30
November 2016

Arcade Dreams: USB rocks!

Ich unterbreche das Sabbatical jetzt mal, weil ich diese Woche schon sehr viel erledigt habe und mich die Begeisterung an die Tastatur treibt.

Wenn dereinst die Verdienste von Microsoft und Intel gewürdigt werden, sollte das nichts mit Chips, Windows oder PCs zu tun haben. Wenn es eine wirklich grandiose, das Leben ALLER User einfacher und preiswerter machende Entwicklung gab, dann ist es der USB-Anschluss.

Es ist nicht die Tatsache, dass Dutzende verschiedener Schnittstellen durch einen vereinheitlichten Standard ersetzt wurden. Dass Hardware darüber aufgeladen werden kann. Dass es möglich ist, dieselben Geräte an den verschiedensten System zu betreiben. Dass die verkackte Runterladerei von Treibern deutlich abgenommen hat. 

USB hat sich zum robusten Allrounder entwickelt, der sich auch von besseren und schnelleren Nachfolgern nicht ablösen lässt, einfach weil er allgegenwärtig ist. USB ist die Hardware-Entsprechung von MP3 und JPG. Die Arbeiterklasse unter den Standards. Eine eierlegende Wollmilchsau, die selber über vorgesehene Verwendungszwecke hinaus Verbindungen schafft, die von den Entwicklern der Hardware nie vorgesehen waren.

Case in point:

mametablet

Ich betreibe hier den Arcade-Controller einer Dreamcast-Konsole Baujahr 1999, dessen proprietären Anschluss eine nette Seele durch einen USB-Stecker ersetzt hat, an einem Amazon Fire Tablet Baujahr 2016. Der Controller ist dabei über einen simplen Adapter von USB auf USB micro als "USB on the go" an das Tablet angeflanscht, welches diesen auch sofort als externes Gamepad identifiziert. Damit spielteste ich R-Type, einen Arcade-Automaten von 1987.

Kein ideales Setup, natürlich. Eher eine frankenstein'sche Verhöhnung allen, was heilig ist.

"It's alive!"

Ich werde mittelfristig das Arcade-Brett durch ein einfaches Gamepad im Stil des SNES-Controllers ersetzen. Aber zuerst einmal wollte ich probieren, ob dieser Handschlag über die Jahrzehnte überhaupt technisch möglich ist, ob ein umgebauter Joystick einer Konsole über den Adapter eines USB-Ports mit der Emulation eines Arcade-Klassikers kommunizieren kann. 

Und es geht. Ich bin förmlich besoffen begeistert davon, dass es geht. 

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14
November 2016

Wortvogels Wochenspiegel (5)

Heute mal ein bisschen mehr "free form", weil vieles nicht in die etablierte Struktur passt.

Weil ich vor Ewigkeiten mal drüber geschrieben hatte, euch aber die Updates schuldig geblieben bin, verkünde ich an dieser Stelle: Mein altes Häuschen, der Geburtsort des Wortvogel-Blogs, ist mittlerweile fertig kernsaniert.

Es war ein harter, steiniger Weg - und es ging schief, was schief gehen konnte. Bauliche wie menschliche Enttäuschungen waren an der Tagesordnung. Aber man beißt sich durch. Weil man keine Alternative hat und weil es den Charakter schult (hoffe ich).

Ein kleiner Überblick über das Ergebnis:

Haus Dewi

Mehr Platz, USB-Buchsen an den Steckdosen, Fußbodenheizung, Glasfaser-Anschluss. Da bin ich meinem Mieter durchaus neidisch, dass ich selber nicht mehr das Vergnügen habe, darin zu wohnen.

Wo wir gerade bei architektonischen Details sind: Ich war mit der LvA ja kürzlich in Oslo (und in Lillehammer und in Göteborg usw.). Faszinierend, wie entspannt und liebenswert die Menschen dort sind. Da es an Geld nicht mangelt, ist auch alles Neue sehr modern, alles Alte sehr gut erhalten. Ein besonderes Highlight ist das Rathaus der norwegischen Hauptstadt, in dem ich sogar den Herren-Waschraum fotografierenswert fand:

rathaus

Das Bild hängt nun als Poster hinter Acrylglas im Badezimmer.

Vor fünf Jahren war ich enttäuscht und wütend, als ich die Live-Übertragung von "Frankenstein" aus dem National Theatre in London nicht sehen konnte. Wir hatten Karten, freuten uns auf Benedict Cumberbatch, Jonny Lee Miller, die Regie von Danny Boyle - aber eine Familientragödie verlangte unsere Anwesenheit anderswo. 

Umso erfreulicher, dass die Aufführung mitgeschnitten wurde und nun im Rahmen einer "encore"-Reihe wieder in die Kinos kommt. So konnten wir am Samstag nachholen, was uns 2011 entgangen war:

Ich sage das nicht leichtfertig: Dieses Theaterstück ist die beste Umsetzung des Romans, die ich je gesehen habe - Kino, Bühne, Hörspiel, völlig egal. In Sachen Bühnenbild, Regie und vor allem Darstellung wird hier unfassbar aufgefahren. Wer bisher dachte, dass Cumberbatch (der auch schon in der Live-Übertragung von "Hamlet" herausragend war) ein guter Schauspieler ist, der darf sich hier belehren lassen. Cumberbatch ist sensationell.

Auf Wunsch der Beteiligten gibt es keine DVD von der Aufführung, man muss also drauf achten, dass man eine Kino-Wiederholung erwischt. 

Kommen wir zu den Sachen, die nicht so glatt laufen. Für Diät und Sport habe ich aktuell weder Zeit noch Konzentration. Ist so. Meinen Kopf beschäftigen andere Dinge.

Wie ich mit der Trump-Wahl umgehe? Vogel Strauß-Methode. Ich lese derzeit keine US-News-Seiten, überspringe alle Artikel zum Thema ungelesen. Ich teile die Meinung nicht, dass wir zu blauäugig waren, dass wir nun einen Weg finden müssen, uns mit der Situation zu arrangieren. Das Falsche wird nicht das Richtige, nur weil es eine Mehrheit bekommt. Für die gute Sache zu kämpfen, ist nicht immer bequem und siegreich. 

Von Brecht stammt angeblich das passende Zitat:

"Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!"

Und was ist mit dem groß angekündigten NaNoWriMo? Musste pausieren. Weil ich vier Tage lang auf Reportage in Franken und Niedersachsen war. Und weil ich für die Steuer die gesamten Belege zur Haussanierung der letzten drei Jahre zusammen stellen musste - was sich erwartungsgemäß mit "komplex" noch freundlich umschreiben lässt. Aber ich bin dennoch entschlossen, das Ziel zu erreichen und am Monatsende eine Novella von 25.000 Wörtern beisammen zu haben.

Und die Katzen? Modeln immer noch gerne:

rufi

Damit bin ich raus für heute.

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9
November 2016

Hier gibt es keine Antworten

Ich bin fassungslos. Und ich habe Angst.

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2
November 2016

Kinokritik: Doctor Strange

doctor-strange-comic-con-posterUSA 2016. Regie: Scott Derrickson. Darsteller: Benedict Cumberbatch, Tilda Swinton, Chiwetel Ejiofor, Rachel McAdams, Mads Mikkelsen

Offizielle Synopsis: Der egozentrische, hochintelligente Neurochirurg Dr. Stephen Strange steht nach einem Autounfall, bei dem seine wichtigsten Instrumente, seine Hände, schwer verletzt wurden, vor dem Nichts. Seine letzte Hoffnung auf Heilung führt ihn nach Tibet zu einem sonderbaren Einsiedler, doch überfällt ihn dort eine komplett neue, übernatürliche Realität. Nur sehr langsam schwinden seine Zweifel an der Existenz magischer Kräfte und beginnt er sich seiner wahren Begabungen und Fähigkeiten bewusst zu werden. Immer weiter dringt er in neue, mystische Dimensionen vor, doch als Mittelsmann zwischen Raum und Zeit, entdeckt er nicht nur kosmische Parallelwelten, sondern entfesselt auch deren dunkelste Mächte, die unserer Welt bisher verborgen blieben...

