19
Mai 2015

Coole Terminator-Artwork

Gesehen und gefilmt im Kino-Center in Cheltenham / Cotswolds:

YouTube Preview Image
Trackback-URL 10 Kommentare
19
Mai 2015

Utopie vs. Dystopie Double Feature: “A World Beyond” & “Mad Max: Fury Road”

Tomorrowland_posterUSA 2015. Regie: Brad Bird. Darsteller: George Clooney, Hugh Laurie, Britt Robertson, Raffey Cassidy, Tim McGraw u.a.

Story: Casey ist mit der Welt unzufrieden. Das Mädchen kann nicht verstehen, dass die Welt ihre Träume verloren hat, sich keine Ziele mehr setzt, dass ihre Mitmenschen dem Verfall sozialer und kultureller Normen lethargisch zuschauen. Eines Tages gelangt sie in den Besitz eines Tomorrowland-Pins, der ihr eine strahlende Welt aus Fortschritt und Feingeist zeigt. Nur ein Hologramm? Eine Attrappe? Ein Blick in die Zukunft? Ein Tor in eine andere Welt? Casey, macht sich auf den Weg, Tomorrowland zu finden – und stößt dabei auf Frank, einen Eigenbrötler, der einst aus der Wunderwelt verstoßen wurde.

Kritik: “A World Beyond” (O-Titel “Tomorrowland”) ist ein “dark horse” dieses Sommers, ein Film, dessen Potential sich schwer einschätzen lässt. Oberflächlich gesehen baut Disney hier an der nächsten Franchise basierend auf einer Disneyland-Attraktion: Nach dem Mega-Erfolg der “Pirates of the Caribbean”-Filme und dem Flop von “Haunted Mansion” soll “Tomorrowland” als Young Adult SF-Reihe reüssieren, und dafür ist man mit Brad Bird und George Clooney durchaus in der A-Liga einkaufen gegangen.

Weil der Film deutlich auf das Publikum anderer Young Adult-Reihen wie “Divergence” und “Ender’s Game” zielt, bespreche ich ihn auch in diesem Kontext. Es ist ein Film für Jugendliche, auch und vor allem für Mädchen. Erwachsene werden bestenfalls als Begleitung angepeilt.

Disney-typisch, aber dem Zeitgeist seltsam entrückt (wie auch die technik-besoffene Tomorrowland-Attraktion selbst), verweigert sich “A World Beyond” der trendigen Dystopie von “Maze Runner” und “Hunger Games”. Zwar ist die Welt nicht im idealen Zustand, aber das Ziel ist nicht der Sturz einer Diktatur oder die Umkehr einer Umweltkatastrophe – es geht um die Wiedergeburt des Traums, dass die Menschen gemeinsam jedes Problem lösen können, dass Vertrauen und Zuversicht die wichtigsten Voraussetzungen für Fortschritt sind.

So wird das Tomorrowland als Fernziel etabliert, als platonisches Ideal, weit weg, aber abhängig von der Entscheidung, sich heute auf den Weg zu machen.

Das ist zunächst einmal lobenswert. Der “sense of wonder” der Science Fiction ist über die letzten Jahrzehnte etwas verloren gegangen und es scheint mir angebracht, die Zukunft nicht als Damoklesschwert zu zeichnen, sondern als Lehm von unendlichem Potenzial, den wir in der Gegenwart zu formen beginnen.

tomorrowland05

Ich mag auch die Tatsache, dass “A World Beyond” auf viele Klischees der Young Adult-SF verzichtet. Casey bekommt keinen “love interest” gestellt, ihre Motivation kommt gänzlich aus ihr selbst. Clooney’s Frank ist ein gebrochener Charakter, dessen letzte Liebe die Form eines 10jährigen Mädchens behält. Es gibt keine niedlichen Tieren, keinen Wettbewerb, keine kosmische Bestimmung. Die Heldenreise ist eine physische wie meta-physische: Die Rettung von Tomorrowland ist die Rettung des Traums von Tomorrowland, der letztlich zur Entstehung von Tomorrowland führen muss.

Und weil das etwas kompliziert klingt, liegt hier auch schon der Hase im Pfeffer. So glatt, so perfekt durchkonstruiert und so kantenfrei wie die chromglänzende Tomorrowland-Welt ist der Film dann doch nicht geworden. Teilweise wirkt das Skript, als hätte man eine 12teilige Buchreihe auf Spielfilmlänge komprimieren wollen. Zuviel Exposition wird nur widerwillig und halbgar gegeben: Wie kam es genau zum Tomorrowland? Wie wurde der Weg in eine andere Dimension gefunden? Warum wurde der “offizielle Start” aufgegeben? Was genau hatte Frank erfunden, was zu seinem Rauswurf führte? Ist der Gouverneur nur fehlgeleitet oder tatsächlich böse?

So beeindruckend viele Elemente, Szenen und Effekte auch sind, so hastig werden sie beiseite geschoben, um zu einem Ende zu kommen, das letztlich nur mechanisch ist. Wo Casey eine Entscheidung treffen müsste, wo der Glaube über die Lethargie siegen sollte, fällt den Beteiligten für das Finale doch wieder nicht anderes ein als ein paar kämpfende Roboter.

Ich behaupte mal, die Probleme haben wir Damon Lindelof zu verdanken, der schon in “Lost”, “World War Z” und “Cowboys & Aliens” bewiesen hat, dass er zwar schicke Ideen und knackige Bilder auf die Leinwand bringen kann, bei den emotionalen Mechanismen und der logischen Auflösung seiner Geschichten aber gerne schlampt.

So lässt man sich gerne auf “Tomorrowland” ein, freut sich über rundweg positiv geladene SF mit Begeisterung für das menschliche Potenzial – muss dann aber auch hinnehmen, dass der Film zunehmend konfus und am Ende nicht ausreichend befriedigend verläuft.

YouTube Preview Image

Fazit: Eine etwas unausgegorene, aber in Ambition und Message beeindruckende Science Fiction-Abenteuerstory, die sympathisch oldschool auf den “sense of wonder” setzt und 12jährige wie 12jährig gebliebene begeistern dürfte.

Mad Max poster

Australien/USA 2015. Regie: George Miller. Darsteller: Tom Hardy, Charlize Theron, Nicholas Hoult, Rosie Huntington-Whiteley, Zoe Isabella Kravitz, Hugh Keays-Byrne u.a.

Story: Lange schon zieht “Mad” Max Rockatansky durch die Einöde, die einst Australien war, verfolgt von den Erinnerungen an Frau und Tochter, die er nicht retten konnte. Marodierende Krieger fangen ihn und bringen ihn in eine Siedlung, die vom brutalen Immortan Joe diktatorisch beherrscht wird. Unfreiwillig und hautnah wird Max Zeuge, wie die zähe Furiosa eine Wasserlieferung für eine andere Siedlung umleitet, um diverse “Schätze” von Immortan in Sicherheit zu bringen. Es kommt zu einer schier endlosen Materialschlacht, an deren Ende vielleicht nicht Hoffnung, aber doch eine Art Erlösung winkt.

Kritik: “Mad Max: Fury Road” ist ein Projekt, das schon seit Jahren durch Hollywood spukt – seine Wurzeln reichen in die Zeit zurück, als Mel Gibson selbst noch als valider Kandidat für die Hauptrolle galt. So wie die Entwicklung sich schier endlos zog, so scheinen die Dreharbeiten auch kein Klacks gewesen zu sein: von Spannungen zwischen Tom Hardy und George Miller wird berichtet, von desaströsen Testvorführungen, von Nachdrehs. Warner Bros. befürchtete bereits, den Big Budget-Flop des Jahres am Start zu haben – und ist froh, dass “Fury Road” am ersten Wochenende doch 44 Millionen einspielen konnte, auch wenn der Film hinter “Pitch Perfect 2″ nur auf Platz 2 landete.

Lässt man all das außen vor, muss man zuerst einmal konstatieren, dass “Mad Max: Fury Road” ein ECHTER “Mad Max”-Film ist und kein hipper Neuaufguss für die eierlose Transformers-Zielgruppe. Die Dystopie ist intakt, alles erfreulich am Arsch, und primär geht es darum, dass sich durchgeknallte Wüstenpunks mit dröhnenden Lastern endlose staubige PS-Duelle liefern. Auch wenn natürlich einiges an CGI aufgewendet wird, bleibt der Großteil des Spektakels hand- und hausgemacht. Das tut teilweise noch richtig weh.

