.

Fangen wir mal mit dem "Elefanten im Zimmer" an, den man ja bekanntlich nicht ignorieren kann: Die Macher haben die Story des Comics nicht auf 75 Minuten gestreckt, sondern nur auf 45. Die restlichen 30 Minuten übernimmt ein Prolog, der nicht nur die Laufzeit füllen, sondern auch ein oft (aber nicht von mir) artikuliertes Problem der Vorlage abfedern soll: Die mangelnde Substanz in der Rolle von Barbara Gordon.

Und so schauen wir also 30 Minuten lang zu, wie sich das notgeile Batgirl von einem schmierigen Mafiosi emotional an der Nase herum führen lässt, bis Batman sich endlich erbarmt, sie zur Vernunft zu vögeln - wonach sie tagelang Nägel kauend auf seinen Anruf wartet. Männer!

Klingt eklig, frauenfeindlich und in seinen Rollenmodellen veraltet? Das liegt nicht an meiner Schreibe, das liegt leider am Skript von "Killing Joke". Ich muss gestehen, dass ich den überlangen Prolog vielleicht als ersten Akt für einen kompletten Film über die komplizierte Beziehung von Batgirl und Batman gemocht hätte - als Intro für den "Killing Joke"-Plot ist er sensationell in die Hose gegangen und beschädigt beide Heldenfiguren nachhaltig (Joker kommt erstmal gar nicht vor).

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Hinzu kommt, dass der Prolog und zumindest Teile des Restfilms miserabel gezeichnet und animiert sind. Hier wird nicht mal das Niveau der Batman-TV-Serien der letzten Jahrzehnte erreicht. Ehrlich jetzt, DC? Ihr setzt eine eurer Kronjuwelen für den internationalen Markt um und macht dann nicht mal die Kohle locker, damit die Charaktere sich wenigstens ansatzweise flüssig bewegen? Aber für Joker-Figuren in der Box, dafür hat's gereicht?

Nun gut, kommen wir zur eigentlichen Umsetzung von "The Killing Joke", also den letzten 45 Minuten dieses "Films" - und zu einem anfänglich sicherlich überraschenden Vergleich mit den "Asterix"-Trickfilmen und der Kino-Umsetzung von Moers' "Das kleine Arschloch". Diese Adaption teilt mit ihnen nämlich ein grundsätzliches Problem: Ein Umsetzung ist wertlos, wenn sie der Vorlage nichts hinzufügt, sondern lediglich die Bilder bewegt und die Texte aus den Sprechblasen auf die Tonspur hebt.

Im Gegensatz zu "The Dark Knight returns" und einigen anderen Umsetzungen von Comic-Vorlagen müht sich "The Killing Joke" derart sklavisch, der Vorlage von Bolland und Moore gerecht zu werden, dass dem Werk nichts hinzugefügt, nichts abgerungen wird. Wer das Comic kennt, kennt den Film. Die meisten Szenen sind direkte Übernahmen aus den Panels und auch bei den Dialogen wird bestenfalls ein wenig gekürzt. Eine Anpassung an das Medium Film findet nicht statt. Das ist fatal.

Dafür fällt auf, dass "The Killing Joke" immer dann die Framerate und die Details hochschraubt, wenn eine als besonders ikonisch identifizierte Szene ansteht. Das ist allerdings mehr störend als beeindruckend, es raubt dem Film, der sowieso völlig zerfahren wirkt, die optische Kohäsion.

Nun könnte man hoffen, dass der Stoff für sich genommen stark genug ist, um auch in einer lustlosen Umsetzung zu überzeugen. Leider nein. Inszenatorisch ist nämlich auch der Wurm drin. Comissioner Gordon wirkt schwach statt kantig, Batman hölzern statt stoisch, der Joker geschwätzig statt raffiniert. So verpuffen auch die Schlüsselszenen des Comics ohne nennenswerten Impact. Und das, obwohl DC wenigstens die bewährten Premium-Sprecher angeheuert hat.

Vielleicht war es doch richtig, dass sich DC so lange gesperrt hat, "The Killing Joke" zu adaptieren. Vielleicht gibt es Werke, die in ihrem Medium perfekt sind und die sich nicht für Umsetzungen eignen. Vielleicht hätte man aber auch bloß Jay Oliva Regie führen lassen müssen und statt des Prologs einen (vielleicht mutig experimentellen) Kurzfilm aus dem Batman-Universum beipacken sollen? Wir werden es nie erfahren.

Fazit: Eine inhaltlich und inszenatorisch erschütternd fehlgeleitete Adaption eines Kult-Comics, die nichts vom Drama und Pathos der Vorlage filmisch adäquat transportieren kann. Nur für absolute Komplettisten.

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23
Juli 2016

Kino-Kritik: Star Trek Beyond

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USA 2016. Regie: Justin Lin. Darsteller: Chris Pine, Zoe Saldana, Karl Urban, Zachary Quinto, Simon Pegg, Idris Elba, Sofia Boutella u.a.

Offizielle Synopsis: Auf ihrer Forschungsmission gerät die Enterprise in einen gnadenlosen Hinterhalt. Unter Dauerbeschuss kann die Crew um Captain Kirk nur in letzter Sekunde auf fremdem Terrain notlanden. Doch statt in Sicherheit befindet sie sich plötzlich zwischen den Fronten eines scheinbar ausweglosen Konflikts. Getrennt voneinander und ohne Kontakt zur Außenwelt ziehen Kirk und sein Team in den Kampf gegen einen mysteriösen und übermächtigen Feind.

Kritik: Ich habe eine ziemlich harte Woche hinter mir. Ich war acht Tage ununterbrochen "auf Reportage", habe mich körperlich verausgabt, schlecht geschlafen und schlecht gegessen. Der Marathon ist auch noch nicht beendet, mit etwas Glück werde ich nach weiteren 800 Kilometern vielleicht heute Abend endlich wieder in Baden-Baden sein. Ein Zwischenstopp in Düsseldorf und eine berufliche Verpflichtung meines Bruder "schenkten" mir gestern Nachmittag allerdings ein Fenster von drei Stunden, das ich prompt nutzte, um in meiner Heimatstadt mal wieder ins Kino zu gehen - so ganz normal, mit Eintritt zahlen und Werbung davor. Klare Sache, dass ich den neusten Ableger des Trek-Universums wählte.

Die ersten beiden Teile des Reboots hatten mir ja sehr gut gefallen, auch wenn ich sie retrospektiv etwas kritischer sehe als bei der Erstsichtung.

Das wird mir hier sicher nicht passieren.

Reden wir nicht lange drum herum: "Star Trek Beyond" ist ein Debakel, ein kaputt konstruiertes und kaputt inszeniertes Durcheinander, das einen zweitklassigen TV-Plot mit teilweise peinlichen Action-Sequenzen aufzupumpen versucht und das dabei völlig vergisst, worum es bei Star Trek geht oder für was die Figuren stehen.

Die Fehler des Films aufzuzählen ist schmerzhaft, weil sie so offensichtlich sind und längst überwunden schienen. Waren schon die beiden Vorgänger hyperaktiv und hektisch inszeniert, kippt die Kamera bei "Star Trek Beyond" ins totale Chaos, die Action ist endgültig undurchschaubar und man wähnt sich wieder und wieder in einem hardwaregeilen Transformers-Spektakel. Man bleibt statt mit atemloser Erschöpfung mit der Erkenntnis zurück, dass Justin Lin definitiv die falsche Wahl für den Regiestuhl war.