Kritik: Vorab - ich habe "Doctor Strange" auf deutsch gesehen und in 3D. Das mag meine Experience ein wenig trüben, auch wenn die Synchronisation okay ist und das Bild tiefenscharf. Erwartungsgemäß bin ich über ein paar "strange"-Pointen gestolpert, die sich einfach nicht übersetzen lassen und einige der Actionszenen wirken fahrig und unübersichtlich - das hat nicht die Eleganz der Fights von "Captain America: Civil War" oder "Ant-Man". Your mileage may vary.

Mit Doctor Strange (wenn man Scarlet Witch mal ausklammert) kehrt Magie in das MCU ein - bigly, wie Donald Trump sagen würde. Die Kreation von Stan Lee und Steve Ditko gehörte für mich immer in einen anderen Strang als die Avengers oder die X-Men, bevölkert für mich immer ein Parallel-Marvelversum, in das auch Dracula, Blade und Man-Thing gehören. So wie Perry Rhodan und John Sinclair kein Crossover vertragen würden, halte ich Dr. Strange für ein "unique animal", denn seine Kräfte sind nicht mechanistisch quantifizierbar und passen nicht in eine Welt, in der Kraft ausschließlich mechanistisch quantifiziert wird. So absurd übermenschlich das MCU auch ist - es ist seiner internen Logik nach eben nicht übernatürlich. null

Aus diesem Grund wird es sehr interessant sein, wie sich Strange in den angekündigten Teamups in das etablierte MCU einpasst. Sein erstes Solo-Abenteuer hat dieses Problem ja noch nicht: Diese Geschichte existiert fast vollständig außerhalb der Marvel-Realität. Was allerdings die Frage aufwirft, wo zur Hölle die ganzen anderen Superhelden sind, während Stranges Antagonist mal eben London, New York und Hongkong zerlegt. Hallo? Iron Man? Thor? Hulk? Niemand zu Hause? Das ist ein Problem des "shared universe", das sich nie ganz wird auflösen lassen - und es spricht für Marvel, dass sie es auch nie wirklich versuchen.

Und schließlich möchte ich, bevor ich zum Film komme, noch ein paar Worte über die bisherigen Strange-Verfilmungen verlieren. Der 1978er-TV-Film stand ja in den 80ern in jeder deutschen Videothek:

Trotz meiner Affinität zu okkulten Abenteuern und Comic-Verfilmungen habe ich ihn damals konsequent stehen lassen - Hauptdarsteller Peter Hooten war für mich einfach indiskutabel.

Deutlich besser war da schon der unlizensierte Ripoff "Doctor Mordrid" aus der Full Moon-Factory von Charles Band, der in Deutschland fatalerweise während des Dino-Fiebers als "Rexosaurus" vermarktet wurde. Die neue Blu-ray-Fassung des Films ist wirklich beeindruckend und als sympathische B-Version des MCU-Blockbusters absolut sehenswert:

Vor ein paar Jahren schob Marvel dann noch eine Zeichentrick-Version nach, die kurioserweise erstaunliche Parallelen im Storytelling zur aktuellen Verfilmung aufweist:

Tatsächlich hätte es dem MCU gut getan, wenn man mit dieser Fassung die Origin Story von Strange abgehakt hätte und im neuen Film mit einem simplen "hier ist der Sorcerer Supreme mit den Zauberkräften" eingestiegen wäre. Denn - und das muss als Kritik erlaubt sein - die Routine, mit der Marvel jeder neuen Figur einen Solo-Film mit Origin Story abzwingt, ermüdet langsam. Sooo sehr unterscheiden sich die einzelnen Heldengeschichten ja nun auch nicht: Brillante Figur, traumatisches Erlebnis, Depression, Entdeckung sagenhafter Kräfte, Erlösung, Erkenntnis, Kostümkauf.

Aber ich schweife ab, bzw. greife vor. Das liegt u.a. daran, dass ich zum eigentlichen Film wenig zu sagen habe. Er ist erwartungsgemäß klasse, auf dem hohen Niveau der letzten zehn MCU-Filme produziert, präsentiert poppige und pompöse Spezialeffekte, balanciert das Pathos mit ausreichend Comedy und gibt Benedict Cumberbatch mal wieder die Gelegenheit, als übermächtiges Genie die schauspielerischen Eier zu schaukeln. Nichts davon muss eigentlich erwähnt werden, weil es überraschungslos ist - die MCU-Maschine hat eine fließbandmäßige Perfektion erreicht, die man seelenlos finden kann, von der sich aber nicht bestreiten lässt, dass sie liefert. Großes Entertainment ohne Risiko, solider Gegenwert für den Eintrittspreis, ein weiteres buntes Puzzleteil für das immer weiter wachsende MCU. Mittlerweile könnte man solche Reviews auch mit dem Baukasten schreiben und nur die Namen der Figuren und Locations austauschen.

null

Was würde ich meckern, wenn ich meckern müsste? Wie gesagt: Die Action ist manchmal etwas chaotisch. Die Inception-Sequenzen mit den sich übereinander faltenden Realitäten sind letztlich nur Eye Candy. Die Post Credits-Szenen werden immer mehr zu hohlem Selbstzweck (es gibt zwei - also wieder bis GANZ zum Schluss sitzen bleiben). Das sind so selbstverliebte Marvel-Standards, die man ruhig auch mal in Frage stellen könnte.

Davon ab und darüber hinaus: Für Fans des MCU ein Muss, für Gegner des MCU ein weiterer Beweis, dass das Blockbuster-Kino tot ist.

Fazit: Ein erwartbar smoother Blockbuster für die Nachsaison, dessen perfektes Casting und die aufwändigen Spezialeffekte locker aufwiegen, dass Marvel erneut Dienst nach Vorschrift liefert. Für das Kostüm von Doctor Strange würde ich fast zum Cosplayer mutieren.

 

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31
Oktober 2016

An die Arbeit! Der NaNoWriMo ruft!

"Fange an zu schreiben, komme, was da wolle. Das Wasser fließt nicht, so lange man nicht den Wasserhahn aufdreht."
(Louis L'Amour)

crestIch hatte ja angedroht, dass ich mein Sabbatical nutzen würde, um mal wieder in der tiefen Pfütze der Fiction zu waten (und um mir solche krummen Analogien abzugewöhnen). Nach sechs Jahren, in denen ich primär journalistisch gearbeitet habe, möchte ich mein Fabuliergeschick entrosten. Sei es mit Kurzgeschichten oder Romanen - Genre egal. Einfach mal wieder was schreiben, was Anfang, Mitte und Ende hat - und haltlos erfunden ist.

Nun ist die Motivation ja etwas, das mich nicht mit glühender Leidenschaft verfolgt, und so manche hehre Absicht, "heute aber!" zwei bis fünf Seiten zu schreiben, verstarb einen leisen "ohh, guck mal, ein neues Nostalgia Critic-Video!"-Tod. Machen wir uns nichts vor: Das Sabbatical ergebnislos zu verschlabbern wäre eine Leistung, die ich leichten Fußes und fetten Arsches zu liefern in der Lage wäre.

