Don’t kill it

dont kill it posterUSA 2016. Regie: Mike Mendez. Darsteller: Dolph Lundgren, Kristina Klebe, Aaron McPherson, Billy Slaughter, Michael Aaron Milligan

Offizielle Synopsis: Ein Provinznest in Mississippi, nicht weit weg vom Arsch der Welt. Hilflos steht die örtliche Polizei einer rätselhaften Mordserie gegenüber, die wie aus dem Nichts über das Kaff hereinbricht und bereits neun Opfer in einer Woche gefordert hat. Als die FBI-Agentin Evelyn Pierce eintrifft, um die blutigen Geschehnisse zu untersuchen, sieht sie sich mit einem Verbrechen konfrontiert, das scheinbar in kein Muster passt. Auf die Hilfe der überforderten Einheimischen kann sie sich schon gar nicht verlassen. Auftritt Jebediah Woodley. Der hünenhafte Blonde stellt sich als Dämonenjäger vor und auch wenn ihm Evelyn zunächst kein Wort glaubt, findet sie sich bald an Woodleys Seite im Kampf gegen ein übernatürliches Monster wieder, das keine Grenzen kennt. Denn der uralte Dämon hat die Fähigkeit munter von Körper zu Körper zu springen und beileibe nicht die Absicht, sich einfangen zu lassen. So gerät die Jagd auf die Bestie für das ungleiche Duo zu einer Achterbahnfahrt des Schreckens. Die Anzahl der Besessenen und kurz darauf Eliminierten droht unübersichtlich zu werden und ein Regen aus Blut und Körperteilen prasselt auf die verschlafene Kleinstadt hernieder.

Kritik: Was für eine hübsche Geste auf der Zielgeraden des Festivals – die Veranstalter baten mich, auf der Bühne ein paar Worte zu Mike Mendez und seiner FFF-Historie zu sagen. Und wo eine Bühne ist, lässt der Wortvogel sich nicht lange bitten. Ich stellte mich also als Mike Mendez vor (was mir nicht geglaubt wurde – vielleicht war der niederrheinische Akzent schuld) und plauderte ein wenig über den Spaß am Monstermassaker, über die Grandiosität von „Big Ass Spider!„, aber auch „Lavalantula“ und natürlich „Gravedancers„. Hey, der Mann hat seine Karriere bei Charles Band und seinem „Bimbo Movie Bash“ begonnen!

Und jetzt das – ein Dämonenhorrorfilm mit Dolph Lundgren. Dolph. Fucking. Lundgren. Weihnachten und Ostern an einem Tag quasi.

Die Kopie war noch so frisch, dass zwar nicht gerade die Entwicklungsemulsion vom Zelluloid tropfte, aber einige Effekte waren noch nicht fertig. So müssen in den nächsten Wochen noch ein paar Augen schwarz eingefärbt werden, ein paar Zugseile raus retuschiert werden. Die finale Farbkorrektur fehlte auch.

dont kill it

Ich bin erfreut, vermelden zu dürfen: Mendez liefert mal wieder. Mit etwas mehr Dunkelheit und Knochenhärte als in seinen letzten beiden Filmen erzählt er von der Odyssee des knarzigen Jebediah Woodley, der als „tall dark stranger“ in die Stadt kommt, um sie vom Bösen zu befreien. Und schon da bricht Mendez mit den Konventionen des Genres und erfüllt, was ich seit Jahren fordere: Das Horrorkino braucht mehr Helden, mehr proaktive Protagonisten, die vor dem Bösen nicht fliehen, sondern es suchen und vernichten. Leute wie Ash in „Tanz der Teufel“ oder Pater Vassey in „Bram Stoker’s Shadowbuilder“ oder Jack Crow in „Vampires“.

