26
Feb 2020

Streaming Kritik: SUPERMAN – RED SON

Themen: Film, TV & Presse |

USA 2020. Regie: Sam Liu. Sprecher: Jason Isaacs, Roger Craig Smith, Travis Willingham, Diedrich Bader, Amy Acker, Vanessa Marshall, Phil Morris u.a.

Story: In der Sowjetunion der 50er Jahre wächst ein Junge mit Superkräften auf und wird zum Symbol der Überlegenheit des Kommunismus. Doch der UDSSR-Superman bekommt Gewissensbisse, als er Gulags entdeckt, die Stalin vor ihm geheimgehalten hat. Er tötet den Diktator und wird zum Heilsbringer einer neuen Welt – was vor allem Lex Luthor nicht passt, der im wirtschaftlich verarmenden Amerika versucht, eine Waffe gegen den russischen Übermenschen zu finden. Doch die größte Gefahr kommt wie immer aus den eigenen Reihen…

Kritik: Ich hatte ja eigentlich gesagt, dass ich mit den DCAU-DVD-Releases abgeschlossen habe, weil sie seit Jahren keine tauglichen Trickfilme mehr hervor gebracht haben. Bei SUPERMAN – RED SON mache ich eine Ausnahme, weil ich das Comic toll fand und weil es dazu einiges zu sagen gibt.

Das dreiteilige Comic RED SON war als clevere Elseworld-Version ein großer Hit Anfang des Jahrtausends. Wenige Leute wissen, dass Mark Millar sich dafür von einer Episode der von mir verehrten TV-Serie SUPERBOY hatte inspirieren lassen, die 1990 in dem Zweiteiler "Roads not taken" einen Helden zeigte, der als vermeintlich gütiger Diktator die Welt unter seiner Knute hält. Er nennt sich nicht Superboy, sondern Sovereign:

Ausgehend davon entwickelte Millar die Story eines sowjetischen Superman, dessen Ziele durchaus ehrenhaft sind, der im Versuch der kollektiven Totalgerechtigkeit allerdings eine "sanfte Diktatur" erschafft und dadurch mit dem hyper-kapitalistischen Lex Luthor aneinander gerät. Die Story definiert dabei nicht nur den Superman-Mythos neu, sondern auch die Ursprünge und Entwicklungen von Batman, Green Lantern, Wonder Woman, etc.

2009 ließ DC den Band auch als Motion Comic veröffentlichen – eine Darbietungsform, die mal als trendy galt, sich aber nie wirklich durchgesetzt hat:

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Und nun ist, nach Jahren der Verzögerung, auch die voll animierte Variante draußen – und beim direkten Vergleich von Cover und tatsächlichem Chara-Design war ich eigentlich schon schon wieder raus:

DC gibt sich in Sachen Design und Framerate einfach keine Mühe mehr. Das ist und bleibt das Niveau von TV-Serien. Und das ist umso ärgerlicher, weil es sich lohnt, davon nicht abgeschreckt zu werden.

Ich greife meinem Urteil mal vor: ein Hammer. Und Sichel?

RED SON macht – im Rahmen seiner technischen Limitierungen – wirklich alles richtig. Pathos zuhauf mit großartigem orchestralem Score, exzellente Regie in ein paar knackigen Actionszenen, großartige Bildkompositionen mit teilweise künstlerischem Anspruch. Dazu packende Dialoge, echtes Drama und ein paar angemessen brutale Sequenzen, die den Zuschauer zusammen zucken lassen.

Vor allem aber. RED SON ist KEINE simple Adaption des Comics. Vieles, sehr vieles wurde aktualisiert, neu geordnet, angepasst und umgedeutet, damit der gesamte Plot in 85 Minuten passt, ohne zu platzen. Wer das Comic kennt und liebt, wird den Film gerade dafür lieben, dass er immer wieder Haken schlägt und den bekannten Weg verlässt. Der Mehrwert ist beträchtlich.

RED SON ist vollgepackt mit großen schockierenden Momenten, in denen die Figuren tun, was sie müssen – genau das, was wir als Zuschauer nicht ertragen können. Wir sehen Superman weinen, töten, leiden. Er ist ungeheuer ambivalent in seiner Moral und lässt bis zum Schluss die Frage unbeantwortet, ob der sowjetische Superman überhaupt ein Held sein kann – und ob Lex Luthor in einer Welt, die Superman nur als Diktator kennt, das Zeug zum Helden besitzt. Man verzichtet auf die zu erwartenden Love Storys – Wonder Woman ist hier klar lesbisch und Lois Lane nicht an Superman interessiert.

Abgesehen von vielleicht FLASHPOINT PARADOX, DARK KNIGHT und BATMAN VS. DRACULA ist RED SON sicherlich der erwachsenste, rundeste und in seiner Entschlossenheit gelungenste Film aus dem DC Animated Universe und ein weiterer Beweis, dass dieses Superhelden-Universum durchaus den Saft hat, die Massen zu begeistern, auch wenn die großen Kino-Abenteuer Enttäuschungen waren.

Fazit: Trotz der üblichen Schwächen in Sachen Chara-Design und Animation ein beeindruckend potentes, mit großem Pathos vollgestopftes Trick-Abenteuer der Oberklasse.

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Rudi Ratlos
Rudi Ratlos
27. Februar, 2020 11:59

Liest sich gut, aber ist der Vergleich Comic-Cover-Aussehen vs. Trickfilm-Aussehen nicht ein wenig gemein? Die Panels im Comic sehen ja auch weitaus simpler aus als das imposante Cover 😉

BigSammy
BigSammy
27. Februar, 2020 14:23

Mir fehlt das Ende… das WAHRE Ende, nämlich die (Zeit)Schleife bis zu Jor-(E)L… das war und ist der richtige Faustschlag tief in die Magengrube! Ansonsten ein sehr gutes Filmchen! 👍🏻