Obwohl darüber spekuliert worden war, dass "Star Trek Beyond" nach dem für Paramount enttäuschend mittelmäßigen Einspielergebnis des Vorgängers mit weniger Budget auskommen müsse, hat das Studio letztlich doch 185 Millionen Dollar investiert - die anscheinend komplett in die digitale Konstruktion der Raumstation Yorktown geflossen sind. Sie ist das "key visual" des Films, soll für die Wow-Momente und den Background des Spektakels sorgen. Das kann man sehen, wie man will, aber über die Yorktown-Station hinaus ist die CGI des Films teilweise erschreckend dürftig. Wenig überzeugende digitale Matte Paintings, mangelnde Details, sehr offensichtliche Computer-Statisten - weniger Bombast und dafür mehr Sorgfalt hätten dem Film sicher gut getan.

Ich bin auch endgültig mit dem Design des neuen Trek-Universums unglücklich. Da passt nichts zusammen. Ist die Enterprise außen noch eindeutig dem Flow-Konzept verpflichtet und mit den bunten Uniformen bezaubernd anachronistisch, huldigt der Rest des Universum der blanken und blinkenden Hardware. Ich habe kein Gefühl dafür, wie diese neue Enterprise innen aufgebaut ist, ich mag die Brücke nicht, den unüberschaubaren Maschinenraum. Es ist auch nicht hilfreich, dass unsere Protagonisten immer wieder die Uniformen wechseln, als würden sie zwischen altem und neuem Trek-Universum oszillieren.

Das ist aber nicht weiter problematisch, weil sich die Macher des Films entschieden haben, einen "Raumschiff Enterprise"-Film weitgehend ohne das Raumschiff Enterprise zu drehen. Die beiden primären Locations sind ein austauschbarer Alien-Planet und die Yorktown. Ich weiß nicht, was mich mehr schockiert: die Nonchalance, mit der man die Enterprise abserviert - oder die Tatsache, dass es mich so erschreckend wenig schert.

Es ist sicher eine qualitative Messlatte, die Vernichtung der Enterprise in "Star Trek III: The Search for Spock" und "Star Trek Beyond" zu vergleichen. Es zeigt sich, wie wenig emotionalen Impact die neuen Trek-Macher aus dem ganzen Aufwand generieren können. "Star Trek Beyond" hat kaum "bang for the buck".

Wenn unsere Helden die marode (und dem alten Trek-Design verpflichtete) USS Franklin starten und damit zur Yorktown fliegen, dachte ich bei mir: "SO muss das aussehen!". Was sagt das über die neue, schicke Designer-Enterprise aus?

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Und damit sind wir nicht einmal beim Plot oder bei den Protagonisten angekommen. Hier werden wirklich die müdesten Klischees bedient - ein Alien mit Latex-Kopp und schlechten Zähnen baut eine Superwaffe, um der Föderation ans Leder zu gehen. Eine Sackladung Technobabble, diverse McGuffins und einen Hirnzwerg von "genialer Idee" später werden die Drohnen des Bösewichts ausgeschaltet, fürs Finale muss Kirk mal wieder die Fäuste nehmen. Das ist so ausgelutscht, so vorhersehbar, so mager.

Nun ist mit Simon Pegg als einem der maßgeblichen Autoren ja jemand verantwortlich, der a) gute Skripts schreiben kann und b) mit dem Trek-Mythos intim vertraut ist. Warum gerade er ein so völlig konfuses und trek-blindes Drehbuch abliefern konnte, erschließt sich mir nicht. Die Crew der Enterprise hat in diesem Film praktisch keinerlei Zusammenhalt, Checkov und Sulu sind zu Statisten degradiert, jeder kämpft für sich allein, alle charmanten Dialoge Kirk/Bones, Bones/Spock und Spock/Kirk wirken mühsam in den Plot gepfriemelt und inkonsequent. Besonders Zachary Quintos Spock ist diesmal ein langweiliger, uncharismatischer Totalausfall.

Idris Elba? Wie im ersten "Thor"-Film (und Chris Eccleston im zweiten "Thor"-Film) völlig verschenkt. Ich hoffe, er hat sich diesen mageren Gastauftritt gut bezahlen lassen.

Von all dem, was die Kontinuität der Figuren und der Franchise weiter entwickeln soll, funktioniert fast gar nichts. Es ist der erste Film, in dem die Enterprise auf ihrer 5 Jahres-Mission zu sehen ist - und statt den Beginn des großen Abenteuers zu zelebrieren, wird schon von Müdigkeit und dem Gedanken an Schreibtischjobs für Kirk und Spock gesprochen. Der jungen Crew werden Alterserscheinungen angedichtet, die an Daniel Craigs Bond erinnern, der vom virilen Neu-Agenten in nur drei Filmen zum ausgedienten Dinosaurier herunter geschrieben wurde. Dass Chris Pines Captain Kirk jetzt schon nach einem ruhigen Admirals-Posten schielt, ist an keiner Stelle glaubwürdig. Es wird nur in den Plot geprügelt, damit er am Ende die Erleuchtung haben kann, dass er doch lieber Captain bleiben möchte. Überraschung?

Als wäre das nicht schon schlimm genug, fährt "Star Trek Beyond" auch noch ein paar "character moments" und "action set pieces" auf, die Kopfpatschen machen. Nicht "Martha!"-peinlich, aber durchaus vergleichbar mit der Dune Buggy-Sequenz aus "Star Trek Nemesis" und Scottys Stoß gegen den Querbalken in "Star Trek V". Die Charaktere werden für billige Gags verraten.

Ich wollte nie einen Star Trek-Film sehen, in dem zum großen Finale der Song "Sabotage" von den Beastie Boys läuft.

Hat mir denn IRGENDWAS gefallen? Wenig. Chris Pine wird immer besser - und dem jungen Shatner immer ähnlicher. Er hat die Figur "drauf" und seine Szenen mit Bones gehören zu den besten im Film - die Dynamik der beiden Charaktere ist erheblich glaubwürdiger als Kirks Freundschaft zu Spock.

Sofia Boutella als Jaylah ist ebenfalls sehr unterhaltsam - und es ist bezeichnend, dass man sie als "frisches Blut" auch für eventuelle weitere Film an Bord behalten will.

Aber das ist Perlentauchen in der Jauchegrube. "Star Trek Beyond" ist ein Sportwagen, der mit Kolbenfresser in einer Sackgasse feststeckt. Die Franchise braucht keinen Tritt aufs Gaspedal für Teil 4 - sie braucht einen Abschleppwagen und eine Werkstatt.

Ich bin raus.

Fazit: Inhaltlich konfus und unspannend, technisch nicht immer überzeugend und dazu noch hektisch überinszeniert - der Trek-Reboot hat sich nach nur drei Filmen überlebt und bedarf selbst dringend eines Neustarts von "Star Trek II: Wrath of Khan"-Ausmaßen, der Look & Feel des Trek-Universums wieder auf Spur bringt.

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14
Juli 2016

Update eines angekündigten Scheintodes

Freunde, Römer, Mitbürger!

Im April hatte ich mich erstmals ernsthaft mit dem Gedanken auseinander gesetzt, diesen Blog (zusammen mit meinen Facebook-Aktivitäten) ruhen zu lassen, um mir und meiner kreativen Potenz ein Sabbatical zu gönnen. Davon habt ihr seither nichts mehr gehört, weil die Mühlen eher im Hintergrund mahlen und die Karotten unter der Erde reifen. Ich brauchte Ruhe, um Zeitplan und Modus zu definieren.

Nun sei es offiziell verkündet: Ab dem 1. September, also direkt im Anschluss an das Fantasy Filmfest 2016 mit meinem zehnten zugehörigen Review-Marathon geht der Wortvogel auf Standby.

Der Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt: Das Fantasy Filmfest wollte ich mir keinesfalls entgehen lassen und in diesen Rahmen fällt auch der zehnte Jahrestag meines ersten Blogbeitrags. 50 neue Reviews als Highlight zum zehnten Geburtstag - das ist eine runde Sache für den Ausstieg.

