09
Feb 2021

Die vorhersehbare Bruchlandung der Roland Emmerich-ORION

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

Wie ihr wisst, hatte ich in allem, was deutsche SF angeht, irgendwie die Finger drin. Perry Rhodan. Ice Planet. Astro Saga. Lexx. Einige Sachen habe ich sogar selber geschrieben. Lost City Raiders. Post Impact. Sumuru.

Wer sich wirklich auskennt, der wird bemerken, dass in der Aufzählung was fehlt. Die Abenteuer eines gewissen schnellen Raumkreuzers. Und ja, bei ORION X war ich auch dabei. Vielleicht ist das eine Geschichte, die nach fast 25 Jahren mal ausführlicher unter die Leute gehört.

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Es muss um 1996 gewesen sein. ProSieben holte Rola Zayed (heute Bauer) zum Sender, die helfen sollte, internationale Projekte zu stemmen. Man wollte nicht mehr nur entweder einkaufen oder selber produzieren, sondern sich beteiligen. Geld war wahrlich genug vorhanden. Eines der Projekte, das bei Rolas Start schon angedacht war, war eine Neuauflage der RAUMPATROUILLE. Es war halt Kult und da brauchte man den Zuschauern nicht lange erklären, worum es geht. Als Science Fiction auch global gut zu vermarkten – wenn es richtig gemacht wird.

Ein Bonus war, dass Roland Emmerich Interesse angekündigt hatte, eine Neuverfilmung des Stoffes kreativ zu begleiten. Was "kreativ zu begleiten" heißt? Genau das sollte eine der zentralen Fragen werden.

Jedenfalls hatte Rola bei ihrer Ankunft schon einen Haufen Korrespondenz zum Thema RAUMPATROUILLE auf dem Schreibtisch und keine Ahnung, was das sein sollte. Ich war der "resident nerd" im Sender und wurde gebeten, sie ein wenig in das Thema einzuführen. Und so hockten wir an einem Wochenende in ihrer Wohnung am Englischen Garten, futterten Popcorn und redeten über die ORION.

Ich muss gestehen, dass ich von Anfang an skeptisch war, was das Projekt anging. Jahre zuvor hatte ich die launige ORION 2-Installation im gescheiterten BAVARIA FILMPARK in Bottrop besucht:

Da zeigte sich schon das Problem, ORION für ein aktuelles Publikum frisch zu machen. In 30 Jahren seit dem Original hatten sich die Standards geändert und man kann so ein Projekt nicht nur über die Nostalgie verkaufen. STAR TREK TNG hatte ja auch lange gebraucht, sich von Kirks Enterprise zu lösen und eine eigene Handschrift zu entwickeln.

Damit ihr was zu lachen habt – ich sah damals übrigens so aus (r.):

Ich habe nie ganz verstanden, wie der Deal von ProSieben und Emmerich aussah – oder ob es überhaupt einen gab. Als Redakteur waren Vertragsangelegenheiten nicht meine Baustelle. Aber von meiner Warte sah es so aus, als hätte Emmerich immer schon eine neue ORION produzieren wollen – und ProSieben sollte die Zeche zahlen. Es gab vermutlich diverse Leute, die sich mit der Zusammenarbeit profilieren wollten. Die gibt es immer.

Das wäre ja auch gar nicht so schlimm gewesen, wenn das "Spielbergle" uns einen echten Knaller an die Hand gegeben hätte, mit dem man der gesamten Konkurrenz von ARD bis RTL eine Nase hätte drehen können. Dafür hätte man auch hingenommen, dass Emmerich (nach meinem Verständnis) dem Sender in Unterföhring praktisch keinerlei Mitspracherecht gab, sondern nur über die Entwicklung der neuen Serie auf dem Laufenden hielt.

