Blood Fest

USA 2018. Regie: Owen Egerton. Darsteller: Robbie Kay, Seychelle Gabriel, Jacob Batalon, Barbara Dunkelman, Nick Rutherford, Tate Donovan, Zachary Levi

Offizielle Synopsis: Willkommen bei Blood Fest! Alle Geeks ebern dem größten Horror-Event entgegen, das es je gegeben hat! Areale wie Vamp Camp, Clowntown oder Torture Ville erwarten die zahlungsfreudigen Gäste und ihre Euphorie ist grenzenlos. Bis sie feststellen: Die degenerierten Axtmörder, maskierten Kettensägenschwinger und gehirnhungrigen Zombies sind gar keine Schauspieler! Und nur wer die Regeln des Genres verinnerlicht hat, hat eine Chance zu überleben.

Kritik: Zum Start gleich ein Film, der eigentlich in den Mitternachts-Slot gehört hätte. „Blood Fest“ ist eine dieser Meta-Komödien, in der sich alle Beteiligten irgendwie klar sind, dass sie Pappcharaktere in einem Horrorfilm darstellen und die ständig andere Filme referenzieren und von den Regeln des Genres quasseln, als hätte „Scream“ das nicht vor 20 Jahren schon ausreichend erledigt.

Nun hatte ich von Owen Egerton nach dem eitlen Quatsch „Follow“ wahrlich nix erwartet – aber er schafft es, das noch zu unterbieten. Er ist wieder mal der größte Malus seines Films, die offensichtlichste Schwachstelle. Während sich Cast & Crew sichtlich mühen, launiges Popcorn zu produzieren, torpediert Egerton jede Kompetenz mit einer wirklich ekelhaft herablassenden Attitüde – alles, was hier eierschaukelnd als Meta-Kommentar zum Horror-Genre präsentiert wird, ist abgenudeltes Trivialwissen. Die Handlung macht schon nach fünf Minuten keinen Sinn mehr, sämtliche Figuren verhalten sich nicht nur dumm, sondern im Rahmen ihrer Attribute auch falsch. Eine größere Sackladung an Logik- und Kontinuitätsfehlern habe ich lange nicht mehr gesehen. Das Versprechen, die diversen Subgenres über die einzelnen Installationen auf dem „Blood Fest“-Gelände zu repräsentieren und dann zu parodieren, wird an keiner Stelle eingelöst. Egerton schwingt sich zum Parodisten eines Genres auf, dessen Spielregeln er sich offensichtlich aus ein paar zerfledderten Fangorias angelesen hat.

So bleibt ein Film, der nicht wegen, sondern trotz seines Machers den Arsch gerade so über das Mindestmaß hieven kann, weil er durch Splatter, Tempo und Darsteller die Laufzeit unterhaltsam rumbringt – solange man nicht drüber nachdenkt. Die vorherige Einnahme von Alkohol und/oder bewusstseinserweiternder Drogen ist angeraten.

Fazit: Comic-Splatterfarce, die den Goodwill rasanter Action und spielfreudiger Darsteller fast komplett durch ein beschissenes Drehbuch verspielt, das vor Arroganz und permanenter Augenzwinkerei strotzt, ohne diese durch Kompetenz unterfüttern zu können. 5 von 10 Punkten.

Keepers

England 2018. Regie: Kristoffer Nyholm. Darsteller: Gerard Butler, Peter Mullan, Connor Swindells, Gary Lewis, Ólafur Darri Ólafsson

Offizielle Synopsis: Um die abgelegenen Flannan Isles vor der schottischen Küste rankt sich seit 1900 ein dunkles Geheimnis, über das bis heute spekuliert wird. Damals verschwanden drei Leuchtturmwärter spurlos – und dass, obwohl weder ein Sturm noch sonstige Ungewöhnlichkeiten verzeichnet wurden. Als Thomas, James und Donald auf der unbewohnten Insel ankommen, auf der sie die nächsten Monate in totaler Isolation verbringen sollen, richten sie sich sofort ein in ihre triste Alltagsroutine. Doch dann passiert etwas Unvorgesehenes, etwas, was die Männer völlig aus der Bahn wirft.

Kritik: Vom Regen in die Traufe – ist „Blood Fest“ noch hochoktanes, krachiges Deppenkino, dreht „Keepers“ in die gegenteilige Richtung ab. Der Film möchte authentisch sein, dokumentarisch fast. Wir begleiten die drei Leuchtturmwärter, lernen ihre persönlichen Konflikte kennen, teilen die unendliche Einsamkeit und Ödnis auf der Insel. Als etwas passiert, reagieren sie falsch – und setzen eine Kettenreaktion mit fürchterlichen Folgen in Gang, aus der sie keinen Ausweg mehr finden.

