16
September 2014

Retourkutschen

Zuerst einmal – ich halte dieses Video für einen Fake:

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Es spricht aber einen ziemlich guten Punkt an, über den ich mich vor ein paar Jahren schon mal ausgelassen habe und zu dem mir gerade noch eine Anekdote einfällt.

Schon immer habe ich mich darüber aufgeregt, dass Leute ihre Zigarettenkippen aus dem Auto schmeißen. Aus Autos, die allesamt Aschenbecher haben. Aber beim Tankvorgang den Aschenbecher auszuleeren, ist vermutlich zuviel verlangt. Auch immer wieder gerne gesehen: Den Aschenbecher beim Parken einfach am Bürgersteig ausklopfen.

Rechnet man das nur sehr konservativ hoch, landen jedes Jahr Millionen Kippen aus Celluloseacetat und Triacetin, vollgeladen mit karzinogenen Giftstoffen, in der freien Natur. Sie werden nach links rausgeschmissen, wo rechts der passende Entsorgungsbehälter steht. Das kotzt mich noch mehr an als Leute, die den Dreck ihrer Hunde nicht wegschaufeln – das ist wenigstens organischer Abfall und die stehen eben auch nicht immer neben einer Tonne. Aber Kippen aus dem Auto werfen? Meiner rheinischen Herkunft gemäß bekomme ich da SO’N HALS.

So’n Hals hatte ich auch vor ca. 15 Jahren während eines sehr heißen Sommers, was allerdings primär an einer brutalen Grippe lag, die mich zum Einwurf heftiger Medikamente zwang. Ich beging den Fehler, mich nicht krankschreiben zu lassen, sondern zugedröhnt in Richtung ProSieben zu gondeln. Auf dem Mittleren Ring in Höhe Olympiastadion dann: Stau.

Noch mal zur Erinnerung: Hitze, Medikamente, Stau.

Hinter mir ein Jaguar. Ich sehe im Rückspiegel, dass der Fahrer raucht und der Bequemlichkeit halber aus dem Fenster ascht. Benebelt fabuliert mein Gehirn ein paar Flüche zusammen, denkt sich adäquate Foltermethoden für diesen Arsch aus, der MIT SICHERHEIT die Kippe gleich aus dem Wagenfenster werfen wird.

Er wirft die Kippe aus dem Wagenfenster.

Hitze, Medikamente, Stau.

Ich ziehe die Handbremse an, steige aus meinem VW Golf, gehe die paar Schritte zurück zum Jaguar, hebe die Kippe auf – und bevor er das Fenster schließen kann, werfe ich die noch glimmende Rest-Zigarette so in seinen Wagen, dass sie im Bodenbereich des Beifahrersitzes landet. Dann gehe ich entspannt zu meinem Wagen zurück und fahre in den sich auflösenden Stau.

Im Rückspiegel sehe ich, wie der wild gestikulierende Jaguar-Fahrer aussteigen will (vermutlich, um mich zu hauen), nachdem es ihm endlich gelungen ist, die Kippe erneut zu entsorgen (diesmal im Aschenbecher seiner Luxuskarre). Dann aber wird er hupend vom nachfolgenden Verkehr davon abgehalten, alttestamentarische Rache zu nehmen.

Es waren die Hitze, die Medikamente, der Stau. Sonst wäre ich vernünftiger gewesen. Was ich heute, 15 Jahre später, schade finden würde. Denn im Jahr 1999 hat sich ausnahmsweise mal das Arschloch geärgert und nicht ich.

Mittlerweile würde ich so etwas nicht mehr machen. Nicht aus Feigheit, nicht aus Einsicht – aber KEINER, bei dem man es macht, würde daraus lernen. Es ist einfach den Stress nicht wert.

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16
September 2014

Fantasy Filmfest Masterliste (2): The Classics

Nachdem ich alle Filme aus meiner Bloggerzeit bereits verlistet habe, sind nun die Klassiker dran – hier ist die Aufstellung dessen, was ich von 1990 bis 2006 gesehen habe. Sagt viel über meinen Geschmack aus, aber auch über das Festival und die Veränderungen im Genre allgemein.

Wie schon erwähnt, bin ich seit 1990 jedes Jahr beim Fantasy Filmfest dabei gewesen. Anfangs bestand das Programm noch primär aus Retrospektiven und Schwerpunkten, weil neue Streifen für so ein “Mini-Festival” kaum zu bekommen waren. Mit dem Erfolg änderte sich das und ab Mitte der 90er dominierte das FFF die Genre-Festivalszene im ganzen Land.

Ich habe in den ersten 17 Jahren nicht annähernd so viele Filme gesehen wie in den letzten acht. Erstens, weil ich damals nicht drüber schreiben musste und dementsprechend keine Bringschuld empfand. Zweitens, weil ich keinen Urlaub dafür nehmen konnte und sich meine Verfügbarkeit auf die “Primetime” beschränkte. Und drittens, weil ich damals sowieso mit Screenern und Pressevorführungen eingedeckt war. Der Bedarf war nicht vorhanden.

Die nachfolgende Liste ist eine Rekonstruktion anhand der Programminfos der Webseite f3a.net. Ich werde sicher einige Filme vergessen haben – andere stehen hier, obwohl ich sie bei regulären Pressevorführungen gesehen habe. Meine Erinnerung ist brüchig. Aber ich denke, zu 95 Prozent müsste es hinhauen.

Ein Klick auf die Überschriften bringt euch zur Gesamtübersicht des Jahres, ein Klick auf die Filmtitel zu den entsprechenden Programmheft-Texten.

München 1990 – 8

Frisch nach München gezogen, enttäuscht von “Blue Steel”, beeindruckt von den Puppenfilmen “Marquis de Sade” und “Meet the Feebles”, verstört von “Santa Sangre” – meine erste Begegnung mit Jodorowsky. Nach “Hardware” noch mit Vorbild und Genrekritik-Legende Norbert Stresau diskutiert. Drei Monate später starb er – mit 31.

Blue Steel
Darkman
Hardware
Leatherface: Texas Chainsaw Massacre III
Marquis de Sade
Meet the Feebles
Santa Sangre
Twin Peaks: Fire walk with me

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München 1991 – 7

Anime, Thriller, TV-Event, B-Grusel, Stephen King und französische Weirdness – die perfekte Mischung.

Akira
Body Parts
Condition Red
Delicatessen
Jacob’s Ladder
Misery
Past Midnight

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München 1992 – 3

War ich in Urlaub – hatte ich zu wenig Zeit oder Lust? Keine Ahnung. Minusrekord. Dafür “Hellraiser III” in einer noch nicht farbkorrigierten Schnittfassung als Premiere und “Split Second” als Beweis, dass auch kleine B-Movies auf der großen Leinwand gewinnen können.

Hellraiser III
Split Second
Wedlock

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München 1993 – 13

Umzug in die Nähe des Kinos – lange Abende, wenig Schlaf, am nächsten Tag wieder in die GONG-Redaktion. Im Programm immer mehr Premieren und aktuelle Filme, die Zeit der riesigen Retrospektiven geht zu Ende. Solide Mischung, Enttäuschung allerdings bei den selbstreferenziellen “Stage Fright” und “Matinee”. Der Totalausfall “Tobe Hooper’s Living Nightmare” ist meine erste Kinokonfrontation mit Harry Alan Towers, den ich Jahre später persönlich und gut kennenlernen werde. Eine Frechheit ist der Überraschungsfilm “Posse”, ein “black Western”, der vor allem deshalb überrascht, weil er auf einem solchen Festival nichts zu suchen hat.

12:01
Accion mutante
Body Snatchers
Carnosaurus
Freaked
Kalifornia
Matinee
Posse
Return of the Living Dead III
Stage Fright – Eine Gurke erobert Hollywood
The Turn of the Screw
Ticks
Tobe Hooper’s Living Nightmare

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München 1994 – 13

Erstkontakt mit Guillermo del Toro, dessen Talent schon in “Cronos” offensichtlich ist. Carpenter auch mal wieder gut drauf, solide Action in “Full Eclipse” und “Surviving the Game” (“always check the barrel, bitch!”). Dafür peinlich berührtes Rumgeschubber auf dem Sitz bei “Das Schweigen der Hammel”.

Angriff der 20 Meter-Frau
Cronos
Das Böse III
Das Schweigen der Hammel
Dellamorte Dellamore
Die Mächte des Wahnsinns
Freddy’s new nightmare
Full Eclipse
Heart and Souls
Killing Zoe
Love and a .45
Necronomicon
Surviving the Game

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München 1995 – 5

“Die Passion des Darkly Noon” begeistert, gerade auch weil der Film in Deutschland gedreht wurde. “Castle Freak” ist Hardgore. “Fist of the North Star” ist eher so meh. Start der großartigen “God’s Army”-Saga – sollte jeder mal im Kino gesehen haben.

