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Feb 2020

Kino Kritik: ONWARD – KEINE HALBEN SACHEN

Themen: Film, TV & Presse |

USA 2020. Regie: Dan Scanlon. Sprecher: Tom Holland/ Christian Zeiger, Chris Pratt/ Leonhard Mahlich, Julia Louis-Dreyfus/ Annette Frier u.a.

Story: Ian ist ein Vorstadt-Elf in einer Welt, die ihre Magie für die Errungenschaften der modernen Technik weitgehend aufgegeben hat. Zu seinem 16. Geburtstag bekommt der schüchterne Junge aber die einmalige Chance, einen letzten Tag mit seinem früh verstorbenen Vater zu verbringen – WENN er die Magie und die Zutaten für den notwendigen Zauberspruch aufbringt. Zusammen mit seinem bulligen Bruder Barley macht er sich auf die Suche nach einem Juwel, das jenseits des Alltags aus Highschool und Autobahn darauf wartet, von mutigen Entdeckern gefunden zu werden…

Kritik: Es ist schwer, als Drehbuchautor PIXAR nicht zu hassen. Weil die es so verdammt einfach aussehen lassen, perfekte Geschichten zu erzählen, in denen jedes Rädchen ineinander greift. Die scheinbar mühelos Tragik und Komik, Pathos und Farce, Kitsch und Kunst kombinieren. Entertainment ohne jeden schlechten Nachgeschmack, süß, und doch nahrhaft, geeignet für wirklich alle Altersklassen. Ich sag’s ganz offen: Wer Filme wie UP nicht liebt, kann nicht mein Freund sein.

Und jedes Mal, jedes Mal härte ich mich vor den Screenings ab, denke "diesmal lasse ich mich von denen nicht so leicht einwickeln!". Und versage. Weil die Jungs und Mädels von Pixar es einfach drauf haben und weil "leicht" eben sehr schwer ist.

Nach diesem Maßstab ist ONWARD schon fast ermüdend, weil er nicht weniger ist als ein weiteres Highlight der Firmengeschichte und auch der Beweis, dass man Disney hassen kann, ihre Filme aber dann doch immer wieder lieben muss. Hätte ich Kinder, ich würde ihnen Filme wie ONWARD nicht nur zeigen – ich würde sie ihnen aufdrängen.

Die Geschichte habt ihr ja oben gelesen. Ziemlich aus dem Handbuch für dieserlei Produktionen. Aber es hat natürlich Charme, dass ONWARD die üblichen Storytelling-Tropes "the magic was inside you all along" und das Quest-Prinzip mal nicht sprichwörtlich, sondern buchstäblich umsetzt. Die Reise von Ian und Barley ist nicht WIE ein Quest, sie IST ein Quest. Und ja, die Magie steckte immer schon in Ian.

Das passt alles wie Arsch auf Eimer. Jeder Charakter ein Treffer, jeder Dialog eine Perle, kein Gramm Fett, keine Sekunde Langeweile. So geht’s. So und nicht anders.

Darüber hinaus hat ONWARD aber auch ein Thema, wie bei solchen Filmen selbstverständlich. Das Thema ist sehr intim und dreht auf emotionale 11: was macht Eltern zu Eltern? Genetik oder Präsenz? Welchen Wert weisen wir Menschen zu, die für uns da sind? Welche selbstverständliche Liebe übersehen wir vielleicht, weil wir einem Ideal von Liebe nachlaufen? Vor allem aber: rediscover your magic.

Ich gestehe, dass mich – mit einem früh verstorbenen Vater und einem älteren Bruder – der Film damit voll in die Magengrube trifft. Und ja, da werden dann auch mal die Augen feucht, wenn zwischen all den rasanten Actionszenen und gelungenen Gags plötzlich die sanfte Schlange Sentimentalität ihren Kopf erhebt. DAMN YOU, Pixar!

Ist der Film fehlerfrei? Okay, EINEN Patzer habe ich gefunden, eine Kleinigkeit, die ich aus schierer Gehässigkeit auf die Contra-Liste schreiben würde: für mich hätte es keinen Country Pop-Song zum Nachspann gebraucht (“Carried Me With You” von Brandi Carlile). Das war’s dann aber auch schon.

Und so ist ONWARD ein weiteres Juwel in der Krone von PIXAR, sicher einer der schönsten Filme des Kinojahres 2020, ein absolutes "must see" für Freunde von CGI-Animation, und obendrein die ganz große Tüte Zauberei.

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Fazit: Ein so witziger wie anrührender wie actionreicher Ausflug in eine schräge, schöne Welt – und ein weiterer Volltreffer für die Genies von Pixar.



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PabloD
PabloD
28. Februar, 2020 11:41

Zum Glück gehört Indiana Jones mittlerweile auch zu Disney, sonst hätte es wohl Plagiatsvorwürfe gegeben 🙂

Optisch natürlich wieder mal toll, könnte aber tatsächlich ein Schlag in die Magengrube werden. Bin mir noch unsicher, ob ich den wirklich sehen will.

Wortvogel
Wortvogel
28. Februar, 2020 12:15
Reply to  PabloD

Keine Sorge – der Tenor des Films ist durchgehend positiv. Und was Indiana Jones angeht: das ist klar als Hommage erkennbar.

Jake
Jake
28. Februar, 2020 11:47

Weil die Jungs von Pixar es einfach drauf haben

Ich bin wahrlich kein Gender-Nazi, aber irgendwie triggerte mich das beim drüberlesen. Bin ich schon so indoktriniert? Gruselig.

Wortvogel
Wortvogel
28. Februar, 2020 12:16
Reply to  Jake

Klar, ich hätte auch "die Jungs und Mädels" schreiben können. Mache ich jetzt sogar noch. Der Fairness halber.

Thomas G. Liesner
Thomas G. Liesner
28. Februar, 2020 16:41
Reply to  Jake

Zumindest alle mir bekannten Kreativen bei Pixar (aus Extras und was Credits als Regisseure und Autoren angeht) sind bislang männlichen Geschlechts, aber ich bin sicher, dass sie auch Frauen beschäftigen. Die Formulierung halte ich aber trotzdem für unproblematisch. Schliesslich redet man auch von "Frauenpower", wenn die Hintergrundarbeit zum Gutteil von Männern ausgeführt wird, sofern nach aussen primär die Frauen sichtbar sind.

Dietmar
28. Februar, 2020 22:09

Ich lasse meinem inner child gerne mal freien Lauf. Und jetzt, endlich, endlich, endlich bin ich mit meinem Qualifizierungsnachweis durch und kann endlich als normaler Arbeitnehmer Freizeit verwalten. 🙂

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos
2. März, 2020 11:38

Liest sich verdammt gut und der Trailer war schon recht sympathisch – wird geschaut!