Na ja, nicht GANZ ergebnislos: Nach der Neuinstallation meines von Amazon ersetzten Fire Tablets habe ich es schon wieder bis Level 450 bei "4 Bilder 1 Wort" gebracht.

Doch "Autor" soll meine Berufsbezeichnung sein, nicht "Lusche"!

Warum also zur Abwechslung nicht mal auf "peer pressure" setzen, auf Social Media-Coaching, auf neumodische Belohnungsmechanismen aus dem Gaming-Umfeld?

Und da kommt der NaNoWriMo ins Spiel, entzerrt "NAtional NOvel WRiting MOnth". Das Prinzip ist eigentlich ganz simpel. Man nimmt sich vor, im November einen Roman zu schreiben. 1500 Worte am Tag. Genre egal, finale Länge egal, Qualität letztlich auch egal. Es geht nur darum, zu schreiben. Erfahrung zu sammeln. Schreibblockaden zu überwinden. Disziplin zu lernen. 

"Du kannst nur lernen, ein besserer Schreiber zu sein, indem du schreibst. Ich weiß nicht viel über Kurse für kreatives Schreiben. Aber sie sagen dir nicht die Wahrheit, wenn sie dir nicht beibringen, dass Schreiben harte Arbeit ist."
(Doris Lessing)

Zu diesem Zweck legt man einen Account an, sucht sich einen Titel für das geplante Epos und schreibt ein paar Zeilen zum Inhalt. Und dann: legt man los. Und lässt die gesamte Welt über die Webseite des NaNoWriMo am Fortschritt der Arbeit teilhaben. Für das Erreichen gesetzter Wegmarken kassiert man zudem virtuelle Orden. Die sonst so einsame Arbeit des Schriftstellers wird zum sozialen Happening mit spielerischen Elementen.

Mein Kumpel und Ko-Autor Nathan Shumate nimmt schon seit Jahren am NaNoWriMo teil und ist der lebende Beweis, dass am Ende des Monats tatsächlich ein fertiger (kurzer) Roman dabei rauskommen kann.

Ihr ahnt es: 2016 habe ich mich entschieden, auch mal mitzumachen, die Kombination aus Web-Sabbatical und genereller Entspannung in den Dienst der gute Sache zu stellen. Und darum schreibt der Wortvogel in den nächsten vier Wochen unter den Augen der Welt den Horror-Schundschmöker "The Train". Hoffentlich.

Natürlich arbeite ich jetzt schon härter an den Entschuldigungen für mein Versagen als am eigentlichen Konzept des Romans. So bin ich nächste Woche wieder fünf Tage auf Reportage, da sehe ich mein Macbook nicht mal von weitem. Wie soll ich da meine 1500 Wörter-Etappen schaffen? Und wer zählt Manuskripte (bzw. Typoskripte, wie es eigentlich heißen muss) in Wörtern?!

Egal. Ich probier das jetzt einfach mal. Grob habe ich mir eine Obergrenze von 25.000 Wörtern für "The Train" gesetzt, was THEORETISCH in 17 Tagen zu schaffen sein sollte. Laut dem ollen MRR habe ich alles, was es braucht:

"Ohne Eitelkeit gibt es kein Schreiben. Egal, ob Autor oder Kritiker - Eitelkeit muss dabei sein. Sonst entsteht nichts."
(Marcel Reich-Ranicki)

Man kann das Spiel natürlich noch bis zur Kasteiung steigern, in dem man die Etappen für den NaNoWriMo mit der "most dangerous writing app" schreibt, die jedes Innehalten, jedes Zögern mit der gnadenlosen Löschung der bisherigen Ergüsse bestraft. Da wird die Schreibarbeit zum Akkord, zur Folter gar - aber nicht für mich. Schließlich besteht bei mir jederzeit die Möglichkeit, dass eine Katze auf meinen Schoß steigt, mir ihren Popo ins Gesicht hält und mit einem mäßig interessierten "wasmachstnda?" den Blick auf den Bildschirm verstellt. 

Sollte "The Train" fertig werden und in seiner Gänze mein gnädiges Urteil finden, stellt sich natürlich die Frage, was ich damit mache. Mal sehen.

Genug der Vorrede. Morgen geht's los. Und ihr seid dabei.

P.S.: Eigentlich mache ich das mit dem NaNoWriMo nur, weil der doofe Doc Acula es auch macht. Und wenn DER das schon kann...

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12
Oktober 2016

Wortvogels Wochenspiegel (4)

Derzeit in Oslo - bringt mir den Kopf von Spider-Man!

spidey

Anlass: "Marvel Universe Live". Eine tolle Sache für die ganze Familie, fettes Pyro-Spektakel und beeindruckende Stunts inklusive. Man bekommt wirklich so eine Art Avenger-Film vorgespielt, plus X-Men und ein paar bisher im Film vernachlässigte Figuren wie Ms. Marvel und The Black Cat. Man hätte mir nur vorher sagen können, dass die Dialoge natürlich auf norwegisch sein würden...

Norwegen und Oslo generell? Klasse. Verhält sich zu Deutschland wie Kanada zu den USA. Man möchte bleiben, aber die sind alle so schön, sportlich und jung hier - die würden uns nicht wollen.

Norwegische Blaulinge habe ich allerdings noch keine entdeckt - die müssen daheim gut festgenagelt sein:

Ich lese: "The complete Peanuts". Weil man das einmal im Leben gemacht haben sollte. Interessant erscheint mir primär, wie stark sich die Serie in den unglaublichen 50 Jahren ihrer Laufzeit verändert hat, nicht nur was den Stil angeht. Die Peanuts sind ein Spiegel des Amerikas der Nachkriegszeit, reflektieren soziale und politische Strömungen, emanzipatorische Bemühungen und die Auseinandersetzung mit dem eigenen Versagen ebenso wie den Traum vom besseren Morgen. Und von ca. 1965 bis 1995 waren die Strips mitunter saukomisch, auch wenn ich mir den Luxus erlaube, Bill Wattersons "Calvin & Hobbes" immer noch für den Höhepunkt dieser Kunstform zu halten.

Ich empfehle die englische Version, da die deutschen Übersetzungen teilweise beschämend schlecht sind. Wen der Preis schreckt, der bekommt auch bei diesem Jubiläumsband viel Gegenwert fürs Geld.

Ich schaue: „Suicide Squad“. Was für ein konfuser Käse! Völlig handlungsfrei, ohne Hauptfigur, besetzt mit schlecht und unterentwickelten Charakteren, moralisch zutiefst korrupt, technisch wie inszenatorisch zweitklassig, nur dank der schieren Geschwindigkeit, dem bonbonigen Klamauk und dem weitgehenden Verzicht auf Pathos über dem Niveau von „Batman vs. Supeman“. Auch die Darsteller können nicht punkten: Will Smith versucht penetrant, sich in den Mittelpunkt zu schieben und verzichtet aus offensichtlicher Eitelkeit bis auf zwei Sekunden auf die eigentlich notwendige Deadshot-Maske. Cara Delevingne ist spektakulär schlecht, Jared Leto einfallslos und dank Zahnklammer schwer verständlich - nur Margot Robbie zieht sich (und ihre dauerpräsenten Pobacken) ehrenhaft aus der Affäre. Ein Film wie seine eigene Asylum-Parodie.

Ich empfehle: Nochmal zehn Leichen aus meiner Leseliste:

How Seinfeld's Productivity Secret Fixed My Procrastination Problem

Wie werden Kalorien gemessen?