Castle Freak
Die Passion des Darkly Noon
Die Stadt der verlorenen Kinder
Fist of the North Star
God’s Army

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München 1996 – 8

Die Brüste von Pamela Anderson dominieren alles und Anime-Fans sind sich einig: So wie in “Crying Freeman” geht das in Ordnung. “Hellraiser IV” enttäuscht, Albert Pyun sowieso, “Evil Ed” ist einer der vielen kleinen Festival-Filme, von denen man nie wieder hört.

Barb Wire
Crying Freeman
El dia de la bestia
Evil Ed
Ghost in the Shell
Hellraiser IV
Lord of Illusion
Ultimate Chase

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München 1997 – 9

“Dobermann” rockt zynisch, “Dark World” ist sehr solide, “Wax Mask” nur eine schwache Erinnerung an Giallo-Legenden. Jackson goes Mainstream.

Bordello of Blood
Bram Stoker: Dark World
Curdled
Dobermann
Hemoglobin
Nirvana
Space Truckers
The Frighteners
Wax Mask

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München 1998 – 11

Es sind die kleineren Filme, die begeistern: “Bone Daddy” mit Faux-King-Grusel, “18th Angel” mit der bezaubernden Rachel Leigh Cooke, “Cube” von Natali. Carpenter enttäuscht, “Talos” sowieso. “Dark City” sorgt für Diskussionen.

18th Angel
Bone Daddy
Cube
Dark City
Das Böse IV
Jerry & Tom
John Carpenters Vampire
Orgazmo
Progeny
Talos – Die Mumie
Wishmaster

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München 1999 – 7

Ich konzentriere mich auf Mainstream, meide asiatische Produktionen – ein wenig bemerkenswertes Jahr.

13th Warrior
13th Floor
Beowulf
Drop dead gorgeous
Echoes
eXistenZ
Idle Hands

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München 2000 – 11

“Ginger Snaps”, “Final Destination” und “Pitch Black” machen drei Franchises auf – “Fortress 2″ macht seine wieder zu. William Hurt goes Grusel, “Komodo” ist besser, als Titel und Thema vermuten lassen. Der argentinische “Sleepwalker” ist ein lohnenswerter Außenseiter.

4th Floor
Cherry Falls
Convent
Final Destination
Fortress 2
Ginger Snaps
Komodo
Mystery Men
Pitch Black
The Sleepwalker
Tinseltown

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München 2001 – 9

Sehenswerter deutscher Beitrag “Vortex”. “Der Pakt der Wölfe” begeistert das gesamte Publikum. Mir gefällt “Jason X” und der spanische Außenseiterfilm “Heart of the Warrior” rührt mein Herz.

Der Pakt der Wölfe
Donnie Darko
Faust: Love of the Damned
Heart of the Warrior
Jason X
Jeepers Creepers
Memento
Vampire Hunter D: Bloodlust
Vortex

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München 2002 – 12

Einer der kurzweiligsten Jahrgänge mit den sehr rasanten “51st State”, “Bloody Mallory”, “Cube 2″, “Dog Soldiers”, “The Bunker” und “Versus”. Wer mehr Anspruch und etwas weniger Tempo sucht, findet beides beim polnischen “Avalon” und bei “Human Nature”.

51st State
Avalon
Bloody Mallory
Cube 2
Demonlover
Dog Soldiers
Human Nature
Legend of the Phantom Rider
Reign of Fire
The Bunker
Versus
Vidocq

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München 2003 – 11

Daft Punk begeistern mich mehr als Rob Zombie, mit Natali liegt man nie falsch und viele solide B-Movies sorgen für ein rundes Festival.

11:14
Bubba Ho-Tep
Cypher
Dead Creatures
Dead End
House of 1000 corpses
Identity
Interstella 555
Monster Man
Phone Booth
Undead

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München 2004 – 13

Ein Festival, auf dem “Butterfly Effect” und “Open Water” die besten Filme sind, kann kein Top-Jahrgang sein. Aber “Nothing” und “Hellboy” machen Spaß, die Chinesen lassen mit “Twins Effect” die Sau raus und Franka Potente langweilt (sich und uns) im Londoner Untergrund.

Butterfly Effect
Creep
Dawn of the Dead
Dead and Breakfast
Hellboy
Immortel
Kaena: The Prophecy
Nothing
Open Water
Spy Bound
The Machinist
The Twins Effect
Trespassing

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München 2005 – 7

“Reefer Madness” macht mit der süßen Kristen Bell bekannt, Emily Booth rockt “Evil Aliens”, “The Descent” weist auf ein neues Regie-Talent hin – aber ausgerechnet der gehypte “Kiss Kiss Bang Bang” entpuppt sich als eitler und geschwätziger Rohrkrepierer. “Kampfansage”? Autsch.

Appleseed
Evil Aliens
Godzilla: Final Wars
Kampfansage
Kiss Kiss Bang Bang
Reefer Madness: The Musical
The Descent

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München 2006 – 12

Doc Acula ist aus Nürnberg zu Besuch, ich hole mir beim Trip zwischen den beiden Kinos Blasen an den Füßen. Wieder überzeugen kleine Filme, “Them” ist Terror pur, “Renaissance” ein visueller Trip, “River King” eine exzellente Romanadaption. Der launige “Behind the Mask” ist ungerechtfertigterweise fast schon vergessen.

A Scanner darkly
Adrift
Behind the Mask
Brick
Frostbite
Karla
Final Fantasy: Advent Children
Renaissance
Severance
The River King
Them
Wolf Creek

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Was für ein Festival-Senior ich bin, kann man schon daran erkennen, dass die Programmhefte in meinem Kopf auf ewig A5 und blau sein werden – wie in der glorreichen 1993-1999-Ära:

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September 2014

Pro-Tipps für den Alkoholiker-Nachwuchs: Lieber 12jähriger…

… ich nenne dich einfach mal so, weil du wie maximal 12 aussiehst und ich deinen Namen nicht kenne.

Speyer. Altstadtfest. Wein, Bier, Wurst und Tornados. Cover-Bands, die lauter Musik machen, von der du nie gehört hast – Styx, Meat Loaf, Spandau Ballet, Deep Purple. Rambazamba, humbatatärä vom Fanfaren-Orchester. Provinzparty für einen guten Zweck.

Da musst du dabei sein. Verstehe ich gut. Kirmes in Düsseldorf war für mich auch immer der Knaller. Da kann mich toll mal erwachsen fühlen, Spaß haben, “abhängen”. Ist für gewöhnlich auch die richtige Zeit, der kleinen Nachbarstochter einen Kuss oder dem großen Bruder eine Zigarette abzuschwatzen.

Alkohol ist allerdings so eine Sache. Wir leben nicht mehr in den 70ern, als ein angeheiterter 12jähriger noch eine verdammt lustige Sache war und käsehohe Wirtssöhne dem Papa am Zapfhahn helfen durften. Das gibt zu schnell Ärger mit Ordnungs- oder Jugendamt.

Deswegen war unsere Begegnung am Bowle-Stand auch so tragisch. Schon klar: Du dachtest dir “Bowle ist auch nix anderes als Obstsaft mit ein paar Umdrehungen drin”. Quasi die Capri Sonne unter den Spirituosen. Erdbeeren, Kiwi, Melone. Viel unverdächtiger als Bier oder Wein. Kann ja nicht so schwer dranzukommen sein.

Also: Hühnerbrust raus, Schultern zurück, lässigen Blick aufsetzen und zum Mann hinter dem Tresen genau das Falsche sagen: “Verkaufen Sie Bowle auch schon an 16jährige?”

Erwartungsgemäß entwickelte sich der Dialog in eine für dich eher ungünstige Richtung:

Gastwirt:”Klar schenken wir an 16jährige aus.”
12jähriger Junge: “Prima. Ich bin nämlich 16 und nehme dann mal eine Limetten-Bowle mit Wodka.”
Gastwirt: “Gerne. Zeig doch mal deinen Ausweis.”
12jähriger Junge: “Öhh…ähh… den habe ich jetzt gerade nicht dabei.”
Gastwirt: “Ohne Ausweis keinen Alkohol. Ist dir eigentlich klar, dass du gesetzlich verpflichtet bist, dich jederzeit ausweisen zu können?”

Da kamst du ins Schleudern. Zwei, dreimal rumdrucksen, irgendwas murmeln, nix wie weg.

Der Gastwirt hat mich angelacht. Ich habe ihn gefragt, ob so etwas öfter vorkommt. Er sagt, normalerweise hätten die Pimpfe noch eine Zigarette in der Hand, um “alt genug” zu wirken. Funktioniert hat es noch nie.

Das tut mir leid für dich. Weil es so eine Art Reifeprüfung ist, Alkohol zu trinken, bevor man es darf. Man darf es nur nicht übertreiben. Nicht jeder ist zur Drew Barrymore geboren.

