16
Apr. 2026

Kino Kritik: LEE CRONIN’S THE MUMMY

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

USA 2026. Regie: Lee Cronin . Darsteller: Jack Reynor, Laia Costa, May Calamawy, Natalie Grace, Veronica Falcón, Billie Roy u.a.

Offizielle Synopsis: Die junge Tochter eines Journalisten verschwindet spurlos in der Wüste. Die zerrüttete Familie ist fassungslos, als das Mädchen acht Jahre später plötzlich wieder bei ihnen auftaucht. Doch was eigentlich ein freudiges Wiedersehen sein sollte, verwandelt sich schnell in einen wahren Albtraum.

Kritik: Ich weiß nicht, wie viele Versuche ich in meinem Leben erlebt (bzw. erlitten) habe, die alten Universal-Monster zu reanimieren: Dracula, Frankenstein, Werwolf, Mumie, der Unsichtbare, nach bestimmten Definitionen auch der Dr. Jekyll & Mister Hyde, der Fischmensch und das Phantom der Oper. Mal als Blockbuster, mal als DVD-Franchise, mal als "Dark Universe" im Stil des MCU. 

Ich erinnere an dieser Stelle an diverse Titel, the good, the bad, and the ugly: Coppola’s DRACULA, Branaghs FRANKENSTEIN, WOLF mit Jack Nicholson, die MUMMY-Filme mit Brendan Fraser, VAN HELSING, THE WOLFMAN, I – FRANKENSTEIN, THE MUMMY mit Tom Cruise, THE INVISIBLE MAN, BRIDE!

In den 90ern gab es sogar schon die Crossover als Fernseh-Miniserie:

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Das Problem bleibt letztlich gleich und kaum zu kaschieren: Bei Universal sind die Monster die Zugpferde und damit schwer als Protagonisten zu etablieren. Es ähnelt dem Versuch von Sony, ein paar minder relevante Gegner von Spider-Man zu Anti-Helden umzustylen, um aus ihnen gewaltsam eine Franchise zu dengeln: VENOM, MORBIUS, MADAME WEB, KRAVEN.

Es ist vergebliche Liebesmüh', aber es hat auch niemand was davon, die Figuren brach liegen zu lassen, die seit den 30er Jahren einen maximalen Wiedererkennungswert haben. Ich bewundere auch den Mut, die Lizenzen an Blumhouse abzugeben, wo man weiß, wie mit überschaubarem Aufwand solide Renditen eingespielt und Horror-Figuren zu Marken aufgebaut werden. In diesem Rahmen gibt man den Machern auch deutlich mehr Raum, die Titel neu zu interpretieren und sich nur im weitesten Sinne an den Vorlagen zu orientieren.

THE MUMMY hat man nun Lee Cronin zugeschustert, der primär mit seinem Reboot der EVIL DEAD-Reihe aufgefallen ist. Ich weiß, ich mute euch jetzt noch mehr Background zu, aber es macht wirklich Sinn, dass wir noch einmal meine Kritik zu EVIL DEAD: RISE Revue passieren lassen:

Und so ist EVIL DEAD RISE immer noch Geschrei und Blutfontäne, Hysterie und Hektik mit Oldschool-Effekten und einer atemlosen Dramaturgie, die einer echten Story ebenso wenig Platz lässt wie Fragen nach der Plausibilität des Geschehens.

Genau diese Merkmale "zeichnen" THE MUMMY ebenfalls aus.

Soll ich mich über darüber echauffieren, dass die Männer hier alle Versager oder Verräter sind und unsere Empathie fast ausschließlich den Frauen gilt? Geschenkt, weil es funktioniert und auch mal Zeit wird. Soll ich die etwas unwirklich Parallelwelt des Apartmenthauses als "nicht realistisch" abkanzeln? Quatsch, das Setting ist nichts weiter als eine alternative Variante des "haunted house".

Auch das ist deckungsgleich – die Männer sind bestenfalls Beiwerk und das Haus als Setting ist in einem Maße albern auf "unheimlich" getrimmt, dass man zeitweise anfängt zu kichern.

Anzumerken bleibt allenfalls, dass ich bei aller Zufriedenheit mit dem Film nicht mehr die kindliche Freude aufbringen kann, die mich selbst beim albernen und mit der Franchise fremdelnden ARMY OF DARKNESS noch mitgerissen hat. 40 Jahre Kettensägen in Dämonenschädeln stumpfen halt doch ein bisschen ab.

Das. Genau DAS! Ich ertappte mich bei THE MUMMY ständig dabei, genau die Sachen zu denken, über die ich mich als Teenager immer lustig gemacht habe:

"Das ist kein Horror, das ist nur noch eklig."

"So etwas sollte man den Zuschauern nicht zumuten."

"Ist der Regisseur noch ganz dicht?"

Denn siehe, THE MUMMY ist noch mal eine ganze Ecke extremer als EVIL DEAD: RISE, weil er jeden Humor, jede Eleganz, und jede Differenzierung vermissen lässt. Er kaut einen Mix aus EXORCIST- und EVIL DEAD-Standards freudlos und mit der einzigen Absicht durch, die Grenzen des aktuell kommerziell Tragbaren auszutesten – und schießt dabei weit über das Ziel hinaus.

Das ist durchaus erkennbar gewollt. THE MUMMY ist kein "Unfall" und kein "Versehen". Ich bin sicher, Cronin und Blumhouse haben genau den Film bekommen, den sie geplant hatten. Die völlige Verachtung von Storytelling und Publikum entspringen offensichtlich dem Drang, eierschaukelnd eine neue Messlatte zu setzen.