Die Story ist denn auch konsequent in den 80ern und bei den vielen “Mad Max”-Epigonen zu Hause: Letztlich ging es doch immer nur darum, Wasser/Benzin/Weiber von A nach B zu bringen oder an einer Location zu verteidigen. Die einzige Neuerung, die “Fury Road” mitbringt, ist die konsequente Verweigerung der alten “might makes right”-Attitüde: So sehr die Männer dieser Welt auch auf Muskeln und Megatrucks setzen, es sind die Frauen, die das Schicksal bestimmen. Es ist ihr Wille zum Frieden, ihre ausgleichende Empathie, die eine Zukunft ermöglichen wird. In der ruppigen Macho-Schale von “Mad Max” steckt ein ausgewiesener feministischer Kern.

Und trotz seiner 70 Jahre und nach mehr als 15 Jahren ohne Live Action-Regiearbeit zeigt George Miller, dass er weiterhin auf der Höhe der Zeit ist: “Fury Road” ist ein Actionmonster, ein brüllendes Tier von einem Spektakel, permanente Bewegung, Explosion, Panorama, Staub, Schweiß und Blut. Zwei Stunden ohne Handlung, ohne Charaktere, nur von A nach B mit sich konstant reduzierendem Cast.

Ich sage das selten, weil ich mich dem Kino-Schnickschnack gerne verweigere, aber “Mad Max: Fury Road” ist insbesondere im IMAX und mit voll aufgedrehten Lautsprechern ein Erlebnis für Augen und Bauch, unterhaltsam wie eine stinkbesoffene Schlägerei auf einem versifften Parkplatz.

FURY ROAD

 

So weit, so gut. Aber eben nicht mehr. Mehr als eine aufwändige Materialschlacht wird nicht geboten, bei zwei Stunden ist die Geduld des Zuschauers teilweise schon strapaziert, weil keine interessanten Charaktere oder Wendungen neues Interesse wecken. Die Figuren machen keinerlei Entwicklung durch (mit der Ausnahme einer Nebenfigur, die ich hier nicht spoilern will) und selbst das Ende wirkt, als könne man ein missglücktes Skript-Meeting noch durchscheinen sehen: “Uns fällt partout nichts für das groß angepriesene Paradies ein, das die Figuren am Ende finden sollen! Was meint Ihr? Einfach umdrehen und wieder alles auf Anfang? Nicht der Hammer, aber wenigstens können wir da den Nachspann einblenden.”

Ich verstehe durchaus, dass die Figur des Mad Max Rockatansky ab dem zweiten Film immer nur Katalysator war, nie Auslöser. Er ist der namenlose Fremde, der Mythos, der dem Fortschritt Starthilfe gibt. Aber so ineffektiv, blass und letztlich irrelevant wie in “Mad Max: Fury Road” war er noch nie. Man muss angesichts der feministischen Tendenzen des Skripts durchaus mal das Wort “impotent” in die Runde werfen. Immer wieder wird Max gefangen, können seine Mitstreiter vieles besser als er, erweisen sich seine Pläne als undurchführbar. Protagonistin in hingegen Furiosa, die einen Background besitzt, eine emotionale Bindung, einen Plan. Die Figur des “Road Warrior” ließe sich spurlos aus dem Skript streichen.

Der Versuch, Max durch Visionen seiner toten Tochter als “mad” zu legitimieren, bleiben letztlich nutz- und folgenlos, denn sie bestimmen nicht sein Handeln und werden in der Interaktion mit Anderen auch nie erwähnt. Solche draufgetackerten “Eigenschaften” kann man sich ruhig schenken.

So kann am Ende all die technische Expertise von George Miller in Kombination mit großem Spektakel nicht darüber hinweg täuschen, dass “Fury Road” inhaltlich Magermilch präsentiert und seine Hauptfigur beschämend unterentwickelt ist.

“Mad Max: Fury Road” ist Science Fiction als Bodybuilding: Aufgeblasen, wutschnaubend, gold glänzend und vor Energie berstend, letztlich aber tumb und nicht zur Nachahmung empfohlen.

YouTube Preview Image

Fazit: “It is a tale told by an idiot, full of sound and fury, signifying nothing.” (William Shakespeare, Macbeth)

Trackback-URL 12 Kommentare
15
Mai 2015

Geschlossen. Wegen.

YouTube Preview Image

Die nächsten zwei Wochen verbringen wir so:

cott

Ich melde mich, wenn ich Zeit und Lust habe. Das Ehepaar Dewi ist dann ab Ende Mai wieder offiziell im Lande.

Trackback-URL 24 Kommentare
10
Mai 2015

Der futurologische Konkurs: Zur Verteidigung der Science Fiction in “Zärtliche Chaoten 2″

zaertliche_chaoten_2Auf Wilsons Dachboden wurde gestern “Zärtliche Chaoten 2″ besprochen, eine dieser deutschen Fremdschäm-Komödien der 80er, die nur von den Leuten für Kult gehalten werden, die sie nie gesehen haben. Retrospektiv ist allenfalls der Zynismus erstaunlich, mit dem man seinerzeit (zu Recht) annahm, es reiche für einen Kinofilm, wenn man ein paar deutsche TV-Nasen, Gaststars aus aktuellen US-Serien und die aktuellen Sommerhits zusammen blödelt. Was an Kreativität und tatsächlicher Handlung fehlte, wurde mit Adjektiven wie “frech” und “rasant” übertüncht, auch wenn die Inszenierung nie über das Niveau schlechter Werbespots hinaus kam.

Um euch auf meinen kleinen Exkurs einzustimmen, hätte ich euch gerne den Trailer zum Film gezeigt, den scheint es online aber nicht zu geben. Also muss der Trailer von Teil 1 herhalten – das gibt sich nix:

YouTube Preview Image

In Teil 2 geht es um eine Zeitreise – drei genervte Mitarbeiter des Patentamts wollen verhindern, dass ihr tyrannischer Chef je geboren wird, und reisen zu diesem Zweck in das Jahr 1988 zurück. Es gibt Verwechslungen, Romanzen, Stunts und David Hasselhoff – katastrophal synchronisiert – unter südlicher Sonne.

Genau genommen ist “Zärtliche Chaoten 2″ also Science Fiction, genau wie Gottschalks anderer Rohrekrepierer “Die Einsteiger”. Auf der Webseite Wilsons Dachboden wird der futuristische Prolog mit den kurzen Worten abgekanzelt:

“Das Jahr 2043 wird mit ein paar automatischen Maschinen zur Morgenhygiene und Mitarbeiterüberwachung dargestellt. “

Dieser pauschalen Abwertung möchte ich an dieser Stelle entschieden widersprechen. Wenn überhaupt, hat die Darstellung der schönen neuen Welt des gottschalkschen 2043 seit 1988 deutlich an Charme UND an Weitsicht gewonnen. Ich möchte das nun weiter ausführen.

Weiterlesen

Trackback-URL 15 Kommentare
8
Mai 2015

Let’s make it a John Cleese weekend, shall we? (Monty Python and Fawlty Towers not included)

Einfach so – because I can.

Den Anfang muss der legendäre “Class Sketch” aus “The Frost Report” machen, ein Frühwerk:

YouTube Preview Image

Noch vor den Pythons drehte Cleese das Special “How to irritate people”, das seinen Stil schon perfekt repräsentiert und in dem diverse spätere Kollegen auftreten:

Weiterlesen

Trackback-URL kein Kommentar
8
Mai 2015

Wortvogel gegen die Unhöflichkeit

Wieder mal so eine Geschichte, wie ihr sie gerne lest und diskutiert. Ich schreibe das auf, um mein Adrenalin abzuregeln.

Seit ein paar Wochen habe ich die unangenehme Aufgabe, wegen eines Todesfalls fast jeden Tag irgendwelche Firmen anrufen zu müssen, dass sie bitte die Postsendungen (Kataloge, Einladungen, Bettelbriefe) einstellen sollen. Kommt nicht an, landet per Nachsendung direkt bei uns und damit in der Altpapiertonne. Ich finde es nur angemessen, den Versender wissen zu lassen, dass er die betreffende Person aus der Kartei streichen kann.