Es ist auch gar nicht so schwer, im Rahmen eines Stadtfests an Alkohol zu kommen. Weil du dich aber so doof angestellt hast, gebe ich dir nun mal ein paar Tipps. Andererseits: Vielleicht ist die Tatsache, dass du zu doof zum Alkohol abstauben bist, ein guter Hinweis, dass du mit dieser Reifeprüfung noch ein wenig warten solltest.

Sei’s drum.

Gefälschte Ausweise sind hierzulande leider kein Kavaliersdelikt wie in den USA. Rate ich also von ab. Der Aufwand würde auch deine Fähigkeiten und dein Taschengeldkontingent sprengen. JPG aus dem Internet auf Papas Farbdrucker ausdrucken reicht gemeinhin nämlich nicht.

Wenn es dir nur um die verbotene Frucht Alkohol geht – nutze nicht das Stadtfest, sondern die Tatsache, dass deine Eltern auf dem Stadtfest sind. Mach es wie mein Vater, der war ein echter Profi-Alkoholiker: sauf daheim! Ist auch billiger. Es findet sich sicher eine angebrochene Weißwein-Flasche oder eine Bierflasche, die im Keller vergessen wurde. Das hat dann auch gleich so einen verzweifelt-heimlichen Aspekt, der dich prima auf die Freuden der Quartalssäuferei einstimmt.

Ist der Haushalt der Eltern alkoholfrei oder (wahrscheinlicher) gut kontrolliert, dann besinne dich auf den Klassiker: Der große Bruder eines guten Kumpels ist bestimmt bereit, für einen Zehner ein paar Becher Bier in die Seitenstraße zu schleppen, wo ihr euch drüber her machen könnt. Der kennt das selber von REWE, wo allabendlich die Volljährigen für die vor dem Supermarkt lungernden Halbstarken den harten Stoff einkaufen.

Kein Teenager mit vollendetem Stimmbruch im Griffweite? Nicht verzweifeln! Die Möglichkeiten zur Beschaffung sind mannigfaltig. Du kannst es trotz aller bisherigen Warnungen tatsächlich am Bowle- oder Bierstand versuchen. Aber die Story muss so beiläufig und stimmig sein, dass der Schankwirt sich wider besseren Wissens hinreißen lässt, dir was zu zapfen. Meine Empfehlung: Mit einem Kumpel im Gespräch am Tresen auflaufen, Cola und Apfelschorle bestellen, sich vom Freund anhauen lassen: “Deine Mutter wollte doch noch ein Bier”. Ach ja, ein Bier für die Mutter noch. Klappt nicht oft, aber manchmal.

Ebenfalls keine Option? Dann empfehle ich den Klassiker mit Sternchen: Restesaufen. Geht am besten, wenn der Abend weit voran geschritten ist und die Erwachsenen ordentliche Pegel haben, so dass sie das letzte Glas nicht leer machen. Wenn eine Gruppe einen Tisch freimacht, lässig hingehen, als wärst du der Abräumer, ein paar Gläser oder Becher nehmen, hinter den Ausschank gehen und schnell runter kippen. Bonus: Die Mischung verschiedener alkoholischer Getränke verdirbt den Geschmack, verstärkt aber die Wirkung!

Last Exit Langfinger: Wenn’s zu lange dauert, bis ein Becher absichtlich stehen bleibt, kann man der Sache auch einfach Vorschub leisten. Gerade bei Bier müssen die Besitzer häufig austreten gehen, da braucht es nur ein gutes Auge und einen schnellen Griff, um die gewünschte Hopfenspezialität zum Eigentümerwechsel zu bewegen.

Bei dieser Methode ist nicht zu unterschätzen, dass es sich um echte Beschaffungskriminalität handelt und damit gleich zwei oder drei Schritte auf dem Weg zur soliden Alkoholikerkarriere genommen werden. Geht es also nicht so sehr um den Geschmack oder den Kick, sondern um das gesellschaftliche Vorankommen, kann ich das durchaus empfehlen.

Nur das mit den Zigaretten solltest du lassen. Lies mal die Aufkleber auf der Packung. Bäh.

In diesem Sinne:

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14
September 2014

Fantasy Filmfest Masterliste (1)

Dies ist die Masterliste aller Filme, die ich auf dem Fantasy Filmfest seit Bestehen meines Blogs gesehen und besprochen habe. Sie wird jährlich aktualisiert und ist immer über den neuen Tag “Fantasy Filmfest Stats” zu erreichen.

Die Links führen direkt zu den Reviews.

Die Bewertungen entsprechen nicht notwendigerweise exakt den Bewertungen ihrer Zeit, sondern repräsentieren meine aktuelle Meinung zu den Filmen – auch im direkten Vergleich miteinander.


20072007
München
28 Filme

28 Weeks later
 An American Crime
 Black Sheep
 Black Water
 Dead Silencegraph2007
 Death Note
 Edmond
 End of the Line
 Ex-Drummer
 Fido
 Film Noir
 Free Jimmy
 Hallam Foe
 I’m a Cyborg, but that’s okay
 OSS 117
 Out of the Blue
 Paragraph 78
 Perfect Creature
 Premonition
 Rise: Blood Hunter
 The Abandoned
 The Deaths of Ian Stone
 The Ferryman
 The Gravedancers
 The Lookout
 The Messengers
 The Signal
 Unrest


20082008
Nürnberg
19 Filme

 100 Feet
 36 Pasos
 Afro Samurai
 Dance of the Dead
graph2008 Dog eat dog

 Hush
 Jack Brooks – Monster Slayer
 JCVD
 Like a Dragon
 Midnight Meat Train
 Mirrors
 My Name is Bruce
 Outlander
 Rage
 Repo – The Genetic Opera
 Restraint
 Shuttle
 Terra
 Transsiberian
 Virus undead


20092009
München
22 Filme

 Black Dynamite
 Bronson
 Carriers
 Case 39
graph2009 District 9
 Doghouse
 Final Destination 3D
 Giallo
 I sell the Dead
 In the Electric Mist
 Infestation
 Moon
 Pontypool
 Sky Crawlers
 Tell Tale
 The Children
 The House of the Devil
 The Killing Room
 The Thaw
 The Tournament
 Thirst
 Trick’r’Treat


20102010
Berlin
23 Filme

 Amer
 Black Death
 Centurion
 Chatroom
graph2010 Clash
 Corridor
 Devil’s Playground
 Enter the Void
 Four Lions
 Frozen
 Gallants
 Hybrid
 Kaboom
 Monsters
 Red Hill
 Redline
 Suck
 The Disappearance of Alice Creed
 The Silent House
 The Wild Hunt
 Tucker & Dale vs. Evil


20112011
Berlin
37 Filme

 22nd of May
 A horrible way to die
 A lonely place to die
 Attack the Block
graph2011 Cat Run
 Chillerama
 Cowboys & Aliens
 Deadheads
 Don’t be afraid of the Dark
 End of animal
 F
 Grave Encounters
 Hair of the Beast
 Hell
 Hideaways
 Innkeepers
 Julia X
 Kill List
 Little Deaths
 Norwegian Ninja
 On the Ice
 Perfect Sense
 Phase 7
 Point Blank
 Rabies
 Red State
 Repeaters
 Stake Land
 Suicide Room
 Super
 The Divide
 The Last Death
 The Mortician 3D
 The Prey
 The Revenant
 The Valdemar Legacy
 Urban Explorer


20122012
Berlin
26 Filme

 13 Eerie
 A Chinese Ghost Story 2010
 Ace Attorney
 After
graph2012 Beast
 Beasts of the Southern Wild
 Columbus Circle
 Compliance
 Excision
 Grabbers
 Morituris
 Piranha 3DD
 Portrait of a Zombie
 Starship Troopers Invasion
 Storage 24
 Thale
 The Awakening
 The Dinosaur Project
 The Flying Swords of Dragon Gate
 The Ghostmaker
 The Possession
 The Suicide Shop 3D
 Universal Soldier: Day of Reckoning
 Vamps
 Violet & Daisy
 When the lights went out


graphNights2013Fantasy Filmfest Nights 2013
München
6 Filme

 American Mary
 Citadel
 John dies at the End
 Stoker
 The ABCs of Death
 The Bay


20132013
Berlin
37 Filme

 A field in England
 Aftershock
 APP
 Big Ass Spider!
graph2013 Byzantium
 Cheap Thrills
 Cottage Country
 Devil’s Pass
 Frankenstein’s Army
 Haunter
 House of Last Things
 In the Name of the Son
 Love Eternal
 Makkhi
 Miserere
 Odd Thomas
 Pawn Shop Chronicles
 Raze
 Scenic Route
 Sweet Vengeance
 Taped
 The Battery
 The Body
 The Complex
 The Congress
 The Human Race
 The Last Days
 The Lords of Salem
 The Numbers Station
 The Philosophers
 Three-60
 Tulpa
 u want me 2 kill him?
 Vanishing Waves
 VHS 2
 Welcome to the Jungle
 Zombie Hunter


