Kino-Kritik: “The Wolfman”

Gepostet am 9. Februar, 2010 um 12:22 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

wolfman-2009USA 2009. Regie: Joe Johnston. Darsteller: Benicio del Toro, Anthony Hopkins, Emily Blunt, Hugo Weaving

Story: Die Sorge um seinen Bruder treibt den Schauspieler Lawrence Talbot wieder zum Heimatsitz der Familie, Talbot Hall. Doch Ben ist tot, zerfleischt von einer Bestie. Nach weiteren Angriffen lässt sich kaum abstreiten, dass ein Werwolf die Gegend unsicher macht. Lawrence wird gebissen, und stellt fest, dass ein wesentlich älterer Werwolf ihn als Sündenbock missbrauchen will. Und bald ist wieder Vollmond…

Kritik: Machen wir uns nichts vor: aller Nostalgie zum Trotz war schon “The Wolf Man” von 1941 kein großer Wurf, und gehört nur sehr peripher zu den Universal-Klassikern seiner Ära. Die erste Hälfte ist der Film so nonchalant unverbindlich, dass es auch eine Komödie oder ein Krimi sein könnte, und wenn Meister Wolf dann endlich die sehr amerikanischen britischen Wälder durchstapft, wird es selten mehr als seicht albern. Zur Bedrohlichkeit des Monsters muss man nur wissen, dass beide Werwölfe des Films mit einem Spazierstock erschlagen werden – echten Terror stelle ich mir etwas zäher vor. Es braucht also keiner “Sakrileg!” zu schreien, weil sich Universal nach fast 70 Jahren entschlossen hat, den Heuler (har har) zu remaken.

Die Neuverfilmung “The Wolfman” stand lange Zeit unter keinem guten Stern – mehrere Regisseure sprangen ab, weil sie das von Universal verlangte Startdatum für illusorisch hielten. Schließlich sprang Joe Johnston in letzter Sekunde ein. Dann gab es massive Nachdrehs, um den Actionquotient aufzupeppen. Fast zwei Jahre verzögerte sich der Release, und Februar lässt nicht gerade auf große Hoffnungen seitens der Produktionsfirma schließen.

Zunächst einmal rechne ich dem Film an, dass er tatsächlich ein Remake ist, und keine freihändige “Neuinterpretation”: Der Plot ist in etwa gleich, er wurde nur um einen grundlegenden Konflikt erweitert (der zweite Werwolf), und die Personen wurden durch klarere Beziehungen stärker emotional aneinander gebunden. Das ist nicht nur legitim, das ist auch gut gedacht.

Nur leider ist gut gedacht nicht gleich gut gemacht, und die Straße zur Hölle bekanntlich gepflastert mit guten Absichten. “The Wolfman” ist ein schizophrener Film, der sich nicht entscheiden kann, ob er klassischer Grusel sein will, oder doch lieber Effekt-Spektakel, und mit vielen Dummheiten und hanebüchenen Detailfehlern ein Großteil der Zuschauersympathien verschenkt.

Über weite Strecken sieht “The Wolfman” zumindest gut aus. Der erste Akt ist durchaus stimmungsvoll, die Drehorte sind von Anfang an düster und bedrohlich (hier wurde ein Kardinalfehler des Originals nicht wiederholt), und Benicio del Toro gibt ein beneidenswert exaktes Faksimile von Lon Chaney jr.  ab, mit Nuancen von Chaney sr. aus gut einem Dutzend Gruselklassiker untergemischt. Der Werwolf wird lange Zeit nur für Sekundenbruchteile (durchaus effektiv) gezeigt, und die erstaunlich gute CGI bei anderen Kreaturen (Bär, Reh) lässt endlich mal auf eine souveräne Integration der Computereffekte hoffen.

Aber schon am Anfang fällt auch auf, dass die Figuren entsetzlich blass geschrieben sind, dass ihre Beziehungen kaum Drama enthalten, und dass Emily Blunt einfach nicht die nötige sinnlich-melancholische Ausstrahlung für einen solchen Film hat. Über weite Strecken ist “The Wolfman” ein pudriges Kostümdrama im Stil der BBC, bemüht, aber letztlich arg steif.

Damit könnte ich leben. Nicht jeder moderne Gruselfilm muss Bonbon-Kino sein, und als Antidot zum versofteten Twilight-Ringelrein begrüße ich jeden Versuch, dem Horror wieder etwas dramatisches Gewicht zu verleihen. Leider verlässt “The Wolfman” dieser Mut nach ca. 40 Minuten, und in einer an “League of Extraordinary Gentlemen” erinnernden Verfolgungsjagd durch London geht alle Ambition flöten, die CGI behutsam in die Handlung zu integrieren. Zehn Minuten lang regiert peinliches Spektakel, bevor der Film zu seinem deutlich naturalistischeren Ton zurück findet. Ich kann nur vermuten, dass es sich hierbei um den Part handelt, der um des Boxoffice-Potentials willen nachgedreht wurde.

Aber die Reshoots sind nicht das Grundproblem. Auch das, was in diesem uneinheitlichen Gebräu aus diversen Rewrites noch vom Skript zu erahnen ist, lässt nicht darauf schließen, dass “The Wolfman” jemals das Potential hatte, ein moderner Klassiker zu werden. Ich greife mal willkürlich drei Beispiele heraus:

- Lawrence Talbot träumt von seiner Kindheit, von Sommertagen mit dem Bruder und der Mutter. Was für ein Bild findet Johnston, um das zu illustrieren? Das dümmstmögliche Klischee: Ben und Lawrence rennen lachend in Zeitlupe in Matrosenkostümchen um einen Springbrunnen, während um sie herum Blüten im Sonnenlicht glitzern. Billiger und penetranter geht es nicht mehr.

- Die Tatsache, dass Lawrence den Werwölf töten will, der ihn gebissen hat, ergibt eigentlich ein logisches Ende: Nur durch die Unterbrechung der Blutlinie kann er vom Fluch befreit werden. Doch obwohl das Skript immer mal die Möglichkeit einer Rettung erwähnt, wird dieser elementare Aspekt des Werwolf-Mythos am Schluss nicht erwähnt oder bedient.

