Klar klingt das super: Self Publishing erlaubt jedem, wirklich JEDEM, seine Werke unter das Volk zu bringen. In den Computer tippen, in Ebook wandeln, auf entsprechenden Plattformen veröffentlichen, kräftig trommeln. Den Rest erledigt der Markt. Keine elitäre Vorauswahl durch Verlage und Lektoren, keine undurchsichtigen Vertriebsmechanismen, keine happigen Gewinnbeteiligungen für Mittelsmänner. Fairness und Gerechtigkeit für alle. Jeder, der Autor sein will, kann Autor sein.

Eine Kehrseite scheint offensichtlich: Self Publishing ist zunächst einmal Selbstausbeutung. Alle Zeit, alle Energie, alles Geld muss vorgeschossen werden, ist der Einsatz in einem fast unberechenbaren Spiel. Der Markt ist ein ungleich gnadenloseres Sieb als der empathische Lektor, der wenigstens noch eine freundliche Absage aus Textbausteinen zusammen setzt. Wer sich selbst verlegt, sollte das nur tun, weil er seine Worte in die Welt bringen will. Wer damit reich und berühmt werden möchte, sollte sich auf Enttäuschungen gefasst machen.

Es gibt natürlich immer Ausnahmen.

Was weniger beachtet wird: Self Publishing entfernt sämtliche Hürden und Kontrollinstanzen. Verlage sind nämlich nicht nur Hemmschuhe, sondern auch Inkubatoren und die notwendige Geschmackspolizei. Weil sie selber investieren und im Gegensatz zu vielen Freizeitautoren keinen „Hauptberuf“ haben, der das Hobby finanziert. Schrott ist schlecht für den Ruf UND das Konto.

Anonymisierte Schmuddelschreiber machen sich solche Gedanken nicht.

Nehmen wir „Amy Fox“, „die“ kürzlich den Fehler machte, „ihren“ „Erotik-SF-Roman“ (keine Sorge, die vielen Anführungszeichen erkläre ich noch) nicht in einer Facebook-Gruppe für Autoren-Eigenwerbung vorzustellen, sondern in einer ziemlich abgebrühten Gruppe für Heftroman-Fans, der auch viele arrivierte Autoren angehören:

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Machen wir uns nichts vor: Ich setze Geld darauf, dass „Amy Fox“ ein Mann ist – ein verklemmter noch dazu. Und „Erotik-SF“ ist „Stella Star“ auch nicht. Es ist schwiemelige Altherren-Pornographie, weshalb ich an dieser Stelle zur Leseprobe der zweiten (!) Seite lieber einen Jugendschutz-Break setze:

Bildschirmfoto 2016-01-09 um 20.42.24

Das ist Schmuddelkram von und für chronische Masturbanten, der von tatsächlich publizierten Autoren und Redakteuren entsprechend „gewürdigt“ wurde:

Timothy Stahl: „Ein Paradebeispiel für „Geschenkt ist noch zu teuer“.“

Des Romero: „… es ist auch nicht alles schlecht. Die korrekte Schreibweise des Wortes „Fotze“ etwa im vierten Absatz, denn landläufig sind eine Menge Menschen der Meinung, es mit „V“ schreiben zu müssen.“

Michael Schönenbröcher: „…um sowas abzuliefern, braucht man tatsächlich Mut.“

Walter Appel: „Das könnte ich selbst im Tran noch besser – mit einem Lover mit sieben Schwänzen und superlanger Zunge. Ich will – und mach – aber nicht…“

Ist man oft und lange genug in den entsprechenden Facebook-Gruppen unterwegs, stellt man irgendwann fest, dass „Amy Fox“ für ein recht typisches Phänomen steht: Männer schreiben schmierigen Sex-Kram, Frauen schreiben darüber, wie sie von bösen Männer verdroschen worden sind. Da ist diese Inhaltsangabe nicht minder stellvertretend als die Duschnummer in „Stella Star“:

„Marlene, eine sensible, junge Frau, die nach dem Sinn ihres Daseins sucht, wird durch unglückliche Fügung zur Mörderin. Sie hat schon immer auf der Schattenseite des Lebens gestanden und seit sie sich erinnern kann, wird sie von Männern zum Sex gezwungen, vergewaltigt und erniedrigt. Sie verliert ihre einzige große Liebe – Istvan. Aus einer übergroßen Enttäuschung passiert der Unfall: Nach einem Streit mit Dietmar erschlägt sie ihn. Als nach Jahren die Leiche gefunden wird, stellt sich Marlene der Polizei.“

Ich gestehe: Es gehört zu den Amusements der Mitgliedschaft in diesen Gruppen, viel und heimlich in mich hinein zu kichern.

Nun ist Inkompetenz nicht strafbar und mangelnde Introspektion auch nicht. Wer Schreiben als Therapie begreift, um nicht nachts im Park kleine Hunde zu treten, hat meinen Segen. Aber leider ist es immer wieder so, dass die Autoren nicht nur keine geschmacklichen oder stilistischen, sondern auch keine rechtlichen und moralischen Mindestmaßstäbe mehr anlegen.

Helene Hegemann ist überall, wie es scheint.

Der Fall Martina Gercke

Da ist zum Beispiel der Fall Martina Gercke. Eine attraktive, blonde Ex-Stewardess, die sich dem Schreiben locker-flockiger Liebesromane mit launigen Titeln wie „Liebe kommt im Schottenrock“ und „Glücksstern mit Schwips“ eine Karriere aufgebaut hat. Auf ihrer Webseite antwortet sie im Selbstinterview auf die Frage, wie sie zum Schreiben gekommen sei (Rechtschreibfehler übernommen):

„Irgendwann kam dann die Idee zu Holunderküsschen und ich habe mich hingestetzt und angefangen.“

Tja, die Idee zu „Holunderküsschen“ mag ihr gekommen sein – den Text hat sie aber dann doch lieber teilweise bei diversen erfolgreichen Kollegen abgeschrieben. Im Zeitalter von Suchmaschinen kann so etwas nicht lange unentdeckt bleiben. Konfrontiert mit den Plagiatsbeweisen, berief sich Frau Gercke auf eine wirklich erstaunliche literarische Praxis:

„Die kopierten Textstellen seien in einer schwierigen Phase des Schaffensprozesses lediglich Platzhalter gewesen, die sie zu entfernen vergessen habe.“

Platzhalter. Darauf muss man erstmal kommen. Juristisch vielleicht eine clevere Strategie, sich auf „unbewusstes Fehlverhalten“ rauszureden, moralisch aber eine totale Bankrotterklärung. Und es blieb nicht bei plagiierten Stellen in nur einem ihrer Bücher. Der Schmu, stellte sich heraus, hatte System.

Klar, dass Gercke ihren Leser(inne)n eine Erklärung schuldete, die sie in einem Video auf Facebook auch abgab. Lang hielt die Reue allerdings nicht vor, das Video wurde gelöscht, mit den plagiierten Autoren des Goldmann-Verlages einigte man sich stillschweigend und seither muss man schon Wikipedia und Google anwerfen, um den Fall noch mal aus dem Nebel der Vergangenheit zu zerren. Frau Gercke schaut stramm nach vorn, die Leserschaft hat ihr den „Fehler“ verziehen und die neuen Bestseller stehen schon in den Charts. Ohne „Platzhalter“.

