05
Mrz 2024

Death by dumb: Warum auch große Serien armselig sterben

Themen: Film, TV & Presse |

Star Trek, Dallas, Games of Thrones – die Geschichte des Fernsehens ist wahrlich nicht arm an Klassikern und Legenden. Vergessen wird dabei mitunter, dass auch diese Serien irgendwann aus den unterschiedlichsten Gründen eingestellt wurden. Selten wird zum Finale noch einmal so groß(artig) aufgefahren wie bei STAR TREK – THE NEXT GENERATION:

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Tatsächlich sterben die meisten Serien leise und unwürdig – weil ihnen die Kraft ausgegangen ist, das Geld, weil den Autoren für das immer gleiche Szenario mit den immer gleichen Figuren nichts mehr einfällt. Man könnte das analog zu erfolgreichen Pop-Bands sehen, deren erste Alben von Kritik und Publikum mit Lob überschüttet wurden, während das finale Werk selten Lorbeeren einheimst.

Was mich bei näherer Betrachtung aber überrascht hat, ist die Tatsache, dass man vielen Serien recht früh ansehen kann, wann sie “über den Hai gesprungen” sind – und warum sie letztlich eingestellt wurden. Ebenso, dass die Gründe erstaunlich vielfältig und geradezu unvermeidbar sein können.

Nachfolgend mal ein paar Serien, deren Ende schon vor der letzten Staffel absehbar war – und weil das eine sehr subjektive Einschätzung ist, lade ich natürlich zu Kritik, Widerspruch und alternativen Antworten eurerseits ein.


Airwolf / Twilight Zone 1985

AIRWOLF war eine der großen, coolen Actionserien der 80er, die auf Video wie im jungen Privatfernsehen ihr Publikum begeistern konnte:

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Das Problem: Sie war sehr teuer. Nicht nur die Actionszenen kosteten Zeit & Geld, auch Hauptdarsteller Jan-Michael Vincent ließ sich die Mitarbeit vergolden: Mitte der 80er war er der bestbezahlte Seriendarsteller der Welt – und ein schwerer Alkoholiker, was zu den Problemen von AIRWOLF beitrug.

In der zweiten Staffel schraubte man am Konzept und fügte mit Jean-Bruce Scott ein weibliches Teammitglied hinzu, aber es half nicht. Nach der dritten Staffel wurde AIRWOLF von CBS eingestellt – und vom Kabelsender USA wiederbelebt. Die vierte Staffel war schon eine sehr freche Form der Geldschneiderei: mit einer komplett neuen Besetzung billig in Kanada gedreht, gab es KEINE neuen Szenen mit dem Helikopter mehr. Alles wurde mit “stock footage” aus den ersten drei Staffeln bestückt. Barry van Dyke und Kollegen mussten die Kostüme von Jan-Michael Vincent und Ernest Borgnine auftragen und deren Helme überstülpen:

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Der Grund? Drei Staffeln reichten nicht, um die Serie in die lukrative Syndication zu lizensieren, wo man sie in täglicher Ausstrahlung jahrelang wiederholen konnte. Die vierte Staffel AIRWOLF war demnach ein durchschaubarer Versuch, mit minimalem Aufwand die Episodenzahl zu pushen.

Ähnlich ging es 1985 auch der Neuauflage der TWILIGHT ZONE, deren erste Staffel in meinen Augen einen Höhepunkt in Sachen Horror-Anthologie darstellt:

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Zwei, manchmal sogar drei Episoden pro Folge, gedreht von den besten Regisseuren Hollywoods. Die erste Staffel bestand letztlich aus 59 großartigen Kurzgeschichten. Aber der Aufwand stand wieder einmal in keinem Verhältnis zu den Einschaltquoten, weshalb man sich entschied, die Serie ab der zweiten Staffel nach Kanada zu verlegen und die deutlich preisgünstigeren Folgen nur noch in Längen zu produzieren, die sich bequem als Halbstünder vermarkten ließen. Staffel 3 bestand dann auch von Anfang an nur noch aus einer Episode pro Folge. Wieder schleppte man sich so gerade über die Ziellinie, was die notwendige Folgenzahl für den Wiederholungszyklus anging.

Einer der Verantwortlichen der kanadischen Version war J. Michael Straczynski.


Dukes of Hazzard

EIN DUKE KOMMT SELTEN ALLEIN ist wie das A-TEAM eine der hohlen, aber harmlosen Actionserien der 80er, die mich nie begeistern konnten. In den USA, gerade in den Südstaaten, war sie allerdings ein heiliges Hohelied auf die Redneck-Vorstellung von Freiheit. Der Wagen wird heute noch kopiert und die knappen Shorts von Catherine Bach tragen dank der Serie den Namen “Daisy Dukes”:

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Mit dem Erfolg kam allerdings auch der Anspruch der Darsteller, sich für die Plackerei vor Ort gut bezahlen zu lassen. John Schneider (SMALLVILLE) und Tom Wopat (CYBIL) pokerten hoch – und verloren erstmal. Für die fünfte Staffel wurden sie durch zwei preiswertere “Cousins” ersetzt:

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Das ging allerdings so richtig nach hinten los und bevor die Staffel rum war, zahlte man Schneider und Wopat mehr Geld, damit sie zum Finale wieder dabei sein konnten. Aber DUKES OF HAZZARD hatte damit eindeutig seinen Zenit überschritten und wurde nach einer verkürzten siebten Staffel eingestellt.


Dallas

DALLAS revolutionierte in vielerlei Beziehung das US-Serienfernsehen für die 80er. Der Glamour der Soap Operas wurde erfolgreich in die Primetime gehievt und begründete ein neues Genre. In Sachen Aufwand orientierte man sich an den großen Mini- und Maxi-Serien der späten 70er. Der Fokus auf Luxus, Geld und Sex reflektierte die Ära, für die schon bald Ronald Reagan stehen sollte:

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So kann man argumentieren, dass es ein ganz natürlicher Vorgang war, dass DALLAS mit den 80ern auslief. Die 90er hatten einen neuen Anspruch, einen neuen Zeitgeist, in den besser Serien wie MELROSE PLACE und FRIENDS passten. Kapitalismus war out, Selbstfindung war in.

Aber das ist nur die halbe Wahrheit. DALLAS war mit dem Start der 14. Staffel schon lange nur noch ein Schatten seiner selbst. Besonders auffällig war der ständige Rückgang an echten Außenaufnahmen. Fast alles wurde bequem und billig im Studio gedreht, was die Serie optisch immer mehr den Daily Soaps anglich. Besonders für das Außen-Set der Southfork Ranch konnte man sich nur schämen. Das große Panorama ging verloren.

Man darf mit Recht fragen, was die Macher veranlasste, J.R. zum Finale suizidal zur Pistole greifen zu lassen, nur um von einem Engel (?) gezeigt zu bekommen, wie DALLAS ohne ihn aussehen würde:

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Ähnlich ging es übrigens der geliebten Serie EIN COLT FÜR ALLE FÄLLE, deren Highlight immer die Stunts und Explosionen waren – und genau diese wurden mit der vierten und fünften Staffel immer mehr zusammengestrichen. Manchmal musste es reichen, dass Colt entgeistert die Augen aufreißt und es offscreen “bumm!” macht. So konnte das nicht (weiter) gehen.


Sliders

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Ich habe SLIDERS geliebt! Parallelwelten (heute: Multiverses) sind genau mein Thema, action geladene SF mit einer positiven Weltsicht sowieso. Zumindest die ersten beiden (halben) Staffeln waren großartig, weil Cast und Konzept stimmten und man genügend Geld ausgab, um das auch ordentlich umzusetzen.

Ab der dritten Staffel ging es aber merklich bergab – wegen schwacher Quoten wurden die Budgets gekürzt und nach und nach stieg der Großteil der ursprünglichen Besetzung aus. Ab der vierten, spätestens aber der fünften Staffel (und einem Senderwechsel zu Syfy) war endgültig der Ofen aus – billiges Remmidemmi konnte die cleveren Ideen des Anfangs nicht ersetzen:

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Babylon 5

Ich habe ein Buch drüber geschrieben, deshalb ist es kein Wunder, dass ich BABYLON 5 massiv in Ehren halte, auch wenn die etwas übertriebene Theatralik der Serie in Kombination mit den erkennbar günstigen CGI-Tricks nicht wirklich gut gealtert ist. Egal – das hier war Vorreiter, Vorbild und Wegbereiter:

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Ähnlich wie SLIDERS litt BABYLON 5 immer unter mangelndem Budget und ungünstigen Sendeplätzen. Und wie SLIDERS wurde die Serie für die letzte Staffel in ein neues Zuhause (bei TNT) verschoben. Dennoch sehe ich den Grund für die Einstellung woanders. BABYLON 5 war von vorne herein auf fünf Staffeln angelegt gewesen, die J.M. Straczynski hastig auf vier Staffeln einkürzen musste, als Warner Bros. den Geldhahn abzudrehen ankündigte. Als es wider Erwarten doch zu einer fünften Staffel kam, war der eigentliche Plot schon auserzählt und man musste aus vorher gestrichenen Nebensträngen eine weitere Staffel drechseln. Das klappt nur mäßig – und danach war die Geschichte von BABYLON 5 schlicht zu Ende.


