Ich denke: Dass dieses Essay von mir nach mehr als zwei Jahren immer aktueller wird. Dass Brangelina mir wurscht sind. Dass es zu früh für Stollen im Supermarkt ist. Dass Terry Jones das nicht verdient hat. Dass es geil ist, dass man von Baden-Baden aus für 43 Euro zu prima Zeiten nach London und zurück fliegen kann. Dass ich in Basel mal im Rhein schwimmen gehen will. Dass ich hoffe, dass die Welt 2017 ihren gesunden Menschenverstand wiederfindet – aber zweifle. Dass diese Zeit die Zeit meines Vaters in den 70ern war – als Taxifahrer:

Ich fühle: Entspannung. Dinge passieren, Dinge werden erledigt. Der Ballast verringert sich, der Druck lässt nach.

Ich lese: „John Carter and the Gods of Hollywood“ – ein kurz nach dem Flop des Kinofilms kostenlos erhältliches Buch über das Leben von Edgar Rice Burroughs, die Entstehung der Barsoom-Bücher und die vielfältigen Versuche, diese zu verfilmen. Am Ende der unterhaltsamen Lektüre steht die sympathische wie nerdige Aufrechnung, warum sich eine Fortsetzung trotz des gescheiterten Erstlings lohnen würde. Wunschdenken – aber nichtsdestotrotz ein spannendes Buch und ein gutes Plädoyer, dass John Carter nicht auf ewig im Schatten von Tarzan stehen darf.

Ich schaue:

ARQ: Eine Kuriosität – ein sehr preiswertes Science Fiction-Kammerspiel, das nicht primär auf Drama, sondern auf Action setzt. So eine Art „Groundhog Day“ trifft „Die hard“, in dem ein Militär-Wissenschaftler in einer nicht näher beschriebenen (aber augenscheinlich beschissenen) Zukunft immer und immer wieder den gleichen Angriff einer Terroristengruppe abwehren muss, der durch seine Energiemaschine in eine Zeitschleife gelegt wurde. Der Fokus auf Schießereien, Schlägereien und „mexican standoffs“ tut dem Film allerdings nicht gut, weil ihm inhaltlich der Saft ausgeht und viele der Twists eher der Logik des Actionfilms als de Logik der Science Fiction geschuldet sind. Kann man gucken, kann man aber auch auslassen.

ISRA 88: Zwei Astronauten fliegen mit einem hyperschnellen Raumschiff (aber dennoch in endlosen Jahren) auf den Rand des Universums zu, um zu schauen, was dahinter liegt. Noch ein Kammerspiel, diesmal beschränkt auf einen zynischen Hipster-Wissenschaftler und einen Miltär-Bozo (mit erfreulichem Stoizismus gespielt von Casper van Dien). Man wird das Gefühl nicht los, dass der unsäglich dröge Abklatsch von John Carpenters Erstling „Dark Star“ im Nachhinein noch mal achronologisch umgeschnitten wurde, um durch schiere Verwirrung ein wenig Interesse beim Zuschauer zu wecken. Es funktioniert nicht. Auch mit der Milde, die ich preiswerter SF gegenüber an den Tag lege: Ein Blindgänger.

Beta Test: Das passiert selten, aber es passiert; Ich habe den Film nach einer halben Stunde abgebrochen. Abgesehen davon, dass wir die „Videospiel in der Realität“-Nummer dieses Jahr schon mehrfach hatten (siehe „Andron“, „Level up“ und „Call up“), wird hier zugunsten billiger Action wirklich auf jeden Anflug von Logik geschissen, es fehlt jedes Verständnis für die Mechanismen der Gamer-Kultur und letztlich hat „Gamer“ das vor sechs Jahren nicht viel plausibler, aber erheblich unterhaltsamer dargeboten. Ein Retortenfilm, der seine per Marktforschung identifizierte Zielgruppe nicht versteht oder bedient, sondern nur nervt.

The Last Heist: Nach dem sehr spassigen „Don’t kill it“ wollte ich dringlich auch mal die zweite aktuelle Produktion von Mike Mendez sehen, auch wenn er das phantastische Genre dabei zu Gunsten des Heist-Films verlässt: Eine Gruppe skrupelloser Gangster überfällt eine in Schließung befindliche Bank. Dabei hat nicht nur praktisch jede beteiligte Person (inklusive der Polizisten) Zweit- und Dritt-Motive, es befindet sich als letzter Kunde auch noch ein gesuchter Serienkiller im Tresorraum – gespielt von Henry Rollins. Das klingt leider besser, als es im Ergebnis ist – hier wird inhaltlich zu wenig gestemmt und mit zu wenig Geld umgesetzt, nur die relativ dynamische Regie von Mendez rettet diese DVD-Wühltisch-Randnotiz vor der totalen Langeweile.

Ich höre: Meatloaf – Braver than we are: Waren schon die letzten Platten und Konzerte ein Armutszeugnis, knallt „Braver than we are“ endgültig den Sargdeckel über einer der potentesten Rock-Kooperationen der letzten 40 Jahre zu. Sowohl Meatloaf als auch Jim Steinman sollten sich was schämen. Steinman, weil er wieder mal nur altes Material recycelt – hat der in den letzten 25 IRGENDWAS Neues geschrieben? Und Meatloaf, weil man nicht mehr singen sollte, wenn man nicht mal unter idealen Studiobedingungen mehr singen kann. Die Cover von „More“ und „Loving you’s a dirty job“ mögen schön pumpend produziert sein, auf die Vocals kann man nur noch mit Mitleid reagieren. It hurts (only when I listen):

Ich empfehleDiesen Blog, der – wie auch ich schon – auf die Suche nach Betrügereien im eBook-Business geht.