- Als Werwolf Lawrence London in Panik versetzt, ruft Inspector Abberline einem Kutscher zu: “Telegraphieren sie Scotland Yard – sie sollen Waffen ausgeben!”. Man stelle sich das mal praktisch vor: Der Kutscher findet des nachts tatsächlich ein geöffnetes Telegraphenamt, von dem er Scotland Yard kabelt: “Geben Sie Waffen aus!”. Was genau würde der Pförtner vom Yard, bei dem das Telegramm landet, damit wohl machen? Und wie lange würde das schätzungsweise dauern?

So verschwenden sich gute Schauspieler und ein beträchtlicher Produktionsaufwand an einen Film, der vielleicht eine gute Idee war, mit der dann aber niemand etwas anzufangen wusste. Hier haben viele Köche den Brei verdorben, und es fehlt die starke Hand eines Regisseurs mit Vision. Das Original von “The Wolf Man” war ein Kind seiner Zeit, und “The Wolfman” schafft es nicht, das zu wiederholen. Er wirkt anachronistisch und unbeholfen. Wenn man dem Thema nichts Neues hinzu zu fügen hat (wie es zum Beispiel “Wolf”, “Wolfen”, oder “Pakt der Wölfe” gelungen ist), was soll die ganze Mühe dann?

Fazit: Komitee-Kino der ganz eingebildeten und missratenen Sorte.

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“Dr. Hope” – Teaser

Gepostet am 8. Februar, 2010 um 14:32 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, In Arbeit, Neues.

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Bildcopyright: Erika Hauri/ZDF

Ein Kommentator hat es ja schon erwähnt, und nun mache ich es offiziell: Am 19. März läuft auf arte mein Zweiteiler “Dr. Hope” komplett, am 22. und 24. März zieht dann das ZDF nach. Zur gleichen Zeit kommt die DVD.

Treue Leser werden sich erinnern – an “Dr. Hope” habe ich satte sechs Jahre gearbeitet, und ich bin mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Der Zweiteiler (unter der Regie von Martin Enlen) ist toll geworden.

Ich werde in den nächsten vier Wochen vor der Ausstrahlung viele Bilder, Produktionsberichte, Biographien, und Interviews veröffentlichen, die mir das ZDF freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Da sind ein paar sehr interessante Sachen dabei, und ich hoffe, ihr werde dafür genau so viel Begeisterung aufbringen wie für meine anderen Arbeiten.

Zum Start verweise ich jetzt aber erstmal auf das, was es hier zum Thema in den letzten Jahren bereits gegeben hat:

Hopes Münchner Haus im Wandel der Zeit

“Hope” bekommt Filmförderung

“Hope” heißt Hoffnung

Set-Besuch bei “Dr. Hope”

Der Roman zu “Dr. Hope”

“Dr. Hope” – erste offizielle Bilder

“Dr. Hope” auf dem Münchner Filmfest

Kino-Kritik: “Survival of the Dead”

Gepostet am 7. Februar, 2010 um 15:14 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

USA/Kanada 2009. Regie: George Romero. Darsteller: Alan van Sprang, Kenneth Welsh, Richard Fitzpatrick, Kathleen Munroe, Athena Karkanis, Stefano DiMatteo u.a.

survival-of-the-deadStory: Sechs Wochen, nachdem die Toten ihre Gräber verlassen haben, ist von der Zivilisation nicht mehr viel übrig. Der taffe Sarge lässt sich und seine kleine Truppe Ex-Soldaten nach Plum Island locken, wo er Ruhe vor den Untoten finden will. Doch auf der Insel bekriegen sich seit Generationen die Clans der Muldoons und der O’Flynns, die auch angesichts der Zombie-Epidemie gegensätzliche “Lösungsansätze” verfolgen.

Kritik: Kurz zur Einordnung für Hardcore-Fans: “Night of the Living Dead” ist ein Paranoia-Klassiker, der den modernen Zombie-Film als Genre aus der Taufe gehoben hat. “Dawn of the Dead” ist für mich das Meisterwerk der Gattung, eine brillante Konsum- und Gesellschaftskritik, verpackt in einem mehr als kompetenten Actionszenario. “Day of the Dead” war ein qualitativer Einbruch, ist aber immer noch weit besser, als die zeigenössische Kritik heute glauben macht. “Land of the Dead” war im Zeitalter von “28 days later” und “Signal” ein angenehm nostalgischer Oldschool-Streifen, der allerdings schon erkennen lässt, das Romero inhaltlich nichts Neues mehr beizutragen hat. “Diary of the Dead” habe ich nicht gesehen – der von der Kritik gescholtene Abstieg des Meisters zum Gonzo-Filmer hätte mir vermutlich zu weh getan.

Und nun also “Survival of the Dead”, eine Rückkehr zum “richtigen” Film, und ein ordentliches Sequel zur “Dead”-Reihe. Oder eher ein Spinoff, denn in eine vernünftige chronologische Reihenfolge lassen sich die Teile schon lange nicht mehr bringen.

Es ist Romero hoch anzurechnen, dass er inhaltlich noch Ambitionen hat, über Videospiel-Plots (töte den Anführer der Zombies! Sprenge das Hauptquartier! Finde das Antiserum!) hinausgehende Geschichten zu erzählen. Sein Drehbuch ist in dieser Beziehung das Gegenteil des “Malen nach Zahlen”-Prinzips von “Avatar”. Nicht jede Figur hat eine klar vorhersehbare Funktion, nicht jede Szene ist mechanischer Antrieb der Narrative. Bei ihm ist nicht alles schwarz und weiß, gut und böse – es ist eine verwirrende Welt, die flexible Moralvorstellungen verlangt.

Trotz des erkennbar geringen Budgets (die Explosion einer Hafenklause z.B. muss Romero komplett im Off halten) ist “Survival” flott inszeniert, professionell gespielt, und bis auf ein paar Schwächen bei den wenigen CGI-Effekten auf der Höhe der Zeit, was B-Movies angeht. Besser, aber auch schlechter sehen 70 Prozent der Filme beim Fantasy Film Fest auch nicht aus. Außerdem fokussiert Romero seine Kamera konsequent auf die Figuren, statt ständig mit Schauwerten zu huren, was seine erzählerische Solidität noch unterstreicht. Es geht um die Geschichte, nicht um filmische Angeberei. Er ist ein Handwerker, kein Feuerwerker.