Pulp Fiction under German totalitarianism

Here is what happens when you cast Lindsay Lohan in your movie

Rundfunkbeitrag bald fast so schlimm wie Hitler

Esquires interview with Megan Fox is the worst thing ever written

Studentin in Splatter-Filmen: Nach der Unis schlachtet sie Zombies

Writing Life: Writing by dictation. Ergänzend: Dictation software that works?

Eine zeitgemäße Erregung: Der Skandal um Ingmar Bergmans Film "Das Schweigen" und die Aktion "Saubere Leinwand"

Dennis Miller rant: Victimless crimes

Ich verweise: Erneut auf den fehlerfreien Kundenservice von Amazon - mein beim Sturz gesplittertes Fire Tablet wurde (ohne Garantie oder Verantwortlichkeit) durch ein "refurbished"-Gerät ersetzt. Einziges Ärgernis: Ich verliere beim Daten-Umzug demnächst alle 700 geschafften Level von "4 Bilder 1 Wort".

Die Katzen (Becky in diesem Fall):

starcat

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1
Oktober 2016

Wortvogels Wochenspiegel (3)

feldarbeit

Ich denke: Dass ich Schattenrasen bis letzte Woche für das Gegenteil von Schattenparken gehalten habe. Dass ein "Denver Clan"-Reboot ohne Schulterpolster und ozonfeindliches Haarspray nicht funktionieren kann. Dass Kürbiskerne in Schokolade zu lecker sind. Dass Oettinger so ziemlich der peinlicheste Büttel der Medien-Mogule ist, den man sich vorstellen kann (aber nicht will). Dass wir einen wunderschönen Sommer hatten. Dass der Oktober richtig gut startet.

Ich lese: Den SPIEGEL. Erstmals seit Monaten. Weil ich ihn wieder lesen KANN. Dank meiner ersten Gleitsichtbrille. Der Wortvogel ist nun offiziell ein alter Mann. Außerdem: John Sinclair. Aus Gründen.

Ich schaffe: Ein Romankonzept. Ist lange genug her. Die Grundidee ist klar, nur die Dreiakt-Struktur drängt sich mir noch nicht auf.

Ich schaue: "Ghostbusters 2016" (extended version). Fuck the haters and the horses they rode in on - das Problem des Films hat nichts mit der geschlechtlichen Umstellung zu tun. Die Dynamik zwischen den weiblichen Darstellern ist so ziemlich das Einzige, was hier funktioniert - und Kate McKinnon ist ein Hammer. Es ist der Rest des Film, der so flüssig wie ein Würfel auf Schotter rollt - zu zahm inszeniert, zu flau oldschool, zu uninteressiert am eigentlichen Plot, zu redundant in der Action. Als Komödie für einen beiläufigen Abend in Ordnung - aber wer zur Hölle hat gedacht, dieses untertourige Leichtgewicht könne ein Blockbuster werden?

Playhouse presents: Eine Serie mit drei Staffeln und Darstellern wie Stephen Fry, David Tennant, Tom Jones, Emma Thompson, Kylie Minogue, Vanessa Redgrave, Matthew Perry, Mark Strong, Billie Piper und Kiefer Sutherland, von der ihr nie etwas gehört habt? Gibt's nicht! Gibt's doch?

"Playhouse presents" ist hochkarätiges Darsteller-Fernsehen von Sky Arts, produziert 2012 bis 2014, jede Folge nur 22 Minuten lang. Es geht durch alle Genres, inklusive Science Fiction und Horror. Warum eine solche Produktion so durch das Raster fallen kann? Vielleicht ist "Playhouse" letztlich zu gefangen in der Tradition der literarischen Adaption, entspricht nicht dem "horizontal storytelling" der aktuellen TV-Generation und verweigert sich daher dem "binge watching". Es sind einfach hochkarätige Geschichten, premium inszeniert und erstklassig gespielt. I love it.

Wer nun neugierig geworden ist - das Problem mit der geräuschlosen Versendung hatte Sky Arts schon mit der sehr reduzierten, aber sehr sehenswerten Adaption "The nightmare worlds of H.G. Wells":

Ich empfehle: Diese zehn Artikel:

Why Calvin and Hobbes is great literature

Desperately holding on to the debunked idea of gender wage gap

Tagebuch vom Sterbebett

Worst Film Ever - "The legend of El Dorado"

"Welcher Schriftsteller ist kein Kotzbrocken?"

The Challenge of getting rid of stuff

Belted, Booted and Buckled: B-Movie Title Design of the 1960s

Rekonstruktion eines Doppellebens: Wie der Tod die Lüge schützt

The Hateful Life And Spiteful Death Of The Man Who Was Vigo The Carpathian

Horrorfilme: Die Hölle sind wir

BONUS: Leser "G" (alias Udo Seelhofer) hat einen Artikel über das Thema "Bloggen - Eine Leidenschaft" geschrieben - und jau, der Wortvogel kommt ausgiebig zu Wort.

Ich verweise: Google Trips ist ein perfektes Beispiel für Traum und Alptraum von "data mining" - eine potente App für die Planung von Reisen, die deshalb so leistungsfähig ist, weil sie sich wie der Ceti-Egel in das Gehirn meiner Online-Identität gebohrt hat. Sie weiß jetzt schon mehr über meine geplante Reise nach Oslo als ich. Yay oder nay?

Ich wiege: 102 Kilo.

Die Katzen:

Becky:

chat

Rufus:

sonne

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24
September 2016

Wortvogels Wochenspiegel (2)

Ich denke: Dass dieses Essay von mir nach mehr als zwei Jahren immer aktueller wird. Dass Brangelina mir wurscht sind. Dass es zu früh für Stollen im Supermarkt ist. Dass Terry Jones das nicht verdient hat. Dass es geil ist, dass man von Baden-Baden aus für 43 Euro zu prima Zeiten nach London und zurück fliegen kann. Dass ich in Basel mal im Rhein schwimmen gehen will. Dass ich hoffe, dass die Welt 2017 ihren gesunden Menschenverstand wiederfindet - aber zweifle. Dass diese Zeit die Zeit meines Vaters in den 70ern war - als Taxifahrer:

Ich fühle: Entspannung. Dinge passieren, Dinge werden erledigt. Der Ballast verringert sich, der Druck lässt nach.

Ich lese: "John Carter and the Gods of Hollywood" - ein kurz nach dem Flop des Kinofilms kostenlos erhältliches Buch über das Leben von Edgar Rice Burroughs, die Entstehung der Barsoom-Bücher und die vielfältigen Versuche, diese zu verfilmen. Am Ende der unterhaltsamen Lektüre steht die sympathische wie nerdige Aufrechnung, warum sich eine Fortsetzung trotz des gescheiterten Erstlings lohnen würde. Wunschdenken - aber nichtsdestotrotz ein spannendes Buch und ein gutes Plädoyer, dass John Carter nicht auf ewig im Schatten von Tarzan stehen darf.

Ich schaue:

ARQ: Eine Kuriosität - ein sehr preiswertes Science Fiction-Kammerspiel, das nicht primär auf Drama, sondern auf Action setzt. So eine Art „Groundhog Day“ trifft „Die hard“, in dem ein Militär-Wissenschaftler in einer nicht näher beschriebenen (aber augenscheinlich beschissenen) Zukunft immer und immer wieder den gleichen Angriff einer Terroristengruppe abwehren muss, der durch seine Energiemaschine in eine Zeitschleife gelegt wurde. Der Fokus auf Schießereien, Schlägereien und „mexican standoffs“ tut dem Film allerdings nicht gut, weil ihm inhaltlich der Saft ausgeht und viele der Twists eher der Logik des Actionfilms als de Logik der Science Fiction geschuldet sind. Kann man gucken, kann man aber auch auslassen.