Married with Children

Die “schrecklich nette Familie” ist absoluter Kult, keine Frage, auch wenn uns damals gar nicht klar war, dass sie primär nicht als Sitcom, sondern als Parodie auf Sitcoms gedacht war. Elf Staffeln sind für eine Comedy-Serie ein absoluter Marathon – und es ist kein Wunder, dass die Serie damit haderte, aus dem begrenzten Cast und den begrenzten Locations irgendwann noch Saft zu ziehen.

Ein Hauptproblem sehe ich in der Tatsache, dass Kelly und Bud irgendwann zu alt wurden und den “with children”-Teil der Sitcom nicht mehr bedienen konnten. Man schrieb ihnen absurde Nebenplots auf den Leib (Bud als “Großmeister B”, Kelly als Talkmasterin), die immer aus dem Haus der Bundys heraus führten.

Zu Beginn der sieben Staffel kamen die Macher auf die Idee, mit einem neuen Kind die alte Dynamik wieder herzustellen – obskure Verwandte von Peggy verklappten ihren Sohn “Seven” bei den Bundys:

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Das ging so sehr daneben, auch weil es der Figur an jeder Form von Charakter mangelte, dass man sie nach einer Handvoll Episoden schon wieder unauffällig aus den Skripts entfernte. Danach merkten auch die größten Bundy-Fans: Die Luft war raus. Die internationalen Verkaufserfolge und diversen Adaptionen rechtfertigten zwar eine Fortführung, aber diese wurde zunehmend träger.


Baywatch (Hawaii)

Schaut man sich die launigen “recaps” von Allison Pregler an, dann kann man sich selbst im Nachhinein nur wundern, wie hingeschlampt und rausgerotzt BAYWATCH als Syndication-Serie nach dem aufwändigen Start bei NBC wurde:

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Obwohl die Serie zeitweise als “erfolgreichste TV-Serie des Planeten” vermarktet wurde, war sie immer erschütternd billig und auf den kleinsten gemeinsamen Nenner hin produziert. Unter den Serien, die die 90er definierten, ist sie das hässliche Stiefkind und David Hasselhoff der besoffene Onkel. Ich muss es wissen.

Als BAYWATCH in Malibu endgültig ausgelaugt war, wollten die Macher immer noch nicht den Stecker ziehen. Man suchte nach einem preiswerten “frischen” Drehort, wo man auch einen preiswerten “frischen” Cast einführen konnte. Die Wahl fiel auf – Australien. Aber BAYWATCH DOWN UNDER kam nicht zustande und stattdessen produzierte man zwei Staffeln BAYWATCH HAWAII im Duschgel-Werbelook und für so wenig Geld wie möglich:

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Bemerkenswert ist hier einzig und allein die Anwesenheit eines sehr jungen und sehr schlanken Jason Momoa, der schon mal für AQUAMAN üben konnte.


Game of Thrones

Das ist die einzige Serie, von der ich so wenig gesehen habe, dass ich sie nicht kompetent bewerten kann. Aber über die Gründe für ihre Einstellung nach Staffel 8 ist ausführlich geschrieben worden – und sie sind wieder ungewöhnlich genug, um sie in diese Aufzählung zu nehmen.

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Da war zuerst einmal die finanzielle Seite: GAME OF THRONES war eine scheißteure Serie, die an verschiedenen Orten weltweit gedreht und mit aufwändigen Effekten gepimpt wurde. Das konnte sich HBO sowieso nur als Prestige-Produktion leisten – und der Prestige-Wert nimmt irgendwann genauso ab, wie die Star-Gagen zunehmen. Es rechnet sich nicht.

Auf der kreativen Seite gab es das Problem, dass der Autor der Buchvorlage nicht mehr mit neuen Plots hinterher kam. Aufmerksame Zuschauer haben sehr klar gemerkt, ab wann die Serie sich zwangsweise von den Romanen lösen und neue Wendungen finden musste – was ihr nicht gut tat.

Und so kam es zu einem absoluten Debakel, als man ausgerechnet die letzte Staffel auf der Zielgeraden so sehr in den Sand setzte, dass die Serie ihr Ansehen und ihren Platz in der TV-Geschichte nachhaltig schädigte.


Brooklyn Nine-Nine

BROOKLYN NINE NINE ist wie COMMUNITY und SCRUBS eine großartige “single camera sitcom”, die ich erst nach ein paar Staffeln und auf Empfehlung hin entdeckte. Sympathische Charaktere, hohe Gag-Dichte, grandiose In-Jokes. Als Fox nach fünf Staffeln den Stecker zog, wollte die Produktionsfirma Universal nicht so schnell die Segel streichen und verschob die hoch gelobte Serie kurzerhand zum eigenen Schwestersender NBC. Dort hätte man locker noch ein paar Jahre weiter machen können – wenn nicht der Schwarze George Floyd 2020 von Polizisten getötet worden wäre und die Macher auf einmal dachten, die Polizei in ihrer Serie deutlich kritischer beleuchten zu müssen.

Um es kurz zu sagen: Die auf zehn Folgen verkürzte achte Staffel ist beschämend. Den Darstellern wie ihren Figuren scheint es auf einmal unangenehm, Cops zu sein. Man distanziert sich vor und hinter der Kamera vom Ton der früheren Episoden, dübelt “gesellschaftspolitische Relevanz” in Skripts, in die sie einfach nicht reingehört. Mir ist bis dahin und seither nie wieder eine Serie untergekommen, die derart cringe sich selbst verrät:

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Die Verkürzung der achten Staffel war ein Segen, ein notwendiger Gnadenschuss.


Miss Scarlet & The Duke

Nach RIPPER STREET und HOUDINI & DOYLE war MISS SCARLET & THE DUKE eine weitere aufwändige Krimiserie aus der viktorianischen Ära. Kein Event-Fernsehen für Netflix-Junkies, eher “comfort food” für einen gemütlichen Abend:

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Nach zwei sehr soliden Staffeln ging der Serie aber auf so vielen Ebenen gleichzeitig die Luft aus, dass wir die kürzlich veröffentlichte vierte Staffel nach der Hälfte entnervt abgebrochen haben.

Zuerst einmal wurden die Dreharbeiten aus Kostengründen von Dublin nach Belgrad verlegt, wo deutlich weniger echte Straßenzüge zur Verfügungen standen. Immer mehr wurde damit begonnen, “stock footage” aus Dublin zwischen die Szenen zu dengeln, was auffälliger war, als den Machern lieb sein konnte.

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Mit Staffel 3 änderte man die Farbphilosophie der Serie, die Sets wurden fast ausschließlich blau und grün gestrichen. Hinzu kam, dass der Mangel an Locations immer schmerzhafter sichtbar wurde: Einfache Zimmer, die durch ein paar Requisiten zu “Krankenhäusern” wurden, Eingangshallen als umdekorierte “Hotelrezeption” – Schmalhans wurde Küchenmeister.

Die “Liebesgeschichte” zwischen Miss Scarlet und ihrem Inspektor wurde zudem öde redundant – sie nutzt ihn aus, er erträgt ihre “moderne” Art. Anscheinend hat man sich bei der Produktion keinen Gedanken gemacht, wie man das inhaltlich voranbringen könnte. Es trat auf der Stelle.

Und schließlich: In den “back to back” gedrehten Staffeln 3 und 4 war Hauptdarsteller Stuart Martin oft auffällig abwesend – ich vermute einen Terminkonflikt mit den Dreharbeiten zu ARMY OF THIEVES.

Letztlich war das alles zu viel und MISS SCARLET & THE DUKE hat im Verlauf von gerade mal 28 Folgen allen Kredit des sympathischen Anfangs verspielt.


Luther / Sherlock / Picard

Wieso ich hier gleich drei Serien in einem Aufwasch abhandele? Weil sie alle drei am gleichen Problem litten. Alle drei Serien tragen den Namen der Hauptfigur – und die Hauptfigur ist Kult. Mit dem Kult kam für die Hauptdarsteller die Prominenz. Mit der Prominenz der Anspruch. Mit dem Anspruch der Einfluss.

Die späteren Staffeln von LUTHER und SHERLOCK sowie die Miniserien zu PICARD sind das perfekte Beispiel, dass Hauptdarsteller einfach nicht zu viel Macht bekommen dürfen. Sie neigen dazu, sich mit den Figuren gleichzusetzen, für sie zu sprechen – als wären die Figuren nicht zuerst einmal die Kreationen von Autoren. Der Gleichsetzung Darsteller/Figur folgt schnell die Ansicht, nur der Schauspieler allein könne die Figur schützen, führen, entwickeln. The Ego has landed.