Haltet ihr das für erstaunlich? Außergewöhnlich? Dreist? Unehrlich? Ist es. Vor allem ist es aber der Standard-Ablauf in Sachen Plagiat bei Romanautoren aus dem semi-professionellen Bereich, wie sich dieser Tage wieder sehr schön gezeigt hat.

Der Fall Katja Piel

Und damit kommen wir zu Cathey Peel, aka Katja Piel, die auf ihrer länger nicht mehr gepflegten Webseite verkündet:

„Fantastisches & Thrill ist meine Leidenschaft“

Sollte das nicht „sind“ heißen? Egal. Nach ein paar Fantasy-Schmökern mit erotischem Einschlag entschied sie sich, es mit einem anglophonen Pseudonym auf Gercke-Territorium zu versuchen, dem urbanen Liebesroman. Auf Amazon erklärt sie den Namen etwas ungelenk:

„Cathey Peel ist das Pseudonym einer erfolgreichen Erotik-Fantasy Autorin, die sich mit ihrem Namen von den bisher erschienenen Genres abgrenzt.“

Googelt man beide Namen, stellt man fest, dass Piel/Peel in allen sozialen Netzwerken sehr umtriebig ist und ihre erstaunliche Menge an Romanen auf vielen, vielen Plattformen pusht. Sie übt sich auch in YouTube-Lesungen ihrer Werke – versteckt hinter Sonnenbrillen und bunten, schlecht sitzenden Perücken:

Bei so vielen Aktivitäten wundert es nicht, dass zur tatsächlichen Schreibarbeit irgendwann einfach die Zeit fehlte. Und so bemerkten eifrige Liebesroman-Leser, dass ihnen nicht nur Stellen, sondern der ganze Text von „Alles begann mit dir“ bekannt vorkam. Er stammt nämlich in toto aus einem alten „Denise“-Schmachtfetzen. Auf die Deckungsgleichheit hingewiesen, zog Piel den Roman eilends aus dem Verkehr und veröffentlichte auf Facebook eine Erklärung, die nicht weniger wunderlich wirkt als die Geschichte der „Platzhalter“:

„Ich wünschte, ich könnte euch an dieser Stelle sagen, dass dieses Gerücht eine Lüge ist, doch ich kann es nicht, denn ich weiß es einfach nicht. ,Alles begann mit dir’ war ein Manuskript, das ich in alten Unterlagen von mir gefunden habe. Damals habe ich viel geschrieben, eigentlich nur für mich. Da ich einen Schreibmaschinenkurs belegt habe, tippte ich als Fingerübung auch manchmal Geschichten aus kleinen Romanheftchen ab. Das ist etwa 30 Jahre her. Ehrlich gesagt weiß ich heute nicht mehr, welche Geschichte jetzt originär meine und welche eine Tippübung war. Beim Durchsehen meiner alten Manuskripte habe ich mich prompt in dieses verliebt und wollte es rausbringen. Dank meiner ,Schlampigkeit’ hatte ich die Dateien nicht richtig beschriftet und unglücklicherweise eine Geschichte reaktiviert, die mutmaßlich nicht meine war. Nachdem mich eine Leserin darauf aufmerksam gemacht hatte, dass ihr die Geschichte bekannt vorkommt, habe ich sie direkt gelöscht. Sicher weiß ich nicht, ob ,Alles begann mit dir’ nun von der Idee her meins ist, oder ob ich ein Manuskript überarbeitet habe, das abgeschrieben war. Ich will niemandem Schaden zufügen, darum habe ich es gelöscht. Es war ein riesen Fehler von mir, es nicht besser zu überprüfen, aber ich kann es nicht rückgängig machen.“

pielface

Wie bei Gercke passierten nun einige erstaunliche Dinge. Zuerst verschwand die „Beichte“ auf Facebook spurlos – inklusive der kritischen Kommentare. Und unter der Leserschaft der Autorin fanden sich viele, viele empathische Stimmen, die sich empörten, dass so ein „Fehler“ doch passieren könne und man Respekt vor dem Mut von Piel haben müsse, dazu zu stehen.

Ja, man kann Betrug allen Ernstes als lässlichen Fehler schön reden.

Blöderweise wurde dann festgestellt, dass „Alles begann mit dir“ gar nicht der einzige Fremdroman war, den Piel unter ihrem Namen auf den Markt geworfen hatte. „Das Amulett in mir“ verschwand stickum von allen Plattformen und auf Nachfrage zündete Piel die nächste Nebelkerze: „Er lief nicht“.

pielAls nicht mehr zu bestreiten war, dass auch „Das Amulett in mir“ komplett abgeschrieben (bzw. abgetippt) war, ging der ganze Zirkus von vorne los – es gab eine neue „Beichte“ bei Facebook:

„Heute teile ich euch mit, dass die Romane ‚Alles begann mit dir‘ und ‚Das Amulett in mir‘ tatsächlich abgeschriebene Bücher sind. Ich werde die Links an den Verlag weitergeben, damit er es prüfen kann und mit allen Konsequenzen leben. Egal, wie der Verlag reagiert, die Einnahmen gehen entweder an den Verlag/die Autoren oder ich spende den Betrag. Bitte verzeiht mir.“

Große Überraschung: Auch diese Einlassung währte keinen Tag, dann wurde sie eilends gelöscht. Und wann immer Kommentatoren in anderen Beiträgen danach fragten, wurden diese Beiträge gelöscht oder die Kommentatoren geblockt (ich inklusive). Als letzte Waffe setzte Piel ihre Facebook-Seite dann auf privat. Kritische Nachfragen unerwünscht.

Ich möchte Frau Piel unterstellen, dass sie einfach nur auf Anraten ihres Anwalts die unvorsichtigen Schuldeingeständnisse gelöscht hat. So wie es keine gute Idee ist, anderer Leute Arbeit zu klauen und als die eigene auszugeben, so ist es keine gute Idee, voreilig „mea culpa“ zu schreien, weil das schnell teuer werden kann.

Man wird sehen, wie sich der „Fall Piel“ weiter entwickelt – ich habe aber die Befürchtung, dass das Gedächtnis der locker-flockigen Leserschaft kurz und die Empörung über „Nachtreter“ groß sein wird. Da finden sich verschworene Gemeinschaften mit sehr viel falsch verstandener Solidarität, die Piel in den Kommentaren jetzt schon zum Opfer küren und den Rest der Welt als hundsgemein verunglimpfen.