Um es mit Hape Kerkeling zu sagen: Das ist sehr lang und weilig. „Keepers“ ist ein Film für Leute, die gerne zwei Stunden lang Nahaufnahmen faltiger und unrasierter Männergesichter sehen. Man muss sich auf die schweren schottischen Akzente und den behäbigen Rhythmus einlassen, um dann umso stärker von den wirklich potenten Schreckmomenten heraus gerissen zu werden. Regisseur Nyholm weiß, wie Suspense geht – und wie man seine Figuren zum Abgrund führt.

Aber letztlich ist das nicht halb so durchgehend spannend wie der letztjährige Leuchtturm-Beitrag „Cold Skin“ und am Ende ist diese „true story“ eine verfilmte Vermutung ohne wirkliche Berechtigung. Klar, das könnte so gewesen sein – oder auch anders. Nichts genaues weiß man nicht.

Fazit: Karges Männerdrama über Schuld und Sühne, das zwischen intensiven Momenten und langen Strecken müder Lethargie pendelt. Muss man abkönnen. Von mir aber dennoch 6 von 10 Punkten.

Burning

Südkorea 2018. Regie: Lee Chang-dong. Darsteller: Yoo Ah-in, Steven Yeun, Jun Jong-seo, Kim Soo-Kyung, Choi Seung-Ho

Offizielle Synopsis: Jong-su kehrt in das Dorf seiner Kindheit zurück, um den heruntergekommenen Hof der Familie zu bewirtschaften. Zufällig trifft er seine alte Schulkameradin Jong-su wieder. Aus dem einst gemobbten Entlein ist ein attraktiver Schwan geworden. Unversehens findet sich der junge Mann in ihrem Bett wieder und wird gleich nach dem One-Night-Stand als Katzensitter für ihre anstehende Reise verpflichtet. Hae-mis Rückkehr ist für den schwer verliebten Jong-su jedoch eine Enttäuschung. Sie hat den steinreichen Ben im Gepäck, dem alles nur so zuzufallen scheint, aber aus dessen Verhalten man nicht recht schlau wird. Als Ben den eifersüchtigen Jong-su in sein brandgefährliches Hobby einweiht, beginnen die Grenzen zwischen Realität und Fantasie weiter zu verwischen.

Kritik: Ja ja, der hätte in Cannes gewinnen können. Hat zumindest der Veranstalter vorher gesagt. Ist quasi schon vorab als große Filmkunst identifiziert und muss nicht gesehen, sondern gehuldigt werden. Wer’s nicht versteht, ist doof.

Ich hab’s nicht verstanden.

„Burning“ ist ein Film, der mich etwas ratlos zurücklässt, weil er einerseits durchaus hypnotisch über zweieinhalb Stunden gerade mal den Ansatz eines Mysterys erzählt – andererseits aber keinerlei Anstalten macht, sich gegen Ende festzulegen oder die etwas opakeren Elemente aufzulösen. Er nutzt die Konstellation eines klassisches Thrillers (Jong-su verliebt sich in Hae-mi, sie verliebt sich in den reichen Playboy Ben, Hae-mi verschwindet, Jong-su verdächtigt Ben des Mordes), bedient diese aber nur so vage, dass wir nie sicher sein können, ob Jong-su sich das alles nur einbildet. Und wenn er es sich einbildet – wo fängt die Einbildung dann an? War schon Hae-mi nur eine Fiktion? Der Sex mit ihr? Ihre Katze? Die Abende bei Ben? Sehen wir nur der Fieberphantasie eines bemühten Jungschriftstellers zu oder fehlen Jong-su schlicht nur die Puzzleteile, um das vermutete Verbrechen auch belegen zu können?

Ihr merkt – das ist kein neuer „Train to Busan“, kein Korea-Kracher fürs Laufpublikum. „Burning“ war in Cannes sicher besser aufgehoben als beim Fantasy Filmfest und lässt sich als introvertiertes Erzählstück vielleicht am ehesten mit „Sicilian Ghost Story“ vergleichen, zu dem ich ja damals schrieb:

„Für sich genommen nicht schlecht, aber auch nur sehr begrenzt FFF-tauglich.“

Das trifft auch hier zu.

Fazit: Ein fast autistischer Film, der Sein und Wollen verwebt und uns bis über den Nachspann im Dunkeln lässt, was genau passiert ist. Das ist für 2 1/2 Stunden sehr dünn, aber man kann sich der Faszination dennoch schwer entziehen. 7 von 10 Punkten.