Aber das, was an tatsächlicher kreativer Arbeit aus LA in unsere Postfächer gespült wurde, war bestenfalls mau. Die Zusammenarbeit mit fast ausschließlich amerikanischer Crew führt dazu, dass es kein Verständnis für die genuin deutschen Elemente der ORION gab – oder dass solche schlicht nicht gewünscht waren. Man wusste an jeder Stelle besser als die "silly Germans", wir man eine echte Weltraumoper aufziehen musste. Und bis zu einem gewissen Grad verstehe ich das sogar. Es sollte schließlich ein weltweiter Blockbuster auf die Beine gestellt werden – da konnte man sich nicht von sieben Schwarzweiß-Episoden aus den 60ern oder deutschen Redakteuren kreativ fesseln lassen.

Was ich aber nicht verstand, waren einige der substanziellen Entscheidungen, die in LA getroffen wurden. So bekamen wir mitgeteilt, dass Ben Burtt den Pilotfilm als Regisseur betreuen sollte. Nun ist Ben Burtt eine Legende in Hollywood, hat an INDIANA JONES, STAR WARS, ET, BLADE RUNNER, DER DUNKLE KRISTALL und WILLOW mitgearbeitet. Er hat das Vertrauen von George Lucas UND Steven Spielberg.

Als Sound Designer.

Als Regisseur? Hatte er bis dahin neben Dokumentationen und Kurzfilmen gerade mal einen TV-Film zur Serie YOUNG INDIANA JONES betreut.

Eigentlich waren wir sogar davon ausgegangen, dass Emmerich mindestens den Pilotfilm selber drehen würde – eine Annahme, die mit dem spektakulären Mega-Erfolg von INDEPENDENCE DAY allerdings zunehmend unrealistisch wurde.

Auch bei der Story-Entwicklung war der Sender weitgehend außen vor. Als "main writer" (vermutlich aber nicht als Showrunner) stellte man uns Terry Black vor, der immerhin als Bruder von Shane Black ein bisschen DNA mit dem Autor von DIE HARD, LETHAL WEAPON und LAST ACTION HERO teilte. Terry hingegen hatte bis dahin nur den launigen Zombie/Cop-Film DEAD HEAT und ein paar Episoden von Krimi- und Gruselserien verfasst.

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Das war nicht gerade die Expertise, die wir uns für das große Prestige-Objekt des auslaufenden Jahrtausends erhofft hatten. Ich denke, es spricht für sich, dass Ben Burtt bis heute keine nennenswerte Regiearbeit abgeliefert hat und Terry Black seither nur noch Drehbücher für Videospiele und preisgünstige Syndication-Serien schreiben durfte.

Grund zur Skepsis war also genug vorhanden – dennoch machte ich mit schwitzigen Fingern den Umschlag auf, als das Drehbuch des zweistündigen Pilotfilms von Black auf meinen Schreibtisch flatterte. Und bevor jemand mault "das denkt sich der Dewi doch alles aus", zeige ich euch hier mal die Screenshots der ersten drei Seiten des Skripts:

Mehr geht aus rechtlichen Gründen nicht.

Selbst Uneingeweihten dürften hier schon die ersten Probleme auffallen. Das ist alles sehr hektisch, sehr gewalttätig – und von einer Freunde an der Vernichtung durchdrungen, die sich schwer an ein breites Publikum verkaufen lässt. Und dass so etwas wie der "gyroscopic gunner seat" mit seinen "hard-wired VR goggles" albern ausgehen hätte, dürfte außer Frage stehen. Das ist 90er-Technologie, die die Serie in Nullkommanichts böse hätte altern lassen. Der Babylon 5-Spinoff LEGEND OF THE RANGERS hat ein ähnliches virtuelles Gunner-System ein paar Jahre später versucht – und es war ein peinliches Debakel:

Aber ich will das Pilotfilmscript von ORION X gar nicht durch den überheblichen Filter der Rückschau ziehen – weil ich das auch nicht muss. Ich habe nämlich noch meinen damaligen "readers report" gefunden, in dem ich den relevanten Leuten beim Sender erst einmal Background und Konzept erklärte, um dann auf das Drehbuch einzugehen.