Das geht auch ganz gut. Todesfall ist so ein Stichwort, bei dem sehr wenige Firmen Zicken machen, da bekommt man auch schon mal ein “Das tut uns leid” oder “Mein Beleid zu Ihrem Verlust” zu hören. Ausgerechnet der ADAC hat nach Abmeldung ein sehr persönliches und taktvolles Schreiben geschickt, sich für die lange Mitgliedschaft und die Unterstützung bedankt. Vorbildlich.

Eben hatte ich aber ein Erlebnis, das man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen muss. Ziel meines Anrufs war ein teures Modegeschäft im Sauerland. Auch von dort war eine Karte mit dem Verweis auf eine neue Kollektion gekommen. Kein Problem, ich bin ja mittlerweile auf die immer gleichen, sehr höflich vorgetragenen Phrasen trainiert.

Dem Namen kann ich entnehmen, dass die Besitzerin am Apparat ist.

Sie: “Geschäft X, Frau Y am Apparat.”

Ich: “Ja, schönen guten Tag. Mein Name ist Torsten Dewi. Ich rufe wegen einer Werbesendung an, die wir von Ihnen…”

Sie (scharf und ungehalten): “Wir haben KEIN Interesse!”

Ich: “Sie missverstehen mich. Es geht um…”

Sie (unangenehm laut): “Ich habe hier den Laden voll! Ich sagte Ihnen doch, wir haben KEIN Interesse!”

Mir zweimal ins Wort fallen und mich als unerwünschten Cold Caller abkanzeln? Ihr ahnt, dass sie damit an den Falschen geraten ist.

Ich (vergleichbare Lautstärke): “Jetzt hören Sie mir doch erstmal ZU!”

(ich schlucke das “Sie dumme Kuh!” im letzten Augenblick runter)

Sie: “WAS?”

Ich: “SIE haben UNS eine Werbesendung geschickt, die wir nicht haben wollen, weil die Dame verstorben ist! Und ICH habe das Recht, von Ihnen zu verlangen, dass sie uns aus der Kartei streichen! Und dafür nehmen Sie sich jetzt gefälligst die Minute!”

Sie (baff und verunsichert): “Ach so? Ja, um wen geht es denn?”

Ich (schalte einen Gang zurück): “Frau A in B.”

Sie notiert sich den Namen. Ich kann durch das Telefon hören, dass es in ihrem Kopf klickt. Eine sehr gute Kundin. Nun verstorben.

Sie: “Ich habe das notiert. Sie müssen entschuldigen, ich…”

Ich: “Geschenkt. Kann vorkommen. Aber es wäre vielleicht von Vorteil, wenn Sie Leute erstmal aussprechen lassen. Ich mache das hier auch nicht zu meinem persönlichen Vergnügen.”

Sie: “Ja, wissen Sie, es kommt so oft vor, dass…”

Ich: “Schon klar. Auf Wiederhören.”

Ich lege auf. Und bin immer noch sauer.

Wir bekommen auch ab und an Cold Calls, obwohl sich das angesichts der neuen Rechtslage deutlich verringert hat. Ich verstehe, dass so etwas nervt. Aber schon bei dem Präfix “Werbe-” ohne jeden Kontext pampig zu werden, finde ich hochgradig unangebracht und respektlos.

Oder ist das wieder so ein Fall, in dem ich das hätte anders spielen sollen?

Trackback-URL 14 Kommentare
7
Mai 2015

Micro-Reviews (1): Lieblingsfilme

Ich weiß, ich gehöre zu den Bloggern, die gerne Artikelreihen anfangen, aber nicht beenden. Die Movie Mania ist ein bisschen eingeschlafen, die vergessenen TV-Serien habe ich… ääähhh… vergessen, und ich wollte eigentlich auch mal einen Sci Fi-Sommer machen, was momentan brachliegt.

Zumindest die vergessenen TV-Serien greife ich wieder auf, versprochen. Dazu muss ich allerdings Zeit haben, und aktuell ist Zeit genau die Ressource, an der es mangelt: Haus-Sanierung in München, Arbeit am zweiten Band-Buch, Vollzeit-Job mit Nebentätigkeiten, Hochzeitsvorbereitungen samt Flitterwochen. Da muss ich mir jede Stunde vor dem Rechner stehlen – und schlimmer noch: rechtfertigen.

Ich hatte deshalb darüber nachgedacht, mein Blog für einen Monat dicht zu machen. Nach 9 Jahren einfach mal einen Mai lang das Schild raushängen: Betriebsferien. Das würde euch auch ersparen, hier immer ergebnislos nach neuen Beiträgen zu schauen.

Andererseits: Ich bin ein Blog-Junkie. Einfach so Licht aus und Tür abschließen passt mir nicht. Also mache ich stattdessen kleinere, kürzere Sachen, die sich schnell schreiben lassen und die trotzdem zur Diskussion einladen. “Micro-Reviews” ist so eine Reihe. Mir ist nämlich aufgefallen, dass ich bei Facebook ständig meine Meinung zu Filmen abgebe, die ich teilweise vor 40 Jahren gesehen habe. Zu denen gibt es hier natürlich keine Reviews. Und das werde ich ändern, mit 10 Micro-Reviews (die ungefähr dem Fazit eines normalen Reviews entsprechen) pro Beitrag. Der Titel verlinkt zu weiteren Informationen.

Um die Sache etwas interessanter zu gestalten, werde ich die Filme irgendwie thematisch gruppieren. Thema heute: “Lieblingsfilme”.

Weiterlesen

Trackback-URL 15 Kommentare
30
April 2015

Das große Clint Eastwood Buch (Band 1)

ce1Machen wir uns nichts vor: Ich habe viele gute Gründe, diesen Prachtband wohlwollend zu besprechen, die nichts mit der tatsächlichen Qualität zu tun haben. Autor Tobias Hohmann ist fleißiger Leser und Kommentator dieses Blogs, ich habe auch schon seine früheren Arbeiten gemocht, er hat mir den 49 Euro teuren Band zum Zwecke des Reviews geschenkt und ganz generell bin ich der Meinung, dass die deutsche Filmbuch-Landschaft nach Kräften gefördert gehört. Wie neutral kann ich da noch sein? Das lastet schwer auf meiner Integrität.

Aber ehrlich gesagt: Ich empfehle euch “Das große Clint Eastwood Buch (Band 1)” vor allem deshalb, weil ich sicherstellen möchte, dass mir Tobias zeitnah Band 2 schickt. Und damit nehme ich mein Fazit mal eben vorweg: Viel geiler werden Filmbücher nicht. Man muss nicht mal Clint Eastwood mögen oder Clint Eastwood-Filme. Wer generell Spaß hat an üppigen, verschwenderisch bebilderten Filmbüchern, wie es sie bis ins neue Jahrtausend nur aus dem angloamerikanischen Raum gab, der holt sich hier ein Schätzchen ins Haus, in dem noch die Enkel begeistert blättern werden – auch deshalb, weil das Buch dank hochwertiger Ausstattung Atomkriege und Armageddon überleben dürfte.

ce2Dass es viel zu gucken gibt, ist bei den MPW-Büchern erfreulicher Standard: seltene Privataufnahmen, obskure ausländische Plakate, knallige Aushangfotos – auch dieser Band platzt vor Bildmaterial förmlich aus der Bindung. Es gibt sogar Ausklappseiten, was angesichts des Preises höchst erfreulich und wahrlich nicht selbstverständlich ist.

Aber was wäre die Form ohne den Inhalt? Miserabel von Fans hingeklatschte Pseudo-Fachbücher gibt es wahrlich genug, an die verschwende ich keinen Regalmeter und keinen Review mehr. IMDB-Datensätze zu Fließtext umarbeiten und aus der Wikipedia abschreiben kann schließlich jeder. Das Internet macht es damit einfach, “Bücher” auf den Markt zu bringen, die weniger geschrieben als zusammen gestellt sind.