graphNights2014Fantasy Filmfest Nights 2014
München
10 Filme

 Dead Snow 2
 Enemy
 In Fear
 Retornados
 Rigor Mortis
 Sacrament
 Snow Piercer
 The Green Inferno
 Witching & Bitching
 Wolf Creek 2


fff20142014
Berlin
50 Filme

 13 Sins
 All Cheerleaders die
 Among the Living
 Beneath
graph2014 Beneath (Fessenden)
Blue Ruin
 Cannibal
 Coherence
 Cold in July
 Dark House
 Extraterrestrial
 Faults
 Go Goa Gone
 Honeymoon
 Housebound
 In Darkness we fall
 iNumber Number
 It follows
 JamieMarks is dead
 Let us prey
 Life after Beth
 November Man
 Nurse 3D
 Oculus
 On the Edge
 Open Windows
 Patch Town
 Patema inverted
 Redirected
 Rufus
 Stage Fright
 Starred up
 Starry eyes
 Suburban Gothic
 The Babadook
 The Canal
 The Mule
 The Rover
 The House at the end of time
 The strange colour of our body’s tears
 The Treatment
 The Voices
 These final hours
 Time Lapse
 Under the Skin
 We gotta get out of this place
 Wer
 What we do in the Shadows
 Wolfcop
 Wrong Cops

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9
September 2014

Fantasy Filmfest 2013 (49): Cat Run 2

Ich schummle jetzt einfach ein bisschen, um auf die 50 zu kommen. “Cat Run 2″ lief gar nicht auf dem FFF 2014. Hätte er aber sollen. Weil der Vorgänger beim FFF 2011 eine echte Überraschung war und das Sequel somit Priorität haben sollte. Zusammen mit dem zweiten, falschen “Beneath” bin ich damit auf 50. Weil ich “Cannibal” echt nicht mehr schaffe – der ist furchtbar lang und soll furchtbar langweilig sein. Nehmt’s gnädig hin und lasst mich ausschlafen.

cat-run-2-2014-sat-thu-meo-hoang-2-1409458477USA 2014. Regie: John Stockwell. Darsteller: Scott Mechlowicz, Alphonso McAuley, Winter Ave Zoli, Kamille Leai, Vanessa Branch u.a.

Die Detektei von Anthony und Julian läuft nicht gut, Anthony möchte sowieso lieber Chefkoch werden – da trifft es sich gut, dass sein Kumpel ihn bei einem TV-Wettkochen in New Orleans angemeldet hat. Im Big Easy erwartet die beiden Freunde ein bizarrer Fall: Nackte osteuropäische Nutten haben versucht, in einem Armeestützpunkt wichtige Pläne für einen Supersoldaten-Anzug zu klauen, der dann an einen internationalen Waffenhändler verhökert werden soll. Anthony kommt bei seinen Ermittlungen der schönen Tatiana näher, als ihm lieb sein kann…

Kritik: Ich mache es kurz – so ziemlich alles, was “Cat Run” richtig machte, vergeigt der Nachfolger. Es ist mir ein Rätsel, wieso man des Sequel von Erstlingsautoren hat schreiben lassen, die augenscheinlich des Appeal des Originals nicht verstanden haben.

New Orleans ist deutlich unspannender als das südosteuropäische Setting des Erstlings, weil es für unsere Helden nur sehr bedingt ein unbekanntes Feld ist. Die “fish out of water”-Elemente fehlen, zumal die angedeuteten kulturellen Unterschiede letztlich nicht bedient werden.

Die amüsanten Nebenfiguren fehlen. D.L. Hughley, Paz Vega und vor allem die großartige Janet McTeer glänzen durch Abwesenheit – der Film gibt sich praktisch keine Mühe, an das Ende des Originals anzuschließen, auch wenn es zumindest im Dialog mal aufgegriffen wird. Tatiana und der “Wolf” sind kein Ersatz, bleiben so blass, dass ich die Darstellerinnen von Szene zu Szene immer mal wieder verwechselt habe.

Die Action ist zwar wieder viel und schnell, aber auch hirnrissig und überzogen. Wo der Erstling stark auf hausgemachte Ballereien und gute Choreographie setzte, sind die Fights in “Cat Run 2″ künstlich beschleunigt und bei der Hardware regiert die CGI.

Die Chemie zwischen Anthony und Julian ist diesmal nur behauptet, die meisten Gags zünden nicht und die Subplots ergänzen nicht die Handlung, sondern stören nur.

Was das Finale angeht, bin ich mir unsicher: Dass Anthony und Julian gar nichts mit dem “boss fight” zu tun haben, ist ein absolutes no go. Und die Inszenierung ist so erbärmlich wie die Computergrafik zweitklassig ist. Andererseits: Es ist ein weiblicher “Iron Man vs. Universal Soldier”-Fight. Scheiße hin oder her, es fasziniert.

mitteFazit: Ein völlig unausgegorener Mischmasch aus Genreelementen ohne Zusammenhalt, der die hyperaktive Action des Vorgängers nachäfft, aber nie erreicht. Cast und Regie können nicht retten, was das Drehbuch vergeigt. Einzig das hohe Tempo und der Comic-Stil retten “Cat Run 2″ ins Mittelmaß.

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P.S.: Ähnlich wie bei “Nurse 3D” bin ich gespannt, ob für die internationalen Märkte verschiedene Fassungen erstellt wurden, denn in der ersten Viertelstunde fährt “Cat Run 2″ so massiv “full female frontal nudity” auf, dass es kracht.

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September 2014

Fantasy Filmfest 2013 (48): Blue Ruin

blue ruin

USA 2013. Regie: Jeremy Saulnier. Darsteller: Macon Blair, Devin Ratray, Amy Hargreaves, Bonnie Johnson, Brent Werzner, Kevin Kolack, Daniel L. Kelly, David W. Thompson, Eve Plumb

Offizielle SynopsisNach einem traumatischen Doppelmord lebt Dwight seit Jahren am Rande der Gesellschaft – ein zerzauster, verwahrloster Landstreicher, unsichtbar für die meisten Menschen, allein mit sich selbst und seinen Rachegedanken im Schutze eines rostigen blauen Pontiac. Als eines Tages der für das damalige Verbrechen verurteilte Wade Cleland aus dem Gefängnis entlassen wird, schlägt Dwights Stunde. Bewaffnet und zu allem entschlossen sucht er nach dem Mörder, doch auf seinem Kreuzweg ist die Konfrontation mit Wade nur der Beginn einer unfassbaren Tortur – ein Abstieg in die Tiefen einer Hölle, aus der es kein Zurück mehr gibt. Ohne es zu wollen, entfesselt Dwight einen Krieg, der keine Sieger kennt.

Kritik: Mein Kumpel William aus San Francisco meinte, dieser Film wäre gut beleumundet. Darum habe ich ihn mir bis zum Schluss aufgehoben.

Strukturell folgt “Blue Ruin” dem Revenge-Muster: Dwights Leben wurde zerstört, als Verbrecher seine Eltern ermordeten. Nach 20 Jahren wird der Gangster entlassen, Dwight zieht zuerst gegen ihn, dann gegen seine nicht minder skrupellose Familie zu Felde.

Aber es wird auch von Anfang an klar, dass Dwight kein brütender Racheengel ist, sondern ein von der Gesellschaft abgekoppelter Sonderling, dessen singuläres Bedürfnis nach Vergeltung nichts mit dem Wunsch nach Gerechtigkeit zu tun hat. Er ist in rein alttestamentarischer Mission unterwegs – auch wenn er keine Ahnung hat, wie er das anstellen soll. Seine Versuche, sich eine Waffe zu besorgen und seine Gegner zu besiegen, sind unbeholfen, peinlich und mitleiderregend. Es ist nur einer bizarren Menge an Glück zu verdanken, dass er nicht augenblicklich scheitert. Dwight ist nicht Held oder Antiheld – nur ein Loser.

Dwight hat seinen Feldzug zudem nicht durchdacht – mit der Ermordung des Gangsters zieht er seine eigene Familie in die Angelegenheit hinein, denn das “Auge um Auge” wird nun in den erweiterten Kreis getragen. Gewalt erzeugt Gegengewalt, die Spirale wird zum Schneeball. Wenn Dwight “Two of mine, two of yours – let’s leave it at that” vorschlägt, ist es eher eine verzweifelte Bitte als eine Eastwood-eske Aufrechnung.

Das alles erzählt Saulnier langsam, aber mit einer spannenden und erschütternden Zwangsläufigkeit. Wie der Gaffer beim Unfall auf der Autobahn will man sehen, wie weit sich Dwight in die Scheiße reiten kann – und ob es für ihn überhaupt eine Chance auf Überleben gibt.

