USA 2012. Regie: Andrew Stanton. Darsteller und Sprecher: Darsteller und Sprecher: Taylor Kitsch, Lynn Collins, Samantha Morton, Mark Strong, Ciaran Hinds, Dominic West, James Purefoy, Daryl Sabara, Polly Walker, Bryan Cranston, Thomas Hayden Church, Willem Dafoe u.a.

Story: John Carter hat im Bürgerkrieg gekämpft und will sich eigentlich nur noch um sich selbst und die Suche nach Gold kümmern. Doch die US-Armee möchte ihn gerne zwangsrekrutieren. Auf der Flucht stößt John in einer Höhle auf ein seltsames Wesen mit einer noch seltsameren Apparatur, die ihn auf einen fremden Planeten transportiert: Barsoom, uns besser bekannt als Mars. Hier bekriegen sich zwei Fraktionen menschenähnlicher Aliens, während das indigene Volk der vierarmigen Tharks zwischen allen Fronten steht. Carter, der durch die unterschiedliche Schwerkraft erstaunliche körperliche Leistungen zu vollbringen mag, wird ein Champion der Aliens und begegnet der schönen Dejah Thoris, die als Preis für den Frieden zwischen den Völkern verheiratet werden soll.

Kritik: Ich haue jetzt mal ganz fett auf die Kacke. Dies ist der erste Review, bei dem ich alles nutze, was der Presseserver von Disney so her gibt. Warum immer nur Text und Bilder? Was DVDs können, kann ich schon lange. In dieser Kritik findet ihr also noch üppig Bonusmaterial.

Hören wir z.B. einfach mal in den Film rein:

Klingt nicht schlecht. Ist auch gut synchronisiert.

Okay, wo fange ich an? Vielleicht bei der Tatsache, dass „John Carter“ wahrlich keine leichte Geburt war. Seit mehr als zehn Jahren wird immer wieder versucht, das Projekt auf die Beine zu stellen. Als die Welt noch glaubte, „Sky Captain“ würde die Renaissance des klassischen Abenteuerfilms mit modernen Mitteln einleiten, war Regisseur Conran zusammen mit AICN-Chef Harry Knowles nahe dran. Danach wurde der Stoff immer wieder weiter gereicht. Es war der Erfolg von „Avatar“ (und dessen „Inspiration“ durch „John Carter of Mars“), der Disney überzeugte, Burroughs‘ zweiter Franchise nach „Tarzan“ endlich mal eine Chance zu geben. Leider floppte vor ein paar Monaten „Mars needs Moms“, weshalb man sich entschloss, den heroischen Titel „John Carter of Mars“ auf das deutlich undefiniertere „John Carter“ runter zu kürzen. Hinzu kamen schwach bewertete Vorabscreenings und Trailer, die eher nach „Attack of the Jar Jar Binks Clones“ aussahen. Der Regisseur wollte ein 170 Minuten-Epos abliefern, musste aber diverse Nachdrehs absolvieren, um den Flow der Story zu verbessern. Einige Quellen behaupten, das 175 Millionen-Budget sei dabei auf fast 300 Millionen geschossen. Dazu ein Marketing, das sich redlich bemüht, unsichtbar und abtörnend zugleich zu sein.

Was soll’s? Wenn Disney den Film nicht promoten mag, tu ich es halt.

In der Tat ist mir lange kein Film mehr vor die Augen gekommen, bei dem der Verleih scheinbar so wenig Plan hat, wie er ihn verkaufen soll. In den frühen Trailern dominieren CGI-Kreaturen und bei den wilden Sprüngen von John Carter meint man, es sei auf halber Strecke das Budget ausgegangen (was auszuschließen ist). Damit protzt Disney mit so ziemlich den einzigen Elementen des Films, die nicht funktionieren.

Und versauen die Chancen des vielleicht besten Fantasyfilms, den ich in den letzten paar Jahren gesehen.

So albern und so altmodisch der Ausdruck klingen mag, hier stimmt er: „John Carter“ ist eine echte Schau. Abenteuerkino, das die Augen groß macht und den Mund auf. 103 Minuten „Winnetou“, „Conan“, „Tarzan“, „Zorro“ und „Flash Gordon“ werden eins. Farbenprächtig und besetzt mit ordentlichen Helden und Schurken. Ein Film, den man heimlich des nachts im Licht der Taschenlampe unter der Bettdecke lesen will. Nicht „ab 12“, sondern „ab 12 Pflicht“.