Die Pause - und genau als solche ist es geplant - hat auch technische Ursachen. Ich möchte mein Blog zu einem großen Hoster umziehen und danach neu gestalten. Das aktuelle Design hat fünf Jahre auf dem Buckel (und damals haben mich ähnliche Gedanken wie heute umgetrieben). Ich will weniger Schnickschnack, weniger Farbe, weniger kräftige Linien. Das Problem: Jedes Re-Design wird zwangsläufig das Layout aller bisherigen Beiträge zerschießen. Und zuverlässige Helfer für den Umbau suche ich auch noch.

Als Zeitrahmen hat sich bei mir die Idee "6 Monate" gemütlich eingerichtet. Das scheint mir lange genug, um auch größere neue Ideen anzugehen - und kurz genug um zu verhindern, dass die Leute irgendwann sagen "Wortvogel? Wer war datt noch mal?".

Viele Fragen sind noch ungeklärt, ergeben sich vielleicht erst im Laufe der Zeit - poste ich nichts mehr oder gebe ich euch Updates, wie es jenseits meiner Netz-Aktivitäten läuft? Schalte ich die Kommentare komplett ab? Gibt es Breaks im Sabbatical, um die Fantasy Filmfest Nights zu bedienen? Schreibe ich im Sabbatical Beiträge, die ich nach der Rückkehr freischalte?

Ich könnte auch problemlos eine "Best of"-Liste machen, die automatisiert jeden Tag einen ausgesuchten Beitrag aus den ersten fünf Jahren noch mal präsentiert. Oder ich starte als Blogprojekt eine Fortsetzungsgeschichte unter Berücksichtigung eures Inputs.

Was ist, wenn ich mich nach sechs Monaten entscheide, dass ich ohne Blog besser dran bin, dass aus dem Konstrukt Wortvogel wieder der Mensch Torsten Dewi werden muss? In so einem Fall wäre der ganze Umzug und das Re-Design für die Tonne.

Ihr seht: Es sind noch viele Fragen offen. Aber ich wollte euch schon mal darauf vorbereiten, dass es dieses Jahr keinen Gewinnspiel-Adventskalender und keine Wintergeschichten geben wird.

 

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12
Juli 2016

Summer of SciFi: Equals

equals-mposter-galleryUSA 2015. Regie: Drake Doremus. Darsteller: Nicholas Hoult, Kristen Stewart, Guy Pearce, Jacki Weaver, David Selby u.a.

Story: In einer Welt nach dem nuklearen Holocaust haben nur zwei menschliche Enklaven auf der Erde überlebt: Eine perfektionierte, emotionslose, urbane Gemeinschaft in einer hypermodernen Betonstadt - und eine mythische Barbarenwelt, die womöglich nur als fiebrige Abschreckung erfunden wurde. Grafiker Silas wird von der Krankheit SOS erwischt, die nach und nach seine Gefühle (re)aktiviert. Er verliebt sich in die Kollegin Nia, die ebenfalls an SOS leidet. Beide müssen ihre Beziehung geheim halten, denn SOS-"Kranke" haben nur die Wahl zwischen Selbstmord oder Hinrichtung. Als beide den Entschluss gefasst haben, in die "wilde Welt" zu fliehen, stellt eine neue wissenschaftliche Entdeckung alles auf den Kopf...

Kritik: "Equals" ist ein Film, der nur müde Klischees durchkaut, sei es im Bereich "young romance" oder in Sachen Science Fiction - hier ist keine Idee neu, keine Wendung überraschend. Das Drehbuch ist so in sich selbst verliebt, dass wirklich JEDES Element, das eingeführt wird, im dritten Akt handlungsrelevant wird. Jeder halbwegs sauber sozialisierte Filmfan kann daher wirklich alle Entwicklungen vorhersagen.

Ich könnte jetzt mit enzyklopädischem Wissen um mich werfen, auf "Logan's Run" ebenso verweisen wie auf "The Island", meinetwegen bis "1984" zurückgehen und Vergleiche mit "Fahrenheit 451" anstellen. "Gattaca"? Auch. Aber es wäre Eierschaukelei, weil Doremus' Film seine Dystopie letztlich nur als Staffage für eine entsetzlich banale "verbotene Liebe"-Geschichte nutzt, in der Kristen Stewart sich wieder mal gesellschaftlich verpönt hingeben darf - wenigstens funkelt der Lover diesmal nicht.

Relevant sind für die Einordnung von "Equals" eigentlich nur die auffälligen visuellen und inhaltlichen Parallelen zu Lucas' Frühwerk "THX 1138":

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Der direkte Vergleich der beiden Filme dient vor allem der schockierenden Verdeutlichung der Infantilisierung des modernen Kinos - unsere Protagonisten sind Teenager, gefangen in kindischen Klischeegeschichten. Keine Erwachsenen mehr, kein echtes Drama mehr. Das cineastische Fleisch ist schon lange Soylent grün, kannibalistische, geschmacksfreie Wiederverwertung.

Der Grund, warum das bei "Equals" nicht sofort auffällt, ist in der überraschend gelungenen visuellen Präsentation zu suchen: Doremus hatte den Lxuus, in Singapur und Japan drehen zu können. Ähnlich wie bei den chinesischen und indischen Locations von "Code 43" bekommen wir hier in der Tat eine völlig neue, fremde, futuristisch urbane Welt zu sehen, die unseren "sense of wonder" bedient, ohne dafür auf Trickeffekte zurückgreifen zu müssen. Für die Augen ist "Equals" damit ein echter Genuss, eine grüngraue Vision im "Apple chic".

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Einen Bonuspunkt bekommt "Equals" zudem für das Casting von David Selby als Mentor - der war nämlich in der Episode "The norming of Jack 243" der Serie "The Wide World of Mystery" Star einer extrem ähnlichen Geschichte - und das schon 1975:

"In a society of the future, a conformist falls in love with a fugitive, who forces him to rethink his attitudes about the society he lives in."

Ich kann es nicht bestreiten - ich liebe so ein detailverliebtes Insider-Casting. Und David Selby kann ich sowieso gut leiden. Die Produzenten von "Equals" sollten "The norming of Jack 243" als Bonus mit auf die DVD packen.

Ich finde es bedenklich bis erschütternd, dass die heutigen Generationen Filme wie "Equals" als valide Science Fiction vorgesetzt bekommen. Oder "Hunger Games". Oder "Fifth Wave". Da waren wir vor 40 Jahren schon weiter. Es ist wohl an uns, die Erinnerung an "Punishment Park" aufrecht zu erhalten, an "The War Game" und "The Day After", "Escape from New York" und "Blade Runner".

Fazit: "THX 1138" trifft "Twilight" - eine verwässerte und bis ins Ärgerliche simplifizierte Dystopie, deren Banalität und Vorhersehbarkeit auch die extrem slicke Produktion und die fähigen Darsteller nicht aufwiegen können. Lieber "High Rise" gucken.

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11
Juli 2016

Amazon absurd

Ich bestelle nicht mehr so viel wie früher bei Amazon in England oder in den USA. Die Zeit, in der ich monatlich diverse Bücher und Merchandising-Produkte haben "musste", ist schon lange vorbei. Die Auswahl des Wortvogels ist heutzutage eher "frugal, aber erlesen" ( (c) Walter Moers).

Eben war es aber mal wieder soweit, dass ich ein Buch in Amerika bestellen wollte, antiquarisch. Es ist so tragisch wie erfreulich, dass man für gebrauchtes Papier mittlerweile nur noch Cent-Beträge hinblättern muss. Rechtschaffen baff gemacht hat mich aber die Tatsache, dass man für das gleiche Buch vom gleichen Verkäufer völlig verschiedene Preise bezahlen kann - je nachdem, bei welchem Amazon man kauft.