Somit überzeugt “Blue Ruin” als sorgfältig erzählter Thriller ebenso wie als Meta-Meditation über Filmgewalt und die Emotionen, die sie auslöst.

hochFazit: Ein Revenge-Thriller ohne schlechten Nachgeschmack, der die Selbstjustiz als leere Gewalt sozial verwirrter Außenseiter brandmarkt. Kampf ohne Katharsis, die geschickt die Eleganz der Actionästhetik unterläuft.

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P.S.: Ich habe zugegebenermaßen die Dominanz der Farbe Blau in Dwights Leben nicht verstanden. Kann jemand aushelfen?

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7
September 2014

Harter Deckel für harte Kerle

Ich bin vom Fantasy Filmfest zurück und arbeite gerade meine immerhin 25. Teilnahme (ununterbrochen seit 1990) statistisch auf. Da kommen noch ein paar interessante Beiträge auf euch zu, die zum Stöbern einladen.

Während ich in Berlin weilte, kam in Speyer ein lang erwartetes Päckchen für mich an – das Charles Band-Buch, das ich betreut und teilweise geschrieben habe, ist angesichts guter Verkaufszahlen in England nun auch als von Charles Band signiertes Hardcover erhältlich:

Empire-Promoted

Ich hab mein Sammlerstück schon, hurra:

hardcSollte jemand von euch mit dem Gedanken spielen, sich diese signierte Edition zu zu legen, der kann sie auch direkt an mich schicken lassen – dann unterschreibe ich ebenfalls und schicke sie weiter.

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6
September 2014

Fantasy Filmfest 2014 (47): The House at the End of Time

The House at the end of timeVenezuela 2013. Regie: Alejandro Hidalgo. Darsteller: Ruddy Rodriguez, Gonzalo Cubero, Rosmel Bustamante, Guillermo Garcia

Offizielle Synopsis: Seit Dulce, die Mutter zweier Kinder, mit ihrem Mann in das geheimnisumwitterte, alte Kolonialhauses irgendwo in Venezuela gezogen ist, geschehen dort seltsame Dinge. So wie es sich für Spukhäuser gehört. Eines Tages findet sie ihren Mann erstochen auf und als kurz darauf ihr kleiner Sohn Leopoldo von dem finsteren Kellergewölbe regelrecht verschluckt wird, hat sie bei der Polizei ein Glaubwürdigkeitsproblem. Was ihr jahrzehntelange Haft einbringt, die sie unschuldig verbüßt. Und sie schließlich mit der unerschütterlichen Absicht in das Gemäuer zurückkehren lässt, dessen Rätsel endgültig zu lösen. Noch kann sie nicht ahnen, wie sich ihr Schicksal erfüllen wird an diesem rätselhaften Ort – dem Haus, das Anfang und Ende vereint.

Kritik: Ich habe dieses Jahr irgendwie einen Overkill an Spukhausfilmen. Das Thema ist einfach nicht totzukriegen (pun intended). Nach zwei Beiträgen aus den USA und einem aus Neuseeland gibt sich nun Venezuela die Ehre – ein Land, das nicht gerade für seine blühende Filmindustrie bekannt ist (Vellywood?). Aber genau wegen solcher Außenseiter gehe ich (unter anderem) auf das FFF, also Ceylon-Tee auspacken, Leberkäs-Semmel bereit legen und „Film ab!“…

„The House at the End of Time“ lebt von seiner Struktur, der Art, wie er Gegenwart und Vergangenheit über Flashbacks zusammen bringt, bis sie sich ergänzen, schließlich sogar beeinflussen. Dulce war immer da, wird immer da sein – ist damit omnipräsent. Sie ist der Fokus des Geschehens, auch wenn sie als Protagonistin wenig taugt. Sie hat Angst, ist vom Leben ausgelaugt, schweigsam und mürrisch. Für sie Sympathie aufzubauen, sei es in der Gegenwart oder in den Flashbacks, fällt vergleichsweise schwer.

Es tut mir leid, wenn ich sehr vage klinge, aber es ist ausnehmend schwer, den Film zu erklären oder zu bewerten, ohne zuviel zu verraten. Denn das Geheimnis von “The House at the End of Time“ geht weit über die Frage hinaus, was im Haus spukt. Vom Prolog an fragen wir uns, wer hier eigentlich wem etwas will. Jeder ist verdächtig und doch gleichzeitig ein Opfer. Das macht den Reiz aus, vor allem, wenn am Schluss langsam alles zusammen findet.

Ich will mich jetzt nicht weiter in wolkigen Analysen ergehen. Inhaltlich ist “The House at the End of Time“ durchaus potent, präsentiert eine Spukgeschichte, die wir so noch nie gesehen haben – und deren Ende so stimmig wie befriedigend ist. Das Finale ist es auch, dass Dulce als Protagonistin rechtfertigt, wenn auch etwas spät.

Technisch hat “The House at the End of Time“ allerdings so seine Probleme: Trotz der relativ straffen und mehrschichtigen Struktur sind viele Szenen lähmend langsam, verbringen die Figuren anödend viel Zeit damit, in Türen und dunkle Gänge zu starren. Es ist ein freudloser Film, dessen Figuren nicht mit tatsächlichem Antrieb ausgestattet sind, sondern erst aus leerer Verzweiflung in die Gänge kommen. Alle schauen ständig drein wie auf einer Beerdigung und die Hauptemotion, die “The House at the End of Time“ transportiert, ist Depression. Wirkliche Begeisterung kann da auch im Zuschauerraum nicht ausbrechen.

Angesichts der zähen Vorgänge auf der Leinwand ist die Bewunderung, die man für die raffinierte Geschichte aufbringt, denn auch eher intellektueller Natur.

mitteFazit: Ein müder, trister Geisterhausfilm, dem die sympathischen Figuren abgehen – was letztlich schade ist, weil die Grundidee spannend ist und souverän aufgelöst wird. Ein geeigneter Kandidat für ein US-Remake mit etwas mehr Fokus auf dem Entertainment.

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6
September 2014

Fantasy Filmfest 2014 (46): We gotta get out of this place

we gotta get out of this placeUSA 2013. Regie: Simon & Zeke Hawkins. Darsteller: Ashley Adams, Mackenzie Davis, Logan Huffman, Jeremy Allen White, Jon Gries, William Devane, Mark Pellegrino

Offizielle Synopsis: Windkraftanlagen scheinen das Einzige zu sein, was sich im texanischen Flachland bewegt. Staubige Straßen, hässliche Häuser, dazwischen ragen kümmerliche Palmen wie Klobürsten aus der spärlich bewohnten Gegend. Sue und Billy hoffen auf eine bessere Zukunft am College, deswegen überredet sie ihr Freund B.J. noch ein letztes mal einen draufzumachen. Er hat gerade den Safe seines Chefs ausgeräumt, was Sue und Billy natürlich erst später erfahren, als der wütende Boss seinen Revolver sprechen lässt und ein unschuldiger Mexikaner dran glauben muss. Um das Geld  zurückzuzahlen, sollen die drei Freunde nun den Chef vom Chef beklauen und geraten tief in den sumpfigen Mief der lokalen Mafia.

Kritik: Noch ein Südstaaten-Krimistück. Diesmal eingepackt in die Geschichte einer Freundschaft, die an der Grenze zum Erwachsensein zerbricht. Das Verbrechen ist dabei nur ein Katalysator, der beschleunigt, was sowieso nicht aufzuhalten ist.

Letztlich geht es nicht um viel: Sue, Billy und BJ sind auf dem Sprung aus dem Kuhkaff heraus, haben ein letztes Mal Scheiße gebaut, müssen für den Kleinstadtgauner Gif nun einen „Job“ erledigen, der verdächtig einfach klingt. Aber wie Sue bei Jim Thompson gelernt hat: „Nichts ist so, wie es scheint“. Der Job ist nicht so einfach, wie er scheint, BJ nicht so loyal, wie er scheint – und die Beziehung von Sue und Billy ist sowieso von Unausgesprochenem und Unerfüllbarem geprägt. Es ist die Mischung aus kleinen Lügen und banalen Geheimnissen, die zu einer Katastrophe führen werden.

So etwas kann ganz schnell schief gehen, wenn man bei den Charakteren nur auf Klischees und bei den Dialogen nur auf Banalitäten zurückgreifen kann. Das ist hier glücklicherweise nicht der Fall.

Ich kann euch nicht sagen, wie erfrischend es ist, nach einem Rotz wie „Extraterrestrial“ und „Rufus“ mal wieder einen FIlm zu sehen, der seine jugendlichen Charaktere mit Leben füllen kann. Sue, Billy und BJ sind Alltagsgeschöpfe einer trostlosen Gegend und nicht billige Dekoration. In Zeichnung und Darstellung sind sie so präzise, dass man ihnen ansieht, woher sie kommen und wo sie in fünf Jahren sein werden – ohne dass der Film es zeigen müsste. Wir verstehen, warum sie befreundet sind, was sie aneinander bindet – und was sie letztlich auseinander treibt. Die Dynamiken sind zu 100 Prozent plausibel.