Ich war zuerst auch ein wenig unsicher, ob die Zweiteilung Sinn macht und ob man Eastwoods Karriere nicht in einem anständigen Band abfeiern könnte. Könnte man. Aber nicht so. Nicht mit dieser Vielfalt, dieser Bandbreite, dieser Ausführlichkeit in Wort & Bild. Hohmann lässt wirklich keine Fragen offen, bedient Produktionsgeschichten, Inhalte und Crew-Biographien genau so wie obskure Ableger, verworfene Projekte und Querverweise. Das ist immer spannend zu lesen, nie von oben herab oder zu akademisch, aber auch an keiner Stelle aus der Hüfte geschrieben. Hier hat ein Experte mit hoher Sachkenntnis ein so tiefes wie breites Werk abgeliefert, um das uns sogar die Amerikaner beneiden dürften.

Man kann monieren, dass es sich nicht um eine Biographie von Clint Eastwood handelt, sondern “nur” um eine umfangreiche Würdigung seiner Filmographie. Aber erstens habe ich das bei meinem Charles Band-Buch auch nicht anders gehandhabt – und zweitens schert mich nicht, ob Clint Eastwood als Kleinkind ein rosarotes Fahrrad hatte oder ob er als Postbote gejobbt hat. Dieser Mann IST sein Werk.

Klar, “Das große Clint Eastwood Buch (Band 1)” bietet keine neue Sichtweise auf Eastwood, hat keine Meta-Erkenntnisse zu bieten und keine abschließende Wertung des in Ehren ergrauten Actionstars. Es ist vielmehr eine Zusammenfassung, eine kompetente Verdichtung “all things Eastwood” zum Zwecke von Information und Entertainment. Und es schmerzt mich fast zu sagen – wirklich sinnvoll wäre es, mit Band 2 zu warten, bis Clint in seinen Stiefeln begraben wurde. Weil die Bücher dann auch WIRKLICH vollständig sein könnten statt nur “vollständig bis auf seine letzten drei Filme”. Aber das soll heute nicht Thema sein.

ce4Kommen wir zum Fazit: Das hohe Niveau der Bände über Norris und Hallervorden wird demnach gehalten, der Lesespaß der Topfilme-Bücher ebenfalls erreicht. Und ich sage das ohne Übertreibung, aber mit ein wenig Neid im Herzen: Tobias Hohmann hat sich schnell und gründlich als einer der Top-Autoren für Filmbücher etabliert. Vielleicht nicht der brillanteste Schreiber, vielleicht nicht der schärfste Analytiker, aber sicher der fleißigste Kurator seiner Zunft. Es ist faszinierend, dass jemand im Zeitalter des angeblichen sterbenden Print-Marktes die deutsche Filmbuch-Kultur noch mal aus Dornröschenschlaf weckt und Appetit auf richtig dicke Schmöker weckt.

Klasse Klolektüre. Klare Kaufempfehlung.

Und was Band 2 angeht:

lhjhbB9

Trackback-URL 6 Kommentare
28
April 2015

Der Medienmanipulator als Agent Provocateur: Schwarze Schafe sind noch lange keine Wölfe

Es gibt eine Frau in England, die heißt Katie Hopkins. Die zieht primär durch Reality-Shows und schreibt Kolumnen, in denen sie dummes Zeug redet. So echauffiert sie sich, dass Prominente ihren Kindern gerne Namen von Örtlichkeiten geben (Brooklyn, Denver) – obwohl ihre eigene Tochter India heißt. Außer ein paar dumpfbackigen “Sun”-Lesern, die ihre Auswüchse mit einem gegrummelten “right on!” kommentieren, schämt sich das Königreich für diese anmaßende und zugleich unterbelichtete Frau. Das Ergebnis? Hopkins wöchentlicher Dünnpfiff produziert Blogger-Aufstände, Shitstorms, Gegenreden, Klicks, Quoten, Geld.

Bei der WELT schreibt eine hübsche junge Frau namens Ronja von Rönne Kolumnen voll. Die Jugendseite der Süddeutschen Zeitung beginnt einen Artikel über ihr altes Blog mit der (fehlerhaften) Zeile

Früher hat Ronja von Rönne gemodelt, dafür habe sie habe aber „zu viel Inneres“.”

Eine Kernthese des Inneren von Ronja von Rönne scheint zu sein, dass die meisten psychischen Krankheiten eingebildet und mit einem strengen “reiß’ dich halt zusammen!” heilbar sind. Glücklich sind die Depressiven, denn sie dürfen den ganzen Tag faulenzen. Und Feminismus findet sie auch ekelhaft. Kurzum: von Rönne ist alles, was an der Entitlement-Hipster-Generation zum Kotzen ist. Das Ergebnis? Blogger-Aufstände, Shitstorms, Gegenreden, Klicks, Quoten, Geld.

Muss ich mich ehrlich noch an “Post von Wagner” abarbeiten? Der Mann, der gleichzeitig widerlich sentimental und brutal rücksichtslos sein kann, der Altherrengeilheit mit Altersweisheit verwechselt, der einen Mangel an Wissen für eine Meinung hält, ist seit zu vielen Jahren immer und immer wieder Tagesgespräch. Was Pöbelei ist, hält er für Provokation, kaum einer seiner Texte ist weniger als dumm, die meisten schaffen sogar den Sprung ins Ekelhafte. Das Ergebnis? Blogger-Aufstände, Shitstorms, Gegenreden, Klicks, Quoten, Geld.

Die Österreicher haben ihre eigene BILD, die Krone, und ihren eigenen Wagner: „Post von Jeannée“ (Michael Jeannée). Der schreibt nach dem Todesschuss auf einen jugendlichen Kleinkriminellen auch schon mal Sachen wie:

„Wer alt genug zum Einbrechen ist, ist auch alt genug zum Sterben.”

Ist Österreich das kleine Deutschland, die Krone die kleine BILD und Jeannée der kleine Wagner, dann ist der Hetzschreiber seinem Vorbild doch mindestens in Sachen Wirrnis und Menschenverachtung gleichauf. Das Ergebnis? Blogger-Aufstände, Shitstorms, Gegenreden, Klicks, Quoten, Geld.

Gottseidank sind wir schlauer, lassen uns nicht von den Agitatoren blenden, durchschauen ihre billigen Tricks und ihre Vorurteile. Uns kann kein Wagner aufwiegeln, keine Katie Hopkins zum Stammtisch führen. Mag die Masse der dummen Trash-Konsumenten denen auch auf den Leim gehen – WIR bewahren Abstand und unseren kritischen Blick!

Und trotzdem kommen auch am Ende unserer Empörungsgkette immer Klicks, Quoten und Geld für die Medien und die Macher dabei raus. Unsere Empörung, unser Widerspruch und unser Protest generieren die Aufmerksamkeit, die ihren Ruf ausmacht, die ihren Marktwert steigert und am Ende ihr Honorar. Unser “Wie können die für so einen Dreck Geld bekommen?” legt noch einen Euro drauf.

Der Mechanismus ist weder neu noch unbekannt: Provokation gehört zu Geschäft, Döpfner und Diekmann können sich prima staatsmännisch geben, weil ihre Kettenhunde wie Wagner Blödmänner besabbern und Bildungsbürgern in den Garten kacken. Wagner schließt die Reihen, errichtet die Mauer – und sieht die Anfeindungen von außen als den Beweis ihrer Notwendigkeit.

Es geht schon lange nicht mehr um Moral, nicht um richtig oder falsch. Medien leben nicht von der Erkenntnis, sondern von der Diskussion, und sei sie auch geheuchelt oder gefaked. Ein Ergebnis wäre fatal, weil danach nichts mehr kommt. Es muss gestritten werden, es muss immer einen Widerspruch geben, egal wie abstrus der sein mag. Nichts wäre schlimmer, als wenn alle Menschen mit Wagner einer Meinung wären. Weil Einigkeit keine Zeitungen verkauft, weil Zustimmung keine wohlige Erregung provoziert. Wenn WIR uns über Wagner nicht aufregen, hat ER versagt.