Der Fall Nathalie Lina Winter

endlessstoryEin weiterer bizarrer Einzelfall, der nicht auf ein breiteres Problem schließen lässt? Dann reden wir mal über Nathalie Lina Winter, die in ihrem Profil schreibt:

Inspiration zum Schreiben holt sich Nathalie unter anderem beim Lesen anderer Bücher der Genre Liebe & Romantik“

„Inspiration“ und „unter anderem“ habe ich nicht ohne Grund fett gesetzt. Auf einer anderen Webseite verrät Frau Winter über ihren Autorenalltag:

„Scrivener: Ein wirklich tolles Programm, mit dem man spielend leicht seine Stories schreiben und planen kann.“

Kann man aber auch drauf verzichten, denn nach dem kleinen Shitstorm um Katja Piel ging Winter hiermit an die Facebook-Öffentlichkeit:

„Da die Stimmen hier immer lauter werden, werde ich mich jetzt doch noch einmal dazu ganz offen dazu äußern.

Es geht es um den Roman „Endless Story“. Diesen habe ich bereits sowohl von Amazon als auch von Bookrix runtergenommen. Manchmal läuft im Leben eben nicht alles glatt. Auch ich mache Fehler, riesengroße dumme Fehler, die man nicht verzeihen kann. Und ja, ich schäme mich für diese Fehler.

„Endless Story“ ist von einer Freundin geschrieben worden. Ihr gehört diese Story, denn es ist ihr geistiges Eigentum. Nach vielen, langen Gesprächen mit ihr, die mich mehr als nervlich belastet haben, stehe ich heute zu meinem Fehler. Es wird mir sichtlich das Genick brechen und viele von euch werden in und an mir Zweifel haben.

Dennoch möchte ich, dass ihr die Wahrheit erfahrt, auch wenn ich Gefahr damit laufe, euch als Leser zu verlieren. Daher entschuldige ich mich hiermit öffentlich bei Natalie Lechermann.

Warum ich diese Geschichte als meine eigene ausgab? Ich kann es mir nur so erklären, dass ich diese geliebt hab, ich sie bewunderte und ja, ohne wirklich darüber nachzudenken, hab ich sie dann veröffentlicht.

Das ist jetzt als Autorin nicht mehr glaubwürdig rüberkomme, ist mir bewusst. Deswegen werde ich mich auch erst einmal komplett zurückziehen vom Schreiben. Ob, wann und wie ich jemals noch einmal etwas veröffentlichen werde, wird sich zeigen.

Ich kann diesen Fehler nicht mehr rückgängig machen, denn er ist passiert.

Ich kann nur versuchen in Zukunft damit zu leben, dass ich immer jemand sein werde, auf den der Finger gezeigt wird…

Im Übrigen, für all jene, die jetzt wieder groß rumschreien werden… schaut euch mal in der Welt um, wie viele Autoren, Musiker usw es gibt, die von einander abschreiben, kopieren usw. Und es wird dennoch gekauft. Jede Geschichte ähnelt irgendwo einer anderen.

Und ich muss sagen, dass ich auch durch das Geständnis der Autorin Katja Piel den Mut fassen konnte, euch hier noch einmal die Wahrheit zu sagen. Denn Katja hat ähnliches erlebt, durchgemacht… und für ihren Mut hat sie meinen Respekt verdient.

Es war und ist ein riesen Fehler von mir gewesen.“

Hier fasziniert nicht nur die augenblickliche Einnahme der Opferrolle, sondern auch noch die Frechheit, sich und Katja Piel Mut und Leid zu attestieren und dafür Respekt zu fordern. Eine erstaunlich durchsichtige und kranke Weltsicht, die keinen Moment glauben lässt, dass die beteiligten Damen aus den Skandalen gelernt haben.

Es ist wie bei wiedergeborenen Christen: Mit der Beichte soll dann auch bitteschön alles vergeben sein. Wer dann doch den Mund aufmacht, ist ein doofer Hater.

Der Terminus „riesen Fehler“ scheint bei Autoren standard zu sein.

Nun ratet mal, was als nächstes passiert ist. Genau – Winter hat das Eingeständnis bei Facebook ganz fix wieder gelöscht. Reue ist ein verderbliches Gut. Reicht ja, wenn der „inner circle“ es gelesen hat. Und natürlich gibt es schon wieder Stimmen, die Winter in Schutz nehmen:

„Ich verstehe das dies viele aufregt und sich auch auskotzen möchten, aber ich denke es reicht. Man muss nicht die ganze Zeit darauf rumreiten.“

Die Autorin hat das Werk einer anderen Autorin in toto geklaut – aber nach ein paar Stunden empörter Facebook-Kommentare muss man es doch wirklich mal gut sein lassen können, oder?!

Schon erstaunlich, wie unreflektiert die Autorinnen locker-flockiger Romanzen (laut derer Wahrheit eine Kerntugend der Liebe ist) klauen und kopieren, wo’s nur geht. Wie sie dann mehr Kreativität in ihre Lügengebäude als in ihre eigenen Romane stecken. Und wie willfährig die Community sie damit davon kommen lässt. Ächtung hat augenscheinlich das gleiche Verfallsdatum wie die Reue. Wenn die Verkaufszahlen sich erholen, winken auch die Verlage und Pressepartner schnell ab: Schnee von gestern. Dem Konzept „only no news is bad news“ nach können solche Aktionen sogar den Bekanntheitsgrad fördern.

Ihr denkt, es geht nicht noch kackfrecher? Natürlich geht es das. Aber darüber sprechen wir in zwei Tagen…



83 “ Lie, cheat, steal – whatever it takes: Die kriminelle Energie des Autorennachwuchses (1) ”

  1. 1
    Wolkenfels

    In Foren wird vermehrt geklagt, dass gut bewertete Geschichten von Storyportalen, auf denen Autoren kostenlos ihre Werke teilen, unter anderem Titel und Autor auf Amazon und/oder Smashwords angeboten werden. Gerade im großen englischsprachigen Umfeld haben die Autoren kaum eine Chance das Plagiat zu entdecken und Aussichten dort Geld einzuklagen scheinen eher gering.

  2. 4

    Das ist ein Verhalten, das mir aus „meiner“ Szene so lästig wie vertraut ist. Ich habe deshalb einen Verdacht: Diese Damen würden mit allem schießen, wenn man sie zu Gegnern hat. Skrupellos und vernichtend.