Es ist eine Sache, Figuren gut zu schreiben – eine andere, dann auch noch die perfekten Darsteller für sie zu finden. Die Hawkins-Brüder setzen ganz auf sympathisch ungelackte 70er Jahre-Gesichter, die trotz der Jugend schon geprägt sind, reif und verloren zugleich.

Angesichts die gut beobachteten Figuren und Situationen verzeiht man dem Film auch, dass er letztlich nicht wirklich knallt und am Schluss genau den Twist verweigert, den man eigentlich erwarten durfte. Bonuspunkt allerdings für Szene beim Sheriff, die ist eine wunderbar Miniatur und sollte dem Drehbuchnachwuchs mal als Beispiel dienen, wie man „um den heißen Brei reden“ zu einer Kunst macht.

hochFazit: Ein fast schon intimer Film, der sich für die Spannungen in der kleinen Gruppe interessiert und weniger für das Verbrechen, das begangen werden soll – was tatsächlich funktioniert, weil die Hawkins-Brüder mit Hilfe ihrer Darsteller und dem Drehbuch von Dutch Southern sehr präzise und glaubwürdige Figuren zeichnen.

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6
September 2014

Fantasy Filmfest 2014 (45): Among the Living

Aux-yeux-des-vivants-posterFrankreich 2014. Regie: Alexandre Bustillo, Julien Maury. Darsteller: Anne Marivin, Béatrice Dalle, Chloé Coulloud, Damien Ferdel, Fabien Jegoudez, Francis Renaud, Nicolas Giraud, Sidwell Weber, Théo Fernandez, Zacharie Chasseriaud

Offizielle Synopsis: Der letzte Sommertag vor den Ferien. Eigentlich wartet nun draußen vor dem Fenster das große Abenteuer auf Victor, Dan und Tom – zu dumm, dass die drei Freunde nicht gerade Musterschüler sind und ausgerechnet heute nachsitzen müssen. Flugs wird jedoch ein Fluchtplan geschmiedet, und nur wenig später sind die Jungs unterwegs über sonnenheiße Wiesen und Felder, hin zu dem alten verfallenen Studiogelände, dessen marode Attraktionen einen aufregenden Nachmittag versprechen. Ihr unbeschwertes Spiel findet ein jähes Ende, als die Drei plötzlich zu Zeugen eines grausamen Verbrechens werden. Im Schatten der verlassenen Bauten lauert etwas unsagbar Böses, ein unheimliches Phantom, das den Jungs auf ihrer panischen Flucht bis nach Hause folgt. Und hier erst, im vermeintlichen Schutz ihrer Familien, beginnt mit Einbruch der Nacht für Kinder und Eltern ein blutiger Kampf ums Überleben …

Kritik: Ich muss gestehen, dass ich im Subgenre “Französischer Terrorfilm” nicht sonderlich “drin” bin. Es ist mir zwar durchaus zu Ohren gekommen, dass aus unserem Nachbarland in den letzten Jahren ein paar beinharte Folterthriller gekommen sind, aber wirklich beschäftigt habe ich mich damit nie. Es ist ja bekannt, dass ich es mit Streifen in denen Leute mit sadistischer Freude gequält werden, nicht so habe.

Darum konnte ich “Among the Living” auch relativ “frisch” sehen, ohne ihn mit den Vorgängern vom gleichen Team, “Livid” und “Inside”, zu vergleichen. Zu dem Thema gab es nach der Vorstellung auch lebhafte Diskussionen.

Dass die Regisseure ihr Handwerk verstehen, daran besteht kein Zweifel: “Among the living” erzählt ebenso kompetent eine Coming of Age-Geschichte wie eine brutale “Home Invasion”, spielt mit Elementen von “Texas Chainsaw Massacre” und “Stand by me”, wechselt flüssig von “Die Drei Fragezeichen und das Geheimnis der verlassenen Westernstadt” zu “High Tension”.

Das ist aber auch leider das Problem: Während die Elemente für sich genommen funktionieren, greifen sie leider nicht ineinander. Statt EINE Coming of Age-Geschichte oder EINEN Home Invasion-Thriller zu drehen, wollen Bustillo und Maury alles in einem Kochtopf verrühren. Und das kann nicht funktionieren.

Schauen wir uns dazu nur mal kurz den Ablauf des Films an:

1) Brutales Intro der Antagonisten
2) “Stand by me”-Einführung der drei Schuljungen
3) “Die drei Fragezeichen und das Geheimnis der verlassenen Westernstadt”
4) “Home Invasion” (drei Episoden)
5) “Texas Chainsaw Massacre”, “The Hills have eyes”

Das ist zuviel und in den einzelnen Elementen dann doch wieder zu wenig.

Hinzu kommt, dass Monsterkind Klarence keine wirklich glaubwürdige Kreation ist. Seine Herkunft wird geradezu absurd unglaubwürdig transportiert und seine Kräfte sind ebenso fragwürdig wie überzogen, was “Among the living” fast schon ins nächste Genre “okkulter Killer” schubst. Irgendwann geht dann auch dem geduldigsten Zuschauer die Lust am Richtungswechsel aus.

Nun sollte man einem Film nicht vorwerfen, dass er zuviel will – es gibt mehr als genug Filme auf dem FFF, die zuwenig wollen und selbst daran scheitern. Aber letztlich wirkt “Among the living” bei aller handwerklichen Expertise einfach nicht homogen und torpediert sich damit selbst.

mitteFazit: Ein exzellent inszenierter und mit potenten Schocks ausgestatteter Hardcore-Thriller, der sich aber weder für ein Subgenre noch für ein Suspenselevel entscheiden kann und letztlich an den tonalen Diskrepanzen leidet.

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6
September 2014

Fantasy Filmfest 2014 (44): Housebound

HB POSTER FINAL_BLEED_3Neuseeland 2014. Regie: Gerard Johnstone. Darsteller: Morgana O’Reilly, Rima Te Wiata, Glen-Paul Waru, Cameron Rhodes

Offizielle Synopsis: Kylie kann das augenscheinlich verfluchte Haus ihrer Mutter leider nicht verlassen, da ein Richter sie zum Tragen einer elektronischen Fußfessel verdonnert hat. Der Grund dafür ist der misslungene Versuch, einen Geldautomaten zu knacken. Übler gestraft als mit Einzelhaft sitzt sie nun also wieder in ihrem alten Kinderzimmer fest, wird tagsüber von ihrer nörgelnden Mutter und einem schleimigen Seelenklempner traktiert, während ihr nachts unerklärliche Ereignisse den Schlaf rauben. Könnten Kylies entnervte Blicke töten, wäre hier bereits nach 20 Minuten niemand mehr am Leben.

Kritik: “Housebound” ist ein schönes Beispiel, dass letztlich alles wiederkommt. Der Erwachsene, der widerwillig wieder bei den nervigen Eltern ins verspukte Haus einziehen muss? Hatten wir vorgestern erst in “Surburban Gothic”. Die elektronische Fußfessel, die verhindert, dass die Protagonistin vor den Geistern fliehen kann? War auch schon der Aufhänger von “100 Feet” 2008.

Ich hatte zu “Suburban Gothic” ja geschrieben, dass der Film sich im Zweifelsfall für softe Comedy statt für harten Terror entscheidet. “Housebound” ist hingegen wild entschlossen, sich auf keinen Kompromiss einzulassen und beide Genres gleichwertig zu bedienen. Das ist gar nicht so einfach, denn eine überzogene Figur, über die wir lachen können, muss gleichzeitig realistisch genug sein, dass wir uns um sie Sorgen machen.

Und das gelingt. Prächtig sogar.

Schon die Ausgangssituation ist ein Highlight: Kylie hat die Rebellion der Pubertät gegen ihr spießiges Elternhaus ins Erwachsenenleben gerettet – und ist “am System” gescheitert. Und am eigenen kriminellen Unvermögen. Hausarrest daheim ist für sie schlimmer als jeder Knast, denn der Stiefvater ist ein tumber Eigenbrötler und die Mutter eine plappernde Nervensäge. Mehr noch: Kylie muss sich mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinandersetzen, den Wurzeln ihres aktuellen Dilemmas. Damit sind die Grundkonflikte vorprogrammiert – und Regisseur Johnstone melkt sie, bis es im Euter nur noch trocken raschelt.

Während “Suburban Gothic” sich damit begnügt, die Klischee des Geisterfilms abzuhaken (vergangenes Unrecht, symbolischer Gegenstand, Seelenfrieden), schläft “Housebound” einen Haken nach dem anderen, lässt seine Protagonisten falsche Schlüsse ziehen und neue Hinweise finden. Während viele Filme auf dem FFF ihre 100+ Laufzeiten durchaus um 10 bis 20 Minute hätten rasieren können, tragen Witz und Einfallsreichtum “Housebound” tatsächlich locker über 109.