Das Schlimme ist: Wir sind Teil dieses Mechanismus. BILDblog ist nicht weniger Teil der Maschine BILD als Springer selbst. Denn auch BILDblog trägt letztlich dazu bei, BILD im Gespräch zu halten – bei denen, die das Blatt nicht lesen. BILDblog veredelt die Beschäftigung mit der BILD zu einem kritischen Diskurs, den sich die Zeitung ans Revers heften kann. Schlimmer als Stefan Niggemeier wäre für Kai Diekmann nur kein Stefan Niggemeier. Viel Feind, viel Ehr. Kein Wunder, dass er den Gegner sogar alimentieren würde.

In den USA gibt es eine Sendung, die ich mit kultischer Begeisterung verfolge: “The Soup” mit Moderator Joel McHale. Einmal die Woche zeigt er die abstrusesten Ausschnitte aus Soap, Talkshows und Reality-Trash, entlarvt die aufmerksamkeitsgeilen C-Promis als… na ja, aufmerksamkeitsgeile C-Promis. Besonders der substanzfreie Sender “E!” (für Entertainment) bekommt dabei sein Fett weg.

Wo “The Soup” läuft? Auf “E!”. Der Sender liefert sie satirische Aufarbeitung des Geschäftsmodells gleich selbst. Und generiert – ihr ahnt es – Klicks, Quoten, Geld.

Wie das sein kann? Warum würde ein Medium allen Ernstes den eigenen Gegner produzieren, sich dabei unzensiert und hämisch vorführen lassen? Ganz einfach: Weil “The Soup” Zuschauer wie mich erreicht, die den Sender sonst nie einschalten würden. In dem ich mich bei “The Soup” über “E!” schlapp lache, bringe ich dem Sender die Einschaltquote, die über Werbeeinnahmen die Rendite sichert. Die institutionalisierte Kritik gefährdet das System nicht, sondern festigt es. Gefährlich würde “The Soup” nur werden, wenn die Sendung “E!” nicht lächerlich machen würde, sondern Zuschauer tatsächlich überzeugen könnte, den Sender zu boykottieren. Aber daran haben die Macher kein Interesse, im Gegenteil: Die vielen doofen Clips reizen als “best of” sogar noch, sich die veralberten Sendungen auch mal anzuschauen.

Wir sind nicht schlauer als der dumme Rest, weil wir die “heute show” gucken und Titanic lesen. Weil wir Menschen wie Micaela Schäfer verachten und finden, dass Jan Böhmermann das gesamte ZDF-Programm moderieren sollte. Wir sind nicht besser. Wir sind nur eine andere Zielgruppe, die gemäß ihrer Größe und Kaufkraft bedient wird. Wir sind “29-49, gebildet, zynisch, gut verdienend”. Für die Mehrheit gibt’s BamS, für uns Neon. Die hören Helene Fischer, wir Arcade Fire. Den Agenturen und Sendern, den Verlagen und Produzenten ist das komplett wurst, solange wir die Produkte kaufen, solange wir über Produkte reden, solange wir im System bleiben. Unsere Präsenz am Kiosk beträgt sorgsam austarierte 3 Prozent, weil wir 3 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Warum es viel mehr Esoterik-Zeitschriften gibt als Publikationen für Atheisten und Skeptiker? Weil es viel mehr Esoteriker gibt als Atheisten und Skeptiker. Der Markt macht Macht.

Manchmal denke ich, dass wir uns nur vom Pöbel unterscheiden, weil wir erkennen, dass es ein System gibt. Nicht, weil wir das System verlassen oder unterlaufen. Und solange wir das nicht tun, kann es dem System egal sein. Im Gegenteil: Als laute Minderheit sind wir für Hass-Schürer und Vorurteils-Feststampfer wie Wagner und Hopkins wichtiger als die schweigende Minderheit. Ohne uns, ohne unsere Empörung und unseren letztlich impotenten Widerstand, wären sie gar nichts. Die sichersten Mittel, jemanden wie Wagner um seinen Job zu bringen, sind nicht ausführliche und hervorragend argumentierte Leserbriefe und Online-Repliken – es sind ausbleibende Reaktionen. Stille. Zu ignorieren heißt wirklich zu verachten. Jede Frau weiß das.

Um “Wargames” zu zitieren: The only winning move is not to play.

Wie schon erwähnt: Das wissen wir eigentlich. Und handeln doch nicht danach. Täglich lese ich es in den Blogs, sehe ich die Links bei Facebook – habt ihr das schon gelesen? Könnt ihr euch das vorstellen? Wie kann man bloß? Hat der sie noch alle!? Man müsste! Man sollte! Boah, bin ich sauer!

Alles nur Ventil.

Und das ist leider die traurige (und mich einschließende) Wahrheit: Wir wollen uns erhöhen, gieren nach der billigen Empörung, die uns besser aussehen lässt als das Pack, das jeden Scheiß glaubt. Unser “Der ist doof!” ist in Wirklichkeit ein jämmerliches “Ich bin schlau!” – und die Likes sind unsere Bestätigung. Die Sucht nach der Versicherung, dass wir nicht zur tumben Masse gehören, braucht täglich ihren Schuss. Warum sonst lesen wir ein Blog über eine Zeitung, die wir nicht lesen und deren Irreführungen uns deshalb egal sein können? Warum sonst lesen wir Facebook-Gruppen wie “Sachen, die Impfgegner sagen”, wenn wir an deren Diskussionen nicht teilnehmen und unsere Kinder sowieso geimpft sind? Warum zeigen wir mit dem Finger auf Chemtrail-Gläubige, wenn doch deren Verschwörungstheorie keinerlei Auswirkung auf unser Leben hat?

Ist es so schwer, “nicht meine Baustelle” zu sagen, das “so ein Kappes!” nicht ad infinitum zu wiederholen, sondern es als Fazit zu sehen und sich künftig andernorts umzusehen? Wir glauben doch nicht ernsthaft, unsere hämischen Kommentare würden irgendetwas oder irgendwen ändern, oder? Das machen wir nur für uns, für die innere geile Sau, die sich nach jedem hämischen Satz mental die Sonnenbrille aufsetzt und “Yeeeeaahhhh…..!!!” schreit.

Wer RTL nicht mag, sollte nicht darüber diskutieren, wie scheiße das Programm des Senders ist.

Wer BILD ablehnt, sollte keine Links zu Wagner-Kolumnen teilen.

Wen Impfgegner stören, der sollte sie im eigenen Saft kochen lassen.

Nicht gesellschaftlicher Diskurs ist nötig, sondern gesellschaftlicher Konsens über die Themen, über die Diskurs wahrlich nicht mehr nötig ist.

Aber darum geht es nicht. Das wäre ja langweilig und würde nicht dazu führen, dass wir uns überlegen fühlen. Gewonnen zu haben ist unbefriedigender als das Gefühl, bald zu gewinnen. Um es mit Garfield und der Mäusejagd zu sagen: “Es ist nicht das Haben, es ist das Kriegen”. Und so lassen wir uns von denen, die angetreten sind, uns zu provozieren, provozieren. Wir lassen uns am Nasenring durch die öffentliche Diskussion ziehen, während wir glauben, die Richtung vorzugeben. Unser Widerstand ist nicht weniger eingeplant und eingepreist als “deren” Zustimmung.

Wir tun, was “die” wollen. Und “die” sitzen feist da, lachen beim Blick auf das Konto und bleiben exakt, was sie sind. Dass wir allen Ernstes glauben, wir wären in irgendeiner Weise die Gewinner, weil wir auf deren moralische Defizite hinweisen, ist fast schon anrührend naiv.

Das wird jetzt weh tun: Wagner & Co. sind schlauer als wir.

Trackback-URL 61 Kommentare
27
April 2015

Begeisterung unerwünscht

k1Ich hatte gar nicht vor, darüber zu schreiben. Besser gesagt: Ich wollte ganz anders darüber schreiben, wenn überhaupt. Aber dieser Artikel, auf den BILDblog heute verwiesen hat, motiviert mich, das Thema “fotografieren im öffentlichen Raum” doch mal mit einer ganz persönlichen Anekdote anzugehen.