  3. 7

    Wenn ich ein Problem mit dem Schreiben habe, dann lasse ich es. Aber so ein Verhalten als „Fehler“ zu bezeichnen ist ein schlechter Witz.
    Ein Fehler andere (erfolgreichere?) Autoren zu beklauen, sich über geistiges Eigentum und Urheberrecht hinwegzusetzen…. ein Fehler?
    Nein, da sehe ich keinen Fehler, das ist eine wohl durchdachte Straftat, die verurteilt gehört und eine Verar… der Käufer und Leser dieser Bücher. Dass es Leser gibt, die das verzeihen können, entlockt mir nur ein unverständliches Kopfschütteln…

  4. 8

    Danke für die, insbesondere am Anfang, einseitig gefärbte Berichterstattung und die Information über Plagiate in der Bücherwelt.
    Mir scheint, als betonen Sie zwischen den Zeilen, dass Qualität auschließlich von Verlagsautoren generiert wird, weil diese ein professionelles Lektorat und Korrektorat genießen dürfen?
    Diese Art von Meinungsmache ist schädlich für das Selfpublishing.
    Laut Ihrem Artikel könnte man vermuten, dass alle Selfpublisher Schrott abliefern, weil keine Kontrollinstanz zwischen Manuskript und veröffentlichungsreifem Text steht. Hier betonen Sie, es gäbe (eine) Ausnahme.
    Tatsächlich ist es so, dass Selfpublisher vermehrt mit professionellen Lektoren, Korrektoraten und Coverdesignern zusammenarbeiten. Hier wird durchaus Qualität abgeliefert. Die schwarzen Schafe sind inzwischen die Ausnahmen. Zugegebenermaßen liegt wahrscheinlich der Prozentsatz höher als bei Verlagsautoren, ist jedoch rückläufig. Und wer imstande ist, Leseproben zu lesen, wird sehr schnell diese Ausnahmen erkennen.
    Und das selbst Verlage nicht gefeit sind vor plagiierten Manuskripten, zeigen die Fälle Hegemann und Gercke, deren Manuskripte in Verlagen und nicht im Selfpublishing veröffentlicht wurden.
    Also lassen Sie doch bitte die Kirche im Dorf. Eine etwas neutralere Berichterstattung tut Not.

  5. 9

    Schlimm ist wirklich dieses solidarische „Hey, jetzt erst recht!“. Erst eingestehen, dass man Mist gebaut hat und dann ein riesen ABER schreien. Auf der anderen Seite: genau solche Fans braucht man doch: die alles gut finden, alles verzeihen und vor allem alles kaufen.

    Zum Glück gibt es ja auch Autoren wie Matthias Matting, Nika Lubitsch, oder Hanni Münzer

  6. 10
    Wortvogel

    @ Helga:

    „Danke für die, insbesondere am Anfang, einseitig gefärbte Berichterstattung und die Information über Plagiate in der Bücherwelt.“

    Gern geschehen.

    „Mir scheint, als betonen Sie zwischen den Zeilen“

    Ihnen scheint falsch.

    „Diese Art von Meinungsmache ist schädlich für das Selfpublishing.“

    Don’t care.

    „Laut Ihrem Artikel könnte man vermuten, dass alle Selfpublisher Schrott abliefern, weil keine Kontrollinstanz zwischen Manuskript und veröffentlichungsreifem Text steht.“

    Ihr Fehler.

    „Hier betonen Sie, es gäbe (eine) Ausnahme.“

    Plural.

    „Zugegebenermaßen liegt wahrscheinlich der Prozentsatz höher als bei Verlagsautoren, ist jedoch rückläufig.“

    Quelle?

    „Eine etwas neutralere Berichterstattung tut Not.“

    Nicht bei mir.

  7. 11

    Laut Ihrem Artikel könnte man vermuten, dass alle Selfpublisher Schrott abliefern, weil keine Kontrollinstanz zwischen Manuskript und veröffentlichungsreifem Text steht.

    Ich kann mir durchaus vorstellen, dass da sachlich sogar etwas dran ist: Gute Autoren freuen sich über gutes Lektorat, schlechte halten an jedem verquasten Satz fest.

  8. 13

    Ärgerlich, aber letztendlich ist ja nur der ursprüngliche Autor wirklich unmittelbar geschädigt (anders als etwa beim crowdfunding) und gerade bei solchen Fällen hat man als betroffener Autor/Verlag eigentlich sehr effektive (und bei geringen Kosten schnell anzuwendende) rechtliche Mittel zur Verfügung.
    Das sprachliche Niveau der Autorinnen finde ich da eher noch bedenklicher, aber vielleicht hat das sogar dabei geholfen, Milde von Seiten der Geschädigten zu bekommen.

  9. 15
    Wortvogel

    @ Mencken: Ich halte auch Betrug am Leser für Schaden. Das Argument „was der Leser nicht weiß, braucht ihn ja auch nicht aufregen“ zieht da nicht. Und die Mittel der Verlag dagegen sind eben nicht sehr effektiv, wie ich im zweiten Teil auch nachweisen werde.

  10. 16

    @Wortvogel: Betrug am Leser finde ich natürlich auch nicht gut, aber wirklich geschädigt ist der Leser in diesem Fall nicht, da er ja sein Produkt erhalten hat (wenn auch nicht vom tatsächlichen Produzenten). Natürlich regt so ein Betrug trotzdem auf, aber aus dem Ärger lassen sich eben schlecht entsprechende Forderungen / eine tatsächliche Schädigung ableiten.
    Die Mittel der Verlage finde ich eigentlich recht effektiv, zumindest haben wir eigentlich immer ziemlich zügig und erfolgreich abmahnen können (meist reicht es schon, wenn man darauf hinweist, wie teuer ein Rechtsstreit werden würde), aber da warte ich gerne zunächst mal den zweiten Teil ab.

  11. 17

    @Wortvogel: Da stimme ich dir absolut zu, dass auch der Leser zu den Geschädigten gehört. Er hat Zeit investiert, er hat üblicher Weise Geld investiert und er hat guten Glauben in einen scheinbar unabhängigen Autor investiert. All das bekommt er nicht wieder zurück.

    Und jetzt könnte ich noch anmerken, dass ihm bei entsprechender Erfahrung die Lust vergeht, überhaupt noch einmal einem Indie eine Chance zu geben. Und wie wir alle auch aus Sparten wie Musik und Film wissen, ist nicht jeder Independent automatisch schlecht. Das gilt entsprechend auch für Autoren. Der geneppte Leser wird es nur mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr herausfinden können/wollen.

  12. 18

    @Mic: Naja, investiert hat der Leser streng genommen ja nicht in den Autor,sondern lediglich in ein Buch, das er ja auch erhalten hat. Natürlich mag es Leser geben, die mit ihrem Buchkauf primär einen unabhängigen Autoren unterstützen wollten (bei den genannten Beispielen allerdings nicht so plausibel), aber das (und ein eventuell daraus resultierender Schaden, der ja nicht materieller Art ist) ist eben kaum nachzuweisen.

  13. 20

    @Mencken: Das macht die Lüge und den Betrug aber nicht besser. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, dass man als Leser so zweimal für das gleiche Buch bezahlt, offenbar gar nicht so klein. Es sei denn, man geht davon aus, dass die LeserInnen dieser AutorInnen so misstrauisch sind, dass sie nach dem Erwerb des Buches gleich die Schlüsselstellen des Textes googlen und das erscheint mir doch recht unwahrscheinlich.

  14. 21

    @Helga: „Laut Ihrem Artikel könnte man vermuten, dass alle Selfpublisher Schrott abliefern, weil keine Kontrollinstanz zwischen Manuskript und veröffentlichungsreifem Text steht.“

    Ich denke nicht, dass dieser Artikel diesen Eindruck erweckt, weil der Wortvogel nicht neutral geschrieben hätte. Der Eindruck entsteht vielmehr deshalb, weil es sich eben nicht um Einzelfälle handelt. All diese Betrügerinnen haben dieselbe Masche angewendet und sich mit derselben Ausrede aus der Affäre gezogen. Das ist kein Zufall. Diese „AutorInnen“ schaden sich damit nicht nur selbst, sondern der ganzen Selfpublisher-Szene. Ich halte den Artikel angesichts dessen, wovon er erzählt (drei des Betruges überführte Autorinnen), für so neutral wie es möglich ist.