Drehen wir die Zeit also einfach mal 25 Jahre zurück…


Orion 2 – Meine bescheidene Meinung basierend auf der Lektüre des Drehbuches „Orion: Baptism by Fire“

Vorwort
Vorneweg möchte ich betonen, daß ich schon einige Sci-Fi-Drehbücher gelesen habe, bevor die Projekte produziert waren, z.B. „Space: Above and Beyond“. Außerdem sollte man bei meiner Bewertung berücksichtigen, daß ich Roland Emmerich zwar für einen fähigen Regisseur, nicht aber für einen fähigen Autor halte. Auch die Tatsache, daß „Independence Day“ in der ersten Woche 85 Millionen Dollar eingespielt hat, ändert nichts daran.

Entspricht das Drehbuch den Erwartungen?
„Orion: Baptism by Fire“ ist zuerst einmal genau das, was es laut Absprache nicht sein sollte: ein ziemlich flaues und noch dazu unzeitgemäßes REMAKE des originalen „Raumpatrouille“-Pilotfilms "Angriff aus dem All". Die Charaktere entsprechen dem Vorbild ebenso wie die gesamte Struktur (McLane geht eigenmächtig auf Tour, wird samt Mannschaft degradiert, muß eine Kontrolleurin vom GSD an Bord nehmen, kommt auf Patrouillenmission einer großen Gefahr auf die Spur, etc.). Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn das Original nicht so unglaublich simpel, chauvinistisch und militaristisch gewesen wäre. Das Frauenbild in der Serie ist unter aller Kanone, und man läßt lieber Laser sprechen, statt sich mit fremden Lebensformen auseinander zu setzen. Auf eine subtile Zeichnung der Charaktere wird gleich ganz verzichtet, es regieren taffe Sprüche und cooles Auftreten. Die Klischees sind so offensichtlich, das es weh tut.

Die Wurzeln (wenn man das so nennen mag)
Schlimmer noch: Wenn „Orion: Baptism by Fire“ nicht das Original nacherzählt, bedient es sich (üblich bei Emmerich), wo es nur kann. Die Aufteilung der Mannschaft ist so ein offensichtlicher „Raumschiff Enterprise“-Verschnitt, daß selbst die dümmsten Zuschauer sich veralbert vorkommen dürften: McLane ist „Captain Kirk“ (inklusive Macho-Gehabe und Befehlsverweigerung), Kiko ist „Spock“ (fremdländisches Aussehen und gewählte Ausdrucksweise inbegriffen) und Lionel Primus hat auch keinen größeren Phrasenschatz als „Scotty“ („Captain, das halten die Maschinen nicht aus!“). Die Figur der Taryn Ward ist nicht nur bei Eva Pflug aus dem Original abgekupfert, sondern erinnert fatal an die ebenfalls immer grau gekleidete Telepathen-Blondine aus „Babylon 5“, Talia Winters (man beachte sogar die gleichen Initialen!). Der GSD (oder GIA, wie er laut der US-Fassung heißt) erinnert denn auch konsequenterweise an das Psi-Corps bei „B5“. Die restlichen Figuren sind nicht einmal mehr Schablonen, sondern nur Stichwortgeber. Besonders ärgerlich fällt die Figur der Hackerin Zed auf, die mit einem hispanischen Namen, schwarzer Haut und ihrem Geschlecht gleich drei „Minoritäten“ bedient. Über die Dialoge sollte man wirklich das Mäntelchen des Schweigens decken, denn hier regiert der Stammtisch.

Im übrigen glaube ich, daß die Handlung des Pilotfilms völlig problemlos in eine normale Folge passen würde.