Wie ihr wisst, bin ich bei meiner Arbeit für die “Liebes Land” permanent mit dem Thema Bildrechte konfrontiert. Wer bei uns vor die Linse kommt, muss einen Vertrag unterschreiben, mit dem er sich einverstanden erklärt, dass wir die Bilder auch verwenden. Sicherheit für beide Seiten – niemand muss mitmachen, aber es kann auch hinterher niemand behaupten, er hätte das gar nicht gewollt. Einen Stapel “Model Releases” und einen Kuli habe ich deshalb immer dabei, zusammen mit der Bemerkung “Unterschreiben Sie hier – dann kommt nächste Woche die Waschmaschine”.

Es gibt Ausnahmen: Wenn die Gesichter von Personen nicht zu erkennen sind (Wanderer, die in der Ferne mit dem Rücken zur Kamera gehen) oder wenn es sich um eine Person Öffentlichen Interesses handelt. Das kann z.B. eine Weinkönigin sein. Da braucht es keinen Release.

Gebäude, Straßen, etc. dürfen wir fotografieren. Zumindest, solange wir uns nicht auf privatem Grund bewegen. Sofern möglich, holen wir trotzdem die Genehmigung ein. Unsere Höflichkeit wird praktisch immer mit Zustimmung honoriert.

Ich bin mit dem Thema also vertraut. Um so mehr wundert es mich, dass ich ausgerechnet wegen dreier Handy-Fotos für dieses Blog kräftig Stress bekam.

Vor 10 Tagen war ich für ein Wochenende im Grand Hotel Heiligendamm. Presse-Termin. Luxus. Strand. Geil. Egal. Beim Rückflug von Hamburg nach Baden Baden habe ich noch etwas Zeit am Flughafen, was mir sehr recht ist – findet man dort doch den besten Zeitschriftenladen der Republik (siehe Bild oben). Eigentlich nicht mal ein Laden, sondern eine nach außen offene Fläche von Regalen.

Was dieses Geschäft von vielen anderen in Hauptbahnhöfen und Flughäfen unterscheidet? Ganz einfach – die sind grandios gut sortiert:

k2Ich kenne keinen Händler, der GEO, GEO Epoche, SPIEGEL Geschichte und andere Sonderbände so lange und so komplett vorrätig hält. Wer sich als Flugreisender nicht mit den üblichen Gratis-Ausgaben von WELT kompakt und Focus Money über Wasser halten will, ist hier genau richtig.

Nicht weniger gut sortiert (im wahrsten Sinne des Wortes) ist man in Sachen ausländische Presse und Comics:

k3

Und so komme ich auf die Idee, euch diesen tollen Laden mal vorzustellen. Falls ihr in der Gegend seit. Ich zücke mein Handy und mache die drei hier vorgestellten Fotos.

Gerade als ich die Sektion “ausländische Presse” fotografieren will, höre ich eine scharfe, unversöhnliche Stimme: “Was machen Sie da?”

Ich drehe mich um. Eine Dame hinter dem Kassentresen schaut mich böse an. Weil sich ihre Frage eigentlich selbst beantwortet, wartet sie nicht auf eine Reaktion von mir: “Sie dürfen hier drin keine Fotos machen!”

Abgesehen davon, dass ich gerne höflich angesprochen und nicht ganz so gerne angepampt werde. Abgesehen davon, dass es sich um eine offene Verkaufsfläche handelt, die kein “hier drin” besitzt. Abgesehen davon, dass ich die Fotos von der Verkehrsfläche des Flughafens aus mache, über die niemand außer Mitarbeitern des Flughafen-Betreibers Hoheit besitzt. Abgesehen davon, dass ich nicht im Weg stehe und darauf achte, auf den Bildern keine Personen abzulichten.

Abgesehen davon möchte ich gerne wissen, woher sie diese Vorschrift hat. Darum frage ich durchaus höflich: “Wo steht das?”. Ich setze darauf, dass viele Menschen unachtsam mit Waffen drohen, die sie nicht in ihrem Arsenal haben. Und tatsächlich ist sie mit ihrer Weisheit jetzt schon am Ende, denn sie stammelt: “Das ist nicht erlaubt.”

Das ist eine Wiederholung, keine Erklärung. Um keine Eskalation zu betreiben, bleibe ich freundlich, wo ich einfach hämisch lachen könnte: “Können Sie mir sagen, woher Sie die Information haben, dass das verboten ist?”. Kann sie erwartungsgemäß nicht, aber sie hat einen Tipp: “Rufen Sie doch in unserer Zentrale an. Die sitzen in…”

Ich unterbreche sie freundlich, aber bestimmt: “Ich werde ganz bestimmt nicht Ihre Zentrale anrufen, um heraus zu finden, ob Sie mir irgend etwas verbieten dürfen. Sie stellen die Forderung, dann sollten Sie sie auch belegen können.”

Längst möchte ich gehen – das ist mir zu dumm und ich verliere gerade jede Lust, den Laden mit lobenden Worten meinen Lesern zu empfehlen. Andererseits bin ich neugierig, wie das hier weiter läuft. Die Kassiererin versucht es nun mit einem ganz neuen Ansatz: “Löschen Sie die Bilder auf Ihrem Handy.”

Aber hallo! Das empfinde ich als Provokation. Der Kollege, der gleich neben ihr steht, wendet sich ab. Er will mit der Sache sichtlich nichts zu tun haben.

Ich seufze, trete noch etwas näher an den Tresen, stütze meine beiden Hände auf die Glasplatte und sehe der Dame sehr bewusst in die Augen: “Ich werde die Fotos natürlich nicht löschen. Und nun?”

Sie ist weit, weit aus ihrer Komfortzone, am sprichwörtlichen Fenster, aus dem sie sich gelehnt hat, hängt sie nur noch an einem glücklichen Schnürsenkel. Unter ihr der Abgrund eines Streitgesprächs, das sie nicht mehr gewinnen kann: “Unsere Zentrale in…”

“Ist mir egal. Möchten Sie Ihre Zentrale anrufen?”

Sie hätte vermutlich lieber einen Telefon-Joker. Oder wenigstens eine romulanische Tarnvorrichtung. Sie befindet sich in der unangenehmen Situation, etwas verlangt zu haben, was sie weder verlangen noch durchsetzen kann. Sie ist im klassischen Sinne des Wortes ohnmächtig und weiß nicht mehr, was sie noch sagen soll.

“Und nun?” wiederhole ich mich. Sie dreht sich weg und knurrt in einer völligen Verdrehung der Ereignisse “Ach, lassen Sie mich doch in Ruhe”.

Ich tue ihr den Gefallen. Mein Flieger wartet.

Ein winziger Teil von mir hätte die Konfrontation (und diesen Beitrag) spannender gefunden, wenn die Frau tatsächlich so eine Art Hausordnung aus dem Tresen hätte ziehen können, in der Aufnahmen der Ladenfläche untersagt werden. Dann hätte ich was gelernt. So bleibt nur der unschöne Konflikt ohne Resolution, ohne Gewinner. Negative Energie.

Bevor sich jemand über meine Unverschämtheit beschwert: Hätte die Frau mich freundlich angesprochen, hätte sie “Wir möchten nicht” statt “Sie dürfen nicht” gesagt, hätte sie mich gebeten statt angeschnauzt, ich hätte die Bilder gelöscht und die Begegnung schnell vergessen. Aber ich bin der Wald, in den hineingerufen wurde.

Nun kann der Laden nix dafür, dass eine Mitarbeiterin ihre Kenntnisse und Kompetenzen überschätzt. Darum lege ich ihn euch trotzdem ans Herz, wenn ihr im Hamburger Flughafen auf der Suche nach Printprodukten seid. Und wenn ihr statt Star-Magazinen Streit sucht, holt einfach euer Handy raus.

Trackback-URL 105 Kommentare
22
April 2015

Kino Kritik: “Avengers: Age of Ultron” (spoilerfrei)

66531_Avengers_2_HP_03SUSA 2015. Regie: Joss Whedon. Darsteller: Robert Downey Jr., Chris Hemsworth, Chris Evans, Scarlett Johansson, Aaron Taylor-Johnson, Jeremy Renner, Cobie Smulders, Samuel Jackson, Elizabeth Olsen, Mark Ruffalo, Don Cheadle, Thomas Kretschmann u.a.