Weil es sich um ein Geschenk handelt, bleibe ich bei meinem Beispiel bewusst vage.

Bei Amazon.de ist das Hardcover gar nicht gebraucht erhältlich, die Listung als Neuware steht bei über 80 Euro. Plus Versand aus den USA.

Bei Amazon.com gibt es das gleiche Buch ab 1 Cent in gutem Zustand. Der Versand über den Atlantik summiert sich jedoch auf fast 16 Euro.

Bei Amazon.co.uk kann man exakt das gleiche Exemplar vom gleichen US-Verkäufer ordern und für in toto 8 Euro nach Deutschland schicken lassen.

Gleiches Buch, gleicher Verkäufer, gleicher Versand, gleiche Adresse - halber Preis. Bonus: Amazon berechnet über England zwei Wochen weniger Laufzeit für das Päckchen.

Stehe ich irgendwie auf dem Schlauch? Habe ich was verpasst? Wie kann das sein?

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9
Juli 2016

Summer of SciFi: Project Almanac

Project-Almanac-posterUSA 2015. Regie: Dean Israelite. Darsteller: Amy Landecker, Sofia Black-D'Elia, Virginia Gardner, Jonny Weston

Offizielle Synopsis: Für die Highschool-Freunde David und Quinn scheint ein großer Traum in Erfüllung zu gehen: Sie schaffen es, den Prototypen einer Zeitmaschine von Davids Vater in Gang zu bringen, und gestalten sich mit ein paar Zeitreisen nun die Welt, wie sie ihnen gefällt. Die ehemaligen Außenseiter und ihre Clique sind auf einmal die Stars jeder Party und genießen ihr neues Teenie-Leben in vollen Zügen, bevor es aufs College gehen soll: Festivals, bestandene Schultests und sogar ein Lottogewinn machen ihr Leben zu einem echten Abenteuer! Doch als David aus Liebe zur süßen Jessie, in die er schon lange heimlich verliebt ist, einen Alleingang unternimmt, gerät das zerbrechliche Gefüge aus Vergangenheit und Zukunft gehörig ins Wanken. Der anfängliche große Traum von Freiheit und zweiten Chancen verwandelt sich in eine spannende und verrückte Reise der Clique durch die Zeit mit unabsehbaren Folgen, und das vielleicht für die gesamte Menschheit...

Kritik: Ich habe vor ein paar Tagen ja schon geschrieben, dass Parallelwelten und Zeitreisen eigentlich immer gehen. Sie bieten nicht nur unzählige Szenarien, sondern auch unzählige Herangehensweisen an das Thema selbst. Viele Zeitreisefilme malen mit großem Pinsel, handeln davon, Hitler zu ermorden oder den Amerikanischen Bürgerkrieg zu verhindern, von Blicken in die bekannte Vergangenheit oder die unbekannte Zukunft. Es hat sich allerdings auch ein Subgenre dieses Subgenres entwickelt, in dem es mehr um die direkten, individuellen, emotionalen Folgen von Zeitreisen geht: Die Serie "7 Days", der Film "Frequency", die "Butterfly Effect"-Reihe. Gerade letztere hat ein beliebtes (aber dennoch rein hypothetisches) Thema sehr konsequent ausgearbeitet: Jede Veränderung der Zeit verursacht einen Welleneffekt, der sich unkontrolliert ausbreitet. Schon die veränderte Wahl der Zahncreme kann die Zukunft unaufhaltsam umschreiben.

"Project Alamanac" gehört in dieses Subsubgenre und bettet es in einen Teenager-Thriller ein, der stilistisch ein wenig an die "Final Destination"-Filme erinnert. Und das als Found Footage.

Es war mir nach fünf Minuten klar, dass sich der Film an diesem seltsamen Konstrukt überheben würde - überrascht hat mich letztlich nur, dass er sich weniger überhebt als erwartet. Klar ist die Found Footage-Nummer nicht nur filmhistorisch überholt, sondern (wieder mal) völlig inkonsequent - ständig werden Sachen gefilmt, die kein Mensch filmen würde, jedes Handy scheint ein Richtmikrophon zu haben, das hektische Gewackel geht mitunter auch ziemlich auf den Sack.

Es passt allerdings dazu, dass "Project Alamanac" sich komplett auf die Welt der Teenager einlässt, ihren pubertären Egoismus in den Mittelpunkt stellt. Hier geht es nicht darum, die Welt zu retten: man will dem Chemielehrer eins auswischen, ein bisschen Geld machen, die Schulschönheit beeindrucken, Facebook-likes und Instagram-Shares sammeln. Dass auch diese scheinbar banalen Veränderungen der Zeitschiene letztlich zu katastrophalen Konsequenzen führen müssen, wird den Protagonisten plausibel (zu) spät klar.

PROJECT ALMANAC

Leider ist "Project Alamanac" durch die begrenzte Sicht der Found Footage und den Drang, zügig voran zu kommen, etwas spartanisch bei der Ausarbeitung seiner inneren Logik. Der Bau der Zeitmaschine wird ebenso hop hop durchgezogen wie die Konfrontation mit den ersten Widersprüchen. So wie die Figuren sich in Zeitschleifen verheddern, verheddert sich der Film in einer eigenen Narrative und nach zwei Dritteln hat man endgültig den Faden verloren, was warum geschieht und wie es zu kitten wäre. Und irgendwie ist "alles wieder auf Anfang" auch kein so großes Finale wie "Weltkrieg verhindern" oder "Alien-Invasion aufhalten". Für einen Zeitreisefilm bleibt "Project Almanac" zu ambitionslos und gleichzeitig zu soft - gerade im Vergleich mit "Butterfly Effect", der ähnliche Topoi erheblich erschütternder durchkaut.

Dennoch lässt sich nicht verleugnen, dass "Project Almanac" kompetent und sehr flott inszeniert ist, sympathische Schauspieler mitbringt und an keiner Stelle langweilt - ähnlich wie bei den "Final Destination"-Filmen muss man halt eine Affinität zu dieser Sorte Teenager-Thriller mitbringen, die mir leider abgeht. Als Zeitreisefilm spielt "Project Almanac" in der Liga von "Time Lapse" - und das ist nicht meine. Ich bin eher mit größer angelegten Szenarien wie in "Looper" und "Predestination" zu ködern.

Fazit: Als Teenager-Thriller im "Final Destination"-Stil angelegter Found Footage-Film, der die üblichen Zeitreise-Konventionen zu Gunsten der Zielgruppe für Soap-Plots ignoriert. Nicht schlecht, aber auch nicht wirklich für mich gedacht.

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8
Juli 2016

Frasier: Legende dreier Jahrzehnte

"Frasier" wird auf ewig meine Lieblings-Sitcom sein, knapp gefolgt von "Cybill", "Cheers", "How I met your Mother", "Rude Awakening", "My Family", etc. Es ist eine der wenigen Serien, die ich tatsächlich immer wieder schauen kann. Es gibt keine andere "sophisticated comedy", die einen derart perfekt eingespielten Cast vorweisen kann.

Weil es manchmal angemessen ist, daran zu erinnern - das erste Mal sehen wir Frasier Winslow Crane in einem beiläufigen, aber nicht zufälligen Kameraschwenk in der ersten Folge der dritten Staffel "Cheers" im September 1984:

Bildschirmfoto 2016-07-08 um 10.54.40

Darsteller Kelsey Grammer ist 29 Jahre alt und praktisch unbekannt. Die nächsten neun Jahre wird Frasier als regelmäßiger Gaststar in der Bostoner Bar auftauchen, wird heiraten, sich scheiden lassen.

