10
Aug 2022

Ferkelsköpfe und Wichtelhirne: Das Beste aus dem Lexikon der Hölle (1)

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

Graben wir uns mal wieder ganz tief in die Nische. Wie tief? Ich habe ein fast 40 Jahre altes Filmlexikon nach kuriosen Stellen durchforstet und diese gesammelt. Es ist mein fester Glaube, dass ich bei der aktuellen Entwicklung so weit kommen werde, dass die Zielgruppe meiner Beiträge 1 beträgt. Mich selber.

Man kann über die diversen Genre-Lexika von Hahn, Jansen & Co. sagen, was man will – gut waren sie nicht, aber maßgeblich. Horrorfans meiner Altersklasse hatten in den 80ern quasi keine Alternativen. In den preiswerten Taschenbüchern haben wir erstmals von Argento gelesen, von Carpenter, von Fulci. Sie bildeten uns vom Stummfilm bis zum modernen Blockbuster. Oft genug waren die Bücher Warner und Wegweiser, bevor wir den Gang zur Videothek antraten.

Es waren Bibeln:

Ich habe übrigens nie verstanden, warum das Horror-Lexikon bei Bastei, die anderen Bände aber bei Heyne erschienen sind.

Erst mit dem Zugriff auf Sekundärliteratur aus dem anglo-amerikanischen Raum (Fangoria. Starlog, Psychotronic Encyclopedia) und wertigere Lektüre wie Splatting Image dämmerte uns, dass wir von stoffelig-spießigen Alt-Fans geprägt worden waren, deren Sozialisation mit den Hammer-Filmen endete und die schlechte Filme nicht genießen konnten, sondern als persönlichen Angriff sahen. Die urdeutsche Humorlosigkeit der Kritiken und die durchschimmernde Empörung überschattet alle anderen Defizite der Bücher. Das entschlossen gesetzte Ausrufezeichen – es ist der filmische erhobene Zeigefinger von Hahn und Jansen.

Das sehe wahrlich nicht nur ich so – hier ein paar Amazon-Kritiken:

“Die ständige Diffamierung verschiedener Regisseure als “Wichtelhirn” oder psychisch krank vermag somit dann auch eher Zeugnis vom Entwicklungsstand der Autoren abzulegen als das sich hier noch von seriöser Filmkritik sprechen ließe.”

“Erkennbar ist dabei eine extrem reaktionäre politische Ideologie nach dem Motto “Zurück zum Kampf gegen Schmutz und Schund im Stil der 50er!”.”

“Für Freunde härterer Horrorfilme, für Giallo-, Splatter- oder Zombiefans ist das Buch selbst ein Horror: Viele dieser Filme aus den späten siebziger und achtziger Jahren werden zwar erwähnt aber komplett und ohne Differenzierung niedergemacht.”

Klar dresche ich auch gerne mal auf schlechte Filme ein, nutze in meinen Kritiken das Mittel der persönlichen Abrechnung mit den Machern, die gespielte Empörung, und den unangemessenen Vergleich. Aber das hat immer Kontext, damit wird der Leser nie allein gelassen. Hahn und Jansen scheinen bei vielen Filmen ein “Das ist ja ekelhaft!” für eine ausreichende Besprechung zu halten

Aber Schwester Zeit ist milde und ihr Bruder Nostalgie ist es auch: Obwohl ich die Bücher vor ca. 20 Jahren entsorgt habe, kann ich doch nicht ohne sie – günstig im Antiquariat geschossen stehen sie nun gescannt in meinem digitalen Bücherregal. Und mag man – mittlerweile mit eigener Expertise gewappnet – auch viele der Kritiken für kruden Quark halten, so bleiben das Horror-, das Science Fiction- und das Fantasy-Lexikon dennoch bemerkenswerte Relikte ihrer Zeit, in denen man so manchen obskuren TV-Film oder osteuropäischen Genre-Beitrag findet, der anderswo stiefmütterlich behandelt wird.