Destroyer

USA 2018. Regie: Karyn Kusama. Darsteller: Nicole Kidman, Sebastian Stan, Tatiana Maslany, Toby Huss, Toby Kebbell, Scoot McNairy, Bradley Whitford

Offizielle Synopsis: Als LAPD-Detective Erin Bell spielt sie eine zutiefst gebrochene und von Schuld zerfressene Frau und Mutter, nachdem ein Undercover-Einsatz vor vielen Jahren tödlich aus dem Ruder lief. Erst als der einstige Chef der Bande Silas (Toby Kebell) plötzlich wie aus dem Nichts wieder auf der Bildfläche erscheint, erwacht die emotional tote Bell zu neuem Leben. In der Hoffnung, Vergebung zu finden, heftet sie sich wie besessen an seine Fersen mit dem erklärten Ziel, ihn zur Strecke zu bringen.

Kritik: Es scheint bei vielen Schauspielerinnen einen Punkt zu geben, an dem sie der Meinung sind, mit einer krassen, hässlichen Charakterstudie punkten zu müssen, um den Sprung vom „female lead“ zur angesehenen Filmdiva zu schaffen. Bei Charlize Theron hat das mit „Monster“ sehr gut geklappt, bei Meg Ryan mit „In the cut“ eher weniger. Nun scheint Nicole Kidman entschlossen, der Welt zu beweisen, dass sie mehr kann als nur die schöne, etwas anstrengende Rothaarige aus Australien zu spielen. Ich verstehe das allerdings nicht ganz, denn gerade bei der Kidman hat niemand je in Abrede gestellt, dass sie eine wirklich gute Schauspielerin ist.

„Destroyer“ bemüht sich nicht um Oscars, er fordert sie. Hauptrolle, Regie, Kamera – alles wirkt in jeder Sekunde feingedrechselt und nach Formel, damit man bei der Akademie nicht leer ausgeht. Es würde mich nicht wundern, wenn man auf dem Plakat schon präventiv Platz für die Statuetten gelassen hätte.

Nur leider hat man über den Eifer, ein Werk für die Kinogeschichte zu schaffen, mitunter vergessen, einen guten Film zu drehen. „Destroyer“ ist inszenatorisch so müde wie seine Hauptfigur, schlurft unmotiviert von Punkt A zu Punkt B zu Punkt C und mischt ab und an eine Backstory unter, deren grundlegende Konsequenzen wir in den ersten Minuten schon erzählt bekommen haben und die daher primär der Laufzeitverlängerung auf über zwei Stunden dient.

Bei allem Bemühen, Nicole Kidman als gebrochene Polizistin möglichst abstoßend zu zeichnen, fällt trotzdem eine gewisse Inkonsequenz auf: Erin sieht aus wie eine Meth-Hure, aber angedeutet wird nur ihr Alkoholismus, der ihren Zustand nur sehr unbefriedigend erklärt. Gleichzeitig ist ihr Verfall aber derart auffällig, dass sie niemals im aktiven Polizeidienst arbeiten könnte. Zu allem Überfluss wird Nicole Kidmans totaler Einsatz und der Verzicht auf die üblichen Beauty-Filter (die für die Flashbacks aufgespart werden) immer wieder konterkariert durch ihre schlechte Perücke.

Ich respektiere durchaus die gebrachte Leistung und verstehe, dass es eine Art Durchbruch ist, wenn weibliche Charaktere auch mal so abgewrackt und moralisch verkommen dargestellt werden können wie die Gegenparts in diesem sehr klassischen Männer-Genre. Bonuspunkt für die Tatsache, dass Erin keine Erlösung verdient oder anstrebt – es gibt keine mythische Unterfütterung ihres totalen Versagens. Aber das macht „Destroyer“ eben auch sehr trist, sehr anstrengend und am Ende nur begrenzt nachvollziehbar.

Die Macher sollten sich mal „The World of Kanako“ ansehen. So macht man das.

Und irgendwie, irgendwie, irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass die hervorragenden Kritiken aus den USA auch und vielleicht unbewusst der Tatsache zu verdanken sind, dass hier eine Frauen-Clique (Hauptdarstellerin, Regisseurin, Kamerafrau) Respekt verlangt und sich im momentanen Klima niemand zu verkünden traut, dass diese Kaiserinnen nur sehr luftig bekleidet sind. „Destroyer“ ist eben auch ein filmpolitisches Statement und es ist angeraten, das nicht zu hinterfragen.

Fazit: Inhaltlich schwachbrüstiges Crime Drama, das augenscheinlich auf Oscars für alle Beteiligten schielt und in seinen Extremen gleichzeitig zu gewollt und zu gehemmt ist. Zu lang ist es auch. 5 von 10 Punkten.