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An der vollends befriedigenden und konsequenten Weiterschreibung der “Dead”-Saga scheitert “Survival” letztlich aber aus zwei Gründen.

Da ist zum einen eine erzählerische Fahrigkeit, die der Suspense abträglich ist. Es war schon immer ein Kardinalfehler der Romero-Skripts, kein Interesse an einem klaren Protagonisten zu zeigen. Zwar wird “Sarge” als Held eingeführt, über weite Strecken schaut er den Ereignissen aber nur zu, und nimmt in der zweiten Hälfte des Films vielleicht 30 Prozent der Handlung in Anspruch. Romero verzettelt sich zwischen den Figuren, lässt sie dabei grob gezeichnet, und oftmals nur halb erzählt. Er hat den Anspruch, ein Sittengemälde zu malen, belässt es aber bei einem frustrierend krakeligen Entwurf. Immer wieder beschleicht den Zuschauer das Gefühl, Romero habe einen geradezu shakespearschen Willen, in seinen Figuren-Gruppen die großen Tragödien der gesamten Menschheit zu destillieren – allein, es fehlt ihm an der Konzentration und vielleicht an der schreiberischen Brillanz, das auch ausreichend zu transportieren.

In “Survival” wird dieses Problem noch durch den Mangel an erzählerischen Mitteln verstärkt: Was für einen straighten “Zombies gegen Inselbewohner”-Fetzer gereicht hätte, verschluckt sich an der großen Parabel. Im Gegensatz zu den ersten vier “Dead”-Filmen gelingt es Romero nicht mehr, das Gefühl allumfassender Ohnmacht zu erzeugen, die ersten Nebelschwaden der Apokalypse zu zeigen. Vom Ende der Welt wird erzählt, aber es wird nicht mehr wirklich vermittelt. Im Gegenteil: Die Tatsache, dass es noch YouTube und iPhones gibt, von Late Night Shows ganz zu schweigen, impliziert eher, dass die Lage nicht annähernd so bedrohlich ist, wie die Protagonisten sie empfinden. Wenn Romero aus Kostengründen den Shot der entvölkerten Großstadt bei Tag gegen eine leere Landstraße bei Nacht tauscht, geht der dramatische Impact der Zombie-Invasion schnell den Bach runter. Es hilft auch nicht, dass sich Romero mitunter im sarkastischen Tonfall vergreift, und kleinere Plot-Twists fast schon beleidigend “aus dem Hut gezogen” wirken.

Schlimmer aber: Romero hat augenscheinlich kein Interesse mehr, einen echten Zombie-Film zu drehen. Es geht ihm nur um das Drama der Muldoons und der O’Flynns, dem er die Zombies als Katalysator unterschiebt, und Sarge als Beobachter zwischen den Fronten. Was die Beteiligten umbringt, ist ihre Unfähigkeit zur Kommunikation, ihr starres Festhalten an alten Fehden. Die Untoten sind zum Hintergrund degradiert, und werden in “Survival” mit einer Leichtigkeit dezimiert, dass sie als Bedrohung fast schon lächerlich wirken. So ist das Finale auch kein Showdown “Menschen vs. Zombies”, sondern “Patrick O’Flynn vs. Seamus Muldoon”. Man fühlt sich um die eigentliche Geschichte, um den wahren Grund des Zuschauerinteresses an einem “Dead”-Film betrogen.

Genug Gründe, um von “Survival” abzuraten, gibt es also. Und doch möchte ich es mir so einfach nicht machen, weil es sich auch der Film nicht so einfach macht. Er ist vielleicht nicht perfekt, aber er ist wenigstens ambitioniert, und es ist genau der Mangel an Ambition, der mich bei so vielen perfekter inszenierten Filmen auf dem Fantasy Film Fest so nervt. Schon dafür gebührt Romero Respekt. Und es lässt sich auch nicht bestreiten, dass gerade aus der Ambition heraus immer wieder einzelne Szenen entstehen, die schön, ungewöhnlich, und bizarr sind. “Survival” hat fünf oder sechs Momente, die für sich allein schon besser sind als alles, was einige hochgelobte Nachwuchsfilmer auf die Leinwand hieven.

Der (besonders inhaltliche) Abstieg Romeros ist weiterhin beängstigend, und für mich könnte er gerne ernsthaft über die Rente nachdenken. Wenn die “Dead”-Reihe kreativen Bankrott erfährt, sollten andere dafür verantwortlich sein als der Meister selbst. Let it go, George. Du musst doch echt nichts mehr beweisen.

Fazit: Als B-Zombiefilm allemal unterhaltsam, als Romero-Zombiefilm ambitioniert, aber etwas zu müde und unausgegoren. Für Horrorfans meiner Generation trotz der vielen Defizite auf jeden Fall ein Muss.

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Zur Werbung: A long time ago (1978) in a (TV) galaxy far far away (Japan)…

Gepostet am 4. Februar, 2010 um 20:23 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Lustiges, Neues.
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Würde eigentlich prima in den Kontext des Star War Specials passen. Ziemlich offensichtlich, dass die Produzenten Zugriff auf lizensierte Masken hatten, die Kostüme aber selber schneidern mussten.

“Avatar” DVD-Raubkopie: Alles nur eine Frage der Moral?

Gepostet am 4. Februar, 2010 um 09:44 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

movie-piracyEs ging vergleichsweise schnell, trotzdem ist es gerade in der Oscar-Saison nicht überraschend: Seit gestern geistert eine DVD-Raubkopie von “Avatar” durch die Weiten des Internets, vermutlich basierend auf einem Screener für die Academy. Damit gibt es für Leute, die den Film nicht nur wegen der 3D-Effekte sehen wollen, erstmals eine ernsthafte Alternative zum Kinobesuch.

Es gab die Diskussion ja schon angesichts des “Wolverine”-Workprints, aber es scheint mir angebracht, sie hier noch einmal anzustoßen.

Der Download der Raubkopie ist nicht legal. Es ist auch nicht legal, sie zu verbreiten. Aber kann bei einem Film, der 2 Milliarden Dollar eingespielt hat, noch von einem volkswirtschaftlichen Schaden durch die Raubkopie gesprochen werden? Welches Argument könnte 20th Century Fox bringen, um User vom Download abzuhalten? Dass James Cameron Australien kaufen will?

