Thema: Best of
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Es wird sich viel beschwert über die Bahn. Unpünktlich, kein Bordbistro, schmutzige Toiletten, kaputte Klimaanlagen. Mein Facebook-Feed ist voll von seufzenden, am Bahnsteig missgelaunt in ihr Handy tippenden Bekannten.
Mir ist das relativ wurscht. Ich fahre sehr selten Bahn. Und wenn ich Bahn fahre, ist die Bahn meist überraschend pünktlich, sauber und ungetümmelt. Um einen Blogbeitrag zu rechtfertigen, muss schon etwas wirklich, wirklich, WIRKLICH Bizarres passieren…
In diesem Sinne…
Es heißt ja oft, dass die meisten Konflikte auf Missverständnissen beruhen.
Zwei Menschen haben unterschiedliche Informationen, unterschiedliche Erwartungen, unterschiedliche Perspektiven…
UPDATES : Manchmal laufen Dinge perfekt zusammen – kaum hatte ich den Beitrag gestern online gestellt, zeigte mir Facebook vier weitere Beispiele in den "Erinnerungen" an. Diese habe ich nun pflichtschuldig nachgetragen.
Die Gattin und ich verbringen den lieben langen Tag miteinander. Wir unterhalten uns auch gerne. Die Tatsache, dass wir beide einer recht schneidigen Rhetorik mächtig sind, führt dabei immer wieder zu Loriot-esken Schlagabtauschen, die ich dann und wann auf Facebook wiedergebe.
Ein paar Highlights habe ich euch heute mal ausgegraben – nicht grundlos…
Ich spreche heute mal ein durchaus heikles Thema an. Es liegt mir schon lange auf dem Herzen, aber erst 2023 sind die meisten Beteiligten verstorben und es kann ans Licht, ohne einen Skandal (oder Enterbung) nach sich zu ziehen.
Kurz und unverblümt gesagt: Unsere Eltern waren notorisch promiske Fremdgänger ohne Skrupel oder Moral.
Wenn ihr jetzt denkt “waren sicher viele, meine aber nicht”: doch, eure auch.
Es sind die Wahrheiten, die man erst erfährt, wenn man mit den Eltern, den Tanten, den Onkels dieser Generation redet, nachdem sie längst verrentet sind und nichts zu verlieren haben…
Der Titel ist Clickbait. Fallt nicht darauf rein! Eigentlich müsste es heißen:
Dr. Wortvogel oder: Wie ich lernte, die Bombe zu schreiben Morgen geht meine Kritik zu einem neuen Kinofilm mit Liam Neeson online. Um den Beitrag nicht ausarten zu lassen, ziehe ich die damit verbundene Ausgabe von "Wortvogels kleiner Schule der Filmdramaturgie" etwas vor.
Die Bombe. Sie ist einer der potentesten Pfeile im Köcher des Drehbuchautors. Als plötzliche Explosion setzt sie den Plot in Gang oder beendet ihn, mit einem Timer erzeugt sie fast zwangsläufig Spannung…
Es hatte sich seit 1985 angekündigt – die 80er würden der Plastikbuntelectro-Attacke der 90er nicht ewig standhalten können. Obwohl ich gerne predige, dass sich die Kultur der Jahrzehnte nicht exakt an deren Jahren von 0 bis 9 festmachen lässt, so lässt sich schwer bestreiten, dass nach einem bereits schwer verdaulichen 1989 irgendwas kippte. 1990 ist – wenn man es im Spiegel der deutschen Single-Charts betrachtet – ein abgrundtief verachtenswertes Jahr:
Electro, Eurodance, mit den New Kids die erste Mega-Boygroup – und vor allem: recyceltes Altmaterial in Form von Rereleases, Coverversionen, Remixes und Samples…
Francis hat sich ein wenig mehr Zeit als üblich mit der neusten Compilation gelassen. Es sei ihm vergönnt. Hier war ja auch viel los.
Im Grunde genommen kann ich für 1989 alles wiederholen, was ich über 1988 geschrieben habe: viel gesichtsloser Radiopop, eine brutale Dominanz von Stock, Aitken & Waterman, ein tapferes Durchhalten von Pop-Größen der frühen 80er. Die Pet Shop Boys produzieren Hits für fast so viele andere Künstler wie Dieter Bohlen. Marianne Rosenberg singt deutsch und englisch. Weder Kool & The Gang noch Marillion können mit frischen Sängern punkten…
Das hier wird eine harte Nummer – mal wieder basierend auf einer Schnapsidee. Vor circa zwei Monaten spülte nämlich das wie gewohnt zuverlässige "targeted advertising" von Facebook diese Einladung in meinen Feed:
Und ich so: "Ja geil! Gottesdienst mit Zeichen & Wundern! Das ist fast so cool wie eine Bar mit Country & Western!"
Mir schwante gleich, worum es hier geht: prosperity gospel, die sicher unappetitlichste willentliche Fehlinterpretation der christlichen Leere. Um die Kurzfassung der Wikipedia zu zitieren:
"…die religiöse Auffassung, Wohlstand, vor allem Geldvermögen und geschäftlicher wie persönlicher Erfolg und Gesundheit, seien der sichtbare Beweis für Gottes Gunst…
Man möge zum vollen Genuss dieser Geschichte noch mal diesen Beitrag von 2016 lesen, in dem ich ein paar junge Damen vorgestellt habe, die ihren Traum von der Schriftstellerei dadurch erfüllten, dass sie bei etablierten Kollegen und Kolleginnen abschrieben. Einmal erwischt, wurde zerknirscht gebeichtet, was längst bekannt war, und nach einer Schamfrist kehrte man mit angeblich genuinen Eigenproduktionen in die offenen Arme der loyal-treudoofen Leserschaft zurück.
Ich dachte, solche Betrügereien seien ein kurzlebiges Phänomen einer sich noch in den Kinderschuhen befindlichen Branche. Nach kleineren und größeren Skandalen spricht sich schnell rum, dass man so etwas nicht machen kann, weil es fast zwangsläufig rauskommen muss…
1988 ist ein sehr ambivalentes Popjahr – man kann sehr viel mitsummen, oft sogar mitsingen, ohne es notwendigerweise gut finden zu müssen. Die grausame Modern Talking-Ära ist endlich vorbei, Italo-Disco wird durch die Hintertür aus dem Saal befördert, bewährte Bands wie Depeche Mode, INXS, Erasure und a-ha bleiben eine sichere Bank.
Kehrseite: viel gesichtsloser Radio-Pop, den man irgendwie kennt, ohne jemals die Namen der Interpreten gelernt zu haben. Nach dem Ende von Modern Talking hat Bohlen Zeit, sich selbst und ein halbes Dutzend anderer Sänger zu produzieren – gefühlt ist er noch präsenter als 1987…
Es ist soweit: der heilige Francis hat ein weiteres Mal alle Chart-Einträge der BRD gesammelt. Der Trend von 85 und 86 setzt sich fort – nach Jahren mutiger Experimente und neuer Sounds kommerzialisiert und amerikanisiert sich die Popmusik zum eingängigen Radiobrei. Große Gefühle, harte Kerle, freche Texte – kaum noch etwas fühlt sich authentisch an. Als hätte eine unheilige Chart-KI aus der Musik den kleinsten gemeinsamen Nenner extrapoliert und in eine Parade ähnlich klingender "Hits" verwandelt. Schweine-Rock. R&B, Kuschelrock-Balladen, Schlager – alles gesichtslos, seelenlos, entkernt…
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