Thema Handlung
Auch hier hat es keine Weiterentwicklung seit 1966 gegeben. Plotlöcher, durch die man einen Ozeandampfer schieben könnte (die Erde hat angeblich keinen Kontakt zu Außerirdischen, ist aber von gigantischen Verteidigungsanlagen umgeben), simplifizierende Weltbilder, durchsichtige Handlungsstränge, und dazwischen viel martialisches Geballer à la „Space: Above and Beyond“. Das gesamte Szenario wurde nicht einmal minimal auf den neusten Stand gebracht, da täuscht auch kein „Virtual Reality“-Touch drüber hinweg. Hier hätte man von „Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert“ lernen sollen. Zwar wird Clint McLanes Onkel angesprochen, aber ob es sich dabei um Alistair McLane (Dietmar Schönherr) handelt, wird offen gelassen. Für „Orion“ scheint sich die SF in den letzten 30 Jahren keinen Schritt weiter entwickelt zu haben. Schade eigentlich. Ich glaube, das grundsätzliche Problem liegt in der Zeitfrage. Anscheinend spielt „Orion 2“ relativ kurz nach dem Original. Das ist ein Kardinalsfehler, der wirkliche Fortentwicklungen hemmt und ständige Ungereimtheiten produziert.

Gegen den dramaturgischen Aufbau des Drehbuches und die Anordnung der einzelnen Szenen kann man nichts sagen, der Autor versteht sein Handwerk. Außerdem dürfte das Pathos gewisser Sequenzen durchaus funktionieren. An anderen Stellen kann man sich allerdings schon bei der Lektüre das Kichern nicht verkneifen.

Angesichts der Tatsache, daß sich die meisten Leute an „Orion“ erinnern, aber kaum noch etwas über die Details wissen, wäre es nicht nötig, so viele Details (GSD, Lancet, Frogs, etc.) zu übernehmen. Ich habe wirklich keinen „Dostojewski im Weltraum“ erwartet, aber ein bißchen mehr Substanz sollte schon sein. Im augenblicklichen Stand erinnert die Serie peinlich stark an „Space Rangers“.

Die Aussichten
Wenn der Pilot visuell hält, was das Drehbuch verspricht, erwartet uns eine Weltraum-Balleroper erster Kajüte. Nicht mehr, nicht weniger. Wenn wir tolle Tricks und eine charismatische Besetzung aufweisen können, kommen wir vielleicht damit durch. Ansonsten sind wir „in deep shit“, denn mehr hat das Projekt anscheinend nicht zu bieten. Ich halte es für zu gefährlich, auf die Anspruchslosigkeit des Publikums zu vertrauen.

Fazit
Eine Macho-Nummer, die mit viel Geballer über Ungereimtheiten und Flachheiten hinwegzutäuschen versucht und bei der wir uns schwer anstrengen müssen, um nicht den Weg von „Space: Above and Beyond“ zu gehen (will heißen: krass sinkende Quoten nach anfänglichen Erfolgen, wenn sich die Zuschauer satt gesehen haben).

Abschließende Anmerkung
Ich weiß, daß ich mich mit diesem harschen Report sehr weit aus dem Fenster lehne und daß es wesentlich einfacher für mich wäre, meine Kritik sanfter zu verpacken, um nich ins Kreuzfeuer der Kritik zu geraten. Ich denke aber, daß wir bei einem Projekt dieser Größenordnung mehr verlangen müssen als das, was uns in Form von „Orion: Baptism by Fire“ vorliegt.


Abgesehen vom Pilotdrehbuch reichte Terry Black auch noch ein paar Story-Ideen ein, die ebenfalls bewiesen, dass hier nur mit brackigem Wasser gekocht wurde:

– McLane erwacht und niemand erinnert sich an ihn
– McLane kommt vor das Kriegsgericht
– Die Mannschaft wird von einem Zombie-Virus attackiert
– Eine neue Sorte Kunstnahrung macht abhängig
– McLane verliebt sich in eine Alien-Frau, die sterben muss

Kann man alles machen, klingt aber nicht nach einer großen Space-Saga im Stil vom GALACTICA-Remake, FARSCAPE oder THE EXPANSE.