Schaut man sich die originale STAR TREK: TNG-Serie an und die ersten Staffeln von SHERLOCK und LUTHER, dann sieht man klassische Figuren in klassischen Settings, herausragend gespielt. Aber in der Folge werden die Plots immer unwichtiger, das Konzept als “einengend” aufgegeben. Statt ganzer Staffeln mit geschlossenen Handlungen werden TV-Filme und Miniserien produziert, die sich noch dazu den Wünschen und dem Terminkalender ihrer Stars unterordnen müssen. Das, was die Serie ursprünglich ausmachte, wird der Eitelkeit der Darsteller geopfert.

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Idris Elba, Benedict Cumberbatch, Patrick Stewart – ihr seid gleichermaßen schuld.


Das muss reichen. Ich könnte noch Dutzende Beispiele aufführen, aber dann würden die Gründe, warum die Serien letztlich eingestellt wurden, sich immer mehr wiederholen. An welche Beispiele könnt ihr euch gut/schmerzhaft erinnern?



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86 Kommentare
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Mr. Fox
Mr. Fox
5. März, 2024 16:24

Bei GOT kam hinzu, dass die Macher eigentlich ein lukratives Projekt für eine neue STAR WARS-Trilogie von Lucasfilm in Aussicht hatten. Sie sollten eine Old-Republic-Filmreihe entwickeln und umsetzen und mussten deswegen relativ flott mit GOT fertig werden. Als sie dann aber bei Konkurrent Netflix einen langfristigen Deal unterschrieben und Disney das SW-Franchise neu ordnete, platzte das Projekt. (wohl auch wegen den katastrophalen Kritiken zum GOT-Finale)

Magineer
Magineer
5. März, 2024 17:41

MISS SCARLET & THE DUKE:

Dazu passt natürlich auch, dass Stuart Martin in Staffel 5 nicht mehr dabei sein wird und die Serie nun fortan kurzerhand MISS SCARLET heißt. 😉

Marko
5. März, 2024 20:13

Hachja, “Game of Thrones”. Die erste Staffel kam aus dem Nichts, die Staffeln 2 bis 4 überschlugen sich mit einem Hype nach dem anderen, und als dann R. R. Martin raus war als Storygeber, wurde es finster. Und das ist sooo schade, die letzten beiden Staffeln sehen unfassbar teuer aus und hätten mit den richtigen Drehbüchern und Plots die Serie mit einem tollen Ende triumphieren lassen können.

Ich finde auch nach wie vor das Ende von “Lost” unbefriedigend. Viele schwurbeln sich da eine deepe Erklärung zusammen, aber nach den ersten tollen Staffeln war es extrem ernüchternd, wie die mühsam errichtete Mythologie am Ende einfach nach… nichts aussah. Meh.

Und “Dexter”: Tolle Staffeln 1 – 4, danach wurde die Serie mit jeder Staffel deutlich schlechter, das war schon fast bemerkenswert konsequent. Das Serienfinale war keine Katastrophe, aber alles in allem doch unschön, wenn man an die guten ersten Staffeln zurückdenkt. Immerhin gab es grad nochmal eine nachgeschobene okaye Staffel, aber die konnte die schlechten Entscheidungen der eigentlichen Schlussstaffel nur mühsam aufpuffern.

Schlimmer noch als schlechte Serienabschlüsse sind aber natürlich fehlende Serienabschlüsse. Von “Firefly” muss ich gar nicht erst anfangen, gell? Und dann gab’s mal eine Serie, wo die gesamte Menschheit gemeinschaftlich in eine Art Koma fällt, um dann anschließend seltsame Visionen aus der Zukunft zu haben… oder so ähnlich. Der Name will mir nicht einfallen, sorry. Recht spannende erste Staffel, aber nach einem fiesen Cliffhanger kam dann halt nichts mehr. Keine zweite Staffel, keine Auflösung, nada, nix. Danke auch.

Ich feiere zur Zeit sehr die Asimov-Serie “Foundation”, die auch so richtig teuer aussieht und zwei tolle Staffeln abgeliefert hat. Super Geschichte, irre gute Darsteller, grandiose Optik. Und ich hab so Schiss, dass die das irgendwann verkacken, weil irgendwas ist – zu teuer, Schauspielerwechsel, was weiß ich. Das fänd ich schon sehr schade.

Und fast hätte ich “Stranger Things” vergessen! Da werden sie die Kinder aus Staffel 1, die inzwischen alle volljährig sind, digital wohl ordentlich verjüngen müssen, wenn sie jetzt im nächsten Jahr keine Spongebob-“10 Jahre shpätär”-Schrifttafel vorschalten wollen. Bitte bitte bitte verkackt das Finale nicht…

Mediokrer Marcell
Mediokrer Marcell
5. März, 2024 20:29
Reply to  Marko

@Marko:

Meinst du „FlashForward“?

Marko
5. März, 2024 20:42

Ja genau, danke!

Marcus
Marcus
5. März, 2024 21:00
Reply to  Marko

Ja, Foundation hat stark angefangen und sich in Staffel 2 nochmal gesteigert. Aber da kommt halt noch viel, was sie noch geplant haben, und somit kann viel schiefgehen. Wie der Produktionsstopp neulich aufgrund von Budgetstreitigkeiten, der aber immerhin inzwischen bereinigt worden sein soll.

Ich drücke jedenfalls auch die Daumen.

Stefan
5. März, 2024 20:45

Mir fiel da spontan “Master of None” ein. Zwei Staffeln sehr unterhaltsam, gutes Ensemble. Dann die dritte Staffel, in denen es abrupt abreißt und einen deprimierenden Verlauf nimmt. Keine Gags, Stille, Standbilder. Beim nachgoogeln habe ich erfahren, dass es nach der zweiten Staffel Vorwürfe sexuellen Missbrauchs gegen Aziz Ansari gab. Das dürfte eine Rolle gespielt haben, denn er kam kaum mehr vor. Wieso man dann noch diese Staffel realisiert hat, ist mir schleierhaft.
Momentan schauen wir “Blood and Water”. Nachdem in der dritten Staffel eigentlich alles aufgelöst war, was die Serie ausgemacht hat, kam nun dennoch eine vierte Staffel, die sich doch sehr zieht.

Marcus
Marcus
5. März, 2024 20:56

Zu GOT würde ich einwerfen, dass ich, abweichend von dem, was du sagst, rund um das Serienende in den einschlägigen Publikationen und YT-Kanälen immer dasselbe gehört habe: HBO verdiente sich daran wohl eine goldene Nase, und deshalb waren die Budgets so ungefähr ab Staffel 3/4 überhaupt kein Problem mehr. Der Sender hätte liebend gerne noch mehr Staffeln gehabt, und der überhastete Abschluss war mehr oder weniger Benioff & Weiss zuzuschreiben, die sich auf dem Weg nach oben wähnten (Star Wars-Angebot und so) und deshalb hier auf dem Höhepunkt des Hypes aussteigen und zum neuen Projekt weitereilen wollten.

Ob das Ende mit mehr Folgen unter den Herren “Dany kind of forgot about the Iron Fleet” besser geworden wäre, darf man natürlich gerne bezweifeln. Ich tu’s auch. Zumal wenn man den Gerüchten glauben darf, dass die beiden in den späteren Staffeln so von der eigenen Genialtät überzeugt waren, dass sie GRRM eher von oben herab behandelten (so “red uns nicht rein, gib uns lieber das nächste Buch”) und er deswegen irgendwann auch nicht mehr groß mit ihnen geredet hat.

Reini
Reini
6. März, 2024 00:37
Reply to  Marcus

Spontan fällt mir da „Berlin Station“ ein… die erste und die zweite Staffel waren ziemlich unterhaltsam, bei der dritten Staffel hatte man dann nicht mal mehr Geld für den Drehort Berlin.
Und der Versuch, in der letzten Staffel von „House of Cards“ Kevin Spacey nicht mehr zu zeigen war auch ein ziemliches Herumgekrampfe…

heino
heino
6. März, 2024 06:45

“Roseanne” – tolle 4 Staffeln, dann schleicht sich langsam Langeweile ein und die letzte Staffel ohne John Goodman war eine Frechheit

“Chuck” – nach den ersten 3 Staffeln wiederholte sich alles, die letzte zog sich wie Kaugummi, hatte aber wenigstens einen guten Abschluss.

“Quantum Leap” verriet in Staffel 3 und 4 immer mehr das eigene Konzept (Beckett sprang immer öfter in Prominente) und die letzte Folge ist eine Frechheit

Über “Kampfstern Galactica” und “Buck Rogers” muss man wohl nichts sagen.

