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Feb 2024

Fantasy Filmfest White Nights 2024 München (6): DAAAAAALI!

Themen: FF White Nights 2024, Film, TV & Presse |

Frankreich 2023. Regie: Quentin Dupieux. Darsteller: Anaïs Demoustier, Gilles Lellouche, Edouard Baer, Jonathan Cohen

Offizielle Synopsis: Die junge Journalistin Judith hat einen großen Wunsch: Einmal Salvador Dalí interviewen! Dem stehen jedoch endlose Hotelflure, stilles Mineralwasser, eine umgefahrene Kamera und nicht zuletzt Diva Dalí selbst im Weg. Aber Judith gibt nicht auf! Dalí hingegen verzweifelt zusehends an Zeitparadoxien, seinem alten Alter-Ego und dem nicht enden wollenden Traum eines Priesters.

Kritik: Sechs Filme habe ich bisher von Dupieux auf dem Fantasy-Filmfest gesehen. Er ist eine gesetzte Größe, mit der ich bekanntermaßen erst warm werden musste. Fand ich WRONG COPS noch sehr schwach, hatte er mich spätestens mit KEEP AN EYE OUT im Sack, auch wenn der letztjährige SMOKING CAUSES COUGHING schon eine Grenze auslotete, mit wenig tatsächlicher Story man einen Kinofilm füllen kann / darf / sollte.

Mit DAAAAAALI! geht Dupieux diesen Weg weiter, interessiert sich sich noch weniger für eine Handlung im klassischen Sinne. Stattdessen hängt er kleine Comedy-Miniaturen an der Person von Salvador Dalí auf, der von Szene zu Szene von wechselnden Darstellern gespielt wird. Einziger roter Faden ist der Versuch eines Dokumentarfilms, den die von Dupieux-Veteranin Anaïs Demoustier gespielte Judith drehen möchte. Was dabei Film ist und was Realität, wo wir die Figuren beobachten oder nur ihre verschachtelten Erzählungen – es bleibt vage.

Man muss ein wenig mit der “Methode Dupieux” vertraut sein, um sich darauf voll einlassen zu können. Erfreulicherweise ist DAAAAAALI! nicht ganz so spröde und fahrig wie REALITY, dem irgendeine Form von Stringenz auch scheißegal war. Bei DAAAAAALI! funktioniert das besser, denn er hat mit der Figur des Künstlers einen Mittelpunkt, einen Anker. Es fällt auch auf, dass Dupieux sich hier deutlich von seinem bisherigen, flachen und farbarmen Stil entfernt. DAAAAAALI! will nicht nur ein Film sein, sondern auch wie einer aussehen.

Müsste ich eine Art Dupieux-Hitparade aufstellen, stünden REALITY und WRONG COPS ziemlich weit unten, während DAAAAAALI! zusammen mit KEEP AN EYE OUT und MANDIBLES seine besten, gerade weil zugänglichsten Filme darstellen.

Einen Bonus-Punkt bekommen Dupieux-Filme allein deswegen, weil der Meister weiß, wie man die Geduld des Publikums nicht überstrapaziert. Seine Laufzeiten sind überschaubare Oasen in einem Meer aus Zeitfressern.

Fazit: Ein charmantes Spiel mit einem Kunst-Genie, dem Zeit und Realität ebenso egal sind wie Story und Logik. Konzeptionell sehr dünn, aber dennoch 100 Prozent Dupieux und mit 77 Minuten sympathisch knapp bemessen. 9 von 10 Punkten.

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2 Kommentare
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Thies
Thies
12. Februar, 2024 21:34

Dupieux hatte schon seinen Film “Incredible but true” mit einem deutlichen Verweis auf “Ein andalusischer Hund” beendet, da kommt diese Fingerübung über Salvador Dali nicht gerade aus dem Nichts. Und das Hamburger Publikum das trotz frühem Beginn und sonnigen Wetter recht zahlreich erschienen war hatte offenbar seinen Spaß dabei, denn das Gelächter ließ bis zum Abspann nicht ab. Der Regisseur war hier ganz in seinem Element und hinterließ einen Saal mit zufrieden lächelnden Zuschauern.

Last edited 13 Tage zuvor by Thies
Will Tippin
Will Tippin
13. Februar, 2024 22:49

Nichts erwartet und positiv überrascht! Gute Laune nach schlanker Laufzeit und ein Ohrwurm für den Rest des Tages.