Fantasy Filmfest 2026 (29): HOPE


Südkorea 2026

Regie: Na Hong-jin

Darsteller und Sprecher: Hwang Jung-min, Zo In-sung, Hoyeon, Taylor Russell, Cameron Britton, Alicia Vikander, Michael Fassbender

Offizielle Synopsis: In einem winzigen Fischerdorf kommt es zu einer Invasion Außerirdischer. Was zunächst als erbarmungslose Action beginnt und das Dorf nach allen Regeln der Kunst auseinandernimmt, mündet schließlich in ein spektakuläres Alien-Szenario im benachbarten Wald.

Kritik: Ich werde noch einige abschließende Beiträge zum Festival schreiben, aber es sei bereits konstatiert, dass diesmal eine große Bandbreite bedient wurde – leider nicht an Themen, sondern in Sachen Qualität. Wir hatten alles von "indiskutabel" bis "instant classic". Immer mehr obskure Herkunftsländer drängen ins Programm. Das, was als "interessante Abwechslung" fungieren sollte, füllt nun den Großteil der Slots, während der klassische Mainstream-Genrefilm immer mehr in den Hintergrund gerät.

Aber die Veranstalter sind ja nicht dumm, und deshalb achtet man drauf, das Publikum zum Abschied nicht zu vergrätzen. Wieder einmal soll ein Koreaner es richten, soll mit Action und Monstern die Erinnerung verwässert werden, dass wir es bisher vorwiegend mit Apathie und Moraldramen zu tun hatten.

Zum zweiten Mal nach THE CHASER 2008 soll Na Hong-jin es richten. An HOPE soll man sich erinnern, damit man die Karte für das nächste Jahr kauft.

Und es betrübt mich fast, es zu sagen: das funktioniert.

Es funktioniert, weil HOPE nicht nur ein packender, hochoktan inszenierter Alien Invasion-Actionfilm ist, der teilweise neue Maßstäbe setzt. Es funktioniert auch, gerade weil HOPE so wahnwitzig und größenwahnsinnig ist, dass selbst seine Defizite zwar auffällig sind, aber dem Erlebnis keinen Abbruch tun.

Zuerst einmal: HOPE ist fast drei Stunden lang. Die erste Stunde ist dabei eine so irrwitzige Actionszene, das man sie in Filmschulen als Musterbeispiel lehren wird. Sie ist hanebüchen und total unglaubwürdig, aber sie funktioniert.

Danach kümmert sich der Film erstmals um so etwas wie eine Story. Die ist ebenfalls komplett banane, wird aber von so interessanten Wendungen und kuriosen Alien-Charakteren bevölkert, dass wir sogar darüber hinwegsehen, dass die CGI der Aliens ungefähr auf dem Niveau von 2010 hängen geblieben ist. In jedem anderen Film hätte dieser Lapsus massiv Punkte gekostet, aber Na Hong-jin inszeniert mit schierem Willen darüber hinweg, als habe er es nicht gemerkt.

Der finale Akt dreht noch mal mit extrem dynamischen, aber viel zu langen Verfolgungsjagden auf, während er den gesamten moralischen Unterbau des Films auf den Kopf stellt. Klamauk und großes Pathos high fiven sich, wo sie sich nicht mal begegnen dürfen. Und dann… Schluss. Mittendrin. To be continued.

10 Punkte vergebe ich eigentlich nur, wenn ein Film praktisch fehlerlos ist. Siehe SPECIES – bei dem hat nur die doofe erzählerische Klammer eine diamantene Wertung verhindert. Und "minus 1" ergibt eben "nur" 9. Aber im Fall von HOPE werfe ich das über Bord, weil es scheißegal ist, ob die Aliens doof aussehen oder das Sitzfleisch unangemessen strapaziert wird. Der Film ist ein Event, ein aktuell singulärer "must see", eine krachende und rauchende Erinnerung an die Zeit, als man noch pubertär im Kino saß und leise "wow" murmelte…

Fazit: Die volle Packung, ein Maximum an Action, Kino als blanke Exzesse, die perfekte Symbiose von Tempo und Drama. Nicht mal die außerordentlich bräsige Alien-CGI kann verhindern, dass ich so begeistert wie besoffen 10 von 10 Punkten vergebe.

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8 Kommentare
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10. September, 2026 08:37

Vielen Dank für die tolle quasi Live-Begleitung! Da ich es leider in diesem Jahr kaum aufs Festival schaffen werde, weiß ich nun wenigstens, dass ich den ein oder anderen Hochkaräter verpassen werde. Und bei mach anderen Filmen gilt: Danke, dass du ihn dir angesehen hast – dann muss ich das nicht mehr machen.

Alex
10. September, 2026 13:30
Reply to  Nummer Neun

Bei mir genau so. Ich hab dem Vogel schon mehrfach gedankt, das er für uns quasi die "Drecksarbeit" macht.. lol.

jimmy1138
10. September, 2026 10:15

Wie gesagt – als ich mir das Programm durchgelesen habe, war HOPE sicherlich der Film, der mir von den Trailern am bekanntesten vorkam, und da verstehe ich, daß der quasi ein Headliner des Festivals ist – andererseits: Kommt der nicht eh schon im Oktober in die regulären Kinos?
Wieviel Abstand zum Release abseits von Festivals sollte da sein, daß man als Festivalbesucher einen Mehrwert hat?

Alex
10. September, 2026 13:29

10 Punkte für einen reinen "Action" Film mit depperten CGI Monstern und dem Wort "Klamauk" in der Review ? Ich bleibe skeptisch. Aber auch interessiert. Jemand nannte in einem Forum diesen Film gerade den "gleichzeitig besten und schlechtesten des diesjährigen Fantasyfilmfest". Aus irgendeinem Grund hatte ich schon so gut wie immer ein Problem mit den Abschlussfilmen, war sehr selten, das ich die wirklich mochte. Da war immer zu viel "Crowdpleaser" drin, also im Rahmen des FFF das, was man sonst als "Kommerz" bezeichnet.

Matts
24. September, 2026 10:35

Puh. Nach einmal drüber schlafen, bin ich immer noch unschlüssig. Das Positive: Die Action ist Bombe! Gerade in der ersten Hälfte, auch wenn es sich gegen Ende des Films etwas zieht. Die hakeligen CGI-Effekte waren für nicht mal das Problem (vielleicht auch, weil ich vom Wortvogel schon vorgewarnt war).
Das gößte Problem ist für mich wirklich, dass das hier kein kompletter Film ist. BLADES OF THE GUARDIANS war auch klar nur der Auftakt zu einer Saga, hat sich aber trotzdem in sich geschlossener angefühlt. HOPE hört einfach irgendwann auf und lässt den Zuschauer mit sehr vielen Fragen stehen.
Was mir auch etwas sauer aufgestossen ist: Die Körper der meisten Leuten reagieren ziemlich realistisch auf die Auswirkungen der unheimlichen Begegnungen, aber manche der Protagonisten können so viel einstecken, dass ich immer wieder mit dem Kopf geschüttelt habe.
Insgesamt war das ein launiger Raussschmeißer, der mich gut unterhalten hat – aber bei 10 von 10 würd ich nicht mitgehen…

Matts
24. September, 2026 18:37
Reply to  Torsten Dewi

Den neuen RESIDENT EVIL muss ich auf jeden Fall noch sehen. Der Kinostart ist ziemlich genau mit dem FFF hier in Nürnberg zusammengefallen.