Man muss natürlich vorsichtig sein: das hier waren alles nur erste Ideen, grobe Skizzen (vom Pilotdrehbuch mal abgesehen). Daran hätte man feilen können – es wäre nicht mal zu spät gewesen, Black durch jemanden zu ersetzen, der sich mit so etwas auskennt. Aber letztlich scheiterte ORION X gar nicht an den oft bemühten "kreativen Differenzen". Die Serie scheiterte am Geld. Oder besser: am Geldmangel. Oder besser: an der Verteilung des Geldes.

Es gilt natürlich auch hier (wie schon bei PERRY RHODAN): das hier sind die Sachen, die ich gehört habe. Teilweise Emails, teilweise persönliche Gespräche, teilweise auch nur Flurfunk. Ich habe nie selber mit Emmerich oder einem seiner direkten Mitarbeiter gesprochen. Es mag auch alles ganz anders gewesen sein.

Das Problem lag letztlich schon im Konstrukt. Emmerich hatte außer ProSieben keine Partner an Bord, die bei der Finanzierung der Serie helfen konnten. Er rechnete sich vermutlich aus, dass es cleverer war, mit deutschem Geld und voller Kontrolle seine Vision zu verwirklichen, und dann das fertige Projekt an Sender in aller Welt zu verkaufen und großen Reibach zu machen. So lasen sich denn auch die Vertragsbedingungen, die ich zu lesen und zu hören bekam.

Emmerich setzte 13 Millionen Dollar als Budget für den Pilotfilm an, 2 weitere Millionen für jede Episode. Das wäre schon mal die teuerste SF-Serie aller Zeiten gewesen. Obendrauf behielt er sich die weltweiten Vertriebs- und Merchandisingrechte vor.

Im Ergebnis hieß das: ProSieben zahlte die Zeche und hatte nur die deutsche TV-Ausstrahlung, um das Geld wieder reinzuholen. Der gesamte Profit der weltweiten Verkäufe und der Vermarktung würde bei Emmerich landen.

Das machte keine Form von betriebswirtschaftlichem Sinn. Der Sender konnte damals nur gut 12-15 Minuten Werbung in eine Sendestunde packen. Selbst bei Höchstpreisen für die einzelnen Spots, die man durchaus bei so einem Prestige-Objekt verlangen konnte, wären die Produktionskosten nicht einspielbar gewesen. Der Sender hätte massive Verluste gemacht – und diese später auch nicht wettmachen können.

So bliebt die Frage, ob man ORION X als Verlustbringer stemmen wollte, um zumindest von Ruhm und Ehre der Serie zu zehren. Aber das war letztlich ein Nullsummenspiel: Emmerich würde vermutlich die gesamte Promotion an sich reißen und es war ja nicht mal sicher, ob die Serie konkurrenzfähig sein konnte.

So glaube ich nicht (mag mich aber irren), dass das schwache Skript und das dünne Konzept ORION X versenkt haben. Es war das aufgeblasene Konstrukt selber, das nicht tragfähig war, weil es den Beteiligten keinen ausreichenden Raum gab, sich zu profilieren. Hätte man frühzeitig einen potenten US-Partner wie HBO an Bord gehabt, einen erfahrenen Showrunner, dann hätten sich vielleicht alle Beteiligten wohler gefühlt. Aber am Ende waren Risiko und Preis einfach zu hoch und die Erfolgsaussichten zu gering. Ein Dilemma, das sich bei ICE PLANET wiederholen sollte und über das ich auch noch schreiben werde.