“The 4400” – tolle Idee, gute erste Staffel, danach gähnende Langeweile

“Akte X” – nach Staffel 5 und dem ersten Film hätte Schluss sein müssen. Die Verlängerung und der Umzug nach Vancouver haben der Serie massiv geschadet, dass Mulder und Scully ein Paar wurden (was Chris Carter vorher kategorisch ausgeschlossen hatte), machte die Dynamik kaputt und es gab nur noch vereinzelt brauchbare Folgen

Howie Munson
Howie Munson
6. März, 2024 09:00
Reply to  heino

Roseane hab ich anscheinend in Staffeln 5 aufgehört zu schauen, dass Darlene laut wikipedia in Chicago studiert ist mir völlig unbekannt.

Um “Quantum Leap” war es wirklich echt schade.

Wie auch um “Allein gegen die Zukunft” / “Early Edition”, alledings ist da jede Staffel quasi ein Verrat an der vorherigen, anscheinend wollte man ursprünglich gar nicht mehr als ein oder zwei Staffeln machen und hat den Rest nur nachgeschoben.

Teilweise sind da in Staffel 3&4 Folgen, die vom Setting besser in Staffeln 1 oder 2 gepasst hätten. Kam mir da so vor als ob man alte, verworfene Scripts dann doch noch genommen hatte.

jimmy1138
jimmy1138
6. März, 2024 10:22
Reply to  heino

Das Problem bei “Chuck” war, daß die Serie eigentlich so ziemlich jedes Jahr akut absetzungsgefährdet war, sodaß jedes Staffelfinale im Prinzip so geschrieben war, daß es auch als Serienfinale herhalten konnte/mußte.

PurpleDragon
PurpleDragon
6. März, 2024 09:46

Castle:

Polizistin und Krimiautor lösen Mordfälle. Und natürlich knistert es zwischen den beiden. Irgendwann wurde gemunkelt, dass sich die beide Hauptdarsteller nicht mehr verstehen, was zu merkwürdigen Plots führte bei denen sie geheime Ermittlungen durchführte von denen er nichts wissen durfte und die zwei liefen sich kaum noch über den Weg.

Trotzdem haben sie es noch geschafft die Serie mit einer Hochzeit zu einem ganz ordentlichen Ende zu bringen.

Und dann kam doch noch eine Staffel hinterher in der unser Autor eine Detektivagentur gegründet hat und seine Tochter zur allmächtigen Marry Sue geworden ist. Gruselig, da passte von den Charakteren nichts mehr zu dem was sie in den früheren Staffeln waren.

Marko
7. März, 2024 14:37
Reply to  Torsten Dewi

Hab erst jetzt geschnallt, dass “Moonlighting” bei uns ja als “Das Model und der Schnüffler” lief…

heino
heino
6. März, 2024 11:19
Reply to  PurpleDragon

Stimmt, Castle ist ein echt gutes Beispiel. Die ersten 4 Staffeln sind große Klasse, bis zur Hochzeit ist es noch okay, aber dann ist die Luft komplett raus

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos
6. März, 2024 15:06
Reply to  PurpleDragon

Hä? Die Staffel mit der Detektei war doch nur geplant und wurde dann verworfen?! Staffel 8 hört super unrund auf (große Explosion, vermeintlicher Tod von Beckett – wahrscheinlich um die Papa-Tochter-Season vorzubereiten) und dann – weil es keine Season 9 gab – Umschnitt an den Küchentisch, an dem Castle, Beckett (und Kinder?) sitzen. Bin mir nicht mehr ganz sicher, aber das wirkte insgesamt sauschlecht zusammengeklöppelt…

Bei „The Mentalist“ war nach der – eher faden „Red John“-Auflösung – dann auch relativ schnell die Luft raus.
Analog „Bones“, wo das „kriegen sie sich, kriegen sie sich nicht“-Spiel nach ein paar Staffeln beendet wurde (sie kriegen sich) und es dann eher zäh noch ein paar weitere Staffeln vor sich hindümpelte…

jimmy1138
jimmy1138
6. März, 2024 17:39
Reply to  Rudi Ratlos

Schlimm fand ich übrigens “The Blacklist” – das zentrale Mysterium der Serie, die Identität von Reddington, wurde da jahrelang versprochen aufzulösen. Da gab’s gefühlt etliche Folgen, wo so getan wurde, alb ob man das endlich enthüllen würde, aber immer Fehlanzeige. V.a. “Redarina” hat man oft angeteasert, aber dann am Ende nie die Eier gehabt, das so auch explizit auszusprechen.

heino
heino
7. März, 2024 06:27
Reply to  Rudi Ratlos

Die Detektei macht Castle doch auf, als Beckett vorübergehend beim FBI ist (Staffel 6, meine ich). Das hält sich, bis sie zum NYPD zurückkehrt und Captain wird.

Endstille
Endstille
6. März, 2024 09:53

Ich hoffe, “Evil” erleidet nicht das gleiche Schicksal.
Zumindest bekommt Staffel 4 noch drei zusätzliche Folgen, um ein gerundetes Ende darstellen zu können…
ich hoffe sehr, es klappt.

S-Man
S-Man
6. März, 2024 10:10

Ich finde interessant, dass das überhaupt ein Thema wert ist – polemisch gesagt. Mir persönlich fallen maximal eine handvoll Serien ein, die wirklich insgesamt rund sind und zum richtigen Zeitpunkt eingestellt/abgeschlossen wurden.

Die allermeisten Serien, die ich in meinem Leben wirklich geschaut habe, sind langweilig und schlecht geworden bzw. haben ihre eigentlichen Motive verloren, zB Big Bang Theory, wo der Nerd-Stuff zugunsten irgendwelcher Beziehungsdramen und Familiengeschichten zurück gestellt wurde. Das ist für mich oft der größte Killer: Man weiß nicht mehr im Originalthema weiter, als stellt man dem Charakter einen Partner (im Sinne von Love Interest), Kind, whatever zur Seite – und schon hat man ne schnöde Beziehungsgeschichte statt dem spannenden Thema. Genannt wurde da auch AkteX, die zudem am zweitgrößten Killer scheiterte, dem Austausch des spannendsten Charakters.

Ich habe früher dann krampfhaft alles trotzdem tapfer geschaut, aber heute breche ich rigoros ab. Meine Zeit ist mir zu schade für langweilige Unterhaltung.

Müsste ich eine Liste aus den unendlichen Möglichkeiten schreiben, würde sie zusätzlich enthalten: Schloss Einstein (als Kind fand ich die mal super, nach dem Umzug nach Erfurt einfach nur noch schlecht), Simpsons (Der Humor kann einfach nich Jahrzehnte gehalten werden), Prinz von Bel Air (Humor ging aus, Erweiterung der Familie), Malcom mittendrin (Neues Kind im Haus), The Misfits, Prison Break (bei beiden großartige erste Staffeln, danach war die Idee schlicht zu Ende), Scrubs (Ehrlich? Eine Universität?), Elementary (irgendwann waren die Fälle langweilig und banal und erforderten keinen Sherlock), Haus des Geldes (die Story war auf eine Staffel ausgelegt, danach nur noch Krampf)…

Spannender finde ich die hoch spekulative Frage: Welche aktuelle, subjektiv gute Serie wird leider schlechter werden? Meine Tipps gehen auf Sachen wie The Bear, die ihr Konzept einfach nicht weiter führen können (danke hier übrigens noch mal den Tipp, die Verwandtschaft ist begeistert). Ich hoffe inständig auf keine Staffel 3 mehr, es könnte einfach gut Schluss sein. Spoiler: Es ist eben keine Imbissbude mehr. Ähnlich Damengambit: Die erste Staffel war rund, warum sollte ich mir die zweite geben?
Auch glaube ich nicht, dass Die Ringe der Macht das Niveau halten kann, das die Serie verspricht.

Magineer
Magineer
6. März, 2024 10:56
Reply to  Torsten Dewi

Nach dem, was ich gehört habe, war schon die erste Staffel RINGE DER MACHT eine Enttäuschung.”

Und das ist schon sehr milde ausgedrückt … 😉

S-Man
S-Man
6. März, 2024 17:51
Reply to  Magineer

Naja, ich fands hinreichend gut umgesetzt, um über die negativen Seiten hinweg zu sehen. Fand sie gerade noch so gut, dass ich sie weiter schauen will, denke aber, dass das nicht mehr lange gut geht.

Bach
Bach
6. März, 2024 12:32
Reply to  S-Man

Bei manchen Serien wie die Simpsons kann es sein, dass sie nicht schlechter werden, sondern die alten Zuschauer einfach nur gesättigt sind. Leider sind Serien so teuer, dass sie eine gewisse Publikumsgröße brauchen.