“Avatar” wird sicher dieser Tage einer der beliebtesten Downloads im Netz werden – die Torrents werden glühen, das weltweite Übertragungsvolumen wird ansteigen. Ist das nicht auch wieder der Beweis, dass Leute eben nicht STATT des Kinosbesuchs raubkopieren, sondern ergänzend dazu? Wer scharf drauf ist, “Avatar” aus dem Netz zu ziehen, ist doch scharf genug gewesen, den Film schon im Kino zu sehen, oder? Die Boxoffice-Zahlen sprechen hier eine deutliche Sprache.

Im Jahr der Rezession 2009 schnellten die Besucherzahlen in den Kinos weltweit hoch. 3D-Filme haben um 60 Prozent zugelegt, und sich vom Nischen-Image befreit. Trotz der Abwesenheit von “Spider-Man”, “Batman”, “Herr der Ringe”, James Bond oder “Star Wars” war es für die Branche ein exzellentes Jahr.

So wie die “Wolverine”-Raubkopie dem Film nicht geschadet hat (der eher schwache Streifen spielte allein an den Kinokassen fast 400 Millionen Dollar ein), wird auch die “Avatar”-Kopie keinen nennenswerten Schaden anrichten. Und sie wird auch die Absatzzahlen der DVD nicht mindern, oder die Chancen auf eine Fortsetzung.

Den Beweis für die immensen Verluste, die Raubkopien angeblich verursachen, ist die Branche auch 2009 schuldig geblieben.

You’re going to HELL! And not just any hell…

Gepostet am 3. Februar, 2010 um 20:26 Uhr
Kategorien: Lustiges, Neues.

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Oscar-Gedanken zu “Avatar”

Gepostet am 3. Februar, 2010 um 01:51 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

Okay, der goldene Dildo wird am 7. März wieder vergeben. Erwartungsgemäß hat “Avatar” bei den Nominierungen abgeräumt, und ich habe mir dazu mal ein paar Gedanken gemacht.

Best Picture: Geht gar nicht. Spektakel ist nicht gleich Qualität, und technischer Fortschritt ist kein Plus an und für sich. “Inglorious Basterds” passt mir auch nicht (allerdings sollte Waltz schon als Nebendarsteller ausgezeichnet werden). Lieber “District 9″, “Hurt Locker”, “A serious man” oder gerne auch “Up”.

Best Actor/Actress etc.: Interessante Frage – können/würden/dürfen die eine CGI-Figur nominieren? Wird damit der dahinter stehende Schauspieler nominiert? Wäre das fair?

Best Art Direction: Dürfe “Avatar” im Sack haben. Auch wenn ich hier durchaus “Dr. Parnassus” und “Nine” sehen könnte.

Best Cinematography: Vermutlich auch “Avatar”. Wieder die Frage: Kann ein Kameramann die Statue ernsthaft in Empfang nehmen, wenn ca. 70 Prozent des Films von der Festplatte kommen, also nie eine Kamera gesehen haben?!

Best Costume Design: Ich wiederhole mich – kann man für Kostüme einen Oscar bekommen, die nie geschneidert wurden? Sind demnach Leute, die ihren Sim einkleiden, Schneider bzw. Modemacher? Mein Tipp: “Coco before Chanel”.

Best Director: Wäre es nicht cool, wenn Kathryn Bigelow ausgerechnet ihrem Ex die Tour versaut? Wenn es Tarantino wird, ist die Academy bei mir unten durch.

Best Editing: Außer “Basterds” vier richtig gute Kandidaten, die alle den Oscar verdient hätten. Hhhhmmm…

Best Makeup: Kann virtuelles Makeup nominiert werden?

Best Music: Eine eher lasche Auswahl. Ich würde mich für “Up” oder “Fantastic Mr. Fox” freuen.

Best Sound Editing/Mixing/Effects etc.: Alles an Cameron, bzw. seine Crew.

Best Writing: Kein “Avatar”. Welche Überraschung.

Es fällt schon auf, dass die Academy scheinbar das Wespennest der “virtuellen Leistungen” im Bereich Kostüm, Effekte, etc. nicht aufmachen will. Oder vielleicht hat man auch schon festgelegt, dass nur physisch existente Garderobe und Makeup zählen – warum eigentlich?

Mehr Details gibt es hier.

Generell kein sehr spannendes Oscar-Jahr. Es fehlen die wirklich großen Dramen, viele der Mehrfach-Nominierten sind mir zu banal und hollywood-esk.

Was meint ihr?

The Greatest Critic vs. “Avatar”

Gepostet am 2. Februar, 2010 um 17:08 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Lustiges, Neues.

Nach 70 Minuten “Phantom Menace”-Schlachtung nun das:

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Und der Bum hat auch noch was zu sagen:

Stumbling on the way to fame (1): Fünf Serienstars, die ihr nie gesehen habt…

Gepostet am 2. Februar, 2010 um 16:00 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Neues.

Ich habe mal wieder in meinen Archiven gekramt, und Bilder von Fernsehserien gefunden, deren Stars teilweise vor der ersten Ausstrahlung ausgetauscht wurden, oder die es gar nicht auf den Schirm schafften. Einiges davon kennt ihr vielleicht aus dem Netz, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass auch exklusive Sachen dabei sind.

Den Anfang macht “Martial Law“, eine ziemlich gut produzierte Action-Krimiserie mit Hongkong-Legende Sammo Hung. Den aufwändigen und beeindruckend choreographierten Pilotfilm drehte Stanley Tong, und an Sammos Seite stand Dale Midkiff aus “Time Trax” (im Bild links):

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Das Problem: Midkiffs eigentlich schon eingestellte Westernserie “The Magnificent Seven” wurde überraschend in eine zweite Staffel geschickt, und er fiel für “Martial Law” aus. Seine Szenen wurden mit Louis Mandylor neu gedreht.

Wer aber genau hinschaut, kann Midkiff bei einer Schlägerei im Polizeirevier noch kurz im Hintergrund stehen sehen. Diese Szene konnte aus Kostengründen nicht nachgdreht werden.