THE MUMMY ist kein Horrorfilm, er existiert nur als überreizter "Schocker" ohne Sinn und Verstand. Wir wissen von Anfang an, was passiert – und lassen uns dann zwei Stunden lang mit Splatter, Ekel und einer schmatzenden, kratzenden Tonspur traktieren. Was ist daran noch Entertainment?!

Ich stehe mit meiner Meinung in diesem Fall übrigens wahrlich nicht allein – die FSK hat den Film nicht nur erst ab 18 freigegeben, sondern ihn auch noch mit einem eher seltenen Feiertagsverbot belegt.

Fazit: Effektiv und extrem eklig, total zynisch und menschenverachtend. Ich sage das selten, aber das ist ein zutiefst gemeiner Film, der sein Publikum genauso skrupellos quält wie seine Figuren. Wenn DAS der "neue" Horror ist, bin ich raus.

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jimmy1138
16. April, 2026 10:25

Woran hat Universal eigentlich tatsächlich die Rechte? Die meisten Figuren basieren ja auf relativ alten literarischen Werken, es gibt z.B. zuhauf Dracula- und Frankenstein-Verfilmungen ohne Universal. Selbst der originale Mumien-Film von 1932 ist (zumindest lt. Internetrecherche) mittlerweile im public domain. The Wolf Man dürfte dagegen recht gut abgesichert sein.

Alexander Freickmann
17. April, 2026 16:44
Reply to  Torsten Dewi

Damit sollte dann aber auch nächstes Jahr Schluss sein. Dann laufen die 1931 Universals in Public Domain

Marcus
16. April, 2026 11:54

Ich bin gespannt. Der Trailer sah ja schon mehr nach "Exorzismus-Film mit Alibi-Sarkophag" aus als nach Mumie. Und die Laufzeit hat mich auch die Augenbrauen hochziehen lassen. 134 Minuten? Im Horror, und gerade bei Splatterfilmen, liegt ja meistens eher in der Kürze die Würze.

heino
16. April, 2026 12:44

Mit Blumhouse-Filmen kann man mich jagen. Die sind so dermaßen auf den kleinsten gemeinsamen Nenner hin produziert, da verschwende ich Zeit und Geld nicht mehr drauf

Marcus
16. April, 2026 12:52
Reply to  heino

Mir fiel am Trailer schon auf, dass sich der so gar nicht nach Blumhouse anfühlt. Die machen doch meist eher Horror, wo man die nicht genreaffine Freundin mit reinnehmen kann. Das hier wirkt schon deutlich fieser. Ob zu fies, werde ich noch herausfinden.

Magineer
16. April, 2026 20:14
Reply to  heino

Willkommen in Hollywood. Der kleinste gemeinsame Nenner ist dort sicher nicht das Schimpfwort, was du darin siehst 😉

heino
17. April, 2026 06:33
Reply to  Magineer

Ist mir klar, macht es aber auch nicht besser;-)

Mencken
17. April, 2026 08:42

Das hätte ich jetzt nicht erwartet. Den Ansatz kann ich grundsätzlich nachvollziehen, aber ausgerechnet bei diesem Stoff?

heino
17. April, 2026 10:15

Interessanterweise hat der geschätzte David Hain eine völlig andere Meinung:

Mit diesem Banger hätte ich NIE gerechnet – Lee Cronins Die Mumie Filmkritik

Da ich aber weder Blumhouse noch Evil Dead Rise allzu viel abgewinnen kann, werde ich mir den Streifen trotzdem nicht ansehen

Marcus
20. April, 2026 23:36

So, nun auch gesehen. Meine Antwort auf den Vogel ist hier Vicki Pollard: nein, aber ja, aber nein…

Ein sehr intensiver, sehr effizienter Schocker, gut gespielt, handwerklich sehr beeindruckend und in seinem engen Rahmen (Mumie = Evil Dead Walks Like An Egyptian) auch durchaus clever.

Aber dennoch, ich kann die Bedenken des Hausherrn absolut nachvollziehen. Auch wenn der Film sich auch beim Aufbau einer gewissen Atmosphäre nicht ganz ungeschickt anstellt, so fokussiert er sich trotzdem sehr stark auf das Schwingen der groben Kelle aus Gore und Ekligkeiten, bis sogar ein eher hartgesottener Horrorveteran wie ich sich öfter mal im Kinosessel windet.

Das schiere Ausmaß an Härte sorgt dann doch für eine unangenehme Seherfahrung, und ich kann mir trotz aller unbestreitbaren Stärken auch nicht vorstellen, dass ich den irgendwann noch einmal sehen will: was los ist und worauf es hinausläuft, weiß ich jetzt; und wenn man das weiß, ist es beim zweiten Durchgang wahrscheinlich gar nicht mehr so arg spannend, sondern nur noch ein Ausdauertest, wie viele Unappetitlichkeiten man sehen will. Und warum sollte man? Gibt genug andere Filme, die spannender, atmosphärischer und ja, auch unheimlicher sind, ohne einem dabei derart penetrant auf den Magen schlagen zu wollen.

Jürgen
22. April, 2026 19:27

Der Film wurde jetzt übrigens auf ab 16 jahren runtergestuft, und mit Feiertagsfrei gekennzeichnet.
https://www.spio-fsk.de/asp/fskkarte.asp?pvid=9528318