USA 2012. Regie: Jay Oliva. Sprecher: Peter Weller, Michael McKean, Wade Williams, Ariel Winter, David Selby, Gary Anthony Williams

Story: 10 Jahre lang war Bruce Wayne als Batman in Rente, hat sich die Zeit vertrieben und sich gelangweilt. Dann übersteigen die Übergriffe von Mutantengangs das erträgliche Maß und kurz vor der Pensionierung von Comissioner Gordon taucht der „Dark Knight“ wieder auf – alt, rostig, aber umso entschlossener, noch einmal auf den Straßen Gothams aufzuräumen. Dabei bekommt er unerwartete Hilfe in Form eines neuen „Robin“…

Kritik: „The Dark Knight Returns“ steht in praktisch jeder Liste der „best comics of all time“ ganz weit oben. Das habe ich nie ganz verstanden. Dass Millers Werk massiven Einfluss hatte, dass es die Superheldencomics aus der Pubertät brachte, dass es zum weltweiten Durchbruch des Graphic Novel-Prinzips beitrug – schon klar. Aber wichtig ist nicht gleich gut.

Okay okay, bevor ich mich hier in eine Sackgasse schreibe – „gut“ ist „The Dark Knight Returns“ natürlich. Aber es nicht sensationell, nicht bahnbrechend, nicht innovativ. Es ist nur eine verdammt spannende, rein hypothetische Fortschreibung des Batman-Mythos in die nähere Zukunft. Das ist seither so oft (und so oft besser) gemacht worden, dass es schwer fällt, den comichistorischen Wert von der tatsächlichen Qualität zu trennen. Im Gegensatz zu „The Watchmen“, „Death: the high cost of living“ und „Akira“ ist DKR nicht so gut gealtert. Die Narrative, die Themen, die Politics – alles Kinder ihrer Zeit. Von der total missglückten Fortsetzung rede ich gar nicht erst.

Und daran krankt auch die Verfilmung, deren erster Teil nun auf Scheibe erscheint und die seltsam aus der Zeit gefallen wirkt.

Ja, man hat sich bemüht. Die Hauptfiguren sind simplifizierte, aber klar zu erkennende Umsetzungen der Vorlage (anders z.B. als bei „Superman vs. The Elite“, wo man sich beim Chara-Design sehr viele Freiheiten nahm), diverse der kultigsten Comic-Panels werden sogar 1:1 in Bewegung versetzt. Die Action ist schmackig und hat Wucht, das Voice Acting ist weit über dem Durchschnitt der aktuellen DC-Adaptionen.

Aber schon ganz knapp unter der Oberfläche wird es heikel: Nebenfiguren sind nur sehr kümmerlich gezeichnet und animiert (das erinnert an die schwächeren DC-Trickserien), es gibt kostensparende CGI, die negativ ins Auge springt und die Mutanten als Gegner sind heute so albern wie damals. Weil der Film nur die erste Hälfte der „Dark Knight“-Saga abhandelt (Teil 2 wird 2013 veröffentlicht), fehlt ihm der wirkliche Höhepunkt, der Batman ebenbürtige Antagonist. Den Kampf gegen den strunzdummen Mutantenchef kann man kaum als Highlight gelten lassen.

Überhaupt – die Mutanten. Boah, was für ein Spackenhaufen. Und was wollen die überhaupt? Das generische „totale Anarchie“ mal wieder? Schnarch. Das mag in den Zeiten von „Mad Max“ noch gerade so hip gewesen sein, heutzutage wirkt es geradezu peinlich. Der Post-Punk-Look macht es nur noch schlimmer.

Das Hauptproblem bleibt allerdings die Story, die schlicht und ergreifend nicht mehr den „pull“ hat wie 1986. Batman (und nicht nur er) wurde mittlerweile so oft gebrochen, neu interpretiert und der jeweiligen Generation angepasst, dass diese Clint Eastwood-Version kaum noch Wellen macht. Und in der hier präsentierten vereinfachten Form gibt es nicht mal genug „eye candy“, um darüber hinweg zu täuschen. Die Macher scheinen das auch zu ahnen, denn sie achten sorgsam darauf, den Plot mit Onelinern, präzise getakteten Actionsequenzen und schicken Kompositionen auf Spur zu halten.

Vor 20 Jahren (vielleicht statt des enttäuschenden „Batman: Mask of Phantasm“) wäre dieser DKR sicher ein Knaller gewesen, weil es für so eine düstere und kid-untaugliche Adaption Mut gebraucht hätte. Aber zwei Generationen von Comic-Lesern später, post-Nolan, post-Bane, post-Elseworld ist der Sexappeal limitiert und wird nicht vollständig von Nostalgie aufgefangen. Ich fand „Batman vs. Dracula“ deutlich besser, kurioserweise auch „Batman: Year One“, „JLA: New Frontier“ ebenso. Selbst „Superman vs. The Elite“ hatte ein zeitgemäßeres Thema.

Aber die Enttäuschung, dass hier ein Kultcomic „nur“ adäquat adaptiert wurde und es halt ein paar Jahre zu spät kommt, sollte nicht darüber hinweg täuschen, dass die Macher ihren Job durchaus gut gemacht haben. Sie haben nur den „Kult“-Teil nicht in die Gegenwart retten können.

Fazit: Von schwankender technischer Qualität und an veraltetem 80er Jahre Storytelling leidende, aber dennoch recht packende Umsetzung des Kultcomics.

http://www.youtube.com/watch?v=5JMli3MopNs



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