Und so habe ich mal die gröbsten Ausreißer für euch rausgesucht. Ich möchte bewusst den Begriff “Highlights” vermeiden. Dabei konzentriere ich mich auf Aussagen, die explizit von den Autoren des Buches stammen, und lasse die zitierten externen Quellen außen vor.

Diesen Beitrag widme ich mal wieder Markus Nowak, mit dem ich oft und gerne über all den Schrott diskutiert habe, von dem wir in den Lexika lasen und den wir uns in den heimischen Videorekorder träumten.


Schon das Vorwort ist bemerkenswert, denn Hahn und Jansen verschwenden keine Zeit, uns zu überzeugen, dass sie Fans des Gestern und nicht des Heute sind:

Knaurs Fremdwörterlexikon (3. Auflage, 1980), eins der wenigen wirklich gut gemachten Nachschlagewerke unserer Zeit, definiert den Begriff Horror als etwas, vor dem man Abscheu hat bzw. als eine Sache, vor der es einem graut. Grauen tut’s uns aber auch, wenn wir beispielsweise im Fernsehen Nena krähen oder Heino blöken hören: Sind die beiden deswegen schon prädestiniert, in einem LEXIKON DES HORROR-FILMS Erwähnung zu finden?

Der Zielgruppe vor die Füße zu pinkeln scheint ihnen besonders viel Spaß zu machen. Als Splatterfreund wird man gar nicht erst zur Party eingeladen:

Dem einen graust’s vielleicht schon bei Das Gespenst von Canterville; der andere benötigt, um das herrliche Gefühl sich sträubender Haare zu erleben, vielleicht Dracula und seine Bräute, während dem dritten in seiner Gummizelle, die er (hoffentlich) bewohnt, nur noch ein Schlächterspektakel wie Der New York Ripper Genuß bescheren kann.

Und beim 1984 tobenden Kulturkampf “uncut vs. moralische Verrohung” standen die Autoren komplett auf der falschen Seite:

Der Jugendmedienschutz ist gerade beim Horror-Film ein wichtiges Anliegen, das wir nur unterstützen können. Horror-Videos, auch wenn sie noch nicht indiziert sind, gehören unserer Ansicht nach grundsätzlich nicht in die Hände von Kindern und Jugendlichen.

Mit scheint das ganze Dilemma von Hahn und Jansen relativ offensichtlich: Sie sind Fans von Gruselfilmen, nicht aber von Horrorfilmen.

Was dabei rauskommt, wenn Leute mit einer solchen Einstellung zum Horrorfilm das ganze Genre ordnen und werten? Lest selbst…

WARNUNG! Bei den Trailern werden keine Gefangenen gemacht!


Basket Case

Ein absoluter Kultfilm der 80er mit mehreren Fortsetzungen, bei dem Hahn und Jansen gleich mal den Maßstab setzen – wenn die anglo-amerikanische Presse anderer Meinung ist als ihrer, dann ist die anglo-amerikanische Presse ignorant:

Über Geschmack läßt sich bekanntlich streiten, über schlechten aber wohl kaum. Was in den USA und England in gewissen Kreisen ein großes — nicht mal immer negatives — Presseecho fand (…), ist in unseren Breitengraden lediglich eine Abscheulichkeit, aller “brüderlichen Liebe” zum Trotz. Die Kaltschnäuzigkeit, mit der das Publikum mit den grausigsten Morden konfrontiert wird, sucht wahrlich ihresgleichen, und die begeisterten Jubelrufe, mit der zahlreiche anglo-amerikanische Rezensenten diesen Ausbund an niederträchtiger Geschäftemacherei begrüßt haben (…), trägt nur zu der Erkenntnis bei, daß das Sein das Bewußtsein bestimmt (und natürlich umgekehrt).