  15. 22
    Wortvogel

    @ G: Das ist die Mühe nicht wert. Ich habe gelernt, alle Kommentare mit Häme zu überschütten, die versuchen, mir mit Phrasen wie „Sie meinen vermutlich“ und „Zwischen den Zeilen muss ich das wohl so verstehen, dass Sie“ die Worte im Munde rumzudrehen. Textverständnis ist nicht jedem gegeben.

  16. 23

    @Wortvogel: Kannst Du ja auch, aber rechtlich gesehen bist Du als Leser im Regelfall (Ausnahmen wären z.B. ein „Doppelkauf“, weil man das Original schon hat, ein Kauf, der nachweislich nur erfolgte, weil Werk und vermeintlichen Autor untrennbar verknüpft sind usw.) nun mal nicht geschädigt. Da muss ich auch gar nichts drehen oder wenden, die Rechtslage ist da ziemlich eindeutig.
    Ich sprach deshalb ja auch von „unmittelbar“, bzw. „wirklich“ geschädigt; das Gefühl auf Seiten des Lesers, einen Schaden erlitten zu haben, bestreite ich auch nicht, aber letzten Endes bleibt von diesem Gefühl auch nicht mehr übrig als z.B. vom Ärger über einen Bento-Artikel (oder die Existenz von Bento). Man kann seine persönlichen Konsequenzen ziehen und seinem Unmut eventuell auch öffentlich Luft machen, mehr geht aber leider nicht.

    @G:Nein macht es natürlich nicht besser, aber das wollte ich ja auch nicht suggerieren.

  17. 24
    Wortvogel

    @ Mencken: Dass der Leser RECHTLICH wenig Handhabe hat, habe ich nicht bestritten. Deine Aussage lautete aber „letztendlich ist ja nur der ursprüngliche Autor wirklich unmittelbar geschädigt“ – und DAS ist in meinen Augen falsch, weil Schaden eben nicht nur eine juristische Frage ist.

    Ganz simpel gesagt: Du bist auf Dienstreise und deine Frau pimpert den Nachbarn. Rechtlich kannst du da nichts machen, dir ist auch faktisch nichts entgangen (da du verreist warst, hat sie dir keinen Koitus vorenthalten). Genau genommen ist die Situation nach deiner Heimkehr exakt so, wie sie vorher war – Seitensprung hin oder her. Trotzdem würdest du dich vermutlich eine Tacken geschädigt fühlen, oder?

  18. 25

    Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, dass man als Leser so zweimal für das gleiche Buch bezahlt, offenbar gar nicht so klein.

    Insbesondere wenn man bestimmte Genres bevorzugt, ist das Risiko groß, weil man ja etwa Kriminalromane sucht und dann auf das Original und das Plagiat trifft.

  19. 28
    Wortvogel

    @ Goran: Ich verwende Standard/standard seit jeher sowohl als Substantiv als auch als Adjektiv. Mag eine unbewusste Übernahme englischer Gepflogenheiten sein.

  20. 29

    @Wortvogel: Ja, wir sind uns da einig, mit „unmittelbar geschädigt“ wollte ich eigentlich ausdrücken, dass es mir um die juristische Ebene geht.

    Ist ein schwieriger Bereich, als Gegenbeispiel zur Ehefrau und dem Nachbarn könnte man ja z.B. Reservoir Dogs und City on Fire nehmen. In Buchform würde Reservoir Dogs höchstwahrscheinlich problemlos als Plagiat durchgehen, aber trotzdem würden mir Zuschauer, die fühlen, dass sie durch das Ansehen einen Schaden erlitten haben, etwas suspekt vorkommen.

  21. 31
    Wortvogel

    @ Mencken: Sorry, das sind zwei verschiedene Filme. Da mag Reservoir Dogs sich Ideen und Konstellationen geholt haben, aber man bekommt ja nicht den gleichen Film mit den gleichen Darstellern in den gleichen Szenen. Der Vergleich hinkt.

  22. 34

    Interessant! Habe von einigen der Affären ja auch gehört, aber schön, sie so im Kurzüberblick gesammelt zu sehen.
    Bin ja durchaus ein Freund von Hommagen, Zitaten und Remixen, aber Abschreiben, wie es hier betrieben wird, ist eien ganz andere Sache.

    Dass es gerade bei den hiesigen Beispielen im romantischen Genre so leicht verziehen wird, wundert mich eher wenig, denn in dem scheint mir die „Protagonist-Centered Morality“ ( http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/ProtagonistCenteredMorality ) besonders stark ausgeprägt: Der Nebenbuhler ist schlicht der Teufel, wenn er die Dreistigkeit hat, die gleiche Person zu lieben, wie der Held/die Heldin und was immer diese/r tut, ihn auszuschalten ist gut und richtig, da ja unter dem Banner der Liebe getan.
    Und so ist der geschätze Autor (auch wenn ein Dieb) wohl für manchen der Leser der romantische Protagonist, der vom gesichtslosen Anderen bedroht wird.

    So ein fanatisches Lagerdenken bei Fans gibt es ja eh erschreckend oft. Ich denke gern/schaudern an die „Harry Potter“-Fanatiker, die Terry Pratchett und Neil Gaiman Vorwürfe machten, VORHER etwas ähnliches geschrieben zu haben.
    Und ja, manche erstrecken diese Empörung bis auf Ovid, weil sein Cerberus ja „voll wie Fluffy“ sei.

  23. 35

    @Wortvogel: Schlimmer als den Inhalt des Textes von Amy Fox finde ich die Kommasetzung nach „Gehör“.

    @Mencken: Ob hier so eindeutig kein Betrug im juristischen Sinne vorliegt, möchte ich mal infrage stellen. Das ist zumindest mal diskussionswürdig. M.E. handelt es sich in den geschilderten Fällen um Betrug nach §263 StGB.

    Objektiver Tatbestand:
    1) Täuschung: Die Autoren täuschen den Käufern vor, etwas selbst geschrieben zu haben.
    2) Irrtum: Beim Käufer wird der Irrtum erregt, die Autoren hätten den Roman selbst geschrieben.
    3) Vermögensverfügung: Das Vermögen der Käufer wird beim Kauf jeweils vermindert.
    4) Vermögensschaden: Das ist die spannende Frage, denn ist hier tatsächlich ein objektiver Vermögensschaden eingetreten? Ist so ein Buch jetzt weniger wert? Auch wenn wir hier im niedrigen Euro- bzw. sogar im Cent-Bereich sind, kann man durchaus für einen eingetretenen Vermögensschaden argumentieren. Ein plagiertes Buch ist weniger wert als nicht plagiertes Buch.

