Zurück aus dem Weltall

Letzter Tag, neues Glück. Schwarzweiß-Filme hatten wir noch nicht, also her damit. Und „Zurück aus dem Weltall“ stellte sich als GANZ obskure Nummer heraus – ein deutscher Heimatfilm mit SF-Rahmengeschichte, präsentiert in der englisch synchronisierten US-TV-Fassung, die vermutlich noch ein wenig Footage von Raketen und Wissenschaftlern dazu gemischt hat.

Lasst euch nicht täuschen: hier warten weder der Trip zum Mond noch die Begegnung mit Aliens. „Zurück aus dem All“ nutzt den Testflug des Hundes „Wolf“ dazu, um die Liebesgeschichte eines Tierarztes und einer Lappländerin zu erzählen. Am Schluss bringt die gelandete Rakete mit dem Hund beide glücklich zusammen.

Das ist nicht gut. Das ist auch keine Science Fiction. Und optisch sieht der Film so kümmerlich aus, als wäre er nicht in den 50ern, sondern in den 30ern entstanden. Aber gerade das macht den Reiz aus – das ist so erfrischend banane, so völlig unberechenbar. Außerdem kann man sich nicht beschweren, dass nicht permanent was passiert. Langeweile macht sich nicht breit.

Es sind genau diese bizarren Genre-Mixes, wegen derer ich zum Festival fahre.


Betthupferl in Oberbayern

Von jugendfrei zu Jugendfreigabe – über „Die Jungfrauen von Bumshausen“ aka „Betthupferl in Oberbayern“ hatte ich gestern bereits geschrieben.

Es ist kein schlechter Softsex-Film, auch wenn sich die „Funktion“ des Softsex-Films in Zeiten von YouPorn und PornHub kaum noch erschließt: das törnt nicht an und ist dank der nackten Weiberei auch nicht als Familienprogramm geeignet. Eine ausgestorbene Filmgattung einer Übergangszeit, ein Relikt des maximalen Risikos, das vor der Legalisierung der Pornographie in Deutschland eingegangen werden konnte. Und damit als Kuriosum durchaus interessant und mit hübschen Frauen bevölkert, inklusive Maria Bruckerhoff, die es 1964 sogar mal aufs Cover des amerikanischen Playboy brachte:


Das Schiff der gefangenen Frauen

Vom Softsex ist es ist nur ein kleiner Schritt zum Schmieren-Reißer – und mit „Das Schiff der gefangenen Frauen“ konnte das Festival mit einer echten Trash-Granate aus dem Fremdschäm-Segment punkten.

Mal abgesehen davon, dass der Film einen beträchtlichen Teil seiner Laufzeit damit verbringt, sexuelle Gewalt potthässlicher Männer gegen leidlich attraktive Frauen auszukosten, haben wir es auch noch mit einer Mogelpackung zu tun, für die sich nicht mal Tomas Tang hergegeben hätte: mühsam wird hier Footage eines schrabbeligen James Bond-Abklatsches namens „​Agente Sigma 3 – Missione Goldwather“ untergemischt, was ebenso auffällig wie peinlich ist. Weiteren Szenen mit dem Agenten „Charles Butler“ kann man dann ein weiteres Mal in dem noch später gedrehten „Die Oase der gefangenen Frauen“ begegnen.

Auch hier gilt: Nach keinem objektiven Maßstab gut, aber in seiner Kackfrechheit bei gleichzeitiger Inkompetenz im Kreise Gleichgesinnter absolut goutierbar.


Space Mutiny

Ich gestehe: „Space Mutiny“ habe ich dann ausgelassen. Ich hatte die Wahl, entweder um 2 Uhr nachts oder um 4.30 Uhr morgens wieder in Baden-Baden zu sein, und da ich den Film bereits mehrfach gesehen habe, wünschte ich dem verbliebenen Publikum viel Spaß und machte mich vom Acker.

Wer von dieser Legende des leicht konsumierbaren Fun-Trashs noch nie gehört hat, der gehört eigentlich nicht auf diesen Blog und soll sich weg scheren. „Space Mutiny“ ist „komedy gold“, ein räudiger südafrikanischer Kino-Klumpen, minimal aufgewertet von eingekaufter „Kampfstern Galactica“-Footage und einer Performance von Reb Brown, die vermutlich eine Rinderhälfte aus dem Schlachthof glaubwürdiger hinbekommen hätte. Es ist nur folgerichtig, dass ich euch hier weder den Trailer noch den ganzen Film, sondern ein „best of“ der Gags aus „Mystery Science Theater 3000“ präsentiere:

Und das war’s dann auch. Vier Tage, die drei hätten sein können, mit Fehlern und Ausfällen, die bei anderen Festivals zur Rückforderung des Eintrittgelds geführt hätte. Wirklich alles, was schiefgehen konnte, ging schief: bei „Monstertruck auf Gangsterjagd“ fehlte eine Rolle, bei „Kalimán“ stockten die Untertitel, „Super Ninja“ war in der Bildqualität nicht statthaft und immer wieder fehlten Stimmzettel für den Publikumspreis. Vermeidbarer Ärger, den man in so einem Kontext hin nimmt, den man sich aber trotzdem nicht wünscht. Darum geht auch die Bitte an den Veranstalter, nächstes Jahr ein wenig professioneller zu agieren, sich die gelieferten Filme vorab auch mal anzusehen und das Programm ein wenig besser zu streamlinen. Wir wollen an den Filmen leiden, nicht am Festival.

Auf diese Rasselbande freue ich mich allerdings auch 2020 wieder:



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