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Blutiger Valentinstag

Ein Highlight aus dem Splatter-Boom der frühen 80er, dem Hahn und Jansen wie allen Filmen begegnen, die nicht ihrer Vorstellung von Grusel gerecht werden:

Der Zuschauer will sich vergnügen und nicht nachher seine Kleidung in die Reinigung bringen, weil ihm beim Besuch des Films das Essen aus dem Gesicht gefallen ist.

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Blutrausch – Eaten Alive

Ich bin auch kein Freund von Tobe Hoopers Splatterfilmen, aber Hahn und Jansen scheinen dem armen Mann persönlich zu grollen:

Regisseur Hooper, ein Ferkelskopf par excellence, der in seinem Schlächterfilm Blutgericht in Texas (USA 1974) die Motorsäge als Mordinstrument entdeckte, versucht sich hier an klassischen Vorbildern. Heraus kommt dabei wieder einmal nur eine miese Blutorgie, die 1978 auf dem 7. Festival des Phantastischen und Science Fiction-Films in Paris auch noch mit dem Güldenen Einhorn ausgezeichnet wurde. Entsetzlich!

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Blutgericht in Texas – Texas Chainsaw Massacre

Ihr haltet die Kritik an BLUTRAUSCH für ein wenig überzogen? HA!

Dieser ekelhafte Kotzbrocken, den auch abgebrühte Zuschauer nur schwer verkraften können, ist in den USA zum Kultfilm geworden. Wie die anderen Ekelfilme Hoopers — z.B. Blutrausch in Texas (…) — ist auch dieser billig (155.000 $) hergestellte Streifen eine perfide Schlächterorgie (…). So manifestiert sich ihre Abscheulichkeit gleich auf zwei Ebenen und liefert Hooper ein bequemes Alibi für die Zurschaustellung seiner niederträchtigen Phantasie. Wie skrupellos er zu Werke geht und mit welcher Dreistigkeit er unterstellt, jedermann müsse seines Geistes Kind sein, dürfte schon die Impertinenz belegen, daß er in seinen Filmen immer wieder derangierte Geister auffährt, um dem Publikum das »Gruseln« zu lehren.

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Dracula 1979

Gegen den Film haben die Rezensenten nix – es fehlt ihnen aber der Kontext:

Badham hat Stokers Vorbild in weiten Passagen radikal gekürzt und völlig umgearbeitet. So fehlt die Vorgeschichte, die in Transsylvanien spielt (Badham setzt die Kenntnisse des Zuschauers – mit Recht – voraus), die Schauplätze sind sämtlich nach England verlegt, selbst das gotische Schloß des Grafen befindet sich auf der Insel.

Das mag daran liegen, dass der Film auf einem Theaterstück basiert.

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Ein Zombie hing am Glockenseil

Auch ich habe mich in den frühen 80ern am Fulci-Bashing beteiligt und die Filme sind sicher Geschmackssache, aber Hahn und Jansen scheint mal wieder primär zu stören, dass es Leute gibt, die ihr Urteil nicht teilen:

Der Film ist ein Brechmittel! Eine Ansammlung von Sadismen, ein abstruses Hirnquetscher- und Leichenwürmer-Spektakel. Daß er beim 10. Internationalen Festival des Fantasy- und SF-Films 1980 den »Preis des Publikums« erhielt, spricht nicht für dieses Machwerk, sondern gegen das Publikum.

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Entity

Oft genug ist die Kritik der Buchautoren auch seltsam vage und unbegründet:

Der Frau bleibt nur übrig, reißaus zu nehmen und sich da zu verstecken, wo sie keiner findet. Zu hoffen bleibt, daß sich die Macher dieses Filmes daran ein gutes Beispiel nehmen.

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Freitag der 13.

