USA 2017. Regie: Joe Lynch. Darsteller: Steven Yeun, Samara Weaving, Dallas Mark Roberts, Caroline Chikezie, Mark Stewart Frost, Kerry Fox, Lucy Chappell

Offizielle Synopsis: Es ist einer dieser Tage, die einfach schon mies anfangen. Als Derek sein Büro in der berüchtigten Anwaltskanzlei Towers & Smythe betritt, ist seine Kaffeetasse weg. Dann muss er der umwerfend hübschen Melanie die Aufschiebung einer Zwangsvollstreckung absagen, fällt anschließend einer Bürointrige zum Opfer und wird auf der Stelle gefeuert. Doch bevor Derek den gigantischen Hochhauskomplex verlassen kann, wird das Gebäude unter Quarantäne gestellt. Grund ist der blutrünstige ID7-Virus, dessen Wirte zu amoralischen und amoklaufenden Bestien werden. Nicht, dass das in Corporate America einen großen Unterschied machen würde… Derek und die ebenfalls gefangene Melanie sehen in dem immer bestialischeren Chaos ihre Chance die Chefetage zu erreichen, die Zwangsvollstreckung abzuwenden und den tyrannischen Oberboss ein für alle Mal in Stücke zu hacken.

Kritik: Ich bin ein alter Sack, darum verzeihe man mir, dass ich etwas länger brauche, um mich auf eine neue Generation Filmemacher einzugrooven. Aber ich beginne ersthaft, Adam Green, Adam Wingard, Joe Lynch und Konsorten zu mögen. Deren Filme sind mit vergleichsweise wenig Aufwand sehr straff und packend inszeniert, sie bringen das oft herbei gewünschte „frische Blut“ in ein Genre, das sich zu sehr auf billige Sequels und krude Monsterkombis (Sharkitten vs. Vampiglets) verlässt, um Kundschaft zu ködern. Nichtsdestotrotz bleiben Ti West und (vorerst) Eli Roth auf meiner Liste derer, die zuerst an die Wand gestellt werden, wenn die Revolution kommt.

Nun also mal wieder Joe Lynch – mit einem Film, der förmlich um einen Vergleich mit „Belko Experiment“ bettelt. Beide Filme spielen in abgeriegelten Bürohäusern, wurden preiswert im Ausland gedreht (Mittelamerika, bzw. Serbien), und konzentrieren sich auf den blutigen Kampf des Mittleren Managements gegen die Konzernspitze – bis zum bitteren Ende.

Der größte Unterschied: „Belko“ müht sich halbwegs, tatsächlich so etwas wie Gesellschaftskritik zu formulieren, die Unmenschlichkeit des „corporate struggle“ zu thematisieren. „Mayhem“ will nur spielen. Hier ist die Konzernspitze nicht böse, weil das System korrupt ist, sondern weil es einen möglichst potenten Bösewicht braucht. Nebenfiguren sind weitgehend unwichtig und haben auch keine eigenen Plots – es geht nur darum, wie Derek und Melanie sich den Weg in die Chefetage bahnen.

Und das, meine Damen und Herren, ist dann doch wieder extrem unterhaltsam, bluttriefend und angefüllt mit irrsinnigen Gags, die so manches Mal spontanen Applaus ernteten. „Mayhem“ ist gelebte Katharsis nicht nur angesichts der Drögnis des „corporate life“, sondern auch angesichts der stellenweisen Drögnis des Festivals. Es ist auch diese Sorte Film, wegen der man anreist – und die einem mittlerweile einfach zu selten kredenzt wird. Smarte, eiskalte Spaßmacher mit hohem Tempo und Kopfplatzern, die den Zuschauer begeistert „hoppla!“ ausrufen lassen.

Nun bin ich ja niemand, der „Dienst nach Vorschrift“ ausreichend findet, und darum legt „Mayhem“ auch noch eine Schippe bei den Pluspunkten drauf: Ich rechne es Joe Lynch hoch an, dass er mit Steven Yeun einen Asia-Amerikaner in der Hauptrolle besetzt hat, ohne dass die Ethnie jemals thematisiert wird. Derek ist halt „zufällig“ Asiate, Ende des Themas. Und aus Melanie hätte man leicht eine der üblichen hysterischen Blondinen machen können, die im Laufe des Films lernen muss, „ihrem“ Helden zu vertrauen. Aber Samara Weaving erweist ihrem Onkel Hugo alle Ehre, in dem sie trotz des Barbie-Looks ihre Rolle rotzfrech und arschtretend anlegt. Hinter dem harmlosen Äußeren verbirgt sich eine sympathisch kantige Heavy Metal-Braut mit Tattoo und Nagelpistolen-Fetisch.

Fazit: Bürosplatter der extrem unterhaltsamen Sorte, eine überdrehte farce über „corporate politics“, die sich pubertär in Gewaltexzessen suhlt und damit beim FFF alle richtigen Knöpfe drückt. Stolze 9 von 10 Punkten.

Fragt Philipp: „Lustiges Gemetzel mit sympathischen Hauptfiguren.“

Kein Trailer vorhanden.

Next up: Jungle



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Dr. Acula
Dr. Acula

Ein Punkt Abzug für das Review wg. Ti-West-Bashing, aber ansonsten ist der sehr sehr vorgemerkt 🙂

Gregor
Gregor

War ja mein persönlicher Eröffnungsfilm dieses Jahr, kann mich der Kritik absolut anschließen, beste Stimmung im Kino!

Thies
Thies

Den hätte ich mir am Samstag auch gerne angesehen. Leider lief er als letzter Film direkt nach „Blade of the Immortal“ nach dem ich mich ähnlich aufgebläht fühlte wie Mr. Creosote in „The Meaning of Life“. Da noch ein weiteres Massaker obendrauf zu packen hätte die gleichen Auswirkungen haben können wie ebenda das finale Pfefferminzplätzchen.

Dominik
Dominik

Ich bin sicher der Einzige, der nur „In a Valley of Violence“ von West gesehen hat und den gut fand, deswegen Bashing ohnehin nicht nachvollziehen kann. Die positive Kritik am neuen Lynch freut mich sehr. Seine „Everly“ fand ich schon sehr stark; ergo große Vorfreude auf „Mayhem“.

Peroy
Peroy

Ich fand „Everly“ so eine unsägliche Scheisse, dass ich mir wünsche, der Lynch würde vor’n Bus laufen oder ’ne Schrotflinte fressen.

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