„John Carter“ ist der Film, der „Clash of the Titans“ sein wollte.

Wie „Real Steel“ und „Iron Man“ bringt „John Carter“ erzählerische Qualitäten mit, die ich lange verschollen wähnte. Fette Spezialeffekte, die niemals Selbstzweck werden, üppige Action, die nie in Gewalt ausartet, und ein Held, der uns kein Spielzeug verhökern will. Die Story ist einfach, aber mit vielen netten Schnörkeln erzählt, die Parallelen der Situation auf Barsoom zum Bürgerkrieg sind offensichtlich, ohne aufdringlich zu sein. Am Ende wird uns keine Message verkauft, sondern eine Tugend. Eat that, James Cameron.

„John Carter“ läuft wie eine Maschine, jede noch so kleine Actionszene hat einen passenden emotionalen Beat, die Geschichte steigert sich mit erstaunlicher Präzision, ohne je in sinnloses Spektakel abzudriften. Wir erleben mit John Carter das Abenteuer seines Lebens, wie es früher die Reisenden in den Orient taten: andere Länder, andere Sitten. Fremde Völker, fremde Bräuche. Gefahren lauern an allen Ecken, aber auch ungeahnte Schätze und schöne Frauen.

Vor allem aber: John Carter IST „John Carter“. Ein Charakter ohne Gimmicks, mit einer doofen Frisur und einem Darsteller darunter, der nicht mehr als „passt“ und in seiner Humorlosigkeit eigentlich nicht funktionieren kann. Aber John Carter ist ein Mann, der an seinen Aufgaben wächst, an den Menschen/Wesen, die ihm ans Herz wachsen. Wenn er die Tharks in die Schlacht führt, wird er einer von ihnen – und am Ende ist er eben nicht mehr „John Carter von der Erde“. Wir verstehen es genau so gut wie er: Er ist nun „John Carter vom Mars“.

Barsoom.

Es ist schlichtweg egal, ob wir heute längst wissen, dass der Mars nicht wie Barsoom bewohnbar ist. Ein Update der Story, wie es die Verfilmung „Princess of Mars“ versucht hat, wäre kompletter Unfug gewesen, weil „John Carter“ nie den Anspruch erhebt, eine plausible Geschichte zu erzählen. Erzählt wird und erlaubt ist, was gefällt.

Ich mag Andrew Stantons Einstellung zu dem Thema:

Die CGI ist über weite Strecken deutlich besser, als die ersten Trailer vermuten lassen. Die Tharks sind absolut überzeugend, wirken auch in größerer Masse nie simpel geklont. Die Raumschiffe und digitalen Sets sind makellos. Nur bei der Rumspringerei von John Carter, ich erwähnte es schon, hat man einfach keine technische Lösung gefunden, die wirklich überzeugt. Es sieht einfach albern aus. Vielleicht wäre der Sache gedient gewesen, wenn er nicht einen Kilometer weit springen könnte wie der Hulk. Oder wenn seine Landungen wenigstens einen gewissen Impact zeigen würden. Aber es ist, wie es ist:  John „hüüü-hüpf!“ Carters Flummiqualitäten sind das einzige Manko – und erzählerisch fällt es auch kaum ins Gewicht.

So wie Johnny Weissmuller als „Tarzan“ keine Bäume ausreißen musste und Lex Barker sich als „Old Shatterhand“ nicht für einen Oscar empfahl, so muss man an Taylor Kitschs‘ Darstellung keine allzu strengen Maßstäbe anlegen. Er sieht gut aus, hat ordentlich Muskeln und kann den Anführer geben, ohne dass im Kinosaal das große Kichern ausbricht. Das reicht. Gleiches gilt für Ciaran Hinds, Mark Strong und Dominic West, die soliden Dienst nach Vorschrift leisten.

Eine echte Entdeckung aber ist Lynn Collins, die es als Dejah Thoris tatsächlich schafft, so sexy wie kampfstark zu wirken, ohne jemals plump aufreizend zu sein. Sie ist eine richtige Frau, kein Mädchen, kämpft überzeugend und wird tatsächlich als John Carter ebenbürtig dargestellt.

Sie erinnert mehr an Xena als an die Tittentussi, die der Comicverlag Dynamite regelmäßig aus ihr macht:

Ein besonderes Lob bekommen die Macher von „John Carter“ für Woola, den fetten CGI-Klops, der für den Helden so eine Art Hund wird. Diese Figur ist komplett überflüssig und selten mehr als ein „running gag“ im wahrsten Sinne des Wortes. Aber sie funktioniert, wo „Bubo“ und „Jar Jar“ versagten. Ich möchte jetzt bitteschön auch einen Calot haben!