Thomas G. Liesner
Thomas G. Liesner
7. März, 2024 11:01
Reply to  Torsten Dewi

Bei Simpsons ist das Problem, dass die ursprünglichen Macher (nicht Showrunner, sondern die eigentlichen Gag-Schreiber) allmählich gegangen sind und die Stories nicht mehr auf den Figuren basierten, sondern die Figuren an die Stories angepasst wurden. Sie fühlen sich nicht mehr echt an, sondern wie Abziehbilder. Dass die Lisa der ersten Staffeln irgendwann spontan ein glühender Apple-Groupie war, ist einer der besten Beispiele dafür. Im Gegensatz dazu zeigt Southpark, dass die Substanz einer Serie auch dauerhaft funktionieren kann…

S-Man
S-Man
8. März, 2024 09:17

“sondern die Figuren an die Stories angepasst wurden”

This! Danke, das trifft mein bisher ungenanntes Gefühl sehr.

jimmy1138
jimmy1138
6. März, 2024 11:10

“Heroes” ist für mich das klassische Beispiel einer Serie, die groß gestartet ist und dann nach nur wenigen Staffeln versandet ist.
“Lost” ist noch das extremere Beispiel als GoT – da waren die Fans eigentlich bis zum Staffelfinale recht positiv, aber ebendieses wurde gefühlt sehr negativ aufgenommen.

Aktuell würde ich “The Walking Dead” als Paradebeispiel für eine Serie sehen, der komplett die Luft ausging – man verlor 80-90% der Zuseher und wurde quasi selbst zum “Zombie”. Die Franchise ist mMn quasi tot – in der Nerdblase nehme ich die so gut wie gar nicht mehr wahr -, aber es werden dauernd neue Spinoffs produziert.

Und als weitere Subkategorie würde ich nominieren “Serien, die über ihr natürliches Ende hinaus künstlich verlängert wurden” – siehe z.B. “The Mentalist”: Der Grundkonflikt der Serie – die Suche nach “Red John” – wurde erfolgreich aufgelöst, aber am Ende legte man dann noch eine zusätzliche, komplett unnötige Staffel drauf.
Stargate SG-1 sehe ich ähnlich. Das Finale der 8. Staffel war mWn als Serienfinale konzipiert, hätte so auch wunderbar funktioniert, aber man hat dann weitergemacht mit neuem Hauptdarsteller und neuen Gegnern, was sich effektiv wie ein Spinoff angefühlt hat und nach zwei Staffel abgesetzt wurde.

Thomas G. Liesner
Thomas G. Liesner
7. März, 2024 11:05
Reply to  jimmy1138

Heroes scheiterte für mich schon im ersten Finale – gigantische Erwartungen aufgebaut und nichts draus gemacht.

Lost war meines WIssens nach ursprünglich als Miniserie geplant und ein Opfer seines Erfolges. Dass die Macher dann über Jahre gelogen haben, dass alles durchgeplant ist und alles erklärt werden wird, hat das esoterische Ende dann auch nicht gerade besser wirken lassen.

Volker
Volker
7. März, 2024 21:02
Reply to  jimmy1138

Bei Lost würde ich ein bisschen widersprechen. Meiner Erinnerung nach wurden da die letzten paar Staffeln schon immer wirrer und das Muster „auf jede Antwort fünf neue Fragen“ hat sich arg abgenutzt. Lange vor dem Ende war klar: Das führt zu nichts. Deshalb wunderte mich auch, dass so viele Leute ausgerechnet vom Finale so krass enttäuscht waren. Nach den letzten Staffeln hatte ich wirklich nichts mehr erwartet. Bei Dexter war das auch so. Mit beiden Serien hatte ich mit justierter Erwartungshaltung durchaus meinen Spaß. Bei GoT war das anders. Da war ich irgendwann nur noch verärgert. Eine Serie die ich im Nachhinein lieber nicht gesehen hätte.

Nochmal Lost: da müsste vielleicht ein Fan-Cut her, der alles auf massiv zusammenstaucht. Ich würde sagen, dass grob 70% reines Zeitspiel waren. Die anderen Inseln, alles rund um die Gruppe aus dem Heck des Flugzeuges, etliche Rückblicke. Kann man alles weglassen. Deshalb waren im Finale auch kaum (keine?) Charaktere vertreten, die nach Staffel 1 eingeführt wurden.

Sven
Sven
6. März, 2024 11:19

Spannend wäre dann mal ein Beitrag zum Thema “Serien mit rundem Ende zur richtigen Zeit”…
Ich werfe da mal How I met your mother in den Ring: hat aber auch schon zu Kontroversen im Freundeskreis und der Familie geführt, aber *** SPOILER *** ich finde, dass Robin und Ted am Ende doch zusammenkommen sind nur Konsequent. Dass die richtige Mutter der Kinder dabei über die Klinge springen musste fand ich zwar schade, aber irgendwie doch folgerichtig. Auch die lange Laufzeit hat mich (genau wie bei Big Bang Theory) weniger gestört.

Auch mit dem eigentlichen Ende von GOT konnte ich prinzipiell ganz gut leben. Gut, dass die Unbeflekten eine Insel bekommen und ein Volk aufbauen durften, fand ich schon etwas komisch, aber egal;-)
Einzig den Weg zum Ende fand ich leider gehetzt. Reisen, die vorher zig Tage gedauert haben, wurden so zwischen zwei Szenen zurückgelegt (auch ohne Drachen;-) und einige andere Sachen. Ich fand die letzten Staffeln nicht so schlecht, wie sie oft gemacht werden, aber etwas schade war es schon.

Einen der würdigsten Serienabschlüsse hatte aber Ted Lasso. Ich hätte liebend gerne noch ein paar Staffeln gesehen, aber wenn man es schon zu Ende gehen lässt, ist es in diesem Fall perfekt gelungen.

Um noch was völlig verkorkstes reinzuwerfen: Heroes… Das war m.E. wirklich grandios, bis dann der Autorenstreik kam – danach war es irgendwie gar nichts mehr und die Neuauflage mochte ich mir gar nicht mehr anschauen – auch weil viele der Charaktere nicht mehr dabei waren.

Sven
Sven
6. März, 2024 11:22
Reply to  Sven

Und natürlich Friends – nach 5 Sichtungen immer wieder feuchte Augen – wirklich schön, traurig und würdig!

Sven
Sven
6. März, 2024 11:49
Reply to  Torsten Dewi

Das stimmt natürlich. Die Beiden waren definitiv kein Paar. Kleiner Schönheitsfehler;-)

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos
6. März, 2024 15:12
Reply to  Sven

Ja zu GoT, nein zu HIMYM – das Ende hätte gepasst, wenn die Serie nach 4(?) Staffeln rumgewesen wäre, aber dann der ganze Barney-Robin-„Arc“ plus (bezaubernde) Mutter, um dann am Ende wieder bei Episode 1 zu landen? Sorry, aber das war doch absoluter Bockmist… Als hätten die Macher auf Krampf an ihrer ursprünglichen Idee festhalten wollen, obwohl sich die Charaktere in fünf weiteren Staffeln weiterentwickelt (bzw in eine andere Richtung) haben.

S-Man
S-Man
6. März, 2024 17:57
Reply to  Rudi Ratlos

Ich weiß, es ist eine riesige Kontroverse, aber ich find das Ende von HIMYM auch großartig. Für mich persönlich ein exzellentes Beispiel fertiger, runder Serien. Aber da scheint es nur schwarz und weiß zu geben 🙂

dermax
dermax
7. März, 2024 08:55
Reply to  S-Man

Yep, ich hasse die letzte Staffel, eine ganze Staffel rund um ein Thema, das dann quasi in der vorletzten Minute der Serie als “war doch keine so gute Idee” ad acta gelegt wird.

Sven
Sven
7. März, 2024 20:12
Reply to  dermax

Ich fand das einen großartigen WTF-Moment, den ich der Serie niemals zugtraut hätte. Man dachte die ganze Zeit, dass Ted nun endlich seinen perfekten “Counterpart” gefunden hat, die Person war wirklich sympathisch und liebenswert und dann das! Wir saßen völlig fassungslos vor der Glotze und dann war ja recht schnell Ende. Wie Torsten schon schrob: es hat die ganze Zeit Sinn gemacht.

Matts
Matts
7. März, 2024 14:42
Reply to  Sven

Schön zu hören, dass ich hier nicht der einzige bin, der das Finale von GoT ok fand.
I´m willing to die on that hill!

Sven
Sven
7. März, 2024 20:15
Reply to  Matts

I´ll second that! (nur den Teil mit dem Sterben eher weniger:-)

heino
heino
6. März, 2024 11:27

Gute Beispiele sind auch diverse Serien von David E. Kelly, z.B. “Ally McBeal” oder “Boston Legal”, die lange Zeit wirklich großartig sind, sich dann aber immer mehr in langweiligen Soap-Gefilden oder peinlichen Witzen über meist transsexuelle Figuren (erinnert sich noch jemand an Dame Edna bei BL?) verlieren.

Die Cosby-Show war auch so ein Fall einer Zombie-Serie, die nur am Leben gehalten wurde, weil der eitle Hauptdarsteller nicht von ihr lassen konnte. Die war am Ende schon richtig peinlich mit dem ach so lustigen kleinen Mädchen, das neben Cosby selbst alles überschattete.

“E.R.” und “Greys” Anatomy” waren auch nur jeweils 3 Staffeln lang interessant, dann nahmen die Soap-Anteile und blödsinnigen Plots überhand.