Ich erinnere: An diese Begegnung mit dem Nachbarn aus dem hässlichen Haus auf der anderen Straßenseite.

Ich preise: Diesen Einblick in die Herstellung einer Uhr für 2,2 Millionen Euro. Pottenhässlich, aber echte Mechanik-Pornographie.

Ich lerne:

Podcasts schätzen. Auf meinem iPhone kann man die ja prima abonnieren. Ideal für längere Autofahrten. Hörspiele, Hoaxilla, History – ich habe sicher erst die Spitze vom Eisberg gehört.

Mac OS Sierra nutzen. Ärgerlich – einige durchaus im Gebrauch befindliche Tools sind nicht mehr kompatibel, von manchen wird es auch keine Updates geben (z.B. Speed Download). Das behindert den Workflow, aber es stoppt ihn nicht. Ansonsten wieder alles smooth wie üblich bei Apple, man braucht auch kein komplett neues Environment zu lernen.

Ich wiege: 102 Kilo. Immerhin.

Die Katzen:

cats



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Fabian Neidhardt

Bezüglich ARQ: Hast du Edge of tomorrow gesehen? Läuft auch unter Live Die Repeat. Lass dich von Mister Tom Cruise nicht abschrecken. Das ist Groundhog Day meets Starship Troopers und ich finde ihn extrem unterhaltsam. Beste Videospielverfilmung, die nicht auf einem Videospiel basiert.

Lächeln, Fabian

jojoschi
jojoschi

Bezüglich Podcast:
„The Dollop“ ist fantastisch. Zwei Comedians arbeiten sich an amerikanischer Geschichte ab.
http://thedollop.libsyn.com

Im Retro-Videospielbereich ist auch „Stay Forever“ sehr zu empfehlen.
http://www.stayforever.de

Ansonsten: CRE, Wrint, Bahnhofskino …

flippah
flippah

das klingt doch ganz erträglich!

Andy
Andy

“John Carter and the Gods of Hollywood“ das wollte ich mir auch einmal besorgen hatte aber immer etwas angst das es zu nerdig geschrieben wurde!?
Den Film fand ich sehr gut als “Starter“ aber war halt auch das falsche Studio und Regisseur? Bei dem damaligen Screening hatte ich das Gefühl da steht vom Studio gar keiner mehr dahinter!
Ich kenne aber auch die Bücher nicht (da könnte man doch auch einmal auf die Idee kommen die alle auf Deutsch rauszubringen!!??)
Denke die Version von Kerry Conran wäre besser gewesen, da diese Version näher an den Büchern gewesen wäre (so die aussage von Kennern der Bücher) aber der arme Kerl ist ja auch total in der Versengung verschwunden! Hoffe das Kerry Conran wieder einmal eine Chance bekommt.Das selbe gilt für “John Carter“. 🙂
Die zwei Sci-Fi Filme die Du oben als erstes aufführst hatte ich auch schon in die engere Wahl genommen aber kann ich mir ja dann wohl schenken! Bin einmal gespannt auf “ARRIVAL“ der wird ja schon überall sehr gelobt. Bin auch froh das “die Seite “Wortvogel“ immer noch lebt!!!

Kai
Kai

Podcasts? Bestimmt schon mal erwähnt, kann man nicht oft genug sagen: Dan Carlin – Hardcore History.
Der (ungekrönte) History Podcaster. Sehr unterhaltsam, mit oft sehr unorthodoxen Blickwinkeln. Und laaaaaang…

Earonn
Earonn

OS Sierra
Falls Du Fujitsu Scanner nutzt (gilt natürlich auch für alle anderen Kommentatoren), lass bittebitte die Finger von dem Teil, ehe nicht die neuen Treiber raus sind, und mach Sicherheitskopien aller PDFs (jaaa, Du bist Fachmann, ich sach nur).
Soll keiner sagen, ich wäre hier nur zu meinem Vergnügen unterwegs… 😉

@Polen / Abtreibungsgesetze
Oh ja, Polen. Unterstütze illegale Abtreibungsärzte. Denn was anderes kommt nicht dabei raus, abgesehen von Abtreibungstourismus. Sieht ja jeder, was für ein toller Erfolg das in Irland ist… >:(

goran
goran

Zu The Last Heist sei gesagt, dass Mike Mendez im Berliner FFF Q&A von jeglicher Sichtung abriet.

Die Produzenten hätten aus dem Film alles, was er gut fand, rausgeschnitten und nur eine Hülle zurückgelassen, von der er gerne seinen Namen entfernt hätte. Warum er das nicht getan hat, hat er dann leider nicht mehr erklärt und ist auch nicht gefragt worden.

radio_gott
radio_gott

Dann will ich auch mal (m)einen Podcast in den Raum werfen. Der graue Rat ist der einzige deutsche Babylon 5 Podcast. Episodenweise gucken wir uns dort einmal durch die komplette Serie und sind jetzt bei Ende Staffel 1:
http://www,der-graue-rat.de

Peroy
Peroy

Wie schlecht muss ein Film sein, für den Mike Mendez nicht kreditiert werden möchte…? 🙁

Stefan
Stefan

Alter, Last Heist hab ich nicht durchgehalten. Budget 1,5 Dollar.

trackback

[…] ist dieser emotionale Kern, der „Reset“ von vielen tumben Zeitreise-Actionfilmen abhebt – und das hatte ich auch gerade von den Chinesen nicht erwartet, die ja Filme immer […]

trackback

[…] auch noch erschütternd billig gedreht, vergleichbar mit Mike Mendez‘ Totalausfall „The last heist“. Die Beteiligung von James Franco ist im besten Fall ein gnädiger Freundschaftsdienst, im […]