Ist „John Carter“ Vorreiter einer neuen Welle, technische oder cineastische Avantgarde wie „Star Wars“, „Matrix“ oder „Avatar“? Nein. Dafür fühlt er sich zu sehr der Vorlage von Burroughs und dem Spirit alter Abenteuerbücher verpflichtet. Aber genau das macht ihn so verdammt sympathisch.

Mag sein, dass „John Carter“ sein exorbitantes Budget niemals einspielen kann und dass uns die Fortsetzungen, die das Ende verspricht, vorenthalten bleiben. Mag sein, dass Disney den Versuch, eine neue Mega-Franchise aufzubauen, total vergeigt hat. Aber wer noch ins Kino geht, um sich begeistern, mitreißen und mitnehmen zu lassen, der ist hier genau richtig:

Fazit: Ein ganz großer Abenteuerfilm mit ganz kleinen Fehlern. Der erste echte Blockbuster des Jahres.

 

Ausführliches Interview mit Regisseur Andrew Stanton:

Ausführliches Interview mit Hauptdarsteller Taylor Kitsch:

Das „John Carter“-Presseheft:

„John Carter“-Sammelkarten:

John Carter

Dejah Thoris

Tars Tarkas

Woola

 



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PabloD
PabloD

Bevor es ein anderer sagt: Ab jetzt bitte immer so 😀

Raphael
Raphael

„Dejah Thoris, die wunderschöne Prinzessin von Helium, ist Verwaltungsratmitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften“ – da hat wohl jemand das „Regent“ aus der englischen Version einfach mal mit dem ersten Treffer auf dict.cc übersetzt. Glamourös.

milan8888
milan8888

Mal sehn

Andy
Andy

Tolle review.
Ich fand den Film auch toll…ähh nein eigentlich super!
Auch die anderen Zuschauer soweit ich mitbekommen habe fanden den Film super und waren teilweise auch etwas
verstört wie gut der Film ist!
Viele konnten nur Disney nicht verstehen wie Sie den Film behandeln.
Genauso wenig wie der Hass teilweise der Leute die im Internet irgendein mist schreiben obwohl Sie den Film überhaupt noch nicht gesehen haben.
Wenn man den Film im voraus gesehen hat fällt es einem noch schwerer nichts sagen zu dürfen weil diese “Miesmacher Stimmung“ John Carter nicht verdient hat.
Gerade in den USA scheint sich das zum Volkssport zu entwickeln!?
Ich sehe John Carter als potentieller Blockbuster und es müsste eigentlich mit dem Teufel zugehen wenn der nicht richtig Kohle macht.
Ich will auf jeden Fall mehr John Carter Abenteuer auf der Leinwand sehen.:)

Nobby
Nobby

Grml… ich dachte eigentlich, dass ich mir den sparen könnte. Durch diese Review ist das allerdings jetzt hinfällig. Denn spätestens durch „Real Steel“ habe ich gelernt: Wenn der Wortvogel einen Film lobt, ist er mindestens nicht schlecht. Im Falle von „Real Steel“ sogar überraschend gut. Und bei Fantasy werde ich sowieso immer sehr schnell weich…

Peroy
Peroy

„Wenn der Wortvogel einen Film lobt, ist er mindestens nicht schlecht.“

Ha…

Nobby
Nobby

Vielleicht ist der Satz auch zu anbiedernd geraten. Ergänzen wir vor „lobt“ ein „derartig“ klingt es nicht mehr ganz so untertänig… 😉

reptile
reptile

Verdammt, wieder ein Film, auf den ich eigentlich keine Lust hatte und ihn jetzt wohl doch sehen muss. So ging es mir nach dem Real Steel Review auch aber es hat sich ja gelohnt.

heino
heino

Ich hatte ja erwartet, dass du uns wie weiland bei der Clash of the Titans-Review nach dem ersten Absatz eine lange Nase drehst. Jetzt bin ich etwas ratlos, ob ich mir den Film ansehen soll oder nicht. Nach den Trailern hatte ich eigentlich schon beschlossen, den auszulassen, aber wenn der wirklich so gut ist, wäre das natürlich dumm.

Teleprompter
Teleprompter

Schön (das Review, und die Mars-Kriegerprinzessin. Ob mich der Film anspricht, muss ich noch mal überschlafen).