Selbst “Buffy” war deutlich zu lang, die Serie hätte problemlos um die Staffeln 4 und 6 gekürzt werden können, da wäre uns so einiges an cineastischem Wassertreten und hemmungslosem Dummfug erspart geblieben.

Christian Siegel
6. März, 2024 12:10
Reply to  heino

Dame Edna war bei Ally, nicht BL. Tatsächlich halte ich BL von Anfang bis Ende für die rundesten Kelley-Serie, die bis zuletzt kaum abgebaut hat. The Practice schwankte da schon mehr, profitierte in der achten Staffel aber von Neuzugang James Spader als Alan Shore. Aber ja, Ally war nach dem leider notwendigen Ausstieg von Robert Downey Jr. wirklich schmerzhaft. Und Picket Fences hat auch von Staffel zu Staffel stark abgebaut.

heino
heino
6. März, 2024 14:35

Oje, wie konnte ich das verwechseln? Naja, ist lange her und ich habe von beiden Serien danach nichts mehr gesehen

Thomas G. Liesner
Thomas G. Liesner
7. März, 2024 11:08
Reply to  heino

Ally McBeal habe ich vor kurzem noch mit Tochter geschaut – bis incl. Staffel 4, Staffel 5 reichte mir einmal im Fernsehen, RDJ konnte schlicht nicht ersetzt werden.

Marko
6. März, 2024 11:46

Weil “The Walking Dead” erwähnt wurde: Die Serie hat das Zombie-Genre nachhaltig verändert, was mir als alten Zombiefilmegucker von früher gar nicht so bewusst war. Robert Kirkman wollte mit “Walking Dead” eine Comicreihe machen, die zeitlich das zeigen sollte, wo die frühere Zombiefilme aufhörten, nämlich in der Welt, die nach dem Ausbruch der “Zombie-Apo” mit den Zombies klarkommen muss, mit all den gesellschaftlichen Problemen, die Menschen dann zusätzlich haben. Das war damals echt was neues, denn die bekanntesten Filme des Genres zeigten ja in der Regel nur, wie die Zombies entstehen und den damit einhergehenden Untergang der Zivilisation, plus jede Menge Zombies, Schreie, Bisse und (Un-)Tote. Als ich letztens mit einer Frau Anfang 20 ein paar Folgen “Walking Dead” geschaut hatte, wurde mir im Gespräch mit ihr bewusst, dass das Zombie-Genre in ihrer Generation inzwischen NUR noch so wahrgenommen wird wie in der Comicreihe: Menschen haben Probleme mit sich und anderen und nebenbei gibt’s halt Zombies. Mal ganz abgesehen davon, dass Zombiefilme heute Mainstream sind und früher was ganz furchtbares waren und zensiert und beschlagnahmt wurden. Und sowieso schauten das nur primitive Menschen, die sich den Kram aus irgendwelchen obskuren Videotheken besorgen mussten, während heute “The Walking Dead” auf dem Streamingdienst von Disney und zweitverwertet auf RTL2 läuft. Crazy.

Naja, hat nicht wirklich was mit dem Thema zu tun, aber an sowas merkt man, wie sich der Mainstream wandelt. Und nebenbei auch, dass man alt wird…

Magineer
Magineer
6. März, 2024 14:10
Reply to  Marko

Robert Kirkman wollte mit “Walking Dead” eine Comicreihe machen, die zeitlich das zeigen sollte, wo die frühere Zombiefilme aufhörten, nämlich in der Welt, die nach dem Ausbruch der “Zombie-Apo” mit den Zombies klarkommen muss, mit all den gesellschaftlichen Problemen, die Menschen dann zusätzlich haben. Das war damals echt was neues …”

Jein, würde ich jetzt nicht so vorbehaltlos unterschreiben – bei der Einengung auf Zombies vielleicht eher, aber selbst da hat ja der Urvater des Genres (Romero) in seiner Ursprungstrilogie bei Film 2 und 3 (“Dawn of the Dead” & “Day of the Dead”) den Fokus stärker auf zwischenmenschliche Spannungen gelegt, das Thema schwang, glaube ich, immer mit. Letztendlich liegt das vermutlich aber auch an der Trope selbst – Zombiefilme sind im weitesten Sinne immer schon postapokalyptische Filme gewesen, wo der Mensch nun mal in der Regel des Menschen Wolf zu sein hat (auch schon vor Mad Max & Co.).

Ich fand schon vor Kirkmans ersten Comics das Thema sehr naheliegend – TWD (die Serie) hatte einfach das Problem, dass sie schon rein thematisch kein Happy End bieten konnte. Da war Staffel 1 eigentlich sogar noch ein Ausreißer mit ihrer Quest-Struktur, weil es da noch Hoffnung auf ein Heilmittel im CDC gab.

Danach ging mit jeder Staffel die Welt mehr vor die Hunde, und irgendwann reduziert sich das Angebot an Themen erheblich: Gruppe zieht durchs Land, findet Unterschlupf und verliert am Ende durch (meist) menschliche Intervention von außen ihre sichere Festung, die dann aufgegeben wird (Farm in Staffel 2, Gefängnis in Staffel 3) oder landet in einer scheinbar gefestigten Struktur (Woodbury in Staffel 3, Terminus in Staffel 4, Alexandria in Staffel 5 bzw. 6), deren verlockender Schein trügt und die stattdessen meist unschöne Überraschungen vonseiten radikalisierter oder pervertierter Einwohner bereithalten. Irgendwann ermüdet dieses Schema leider, weswegen ich tatsächlich Origin-Serien/Staffeln bevorzuge (zumindest bis die dann auch in den selben Trott verfallen).

Christian Siegel
6. März, 2024 12:18

Ich möchte mich der Ergänzung von “Akte X” anschließen; nach dem Ausstieg von zuerst Mulder und dann auch Scully hätte man einfach nicht mehr weitermachen dürfen. Davor tat der Serie aber auch schon der Umzug vom atmosphärischen Kanada ins sonnige Los Angeles nicht gut. Und nicht zuletzt litt sie darunter, dass Carter eben nicht wie JMS bei B5 einen Plan hatte, den er verfolgte, und sie zu sehr verlor. Dass er selbst die beiden Revival-Staffeln nicht genutzt hat, um für einen runden Abschluss zu sorgen, werde ich ihm nie verzeihen.

Stimme auch bei Walking Dead zu, bei der Serie ist seit Ewigkeiten die Luft raus (und an die Qualität von der von Frank Darabont verantworteten ersten Staffel kam man ohnehin nie wieder ran). Es überrascht mich wirklich, dass sie trotzdem immer noch erfolgreich genug ist, um einige Spinoffs zu gebären.

Einspruch gibt es bei Babylon 5 insofern, als die Serie ja nicht im klassischen Sinne gescheitert ist und abgesetzt wurde; darauf weist du zwar eh auch hin, damit passt es für mich aber nicht wirklich in die Liste. Zumal ich den Ausstieg von Claudia Christian und den Verlust seiner Notizen für die fünfte Staffel als wesentlichere Gründe dafür sehe, dass vor allem die erste Hälfte von Season 5 abfällt, als die gerade mal vier vorgezogenen Episoden. Und die zweite Hälfte mit dem Plot rund um Centauri Prime und dem Abschluss sämtlicher Handlungsstränge (insbesondere natürlich Londo und G’Kar) hätte ich echt nicht missen wollen.

Christian Siegel
6. März, 2024 16:35
Reply to  Torsten Dewi

JMS hatte aber nie die Absicht, mehr als fünf Staffeln (der Hauptserie) zu machen. Insofern hatte das Ende der Serie nichts mit dem qualitativen Abbau zu tun, und wäre selbst wenn Season 5 so toll oder gar besser als 3 und 4 gewesen wären, mit “Babylon 5” an sich Schluss gewesen. Wenn überhaupt, könnte man Crusade als gescheiterten Ableger erwähnen (wobei auch das nichts mit Zuschauererfolg zu tun hatte). Aber: Ist ja deine Liste, und nicht meine ;-).

Zathras
Zathras
6. März, 2024 22:21
Reply to  Torsten Dewi

Interessante Frage, was passiert wäre, wenn Sender und/oder Studio mehr als 5 Staffeln gewollt hätten. Hätte JMS dann weitergemacht oder wäre er ausgestiegen. Ich vermute mal, die Rechtesituation wäre nicht so gewesen, dass JMS seinen 5-Jahres-Plan und das damit einhergehende Ende hätte durchsetzen können. Möglicherweise wäre ein Spin-Off dann der Ausweg gewesen. Gab‘s mit Crusaders ja sogar, aber da war von Anfang an der Wurm drin.

Was die Qualität der 5. Staffel betrifft, sehe ich es ähnlich wie Christian. Es gibt zwar einen deutlichen Einbruch zu Beginn der Staffel aber später erholt sie sich dann und die zweite Hälfte ist wieder gut. Und das Serienfinale war ein sehr runder Abschluss, aber das gehört zugegebenermaßen ja quasi zu Staffel 4.