Kurioserweise versucht Grammer in den ersten zwei, drei Folgen, seine Stimmlage etwas abzudunkeln, was echten "Frasier"-Fans augenblicklich auffällt - ebenso wie die Tatsache, dass Frasier allen Ernstes in einer Kneipe eine Weinschorle bestellt. Die Figur war anfangs augenscheinlich noch nicht exakt definiert, der snobistische Anspruch fehlte.

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Im Mai 1993 schließt das "Cheers" mit Sam Malones Worten "sorry, we're closed". Vier Monate später tritt Frasier Crane seinen neuen Job als Radio-Pychologe in Seattle bei KACL an - in "Frasier".

Bis heute halte ich "Cheers" und "Frasier" für die Sitcoms mit den am besten austarierten Figurenkonstellationen, in denen jeder Nebencharakter perfekt modelliert ist und zum Gesamtvergnügen beiträgt. Ob Maulheld Cliff oder Neurotiker Niles, ob Herzensmensch Coach oder Dauer-Single Roz - perfekte Miniaturen.

Es ist nicht nur die außergewöhnlich hohe Qualität der Produktion und der Cast, die mich begeistern - "Frasier" beweist für mich, dass man hoch intelligent und doch total verunsichert sein kann, hoch kultiviert und doch komplett albern. Respekt und Jungenhaftigkeit schließen einander nicht aus, die Freude an der geschliffenen Rhetorik ist sich selbst Belohnung. Das drückt bei mir die genau richtigen Knöpfe.

Niles: Frasier. Where's the birthday boy?
Daphne: Oh, he's getting all dolled up for his lady friend.
You should see how excited he is.
Frasier: Not half as excited as he's going to be when he sees these new
videotapes: twelve cassettes of the history of World War II!
Niles: For those who thought the original was fun but too short!

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Ich würde übrigens für Frasiers luxuriöse Hochhauswohnung im Herzen von Seattle töten. Gefällt mir besser als die Southfork Ranch, das Haus der Addams Family oder das Boot von Sonny Crockett:

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Weitere 11 Jahre wird "Frasier" laufen, gerade mal ein Dutzend Episoden weniger als "Cheers" haben und Kelsey Grammer  zum bestbezahlten TV-Star seiner Generation machen. Fünf mal hintereinander bekommt die Serie den Emmy als „Outstanding Comedy Series“.

Im Mai 2004 läuft die letzte Folge "Frasier" - fast genau 20 Jahre, nachdem die Figur erstmals die Bar in Boston betreten hat. Kelsey Grammers letzter Shot:

Bildschirmfoto 2016-07-08 um 10.59.19

Kelsey Grammer ist jetzt 49. Frasier ist auf dem Weg nach Chicago.

Seither hat Kelsey Grammer in immer neuen TV-Serien die Hauptrolle übernommen, von der "Frasier"-Variante "Back to you" über die entsetzlich generische Familien-Sitcom "Hank" bis zur katastrophalen Buddy-Comedy "Partners". Nicht notwendigerweise mehr Erfolg, aber mehr Respekt konnte er sich als Hauptdarsteller in der Dramaserie "Boss" erspielen. Aktuell ist er in "The last Tycoon" zu sehen:

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Aber für mich gibt es keinen Kelsey Grammer, keinen Hank, keinen Brady - es gibt nur Frasier Crane. Und wenn es die Zeit erlaubt, werden wir uns noch oft auf einen Double Latte Espresso mit einem Hauch Zimt, aber wenig Schaum und ohne Biscotti im "Café Nervosa" treffen:

Frasier-kelsey-grammer-anniversary-ftr

Behaltet "Game of Throne", "Sons of Anarchy", "Walking Dead", "Breaking Bad", "Mad Men" und den ganzen anderen neumodischen Serienkult.

Frasier has never left this building...

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7
Juli 2016

Diet Diary 2.0: Uni-Abschluss für die Muckibude

Ich gebe es zu - etwas zerknirscht, aber ohne Scham: Alles, was ich in der Diät 2012 verloren habe, habe ich mir in den letzten vier Jahren langsam, aber sicher wieder angefuttert. Der Jojo-Effekt hat auch bei mir zugeschlagen. Ich könnte es auf die diversen Umzüge und die damit verbundene Unruhe in meinem Leben schieben, auf den Jobwechsel, auf die Heimarbeit, auf die vielen Reportagereisen mit mangelnder Zufuhr an Gesundfutter. Aber das wären Nebelkerzen. Letzten Endes habe ich es nicht durchgehalten, bei Qualität und Quantität meines Essens die entsprechende Konsequenz zu behalten. Currywurst und Cookie Dough-Eis, sie rufen nach mir - mein Geist war so schwach wie das Fleisch lecker.

Die Erkenntnis lautet nicht nur: Ich muss wieder auf Diät. Sie lautet auch: Ich muss die Verschlankung endlich mit Sport flankieren. Nun weiß jeder, der mich kennt: Sport ist des Wortvogels Freude nicht. Ich bin ein von Natur her träger Mensch, brauche keinen hohen Puls und kein Adrenalin zum Glück.

Das hier ist hübsch, aber im Preis zu hoch:

build-muscle

Trotzdem: Da ich dank meines Ibiza-Urlaubes gut erholt, gut gebräunt und gut gelaunt bin, habe ich mich entschieden, es wieder mit einem Fitness-Studio zu versuchen. Das ist mein vierter Versuch in 25 Jahren, wobei die ersten drei krachende Misserfolge waren. Ich war ein Traumkunde: Jahresabo bezahlt, dreimal da gewesen, den Rest verschludert.

Diesmal soll es anders sein und darum schreibe ich das hier her. Ihr seid mein Gruppenzwang, meine Einpeitscher, meine Drill Sergeants!

Bevor es losgeht (dazu später mehr), möchte ich allerdings von einem seltsamen Erlebnis bei der Besichtigung der Muckibude meines Vertrauens erzählen. Es ist so ein echter Premium-Club, der vom Styling her an die Motel One-Kette erinnert und "all inclusive" auch ein Schwimmbad, eine Sauna, Solarien, Kinderbetreuung, Kurse, Parkhaus und vieles mehr bietet.

In München kann man mittlerweile für 15 Euro im Monat Eisen stemmen, aber ich dachte mir schon, dass es hier in der Provinz in so einem Elite-Schwitzkasten teurer wird. Und die satte Monatsgebühr von deutlich über 50 Euro ist auch gar nicht mein Problem. Es ist die Tarifstruktur.

Tarifstruktur? Richtig gehört. Wenn ihr dachtet, es sei kompliziert, den richtigen Handy-Tarif mit zugehörigem Smartphone zu finden, dann lasst euch mal zeigen, wie viel komplizierter man das gestalten kann.

Zuerst einmal gelten - trotz der Notwendigkeit eines langfristigen Abos - Wochenpreise. Will man wissen, was das Abo im Monat kostet, muss man selbst den Taschenrechner zücken. Natürlich ist ein Abo für 24 Monate günstiger (billiger wäre hier wirklich der falsche Begriff) als ein Abo für "nur" 12 Monate.

So weit, so bekannt.

Zum Start muss man eine "Einstiegsgebühr" bezahlen, die nicht nur den Verwaltungskram (welchen?) beinhaltet, sondern auch drei Trainertermine, bei denen man durchgecheckt wird und ein Programm entwickelt bekommt. Ich erinnere mich, dass das bei meinen früheren Studios inbegriffen war, aber sei's drum. Das kostet eigentlich dreistellig, ist aber aktuell auf üppig zweistellig rabattiert.