Offizielle Synopsis: Es ist einige Zeit vergangen, seit die Avengers New York gegen den Angriff einer außerirdischen Armee verteidigt haben. Jeder ist seitdem seinen eigenen Weg gegangen und manch einer hatte sein ganz persönliches Abenteuer zu bestehen. Als Milliardär Tony Stark ein stillgelegtes Friedensprogramm reaktiviert, gerät die Situation plötzlich außer Kontrolle und das Schicksal der Erde steht auf dem Spiel. Gemeinsam müssen sich die Avengers Iron Man, Thor, Hulk, Captain America, Black Widow und Hawkeye gegen den scheinbar übermächtigen Ultron stellen, der wild entschlossen ist, die gesamte Menschheit auszulöschen. Um seine Pläne zu vereiteln, müssen die Avengers unberechenbare Allianzen eingehen und in eine Schlacht von globalen Ausmaßen ziehen.

VORAB: Natürlich ist der Begriff “spoilerfrei” relativ, weil man den Film nicht besprechen kann, ohne auf die Handlung und die Charaktere einzugehen. Aber ich verrate nichts, was nicht schon im Trailer zu sehen ist oder auf den Covern der internationalen Filmzeitschriften.

Kritik: Das nur vorab – die obige Inhaltsangabe des Verleihs ist nicht nur typisch vage, sondern untypisch irreführend: Die Avengers sind mitnichten nach den Ereignissen des ersten Film ihrer Wege gegangen, denn der gesamte Prolog ist ein Teameinsatz, der den erwarteten Hydra/Strucker-Plot in 15 Minuten abhakt und die neuen Figuren rasant einführt. Wirklich globale Schlachten werden es dann auch nicht – statt Manhattan ist diesmal eine Metropole im ehemaligen Ostblock der primäre Schauplatz des Geschehens.

Ich bin mit Vorbehalten ins Kino gegangen, zugegeben – zwar hat das Marvel-Universum mich bisher nur sehr selten enttäuscht, aber nach dem Mega-Hattrick mit “Avengers“, “Captain America: Winter Soldier” und “Guardians of the Galaxy” war ich unsicher, ob das Studio sich nicht in eine Sackgasse manövriert hat. Kreativ ist mittlerweile fast alles möglich – zumal die finanziellen Mittel genau so unbegrenzt sind wie die technischen. Aber lässt sich Drama beliebig steigern, steht das Remmidemmi nicht schon längst auf 11, gerade angesichts des begrenzten Spielraums des Marvel-Universums, in dem es immer um das Schicksal mindestens der Erde geht und keiner der Protagonisten sterben darf? Wann ist die Schraube überdreht, wann wird das Spektakel zum nicht mehr steigerungsfähigen Superlativ?

Not today.

“Avengers: Age of Ultron” behält alle Qualitäten des Vorgängers, paart unterhaltsame Interaktion klar definierter Figuren mit groß angelegter, perfekt inszenierter Action und vielen, vielen “the comics come to life”-Momenten. Der Seiltanz zwischen emotional plausibler Realität und Comic-Bombast – niemand beherrscht ihn so perfekt wie das Team Marvel/Whedon.

Kann die technische Perfektion von “The Avengers” auch nicht übertroffen werden, so entwickelt das Studio zumindest die Franchise auf allen Ebenen konsequent und plausibel weiter. Statt wie in der “origin story” die Entstehung des Teams zu erzählen, konzentriert sich Whedon diesmal auf die wechselnden Dynamiken der Charaktere – und findet Platz für ein paar ungewöhnliche Wendungen, von denen Black Widow und der Hulk sicher die schönsten Momente abstauben. Ein Highlight ist die “Avengers-Party” – wenn es je einen Event gab, bei dem ich gerne auf der Gästeliste stünde, wäre es wohl dieser. Über die privaten Probleme anderer Figuren kann man sicher diskutieren (Hawkeyes’ kitschiges Familienleben scheint mir ebenso mühsam in die Story fabuliert wie Captain Americas angedeutete Geldprobleme), aber das streut keinen Sand in das Getriebe des Films, der 140 Minuten lang zwar immer wieder Luft holt, aber niemals still steht.

Auch inhaltlich schreitet das Marvelverse voran, baut die nächsten zwei, drei Steinchen für das große Finale um das “infinity gauntlet”. Und nicht nur das: Um die Franchise frisch zu halten, werden die Avengers zum Ende hin neu gemischt, einige Figuren scheiden (zumindest vorläufig) aus und andere werden ins Lineup aufgenommen. Das sorgt jetzt schon dafür, dass Teil 3 auf jeden Fall ein paar andere Nasen auf dem Plakat haben wird.

Vision, Scarlet Witch, Quicksilver  – es ist beneidenswert, wie scheinbar mühelos und perfekt Marvel neue Figuren etabliert, ohne sich zu verstolpern. Der Cast sollte mittlerweile für 20 weitere Ableger reichen.

TRB0280_TRL_v005.1012_R2

Kommen wir nach den Charakteren und der Franchise zum eigentlichen Plot, der ja in vielen Marvel-Filmen kaum mehr als eine Wäscheleine zum Aufhängen der Effekte und der Actionszenen ist: Zwar fehlt Loki, aber es gelingt James Spader mit erfreulicher Souveränität, der reinen (und ständig wechselnden) CGI-Gestalt von Ultron einen so megalomanen wie irren Touch zu geben. Dieser Bösewicht ist nicht bloß ein Superhirn vom Schlage Brainiacs, sondern ein unberechenbarer Psychopath mit haufenweise Prozessorpower.

Es geht natürlich wieder um das Schicksal der Welt, aber diesmal kommt die Gefahr quasi “von innen” – und ist letztlich auch die Verantwortung der Avengers selbst. Das gibt einen neuen Fokus und macht den Kampf erheblich persönlicher. Die Vernichtung des Bösewichts ist nicht weniger wichtig als der Schutz der Zivilbevölkerung – und aus der Unmöglichkeit, immer beides gleichzeitig bedienen zu können, zieht “Age of Ultron” eine beträchtliche Suspense. So ist der halbstündige Showdown zwar auch “nur” wieder eine groß angelegte Zerstörungsorgie, aber mit genügend Brüchen im Blickwinkel, um nicht als Abklatsch durchzufallen.

Zuerst habe ich mich ein wenig daran gestoßen, dass diesmal “no name city” für den Showdown her halten muss, aber wenn man drüber nachdenkt, ist das nur konsequent: Die Avengers müssen auch für die Namenlosen da sein, für die Menschen in Ländern, die nicht schon “top of the line” sind und von einer starken Regierung und einer starken Armee geschützt werden. Menschenleben sind nicht vom Pass abhängig oder der Verfügbarkeit erkennbarer Wahrzeichen zur filmisch ansprechenden Zerstörung. In “Age of Ultron” kämpfen die ganz Großen für die ganz Kleinen, die ganz Starken für die ganz Schwachen.

Ich würde allenfalls vielleicht monieren, dass Scarlet Witch und ihre Fähigkeiten etwas blass bleiben – tatsächliche Magie wirkt im Marvel-Universum etwas deplatziert, was besonders angesichts der geplanten “Dr. Strange”-Verfilmung spannend werden dürfte. So sind auch die von Scarlet Witch induzierten Alpträume der Helden seltsam holperig erzählt und folgenlos. Aber das wäre nur von Belang, wenn es dem Storytelling abträglich wäre, und ich vermelde mit Freuden: “Age of Ultron” ist wieder mal die perfekte “movie machine” ohne jegliche Defekte.

Es war hier und da schon zu lesen, dass der neue Marvel-Megafilm es bei der Action ein wenig übertreibe, in fast Transformers-artige Schnellschnitt-Hysterie abdrifte, was der Übersichtlichkeit schade. Das kann ich nur bedingt nachvollziehen. Ja, Whedon geht diesmal näher ran, die Kämpfe sind turbulenter, aber das scheint mir gewollt – das Chaos droht die Avenger zu überrollen, es wird ein Gefühl von Verzweiflung und Vollgas erzeugt. Teilweise stehen unsere Helden gegen die Übermacht wie im Hexenkessel von Stalingrad – der durchchoreographierte, aus der Luft immer überschaubare Kampf gegen die Aliens in New York wirkte dagegen wie ein spannendes, aber letztlich immer kontrollierbares Vorspiel.