Jebediah Woodley ist so einer – und er ist perfekt. Gekleidet wie ein Schamanen-Cowboy, gelingt ihm gleich in den ersten fünf Minuten die heilige Dreifaltigkeit des pubertären Genrefilms: er säuft, er prügelt, er bumst. Durchaus anzunehmen, dass Lundgren schon nach der Lektüre von Seite 2 des Drehbuchs seinen Agenten angerufen und gesagt hat: „Bin dabei!“

Wenn das so war, dann hat er ein paar Seiten weiter die Stelle verpasst, an der er einen hysterisch komischen Monolog halten muss, der ihm vermutlich mehr Text beschert als sämtliche seiner Filme in den 80er und 90er Jahren zusammen genommen. Selten hat sich Dolph so sehr auf die Schippe genommen – und ist sich dabei doch so treu geblieben.

Der Rest des Films läuft – wie eigentlich immer bei Mendez – strikt in den Grenzen des Genres, allerdings getragen von einem hohen Tempo, viel Einfallsreichtum und einem Sinn für das Absurde. „Don’t kill it“ nimmt sich nie völlig ernst – aber immer ernst genug.

Wie auch bei den bisherigen Mendez-Filmen gilt: Mehr Spaß kann man beim Festival kaum haben, ohne die Hand in die Hose zu stecken. Are you Dolph enough for this movie?

gruenFazit: Ein perfekte Balance aus preiswerter Dämonenaction und sarkastischer Horrorkomödie mit einem gut aufgelegten Lundgren, dessen Jebediah Woodley gefälligst zum neuen Horror Hero aufsteigen und in Fortsetzungen weiter gefeiert werden muss.

Philipp meint: Deutlich ernster als „Big Ass Spider“ und „Lavalantula“, aber zwischendurch auch brüllend komisch. Grandios.

 



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Dietmar

Der hünenhafte Blonde stellt sich als Dämonenjäger vor

Jetzt bin ich dafür, das Lundgren John Sinclair spielt. 🙂

Also im Ernst: Diesen will ich sehen!

Peroy
Peroy

Das klingt nicht so, als würde mich der Film abholen. An die bisherige Schmendez-Scheisse konnte ja keine Sau andocken… alles falsch getackert, der Kack…

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Bei Mendez und FFF (Historie) fällt mir unglücklicherweise zunächst vor allem Mike Mendez‘ Killers ein. Convent hat es dann etwas später wieder halbwegs rausgerissen, gemieden habe ich ihn seitdem trotzdem.

Peroy
Peroy

Nur dass „Convent“ noch schlechter ist als „Killers“, aber egal…

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Dafür aber lustiger und mit nettem Neonlook und Adrienne Barbeau. Funktioniert als Festivalfilm auf jeden Fall besser als Killers.

Peroy
Peroy

„Festivalfilm“ = „Dummer Genremüll für besoffenen Pöbel“…?

Jake
Jake

@Peroy: Besoffener Pöbel? Auf welchen Filmfestivals treibst Du Dich rum?

Peroy
Peroy

Auf keinem. Ich versuche zu verstehen, was er meint. Offenbar wird Scheisse, wenn sie auf Festivals gezeigt wird, auf einmal toll. Keine Ahnung!

heino
heino

Sagen wir mal, die Stimmung auf einem solchen Festival kann einen Film besser er scheinen lassen, als er wirklich ist. Dafür müssen die Leute nicht besoffen sein, nur gewillt, sich auch von eher semiguter Ware unterhalten zu lassen

Peroy
Peroy

Das holt mich nicht ab…

Dietmar

Seltsam, wo Du doch so mitgenommen aussiehst.

*badusch* (Kalauertusch)

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Ging doch hier um launige Festivalfilme und nicht um Qualität. Lavalantula und Big Ass Spider sind ja auch nicht wirklich gut, funktionieren aber ähnlich wie Convent zumindest im Festivalrahmen einigermassen. Killers hingegen ist einfach nur bestenfalls mittelprächtig,egal wo und mit wem man den sieht.

Peroy
Peroy

„Convent“ ist Shit. Mir erschließt sich nicht, wieso der im Rahmen eines Festivals im Kino mit Publikum weniger shittig sein soll.

Marcus
Marcus

Liefert so ziemlich genau das, was man erwartet. Und das reicht dann auch für eine 8/10.

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