Neben Giallos und Zombiefilmen gehören die Slasher zu den “Machwerken”, auf die Hahn und Jansen gerne ihren gesamten Hass fokussieren. Ich verstehe, dass nicht jeder Kritiker damals erkannte, dass mit HALLOWEEN und FREITAG DER 13. eine neue Ära des Horrors begann, aber man kann sich auch über Gebühr echauffieren. Natürlich hat wieder mal das Publikum versagt:

Tom Savini, der für die Blut-»Effekte« dieses abartigen Schweinefilms zuständig war, ist ja nichts anderes als ein lohnabhängiger Maskenbildner, der nicht lange danach fragen kann, von welchem charakterlosen und geldgierigen Produzenten seine Kunst ausgebeutet wird; Victor Miller allerdings, der sich dieses menschenverachtende Geschichtchen ausgedacht hat, verdient allerdings einen Sonder-Oscar in der Kategorie »Kotzübelstes Machwerk des Jahres«. Immerhin hat ihn ja niemand dazu gezwungen, sich diesen Absud auszudenken. Der Film hat in den USA Unsummen eingespielt: aufgebracht wurden sie von einem Publikum, dessen Sehgewohnheiten, so steht’s zu befürchten, von einer gewissen(losen) Filmindustrie erst einmal programmiert wurden.

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Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe

Hier geht es erneut weniger um die “Kritik” am Film – Hahn und Jansen wundern sich ernsthaft, dass die Giallos den Namen Wallace als Feigenblatt nahmen:

Die literarische Vorlage stammt angeblich von Bryan Edgar Wallace: Wahrscheinlich hat er sie auf einem Bierfilz niedergeschrieben; ein Buch dieses Titels gibt es von ihm nicht.

Den dreifachen Oscar-Gewinner dürfte diese Erwähnung freuen:

Die Kameraarbeit Vittorio Storaros ist annehmbar.

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Das Grab des Dr. Caligari

Ja, der Film ist ein typischer Mexiko-Grusler seiner Zeit, wie er gerne mal bei den
B-Film Basterds läuft. Und nein, Caligari kommt natürlich nicht drin vor. Aber bitte:

Die Steigerung eines solchen Schwachsinns ist kaum noch möglich, doch man weiß ja nie!

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Halloween

Es gibt einige anerkannte Kultregisseure, die bei Hahn und Jansen einfach keinen Fuß auf den Boden bekommen: Argento, Hooper, Carpenter. Die Filme des Letzteren werden sogar als eine Art Affront gesehen:

Wo nimmt ein Mann namens John Carpenter, der 1948 das Licht der Welt erblickte, die Dreistigkeit her, dem Publikum eine Geschichte vorzusetzen, die nun mal wirklich keinen Inhalt hat? Aber wahrscheinlich stört ihn diese Frage eh einen feuchten Kehricht: Halloween hat ihm x Millionen eingebracht, und Milliarden Fliegen können sich nicht irren.

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Die heilige Bestie der Kumas

Kappes vor dem Herrn, aber diese Kritik scheint mir ein wenig zu allgemeingültig:

Wenn Sie sich eh schon keine Spielfilme ansehen, können Sie auch diesen ruhig verpassen.

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Hexen bis aufs Blut gequält

Den hatten wir ja neulich schon – Hahn und Jansen zeigen keine Gnade, obwohl der Film als historische Horrorparabel einen Haufen Qualitäten hat:

…nichts weiter als ein gewöhnlicher Nachzieher zu Michael Reeves’ thematisch ähnlich gelagertem Welterfolg Der Hexenjäger, in rasender Eile abgefilmt und in die Kinos gebracht, um eine schnelle Mark zu machen. Der Film enthält weniger Grusel- als Greueleffekte; eine genüßlich ausgemalte Folterszene wechselt sich mit der anderen ab.

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Nur um der Chronistenpflicht willen gestehe ich, dass die Autoren mit dem Verriss der Fortsetzung Hexen geschändet und zu Tode gequält aber genau richtig liegen:

… das (kommerziell übrigens ziemlich erfolgreiche) Gebräu aus seiner Hexen-Schnellküche ist nicht besser genießbar — dafür aber noch abscheulicher, einfallsloser und exploitativer angelegt.