ISRA 88: Zwei Astronauten fliegen mit einem hyperschnellen Raumschiff (aber dennoch in endlosen Jahren) auf den Rand des Universums zu, um zu schauen, was dahinter liegt. Noch ein Kammerspiel, diesmal beschränkt auf einen zynischen Hipster-Wissenschaftler und einen Miltär-Bozo (mit erfreulichem Stoizismus gespielt von Casper van Dien). Man wird das Gefühl nicht los, dass der unsäglich dröge Abklatsch von John Carpenters Erstling „Dark Star“ im Nachhinein noch mal achronologisch umgeschnitten wurde, um durch schiere Verwirrung ein wenig Interesse beim Zuschauer zu wecken. Es funktioniert nicht. Auch mit der Milde, die ich preiswerter SF gegenüber an den Tag lege: Ein Blindgänger.

Beta Test: Das passiert selten, aber es passiert; Ich habe den Film nach einer halben Stunde abgebrochen. Abgesehen davon, dass wir die „Videospiel in der Realität“-Nummer dieses Jahr schon mehrfach hatten (siehe „Andron“, „Level up“ und „Call up“), wird hier zugunsten billiger Action wirklich auf jeden Anflug von Logik geschissen, es fehlt jedes Verständnis für die Mechanismen der Gamer-Kultur und letztlich hat „Gamer“ das vor sechs Jahren nicht viel plausibler, aber erheblich unterhaltsamer dargeboten. Ein Retortenfilm, der seine per Marktforschung identifizierte Zielgruppe nicht versteht oder bedient, sondern nur nervt.

The Last Heist: Nach dem sehr spassigen „Don’t kill it“ wollte ich dringlich auch mal die zweite aktuelle Produktion von Mike Mendez sehen, auch wenn er das phantastische Genre dabei zu Gunsten des Heist-Films verlässt: Eine Gruppe skrupelloser Gangster überfällt eine in Schließung befindliche Bank. Dabei hat nicht nur praktisch jede beteiligte Person (inklusive der Polizisten) Zweit- und Dritt-Motive, es befindet sich als letzter Kunde auch noch ein gesuchter Serienkiller im Tresorraum - gespielt von Henry Rollins. Das klingt leider besser, als es im Ergebnis ist - hier wird inhaltlich zu wenig gestemmt und mit zu wenig Geld umgesetzt, nur die relativ dynamische Regie von Mendez rettet diese DVD-Wühltisch-Randnotiz vor der totalen Langeweile.

Ich höre: Meatloaf - Braver than we are: Waren schon die letzten Platten und Konzerte ein Armutszeugnis, knallt „Braver than we are“ endgültig den Sargdeckel über einer der potentesten Rock-Kooperationen der letzten 40 Jahre zu. Sowohl Meatloaf als auch Jim Steinman sollten sich was schämen. Steinman, weil er wieder mal nur altes Material recycelt - hat der in den letzten 25 IRGENDWAS Neues geschrieben? Und Meatloaf, weil man nicht mehr singen sollte, wenn man nicht mal unter idealen Studiobedingungen mehr singen kann. Die Cover von „More“ und „Loving you’s a dirty job“ mögen schön pumpend produziert sein, auf die Vocals kann man nur noch mit Mitleid reagieren. It hurts (only when I listen):

Ich empfehleDiesen Blog, der - wie auch ich schon - auf die Suche nach Betrügereien im eBook-Business geht.

Ich erinnere: An diese Begegnung mit dem Nachbarn aus dem hässlichen Haus auf der anderen Straßenseite.

Ich preise: Diesen Einblick in die Herstellung einer Uhr für 2,2 Millionen Euro. Pottenhässlich, aber echte Mechanik-Pornographie.

Ich lerne:

Podcasts schätzen. Auf meinem iPhone kann man die ja prima abonnieren. Ideal für längere Autofahrten. Hörspiele, Hoaxilla, History - ich habe sicher erst die Spitze vom Eisberg gehört.

Mac OS Sierra nutzen. Ärgerlich - einige durchaus im Gebrauch befindliche Tools sind nicht mehr kompatibel, von manchen wird es auch keine Updates geben (z.B. Speed Download). Das behindert den Workflow, aber es stoppt ihn nicht. Ansonsten wieder alles smooth wie üblich bei Apple, man braucht auch kein komplett neues Environment zu lernen.

Ich wiege: 102 Kilo. Immerhin.

Die Katzen:

cats

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16
September 2016

Wortvogels Wochenspiegel (1)

Ich denke: Bautzen sollte sich schämen. Die freie Markt der Fernbusse bröselt zu schnell. Auch ein Sieg Hillary Clintons bei der Präsidentschaftswahl wird nichts daran ändern, dass nicht nur das politische System, sondern auch der gesellschaftliche Entwurf der USA fundamental zerbrochen ist.

Ich fühle: Unruhe. Die massive Reduktion meiner üblichen Online-Aktivitäten schlägt erwartungsgemäß nicht augenblicklich in massiven kreativen Output um. Das sorgt für mentale Durchhänger und Leerstellen.

Ich lese: "Harry Alan Towers: The Transnational Career of a Cinematic Contrarian" - eine zu teure, extrem trockene und akademische Analyse des Towers'schen Geschäftsmodells. Keine leichte Lektüre, aber man kann sehr viel über internationale Filmproduktionen und den oft inhärenten Rassismus und Chauvinismus der Branche lernen. Ein paar Informationen bezüglich "Sumuru" und "High Explosive" sind allerdings nicht korrekt, das muss ich dem Autor noch mitteilen.

Ich schaue: „Hard Target 2“ - ein mit erstaunlichem Aufwand an Locations und Stunts von Sequel-Meister Roel Reiné inszeniertes Double (kein Remake, keine Fortsetzung) von John Woo's US-Debüt, diesmal mit Scott Adkins statt Jean Claude van Damme. Leider kann aller Eifer der Beteiligten das strunzdumme, banale und eierlose Skript nicht wettmachen. Das ist "Cannon lite", ähnlich wie Adkins "Ninja". Wenn Adkins den Durchbruch als Actionstar in die Oberliga noch schaffen will, wird es Zeit - nach mittlerweile zehn Jahren solider Mittelklasse tickt die biologische Uhr. Immerhin ist "Hard Target 2" besser als "Kindergarten Cop 2" vom gleichen Label, aber was heißt das schon? Lieber noch mal die "Undisputed"-Sequels gucken. So geht's.

Ich schaffe: Eine beschauliche Weihnachtsgeschichte mit Schnee und Christbaumkugeln - bei 30 Grad unter strahlend blauem Himmel. Und an die 20 Ideen für Kurzgeschichten habe ich gesammelt, die primär zur Erprobung verschiedener Schreibstile und Genres dienen sollen.

Ich empfehle: Bernhard Torschs Textanalyse eines ZEIT-Artikels über den IKEA-Katalog, die von mir hätte sein können.

Ich erinnere: Wortvogel-Retrospektive - dieser Beitrag über die aktuelle Klatschpresse hat 2008 beträchtlichen Wirbel verursacht.