Alle sechs Monate muss man eine ähnlich hohe Extragebühr zahlen, die weitere "kostenlose" Trainertermine ermöglicht - an dieser Stelle habe ich mir verkniffen, der jungen Dame die Definition des Begriffes "kostenlos" zu erklären. Aber hurra - auch diese Summe ist aktuell um ca. ein Drittel rabattiert.

Kommen wir zu den diversen Extras, die sich für jeweils zwei bis drei Euro pro Woche zubuchen lassen. Das kann eine Getränke-Flat für die Bar sein (ohne Alkohol, wenn ich das richtig gesehen habe - sonst würde ich mir das lohnend trinken!), eine Handtuch-Flat, eine Solarium-Flat, etc.

Besonders pfiffig: Die Pause-Gebühr von knapp 2 Euro die Woche. Die ist nicht für Leute, die unangemessene Pausen an den Geräten einlegen, nein: Die ist für Mitglieder, die immer mal wieder (Urlaub, Geschäftsreisen) ihre Besuche aussetzen müssen. Für nur etwas mehr als 100 Euro im Jahr kann man dann die sonstigen Abokosten zwei oder drei Wochen ruhen lassen.

So addieren sich zu den recht teuren Abo-Gebühren schnell noch mal 10 Euro. Pro Woche.

Ich finde es bezeichnend, dass die Kinderbetreuung kein kostenpflichtiges Extra, sondern Zwang ist - wo kriege ich auf die Schnelle ein Kind her?

Damit sind wir aber noch lange nicht fertig. Da es sich um einen Premium-Club handelt, kann man mit seinem Abo im Rest der Republik bei den anderen Filialen ebenfalls "kostenlos" trainieren. Praktisch, wenn ich auf Reportagereise bin. Wäre das hier ein "Local"-Club, müsste ich wieder in den anderen Clubs eine Tageskarte für ca. 5 Euro lösen.

Falls mich mein Bruder mal begleiten will, muss er eine Tageskarte für 25 Euro lösen - aber nicht zwingend, denn zu den länger laufenden Abos bekommt man zwei Wochenkarten "gratis", die man auch an andere Interessenten aushändigen kann.

Moment! Vergessen Sie nicht den komplett kostenlosen Freimonat, den man bekommt, wenn man das kostenpflichtige Langabo abschließt - inklusive einer "All in"-Flatrate für diesen Monat. Da kann man sich vom Komfort der beinhalteten Leistungen anfixen lassen.

Das findet ihr kompliziert und kleinlich? Man kann natürlich auch eine "etwas teurere" Flatrate buchen, in der alle diese Vorteile inbegriffen sind. Außer der Einstiegsgebühr und der regelmäßigen Check Up-Gebühr.

Das ist aber längst nicht alles. Zur EM hat die Fitnesskette gleich ein ganzes Paket attraktiver Sonder-Abomodelle geschnürt, wie die Werbefuzzis vielleicht sagen würden. Jetzt gehen statt 12 und 24 Monate auch 6 und 10! Die Preise sind umgerechnet nicht viel günstiger als sonst, beinhalten aber auch die Einstiegsgebühr und die Check Up-Gebühr! Das rechnet sich! Auch hier Bonus: 1 Monat "All in"-Flatrate.

Man kann das für eine flexible Handhabung der Mitgliedschaft halten, zugeschnitten auf die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmer. Wenn man ein zynischer Werbetexter ist, der seine Kundschaft verachtet. Jeder Mensch mit zwei Murmeln in der Birne hält das für eine obszöne Verschleierung absurder, teils unbegründeter und undurchsichtiger Folgekosten.

Ich lasse das jetzt erstmal sacken. In den nächsten Wochen habe ich sowieso zu viele langfristige Termine im Lande, als dass ich mich verpflichten könnte. Das steht erst im August an (pünktlich zum Fantasy Filmfest - nix ist perfekt). Und dann schaue ich mal, was sich bei den Preisen schachern lässt. Denn wie die junge Dame mir verriet: "Man kann natürlich über alles reden."

Mein persönliches Ziel ist es, zweimal die Woche Zirkeltraining zu machen, ab und an ein wenig auf der Maschine zu laufen und nebenher den Wellnessbereich (Pool, Sauna) ausgiebig zu nutzen.

Der erste Schritt zur Diät 2.0 ist gemacht - in ein paar Tagen zeige ich euch mal, wie meine "nu food"-Schublade aussieht, deren Inhalt mir bei den erneuten Bemühungen helfen soll. Ihr werdet lachen, ihr werdet weinen, ihr werdet würgen...

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6
Juli 2016

Summer of SciFi: Parallels

parallels posterUSA 2015. Regie: Christopher Leone. Darsteller: Mark Hapka, Jessica Rothe, Eric Jungmann, Constance Wu u.a.

Story: Ronan und seine Schwester Beatrix bekommen einen Anruf ihres Vaters - sie sollen zu einem eigentümlichen, verlassenen Hochhaus in der Innenstadt kommen. Ihr Nachbar Harold schließt sich ihnen an. Kurioserweise entpuppt sich das Gebäude als Fokuspunkt, der alle 32 Stunden zwischen verschiedenen Parallelwelten hin und her springt. Das Trio trifft die junge Asiatin Polly, die mehr weiß und ihnen die "do's and don'ts" der Trips erklärt. Das Problem: Niemand weiß, wie man wieder zur Ausgangserde zurück kehren kann. Und niemand weiß, wo die "Kern-Erde" ist, der vermutliche Herkunftsort des Hochhauses. Sicher ist nur - da draußen sind eine Menge Leute, die keine Weltenspringer mögen...

Kritik: Es gibt zwei Themen in der SF, die eigentlich immer gehen - Zeitreisen und Parallelwelten. Das ist einfach immer spannend, da muss man sich schon schwer mühen, um es zu vergeigen. Weil jeder Zuschauer sich schon mal "was wäre wenn...?" gefragt hat. Was wäre, wenn ich ins Alte Rom zurück reisen könnte? Was wäre, wenn die Nazis des Zweiten Weltkrieg gewonnen hätten?

Hinzu kommt, dass beide Konzepte sich perfekt für TV-Serien eignen, weil sie inhärent episodisch sind - so kann jede Woche eine neue Epoche oder eine neue Parallelwelt "angesprungen" werden. Man erinnert sich an "Time Tunnel" oder das großartig startende, später aber massiv einbrechende "Sliders". Etwas ältere Nerds kennen eventuell noch den niemals ausgestrahlten Piloten "Doorways" von George R.R. Martin aus dem Jahr 1993, der in Amerika eine gesuchte Rarität ist, in Deutschland aber problemlos auf Video als "Die 4. Dimension" erhältlich war.

Aktuell gibt es mit "The Man in the High Castle" eine recht aufwändige Variante der Parallelwelt-SF zu sehen, die sich allerdings vollständig auf ein Szenario (die Nazis haben den Zweiten Weltkrieg gewonnen) fokussiert.

"Parallels" ist ein Versuch von Netflix aus dem vorigen Jahr, aus dem Thema eine action- und episodenorientierte Serie zu zimmern, dem leider kein großer Erfolg beschieden war. Zu meiner Freude hat man den spielfilmlangen Piloten aber dennoch veröffentlicht.

Und das bringt mich zu meinem zweiten Abstecher, bevor ich zum eigentlichen Review komme. Ich vermisse die Zeit, als (ausgestrahlte wie unausgestrahlte) Pilotfilme in Spielfilmlänge weltweit auf Video ausgewertet wurden. Das war bis in die späten 90er eigentlich die Norm, Videotheken waren voll von Kassetten mit den Pilotfilmen zu "Lois & Clark", "Adventures of Brisco County jr.", "Der unglaubliche Hulk", aber auch obskurem Kram wie "Steel Justice", "Quicksilver Highway" und "Something is out there". Dadurch konnten die Produktionskosten wenigstens teilweise wieder eingespielt werden, auch wenn die Serie nicht in Produktion ging. Es war ein nettes Zubrot.