ORION X starb nicht laut und im Streit – man stellte einfach irgendwann die Arbeiten daran ein. Der Erfolg von INDEPENDENCE DAY mag Emmerichs Zeit auch zu kostbar gemacht haben – zumal er schon 1997 seine erste eigene Serie mit NBC stemmte. Über THE VISITOR habe ich an anderer Stelle ja bereits geschrieben. Ein Flop mit gerade mal 13 Folgen.

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Danach hat Emmerich (bis auf die Trickserie zu GODZILLA) die Finger vom Fernsehen gelassen. Seine Welt ist eben doch die des Kinos.

Meine Meinung? Ich hätte mich gefreut, wenn es eine Fortsetzung zu RAUMPATROUILLE gegeben hätte. Ich hätte mich gefreut, wenn ProSieben diese produziert hätte. Ich hätte mich gefreut, wenn ich in irgendeiner Kapazität dabei hätte helfen können. Und dennoch bin ich froh, dass aus DIESER Version nichts geworden ist. Weil sie an keiner Stelle die notwendige Intelligenz, den Respekt vor dem Original oder die Liebe zur echten Weltraumoper mitbrachte.

Mittlerweile glaube ich allerdings nicht mehr daran, dass es jemals ein Remake oder ein Reboot der RAUMPATROUILLE geben wird. Der Zug ist abgefahren. Aber uns bleiben  ja die Fanprojekte:

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Das ist meine Version der Geschichte. Fragt zehn Leute – ihr werdet zehn andere hören. It’s the nature of the business.



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Chris
9. Februar, 2021 09:43

Sehr interessanter Artikel. Vielen Dank dafür. Diese Blicke hinter den Produktionsvorhang sind immer wieder spannend zu lesen. Dementsprechend freue ich mich schon auf den Artikel über Ice Planet.

Henny van Veenendaal
9. Februar, 2021 11:16

Danke für den ausführlichen Story. Ich wusste schon einiges über die Geschichte von Emmerichs Orion Versuch aber so genau wie Sie es beschreiben noch nicht. Klasse Artikel. Als Grunder des Fanfilmprojekts wo von den Youtube Link gezeigt wird danke ich Sie das Sie uns In diesen Artikel erwähnen. Besonders der Unbekanntheit unser Projekt macht es uns schwer. Jede Werbung ist uns wilkommen. Danke nochmahls.

Maximilian Frömter
Maximilian Frömter
9. Februar, 2021 12:34

Klasse! Für mich als Ice-Planet-Veteran wirklich hochinteressant, die Parallelen sind unübersehbar. Emmerich war übrigens später auch mal in unserem H5B5-Büro zu Besuch und ich durfte ihm sogar die Hand schütteln. 😉 Eine Zusammenarbeit kam meines Wissens aber nicht zu Stande, ich glaub, der kam nur, weil unser Art Director mal sein Praktikant gewesen ist.

Gnislew
9. Februar, 2021 12:38

Super spannend! Danke für diesen Exkurs. Darf ich dich dennoch an einer Stelle korrigieren? Der Nachbau der Orion stand nie in der Warner Bros. Movie World, sondern im Bavaria Filmpark. Dieser entstand nach nach dem Ende des dortigen Traumlandparks im Jahr 1991 und öffnete 1992 seine Tore. Allerdings nur bis zum Jahr 1994 in dem Park auf Grund mangelnden Erfolgs zum Saisonende geschlossen wurde. 1996 eröffnete dort dann Warner Bros. seine Warner Bros. Movie World, bei deren Bau eigentlich kein Stein mehr auf dem anderen gelassen wurde und auch der Nachbau aus dem Park verschwand. Die Warner Bros. Movie World ist auch keineswegs gescheitert. Zwar verkaufte Warner den Park zunächst an Six Flags und der Park durchlief danach auch weitere Besitzerwechsel, doch bis auf einen Namenswechsel hin zu Movie Park Germany und Umbenennung der Attraktion wegen verlorener Lizenzrechte am Namen Warner und deren IPs gibt es noch heute Attraktionen aus den Warner Tagen zu erleben und auch das Thema Film steht immer noch im Mittelpunkt des Parks.