Ich preise: Die Dokumentation "Out of the Ashes: Captain Power and the Soldiers of the Future" - eigentlich ein spielfilmlanges DVD-Extra vom Box Set zur kultigen SF-Actionserie der 80er. Könnte bald von YouTube gelöscht werden:

Und hier noch ein Shoutout an Dietmar - Gratulation!

ds

Ich esse: Eisbecher "thai style" im Goldzünglein in Karlsruhe - leider ist das Ecklädchen nicht sehr einladend, die durchweg weiblichen Aushilfen (von den durchweg männlichen Gründern des Geschäfts keine Spur) tun sich sehr schwer, das Eis kompakt und appetitlich zu rollen. Konzeptionell interessant, massive Probleme in der Umsetzung. Und nein, auch für ein "kostenloses Extratopping" bekommt ihr kein Like auf Facebook von mir.

Ich wiege: 103 Kilo. Seufz.

Die Katzen:

Kreisel

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6
September 2016

Zwischenruf: Dässwisch

Ich halte mein Haus sauber, darum muss Udo ran:

Marc Vorlanders ""Death Wish: Another Beginning""
(doppelte Vorzeichen gewollt)

Kommentare bitte drüben abgeben. Seid fleißig, bleibt höflich.

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1
September 2016

Heute ist nicht alle Tage...

Es kribbelt im Bauch. Das hätte ich nicht gedacht. Heute ist der Tag, an dem ich in mein Online-Sabbatical gehe. Das heißt konkret: Keine dauernde Präsenz beim Wortvogel, keine Abende bei YouTube mehr, Abwesenheit bei Facebook.

Im Gegenzug: Diät, Sport, Privatleben, Urlaub - und endlich mal wieder Schreiben nicht für das Journalistenherz, sondern für die Autorenseele. Besonders Fiction. Das habe ich zu lange vernachlässigt, da will was raus.

Ich werde nicht GANZ verschwinden - eine Hütte im Wald ohne fließend Wasser ist nicht meine Vorstellung vom Paradies. Einmal die Woche (vermutlich zum Montag) poste ich hier einen kleinen Steckbrief, der stichwortartig vermeldet, was ich in den letzten sieben Tagen gelesen, gedacht, gesehen und gemacht habe.

Sollte es im Dezember wieder ein Wochenende der Fantasy Filmfest White Nights geben, findet ihr hier natürlich zeitnah die Reviews. Es würde mich auch wundern, wenn ich am Abend der Wahl in den USA nicht doch einen Kommentar veröffentlichen würde - bevorzugt, um die erste Präsidentin der Vereinigten Staaten zu (be)grüßen.

Darüber hinaus ist hier jetzt erstmal...

testbild

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30
August 2016

Fantasy Filmfest 2016: Nach(t)gedanken & Statistik

So habe ich nach 10 Tagen FFF 2016 ausgesehen:

Motel

Im Vergleich zu einigen Vorjahren ist das noch erstaunlich sozial kompatibel.

Ich sammle hier einfach noch mal ein paar lose Gedanken zum Thema...

Zuerst einmal bedanke ich mich bei Leser und Kommentator Flippah, der quasi spontan für Doc Acula eingesprungen ist. Er hat ebenfalls alle 51 Filme durchgehalten, das verdient meinen Respekt. Ich danke auch allen anderen netten Besuchern, die den Fehler gemacht haben, sich mit mir auf Diskussionen einzulassen.

Danke auch an die Veranstalter, besonders an Matthias und Friederike. Friederike nahm meinen Vorschlag an, nicht jeden Film mit einer generischen Variante von "Also mir hat er sehr gefallen" einzuleiten und hat "Greasy Strangler" fair und offen als "Nicht mein Ding" angekündigt. Matthias hat mich zum Screening von "Don't kill it" auf die Bühne geholt, damit ich ein paar Worte zu Mendez und Lundgren sage. Im Gegenzug habe ich zweimal den Popcorn-Eimer gehalten und nach den Screenings die Stimmkarten für den "Fresh Blood Award" eingesammelt. Ich musste dem Reiz widerstehen, jeder Frau, die "We are the Flesh" eine 1 oder 2 gab, faux-empört "pfuiiii!!!!" hinterher zu zischen.

Ach ja, der "Fresh Blood Award". Ich bin mit dem Abstimmungsergebnis in Nürnberg etwas unzufrieden, weil "Priests" und "Under the Shadow" nur sehr beschränkt in meine persönliche Top Ten gehören, aber der Sieg von "They call me Jeeg Robot" hat mich damit versöhnt. Ich bin mal gespannt, wie die anderen Städte abstimmen.

Meine persönlichen Top 5 dieses mal, ohne Ranking:

Swiss Army Man
We are the Flesh
They call me Jeeg Robot
Toro
Train to Busan

Wer fünf mehr Tipps für die Heimsichtung braucht:

The Girl with all the Gifts
My Big Night
Don't kill it
Desierto
Deep in the Wood

Meine persönlichen Flop 5:

Shelley
Cell
Follow 
Greasy Strangler 
I had a bloody good time at House Harker

Es gibt einen seltsamen Disconnect: Obwohl die Ampelwertungen etwas anderes sagen, habe ich dieses Jahr als vergleichsweise schwach empfunden. Eine genauere Analyse verrät den Grund: Es gab zwar wieder richtig viele grüne Ampeln, nämlich 25 - aber das Mittelfeld war mit gerade mal 11 Filmen unterbesetzt und satte 15 rote Ampeln haben die Laune versaut. Damit gab es nicht weniger gute Filme als in deutlich besseren Jahrgängen - nur viel mehr schlechte.

graph

Top-Jahrgang bleibt 2010 mit nur zwei roten Ampeln. Das ist allerdings nicht vergleichbar, weil damals noch Filme parallel liefen und die sorgfältige Vorauswahl vermutlich schon viele Gurken aus der Bilanz genommen hat.

Sämtliche Kritiken sind auch diesmal mit Wertungen und Statistik bei der großen FFF-Masterliste verlinkt.

Dass nicht ein einziger deutscher Film irgendwie qualitativ oder thematisch in Programm passte, spricht Bände über das aktuelle Genrekino hierzulande. Kurz zusammen gefasst: Es gibt keins.

Ich habe übrigens meine Meinung zur Filmauswahl der Festivalveranstalter teilweise revidiert. Ja, es ist immer noch schön, dass das FFF nicht mit Direct2DVD-Sequels und TV-Filmen zugemüllt wird. Aber die Tatsache, dass hier fast ausschließlich Filme aus dem internationalen Festival-Wanderzirkus durchgeschleust werden, führt zu einer gewissen verzerrten Wahrnehmung - was auf dem FFF läuft, gibt (anders als früher, habe ich das Gefühl) keine repräsentatives Bild des/der Genres ab. Zu viele Filme wurden offensichtlich mit vielen Steuergeldern und Fördertöpfen speziell für den Zweck gedreht, vor ausgesuchtem Publikum zu laufen und nicht in regulären Kinoauswertungen ihr Budget wieder einspielen zu müssen. Das ist teilweise schon sehr mühsame Nabelschau (Shelley, Follow, Here alone) und die Freiheit von kommerziellen Zwängen führt eben oft nicht zu kreativen Höchstleistungen, sondern auch zu erzählerischer Faulheit und Prätention.

Darum würde es mir durchaus gefallen, wenn die Veranstalter künftig wieder etwas mehr mit den etablierten Verleihern arbeiten würden, um das Programm einen Tacken aufzuhübschen. Es gab 2016 Tage, da kam ich nach fünf Depri-Filmen wirklich entmutigt aus dem Saal. Ist es zuviel verlangt, dass wenigstens zwei von fünf Filmen am Tag krachendes, buntes Entertainment bieten sollten? Die Mischung macht's.