Hexensabbat

Einer der kleineren Filme aus der Okkultismuswelle der 70er, die von ROSEMARY’S BABY, EXORZIST und DAS OMEN losgetreten worden war. Wahrlich kein skandalöser Films, aber mit einem bemerkenswerten Cast in winzigen Neben- und Statistenrollen: Nana Visitor, Jeff Goldblum und Tom Berenger! Das LEXIKON DES HORRORFILMS war unversöhnlich:

Hexensabbat wird Ihnen die Fußnägel hochklappen — nicht nur weil Michael Winners Horror-Schocker schamlos bei Roman Polanskis Rosemarys Baby (USA 1967) abkupfert, sondern auch wegen einiger Szenen, die man gemeinhin eher in Sexfilmen der mieseren Machart zu sehen bekommt: eine eifrig masturbierende (und äußerst unsympathisch gezeichnete) Lesbierin etwa, oder einen ältlichen Herrn. der sich auf seinem Lotterbett einen wollüstigen Fight mit zwei drallen Huren liefert. Aber all das ist noch harmlos im Vergleich mit den gewaltverarbeitenden Horrorsequenzen…

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The Horror of Party Beach

Bisher bin ich ein wenig den Beweis schuldig geblieben, dass Hahn und Jansen jeder Humor abgeht, wenn es darum geht, bewusst billige zusammen geschluderte Trash-Filme auch als solche zu erkennen und zu bewerten. Das lässt sich ändern. Zu THE HORROR OF PARTY BEACH, der nie für mehr als ein knutschenden Autokino-Publikum produziert worden war, fanden die Autoren keine warmen Worte:

»Glaubst du, daß Küssen ungesund ist?«
»Ich weiß nicht. Ich bin noch nie. . .«
»Du bist noch nie geküßt worden?«
»Nein — noch nie krank gewesen.«
Das ist das Niveau, auf dem sich dieser Heuler abspielt!

Aber damit nicht genug:

KREISCH! Und nochmals KREISCH! Bis ein genialer Wissenschaftler ein Mittel erfindet, mit dem man die Ungeheuer außer Gefecht setzen kann, passiert so allerlei in diesem haarsträubend doofen, unglaublich amateurhaft gespielten und unfreiwillig komischen Billigfilmchen, das man einfach gesehen haben muß, um es zu glauben!

Man möchte “macht euch doch mal logga!” rufen.


Horrorsex im Nachtexpress

Zugegeben, den Film habe ich nur wegen des sen-sa-tio-nellen Titels hier reingenommen, denn mich deucht, dass Hahn und Jansen nicht falsch liegen:

Ein Film, der nur die niedrigsten Instinkte anspricht.


Horror Star

Vor dem Film habe ich in der Videothek wahrlich oft gestanden, auch weil das Poster von einem bekannten Groschenheft-Zeichner stammte. Ich habe das dumpfe Gefühl, dass Hahn und Jansen ihn auch nicht gesehen haben:

Der Film soll ulkig sein, ist aber ebenso langweilig wie alle diese Horror- Flops, die unser Land lediglich per Videokassette erreichen.

“Alle diese Horror-Flops”?!

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In der Gewalt der Zombies

Bei diesem kruden Exploiter fehlt vom Originaltitel “Le notti erotiche dei morti vivendi” bei Hahn und Jensen das “erotiche”, weswegen ihnen vielleicht entgangen ist, dass sie es tatsächlich mit einem Horror-Porno zu tun hatten, den es auch mit allerlei Rammelszenen zu kaufen gibt.

Sex und Horror, das ist die Masche, nach der Joe d’Amato seine Filmchen strickt. Zwar ist sein Star Laura Gemser hübsch anzusehen, aber die Streifen, in denen sie agiert — und dafür ist dieser ein Musterbeispiel — beleidigen jedes denkende Lebewesen, dessen Intelligenzquotient über 28 liegt.