Office Uprising

USA 2018. Regie: Lin Oeding. DarstellerBrenton Thwaites, Jane Levy, Karan Soni, Zachary Levi, Gregg Henry, Alan Ritchson u.a.

Offizielle Synopsis: Wie Slacker Desmond ausgerechnet an einen Job beim ruchlosen Waffen- und Munitionshersteller Ammotech kam, bleibt rätselhaft. Aber irgendwie gelingt es ihm tagtäglich aufs Neue, seinem idiotischen Chef Adam Nusbaum aus der Schusslinie zu flüchten, strikt sämtliche Betriebsanweisungen zu ignorieren und seine Arbeitszeit gänzlich der Gestaltung seines eigenen, nicht gerade originellen 8-Bit-Games zu widmen. Jedoch – als ein dubioser Energy-Drink fast alle Mitarbeiter in aggressive, blutdürstige Bestien verwandelt und Chaos im Bürogebäude ausbricht, ist Desmond so ziemlich der Einzige, der einen kühlen Kopf bewahrt. Die wenigen Mitarbeiter, an denen ihm was liegt, sind schnell zusammengetrommelt und mitten im feuchten Traum des Trump-Amerika – eine Schatzkammer voll vom besten Equipment, was die aktuelle Rüstungstechnologie zu bieten hat! – wäre es doch gelacht, sich nicht gebührend zur Wehr setzen zu können, und ganz nebenbei noch seine heimliche Liebe zu retten.

Kritik: Der großartige Criswell sagt in „Plan 9 from Outer Space“ ja bekanntlich:

„We are all interested in the future, for that is where you and I are going to spend the rest of our lives.“

Ebenso wahr ist allerdings, dass die meisten von uns den größten Teil ihres Lebens nicht in der Zukunft, sondern im Büro verbringen. Für viele Menschen ist das Büro der Dreh- und Angelpunkt ihrer Existenz und wenn man den Schlaf abzieht, verbringen sie dort nicht weniger Zeit als in ihrer Wohnung. Der Job prägt, die Firmenkultur prägt, die Kollegen prägen. Kein Wunder, dass „office politics“ immer wieder für Filme thematisiert wird. Das Großraumbüro als Mikrokosmos, die Firma als Staatengebilde, diktatorisch von oben nach unten durchregiert. Auch ohne übernatürliche Elemente ist es der Horror.

All das schert „Office Uprising“ über das Setup hinaus allerdings nicht. Weder kommentiert er die Machtstrukturen noch die Entmenschlichung des Großbetriebs. Er schmeißt nur ein paar Zombie-Energy-Drinks als erzählerische Blendgranate in den Konzernsitz und schaut, was passiert. Blut spritzt, Menschen sterben. Wo ist Schalter A, um Tür B zu öffnen? Es gibt den lustigen ausländischen Sidekick, den Love Interest, den faschistoiden Chef und den ganzen Rest von Pappcharakteren, die man auch auf ein Schiff, in ein Sommerlager oder auf eine Skihütte hätte setzen können. „Office Uprising“ ist so frei von jeder Substanz, dass es keinen Unterschied macht.

Im Gegensatz zu „Blood Fest“ ist er aber wenigstens so schlau, sich inhaltlich nicht zu überheben und etwas über das Genre an sich sagen zu wollen. Er ist mit dem Herzen mittendrin, statt arrogant von oben auf die Figuren und die Zuschauer zu schauen. Dieser Splatter-Schuster bleibt bei seinen Leisten.

Nun könnte man „Office Uprising“ also als taugliches B-Movie für die Spätvorstellung preisen und lobend darauf verweisen, dass sich hier in einem Film Robin (Brenton Thwaites in „Titans“), Dove (Alan Ritchson ebenda), Shazam (Zachary Levi in „Shazam“) und Deadpools Sidekick Dopinder (Karani Soni in „Deadpool“) zusammen finden, auch wenn das unter dem Strich keinen echten Mehrwert bietet.

Was dem Film aber wirklich nicht gut tut, ist die Tatsache, dass wir genau diese Idee in den letzten Jahren schon zweimal gesehen haben, und zwar in „Belko Experiment“ und „Mayhem“. Die beiden haben das alles deutlich souveräner, smarter und mit sympathischeren Figuren umgesetzt. Warum sollte man da noch „Office Uprising“ gucken?

Fazit: Launige Splatterfarce ohne Durchhänger, aber auch gänzlich ohne Anspruch – hier findet sich nichts, was andere nicht besser gemacht haben. Trotzdem solides Mitternachtskino mit 6 von 10 Punkten.