Nicht zu vergessen, die viel geliebte Staffel 4 lebt natürlich auch davon, dass sie gegen Ende eine hohe Intensivität hat. Die hätte es in der Form wohl nie gegeben, wenn klar gewesen wäre, dass Staffel 5 noch folgt.

Christian Siegel
7. März, 2024 11:10
Reply to  Torsten Dewi

Na ja, im Falle von JMS kann man den Fünfjahresplan u.a. auf Aussagen im Usenet zurückführen. Es wäre ihm wohl schwergefallen, da auf einmal dann was anderes zu behaupten. Ein Ableger war allerdings schon von Beginn an Teil des Konzepts; insofern hätte es dann halt statt einer sechsten Staffel “Babylon 5” vielmehr “Babylon Prime”, Rangers”, “Crusade” usw gegeben. Was aber letztendlich (leider?) eh hinfällig war.

Selle
Selle
6. März, 2024 13:06

Bei Sherlock war es in meiner Wahrnehmung weniger die Hybris des Hauptdarstellers als viel mehr die der Erfinder. Spätestens ab “The Sign of Three” in der dritten Staffel haben die das spannende, erfolgreiche Konzept die klassischen, viktorianischen Sherlock-Holmes-Fälle oder zumindest deren Topoi auf smarte Weise in die Gegenwart zu bringen komplett ignoriert und alles einem völlig uninteressanten, beliebigem Metaplot untergeordnet der jegliches Leben aus den Fällen gesaugt hat und sie stärker zum nebenbei abgehandelten Subplot degradiert hat als jeder Tatort.

Bei Brooklyn Nine-Nine war ich wirklich entsetzt wie man nach den ersten zwei Staffeln (die ich geliebt habe) so viele “unforced errors” gemacht hat (vor allem zentrale Eigenschaften der Charaktere wie das Robotorhafte von Captain Holt oder Rosas Gewaltliebe einfach abgeschafft) dass man erst nur noch die jährliche Pontiac-Bandit- und die Halloween-Folge schauen konnte und irgendwann nicht mal mehr die.

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos
6. März, 2024 15:19
Reply to  Torsten Dewi

Zumindest kommt Gina später ja für ein paar Gastauftritte noch vorbei, aber sie hat tatsächlich gefehlt.
Die letzte Staffel hat mir dann aber auch Bauchschmerzen bereitet, der veränderte Fokus (und der erhobene Zeigefinger) haben der Reihe nicht gut getan.

Thomas G. Liesner
Thomas G. Liesner
7. März, 2024 11:16
Reply to  Selle

Sehe ich bei Sherlock genauso, Cumberbatch war an den Drehbüchern und der Produktion nicht beteiligt. Steven Moffat kann zwar phantasitsche Episoden schreiben, scheint aber als Showrunner die Tendenz zu haben, zu sehr in Metaebenen zu rutschen und sein eigenes Genie zu bewundern, war auch in seinem Dr Who-Run immer stärker bemerkbar.

dermax
dermax
6. März, 2024 15:26

Nur kurz ein paar Beispiele, die mir einfallen, aber wohl eher nicht durch Budget getrieben, sondern eigentlich wirklich erfolgreiche Serien, die dann abstanken:
Peaky Blinders: seltsame letzte Staffel, die fast nur noch aus unspektakulären 2-Personen-Szenen bestand, mag teilweise corona-bedingt gewesen sein. Ähnliches auch bei “The Crown” in der vorletzten Staffel, da bekamm man dann aber in der letzten wieder die Kurve.
Lost: wurde mehrfach diskutiert, schlicht kein Bock, die ganzen Mysterien aufzulösen.
Arrested Development: ist in Streaming gewandert und die Scripts gingen den Bach runter
Breaking Bad: obwohl weiterhin toll, hatte die letzte Staffel schon etwas “rangetackertes”, irgendwie störte die den Flow.
Two and a Half Men: Sheen hat sich rausgeekelt und die Versuche, Kutscher reinzudengeln und gleichzeitig weniger frauenverachtend zu sein, hauten nicht hin. Und den Neffen (der “half man”) hat man mangels Ideen einfach komplett rausgenommen.

dermax
dermax
6. März, 2024 17:46
Reply to  Torsten Dewi

Ein Gegenbeispiel, dass man Kids gut mitaltern lassen kann, wär übrigens “Modern Family”.

Marko
7. März, 2024 12:01
Reply to  dermax

“Modern Family” hat erfreulich viel richtig gemacht, da gibt es nicht eine Staffel, die mir nicht gefallen hat. Ideen, Gags, Entwicklung der Charaktere, alles durchgehend gut. Das Ende ist kein Knaller, aber völlig in Ordnung. Richtig schön runde Serie, so alles in allem.

dermax
dermax
7. März, 2024 13:03
Reply to  Marko

Absolut d’accord, hatte natürlich auch über das Setting (und das Budget) ganz andere Möglichkeiten als “klassische” Sitcoms wie “Married…” oder TAAHM.

Magineer
Magineer
6. März, 2024 17:30
Reply to  dermax

Und den Neffen (der “half man”) hat man mangels Ideen einfach komplett rausgenommen.”
—–
Na ja, ich vermute mal eher, das hatte mit seinem neuen Glauben zu tun – war sicher jetzt nicht die glänzendste Idee seiner Karriere, als neugetaufter Durchblicker die Leute dazu aufzurufen, die Serie (“dreadful filth”) abzuschalten und sich selbst als jahrelangen Heuchler zu bezeichnen. Chuck Lorre fand das vermutlich weniger toll, auch wenn Jake zumindest nicht on the spot aus dem Cast geflogen ist.

BB: Würde ich jetzt auch widersprechen. Der Film hinterher war überflüssig, und die letzte Episode der fünften Staffel (also das eigentliche Finale) war etwas unterwältigend, aber ich glaube, das hat eher was damit zu tun, dass die vorletzte Folge (“Ozymandias”) halt eine der absoluten Sternstunden der amerikanischen Fernsehgeschichte abgeliefert hat. Danach musste zwangsläufig jede Erwartungshaltung enttäuscht werden.

dermax
dermax
7. März, 2024 08:56
Reply to  Magineer

Ja selbstverständlich, immer noch ganz gross, wie gesagt, ich fand aber die Tonalität irgendwie seltsam anders als bei den anderen Staffeln.

dopey
dopey
6. März, 2024 15:36

Danke für den Beitrag! Leider das Schicksal vieler guter Serien.
Akte X, Lost, Heroes waren auch meine persönlich traurigsten Erfahrungen
damit.
Legendär natürlich auch der Niedergang und das Serienfinale von ALF.

Last edited 3 Monate zuvor by dopey
jimmy1138
jimmy1138
6. März, 2024 17:28
Reply to  dopey

Was ich von ALF gehört habe, dürfte die Produktion die absolute Hölle gewesen sein. Der Puppenspieler und Serienschöpfer hat – wenn ich mich recht erinnere – angeblich darauf bestanden, daß ALF “echt” sei. Und das Set war ein echtes Sicherheitsrisiko…

Maik
Maik
7. März, 2024 14:03

Einer der schlimmsten Abstürze neuerer Serien war „Westworld“. Sensationelle erste Season ( mit gutem Schluss) und tollen Ideen für kommende Folgen, nur um es dann komplett zu versauen.

Gleiches bei „Heroes“ wie hier schon oft erwähnt.

Zu lange fortgesetzt wurde definitiv „24“

Bei Lost hatte ich schon mittendrin nicht erwartet, dass das aufgelöst werden kann, sondern eher die Befürchtung das die Serie ohne Finale auskommen muss. Daher war ich vom Ende nicht enttäuscht.

2 Positivbeispiele sind für mich in Erinnerung geblieben:

erstaunlicherweise „Alias“ , wo ich eher ein Open End oder sowas wie bei Lost erwartet hätte und

Ash vs. Evil Dead

Marko
7. März, 2024 14:30
Reply to  Maik

Ich fand die weiteren “Westworld”-Staffeln nicht so katastrophal. Ja, die erste ist herausragend und die zweite ein deutlicher Rückschritt (und unnötig konfus, da brauchte man ja schon einen Plan nebenher, um die Zeitlinien zu überblicken), aber ich mochte das Setting der dritten Staffel und den frischen Fokus auf die KI, mit der der Park ermöglicht wurde. Ich hätte natürlich auch gern mehr andere coole Parks gesehen, aber es gab in Staffel 3 und 4 imo immer noch viele interessante Ideen und bittere Momente, in denen die Abgrenzung von Mensch und Maschine ausgelotet wurden. “Komplett versaut” empfand ich das wahrlich nicht.