Auch in der Folge blieb “Martial Law” nicht von Problemen verschont, und während der zweijährigen Laufzeit wurde mehrfach am Konzept gefeilt. Sammo galt durchweg als schwierig, eine der Hauptdarstellerinnen soll ein massives Koks-Problem gehabt haben, Mandylor stieg aus, und nach dem Erfolg von “Rush Hour” wurde die Serie durch Hinzufügung von Arsenio Hall fix zu einem Klon des Kinohits geschliffen.

Über Jahre hinweg wurde “The Sam Hill Chronicles” auf TV-Messen wie Sauerbier angeboten – der Name “Sam Hill” geht dabei auf einen Euphemismus für “Was zum Teufel?” zurück, und die Serie sollte so eine Art “X-Files im Wilden Westen” sein:

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Das Problem: Während “X-Files”-Klone Hochkonjunktur hatten, war das Interesse an Western auf einem absoluten Tiefpunkt, zumal Keller Entertainment nur ein sehr schmales Konzept anzubieten hatte. Gegen Ende der “Sam Hill”-Bemühungen zur Jahrtausendwende präsentierte man zumindest einen geplanten Hauptdarsteller, den australischen Action-B-Veteran Richard Norton, und packte sein Foto in die Promo-Mappen:

SamHillChronicles01

Die internationalen Einkäufer bissen allerdings immer noch nicht an, und “Sam Hill”, geplant als australische Produktion wie “Beastmaster”, verschwand in der Versenkung.

Nicht ganz so unbekannt ist hingegen “Charmed“, eine enorm populäre Aaron Spelling-Produktion, mit der ich selbst wahrlich genug zu tun hatte. Der nie ausgestrahlte Pilotfilm gehört zu einem beliebten Sammlerstück in den Weiten des Internets, denn er ist mit gleich zwei Schauspielern besetzt, die bis zur Austrahlung ausgetauscht wurden: Chris Boyd spielte den Cop Andy Trudeau (in der Serie dargestellt von T.J. King), und die bis dahin völlig unbekannte Lori Rom gab Phoebe Halliwell:

charmedpilotSchaut man sich den “unaired pilot” an, wird schnell klar, warum Rom gegen die Serien-Veteranin Alyssa Milano ausgetauscht wurde – sie hat null Chemie mit ihren “Schwestern” Shannen Doherty und Piper Laurie Holly Marie Combs. Ärgern muss sie sich nicht: Lori Rom ist seither solide im Film- und TV-Business beschäftigt.

Glaubt man dem Flurfunk in Hollywood, muss man gute Nerven haben, um Charakterdarsteller wie Mandy Patinkin oder eben Jamey Sheridan einzustellen – beide neigen zur Zickigkeit, und steigen gerne mal aus, wenn ihnen was nicht passt. Und so ist es durchaus keine Überraschung, dass Sheridan zwar in den Promo-Clips zur Sitcom “Veronica’s Closet” zu sehen war, in der Serie dann aber Christopher McDonald auftauchte:

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Und zum Schluss noch ein Leckerbissen: Es waren die frühen 90er, als Superhelden-Lizenzen auch von Marvel und DC noch vergleichsweise billig zu haben waren. Ausgerechnet (oder naheliegenderweise?) Brigitte Nielsen ließ sich grün anpinseln, um sich mit einem Fotoshooting als “She-Hulk” zu empfehlen. Es wurde von einem Kinofilm geredet, aber auch eine TV-Serie wollte man nicht ausschließen:

SheHulk1Keine Ahnung, ob’s am grottigen Kostüm gelegen hat – das Projekt fiel der Vergessenheit anheim, ebenso Frau Nielsens “Karriere”. Seien wir dankbar.

Das war es schon für heute aber, aber heute ist nicht alle Tage – ich habe noch Material für eine Fortsetzung…

What are the odds?! No, seriously???

Gepostet am 1. Februar, 2010 um 13:34 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

Wahrscheinlichkeit und Zufall sind spannende Sachen, besonders wenn sie an unser eigenes subjektives Empfinden gekoppelt sind. Wie oft scheinen Dinge von so unglaublicher Unwahrscheinlichkeit aufeinander zu treffen, dass man sich am Kopf kratzt und denkt: “Das KANN doch kein Zufall sein, oder?” Wir haben das bei meinem letzten Beitrag ja gerade erst gesehen.

Mir sind dieser Tage gleich zwei weitere banale, aber nichtsdestotrotz memorable Beispiele untergekommen.

Beispiel 1: Ich schaue die ersten beiden Folgen der neuen Staffel/Serie “Scrubs (Med School)”. Dr. Dorian erklärt den Medizinstudenten, auf dem “quad” dürften sie ihn “J.D.” nennen. Ich bin zwar u.a. Übersetzer, kenne den Begriff aber nicht. Aus dem Kontext reime ich mir zusammen, dass es sich dabei um einen Teil des Campus-Geländes handelt, der zur Entspannung der Studenten dient.

Am selben Abend sehe ich eine Folge von” Saturday Night Live” von 1978 mit dem Schauspieler Robert Klein. In einem Sketch erwähnt er den “quad” seiner Uni.

Ein Wort, das ich in 40 Jahren nie gehört zu haben meine, taucht im Abstand von nur zwei Stunden gleich zwei mal auf.

Beispiel 2: Ich schaue das Comedy-Special “I swear to God”. Nagelneu, von 2009. Im Nachspann wird als Regisseur John Moffitt genannt. Der Name bleibt hängen, weil er so viele Assoziationen weckt: Steven Moffat von “Dr. Who”, der Muffit von “Galactica”, der Schauspieler D.W. Moffett…

Am selben Abend sehe ich die erste Folge der Nachrichten-Satire-Show “Not necessarily the news”, die HBO immerhin schon 1982 von der BBC adaptiert hat. Eine eher lahme und juvenile Sache. Als Regisseur im Abspann: John Moffitt.

Erklärbar ja – mein Gehirn hat neue Informationen aus verschiedenen Gründen als “ungewöhnlich” getagged, und kurz darauf ein Wiederauftauchen vermeldet. Aber komisch auch.

Nett auch: Ich schaue in einem Fenster auf meinem Notebook eine Sitcom, in der ein Charakter “Bring it!” ruft – während Firefox gerade einen Artikel öffnet, der… na, kommt ihr drauf?… “Bring it!” heißt…

Keine Überraschung ist hingegen, dass in zwei von 20 aktuellen Filmen, die ich auf Ibiza gesehen habe, der mir bis dato unbekannte Christopher Marquette als Hauptdarsteller auftrat.