Und von der Mischung kommen wir gleich auch mal zu den Genres. Ich habe ja nix gegen Außenseiter und positive Überraschungen, aber angesichts solcher Filme wie "To steal from a thief" und "My big night" kann man das "Fantasy" im Titel des Festivals auch gleich streichen. Früher wurden die Eckpfeiler Fantasy, Horror und Science Fiction noch durch Action und Asia ergänzt - mittlerweile scheint es keinerlei Maßstäbe mehr zu geben außer die Verfügbarkeit. Auch hier meine Bitte: Etwas mehr an das Publikum denken, das Karten für ein FANTASY Filmfest gekauft hat.

Nichts destotrotz war es wieder eine gelungene und prima organisierte Veranstaltung, zu der dich auch 2017 gerne wieder anreisen möchte.

Zum Abschluss gab es auch noch eine gute Nachricht: Im Winter gibt es aller Voraussicht nach erneut ein White Nights-Wochenende. In bin dafür - und dabei. Vielleicht mal wieder in Berlin.

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30
August 2016

Fantasy Filmfest 2016: Carnage Park

Carnage Park

Carnage-Park-Poster-2USA 2016. Regie: Mickey Keating. Darsteller: Ashley Bell, Pat Healy, Darby Stanchfield, Larry Fessenden, James Landry Hébert, Michael Villar, Alan Ruck

Offizielle Synopsis: Haben Sie gerade eine Bank ausgeraubt, eine wehrhafte Geisel im Kofferraum – Ihr Komplize hat einen Bauchschuss erlitten und die Bullen sind Ihnen auf den Fersen? Dann flüchten Sie doch in den Carnage Park, das Vergnügungsareal voller Attraktionen. Wir garantieren Ihnen den Nervenkitzel Ihres Lebens – oder besser gesagt: Ihres Todes. Hier nimmt Sie unser bestens ausgebildeter Maniac noch persönlich ins Fadenkreuz seines zertifizierten Scharfschützengewehrs. Ladehemmung ausgeschlossen!

Kritik: Okay, mit diesem Nachzügler-Review beenden wir die Leistungsschau des Genrekinos bekannt als Fantasy Filmfest. Ich werde sicher noch ein paar generelle Nach(t)gedanken zusammen fassen, aber was die Kritiken angeht, ist hier das Ende der Fahnenstange.  51 Filme, 51 Reviews. Perfect score.

Ich gebe zu, dass ich mich von dem guten Trailer habe verleiten lassen, auf meiner Masterliste vorab schon die grüne Ampel zu vergeben und meine abschließende Statistik dergestalt zu berechnen. Leider habe ich nicht damit gerechnet, dass "Carnage Park" eben doch nicht der hochoktane Thrillride ist, den ich angesichts des involvierten Talents erwartet hatte.

Das primäre Problem ist sicherlich, dass hier angeblich eine wahre Geschichte nacherzählt wird - auch wenn eine grobe Googelsuche das nicht verifizieren konnte. Wahre Geschichten und wahre Charaktere haben die Angewohnheit, sich selten an kinotaugliche 3 Akt-Strukturen zu halten und lassen sich auch nicht beliebig zu Gunsten der gewünschten dramaturgischen Entwicklung hinbiegen. So ist Viviane Fontaine nicht mehr als irgendeine Frau, die durch eine Verkettung unglücklicher Umstände auf dem Gelände eines durchgeknallten Waffenfetischisten landet, der sie daraufhin zum Freiwild erklärt. Es gibt keine Beziehung zwischen beiden, keine Backstory. Sie repräsentieren auch keine kontrastierenden Weltbilder, aus denen man einen Subtext lesen könnte - in "Desierto" standen die beiden Hauptfiguren ja sehr klar für ihre beiden Heimatländer, verkörperten einen Klassen- und Verteilungskampf.

carnage park

Viviane hat auch - außer zu überleben - kein Ziel vor Augen. Sie flüchtet ziemlich planlos, die einzelnen Spannungsszenen sind eher episodisch eingestreut und von wechselnder Effizienz. Das steigert sich nicht ausreichen, im Gegenteil - diverse Flashbacks nehmen immer wieder das Tempo raus.

Vor allem aber hat mich der technische Schnickschnack geärgert. Auch hier ist es wieder angebracht, den Vergleich zu "Desierto" zu ziehen, der extrem straight inszeniert ist und auf Schaueffekte komplett verzichtet. Er vertraut seiner Story, seinen Figuren und seiner Regie. "Carnage Park" vertraut primär auf die Editing-Software und die Bibliothek mit den Soundeffekten. Was hier an Filtern, Schnitten und Audio-Nachbearbeitung aufgefahren wird, ist aufdringlich und reißerisch, der tatsächlichen Spannung und dem Stil der 70er-Thriller massiv abträglich. Ich verstehe, dass man den Look trocken und ausgebleicht halten wollte - aber muss deswegen alles nach Sepia-Pampe aussehen?

So hangelt man sich an den Performances von Healy, Bell und Ruck durch einen inhaltlich grobschlächtigen, unnötig aufpolierten Exploiter, der nie seine Qualitäten ausspielt oder sein Potenzial ausschöpft. Das geht gerade noch als "Midnight Movie" durch, für den Solokonsum daheim wäre das eine rote Ampel.

gelbFazit: Eine Low Budget-Hommage an die schwitzigen Drive In-Roadmovies der 70er, die ihre sehr dünne Story und die mangelnd definierten Charakter trotz der Mühen aller Beteiligten nur mühsam mit tonnenweise Schnitt- und Soundgimmicks über die Laufzeit bringt.

Philipp meint: Getragen von einer ausnehmend starken Hauptperson scheint hier das "based on a true story" die Geschichte nicht behindert zu haben.

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29
August 2016

Fantasy Filmfest 2016: Scare Campaign

Scare Campaign

Scare-Campaign-Movie-PosterAustralien 2016. Regie: Cameron Cairnes, Colin Cairnes. Darsteller: Meegan Warner, Ian Meadows, Olivia DeJonge, Josh Quong Tart, Patrick Harvey, Cassandra Magrath, Steve Mouzakis, John Brumpton

Offizielle Synopsis: Ausgangspunkt ist das fiktive TV-Format „Scare Campaign”, das in der bereits 5. Staffel Ahnungslose erschreckt und vor versteckter Kamera vorführt. Zuletzt wäre bei einem fiesen Streich in der Pathologie beinahe eine Darstellerin gestorben, weshalb Redakteurin Emma eigentlich aus dem Geschäft aussteigen will. Aber ihr gegen Moral und Gewissen immuner Chef Marcus hält sie auf Kurs und die Produzentin fordert sogar noch mehr Drastik. Denn die Konkurrenz schläft nicht. Die Internetshow „Masked Freaks”, eine Art VIDEODROME mit Slipknot-Maniacs, die ihre Mordinstrumente direkt an die Kameras geschnallt haben, läuft „Scare Campaign” längst die Quote ab.

Kritik: Ich bin durchaus der Meinung, dass aktuelle Trends im Horrorfilm Anlass zur Medienkritik geben, meinetwegen auch im Kontext eines Horrorfilms selbst. Dass der klassische Gruselfilm den zynischen Schlachtplatten weichen muss(te), ist zwar etwas plakativ und sicher nicht pauschal richtig, aber man kann (gerade auch nach Diskussionen, die ich hier auf dem Festival geführt habe) durchaus mal fragen, ob die neue Generation von Zuschauern nicht auf "thrills" statt "chills" aus ist, ob hier ein Fandom von gewaltgeilen, emotional betäubten Gaffern heran wächst, die Filme nach Schmerzgrenzen und Gewaltleveln werten (wobei ich zu einer Generation gehöre, von der man das vor 30 Jahren auch schon behauptet hat).