Aber was ist mit 3-D ? Soll ja angeblich nachträglich konvertiert sein, was ich angesichts des Budgets und der angestrebten Augenhöhe mit Cameron als ausnehmend peinlich empfinden würde.

Comicfreak
Comicfreak

..steht ab jetzt auf der Wunschliste vom Junior

Peroy
Peroy
Rex Kramer
Rex Kramer

Wird eigentlich mal erklärt, wieso er so weit hüpfen und Felsen in der Gegend herumschleudern kann? Die Anziehungskraft des Mars beträgt zwischen der Hälfte und einem Drittel der Erdbeschleunigung.

VideoRaider
VideoRaider

@ Rex: Du hast dir die Frage damit schon selber beantwortet.

Wortvogel
Wortvogel

@ Rex: Carter kann das, was Burroughs sich vor 100 Jahren vorgestellt hat. Tarzan konnte ja auch mit Tieren reden. Ich muss bei so einem Film nicht immer die wissenschaftliche Plausibilität suchen.

@ Teleprompter: 3D ist mir mal wieder nicht negativ oder positiv aufgefallen. Ich vermelde das nur noch, wenn es relevant ist.

Wortvogel
Wortvogel

@ Peroy: Die Kritik des Manifests stammt augenscheinlich von jemandem, der sich nicht einlassen konnte / wollte. Manchmal funkt es einfach nicht. Das ist zu respektieren.

DMJ
DMJ

Klingt nicht uninteressant, so ein schöner, monsterreicher Pulp-Abenteuerfilm.
Ich habe allerdings die Sorge, ich könnte zu alt und zynisch dafür sein, mich noch richtig drauf einzulassen, obwohl er vielleicht mit 12 mein neuer Lieblingsfilm geworden wäre (und damit „Frankenstein und die Monster aus dem All“ auf den zweiten Platz verdrängt hätte).

projekt gute Filme
projekt gute Filme

Naja, die Manifest Kritik ist schon nicht ganz falsch, aber klar, man muss sowas halt auch mögen. Und was die Anziehungskraft anbelangt: Das ist FANTASY. Und hüpfen ist toll. Also hüpft er halt – super.

Rex Kramer
Rex Kramer

@Videoraider: Nö. Auf dem Mond herrscht nur ein Zehntel der Erdanziehung und die Sprünge, die du da machen kannst sind maximal zehn Meter.

@Wortvogel: „Tarzan konnte ja auch mit Tieren reden. Ich muss bei so einem Film nicht immer die wissenschaftliche Plausibilität suchen.“

Mag sein, dass Burroughs das so geschrieben hat (ich wage es zu bezweifeln – habe das Teil vor Urzeiten gelesen und kann mich an keine hundert Meter Sprünge erinnern), aber der Vergleich mit Tarzan hinkt. Ein Mensch ist durchaus in der Lage mit Affen zu kommunizieren. Einfach durch das Nachahmen von Laute und Gesten. In „Greystoke“, der, wie ich finde, besten Tarzan Verfilmung, wurde das gut umgesetzt.

Für mich ist Plausibilität wichtig, selbst bei einem Fantasyfilm. Nein, besonders dort. Wenn man ungewöhnliche Weltentwürfe präsentiert, müssen sie nachvollziehbar sein, sonst rutscht man ganz schnell in die Beliebigkeit ab. Um noch mal den vielgescholtenen Avatar zu bemühen: dort war alles plausibel, selbst die schwebenden Inseln. Das fiktive Mineral Unobtainium ist ein Supraleiter und auch wenn diese Substanz fiktiv ist so haben sich die Filmmacher immerhin die Mühe gegeben, ein bestehendes physikalisches Phänomen aufzugreifen und die technische Bedeutung dieser hypothetischen Substanz anzudeuten.

Aber obwohl das ein fetter Minuspunkt für mich ist, werde ich mir John Carter trotzdem anschauen. Gibt ja im Moment sonst nix gescheites im Kino.

Wortvogel
Wortvogel

@ Rex: Das ist wieder mal so bis in die Details hanebüchen, dass ich mir gerne eine halbe Stunde nehmen würde, es zu sezieren. Leider haben wir Theaterkarten. Aber ein paar Gedanken seien mir noch schnell erlaubt.

Tarzan SPRICHT mit Tieren. Er kommuniziert nicht nur. So meine ich mich zumindest zu erinnern.