Karma reloaded: Wortvogel is back!

Gepostet am 30. Januar, 2010 um 16:14 Uhr
Kategorien: Neues, Privates.

12.000 Meilen, davon 2000 mit dem Auto, neue Outfits, mehrere Länder, unendlich viele Menschen, unendlich viele neue Eindrücke, und am Ende ein Glückskeks mit dieser ungewöhnlich konkreten Botschaft:

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Meine (verspätete) Meinung: Avatar

Gepostet am 26. Januar, 2010 um 05:05 Uhr
Kategorien: Film, TV & Presse, Gedanken, Neues.

avatar-james-cameronAuf meiner weiten Reise durch die Welt bin ich nun endlich dazu gekommen, mir “Avatar” anzusehen, und zwar so, wie er gesehen werden sollte: im Originalton, mit digitaler Projektion, in 3D, mit Publikum, und auf einer mörderisch großen Leinwand.

Weil Christian in seiner Besprechung schon vieles abgehakt hat, werde ich mich nicht mit Fragen von Produktion und Inhalt aufhalten. Dürfte ja soweit auch alles schon bekannt sein. Es geht hier nur noch um meinen ganz persönlichen Eindruck. Und der ist zutiefst gespalten.

Der Film ist ein Monster. Angetrieben von einem Monster-Ego. Er ist genau die Sorte von bizarrem Exzess, den man von einem genuinen Meister der Form erwartet, der seinen eigenen Weltrekord in fortgeschrittenem Alter noch einmal übertreffen will, ja übertreffen muss. An keiner Stelle ist “gut” gut genug – die Vorgabe ist immer “mehr”, “schneller”, “bunter”, “breiter”. Mit vielen Ausrufezeichen.

Es ist Camerons immer noch einzigartiger Beherrschung des Mediums zu verdanken, dass er sich dabei nicht im totalen Effekt-Overkill verstolpert. Auch in den brachialsten Actionszenen zeigt er sein trainiertes und perfektioniertes Gespür für Choreographie und Timing, das z.B. George Lucas bei den Prequels, und Michael Bay bei so ziemlich allem abgeht. Da sitzt jeder Insert, ist jeder Frame exakt geplant. Wie bei “Aliens”, “Terminator” – Cameron ist eine Regie-Maschine, und um mit “Inner Space” zu sprechen: Die Cameron-Maschine hat null Defekte.

Definiert “Avatar” damit die Möglichkeiten des SF-Films neu, wie es z.B. “Matrix” tat? Nein. Zwar ist die Menge der Effekte beeindrucken, ihr Einsatz exzellent durchdacht, und ihre schiere Omnipräsenz überwältigend – aber nichts davon ist wirklich neu, und zum “game changer” fehlt dann in letzter Konsequenz auch die Perfektion: Zu oft ist CGI noch als CGI erkennbar, zu oft haben die Figuren von der Festplatte bei schnellen Bewegungen zu wenig Gewicht, und sind jederzeit als virtuell spürbar. In seiner völligen farblich übersättigten Künstlichkeit hat der Planet Pandora manchmal sogar den unangenehmen VR-Beigeschmack eines Xbox360-Shooters.

Dass die Darsteller angesichts ihrer meist kompletten Digitalisierung im allgemeinen Rummel nicht groß auffallen, ist verständlich. Weniger verständlich ist, wie Sam Worthington in kurzer Reihenfolge die Hauptrollen in “Terminator:  Salvation”, “Avatar” und “Clash of the Titans” einsacken konnte. Wenn ihm im Verlauf der Handlung Haare wachsen, sieht er immer mehr wie ein zu muskulöser Ben Affleck aus – und er spielt auch nicht sonderlich inspiriert. Sein Avatar irritiert mich, weil er an Woody Harrelson erinnert. Nennenswert in der CGI-Performance erscheint mir nur Zoe Saldana, die am meisten aus den blauen Pixeln quetscht, was noch als “Schauspielerei” durchgeht.

Nun habe ich keine Probleme, mir fast 3 Stunden lang State of the Art-Effekte in 3D anzuschauen, mit geradezu affiger Detailverliebtheit in groß angelegten Action-Sequenzen. Aber wie schon in “Titanic” zeigt Cameron einen massiven Widerwillen, in der Konstruktion der Geschichte über das Mindestmaß hinaus zu gehen. Das ist im besten Fall praktikabel, im schlimmsten Fall aber peinlich.

“Avatar” ist “Lederstrumpf”, “Shogun”, “Der Smaragdwald”, “Pocahontas”, “Der Mann, den sie Pferd nannten”, “Der mit dem Wolf tanzt”, “Outlander“, und jeder andere Film, in dem (grob gesagt, es gibt Variationen) ein vermeintlich überlegener zivilisierter Charakter (gerne verletzt) bei einem vermeintlich primitiven Stamm landet, dessen Kultur annimmt, die schöne Häuptlingstochter flachlegt, sich vor dem besten Krieger beweisen muss, und am Ende den Stamm gegen seine eigenen Leute führt, weil er deren Rücksichtslosigkeit erkannt hat.

Auffällig scheint mir in diesem Zusammenhang “Terra“, der dieselbe Idee hatte, aber wenigstens den Mut aufbringt, nicht alles auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu schnitzen – dort wird etabliert, dass die Menschheit praktisch keine andere Wahl hat, als Terra zu plündern. Bei Cameron wird eine solche Motivation gar nicht erst versucht. Die Menschen sind halt böse. Buh-fucking-huh.

Schlimm ist es demnach nicht, so eine 0815-Story zu erzählen, besonders nicht bei einem Film, der mit vielem, aber nicht einem ausgereiften Plot zu begeistern versucht. Auch “Titanic” war als Love Story kaum mehr als eine dünne Hülse. Ermüdend ist aber, dass Cameron so gar kein Interesse hat, die Geschichte wenigstens minimal zu variieren – was sich ja wirklich anböte, wenn man sie schon auf einen anderen Planeten verlegt. Er hakt die einzelnen Plot Beats geradezu gelangweilt ab, und selbst die emotionalen Momente sind nie mehr als Mechanik, eine Fortführung des Films von A nach B, von B nach C, etc..  Jede Folge der ersten Staffel von “Battlestar Galactica” ist mitreißender – und ich habe genug Kampfszenen in “Babylon 5″ gesehen, deren Ausgang mir mehr Sorgen machte. Es ist alles zu vorhersehbar, bis in die einzelnen Dialoge und Konflikte.