    Subjektive Tatbestände
    Vorsatz: Dürfte hier eindeutig erfüllt sein.
    Absicht sich zu bereichern: Der Autor und der Verlag als dritte Person werden bereichert und das war auch deren Absicht.

  24. 36

    @Wortvogel: Dass das „vergebliche Liebesmüh“ ist, befürchte ich auch. So stehen lassen konnte ich Helgas Blödsinn aber trotzdem nicht.

    @Dietmar: Eben. Dieses Genre ist nicht so groß, dass VielleserInnen übersehen könnten, was hier gespielt wird.
    Wenn ich mir die verzeihenden Reaktionen der Fans so ansehe, würde es mich nicht wundern, wenn solche Betrügereien in Zukunft öfter vorkommen.

  25. 37

    Übrigens: Wenn ich ein Beispiel aus einem anderen Unterhaltungsbereich heranziehen würde, würde ich nicht „Reservoir Dogs“ und „City on Fire“ nehmen. Ich denke, dass Vanilla Ice die Melodie von „Under Pressure“ für „Ice Ice Baby“ geklaut hat und es bis zum heutigen Tag abstreitet.

  26. 38

    Meine Güte, wer solche Rechtfertigungen erfindet, hat vermutlich auch früher in der Schule von seiner Tierhaarallergie berichtet und danach trotzdem die „der Hund hat meine Hausaufgaben gefressen“-Ausrede probiert.

  27. 39

    Übel. Einfach übel. Einen kompletten Roman abschreiben. Damit Geld verdienen. Und sich – hier wird es ätzend – im „Ruhm“ sonnen. Das ist für mich ein Fall für den Therapeuten: Krankhafter Narzissmus. Charakter / Ethik: Unterirdisch.

    Als Krönung oben drauf die „verzeihenden“ Lesenden… soviel Reflektionsvermögen wie ein Billy Regal.

    Trotzdem sei es nochmals erwähnt: Was die genannten Beispiele eint, ist das Genre „Romance“. Teilweise sind es Selfpublisher, teilweise Verlagsautoren. Als der Betrug mit „Holunderküsschen“ raus kam, wurde ich schon auch ein wenig nachdenklich in Bezug auf das Lektorat. Die haben definitiv nicht gemerkt, dass die Autorin teils markige Szenen aus anderen Bestellern abgeschrieben hat. Hallo? Keinen Überblick in der eigenen Branche?!?

  28. 40

    @G: die Melodie von „Ice Ice Baby“ ist ohne Frage dort hergenommen. Das nennt man Samplen und es ist in der Musik für meinen Geschmack völlig legitim, solange zwei Bedingungen erfüllt sind:

    1.) Das Sampling wird zugegeben und der Gesamplete wird an den Tantiemen beteiligt. (Das hat Vanilla Ice mittlerweile bereinigt.)

    2.) Das Sample darf nicht das einzig gute am neuen Musikstück sein. (Und daran scheitert er bis heute.)

  29. 43

    @Stella: Die Sache mit den Lektoren wundert mich, ehrlich gesagt, auch. Aber was wäre die Konsequenz, wenn man unterstellen würde, dass sie es ignoriert haben? Mir gefällt der Gedanke nicht, dass da billigend etwas in Kauf genommen worden sein könnte.

  30. 45

    Ich gestehe es hier gerne offen: Ich lese gerne FanFiction einer bestimmten Serie, schon seit zehn Jahren.

    Und wie bei echter Literatur gibt es auch bei FF massive Qualitätsunterschiede (wobei der Niveauerwartungspegel von FF im Vergleich zu gedruckten Büchern natürlich von vornherein nach unten angepasst werden muss).

    Vor knapp mehr als einem Jahr tauchte dann eine neue Autorin auf und brachte (wie es in FF Kreisen üblich ist) kapitelweise eine neue Geschichte heraus und zwar in einem ziemlich schnellen Tempo.

    (Zum Vergleich: eine meiner Lieblings-FF, die am Ende die Länge eines mittleren Taschenbuches hatte, wurde über den Zeitraum von 3 Jahren geschrieben und veröffentlicht)

    Aber die Geschichte war gut und las sich flüssig, auch wenn die Charaktere sich OOC (out-of-character) verhielten, aber das hatte die Autorin angekündigt und ist auch bei FF manchmal ein Stilmittel.

    Dann brachte sie sofort die nächste Geschichte und die nächste und irgendwann wurde man stutzig ob des Outputs.

    Stellte sich raus: Alles von kommerziellen Büchern ageschrieben. Die einzige Arbeit, die sie wirklich reingesteckt hat, ist

    a) Bücher zu finden, in denen die Charaktere entfernt zu den Originalcharakeren passen (also nicht allzu sehr OOC sind),

    b) bestimmte Sätze so umzuschreiben, dass sie zu den Charakteren passen („I’m more of a cat person“ -> „I’m more of a dog person“) und

    c) Orts- und Personennamen anzupassen.

    Das wars. Inzwischen ist sie von allen mir bekannten Platformen gebannt, hat sich aber vorher auch noch damit rausreden wollen, dass sie doch immer dazugeschrieben hat, dass sie sich von einer anderen Geschichte hat „inspirieren“ lassen (was wahr ist, aber unter inspirieren verstehen die Leute auch bei FF was anderes).

  31. 46

    @Hapi: Hier geht es ja um (Kindle) Ebooks. Stimme zu, dass der Vermögensschaden entscheidend ist, aber den sehe ich eindeutig nicht. Die Kindlebücher kann man ja ohnehin nicht weiterverkaufen (oder ausleihen), gekauft wird allein der reine Inhalt und da erkenne ich nicht, weshalb eine Wertminderung eingetreten sein sollte (abgesehen vom erwähnten Fall des doppelten Kaufes).

    @Marcus: Wusste gar nicht, dass Vanilla Ice noch aktiv ist.

  32. 47

    Vanilla Ice hat eine Doku-Sendung, in der er Häuser renoviert. Er sitzt dann auf einem Bagger-Sitz und grimassiert, während er etwas niederreißt oder macht ein wenig Robot-Dance, wenn er auf dem Dach rumturnt. Habe den Trailer dafür gesehen. Bezahlfernsehen.

    Kommt mir jedenfalls vor wie ein Spacken.

  33. 48
    Wortvogel

    @ Mic/Stella: Die Sache mit den Lektoren hat sich in den letzten 25 Jahren massiv verändert. Viele Verlage verzichten ganz auf sie, weil angeblich die Rechtschreibprüfung vom WORD ganz prima ist und die Autoren gefälligst anständig arbeiten sollen. Andere lassen Praktikanten diese Arbeit machen – also WORD-Rechtschreibprüfung drüber laufen und alles mit roten Schlangenlinien korrigieren. Gerade bei Belletristik ist das schon Standard. „Echte“ Lektoren setzt man nur noch bei hochwertigen Büchern und Bestsellern ein.