Natürlich kein Trailer – schämt euch!


Justine – Lustschreie hinter Klostermauern

Wer angesichts dieses Titels nicht erkennt, dass wir durch die Mainstream-Schwemme von Netflix, Amazon & Co. etwas verloren haben, dem kann ich nicht helfen, Ich möchte den depperten Film von 1971 aber zum Anlass nehmen, die etwas verkniffene Art zu dokumentieren, mit der Hahn und Jansen mit jeder Form von Erotik umgehen:

Von »Lustschreien« kann hier kaum die Rede sein, eher von albernem Gekicher und verhaltenem Gestöhne. Und trotz des reißerisch gemachten Titels reagiert das Publikum spätestens nach einer halben Stunde dieser unsäglichen Tortur mit einem fröhlichem Schnarchen.

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Das Kabinett des Schreckens

Und wieder muss Hooper für alles Böse und Schlechte des Horrorfilms stehen:

Brutalität und Grausamkeit um ihrer selbst willen, das ist die simple Masche, nach der Hollywood-Achtgroschenjungen wie Tobe Hooper ihre niederträchtigen Machwerke stricken: Gefragt ist bei diesen Vertretern der meist noch sehr jungen Geldscheffler nicht der unter die Haut gehende Nervenkitzel, der aus der Subtilität erwächst, sondern die bewußt in Szene gesetzte Schlächterei, bei der das Blut gleich literweise spritzt. Ob dies nun ein aus dem Wissen geborener Zynismus ist, daß die Existenz eines »Marktes« für derlei Abscheulichkeiten existiert, sei dahingestellt (…)

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Der Killer mit der Bohrmaschine

Ihr habt nicht wirklich gedacht, dass ein Film dieses Titels irgendwelche Qualitäten zugestanden bekommt, oder?

Ein schäbiges, primitives Machwerk, das seinesgleichen sucht und nicht einmal erträglich ist, wenn man einen starken Magen hat.

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Lebendig gefressen

Zugegeben, Hahn und Jansen haben hier nicht schlecht geraten – Umberto Lenzi saß anonymisiert auf dem Regiestuhl. Darüber hinaus sind Kannibalen den Autoren so zuwider wie Zombies:

Offenbar hat sich bis auf Mel Ferrer niemand bereit erklären können, für dieses Machwerk mit seinem Namen zu werben: Humphrey Humbert, der Regisseur, ist ein Pseudonym, das wahrscheinlich Umberto Lenzi oder Joe d’Amato gehört. Die für diesen Unfug zuständigen Nullen scheinen ihr Englisch zudem auf der Klippschule gelernt zu haben. Ein widerwärtiges Stück Schmuddelkino!

“Ein widerwärtiges Stück Schmuddelkino!” – ganz falsch liegen sie nicht:

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Und mit dieser “Delikatesse” lasse ich es für heute gut sein. Teil 2 folgt zeitnah.



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Marcus
Marcus
10. August, 2022 10:10

Horrorsex im NachtexpressZugegeben, den Film habe ich nur wegen des sen-sa-tio-nellen Titels hier reingenommen, denn mich deucht, dass Hahn und Jansen nicht falsch liegen:

Ein Film, der nur die niedrigsten Instinkte anspricht.

Da deucht dir nicht ganz falsch….

Barry
Barry
10. August, 2022 11:58
Reply to  Marcus

Ja, diese 3 Minuten und allein schon das Wort “Horror-Sex” lassen ein übles Machwerk vermuten. Andererseits: Ihn anzusehen dürfte unendlich mehr Spaß machen als es bei 99,9% des deutschen Kino- und vor allem TV-Mülls der Fall ist, mit dem Degeto, Ziegler und Konsorten jährlich Milliarden umsetzen. Auf einen Aufschrei darüber wartet man seit Jahrzehnten, vergeblich…

Barry
Barry
10. August, 2022 12:14
Reply to  Torsten Dewi

Das Wort “zufrieden” würde ich infrage stellen und eher durch “sediert” ersetzen. Vor ca. 40 Jahren gab es ja noch ein Programm, was ganz OK war, einen gewissen Anspruch an sich selbst stellte und vor allem nicht aus verfilmten Schundromanen und Groschenheften bestand. Wer schlimmen Kitsch wollte musste ihn sich halt woanders besorgen oder auf die üblichen Klassiker der 30er bis 50erjahre an langen Feiertagen warten. Waren die Leute denn deswegen damals unzufrieden?