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ThiesNummer NeunWortvogelsergej Recent comment authors
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sergej
sergej

„Als LAPD-Detective Erin Bell spielt sie eine zutiefst gebrochene und von Schuld zerfressene Frau und Mutter,…“

Soll der Satz so lauten?

Nummer Neun

Der erste Tag scheint jetzt nicht so der Knaller gewesen zu sein, auch wenn die Bewertung der Filme besser war, als es der Text vorher vermuten ließ.

Thies
Thies

Wie gesagt: Tag 1 in München war weitgehend wie Tag 2 in Hamburg. Der Starter „Blood Fest“ kam allerdings auch in Hamburg bereits an zweiter Stelle, d.h. zu Tageslicht. Warum man einen solchen Film sehenden Auges so gegen den Strich programmiert muss man mir auch erstmal erklären. Aber auch zu einem späteren (angetrunkenen) Zeitpunkt wäre mir mit Sicherheit aufgefallen, dass der Bezug auf . Filmregeln in „Scream“ wesentlich besser (und logischer) umgesetzt wurde, die Zitate sich aus Kostengründen auf Lippenbekenntnisse beschränken, die Darsteller ohne Führung vor sich hin albern durften und der Regisseur offenbar der Meinung war, dass solche Filme ein willenloses Publikum vorfinden die jeden Scheiss johlend schlucken, den man ihnen vorwirft. Bei mir langte es oft nicht mal für ein mildes Kichern. 2 von 10 Punkten

„Keepers“ war dafür am zweiten Tag der Rausschmeisser. Ein still und brütend vor sich hin dümpelndes Kammerspiel für den Quasi-Miternachtsslot zu programmieren ist eine Idee auf die man erst einmal kommen muss. Erinnert mich bitte daran niemals Rosebud eine Sylvester-Party organisieren zu lassen. Die kommen sonst kurz vor Mitternacht noch auf die Idee einen Trauermarsch aufzulegen. Zum Film: er hatte eine interessante Prämisse und eine atmosphärische Einführung derselben. Danach trat der Film dann mehr oder weniger auf der Stelle. Die Eskalation der Situation wurde zu schnell herbei geführt und danach blieb den Figuren nicht mehr viel übrig als mit zerfurchtem Gesicht Löcher in die Landschaft zu starren. Auch mit ner Buddel voll Rum nicht mehr als 5 von 10 Punkten.

„Burning“ – hier kann ich wieder nur bereits gesagtes wiederholen. Bei allem Wohlwollen zu vage um mehr als ein müdes „WTF“ aus mir raus zu kitzeln. Interessant dass der Hauptdarsteller vor drei Jahren in „The Veteran“ praktisch den selben Typus des „Gatsbys“ spielte den er hier verfolgte. Ich weiss, sowas nennt man Acting, aber ohne Imdb hätte ich die beiden Rollen niemals zusammen gebracht. Mit zwei zugeknöpften Hühneraugen noch 6 von 10 Punkten.

„Destroyer“ hätte dann eigentlich die Rettung des Tages sein müssen, aber es war dann leider ein Favorit dem auf der Ziellinie die Puste ausging, NIcole Kidman wirft offensichtlich ihr gesamtes Gewicht in die Rolle und erzeugt schon beim ersten Auftritt eine Mischung aus Schock und Staunen. So hat man die Diva einfach noch nie gesehen und der Acting-Stunt ist noch nicht einmal der einzige Motor des Films, denn auch die Handlung erzeugte nach kurzer Einführung einen Druck der trotz der vielen Rückblenden für mich nie richtig nachliess bis sie in die Zielgerade einbog. Denn statt auf den Showdown zuzustreben schien der Film dann doch noch auf ein Gefühl der Erlösung der Protagonistin zuzustreben, das bisher noch nicht mal im Ansatz im Raum stand, Hatte sie vorher jede Demütigung tapfer eingesteckt – egal ob durch Gangster oder Ex-Mann – steht ihr nun der Sinn nach Absolution und es gibt drei ausgedehnte Aussprachen bis die finale Konfrontation mit ihrem „Destroyer“ beinahe zum Anti-climax geriert. 6 von 10 Punkten – mit einem schneller auf den Punkt kommenden Schluss wären es 8 von 10 Punkten.

„Office Uprising“ lief am zweiten Tag an zweiter Stelle. Hier hat der Wortvogel auch schon alles gesagt daher nur mein Fazit: ein ausgedehntes Déjà vu, aber immer noch mit genügend Unterhaltungswert um mehr als 300 Genre-Fans im Schach zu halten. Wohlwollende 7 von 10 Punkten.