Hat dich auch die mangelnde Erklärung für die Macht des Rings im „Herr der Ringe“ gestört? Die Frage, wie der Drache in „Drachentöter“ aerodynamisch in der Lage sein soll zu fliegen? Wie die Zauberei in „Harry Potter“ funktioniert?

„John Carter“ ist Fantasy, keine Science Fiction. Als solche muss er auch die vier Arme der Tharks nicht erklären, oder die Technik hinter dem Hypersprung nach Barsoom.

„Avatar“, echt? So ich mich erinnere, ist das Science Fiction und deshalb versucht Cameron selbst die absurdesten Elemente zu erklären, egal wie dusselig sie sind.

Und schließlich: Einfach eine Substanz daher behaupten ist in deinen Augen ausreichend? Dann dürfe dir die Erklärung in „John Carter“ allemal reichen – Schwerkraft wirkt da halt anders. Wie bei „Superman“. Passt.

Peroy
Peroy

„Um noch mal den vielgescholtenen Avatar zu bemühen: dort war alles plausibel, selbst die schwebenden Inseln.“

Das Statement ist diskutabel…

firejoe
firejoe

denen hier hat der Film auch sehr gut gefallen…und die sind oft sehr kritisch:
http://www.bereitsgesehen.de/kritik/kritikjohncarter.htm

Howie Munson"unser
Howie Munson"unser

Barsoom könnte ebensogut (vor langer Zeit und) weit, weit enfernt sein…
dann müsste man nur die Teleportation als „die große Lüge die erlaubt ist“ hinnehmen… hat Barsoom halt nur ein zehntel der Schwerkraft, der Luftwiderstand ist auch geringer und zack gehen hundert Metersprünge…

wie gesagt, ich seh den Sin nicht so ganz darin, wieso man „unseren Mars“ da überhaupt beibehält, wenn man ihn eh nicht titelgebend verwenden will…

EDIT: hmpft, der „autofocus“ hat meinen Nick verlängert…

Rex Kramer
Rex Kramer

@Wortvogel: „Einfach eine Substanz daher behaupten ist in deinen Augen ausreichend?“

Cameron denkt sich diesen physikalischen Effekt ja nicht einfach aus. Er nimmt etwas real Existierendes (hast du nicht selbst irgendwo mal dieses Supraleiter-Video gepostet?) und entwirft auf dieser Basis seine Welt. Ist zumindest glaubwürdiger als ein Mensch, der tonnenschwere Felsbrocken an einer Kette um den Kopf wirbelt. Aber egal, ich bin gerne bereit mich begeistern zu lassen, wenn der Rest stimmt. Und auf die Optik trifft das auf jeden Fall schon mal zu.

Howie Munson
Howie Munson

Bitte hört auf mit Avatarvergleiche, dafür gibt es wirklich schon genug andere Threads.

Einigen wir uns darauf, dass es einige Leute dem Film abkaufen, was er anbietet und andere halt nicht. *g*

Dr. Acula
Dr. Acula

Übrigens hat der hiesige Publisher jetzt tatsächlich „Princess of Mars“ in „John Carter of Mars“ umbenannt. Heute im MediaMarkt gesehen… Jesses…

firejoe
firejoe

moviegod hat er auch sehr, sehr gut gefallen:
http://www.moviegod.de/kino/kritik/1751/john-carter—zwischen-zwei-welten

…also ich hab mein Kinoticket jetzt sicher in der Tasche, hatten den Film zwar auf dem Radar, aber eher von der Videothek bezogen, als ins Kino zu stiefeln…

XXX
XXX

„Übrigens hat der hiesige Publisher jetzt tatsächlich “Princess of Mars” in “John Carter of Mars” umbenannt.“

Uiuiui, und damit das Trademark von ERB Inc. verletzt.

Peroy
Peroy

„Bitte hört auf mit Avatarvergleiche, dafür gibt es wirklich schon genug andere Threads.“

Neinneinnein, das muss jetzt in aller Ausführlichkeit hier ausdiskutiert werden…

DMJ
DMJ

Der Mars im Film hat nicht die physikalische Beschaffenheit wie unser Mars, obwohl er es sein soll? Dann spielt er wohl schlicht und ergreifend in einem parallelen Universum, in dem sein Zustand entsprechend anders ist.