Es ist allerdings problematisch, wenn man diese Fragen im Kontext eines gewaltgeilen und voyeuristischen Splatterfilms stellt, also den Bock zum Gärtner macht und das Objekt der Kritik zur Kritik am Objekt erklärt.

"Scare Campaign" gibt vor, die Wachablösung vom effektiven Schocker zum inhaltslosen, aber gewaltgeilen YouTube-Clip zu kritisieren. Dummerweise ist schon die als moralisch sauber proklamierte TV-Show "Scare Campaign" eine zynische Sauerei, wenn im Prolog ein unbedarfter Wachmann derart verängstigt wird, dass er sich in die Hose pisst und zur Waffe greift. Ehrlich jetzt - DAS sollen die "guten Horrorfilme" sein, die nun vom bösen Internet bedroht werden?

Der Versuch, die TV-Show für den neuen Markt etwas härter zu gestalten, ist damit auch keine Aufgabe höherer Ambitionen, sondern nur ein weiterer Abstieg in die Scheiße. Und so sehr sich die Macher des Films auch bemühen - man muss schon sehr unbedarft sein, um die schockierenden Twists der nächsten Stunde nicht von weitem kommen zu sehen. Die Inszenatoren finden sich als teil der Inszenierung wieder, jede Ebene der Realität ist eine neue Ebene der Show.

scare campaign

Abgesehen davon, dass "Scare Campaign" sehr vorhersehbar ist, ist er auch noch sehr hohl. Die "Medienkritik" beschränkt sich auf "TV-Bosse hecheln immer nur den Quoten hinterher" - was Unfug ist, da die TV-Show ja gut läuft und der Erfolg von "Maskes Freaks" im Netz darauf keinen Einfluss hat.

Überhaupt, die "Masked Freaks" - dieses Konzept ist in einem Maße schlecht durchdacht, dass ich den Autoren eine Backpfeife verpassen möchte. Das Publikum glaubt (so wird unterstellt), die brutalen Clips seien einfach nur phänomenal gut gestellt. Wenn das reicht, um 15 Millionen zahlende Kunden zu bekommen - warum sollte man echte Morde begehen und filmen? Was für einen Sinn hätte es, ein widerliches aber legales Geschäftsmodell durch dutzendfache Massaker zu gefährden? Und wie heuert man Teenager an, um solche Morde zu begehen?

Das ist konzeptionell null durchdacht und kann deswegen auch kein logisches Ende finden. Wie so oft, brechen die Macher deshalb mitten in der Handlung ab und winken mit der Aussicht auf eine Fortsetzung, was mich auch ankotzt.

"Scare Campaign" hält sich für kritisch, feiert aber, was er kritisiert - und ist letztlich so unausgegoren und selbstverliebt wie die "Purge"- und "Saw"-Reihen.

Vielleicht bin ich aber auch nur zu alt für diese Sorte Unsinn.

rotFazit: So wie "Beyond the Gates" spezifisch die Filmfans der 80er anspricht, ist "Scare Company" ein Grusler für die YouTube-Generation und damit für mich vielleicht schon verloren. Ich erkenne und respektiere eine gewisse technische Finesse, kann mit dem hanebüchenen Plot in diesem zynischen Kontext allerdings nichts anfangen.

Philipp meint: Gut gespielt, schert sich aber nicht um logische Verankerung in der Welt. Da das aber bei Splatter eher üblich ist, kann ich es hier akzeptieren.

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29
August 2016

Fantasy Filmfest 2016: My Big Night

My Big Night

my-big-night-posterSpanien 2015. Regie: Álex de la Iglesia. Darsteller: Mario Casas, Pepón Nieto, Hugo Silva, Carmen Machi, Santiago Segura, Carlos Areces, Raphael, Jaime Ordóñez, Terele Pávez, Carolina Bang, Enrique Villén

Offizielle Synopsis: Beim Dreh des Silvesterspecials eines spanischen Fernsehsenders geht so ziemlich alles Denkbare schief. Wenn gleich in den ersten Minuten ein Zuschauer von einem Kamerakran erschlagen wird, ist es wohl ratsam, sich besser anzuschnallen. Da ist zum Beispiel der alternde Schlagerstar Raphael, der seinen blutjungen Konkurrenten Adanne am liebsten um die Ecke bringen würde. Der wiederum kann seine Hosen einfach nicht anbehalten und gerät dadurch in das Erpressungskomplott eines Groupies, während Raphaels Sohn Yuri derart unter seinem jähzornigen Vater leidet, dass er seine eigene Verschwörung plant, um den Tyrannen loszuwerden. Und dann gibt es im Studio noch zwei überforderte Moderatoren, die sich gemeinsam mit der Crew so einiges ausdenken müssen, um dieses Monstrum namens Fernsehen unter Kontrolle zu bekommen.

Kritik: Álex de la Iglesia ist - wie Mike Mendez - ein zuverlässiger Lieferant echter Crowdpleaser, zuletzt mit dem hilariösen "Witching & Bitching". Sein Einfallsreichtum sprengt alle Maßstäbe, seine Fähigkeit, kontrolliertes Chaos auf die Leinwand zu bringen, ist ohnegleichen - und "My big night" das perfekte Beispiel dafür.

Dieser Film sollte nach keinem Maßstab für das Fantasy Filmfest geeignet sein – er besitzt keinerlei phantastische Gimmicks, ist nicht brutal, hat keine traditionellen Actionszenen oder Crime-Elemente. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als das "behind the scenes"-Durcheinander bei einer geschmacklos-kitschigen Silvester-Show, die der Logistik wegen schon im Oktober aufgezeichnet wird und bei der die Beteiligten das Studio eine Woche lang nicht verlassen dürfen, weil draußen gewalttätige Demonstranten das Gelände belagern.

In Deutschland würde sich so ein Film um Dieter Thomas Heck und Michelle Hunziker drehen, um Udo Jürgens und Andreas Gabalier.

my big night

Was "My big night" so sensationell und für das FFF tauglich macht, ist das atemberaubende Tempo und die gleichzeitige Kontrolle, mit der de la Iglesia alle Handlungsstränge im Griff behält, kombiniert, ergänzt und entwickelt. Die Dutzenden von Figuren bilden einen so hysterischen wie funktionierenden Mikrokosmos aus Liebe und Verrat, Sieg und Niederlage. Selbst für Leben und Tod sind nur Sekunden Zeit, dann müssen die Kameras wieder laufen. Alles auf Anfang!

Dass "My big night" zudem noch brüllend komisch, sexy und medienkritisch ist, verwundert dann auch nicht mehr. Álex de la Iglesia hat auch diesmal keine Mühe, das alles unter einen Hut zu bringen. So einen gibt es nicht in Deutschland, wie FFF-Moderator Matthias korrekt anmerkte. Und gäbe es ihn, würde man ihn nicht solche Filme drehen lassen. Und würde man ihn solche Filme drehen lassen, würde sie niemand anschauen.

Bonuspunkt für Mario Casas, der als strunzdumme und dauergeile Ein Mann Boygroup zeigt, dass er nicht nur harte Action kann.

gruenFazit: Komödie, Romanze, Krimi, Chaos - mehr Film geht nicht. Wer sich bei "My big night" nicht prächtig unterhält, ist ein japanischer Abteilungsleiter mit einem kleinen Mäusepimmel ( (c) Walter Moers).

Philipp meint: Totales Chaos - der Film. Geniale Verwebung diverser Handlungsfäden, brüllend komisch und spannend zugleich.

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