Barry
Barry
10. August, 2022 12:33
Reply to  Torsten Dewi

Das wäre als Horrorfan aber schon etwas seltsam 😉

Ich ärgere mich aber schon immer über die Ungerechtigkeit, dass der eine “Müll” bis aufs Messer bekämpft wird und der andere wegen seiner scheinbaren “Harmlosigkeit” freies Geleit bekommt, ja mit Geld geradezu zugeschissen wird.

Dabei ist die Gefahr der millionenfachen Verblödung und Einschläferung der Bevölkerung doch viel größer als die einer angeblichen “Verrohung” – meine Meinung zum Thema.

Malzbiertrinker
Malzbiertrinker
10. August, 2022 13:29
Reply to  Barry

Kein Horrorfilm toppt den Horror, dass es Menschen gibt, die jeden auch nur leidlich passenden Kommentarbereich nutzen, um die immergleichen Tiraden loszulassen.

Mollari
Mollari
10. August, 2022 11:20

„Der Film hat in den USA Unsummen eingespielt: aufgebracht wurden sie von einem Publikum, dessen Sehgewohnheiten, so steht’s zu befürchten, von einer gewissen(losen) Filmindustrie erst einmal programmiert wurden.“

Haha, einfach direkt unter die nächste Marvel-Diskussion zimmern!

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos
10. August, 2022 11:30

Das liest sich mitunter so, als hätte Carpenter und Co. den Herren ins Müsli gestrullt…
Aber manche Formulierungen sind schon zum Brüllen: „Kotzübelstes Machwerk des Jahres“ und „Wichtelhirn“ wandern dann wohl in den Sprachschatz 😀

Mark
Mark
10. August, 2022 12:23

Das löst bei mir (wieder mal) einen heftigen Nostalgieschub aus. Die erste Ausgabe des “Lexikon des Science Fiction Films” (mit Han Solo und Chewie auf dem Titel) hatte ich auf einem Familienausflug in Frankfurt gekauft. Als 14jähriges Landei mit einer Kleinstadt in der Nähe wäre ich damals ansonsten nie drangekommen. Und es steht total zerlesen, mit losen Blättern und abgehakten Filmtiteln (Film gesehen, meist in ARD/ZDF-Filmreihen “Science Fiction”/”Der phantastische Film”) immer noch im Regal, flankiert von eben jenen Fantasy und Horror-Pendants. Neben der Abneigung gegen Slasher und Splatter im Horrorfilmlexikon ist gerade beim SF-Filmlexikon der Geist der 80er spürbar, stellenweise ziemlich antiamerikanisch.

Jürgen
Jürgen
10. August, 2022 18:24

Was habe ich dieses Buch gehasst, und die beiden Dreckschleudern, die es verzapft haben.
Wie es besser geht, hat Frank Drebbin mit “Die Angst sitzt neben dir” gezeigt.

Flossensauger
Flossensauger
10. August, 2022 19:16

Ronald Hahn hat auch Stärken: Seine Arbeit für die (deutsche) Science Fiction Times, einzelne Kurzgeschichten und Novellen (Socialdemokraten auf dem Mond), empirische Forschung (Imperium Rhodanum, habe ich als Soziologe mir tatsächlich von ihm gekauft, lesenswert).
Nicht verheimlichen sollte man seine Wendung in den letzten Jahren: Die Formulierung “Querdenker” und “rechtsradikal” möchte ich vermeiden, nicht zuletzt um mir keinen Ärger mit ihm persönlich einzuhandeln. Im SF-Fandom ist das Befremden über ihn in letzter Zeit recht gross.

