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Apr 2024

Altpapier: Wortvogel-Veteran im Dienst des Geisterjägers

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

Den Marko kennt ihr. Der hat hier Gastbeiträge geschrieben, er kommentiert fleißig, und ach ja – seit 15 Jahren kümmert er sich um das Design des Wortvogels.

Als ich vor ein paar Tagen über die Entrümpelung meiner John Sinclair-Sammlung sprach, erwähnte eben jener Marko, dass er in jungen Jahren drei Kurzgeschichten in den Heften des Geisterjägers unterbringen konnte. In den Zweit- und Drittauflagen der Hefte gab es ja keine Leserbriefseite und der Platz musste anderweitig gefüllt werden. Von Fans verfasste Geschichten sind da eine perfekte Lösung: kostet erstmal nix, stärkt die Leser/Heft-Bindung und wer weiß – womöglich lässt sich ein Talent für die Romanheft-Schmiede identifizieren.

Ich gestehe, ich bin ein wenig neidisch. 1983 hätte ich viel dafür gegeben, meinen Namen in einem Sinclair-Roman zu lesen. Und ich hatte ja durchaus Ambitionen, Autor zu werden (was wurde eigentlich daraus?). Aber ich konnte mich nie wirklich aufraffen, zumal ich unterstellte, dass der Bastei-Verlag wöchentlich bestimmt TAUSENDE Zusendungen bekam. Rückblickend habe ich das wohl überschätzt.

Die Begeisterung, dass Marko gleich drei Geschichten platzieren konnte, passt gut zu meinem Bestreben, das alte Analoge in frische Digitale zu holen. Interessant ist nämlich, dass online als Freiwild verfügbare Scans der Serie diese Storys immer auslassen. Sie sind etwas im Nebel der Jahrzehnte verschwunden.

Also habe ich Marko gebeten, mir die drei Geschichten zur Verfügung zu stellen. Er hatte noch Scans der Hefte, die ich mit OCR und dann in Handarbeit sorgsam überarbeitet habe. Null Änderungen, keine Fehlerkorrektur, alte Rechtschreibung.

Wen’s interessiert – mit einem solchen Schreiben bekam man anno 1986 das erkleckliche “Leserhonorar” angekündigt…

… welches dann in Form eines Verrechnungsscheck beilag:

Ja: Auf dem Scheck und dem Schreiben wird Marko unterschiedlich geschrieben.

Man muss Markos Geschichten nicht für große Literatur halten (das tut er selber nicht), aber sie sind bezaubernde Relikte einer Geek-Jugend in den 80ern und schon daher gebührt ihnen Respekt. Interessant ist auch, wie sehr sich Markos Schreibstil in den Jahren 1986 bis 1994 entwickelt hat, wie er gereift ist.

Um das angemessen zu würdigen, werde ich “Ein Todesfall”, “Der Klempner Satans” und “Fiona” ab morgen in den nächsten drei Tagen jeweils um Mitternacht freischalten. Zur Spannung noch die Gänsehaut …!



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Dieter
Dieter
20. April, 2024 13:31

Interessant ist nämlich, dass online als Freiwild verfügbare Scans der Serie diese Storys immer auslassen. Sie sind etwas im Nebel der Jahrzehnte verschwunden.”
Alles andere wäre ein Verstoß gegen das Urheberrecht.

Nummer Neun
20. April, 2024 18:22

Hatte Marko selbst auch nur noch die veröffentliche Version aus den Heften? Spannend wäre auch noch sein Urteil über die Geschichte(n). Wie liest es sich für ihn nun Jahrzehnte später?

Marko
20. April, 2024 20:08
Reply to  Nummer Neun

Ich hab noch alle meine Jugendwerke. So von etwa zwölf bis 22 hab ich einen Haufen Kurzgeschichten geschrieben, getippt auf einer Schreibmaschine, die Seiten liegen mittlerweile eingescannt auf meinem Archiv-Rechner. Qualitativ, machen wir uns nichts vor, waren das alles nur amateurhafte Versuche, Geschichten zu schreiben wie die von Stephen King oder Wolfgang Hohlbein, meine beiden Vorbilder damals, und dementsprechend bescheiden liest sich das alles heute für mich. Damals war ich fest entschlossen, als Schriftsteller Karriere zu machen, und ich erkenne meine Ambitionen von früher durchaus wieder in den Zeilen. Bisschen unangenehm sind mir einige Stellen dennoch, aber das gilt im Grunde ja für fast alles aus der Zeit als Teenager, warum sollte das bei den damals entstandenen Geschichten also anders sein…

Ingo
Ingo
23. April, 2024 12:01

Ja, ach ja 🙂 Zwei auch mit Maschine getippte Geschichten habe ich dort unterbringen können. 150 Mark! Was war das für Geld! Keine Ahnung was ich damit gemacht habe. Aber es war ein… interessantes Gefühl, meinem Deutschlehrer das eine Heft (keine Ahnung welches, irgendwas mit Zombies in einer Eishöhle auf dem Titelbild?) in die Hand zu drücken ^^