  34. 49

    @Wortvogel: Das ist jetzt interessant, zumal die meisten Verlage dir wahrscheinlich vehement widersprechen würden. Was du beschreibst, wäre ja eigentlich mehr ein reines Korrektorat. Hat sich das Lektorat aus den Verlagen in Richtung der Literaturagenturen verlagert – oder reden wir wirklich davon, dass bei vielen Titeln gar keines mehr stattfindet?

  35. 51

    Auch das passt für mich ins Bild: Bei Musikverlagen ist es inzwischen so, dass man an den Verlag eine vollständige Druckvorlage liefern muss, die der dann eben nur noch vervielfältigt. Manuskripte werden nicht entgegen genommen. Verfügt man über kein entsprechendes Programm, gute sind teuer, muss man das setzen lassen. Dafür nimmt jemand, der das dann macht, ca. 300 € pro Partitur. Wenn man das dann vorlegt, kann es aber durchaus abgelehnt werden und man hat für nichts gearbeitet und investiert. Als Komponist oder Arrangeur erhält man vom Verlag 10 % aus dem Verkaufserlös. Macht dann bei meinen Stücken locker mal 9 €. Im Jahr. Insgesamt. Firma dankt.

    Künstlerische Auseinandersetzung findet gar nicht mehr statt. Man sieht nur noch nichtssagende Werbesprüche für die Stücke. Die paar bekannten Komponisten oder Arrangeure, die verdienen können, machen alles, um allein am Brunnen zu sitzen.

    Aus meiner persönlichen Erfahrung in einem leicht anderen Bereich würde ich also vermuten, dass das Verlagswesen wenn nicht weitgehend tot, so doch deutlich schlechter ist. Dass da Eigenverlag probiert wird, ist nachvollziehbar.

  36. 53

    @Wortvogel:
    magst du uns den Link für die besagte SciFi-Heftroman-Gruppe geben, in der Amy Fox ihre/seine Geschichte vorgestellt hat? Da würde ich gerne mal reinschnuppern.

  37. 56

    Natürlich findet ein Betrug am Leser statt.
    Wenn ich eine Autorin schon kenne, vielleicht sogar schon mehrere Bücher gelesen habe, dann würde ich beim neuen Buch vielleicht noch die Inhaltsangabe lesen, aber eventuell nicht mehr die Leseprobe. Ich meine ja, ihren Stil zu kennen.
    Wenn die (oder der) Gutste mir dann einen schlecht abgekufperten Groschenroman andreht, stehe ich womöglich mit einem neuen Stil da, den ich nicht mag.
    Natürlich ändern auch Autoren ihren Stil, aber letztlich verspricht mir ein Autor *sein* Werk – und es mag für viele durchaus darauf ankommen, wer ein Buch geschrieben hat.

    Hier im Städele findet sein einigen Monaten ein regelmäßiger Kurs zum Schreiben statt, der von einer unabhängigen Lektorengruppe veranstaltet wird. Halt Werbung für ihre Dienstleistung, einen Teil eines Romans für ein paar hundert Pfund professionell zu lektorieren, aber auch interessant. Da wurde gerade neulich noch auf das Lektorat bei den Verlagen verwiesen, aber womöglich sind hierzulande die Sitten auch (noch) anders.

    Der Textauszug war aber wirklich übel, und ja, das klingt für mich auch nach sabberndem, verklemmten Endfuffziger.

    @Dietmar
    Du komponierst? Wow, wirklich beeindruckend. *hach*
    Dass die Verlage so mit Komponisten umgehen, ist eine echte Schande.

  38. 59

    Der Textauszug war aber wirklich übel, und ja, das klingt für mich auch nach sabberndem, verklemmten Endfuffziger

    Stimmt absolut. Und deshalb habe ich nach ausführlichen Blicken auf @Stellas Blog lieber nichts gesagt: Habe Angst, dass das Lob schwiemelig (so ein schönes neues Wort, das ich hier gelernt und gleich in meinem Wortschatz eingegliedert habe) rüberkommt…

  39. 60

    Huiuiui, der erste Textauszug ist himmelschreiend grandios! So ein Schmand, vor allem mit all den Fehlern. Aber es passiert wohl mal, dass der Text damit steht und vällt, ob die Erträumte gerade entspannt ihre Nippel bekaut oder vielleicht etwas anderes macht…

    Von den anderen Beispielen hatte ich erst vor Kurzem vom Piel-Fall gelesen, was mich bereits da herzlich auflachen ließ. Ich freue mich jetzt auf den frischen zweiten Teil…

  40. 61

    Ich habe das auch mitbekommen, als Jungautor will ich im Boden versinken. Als Jurastudent fällt mir/ alles aus dem Gesicht. Mich schockierte das. „Kann doch jedem mal passieren.“ Ja ne is klar.
    Die Treue der Fans oder Freunden in alle Ehre, aber da wurde das Gedankengut eines anderen gestohlen. Und wäre es diesen Person passiert, dann hätten sie die anderen in der Luft zerrissen. ( Fans oder Freunde)

  41. 62

    @Wortvogel: Was Lektorate angeht, kann ich natürlich nur aus eigener Erfahrung sprechen, aber mein Kinderbuch wurde letztes Jahr im Lektorat auch dramaturgisch sehr gut betreut. Ähnliches höre ich auch von Kolleginnen und Kollegen bei anderen Verlagen aus diesem Bereich. Kann natürlich sein, dass Kinderbuchverlage die Ausnahmen sind, die die Regel bestätigen.

  42. 67
    Martin Daniken

    Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust…
    Einerseits freies Spiel der Kräfte andererseits der Schutz der Kunst/des Künstlers und des Empfängers/zahlender Kunde/kunstsinniger Mitmensch? !

  43. 68

    Zu Baumi #62:

    Ich arbeite seit über zwanzig Jahren als Übersetzer – tatsächlich habe ich ausschließlich Kinder- und Jugendbuchverlage erlebt, bei denen sorgfältig Lektorat und Korrektorat gemacht werden. Das ist Buchproduktion, wie sie sein soll.

    Im Erwachsenenbuch sieht’s allerdings sehr gemischt aus, da hat der gute Torsten durchaus recht.

    Es ist allerdings so, dass viele dieser Verlage durchaus noch Lektorat machen, wenn der Autor oder Übersetzer es verlangt – schändlicherweise sind gar nicht so wenige Kollegen dafür zu faul. Aber so kommt’s, dass das Bild bestimmter Publikumsverlage so widersprüchlich ist.

  44. 69
    Wortvogel

    @ Frank Böhmert: Natürlich war meine Aussage nicht allgemeingültig, kann sie ja auch gar nicht sein. Es ist auch meine Erfahrung, dass bei Kinderbüchern zweimal hingesehen wird. Die sind oft wegen Illustrationen ja auch deutlich aufwändiger. Ich habe in meiner Zeit schon schlimmste Beispiele, aber auch sehr gute erlebt. Man darf z.B. durchaus fragen, wie es passieren konnte, dass bei meinem zweiten „SF-TV-Guide“ das Vorwort mitten im Satz abbricht.