Hinzu kommt, dass Cameron die altbekannte Geschichte mit den durchweg blassen Protagonisten um Randfiguren erweitert, die sich in seinem Oeuvre sein 30 Jahren nicht verändert haben – Selfridge ist Burke aus “Aliens”, Chacon ist Hernandez, Sully ist Hicks, etc. Das Militär ist böse und korrupt, steckt mit der Regierung und den Großkonzernen unter einer Decke, für das Ziel der totalen Ausbeutung ist jedes Menschenopfer akzeptabel, etc. pp. So beeindruckend Camerons technische Vorreiterschaft ist – so sehr stagniert seine Entwicklung als Autor. Und es schert ihn augenscheinlich nicht.

Und damit kommen wir zu dem, was mich an “Avatar” nicht nur gestört, sondern regelrecht wütend gemacht hat: Dieser New Age-Chavinismus, nach dem ein Haufen elender Baumtänzer in jeder Beziehung die moralische Überlegenheit hat, weil er “in Einklang mit der Natur” lebt. Es ist die hässliche Fratze des Selbsthasses, der unsere Kultur spätestens seit den 60ern in Wellen immer wieder durchläuft. Wir sind seelenlose Killer, die für behauptete Reichtümer die eigene Existenzgrundlage vernichten. Keine neue, und in ihrer Simplizität auch keine stimmige Message. Cameron will uns weismachen, dass doch alles in Gut und Böse unterteilbar ist, und die Maschine niemals die menschliche Spiritualität ersetzen kann – im Prinzip genau der Gedanke, an dem sein Film erzählerisch scheitert, weil er neben der hochgezüchteten Technik eben keine nennenswerten gedanklichen Fortschritte bietet. Die Macht der Maschine ist seelenlos – das gilt für Pandora wie für “Avatar”. Isn’t it ironic?

Die simple “Noble Savage”-Plotte mit der Öko-Botschaft ist in einem Maße penetrant, unaufrichtig, und folgenlos (was hält die irdischen Streitkräfte davon ab, Pandora nach dem Aufstand einfach zu Klump zu bomben?), dass ich mitunter vermuten musste, Cameron halte seine Erzählung aus blankem Zynismus auf Kindergarten-Niveau – je einfacher, desto mehr Raum bleibt für seinen technischen Achterbahnritt. Dazu passt auch der Soundtrack von James Horner, der ungesund zwischen Bombast, Ethno-Drums, und Enya-Versatzstücken umher rudert.

Zu der ganzen weichgespülten Erzählung passst dann auch die fortschreitende pussification of James Cameron: “Avatar” ist bei aller Action geradezu albern gewaltfrei, der einzig nennenswerte Tod (des Häuptlings) geschieht fast nur im Augenwinkel des Zuschauers. Und die “Sexszene” ist ungefähr so erotisch wie Tara Reids Gehopse auf Christian Slater in “Alone in the Dark”. Ein PG-Rating sah noch nie so verlogen aus.

Ich verwehre mich übrigens gegen Christians präventiven Vorwurfe, Kritik an der Welt, der Philosophie, und der Geschichte “Avatars” sei typisch für den Zynismus und den Flachwitz der “modernen Generation”. In meinen Augen verlangt “Avatar” zum vollen Genuss nicht “einlassen”, sondern “doof stellen”. Die Öko-Moral mögen 12jährige knorke finden, und es mag sie inspirieren, sich Gedanken über die Plünderung unserer Ressourcen zu machen – aber wenn jetzt erwachsene Menschen sich als Na’Vis anpinseln, und künftig in einem “Hometree” leben wollen, dann sehe ich die Infantilisierung der postmodernenen Gesellschaft auf einem neuen, destruktiven Höhepunkt. Ich dachte immer, Hippies gehen nicht ins Kino.

Was macht “Avatar” dann aber zum erfolgreichsten Film aller Zeiten? Da bin ich überfragt. Vielleicht ist es wie oben angedeutet: Die Message, dass der Mensch zu seinen Wurzeln zurückfinden muss, kommt in Wellen (60er, 80er), und spricht eine Ursehnsucht an, die über das rationale Verständnis weit hinausgeht. So dünn die Botschaft ist (letztlich etwa wie “Make love, not war”), so massenkompatibel ist sie genau deshalb auch. Ihre Naivität macht sie kritikresistent, und sie krault geschickt der Furcht des reptilischen Gehirns vor der Vernichtung die Eier. Niemand kann das von Cameron postulierte Dilemma ernstnehmen – und doch will jeder glauben, dass die elementaren Dinge so einfach sind. Mein Freund, der Baum.

Das Wespennest, dass Cameron auch explizit lebensbejahende Religiösität gegen destruktiven Atheismus setzt, lasse ich jetzt mal ungeöffnet, weil ich den Film hätte ernstnehmen müssen, um mich darüber zu ereifern.

Kommen wir zum Fazit, denn meine Reise ruft mich, und die Maid klopft schon an das Hotelzimmer:

“Avatar” ist ein Showcase, mit dem Cameron zeigen will, was heutzutage möglich ist, und was die nächsten 20 Jahre bringen können. Und wie für einen Showcase üblich, hält er seine Ware laut schreiend und wedelnd vor die Kamera: “Alles neu! Alles besser! KAUFEN! KAUFEN!”. Er produziert das, was in der Hiphop-Kultur “bling” genannt wird. Es ist nicht auf Nachhaltigkeit produziert, sondern mit dem erklärten Ziel, ein instinktives “wow” zu provozieren.

Tja, aber an manchen Stellen war mir die dezente, aber durch und durch hochkarätige Wertarbeit in “District 9″ tatsächlich lieber, denn sie zeigt Möglichkeiten der SF in einer ganz anderen, storygebundenen Richtung auf.