Ganz elementar ist dabei, dass auch die Gruselatmosphäre und die Schockeffekte sitzen. Natürlich verhindert die Auflockerung durch Humor und Slapstick, dass durchgehende Spannung wie bei “Let us prey” entsteht, aber wenn “Housebound” die Küchenmesser auspackt, dann haben wir Angst um Kylie und ihre Mutter – und so mancher “Buh!”-Effekt funktioniert besser, als man sich eingestehen möchte.

Schön, auf der Zielgeraden des Festivals noch mal so eine Perle zu entdecken.

hochFazit: Eine außerordentlich witzige, einfallsreiche und gut gefilmte Horror-Comedy, die bei der Balance vom Gags und Grusel nie einen falschen Schritt macht und als echter Crowdpleaser zum Pflichtprogramm des FFF 2014 gehört.

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6
September 2014

Fantasy Filmfest 2014 (43): In Darkness we fall

In darkness we fallSpanien 2014. Regie: Alfredo Montero. Darsteller: Eva Garcia-Vacas, Jorge Paez, Marcos Ortiz, Marta Castellote, Xoel Fernandez

Offizielle Synopsis: “Das hier wäre perfekt für einen Film. Fünf Leute gehen irgendwo rein und keiner kommt lebend wieder raus”, lacht einer aus der Gruppe junger Urlauber noch, bevor er und seine Freunde sich in der dunklen Höhle verlaufen, die sie eines Morgens neben ihrem Zeltplatz entdecken. Dass er damit genau ins Schwarze getroffen hat, ist schon nach der gelungenen Eröffnungssequenz klar. Spätestens aber, wenn die Gruppe immer tiefer in die klaustrophobische Enge der Höhle kriecht, Angst und Anspannung den Abenteuerausflug zum Alptraum werden lassen. Dehydriert und entkräftet sieht sich die Gruppe bald den Grenzen der eigenen Kraft und Moral ausgesetzt.

Kritik: 80 Minuten in einer Höhle auf Formentera – und nun ist mir schlecht. So richtig. Nicht, weil der Film nichts taugte. Ich kann nur halt nicht auf die Wackelkamera. Hatte ich ja bei „Taped“ schon erwähnt. Körniges Geschwenke auf der großen Leinwand treibt mir den Kaffee wieder die Speiseröhre hoch. Nicht angenehm. Glücklicherweise habe ich eine halbe Stunde bis zum nächsten Film, um durchzuatmen.

Es ist Segen und Fluch zugleich, wenn man vorher absichtlich das Programmheft nicht liest. Dadurch erlebt man positive Überraschungen, aber eben auch ein paar Rohrkrepierer. Hättte ich gewusst, dass „In Darkness we Fall“ wieder nur einer dieser „Gruppe mit Videokamera gerät in der Pampa in Lebensgefahr“-Filme ist, hätte ich ihn vermutlich ausgelassen.

Nun klingt das bis hierher eher nach Rohrkrepierer, aber mitnichten: Auch wenn „In Darkness we fall“ sicher keine großen Ambitionen hat und der Videolook für die Leinwand absolut ungeeignet ist, kann Regisseur Montero zumindest mit einer soliden Spannungskurve überzeugen und mit einem guten Verständnis für die Mechanismen, denen eine Gruppe in einer Extremsituation unterliegt. Er zeigt, wie leicht man in so eine Situation kommt, wie schnell die Stimmung umschlägt – und wie zerbrechlich der menschliche Körper, der menschliche Geist und die menschliche Moral sind, wenn es mal ans Eingemachte geht.

Obwohl der Film aus wenig mehr als zunehmend hysterischem Gerenne und Gekrieche in dreckigen Gängen besteht, drückt er allemal die richtigen Knöpfe.

Kurzum: Im Rahmen seiner begrenzten Möglichkeiten funktioniert „In Darkness we fall“. Und ich nerve euch wieder mal mit der häufig gestellten Frage, warum der deutsche Genrefilm nicht mal DAS schafft: Fünf Leute, eine Digi-Camera und Pauschalurlaub auf Ibiza wären alles, was es braucht. Zuviel verlangt?

mitteFazit: Ein No Budget „Found Footage“-Film, der zwar keine bahnbrechend neue Story erzählt oder neue Ideen aufbereittet, aber den „kleinen Terror“ des misslungenen Höhlenausflugs emotional und dramaturgisch folgerichtig einfängt.

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5
September 2014

Fantasy Filmfest 2014 (42): Suburban Gothic

Suburban gothicUSA 2014. Regie: Richard Bates jr. Darsteller: Matthew Gray Gubler, Kat Dennings, John Waters, Jeffrey Combs, Barbara Niven, Ray Wise, Sally Kirkland

Offizielle Synopsis: Der sympathische Tagträumer Raymond hat zwar gerade das College erfolgreich beendet, aber mit einem Job sieht es mau aus. Also muss der Mittzwanziger notgedrungen die Großstadt hinter sich lassen und wieder ins kleinstädtische Spießeridyll zu den stetig nörgelnden Eltern ziehen. Dort erwarten Raymond nicht nur dieselben alten Loser und Bullies, die seine Schulzeit zur Hölle machten, sondern auch die geisterhaften Schreckensvisionen, die ihn als Kind bereits quälten. Als Bauarbeiter auf dem Grundstück einen alten Sarg ausgraben und bald darauf unerklärliche Ereignisse die kleine Stadt befallen, bleibt ihm keine Wahl: Zusammen mit der reichlich selbstsicheren Barkeeperin Becca stellt sich Raymond einem jahrhundertealten Fluch …

Kritik: Lasst euch von dem punkigen Poster und dem Titel und der Nebenrolle von John Waters nichts vormachen – an “Suburban Gothic” ist nichts subversiv oder düster. Was Raymond als Hölle begreift, ist kostenfreie Kost & Logis, die mit der Forderung verbunden ist, sich zum Abendessen die Hände zu waschen.

“Suburban Gothic” ist mit seinem Fokus auf Dialogwitz und überzogenen Figuren strukturell eher der Sitcom verwandt als dem Gruselfilm und in der Tat könnte es sich hierbei auch um die spielfilmlange Halloween-Episode einer Serie wie “My name is Earl” handeln. Raymond ist ein sympathischer Slacker, der sich nicht an Spießer-Suburbia verkaufen will, mit Becca eine unangemessen scharfe Mistreiterin findet und am Ende das Scooby Doo-Mystery des verschwundenen Amuletts aufklärt. Dazu passt, dass der Epilog weitere Episoden schließen lässt. So gesehen könnte “Suburban Gothic” sogar von vorne herein als “backdoor pilot” geplant gewesen sein.

Ist das schon inhaltlich “genre light”, so werden auch bei der Umsetzung keine großen Pinsel geschwungen. Es ist alles schön bunt, es gibt ein paar einfallsreiche Überblendungen, aber wirklich Atmosphäre kommt nicht auf und die CGI-Effekte sind mit “rudimentär” noch höflich umschrieben. Hippe Hektik ist Ziel, nicht Spannung oder Gänsehaut.

Das klingt jetzt alles relativ negativ, aber so meine ich das gar nicht. Die Darsteller sind durchaus sympathisch, es gibt einige Kult-Cameos, die Gags sitzen. Er hängt sich nicht sklavisch an sattsam bekannte Vorbilder. Das wenige, was “Suburban Gothic” sich vornimmt, schafft er auch – und ist damit den meisten Festivalkollegen weit voraus.

hochFazit: Eine launige spielfilmlange Sitcom mit gut gelaunten Darstellern in schrägen Rollen, deren Horrorelemente nur Vorwand sind, Anekdoten aus “whacky suburbia” zu erzählen. Braver, als es sein will – aber auf federleichte Art unterhaltsam, was zur Mitternacht ein klarer Pluspunkt ist.

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5
September 2014

Fantasy Filmfest 2014 (41): Patch Town

Patch-Town-WebKanada 2014. Regie: Craig Goodwill. Darsteller: Rob Ramsay, Zoie Palmer, Julian Richings, Suresh John, Scott Thompson, Ken Hall

Offizielle Synopsis: Was haben Kohlbeete mit menschlichem Nachwuchs zu tun? Das lernt in Russland jedes Kind: Von wegen Storch, auf Feldern wachsen die kleinen Babys, umhüllt von Kohlblättern. Doch nur die Zwangsarbeiter in Yuris Spielzeugfabrik sind mit der grausigen Realität vertraut. Dies ist kein Kindermärchen! Tagein tagaus müssen sie die nackten Schreihälse aus dem Gemüse herausrupfen und zu Spielzeugpuppen schockfrieren. Mit diesen Püppchen spielen Jungen und Mädchen dann im ganzen Land Vater, Mutter, Kind. Auch Yuris Leibeigene waren einst solche Puppen, bis die Heranwachsenden sie achtlos aussortierten und sie vom geschäftstüchtigen Bonzen zur Zweitverwertung reanimiert wurden. Nur können sie sich nicht daran erinnern. Einzig dem sanftmütigen Jon blitzen noch Bilder von seiner früheren Puppenmutter auf. Kurzerhand begibt er sich mit seiner Frau und einem geschmuggelten Kohlkopf-Baby auf die abenteuerliche Suche nach einem neuen Leben. Natürlich sind ihnen Yuri (grandios als kinderhassender Fiesling: Julian Richling) und seine sadistischen Schergen dicht auf den Fersen. Ob ausgerechnet ein kleinwüchsiger Inder im Elfenkostüm und ein ganzer Lastwagen voll dicker Kaufhausweihnachtsmänner Jon helfen können?

