Voyage_of_the_Rock_Aliens_German_DVDSo, mit etwas Verspätung komme ich doch noch zur Würdigung des finalen Films und zum abschließenden Kommentar.

Mit „Voyage of the Rock Aliens“ hatte sich Doc Acula einen Abschlussfilm ausgesucht, zu dem man ihm vorwerfen kann, kein Risiko eingehen zu wollen – dieser Bastard der MTV-Ära ist ein garantierter Crowdpleaser, eine perverse Mischung aus „Grease“ und „Class of Nuke ‚Em High“ minus Talent und Respekt vor dem Publikum. Ein eiskalt kalkuliertes Vanity-Projekt für eine mäßig begabte und mäßig aussehende Millionärsgattin, die eine Saison in den 80ern Star spielen durfte.

„Voyage of the Rock Aliens“ ist „the stuff of legends“, in einem seltsam schwulen Kaugummiuniversum angesiedelt und gänzlich unbelastet von sympathischen Charakteren oder so etwas wie einer nachvollziehbaren Story. Strunzdumme Aliens kommen auf die Erde, eine Ische verguckt sich in einen E.T., verlässt ihren Macker, kehrt zurück zum Macker, Happy End. Weil das ungefähr zehn Minuten Laufzeit trägt, wird der Rest mit vergessenswertem California-Pop aufgefüllt sowie ein paar Subplots, die sich nicht mal die Mühe machen, irgendeinen Abschluss zu finden.

Hier machen sich wirklich ALLE Beteiligten zum Affen – besonders schlimm erwischt es aber Craig Sheffer, einen eigentlich brauchbaren Schauspieler, der sich als Pinup-Boy im Stile der 80er-Romantik-Poster verkaufen lassen muss (ihr wisst schon – die mit den schmutzigen Typen in zerrissenen Jeans, die oben ohne LKW-Reifen schleppen). Seine Solo-Nummer dürfte auch 2014 noch für Heiterkeit oder schlimme Scham im Hause Sheffer sorgen:

Aber damit sind die Macher noch nicht durch mit der Demütigung – zum Einstieg in den Film wird das Musikvideo von „When the rain begins to fall“ gezeigt, in dem Jermaine Jackson mit Pia Zadora singt. Zum Nachspann muss Craig Sheffer mit dem gleichen Song ran – zum gleichen Playback. Und es ist peinlich offensichtlich, dass man sich nicht die Mühe machen wollte, ihn eine eigene Fassung einsingen zu lassen.

Kurzum: Eine Zeitreise „Worst of the 80’s“, deren Trashwert jede Skala sprengt, der aber letztlich zu kalkuliert daher kommt. Ein aalglattes Kommerzprodukt, dem mehr Versagen aus Inkompetenz und weniger Versagen aus Leckmichmentalität gut getan hätte.

Das war’s dann auch schon wieder. 2014 durch – in anderen Städten geht es demnächst (mit leicht angepasstem Programm) weiter. Und 2015 ist natürlich bereits in Planung.

Was bleibt? Viele sehr unterhaltsame Stunden mit sehr unterhaltsamen Menschen, die ich von Jahr zu Jahr mehr ins Herz schließe. Diesmal waren es ungefähr ein Dutzend Veteranen des Festivals, die sich auch zwischen den Filmen schwadronierend austauschten. Comicfreak kam mit Simone erstmals auch dazu – direkt vom Bestatterblog-Treffen in Forchheim. Das nenne ich mal „best of the web“.

Die Filmauswahl war mal wieder 1a – wenngleich einige Filme die hohen Erwartungen teilweise nicht erfüllen konnten. „Manos“ ist halt doch langweilig wie ein Meter Feldweg und Filme wie „Der große Krieg der Planeten“ eher Kinderstunde. Müsste ich einen Preis verleihen, ginge er an „The Room“ – aber das war zu erwarten. Besonderes Lob gibt es für die Beschaffung obskurer Perlen wie „Der Perser und die Schwedin“ und „Das Geheimnis der vier Geisterreiter“.

Wie in den Vorjahren gilt: Auf langweilige Kurzfilme kann künftig zugunsten schräger Trailer-Compilations gerne verzichtet werden. Ran an den Speck, rauf auf die Rolle.

Weil ich finde, dass ich zu wenig Gehör finde, starte ich dieser Tage mal eine offene Diskussionsrunde mit Wunschfilmen für das nächste Jahr.

2015 bin ich wieder sowas von mit dabei!



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simop
simop

Aua, mit dem Song hast du dir aber wirklich das „Highlight“ des Filmes ausgesucht… Uhhh…. 😀

Aber kleine Korrektur … wir landeten in Forchheim, weil da zweimal das Bestatterweblogtreffen war, Andi Bigal (der ja auch mit uns da war) und ich damit den Gasthof samt Wirt kannten – und der Wirt ja auch intensiv auf unserer (also auch comicfreaks) FB-Timeline vertreten ist… Also ein zeitlich verzögertes „best of the web“. Aber immerhin! 😀

Ach ja: Zitat der Jungs vor uns, als comicfreak und ich meinten, wir würden uns ja fast schämen, dass so was zu unserer Jugendzeit entstanden sei: „Das heißt also, IHR hättet so was verhindern können!?“ 😀

Dr. Acula

Muss dich aber auch noch korrigieren… das Zadora/Sheffer-Duett hat in der Tat ein eigenes Playback, das von Mark Spiro, seines Zeichens Jack Whites Textfuzzi, beträllert wird 🙂

Peroy
Peroy

Der Scheffer durfte in „Fire on the Amazon“ ja auch mal an Sandra Bullock rumgrabbeln…

Wortvogel
Wortvogel

@ Acula: Laut Nachspann nicht – das ist die Version von Jackson/Zadora. Viel erschütternder ist aber die Info, dass Sheffer nicht mal „Nature of the Beast“ selber singt. DAS wiederum ist Michael Bradley.

@ Simop: Okay, dann ist das ja auch geklärt.

comicfreak

„@ Simop: Okay, dann ist das ja auch geklärt.“

..das soll NICHT bedeuten, wir hätten den Film verhindern können!!

😀

simop
simop

😀 Also ich habe ihn damals zumindest ignoriert…
Ich gebe zu, ich wusste zwar, dass sie mal irgendwann was von ihrem Goldesel in dieser Richtung finanziert bekam – mehr aber auch nicht… 😀

Und wie wir jetzt wissen – habe ich damals auch nichts versäumt…

Mieze
Mieze

Hachja, danke für das Musikvideo. Fast so schön wie „Holding out for a hero“ mit den Leuchtepeitschen^^

Wortvogel
Wortvogel

@ Mieze: Vooooorsicht! Versündige dich nicht am heiligen Steinman!

DMJ

Craig Sheffer?!? Ich hoffe, man hat den Doc vor Ort darauf hingewiesen, dass der mal Sandra Bullock begrabbeln konnte?