“Avatar” ist dennoch ein sehenswerter und perfekt durchgeplanter Trip, ein Spektakel um des Spektakels willen, von genau dem Regisseur, der wie kein zweiter für so ein Projekt prädestiniert ist. “Avatar” reißt mit, begeistert, lädt zum fliegen ein. Wie bei keinem anderen Film habe ich mich im Kino gefragt: “Wie soll dieses Erlebnis auf DVD reproduzierbar sein?” Kino um des Kinos willen, mit Leidenschaft und Spielfreude. Bis das Licht wieder angeht, und der Vorhang fällt. Dann sollte man tunlichst vermeiden, das Gesehene über das Bauchgefühl hinaus zu überdenken.

Eine Frau im Kino fasste es deutlich simpler, aber nicht weniger zutreffend zusammen: “Eine Melange aus Cirque du Soleil und Winnetou 1-3.”

Film Funnies

Gepostet am 21. Januar, 2010 um 17:59 Uhr
Kategorien: Film Funnies.

seide01

Movie Mania Minis (19)

Gepostet am 19. Januar, 2010 um 00:34 Uhr
Kategorien: Fantasy Filmf. 09, Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues.

Sky Crawlers

Japan, 2008. Regisseur: Mamoru Oshii.

the-sky-crawlersInhalt: In einer nicht näher erklärten Parallelwelt ist der Krieg auf Konzerne verlagert, die ihre Luftkämpfe von genetisch gezüchteten Kinderpiloten austragen lassen. Kannami wird auf eine Basis der Rostock Corporation versetzt, wo er sich in die Flugleiterin Kusanagi verliebt, ebenfalls ein “Kildren”. Mehr und mehr wird Kannami klar, dass er zu seinem Vorgänger, einem verstorbenen Piloten, eine mehr als psychische Verbindung besitzt…

Kritik: Dankt mir für die Zusammenfassung. Das, was ich da oben als Plot beschrieben habe, ist das, was man sich nach geschlagenen zwei Stunden als Zuschauer mühsamst zusammen reimen kann – wenn man denn wach geblieben ist. Ich kenne nur wenige Filme, die sich to träge und vage einer klaren Narrative verweigern, deren Figuren so stumm und apathisch bleiben. Es mag sein, dass im Roman von Mori Hiroshi erheblich genauer auf die Details eingegangen wird – auf der Leinwand ist davon allerdings nichts angekommen.

Nicht nur die konkrete Geschichte und die Personen bleiben nebulös – auch die gesamte Welt, in der “Skycrawlers” spielt, ist kaum über Chiffren hinaus definiert. Wo spielt die Handlung? WANN spielt die Handlung? Wer gegen wen? Was ist Sinn und Zweck eines Krieges, der scheinbar nur aus vereinzelten Luftkämpfen besteht, und jenseits der Politik stattfindet? Wieso rauchen die Kildren alle Kette? Es ist eine fremde, kalte Welt, die wir nicht verstehen können – und die uns deshalb auch nicht im Geringsten schert.

Nachdem der Film sich 90 Minuten lang konsequent weigert, irgendwas zu erklären, werden die gesamte Backstory und der emotionale Aufhänger dann in den letzten 20 Minuten dem Zuschauer in zwei groben, statischen Packen Exposition vor die Füße geworfen. Friss oder stirb. Da sterbe ich lieber.

Diese ganze lähmend diffuse Erzählweise wäre als Realfilm schlimm genug – als Trickfilm ist sie unerträglich. Simpelst gezeichnete Figuren ohne Details, die zehn Sekunden lang aus dem Fenster starren, ohne dass sich im Frame IRGENDWAS bewegt – das ist schon provozierend lethargisch. Die attraktivste 2D-Animation gehört dann auch passenderweise dem Basset Hound der Basis, dem mit Abstand lebendigsten Charakter des Films.

Ich sage sowas immer ungern, aber: Das Ende ist eine bodenlose Frechheit. Die Geschichte wird nicht beendet, sie hört einfach auf. Klappe zu, Affe tot. Keine Erklärungen, keine emotionalen Abschlüsse, gar nichts. Eine “post credits”-Sequenz setzt einfach wieder alles auf Anfang.

All das ist umso enttäuschender, da “Skycrawlers” nicht nur ein an sich spannendes Konzept spazieren trägt, sondern in der technischen Umsetzung hart an der Grenze zum Meisterwerk vorbei schrammt. DIe Figuren mögen detailarm sein, aber ihre Animation ist geradezu erschreckend flüssig. Simple Vorgänge, wie das Absteigen von einem Motorroller, oder das Falten einer Zeitung, haben eine hypnotische Wirkung, einfach weil sie so real wirken. Gegenstände, Hintergründe, Fahrzeuge – anhand von Referenzbildern wurde alles liebevoll gestaltet, mit geradezu manischer Perfektion.

Und die Luftkämpfe! Grundgütiger, diese Luftkämpfe! In dem Moment, wenn die Piloten von der Basis abheben, explodiert die Dramaturgie, springt “Skycrawlers” aus dem Koma in hyperaktive Action, die wirklich sehenswert ist. Komplett in CGI (bis auf die Piloten), zieht eine “mittendrin statt nur dabei”-Choreographie den Zuschauer ins Geschehen, wie ich es in den letzten Jahren nur bei “Battlestar Galactica” erlebt habe. Man hat das Gefühl, die 3D-Abteilung habe einen ganz anderen Film machen wollen, als die Zeichner der 2D-Drama-Sequenzen. Was “Skycrawlers” an Dogfights bietet, ist mehr als State of the Art – es definiert State of the Art für diesen Bereich.

Aber es hilft nicht: Letztlich quält man sich durch die emotionslosen Dialoge der ausdruckslosen Charaktere, um alle 20 Minuten mal ein Bonbon in Form eines Luftkampfes hingeworfen zu bekommen. Und das KANN nicht genug sein.

Fazit: Eine unsäglich fade “Wings of Honneamaise”-Variante, die sich in Parallelwelt- und Psycho-Details verliert, und dafür ungefähr eine Stunde zu lang ist. Es lohnt sich aber, die DVD auszuleihen, um sich zu den einzelnen Luftkämpfen durchzuspulen.

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Film Funnies

Gepostet am 17. Januar, 2010 um 18:50 Uhr
Kategorien: Film Funnies.

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