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FWU Kurzfilme

Nächster Tag, guter Einstieg – wieder mal ein paar Schul-Lehrfilme. Die sind immer kurz, knackig und mit dem offenen Ende ganz anders gestaltet als die üblichen Festivalkracher. Diesmal bekamen wir einen bezaubernden englischen Zeichentrickfilm über einen Zahnarzt zu sehen, der an seinem Geburtstag einfach die Schnauze voll hat von seinem Spießerleben. Dazu eine Episode des Maulwurfs aus der „Sendung mit der Maus“. Und eine Folge der Science Fiction-„Serie“ „Raumschiff Terra 12“ mit Robert Atzorn, die niemand je zum „deutschen Star Trek“ erklären wird.

Attraktion des Programms war aber der Kurzfilm „Achterbahn der Gefühle“ über die Irrungen und Wirrungen der Pubertät. Tatsächlich werden da viele Erinnerungen wach an bemühte Schieber auf Kellerpartys, unbeantwortete „willst du mit mir gehen?“-Zettelchen und das generelle Gefühl, nicht geliebt zu werden. Die anwesenden Herren verguckten sich spontan in die sehr süße „Heldin“ mit der Fönfrisur:

Ehrensache, dass hinterher recherchiert wurde: Jessica Boehrs hat es tatsächlich (leider in blond) zu einer gefragten Seriendarstellerin gebracht.


Demon Wind

Den FWU-Kurzfilmen folgte ein echter Schnarcher – ich habe „Demon Wind“ irgendwann in den frühen 90ern auf VHS gesehen und wusste noch, dass es sich dabei um einen echten Stinker handelt. Hier wird kackfrech versucht, bei „Tanz der Teufel“ auf dem Trittbrett mitzufahren – eine Tatsache, die durch den deutschen Verleihtitel „Tanz der Dämonen“ noch verstärkt wird. Leider haben die Macher weder das Talent noch die technischen Möglichkeiten von Sam Raimi und so ist die Geschichte einer Handvoll unsäglicher Spacken, die in einer verlassenen Hütte von schleimgesichtigen Kreaturen verhackstückt werden, primär ein zähes Kino-Kaugummi, das die Geduld strapaziert.

Ich kann nach 30 Jahren konstatieren, dass der Film keinen Deut besser geworden ist und die Verbrennung des Negativs keinen Verlust darstellen würde.


Stunts

„Stunts“ ist ein Frühwerk des Regisseurs von „Die Klasse von 1984“ und „Phantom Kommando“. Zuschauer, die einen stuntgeladenen Actionreißer erwarteten, wurden allerdings enttäuscht: „Stunts“ geht eher halb-dokumentarisch zu Werk, erzählt distanziert die Probleme der Stunt-Crew bei einem ungenannten Action-Film und drückt die eigentliche Story von der Mordserie so weit in den Hintergrund, dass sie mitunter nicht einmal als roter Faden dient. Das stieß vielen Besuchern auf, ich selbst fand es aber faszinierend und fesselnd.

Zwei weitere Punkte hoben „Stunts“ aus dem Festival-Alltag heraus. Zuerst einmal lag der Film in einer DDR-Synchro vor, die teilweise sehr unsicher war, was nun wie übersetzt gehört und die direkten Szenen am Filmset gleich ganz in englisch beließ. Das Wort „stunts“ wurde notorisch als „stenz“ ausgesprochen. Heiterkeit.

Und schließlich spielten sehr viele Szenen im Madonna Inn Hotel in San Luis Obispo – wo ich im Jahr 2003 meinen 35. Geburtstag gefeiert habe!


Sie nannten ihn Jeeg Robot

Ich fühle mich an die Sesamstraße erinnert: „Was von diesen Dingen passt nicht hierher?“

  • „Das Schiff der gefangenen Frauen“
  • „Ein Monstertruck auf Gangsterjagd“
  • „Betthupferl in Oberbayern“
  • „Sie nannten ihn Jeeg Robot“

„Jeeg Robot“ ist auf dem Festival fehlplatziert, einfach weil es ein ernster, guter Film ist, der sich weder darstellerisch noch technisch etwas zuschulden kommen lässt. Über den kann man nicht lästern, nicht lachen, ihn nicht verbal mit Popcorn bewerfen.

Kein Wunder, dass ich zur FFF-Aufführung vor drei Jahren geschrieben hatte:

„Allein gegen die Mafia“ meets „Unbreakable“ im Schatten einer zarten, aber schwierigen Liebesgeschichte. Neben „We are the Flesh“ und „Swiss Army Man“ der sicher beste Beweis, dass das phantastische Genre trotz aller Zombie-Invasionen und Spukhäuser noch lange nicht auserzählt ist.“

Und tatsächlich war der Tenor des Publikums am nächsten Tag: gut, aber falsch.

 



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Der Vollständigkeit halber: Am Samstag lief noch „Voyage of the Rock Aliens“ in der Wiederholung. Das Review von 2014 findet man hier