Beim “Witcher” scheint man sich allerdings große Mühe zu geben, die Serie zu versauen. Tolle erste Staffel mit guten Darstellern, die nur durch die etwas zu betont verschachtelten Zeitebenen etwas an Qualität einbüßte. Staffel 2 war dann okay, Staffel 3 unfassbar dumm. Erklärung: Man hätte dem amerikanischen Zuschauer mit der dritten Staffel entgegenkommen wollen, der verstünde schließlich keine komplexen Plots. Uff. Achja, und in Staffel 4 tauschen sie dann auch noch den beliebten Hauptdarsteller aus, yeah, was soll schiefgehen…

Volker
Volker
7. März, 2024 21:37
Reply to  Marko

Westworld empfand später als so unfokussiert, dass ich garnicht bemerkt habe, dass die Serie abgesetzt wurde. Das habe ich erst im Nachhinein erfahren. Ich hatte den Machern zugetraut, dass die letzte Staffel wirklich das Ende sein sollte. Aber wenn man den großen Handlungsbogen etwas außer Acht lässt, kann man mit vielen Elementen und Ideen schon seinen Spaß haben. Und man kann bedenkenlos die erste Staffel weiterempfehlen. Sowas geht bei GoT nicht.

Matts
Matts
7. März, 2024 14:48

Sehr schöner Beitrag – vor allem mit viel zusätzlichem Material in den Kommentaren!
Für mich auch mit perfektem Timing, weil ich erst am Wochenende das Finale von ATTACK ON TITAN gesehen hab. Ebenfalls eine brilliante Serie, deren Ende (im Manga) ziemlich in den Sand gesetzt wurde. Bis zum Finale der Anime-Adaption hatte der Autor dann zwei Jahre zum Nachdenken und hat es (in den Augen vieler) erheblich besser gelöst.

jimmy1138
jimmy1138
7. März, 2024 17:29
Reply to  Matts

Ich frage mich auch, ob das der Grund ist, warum GRRM die Ice and Fire Bücher nicht fertigbekommt, weil eben das Serienende, das D&D verbrochen haben, in etwa das war, was er geplant hatte – zumindest was das Resultat der Handlung betrifft.
Und weil das so komplett abgelehnt wurde, muß er sich was komplett Neues einfallen lassen.

Marko
7. März, 2024 17:35
Reply to  jimmy1138

Das bezweifle ich. Martins Ideen und Plots sind erkennbar anders. Ist nicht unmöglich, dass du recht hast, aber ich halte es nicht für wahrscheinlich. Zumal der Mann immer gefühlte tausend Jahre braucht für einen Band, das ist nicht erst seit der Serienumsetzung so.

Sven
Sven
7. März, 2024 20:51
Reply to  Marko

Hat zwar mit der Serie nichts zu tun, aber ich hänge in Band 4 fest, weil es m.E. krass zäh ist. Normalerweise würde ich mich da durchwürgen, aber in Anbetracht dessen, dass die Buchserie noch nicht annähernd abgeschlossen ist, spare ich mir das erst einmal. Nicht, dass der gute GRRM doch das Zeitliche segnet und keinen fertigen Abschluss in der Schublade liegen hat…

Matts
Matts
7. März, 2024 23:54
Reply to  Sven

Das finde ich interessant zu hören. Ich habe auch einen Freund, der nach Band 4 aufgehört hat, zu lesen, weil für ihn ab dem Punkt klar war, dass GRRM sich hoffnungslos verrannt hat…

Magineer
Magineer
8. März, 2024 12:02
Reply to  Matts

Band 4 war vermutlich für viele der Scheideweg. Von Band 1 bis 3 hielt sich ja die Wartezeit für Martin-Verhältnisse durchaus noch in Grenzen, aber 4 (vor allem rückblickend in Kombination mit Band 5) war halt hauptsächlich eine Neupositionierung aller Charaktere an unterschiedlichen Orten, dadurch (und aufgrund der Reisezeit in Westeros/Essos) allein schon ziemlich slow-burn … und dann die sichtbare Zweiteilung: Band 4 und 5 haben ja denselben Zeitraum abgedeckt und nur die Perspektiven aufgeteilt, so dass die Hälfte der Figuren in jeweils einem der beiden Bände eben gar nicht erst vorkam. Dadurch musste man halt bei einigen Charakteren gute zehn Jahre Echtzeit warten, bis man wusste, wie es weiterging … und wartet jetzt bereits schon weitere zwölf Jahre auf die nächsten Entwicklungen. Ja, Band 4 war der Beginn des Niedergangs für Martin’s Westeros-Saga …

Volker
Volker
7. März, 2024 21:55
Reply to  Marko

Er hat doch eine grobe Zusammenfassung der Handlung an die Drehbuchschreiber weitergegeben, oder? Im echten Roman hätte sich da sicher noch vieles beim Schreiben entwickelt und das Ergebnis wäre hoffentlich besser geworden. Ich glaube zB nicht, dass er den White Walker Strang so läppisch abgeschlossen hätte.

Ich denke auch, dass Martin die Details und Dialoge besser ausgearbeitet hätte. Da war die Serie ja später wirklich sehr schluderig.

Die letzen Staffeln waren also eine Verfilmung des Rohentwurfs und nicht des fertigen Werks. Das merkt man, find ich.

Ich glaube im Prinzip war das Serienende schon ok. Nur halt sehr schlecht aufgebaut und erzählt. Viele Charaktere, zu denen man halten sollte, sind mir irgendwann auch nur noch auf die Nerven gegangen.

Last edited 3 Monate zuvor by Volker
Andreas
Andreas
7. März, 2024 23:04

War hier schon von The Closer bzw. Major Crimes die Rede? Gehören sie hier hinein? Für US-Verhältnisse unaufgeregte Crime-Serien, mit Behördenknatsch, paar eingestreuten Witzen, meist intelligenten Plots, und meist auch gut inszeniert/mit guten Darstellern. Beim “Übergang” von TC auf MC war ich zunächst skeptisch, aber auch der Nachfolger entwickelte sich m.E. gut. Das “endgültige” Ende kam auch nicht überraschend, sondern war geplant, was die Darsteller lt. eigener Ansage noch einmal zu Höchstleistungen anspornte. Ich kann für mich nur sagen: Davon war nicht viel zu erkennen. Die letzten Plots wurden mehrfach auf gleich mehrere Episoden verteilt, nein, gestreckt, das lief nur noch zäh und unoriginell. Ich war dann doch froh, als es vorbei war.

heino
heino
8. März, 2024 06:37
Reply to  Andreas

The Closer fand ich durchgängig sehr gut, Major Crimes ging mir dagegen sehr schnell wegen des weinerlichen Emo-Teenies auf die Nerven, da habe ich in der zweiten Staffel aufgegeben.

PG13
PG13
9. März, 2024 19:33

Beispiel für eine weitgehend sehr gute Serie inklusive Finale wäre für mich “The Good Wife”, das Spinoff “The Good Fight” hatte eine “normale” erste Staffel, drehte dann aber IMO zunehmend völlig am Rad und handelte nur noch von social justice und “Trump ist doof”. Hoffentlich wird “Elsbeth” besser…
“Resident Alien” hatte ebenso eine gute erste Staffel gerade auch mit komplexen weiblichen Charakteren, schlug das in der zweiten aber ebenfalls zugunsten von 08/15-Politerziehung in den Wind. “Highlight” und gleichzeitig mein persönliches Ende der Serie war, als die weibliche Hauptfigur Asta Alan Tudyk als Alien wütend über seine nicht vorhandenen Etikette gegenüber Frauen belehrt (was ja Teil des Konzeptes ist) und ihn anschreit, er solle beim nächsten Mal, wenn eine Frau ihm etwas befiehlt, einfach nur “Yes, Maam!” sagen. Schnitt zur nächsten Szene, er sitzt mit den 2 Kindern der Serie am Tisch das Mädchen (naseweis, mit Kopftuch) schreit ihn ebenfalls wieder belehrend an und er sagt kleinlaut “Yes, Maam!”. Uff.
Positives Beispiel und Geheimtip: “Search Party”. Durchgehend gut, inklusive der letzten Staffel.

Ulrich
Ulrich
25. März, 2024 02:33

Bei vielen Serien mit unbefriedigendem Ende kann ich zustimmen. Akte X dauerte zu lang und das Ende war nicht wirklich so. Lost ebenfalls.
Bei V fand ich den Ansatz „Notruf an einen möglichen Verbündeten“ (letzte Folge der Miniserie?) besser als in der späteren Staffel das Kind mit „übernatürlichen“ Eigenschaften.
In den 80ern guckte ich vieles, weil es nur Fernsehen gab und nicht wie heute es Streaming und vieles mehr gibt. Und im jüngeren Alter erscheinen dann auch manche Serien noch anders (interessanter). Aus Nostalgiegründen habe ich mir die DVD zu Captain Power geholt.
Space 2063, die mir gefiel, endete mit offenen Fragen, aber irgendwie ein Ende das „okay“ war (fast alle sind tot).
Miniserien wie Wild Palms oder The Lost Room gefallen mir.
„Neuere“ Serien wie Person of Interest, Travelers und Counterpart endeten recht gut. Die Absetzung tat da vermutlich gut.