Tja, und so ist es nun. Ich hätte euch gerne eine enthusiastischere Kritik präsentiert, eine mit mehr Fanboy-Herzblut, aber der fast fehlerlose “track record” von Marvel in den letzten zehn Jahren erlaubt nur die Erkenntnis, dass es wieder mal ein echter Kracher geworden ist. Best value for money. More entertainment than you deserve. Das ist keine wirkliche Überraschung – und das ist das größte Lob, das ich aussprechen kann.

YouTube Preview Image

Fazit: Im Spektakel gleichauf mit dem Vorgänger, dafür bei den Charakteren und beim Storytelling eine sympathische Fortsetzung mit vielen kleinen Szenen, die das Fanherz jenseits der Action erfreuen. Marvel legt die Messlatte für den Kinosommer mal wieder verdammt hoch.

P.S.: Sage keiner, die Geeks längen mir nicht am Herzen: Das Presseheft bekommt ihr hier, die “Fun Facts” des Verleihers hier und die ausführlichen Charakter-Bios hier.

P.P.S.: Kurze post credits-Sequenz schon nach den wichtigsten Nennungen – sitzen bleiben ist angesagt, aber nicht ganz bis zum Schluss nötig.

Trackback-URL 33 Kommentare
18
April 2015

Inhaltsangaben zum Abschalten (redux)

Ich habe mir hier und hier bereits Gedanken über Inhaltsangaben gemacht, die weniger über den Film aussagen als über die prätentiöse Großmäuligkeit der Macher. Da geht es gar nicht darum, einem potenziellen Zuschauer die Story zu vermitteln, sondern nur darum, ihm die eigene Brillanz und die unübertreffliche Schwere des Projekts zu verdeutlichen.

Schauen wir uns zum Beispiel mal “Fractured” an, einen Thriller, der nach dem Plakat und der Besetzung mit Jake Busey und Eric Roberts bestenfalls im C-Bereich angesiedelt sein dürfte und zuerst einmal den Eindruck eines aus den 90ern geflüchteten Billig-Reißers macht. Aber mitnichten:

fract“”May Oster, played by Athena Lebessis, is a beautiful, pensive, somber woman in her mid twenties; a beautiful woman that discovers her boyfriend’s bloody scarf in her apartment following a black-out episode. This unearthed white scarf covered in crimson drives May to attempt suicide. May is taken to a psychiatric ward under the care and influence of Dr. Ballard, a fifty-eight year old psychiatrist/acclaimed author, played by Eric Roberts. May is immediately thrown into seclusion. Detective James Harding, played by Jake Busey, appears to question May about a horrific murder. This questioning thrusts May into narrating an in-depth story about an unnamed woman’s involvement with unsavory characters leading to multiple murders. Will May regain her sanity, restore her normal life and unravel the mystery of her true love? Only time will tell.”

Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll – bei der hilflosen Dopplung der “beautiful women” gleich zum Einstieg? Bei der poetisch gemeinten, aber leider sehr holperigen Formulierung “white scarf covered in crimson”? Bei der unbeantworteten Frage, warum May einen Blackout hatte, warum sie wegen eines blutigen Schals Selbstmord begehen will, warum sie deshalb in einer Gummizelle landet? Man könnte auch die Frage stellen, warum zur Hölle der Autor meinte, daraus dann eine von May im Voiceover erzählte zweite Erzählebene bauen zu müssen. Und am Ende geht es natürlich dann doch wieder (wenn auch hier etwas unerwartet und unpassend) um “her true love”…

Grundgütiger.

actNicht viel besser ist die Selbstbeschreibung des Films “Actress”:

“When Brandy decides to reclaim her life as an actor, the domestic world she’s carefully created crumbles around her. Actress is both a present tense portrait of a dying relationship and an exploration of a complicated woman, performing the role of herself as she faces the desires that exist outside of her home.”

I call Bullshit. Allerdings muss man einschränkend anmerken, dass “Actress” eine Dokumentation ist und dem Vernehmen nach gar nicht schlecht sein soll. Es ist nur diese selbstbesoffene Beschreibung, die mich nervt. Filme sollten Analyse der Kritik überlassen und sie nicht vorkauen.

Oder ist der Wortvogel da mal wieder zu streng?

Trackback-URL 4 Kommentare
14
April 2015

Fernsehen ist das neue Kino – andererseits…

“X-Files” war acht Jahre lang der Maßstab für TV-Mystery:

YouTube Preview Image

“X-Files” war zweimal ein Totalausfall im Kino:

YouTube Preview Image

“21 Jump Street” war eine trendy Krimiserie der 90er:

YouTube Preview Image

“21 Jump Street” ist nun eine Reihe erfolgreicher Kinofilme:

YouTube Preview Image

“A-Team” war eine glorreiche TV-Serie in den 80ern:

YouTube Preview Image

“A-Team” steht nun für einen missratenen Action-Blockbuster:

YouTube Preview Image

“Bewitched” war in den 60er und 70ern eine beliebte Sitcom:

YouTube Preview Image

Für Will Farrell und Nicole Kidman war “Bewitched” ein Kinoflop:

YouTube Preview Image

“Dark Shadows” war die einzige Grusel Soap Opera im US-TV:

YouTube Preview Image

“Dark Shadows” war nicht der einzige Kino-Flop von Tim Burton:

YouTube Preview Image

“Firefly” konnte im Fernsehen nur die Kult-Crowd begeistern:

YouTube Preview Image

“Firefly: Serenity” konnte auch im Kino nur die Kult-Crowd begeistern:

YouTube Preview Image

It’s not the medium – it’s the message…

Trackback-URL 12 Kommentare
13
April 2015

Fernsehen ist das neue Kino – bzw. das alte

Im letzten Jahrtausend war “12 Monkeys” ein großartiger Kinofilm:

YouTube Preview Image

Mittlerweile ist “12 Monkeys” eine maue Fernsehserie:

YouTube Preview Image

Anno 1998 war “Blade” ein cooler Vampirfilm:

YouTube Preview Image

Vor sieben Jahren wurde daraus eine uncoole TV-Serie:

YouTube Preview Image

1996 war “Fargo” ein geiler Film:

YouTube Preview Image

2015 ist “Fargo” eine geile Serie:

YouTube Preview Image

Vor zehn Jahren war “Daredevil” ein schlechter Kinofilm:

YouTube Preview Image

Nun ist “Daredevil” eine großartige Fernsehserie:

YouTube Preview Image

2008 war “Terminator: Salvation” bestenfalls ein mäßiger Kinofilm:

YouTube Preview Image

2009 war “Terminator: The Sarah Connor Chronicles” eine der besten Fernsehserien des Jahres:

YouTube Preview Image

In den 90ern war “Scream” eine Reihe ironischer Horrorfilme:

YouTube Preview Image

Jetzt ist auch “Scream” eine Fernsehserie – für MTV:

YouTube Preview Image

Strange days, indeed…

Trackback-URL 22 Kommentare
12
April 2015

Weekend of Heroes 3: “Justice League: Throne of Atlantis”

jus1Justice League: Throne of Atlantis

Jahrtausende haben die Bewohner von Atlantis die Menschen der Oberfläche gemieden. Doch Orm, Sohn von Herrscherin Atlanna, will mehr als nur Kontakt – er sucht den Konflikt, den Krieg gar. Mit Black Manta sät er Zwietracht zwischen Meeres- und Landbewohnern. Bald sieht Atlanna die einzige Chance in der Suche nach einem Vermittler – Arthur Curry, der noch nicht weiß, dass er als Halbling geboren wurde, um Aquaman zu werden. Schon bald kommt es zum ersten Zusammenstoß mit der Justice League, die gerade erst versucht, als Team zu funktionieren…

Damit wir das aus dem Weg haben: Ja, ich finde das Cover auch albern. Dieses Pinup/Alex Ross-Motiv hat nichts dem Look des tatsächlichen “direct to DVD”-Releases zu tun. Und seit wann sieht Aquaman aus wie ein blonder Tom Cruise?

Als Quasi-Fortsetzung von “Justice League: War” kann “Throne of Atlantis” allerdings überzeugen.

Weiterlesen

Trackback-URL 4 Kommentare