Malzbiertrinker
Malzbiertrinker
11. August, 2022 13:00
Reply to  Flossensauger

Wenn ich die von engstirnigem Hass erfüllten Zitate hier so lese, inwiefern können wir da von einer “Wendung” sprechen? Der Hass hat sich einfach kanalisiert.

takeshi
takeshi
11. August, 2022 07:31

Vielen Dank für diese Remineszenz.
Ich hatte bis vor ein paar Jahren alle entsprechenden Lexika von Hahn, Jansen & Co. im Regal stehen; neben einer fast vollständigen Ausgabe der Heyne Filmbibliothek, dem mehrbändigen Lexikon des Internationalen Films und viel weiterer Genre-Literatur.
Was Hahn, Jansen & Co. offenbar nie in den Sinn kam oder bewusst ignoriert wurde, war die Tatsache, dass viele interessierte Leser ihre Lexika als eine Art Negativ-Ratgeber nutzten. Je schlimmer und hochnäsiger ein Film verrissen wurde umso stärker war die Anstrengung diesen wenigstens einmal zu sehen.

Franz
Franz
11. August, 2022 12:38

Es gibt eine anerkannte Kultregisseure

Ich nehme an, da fehlt was.

Squirrelius
Squirrelius
11. August, 2022 19:29

Mich würd mal interessieren, wie die Beiden, soweit ich weiss leben die ja noch, heute zu ihren Texten von damals stehen.

S-Man
S-Man
12. August, 2022 08:07
Reply to  Torsten Dewi

Eine der besten Fragen, die ich mir beim SF Genre sehr oft stelle heutzutage:

“SF gilt immer als Vordenker-Literatur, patzt aber erschreckend oft, wenn es auch nur darum geht, ein paar Jahre in die Zukunft zu blicken. So versprechen Autoren permanent Roboter und Aliens, verschlafen aber AIDS und Internet. Muss die Zunft sich vorwerfen lassen, den ‘Science’-Teil des Begriffes ‘Science Fiction’ zu vernachlässigen?”

Viel zu viel wird als” Science” Fiction betitelt, sobald Weltraum und Aliens reinkommen. Aber was daran jetzt genau “Science” ist, hab ich mich eigentlich schon immer gefragt…

heino
heino
12. August, 2022 08:23
Reply to  S-Man

Naja, das ist aber doch längst beantwortet. Das “Science” bezieht sich auf die vorgeblich wissenschaftliche Begründung für die Vorgänge im Roman (wie z.B. in “Die Zeitmaschine” von Wells, deren Funktion ja auch nie erklärt wird) als Abgrenzung zur Fantasy, die entweder Magie oder gar keine Erklärung anbietet. Oder, wie im Falle von Mark Twain, nur einen Schlag auf den Kopf als Ursache für eine Zeitreise. Und dass Science Fiction nichts mit Futurologie zu tun hat (deren Vertreter ja ebenfalls oft genug weit daneben liegen), sollte allen klar sein.

Heino Schmidt
Heino Schmidt
12. August, 2022 19:52
Reply to  Torsten Dewi

Das Internet wurde schon 1969 von John Brunner in “Der Schockwellenreiter” erstaunlich genau vorher gesagt, dicht gefolgt von “Simulacron 3” von Daniel Galouye. Und die Cyberpunks der 80er waren da auch sehr weit vorne dabei. Aber die alte Garde (Asimov, Silverberg & Co.) hat da tief und fest geschlafen. Generell hast du aber recht, SF-Autoren sind notorisch schlecht darin, reale Entwicklungen treffend vorher zu sagen. Wobei die Eclipse-Trilogie von John Shirley vor ca. 30 Jahren erschreckend genau unsere heutige politische Weltlage getroffen hat