Mittlerweile ist der spielfilmlange Pilotfilm ein Auslaufmodell, praktisch ausgestorben. Man ordert gleich halbe oder ganze Staffeln und da Serien längst komplett auf DVD oder als Streaming vermarktet werden, ist eine separate Veröffentlichung des Piloten relativ sinnlos. Was ich schade finde - gerade 90minüter lassen sich gut am aktuellen Kinostandard messen, bieten quasi "Film für die Mattscheibe".

Und damit endlich zu "Parallels", einem sehr auffällig als Serie konzipiertem Projekt, dessen Pilotfilm nun alleine sehen muss, wie er klar kommt. Der überschaubare Cast wird nicht mehr von Parallelwelt zu Parallelwelt reisen, wir werden nie hinter die Kulissen des Hochhauses schauen und nie erfahren, was aus der Mutter der Geschwister wurde - oder was es mit der "Kern-Erde" auf sich hat...

parallels-front

Vergleicht man den Piloten mit früheren Produktionen zum Thema Parallelwelten, merkt man deutlich, dass die Ansprüche der Sender, aber auch des Publikums sich geändert haben. Zuerst dachte ich, es sei nur eine weitere Variante von "Sliders". Nach der Hälfte der Laufzeit merkte ich, dass es ja doch eine etwas komplexere Mythologie entwickelte. Am Ende der 90 Minuten fürchtete ich dann bereits, das könnte schon zu kompliziert für meinen Geschmack sein. Man muss konzentriert dran, bleiben, um sich nicht verwirrt am Kopf zu kratzen. Hier wird nicht einfach von einem Abenteuer ins nächste gesprungen, es muss übergreifende Handlungsstränge geben, "big bads", mysteriöse Mechanismen im Hintergrund.

Wer den Einsatz bringt, auch wenn er mit keiner folgenden Serie belohnt wird, dürfte trotzdem gut unterhalten werden - "Parallels" hat serientypisch sympathische Figuren zu bieten, ein hohes Tempo und solide Schauwerte. Die Spielregeln der Parallelwelten werden Stück für Stück enthüllt, wobei kaum eine Figur ohne größeres Geheimnis bleibt.

Ich weiß nicht, nach welchem Maßstab Netflix seine Serien ordert - geht es ausschließlich nach den bezahlten Abrufen des Pilotfilms? Das wäre schade, denn auch wenn "Parallels" keine großen Wellen gemacht hat, sind Konzept und Produktion doch allemal eine komplette Serie wert. Ich für meinen Teil wäre auf jeden Fall dran geblieben - solange ich hätte glauben können, dass die Macher wissen, worauf das am Ende alles hinaus laufen soll.

Wir werden es nie erfahren...

Fazit: Interessanter, mit hübschen Details gespickter Pilotfilm einer dann doch nicht produzierten Parallelwelt-Serie. Aufgrund des offenen Endes nicht vollends befriedigend, aber trotzdem spannend und unterhaltsam.

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5
Juli 2016

Abandoned: "Agent X - Das Abenteuer deines Lebens"

Unter den vielen Projekten, die ich in den Jahren 2000 bis 2010 entwickelt habe, gibt es kaum weiße Flecken - fast alles kann ich aus den Tiefen meiner Festplatten ausgraben, seien es Pitch Paper oder lediglich Promotexte.

Heute habe ich mir allerdings die Zähne ausgebissen. Außer einer Mail, dass ich dieses Projekt Michael "Bully" Herbig und ProSieben präsentieren wollte, spuckte meine digitales Archiv nichts aus.

Das ist aber kein Problem, denn der Grund, warum ich "Agent X" ausgerechnet jetzt vorstelle, ist die Existenz eines Videos, das wie ein "proof of concept" für die actionreiche Reality-Show aussieht - und es ist von Matt Damon:

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Ehrlich gesagt war ich total baff, als ich das gesehen habe. Es ist EXAKT meine Idee aus dem Jahr 2003. "Agent X - Das Abenteuer deines Lebens" sollte auf der ersten großen Welle der Reality-Shows schwimmen, aber ganz im Stil von ProSieben filmischer, aufwändiger und spektakulärer sein.

Genau wie im Matt Damon-Video sollten an sorgfältig geplanten Stellen in einer Stadt versteckte Kameras und Mikrofone positioniert sein. Eine zufällig ausgewählte Person bekommt ein Handy in die Hand gedrückt oder wird von einem "Agenten" (bei einem männlichen Kandidaten natürlich von einer attraktiven "Agentin") angesprochen, der sie mit einer Aufgabe überrumpelt: "Man ist hinter mir her. Nehmen Sie das. Jemand wird sich melden."

Es ist nun die Aufgabe des "Agent X"-Teams, den Kandidaten oder die Kandidatin so lange wie möglich in das Spiel involviert und dabei völlig ahnungslos zu halten. Ein Austausch von geheimen Dokumenten, eine Fahrt in einer Luxuslimousine, konspirative Treffen im 5 Sterne-Hotel, im Extremfall sogar ein 1. Klasse-Flug nach London zum großen Finale. Was das "Opfer" nicht weiß: Je länger es sich auf die immer weiter ausufernde Agentengeschichte einlässt, desto höher wird am Ende das Preisgeld sein.

Unterstützt wird die Fiktion von diversen Statisten und Events, die Action generieren und Druck machen. Schlägereien, Verfolgungsjagden, Explosionen - "Agent X" hätte selbst aus der Münchner Fußgängerzone einen Hexenkessel des internationalen Spionagebetriebs gemacht.

Im Idealfall wäre am Ende von "Agent X" eine Art unfreiwilliger Agentenfilm im Found Footage-Format herausgekommen - mit einem Protagonisten, der tatsächlich keine Ahnung hat, wie ihm geschieht.

Das wäre natürlich teuer zu produzieren gewesen, zumal der Autor der inszenierten Agenten-Plotte (ich) diverse Alternativwege und Ausstiege hätte vorbereiten müssen für den Fall, dass der Kandidat oder die Kandidatin nicht mitgespielt hätten.

Was mich an dem Konzept gereizt hat, ist die Faszination des "What if..." - hat nicht jeder Mann schon mal geträumt, als Agent in internationale Machenschaften verwickelt zu werden? Würde nicht jede Frau gerne mal einem smart gekleideten Spion aus der Not helfen, im Auftrag ihrer Majestät nach London fliegen, im Schatten von Big Ben geheime Dokumente entgegen nehmen? So unwahrscheinlich es im ersten Augenblick klingt - ich bin überzeugt, dass jeder vierte oder fünfte Kandidat sich mit Leidenschaft in das Abenteuer seines Lebens gestürzt hätte.

Einziger Haken: Man hätte mindestens zwei Staffeln im Voraus produzieren und dann das Konzept ändern müssen. Bei einem Erfolg und entsprechender Publicity wären die potenziellen Kandidaten ja sonst vorgewarnt gewesen.

Abgesehen davon war und bin ich überzeugt, dass sich so ein Konzept auch international prima hätte verkaufen lassen, weswegen ich es sicher auch mal  bei Endemol vorgestellt hätte - so ich denn damals nicht mit anderen Dingen beschäftigt gewesen wäre.

Kurioserweise weiß ich noch, dass ich bei einer offiziellen Präsentation beim Sender eine Artwork für ein actionconcept-Projekt recyceln wollte, das ebenfalls irgendwann durch den Rost gefallen war:

agentx

Eine Variation von "Das Millionenspiel" - und eine ganz andere Geschichte...