lieben Gruß
Michael

DMJ
DMJ
9. Februar, 2021 12:59

Das ist wirklich höchst interessant! Die damaligen Ankündigungen habe ich auch mit Spannung verfolgt und war bekümmert, dass nie was draus geworden ist. – Obwohl ich natürlich selbst weiß, dass die Chancen einer Enttäuschung groß gewesen wären. ORION atmet derartig den Geist seiner Zeit, dass auch ich nicht wüsste, wie man etwas in dessen Tradition machen kann, was aber auch modern ist und heute funktioniert.
Spannend, dass immer wieder SPACE erwähnt wird, denn den Kern reduziert ist ORION ja ebenfalls eine "Weltraumkriegsserie" und keine bunte Entdeckungsreise wie STAR TREK, so dass da ein ähnlicher Ansatz gepasst hätte. – Aber der hätte sich dann natürlich vollkommen mit den augenzwinkernden kumpelhaften Nostalgie-Erinnerungen gebissen. Heute würde man sich vermutlich klarer entscheiden müssen, ob mal lockere Kumpels im All, oder einen existenziellen Krieg haben will. Einzige Alternative wäre gewesen, sich weniger nach der alten Serie, sondern den bunteren Kneifel-Romanen zu richten. Aber das hätte wiederum die Fans des Originals nicht abgeholt, da die ja wieder ein eigenes Publikum hatten.

Insoweit ist die Chance auf ein Reboot/Remake, das es richtig machen kann wohl tatsächlich dauerhaft vertan. Sehr schade!

Stefan
9. Februar, 2021 14:43
Reply to  DMJ

Anfang der 00er wurde die Serie zusammengeschnitten und als Film rausgebracht, mit Elke Heidenreich, die die entstandenen Plotlöcher als Nachrichtensprecherin gefüllt hat. War glaube ich nur so mittel. Ich hab das damals im Open Air Kino geschaut.
https://de.wikipedia.org/wiki/Raumpatrouille_Orion_%E2%80%93_R%C3%BCcksturz_ins_Kino

Dietmar
9. Februar, 2021 16:16

Ich finde die klare, unverblümte Sprache Deiner damaligen Beurteilung bemerkenswert.

Dietmar
10. Februar, 2021 05:17
Reply to  Torsten Dewi

Für jemanden wie mich, dessen Leben ständig bedeutete, mit Leuten von entscheidendem Einfluss über einen selbst und das, was man tun kann und will, einen Eiertanz um jede Kleinigkeit aufführen zu müssen, erfrischend. Immer, wenn ich Klartext, nicht aggressiv sondern einfach nur klar und ohne pseudo-diplomatische Spielchen, lieferte, gab´s gewaltig auf die Mütze, weil immer irgendjemand sich in seiner Position bedroht sah. Vereine: Der Ort, wo man den Glauben an das vernünftige Eigeninteresse der Menschheit verlieren kann.

Last edited 21 Tage zuvor by Dietmar
Comicfreak
Comicfreak
9. Februar, 2021 18:51

Ich liebe diese Blicke hinter die Kulissen

Marcus
Marcus
9. Februar, 2021 22:43

"Der Babylon 5-Spinoff LEGEND OF THE RANGERS"

Ich hoffe mal, das war jetzt ein Beitrag zur Themenwoche "100 Jahre Wortvogel", als nostalgische Verneigung vor der in diesen heiligen Hallen damals allseits (?) beliebten (??) Debatte, ob es nun der, die oder das Review heißt.

Entweder das, oder der Dewi kann immer noch nicht die korrekten Artikel für englische Lehnwörter benutzen. DAS Spinoff, meine Güte, DAS Spinoff…

Last edited 22 Tage zuvor by Marcus
Marcus
Marcus
9. Februar, 2021 22:45
Reply to  Marcus

Und natürlich Daumen hoch für den Rest des Artikels und so – aber man muss halt Prioritäten setzen.