Kritik: Wow, was für ein Blindgänger! Nach einem drolligen, pseudo-dokumentarischen Start gelingt es “Patch Town”, so ziemlich alles zu vergeigen, was man an einem dystopischen Musical vergeigen kann. Und das ist nicht wenig.

Fangen wir mal mit der grundlegenden Story an: Die monströse “Patch Town”, in der aus Kohlbabys Puppen gemacht werden, würde ich vielleicht glauben – wenn sie in einem Universum spielen würde, in dem so eine Fabrik nicht weiter auffällt. Aber Goodwill behauptet, diese Horrorversion einer kapitalistischen Ausbeutungsmaschine stünde irgendwo in Nord-Kanada, umgeben von der Welt, wie wir sie kennen.

Jon will seine Mutter finden, aus der Knechtschaft ausbrechen, ein Heim für sich und seine Familie bauen – nur leider hat nichts, was er tut, irgend etwas mit diesen Zielen zu tun. Wir erfahren nie, warum die Arbeiter von “Patch Town” keine Kinder haben sollen (ist nicht so, dass das Sinn macht), Kanada wird als nicht weniger lebensfeindlich dargestellt als Patch Town – und am Ende und völlig unmotiviert entscheidet Jon, dass er mit Frau und Kind doch eigentlich schon ein “Heim” hat. Vermutlich deshalb, weil Goodwill in einem Drehbuch-Lehrbuch gelesen hat, dass eine der Grunderkenntnisse in anrührenden Familienfilmen “The magic was inside you all along!” sein muss. Passt hier nicht, ist aber wurscht.

“Patch Town” ist voll von solchen Erkenntnissen und Wendungen, die keinerlei Kontext besitzen. So verkündet Sly an einer Stelle, dass sie zum Sturm auf “Patch Town” dringend Verstärkung brauchen – in Form einer Armee von Kaufhaus-Weihnachtsmännern. Die dann im Verlauf des Film nicht mehr vorkommen und dementsprechend auch nichts zur Story beitragen.

Noch ein Beispiel: Jon drängt seine Frau, durch eine Ansprache an die tumben Arbeiter eine Revolution auszulösen. Abgesehen davon, dass er das besser können sollte als sie, singt sie lediglich ein paar langweilige Zeilen zum Thema “Frei sein ist schon schön” in das Mikro – prompt erhebt sich die Arbeiterklasse. Das ist so lahm und unglaubwürdig, dass es nicht mal durch die erste Drehbuchfassung hätte kommen dürfen.

Es gibt auch keine echten Konflikte oder Widerstände. Jons Flucht ist ebenso simpel und folgenlos wie der Sturm auf “Patch Town”. Ihm fällt so ziemlich alles in den Schoß, wirkliches Drama findet sich an keiner Stelle.

Die Figuren sind durchweg blass und selten sympathisch. Jons primäre Eigenschaft ist seine so beeindruckende wie erschreckende Leibesfülle, die allerdings keinerlei Herleitung aus der Story besitzt (und in einer Welt, in der die Arbeit angeblich hungern, wenig Sinn macht).

Ach ja: Auch aus männlichen Babys werden anscheinend weibliche Puppen. Das ist auch nicht plausibel erklärt.

Den Deckel drauf macht die Musik. Einen vollständigen Soundtrack hat “Patch Town” nicht, es werden nur ein paar suppige Balladen mit banalen Texten für ein paar Zeilen angesungen, bevor es weitergeht. Kein Ohrwurm in Hörweite.

Ich bin gewöhnt, dass solche eigenwilligen Filme von Regisseuren mit Leidenschaft gemacht werden, die eine ganz persönliche Vision verteidigen. Noch nie ist mir ein derart experimentelles Fantasy-Musical untergekommen, dessen Macher so offensichtlich kein Interesse daran hatten, mehr als Magerquark abzuliefern.

Die IMDB vermerkt zum Regisseur:

“Goodwill’s career as a narrative writer/director launched with his debut feature film Patch Town.” 

No.

runterFazit: Fazit: „Fat People -The Movie“ als so bizarres wie mainstreamiges dystopisches Musical mit einer Non-Story, miserablem Soundtrack und völliger Absenz von Logik oder sympathischen Figuren. „Brazil“ aus der Behindertenwerkstatt.

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5
September 2014

Fantasy Filmfest 2014 (40): The Strange colour of your body’s tears

Strange ColourBelgien/ Frankreich/ Luxemburg 2013. Regie: Helene Cattet, Bruno Forzani. Darsteller: Klaus Tange, Jean-Michel Volk, Sylvia Camarda, Sam Louwyck, Anna D’Annunzio

Offizielle Synopsis: Ein Mann kehrt nach einer Geschäftsreise nach Hause zurück und stellt fest, dass seine Frau verschwunden ist, obwohl die Wohnung von innen verriegelt ist. Als er die Nachbarn befragt, beginnt eine labyrinthische Entdeckungstour durch seine sexuellen Fantasien auf der Suche nach seiner Frau in einem fantastischen Jugendstil-Gebäude in Brüssel.

Kritik: Oh Mann. Was für eine Pleite. Was hatten wir uns gefreut. Donnerstag Abend, voller Saal, Kettensägen-Horst dabei, Regisseure anwesend, die ganz große Leinwand für den ganz großen Film, dessen Titel und Poster uns schon ganz wuschig gemacht hatten.

Und dann das.

Der Moderator des Q & A mühte sich hinterher sichtlich, unverfänglich zu bleiben, bezeichnete den Film mehrfach als „insane“. Was ja genau genommen keine Wertung ist. Cattet und Forzani betonten, ihr Film sei ein „schlimmer Alptraum“ und ein „wahr gewordener schöner Traum“. Außerdem ein „Labyrinth“, in dem man sich verlieren soll. Dass es ein Film ist, bei dem man sich gut unterhält, davon haben sie nichts gesagt. Besser so.

„The Strange Colour“ beginnt ganz interessant, verliert den Weg aber schon nach 10 Minuten, wenn klar wird, dass er weder ein Interesse hat, seine grundlegende Story (das Verschwinden der Frau) noch die Charaktere dauerhaft zu verfolgen. Stattdessen Nahaufnahmen von Augen, Kaleidoskop-Bilder, hochgedrehte Geräusche (Atmen, Schleifen, Knarzen), Schatten, Glas und immer wieder Träume.

Klar sind das alles Markenzeichen des “Giallo”, den das Team Cattet/Forzani in “Amer” und “The ABCs of Death” so brillant auf seine grundlegenden Elemente reduziert hat. Aber es sind auch nur die Mittel, mit denen die italienischen Regisseure der 70er und 80er ihre fiebertraumhaften Geschichten erzählt haben. Konzentriert sich “Amer” auf die inhaltlichen Grundlagen des Genres, so ist “The Strange Colour” lediglich eine Sammlung der Stilmittel, eine Art Grabbelkiste von Kameraeinstellungen, Filtern und Soundeffekten ohne Anfang und Ende.

Ähnlich wie “Berberian Sound Studio” spielt dieser Film auf hohem technischen Niveau, übersieht aber, dass das oft fahrige Storytelling beim “Giallo” mitnichten bedeutete, dass die Story letztlich irrelevant war. Man kann sie nicht subtrahieren, kann nicht unterstellen, der italienische Sleaze-Krimi bestünde letztlich nur aus avantgardistischen Kamera- und Soundtricks. Wenn “The Strange Colour” irgendeinen Verdienst hat, dann diesen: Er rehabilitiert den ramponierten Ruf von Argento, Bava & Co. als Storyteller.

100 Minuten Rorschach-Test und Bilderrätsel, LSD-Trip und Kunstvideo-Installation. Kann man sich (zumindest auf dem FFF) mal geben, muss man aber nicht.

runterFazit: Die Enttäuschung des Festivals. 100 Minuten selbstverliebte Giallo-Stilelemente, die schnell ermüden und am Ende keinerlei kohärenten Eindruck hinterlassen. Wegen der Ambition und der handwerklichen Fertigkeiten der Macher keine Zuschauerbeleidigung wie „Rufus“ oder „Extraterrestrial“, aber ein Rückschritt nach dem großartigen „Amer“.

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