Ja… Mit der Nummer ließe sich praktisch jeder Filmfehler erklären, aber bei „historischer SF“ scheint es mir doch relativ angebracht. 😉

Rex Kramer
Rex Kramer

Übrigens wäre es mir gar nicht in den Sinn gekommen, John Carter mit Avatar zu vergleichen, hätte da nicht der Wortvogel ein fröhliches : „Eat that James Cameron“ in die Runde geworfen. Dachte ich, nimmst du den Ball mal auf …
Ich finde auch, dass beide Filme weder reinrassige SF noch Fantasy sind. Eher eine Mischung mit unterschiedlicher Gewichtung einzelner Elemente. Avatar hätte auch durchaus von Burroughs geschrieben worden sein können.

Comicfreak
Comicfreak

@ Wortvogel

..jetzt musste ich doch tatsächlich hinter mir ins Regal greifen.

Tarzan „spricht“ nur mit seinem eigenen Menschenaffenclan, wobei Burroughs deutlich macht, dass es sich nicht um Gorillas, sondern um Menschenaffen knapp unter Urmenschen handelt und der Wortschatz nur einige Laute umfasst und keine komplexen Sätze übermittelt, geschweige denn Gespräche geführt werden können.
Bis Seite 116 kommen 4 Sätze wörtlicher Rede vor.

Wortvogel
Wortvogel

@ Comicfreak: Interessant, dass niemand den „Menschenaffen“-Aspekt in den Umsetzungen beachtet hat. Wie ich das sehe, wurde er immer von Gorillas oder Schimpansen aufgezogen.

Comicfreak
Comicfreak

@Wortvogel

..das hat mich auch immer gewundert. Sein Clan wird als „Menschenaffen, die sich beim gehen auf die Fingerknöchel stützen“ beschrieben, Männchen ca. 300 Pfund, Weibchen ca. 200-250 Pfund schwer. Eindeutig noch Tiere.
Zur Kommunikation „tanzen“ sie sich ihre Erlebnisse vor, sie haben heilige Plätze.
Gorillas werden extra aufgeführt, als deutlich unter dem Clan stehend. Tote Gorillas werden roh gefressen.
Überhaupt ist der Roman ein gutes Stück härter als alle Verfilmungen. Unter FSK 16 wär da nichts zu machen

Gregor
Gregor

Wieso verlinkt XXX eigentlich auf einen Revolververkäufer?

XXX
XXX

vermutlich, weil in der url die .de-endung fehlte 😀

Mollari
Mollari

Yeah, Lynn Collins.

Die schärfste Bedienung, die das „Merlotte’s“ je hatte.
Ich habe sie schon seit „Wolverine“ gegen jeden Olivia-Wilde-Hype verteidigt; hoffentlich wird sie nicht auch karrieretechnisch von einem überteuren Disney-Vehikel versenkt.

Shah
Shah

Ich habs beim ersten Trailer geahnt: das hat was. Wunderbar, dass ich offenbar Recht hatte 🙂

jimmy1138
jimmy1138
trackback
Double Feature: “Tim & Struppi” & “Woman in Black” | Wortvogel – 100 % Torsten Dewi

[…] nicht von Hollywood durchseucht (wo er auch nur mau gelaufen ist). Es freut mich auch wegen “John Carter” ungemein, dass endlich wieder Filme gemacht werden, die einen 12jährigen für Action und […]

Flo Lieb
Flo Lieb

Schönes Review, schöner Film.

Und sich über die Darstellung des Mars nach heutigem wissenschaftlichen Kenntnisstand in einer 100 Jahre alten Geschichte aufzuregen, ist ja wohl mehr als peinlich. Nur weil mir Frankenstein erzählt, man kann einen Menschen aus Leichenteilen zusammenbasteln, jammer ich ja auch nicht, dass das ja hahnebüchen sei.

Rex Kramer
Rex Kramer

Heute gesehen und für schlecht befunden. Schlecht ist gar kein Ausdruck: unterirdisch. Nicht die Art von schlecht, die Spaß macht, weil sie billig und unfreiwillig komisch ist. Ich rede von der ärgerlichen Art. Die, die Millionen von Dollar verschlingt, ohne nur einen Cent auf ein halbwegs plausibles Drehbuch zu verschwenden. Und dabei habe ich wirklich vorgehabt, den Film zu mögen. Hätte ich sonst 33 Euro an der Kinokasse hingeblättert?