P.S.: Bonuspunkt für den Ersten, der mir sagen kann, welchen Hollywood-Star in welcher Rolle ich für die "Menschenjagd"-Artwork verwurstet habe.

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4
Juli 2016

Summer of SciFi: Robot Overlords

robot overlords poster

England 2014. Regie: John Wright. Darsteller: Callan McAuliffe, Ben Kingsley, Gillian Anderson, Milo Parker, James Tarpey u.a.

Offizielle Synopsis: Die Erde in naher Zukunft. Gigantische Roboter aus einer fernen Galaxie haben den Planeten angegriffen und herrschen unumschränkt. Die überlebenden Menschen sind in ihren Häusern eingesperrt und jeder Widerstand gegen die tyrannischen Herrscher kann mit dem Tod bestraft werden. Durch die Hilfe von elektronischen Implantaten kann jeder einzelne Mensch genau überwacht werden und feige Kollaborateure tun ihr übriges, um die Menschheit klein zu halten. Als ein paar kluge Teenager es schaffen, die Implantate zu manipulieren und sich nach Lust und Laune zu bewegen, kommt ihnen ein Gedanke. Was als harmloser Spaß begann, wächst schnell zu einem wahren Widerstand heran, der immer mehr Unterstützer und eine finale Schlacht entfacht, die das Schicksal der Menschheit entscheiden wird...

Kritik: Okay, der wievielte englische SF-Film, in dem eine kleine Gruppe gegen Kampfmaschinen antritt, ist das jetzt? Der fünfte, der sechste? Ist das ein eigenes Subgenre, sollte man langsam ein Buch zu dem Thema andenken?

Erfreulicherweise hat "Robot Overlords" eine ganz eigene Ausrichtung, die ihn von den anderen Vertretern dieser Kategorie unterscheidet. Es ist nicht Militaria-Action wie "Kill Command", kein Survival-Shooter wie "The Call up" und auch kein No Budget-Drama wie "Reconnoiter". Abgesehen von Anleihen an britischen Klassikern wie "Die dreibeinigen Herrscher" ist "Robot Overlords" primär eine preislich überschaubare Variante der aktuell beliebten "Young adult"-Romanadaptionen wie "Maze Runner", "Hunger Games" und "Divergent". Obwohl er keine literarische Grundlage besitzt, nutzt John Wrights Film sämtliche Eckpfeiler des Genres: Eine brutale Dystopie, Teenager-Protagonisten, von denen einer auserwählt ist, ein Aufstand, die Erwachsenen nur in Nebenrollen, Verrat, erste Liebe, etc.

robot overlords 2

Wie viele Filme, die ich alljährlich auf dem Fantasy Filmfest zu sehen bekomme, wurde "Robot Overlords" auf der landschaftlich eher drögen Isle of Man gedreht, wo es prima Steuervergünstigungen gibt - bei gerade mal 20 Millionen Dollar Budget ist das vermutlich notwendig gewesen.

Was neben der fehlenden Romangrundlage und dem niedrigen Budget noch gegen "Robot Overlords" arbeitet, ist die extreme Komprimierung der Narrative. Hier ist augenscheinlich nicht auf eine Reihe geschielt worden, der gesamte Plot, den man in Buchform sicher auf vier mal 300 Seiten hätte strecken können, muss in gerade mal 90 Minuten passen. Da bekommt der Begriff "erzählerischer Schweinsgalopp" eine ganz neue Bedeutung.

Aber zu meiner Überraschung verschluckt sich Wright (von dem auch schon der amüsante "Grabbers" stammt) weder am Anspruch noch an den mangelnden Möglichkeiten. "Robot Overlords" ist tatsächlich eine sehr schnittige, jugendorientierte, aber deshalb nie pubertäre SF-Sage über den Kampf gegen eine Roboter-Dynastie, die technisch wie darstellerisch überzeugt und mit vielen kleinen Ideen ausreichend andeutet, wie die Welt außerhalb des Kamera-Blickfeldes aussieht.

Statt seine Geschichte über Exposition oder längere Zeiträume zu entwickeln, steigt Wright gleich im dritten Gang ein und tritt aufs Gas. Die Locations, die Figuren, die Ziele wechseln fast minütlich, als hätte man eine Miniserie auf 90 Minuten zusammen geschnitten - nur die Highlights.

Zum Ende hin dreht "Robot Overlords" dann immer weiter auf und gönnt sich ein triumphales Finale, das vielleicht nicht mit den "Avengers" mithalten kann, für einen "kleinen" SF-Film dieser Provinienz aber erfreulich dicke Eier schaukelt. Da ist es konsequent, dass Frau Anderson (deren limitierte Präsenz ebenso wie Kingsley nur ein wenig Marktwert draufpacken soll) den Niedergang der Roboter dergestalt begrüßt:

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Als vokaler Gegner von "Young adult"-Filmen bin ich demnach angemessen erstaunt, wie gut ich mich bei "Robot Overlords" unterhalten habe. Der Film ist an keiner Stelle - wie viele seiner Genrekollegen - auf sein Zielpublikum "runter" geschrieben, ist nicht herablassend. Das macht ihn auch für Erwachsene absolut goutierbar.

Fazit: Komprimiert und fettfrei erzählte Saga vom Kampf gegen Roboter-Invasoren, die den Klassiker "Die dreibeinigen Herrscher" erfreulich frisch mit den Konstrukten der "young adult"-Romane umsetzt. Keine Fortsetzung geplant - aber durchaus erwünscht.

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4
Juli 2016

Welcome to the neighborhood! (special edition)

Es gibt Neues zu berichten vom Versuch, meinem Roller einen legalen und sicheren Parkplatz zu verschaffen. Dass das in Speyer gar nicht mehr ging, habt ihr ja mitbekommen. Und hier in Baden-Baden sind die Nachbarn auch nicht sehr geschmeidig.

Ich bin dann diese Woche sogar zur Polizei gefahren, wollte den rechtlichen status quo erfahren, bevor es wieder mal Knöllchen hagelt. Ich kam nur bis zum Pförtner, der mir zwar nicht sagen konnte, wo der Roller legal parken darf - dass das allerdings nicht der Bürgersteig ist, das wusste er schon. Ich bezweifle seine Aussage allein deswegen, weil sämtliche Roller hier im Viertel konsequenzfrei auf Bürgersteigen parken. Meine Vermutung ist eher, dass das nur für Roller ab 80 km/h gilt. Der gute Mann verwies mich allerdings an das Bürgerbüro zu verbindlichen Klärung meiner Fragen - und das hatte natürlich schon zu.

Aktuell steht mein Roller hier und so vor einer Kreuzung:

roller

Das ist sehr praktisch, weil der Platz sich eindeutig auf der Straße befindet, aber keinen PKW-Parkplatz beschränkt, weshalb ihn auch niemand beiseite schieben will. Einzige Sorge: Eine Politesse könnte sich in die Notwendigkeit eines Anwohner-Parkausweises verbeißen. Ist aber bisher noch nicht passiert.

Ihr seht es vielleicht: Der Platz ist direkt vor einem kleinen, aber sehr feinen Kaffeeröster angesiedelt. Als ich nun heute morgen nach dem Einkauf meinen Roller dort abstellte, kam gleich der Besitzer heraus geeilt. Unterbrecht mich, wenn ihr das schon mal gehört habt:

"Ist das Ihr Roller?"

Offensichtlich. Aber um des Friedens willen: "Ja."

"Den haben Sie in den letzten Wochen immer hier abgestellt, oder?"

Ich seufze, mein Adrenalinspiegel meldet sich: "Und?"

JETZT KOMMT'S...

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