  45. 70

    Frage mich, wo ihr das her habt. Bei jedem großen Verlag gibt es garantiert ein Lektorat und zwei Korrektur-Durchläufe. Habe schon in mehreren Verlagen gearbeitet und noch nie etwas anderes erlebt. Natürlich werden die Bücher selbst dann noch nicht 100% fehlerfrei sein, aber man bemüht sich. 🙂

  46. 72

    „Man darf z.B. durchaus fragen, wie es passieren konnte, dass bei meinem zweiten „SF-TV-Guide“ das Vorwort mitten im Satz abbricht.“

    Vielleicht hat der Lektor es diktiert und ist mittendrin gestorben…?

  47. 74
    Martin Däniken

    Man die Öffentlichkeit?! nicht immer und ständig davor schützen abgeockt zuwerden-bis zu einem gewissen Grad ist es eine freie Willensentscheidung(ok die moderne Hirnforschung,Mehrheitsentscheidungen,freier Willen sind demytifiziert)sich besch…en zulassen.Einige Leute mögens es nicht mal auf einen offensichlichen Betrug hingewiesen zuwerden-da denke ich immer wieder an Kite aus dem einen Andrew Vachss-Roman…
    und
    „There’s a sucker born every minute“ PT Barnum
    Das Problem im „Literatur“-Betrieb sehe ihe ich darin das man zuviel Kroppzeuch hat oder nur noch wahrgenommen wird und die Perlen suchen muss und dann feststellt das die guten Sachen nicht mehr zufinden sind im Extremfall.
    Und mir ist wichtig das allen klar ist nur weil sich jemand eine „gute“ Abzockmasche einfallen lässt ,verstösst er noch lange nicht gegen Gesetze,hat er dann noch nen „guten“ Anwalt ,sollte man das sportlich sehen (können).

  48. 75

    @Martin, #74:

    Entschuldige, aber ich hab‘ keine Ahnung, wie Dein Kommentar zu dem passt, um das es hier geht.

    Das, was hier beschrieben ist (ohne Erlaubnis urheberrechtlich geschütztes Material anderer Autoren unter eigenem Namen verkaufen) ist nicht gerade eine besonders originelle Betrugsmasche, und es verstößt so offensichtlich gegen wohlbekannte Gesetze, dass da auch kein noch so „guter“ Anwalt helfen würde.

    Was das Barnum-Zitat mit der Angelegenheit zu tun haben soll, erschließt sich mir auch nicht. Wer sind denn in diesen Fällen Deiner Ansicht nach die „sucker“, die man nicht vor sich selber schützen kann? Die Käufer, weil sie natürlich sofort erkennen müssten, dass da Jahrzehnte altes Material plagiiert wurde? Oder die Autoren, von denen geklaut wurde, weil die selber Schuld sind, dass man ihnen was geklaut hat? Oder wer sonst?

    Zu guter Letzt: Was genau sollte man daran „sportlich sehen“? Das könnte ich noch halbwegs nachvollziehen, wenn für den Betrug ein ähnlicher Aufwand erforderlich wäre wie fürs Selberschreiben. Aber im stumpfen Abtippen von Büchern anderer Leute steckt null intellektuelle Eigenleistung und Kreativität.

  49. 76
    Wortvogel

    @ Martin Däniken: Gnädigerweise unterstelle ich mal, dass du beim Verfassen des Kommentars besoffen warst – worauf auch die Rechtschreibung schließen lässt.

  50. 79
    `Martin Däniken

    Sorry, für die Rechtschreibung,habe nicht mehr drüber gekuckt! Asche auf mein Haupt..
    Es mögen zwar objektive Tatbestandsbestandteile vorhanden sein,aber ich sehe nur dann Handlungsbedarf für Ermittlungsbehörden wenn das Zeug tonnenweise von Stadtbibliotheken eingekauft wurde oder wird.
    Ansonsten sehe ich ein klassisches Erste-Welt-Problem!
    Immobilienmauscheleien,Waffenhandel-sowas ist was für Staatsanwälte!
    Es wird doch sonst gerne der mündige Bürger ins Felde geführt..deshalb PT Barnum und ein Fingerzeig auf einen kleinen Widerspruch;-)
    Klar das die Masche nicht orginell ist,nicht jeder Con-Artist ist ein Kujau..
    „When its stupid und it works it`s not stupid!!

  51. 80
    Wortvogel

    @ Martin Däniken: Ach so – es ist kriminell, aber nicht sooo kriminell?! Ich komme morgen mal dein Auto klauen und sage bei Protest dann: „Stell dich nicht so an – anderswo werden Leute ermordet!“. Betrug ist Betrug – ob der unter DEINER persönlichen Empörungsschwelle liegt, ist nicht von Belang.

  52. 81

    @Martin Däniken:

    Welchen Widerspruch meist Du? Barnum und den „mündigen Bürger“ kann man bemühen, wenn es darum geht, Leute vor ihrer eigenen Dummheit oder Nachlässigkeit zu schützen. Aber wo kommt das hier zum Tragen, bzw. wie sollen sich die mündigen Bürger denn verhalten?

    Muss man sich als „mündiger Leser“ vor jedem Kauf durch ein Archiv alter Veröffentlichungen wühlen, um sicher zu sein, dass einem kein Plagiat angedreht wird? Und wie kann man sich Deiner Ansicht nach als „mündiger Autor“ gegen Plagiate schützen?

  53. 82
    Ken Weber

    Möchte gerade mal einen anderen Aspekt ansprechen, der mich beim Self-Publishing mittlerweile wirklich massiv stört: Die Suche nach guter Unterhaltung mit einer gewissen Qualität gestaltet sich auf Amazon mittlerweile wirklich nicht leicht. Simples stöbern ist hinfällig, weil die Top 100 von irgendwelchen kleinen Veröffentlichungen belegt werden, die dutzendfach gekauft wurden, weil sie einfach nur 0,99€ oder maximal 4,99€ kosten. Klar, immer mal wieder findet man ein paar Romane dazwischen, die durchaus mehr Aufmerksamkeit verdient haben (Transport, Paradox oder die Johannes Kepler Reihe fallen mir da so auf die Schnelle ein), aber wirklich hochwertige Romane, die mir vorher doch nicht untergekommen sind, finde ich darüber nicht.

    Als Fantasy-Leser ist man zudem noch einmal extra geplagt, weil die gesamte Kategorie durch Romantasy-Romane (eine schreckliche Wortschöpfung) überflutet werden. Da lobe ich mir weiterhin den Gang in den Buchhandel, um dort durch die Bücherregale zu flanieren, vereinzelt Bücher rauszufischen, ein, zwei Seiten zu lesen und eine mentale Notiz anzulegen oder gleich den Kauf zu tätigen.

  54. 83

    Ich würde spontan mal behaupten, dass das kein Problem nur des Selbstpublishings ist, gefühlte 98,7% aller „richtigen“ Veröffentlichungen sind auch für die Tonne. So lange Leute wie Sebastian Fitzek weiterleben dürfen, wird sich daran auch nichts ändern…

    Und wer Fantasy liest, ist eh gearscht.



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