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.
Vielleicht bei der Story, die einfach so vor sich hin handelt, ohne Kausalität, ohne roten Faden, ohne Konzept?
Oder bei Figuren, die hölzern und unmotiviert durch die Sets taumeln (oder wer kann mir bitte erklären, welche Motivation die Unsterblichen haben, dauernd Welten zu vernichten und den Grund zu liefern, dass Völker sich bekriegen, Südstaatler durchs All reisen und Marsprinzessinnen feuchte Augen bekommen. Achso, ja, sie sind BÖSE, das wird es erklären)
Bei Schauspielern, die so steif ihre Dialoge runterrasseln, dass man als Zuschauer bereits nach einer halben Stunde das erste Mal auf die Uhr schaut?
Bei Mark Strong, der – oh wie originell – mal wieder den Erzbösewicht gibt?
Bei Dialogen, die so schwachsinnig, schwülstig und aufgebläht daherkommen, dass man glaubt George Lucas habe persönlich Hand angelegt?
Bei der verquasten Historie, die dem Film hinterlegt ist und die einem dauernd und penetrant vorbuchstabiert wird, obwohl sie überhaupt nichts zur Handlung beiträgt?

Vielleicht am besten bei etwas ganz Einfachem: der Logik.
Südstaatler gerät nach Prügelei, Inhaftierung, Gespräch, Prügelei, Versuch eines Gesprächs, Flucht, Begegnung mit Indianern, Rettung seines Vorgesetzten (verheizt Bryan Cranston), Entdeckung einer Höhle, plötzlichem Auftauchen eines blauen Unbekannten, magischem Amulett, und Flug durch ein Raum/Zeit Portal (wohlgemerkt, alles in 5 Minuten gequetscht) auf dem Mars an (dem echten Mars, keinem weit weit entfernten – denn das Sonnensystem ist im Film bekannt). Er entdeckt, dass er springen kann. Hunderte von Metern weit. Ha, denkt sich der Zuschauer, da muss er ja wohl besonders leicht sein. Ne, falsch, besonders schwer und stark isser, immerhin kann er Steine kilometerweit werfen und Felsbrocken um den Kopf wirbeln. Das denken sich auch die Aliens und nehmen ihn gleich an die Kandare. John Carter der Fremdling mit den besonderen Kräften. Die Information wird gleich nachgeliefert: es liegt an seiner Knochendichte. Aha. Aber wieso kann er dann so einfach von einem Wächter an der Kette fortgeschleift werden? Und wieso kann man diesen so dichten Carter mit einer Hand vom Boden hochheben? Und siehe da, etwas später, beim Arenakampf, kann der grüne Nebenbuhleralien plötzlich genauso weit springen. Dann ist diese Fähigkeit vielleicht gar nichts Besonderes? Scheißdrauf, weiter. Wir haben keine Zeit uns mit Nebensächlichkeiten aufzuhalten. Es gilt, eine epische Geschichte zu erzählen.
Süß auch der comic sidekick. Eine Hundekreatur, die schlapp und träge ins Blickfeld rückt, bis sie plötzlich mit Überschallgeschwindigkeit (die einem normalen Lebewesen mittels Masseträgheit die Eingeweide zerquetschen würde), davonschießt. Gibt’s davon nur eines? Egal, weiter.
Auftritt Prinzessin (steif und unerotisch Lynn Collins). Sieht aus wie ein Mensch, benimmt sich so, stammt aber offenbar nicht von der Erde. Immerhin hat sie keine der Eigenschaften Carters. Woher kommt sie? Woher kommen alle die Menschen, die da leben? Keine Info. Weiter geht’s: Wasser gibt es auf dem Mars nicht. Schiffe, die auf dem Wasser fahren, undenkbar. Wie schön muss das aussehen, schwärmt die Prinzessin. Schwupps, in der nächsten Szene fahren sie mit einem Boot auf einem riesigen See.
Und so weiter und so weiter.

Nichts an diesem Film macht irgendeinen Sinn. Weder erfährt man, warum etwas geschieht, noch wie oder wodurch. Eine Maschinenstadt, die durch die Wüste stapft. Tolle Idee. Warum tut sie das? Aufnahme von Bodenschätzen? Man erfährt es nicht.
Das Ganze ist so konfus und unausgegoren, dass man glauben könnte, ein Zwölfjähriger hätte sich das ausgedacht. Solcherlei Varieténummern mögen für im Erscheinungsjahr 1912 lustig gewesen sein, heute wären sie dringend überarbeitungsbedürftig. Ich bin nun wirklich nicht besonders anspruchsvoll, was Logik, Plot und Motivation betrifft (Cowboys und Aliens z.B hat mir gefallen), aber diese „Leck mich“ Mentalität macht mich wütend.