Dinozeros
Dinozeros
9. Februar, 2021 22:46
Reply to  Marcus

DAS Ableger, DAS Ableger?

Adrian
10. Februar, 2021 16:54

Sehr spannend, mal ein paar Details über dieses Projekt zu lesen! Vor allem, weil mein Co-Autor und ich gerade unseren eigenen Versuch eines Orion-Reboots von 2017 ins Netz gestellt haben: https://avbaur.blogspot.com/2021/02/orion-pitch.html

Dietmar
10. Februar, 2021 17:22
Reply to  Adrian

Ich bin nicht in der von Euch anvisierten Zielgruppe (habe sie am oberen Ende verlassen und nehme das Euch persönlich übel), aber ich würde das gucken. Ich finde das toll! So toll, dass es mich von den Korrekturen an Schülerarbeiten abgehalten hat (was ich Euch ebenfalls persönlich sehr übel nehme).

Und das hier: "Nach einem gut gemeinten und rechtzeitig abgebrochenem Studium,…" ist einfach zu schön!

Last edited 21 Tage zuvor by Dietmar
Adrian
10. Februar, 2021 17:27
Reply to  Dietmar

Wir selber nähern uns ja auch schon der Obergrenze… aber irgendwas muss man ja hinschreiben bei der Zielgruppe – und als "werberelevant" gelten irgendwie immer nur die Jüngeren. 😉

Dietmar
10. Februar, 2021 17:31
Reply to  Adrian

🙂

S-Man
S-Man
10. Februar, 2021 18:06

Passend dazu heute auf Twitter:

Vor einigen Jahren haben es wohl Haiko Hörnig und Adrian vom Baur (beide sind mir vor allem aus der deutschen Comicszene bekannt) auch mal versucht…

https://twitter.com/DerGrafX/status/1359237002445651974?s=20

S-Man
S-Man
10. Februar, 2021 20:13
Reply to  Torsten Dewi

Haha, hatte ich übersehen…

Matts
Matts
11. Februar, 2021 17:17

Sehr interessante Lektüre! Als jemand, der dank eines Sci-Fi-begeisterten Vaters schon als kleiner Bub mit der Serie in Kontakt kam, hätte ich mich damals sicher auch riesig auf ein Orion-Remake gefreut. Es hat nicht sein sollen – jetzt verstehe ich auch besser, warum.
Eine Sache beschäftigt mich noch: Ich könnte Stein und Bein schwören, dass ich irgendwo in Nürnberg mal ein Werbeposter zu einer Neuauflage von Orion gesehen habe (ich denke, das war auch Mitte/Ende der 90er). Aber so wie das hier klingt, kam dieses Projekt ja niemals bis in eine Phase wo man sowas rausbringen würde, oder?

Nummer Neun
12. Februar, 2021 09:46
Reply to  Matts

Das passt zeitlich nicht 100% zusammen, aber vielleicht war das die Werbung für den Kinozusammenschnitt? Der kam 2003 raus.

Matts
Matts
11. Februar, 2021 17:22

Sehr interessante Lektüre! Als jemand, der dank eines Sci-Fi-begeisterten Vaters schon als kleiner Bub mit der Serie in Kontakt kam, hätte ich mich damals über ein Orion-Remake sicher gefreut. Es hat nicht sein sollen – jetzt verstehe ich auch besser, warum.
Eine Sache beschäftigt mich da noch: Ich könnte Stein und Bein schwören, dass ich irgendwo in Nürnberg mal ein Werbeposter zu einer Neuauflage von Orion gesehen habe (ich glaube, das war auch Mitte/Ende der 90er). Aber so wie das hier klingt, kam dieses Projekt ja niemals in eine Phase, wo man sowas rausgebracht hätte, oder?