Level up

Level-Up_posterEngland 2016. Regie: Adam Randall. Darsteller: Josh Bowman, Neil Maskell, Doc Brown, William Houston, Leila Mimmack, Christina Wolfe

Offizielle Synopsis: Matt arbeitet mit einem Kumpel am Aufbau einer neuen Tech-Firma. Zumindest sollte er das. In Wirklichkeit zocken die Jungs aber ganztags Videospiele oder schauen YouTube – sehr zum Missfallen von Matts Freundin. Als die allerdings eines Morgens entführt wird, kann sie einen Typen mit Gaming-Erfahrung gut gebrauchen. Denn von diesem Moment an ist Matt plötzlich gefangen in einer real gewordenen Spielwelt, in der es leider keine Chance auf ein Bonusleben gibt.

Kritik: Die Idee, Mechanismen der Egoshooter in die reale Welt zu versetzen, ist reizvoll – aber problembehafteter, als viele Drehbuchautoren zu denken scheinen. Weil die reale Welt eben nicht wie das Level eines Games funktioniert und hier ganz andere Motivationen gelten.

Vor gerade mal drei Monaten habe ich mit „The Call Up“ ein ganz gutes Beispiel für dieses Subgenre besprochen – hier werden diverse Probleme dadurch umgangen, dass man die Figuren in eine extrem kontrolliertes Umfeld steckt und ihre Wahrnehmung dem Spiel gerecht virtualisiert. Auch in meinem eigenen Konzept „Game over“ hatte ich das gemacht.

„Level up“ versucht es anders. Matt wird mitten ins Londoner Leben geschubst, wird per Smartphone dirigiert, soll Aufgaben erfüllen, um das Leben seiner Freundin zu retten – alles (soviel sei verraten) unter den Augen einer Online-Zockergemeinschaft, die Wetten auf sein weiteres Verhalten abschließt.

Und genau das ist schon totaler Blödsinn.

Angeblich sind Tausende normaler Menschen eingeloggt, die über Kameras das Geschehen und das Verhalten von Matt beobachten. Bedenkt man, dass der Spieler tatsächlich Menschen umbringen soll, ist es völlig hanebüchen, dass kein Zocker zur Polizei geht, niemand sich verplappert, das Geschäftsmodell nicht augenblicklich auffliegt. Es wird nie plausibel erklärt, wer die Grundfragen für die Wetten aufruft – irgend jemand müsste in Echtzeit Matts unberechenbares Verhalten sichten, einschätzen und auf weitere Wahrscheinlichkeiten prüfen.

Level up

Dieser Film könnte kein Happy End haben, weil die Veranstalter des Spiels es sich nicht leisten könnten, dass Matt am Leben bleibt.

Wo das Grundkonzept keinen Sinn ergibt, verpufft auch jede Kritik an der Unmenschlichkeit der Spiele(r)welt. An keiner Stelle gelingt es „Level up“, einen plausiblen Bezug zwischen der Verrohung durch Online-Anonymität und dem Geschehen auf der Leinwand herzustellen. Er verfehlt sein Thema und reduziert sich damit auf einen reinen „lauf um dein Leben“-Thriller, für den er nicht genug Druck macht, der aber wenigstens von schönen Londoner Locations profitiert.

Man kann natürlich auch den ganzen Online-Schnickschnack subtrahieren und festhalten, dass „Level up“ nur eine schlechte Kopie von Finchers „The Game“ ist.

gelbFazit: Ein konzeptionell total unausgegorener „Videogame in real life“-Thriller, dessen permanente Laufleistung und optische Eleganz nicht über die Mängel an Drive und Logik hinwegtäuschen können. Continue? No.

Philipp meint: Die Hauptperson ist zu unsympathisch, um einen abzuholen und die innerweltliche Logik funktioniert zu wenig. Computerspiel-Erzählmethode als Film gab es schon besser.

 



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comicfreak

..das klingt schon nach „Hey, Computerzocker sind doch potentielle Amokläufer, warum dann nicht Auftragskiller? Höhö!“
😛

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

Läuft mit „Nerve“ nicht demnächst ein Film mit ähnlicher Thematik in den Kinos an (mit dem jungen Franco-Bruder und Emma Roberts)?

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