Kommen wir zu Optik, dem einzig positiv Erwähnenswerten. Die Monster und Flieger sind ganz putzig und gut umgesetzt, aber so besonders originell ist das alles nicht nicht. Conan meets Star Wars (Episode I-III). Alles schon mal gesehen. Selbst die Arena der Geonosianer aus dem Angriff der Klonkrieger ist geklaut.
Fazit: war nix. Leider.

Wortvogel
Wortvogel

@ Rex: Es hätte mich ernsthaft nervös gemacht, wenn er dir gefallen hätte.

OnkelFilmi
OnkelFilmi

Als ich in der Seitenleiste „Rex Kramer“ und „John Carter“ las, war mir schon sofort klar, daß er sich nur abschätzend geäussert haben könnte.

Aber was sollte er auch sonst abliefern, ausser einem Verriss, Torsten? Du hast schliesslich sein „above and be all“ AVATAR nicht gutgefunden. Retourkutsche, nicht mehr, nicht weniger. Aber ehrlich gesagt erwarte ich auch nichts anderes aus dem SF-Fandom…

Alles in allem übrigens eine „Kritik“ die man nahezu 1:1 (obwohl, setzen wir da lieber noch ein ² drüber) auf AVATAR übertragen kann…

Rex Kramer
Rex Kramer

Ach Jungs, ich bin es nicht, der immer wieder mit Avatar anfängt, dass seid ihr. Oder habt ihr in meiner Rezi nur einmal das Wort Avatar gelesen?
Ich finde, die beiden Geschichten sind auch nur bedingt vergleichbar. Das eine ist ein modernes Drehbuch, das andere ein antiquierter Roman, der mit modernen Mitteln aufgebrezelt wurde.
Nein, das Problem liegt tatsächlich in der Vorlage. Tolkiens Herr der Ringe ist ähnlich alt, in sich aber viel stringenter – das könnte man vergleichen.
Nur um Torsten eins auszuwischen 33 Euro ausgeben, geht’s noch? Ich wollte den Film gut finden, ich habe mich darauf gefreut. Meine Jungs (15 und 20) ebenfalls und ALLE waren wir enttäuscht.
Und lieber Herr Filmi, machen Sie sich erstmal über mich schlau, ehe Sie mich die die SF-Fandom Ecke stecken. Da bin ich nicht und war ich nie. Die Rezi habe ich übringens auch im SF-Forum gepostet, mit dem Wissen, mich dort unbeliebt zu machen. Einer schrieb: wieso ich den Film nicht spannend finden würde, es sei doch immer was los.
Das ist genau der Punkt: auf dem Rummelplatz ist auch immer was los, aber das ergibt noch keine spannende Geschichte.

Peroy
Peroy
Rex Kramer
Rex Kramer

Verdient gefloppt!

„Der Mars bringt Hollywood kein Glück. Auch die Verfilmung von Edgar Rice Burroughs „Barsoom“-Zyklus wird sich in die vielen Flops einreihen müssen, die auf diesem Planeten spielen. „John Carter – Zwischen zwei Welten“ stürzte nicht auf dem Mars, sondern in den Kinos auf der Erde ab. Zwar ist ein Startergebnis von 30,6 Millionen Dollar in den USA (plus weitere 70 Millionen außerhalb der USA) normalerweise nicht zu verachten, das gilt aber nicht bei einem Film mit einem Budget von einer Viertelmilliarde Dollar plus weiteren 50 bis 100 Millionen Dollar für das Marketing.“
(Oliver Naujoks auf Phantastiknews.de)

Marcus
Marcus

Das klingt in der Tat nicht ermutigend:

http://www.boxofficemojo.com/news/?id=3391&p=.htm

Aber „verdient gefloppt“? Eher „schlecht promotet“. Und als Fantasy-Fan sollte man sich darüber nicht freuen.

Realsatiriker
Realsatiriker

„Cowboys and Aliens“ mögen, sich an „John Carter“ aber abarbeiten? Auweia. Ein so drastisches öffentliches Eingeständnis von schlechtem Geschmack erfordert Mut.

Respekt.

Den streichen wir aber flugs wieder für das dümmlich geifernde „Verdient gefloppt“.

Peroy
Peroy

„Aber “verdient gefloppt”? Eher “schlecht promotet”. Und als Fantasy-Fan sollte man sich darüber nicht freuen.“

Ich hasse Fantasy…

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