Follow

Follow-PosterUSA 2015. Regie: Owen Egerton. Darsteller: Haley Lu Richardson, Don Most, Noah Segan, Olivia Grace Applegate

Offizielle Synopsis: Als Bohemian Quinn eines Tages vor der Leiche seiner Freundin Viv erwacht, befindet sich in ihrem Kopf ein großes Loch und in seiner Hand eine Pistole. In Panik versucht er a) herauszufinden, was geschehen ist, b) die Leiche in der Badewanne verschwinden zu lassen und c) bloß nicht die Kontrolle zu verlieren. Als dann auch noch Thana, die ihn umschwärmende Kollegin aus der Szenekneipe aufkreuzt, schlägt er sie nieder und sperrt sie in den Keller.

Kritik: Es gibt grundsätzlich zwei Schulen von Filmemachern: Solche, deren Filme derart konkrete Ausformungen ihrer Persona sind, dass man sie augenblicklich als solche identifizieren kann. Hitchcock, Cronenberg, Lynch, Kubrick. Und es gibt Filmemacher, die komplett hinter ihren Filmen verschwinden, die sich als Handwerker im Dienst der Geschichte verstehen. Spielberg, Petersen, Columbus. Beide Ansätze haben ihre Berechtigung, aber beide bedingen auch die Fähigkeit der Regisseure, ihre Ansprüche unter Kontrolle zu halten und das Versprechen an das Publikum zu erfüllen. Wer sich mit seinem Film auch selbst erzählen will, wer diese Nähe zulassen möchte, muss – so paradox das klingt – zuerst einmal Abstand zu sich selbst finden, muss sich von außen sehen, damit er erkennen kann, was andere sehen. Wer nur von der Eitelkeit getrieben ist, sich selbst dem Publikum zu schenken, fährt damit schnell böse vor die Wand.

„Follow“ ist ein ziemlich perfektes Beispiel für das Werk eines Filmemachers, der vor allem sich selbst huldigt, der Guru und Jünger zugleich ist – und der es bestimmt nicht gerne hört, wenn man ihn darauf hinweist, dass seine „religion of one“ ziemlicher Kappes ist.

Es reicht eigentlich völlig aus zu wissen, dass Owen Egerton hier das Drehbuch von Owen Egerton verfilmt – nach zwei Kurzgeschichten von Owen Egerton. Da haben sich drei gefunden, die sich gegenseitig ganz dufte finden.

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Warum diese Häme? Ist der Film so schlecht, so schlampig, so langweilig? Nein. Er ist so unsäglich eitel, er gibt in jeder Sekunde sehr offensichtlich damit an, dass Egerton hier ein paar alte Beziehungskisten aufarbeitet und diese in einen surrealen Kontext stellen möchte. Der Protagonist, von schönen Frauen geliebt und mit seiner Kunst hadernd, kann niemand als Egerton selbst sein. Unverstanden, brillant, getrieben. Wenn man ich doch nur Platz gäbe, nur mehr Verständnis hätte. Aber stattdessen: Karriere, Sex, Beziehung. Dass das zu Mord und Totschlag führt, ist doch nur verständlich, oder?

Und so mordet sich der Protagonist durch seinen Freundeskreis, schüttelt emotional die Faust gegen die Ungerechtigkeit des Seins und hofft, dass sich am Ende alles irgendwie in Wohlgefallen auflöst – und dass niemand die Leichenteile findet. Und weil das alles keinen roten Faden besitzt und nicht eskaliert, sondern nur entgleitet, schaut man als Zuschauer zunehmend entnervt zu und schielt auf die Uhr.

Warum der Film an Weihnachten spielt und mit einem Countdown auf Heiligabend hinarbeitet, bleibt auch völlig im Dunkeln. Vermutlich ein Überrest aus einer der Kurzgeschichten, den rauszustreichen oder zu erklären Egerton keine Lust hatte.

rotFazit: „Psycho“ als eitle schwarze Hipster-Komödie ohne wirkliche Substanz, bei der man das Gefühl nicht los wird, der Filmemacher hätte das Geld lieber in eine Beziehungstherapie stecken sollen.

Philipp meint: Was will mir dieser Film sagen? Dass ich auf meine innere Stimme hätte hören, ihn auslassen und früher ins Bett gehen sollen! Nicht dramatisch, nicht lustig, nicht skuril, nicht spannend. Nichts.



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S-Man
S-Man

Hm ich fand ihn auch nicht übetragend, aber ein seichter Einstieg für mich ins diesjährige FFF. Dafür war ok.

Peroy
Peroy

Wer ist Owen Egerton? Muss man den kennen? Das ist kein Shane Black…!

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