Ich habe mal wieder zwei sehr spezielle Neuheiten in Auge gefasst, die ich euch empfehlen möchte.

Am 5.1.2019 wird auf BBC 4 Radio eine dreistündige Sendung über Harry Alan Towers ausgestrahlt, die sich ausnahmsweise mal nicht primär mit seiner Karriere als Trashfilm-Produzent (u.a. meines „Sumuru“) beschäftigt, sondern mit seinen frühen Jahren als fleißiger Manufakteur knalliger Radio-Hörspiele. Für diesen Zweck hat Autor Dominic Delargy viele seltene Aufnahmen aus den Archiven gekramt, die teilweise seit 70 Jahren nicht mehr abgespielt wurden.

Ich sollte an der Doku eigentlich mitwirken, primär in Form eines (auf deutsch geführten) Interviews mit Harrys Witwe Maria. Leider verstarb sie am 18. Juni überraschend und das Gespräch kam nicht zustande. Anscheinend nennt mich Dominic dennoch im Nachspann bei den Danksagungen.

Auch wenn ich meinen Bücherschrank immer mehr ausdünne, gibt es Neuzugänge. So ist „Paperbacks from Hell“ unverzichtbar, wenn man sich für anglo-amerikanische Horror-Romane der 70er und 80er interessiert. So ein Buch fehlt eigentlich auch dringlich für und über den deutschen Markt.

Noch spannender, weil es in meinen Augen einen noch sträflicher vernachlässigten Aspekt der Populärkultur beleuchtet, ist Amanda Reyes‘ sehr lesenswerte Textsammlung „Are you in the house alone?“. Es geht um TV-Filme, besonders jene mit phantastischen und okkulten Elementen aus den 70er Jahren. Viele, viele dieser Filme habe ich vor 30, 40 Jahren im deutschen Fernsehen oder auf Videokassette gesehen und es ist an der Zeit, diese Subkultur zu würdigen. Viele große Autoren, Regisseure und Stars haben seinerzeit Genrebeiträge abgeliefert, die mittlerweile fast vergessen sind. Namen wie Steven Spielberg, Wes Craven und John Carpenter findet man hier ebenso wie Linda Blair, Martin Sheen und William Shatner. Natürlich haben die Beschränkungen und Notwendigkeiten des Kommerzfernsehens dabei nur selten Klassiker entstehen lassen, aber mehr noch als Kinofilme stellt das Sujet TV-Movie einen präzisen Spiegel seiner Zeit dar. Was die Nation bewegte, rutschte sehr schnell von den Schlagzeilen auf den Bildschirm. Zumal man in den 70ern ja endlich mal dramatisieren musste, was es mit Syphilis, Teenager-Alkoholismus, Teufelsanbetung, Date-Rapes und multiplen Persönlichkeiten auf sich hat.

Das Buch von Amanda Reyes beschränkt sich dabei nicht nur auf eine Sackladung gut geschriebener Kritiken zu bemerkenswerten TV-Filmen – in einigen vorangestellten Essays werden auch bestimmte Aspekte der „Subkultur TV-Movie“ ausgeleuchtet. Das hilft gerade dem Einsteiger, die Faszination des Themas nachzuvollziehen.

Ein Bonus ist die Tatsache, dass man viele der obskuren TV-Filme aus den 70er und 80er Jahren mittlerweile auf YouTube in Anschauung nehmen kann. Nachfolgend ein paar Beispiele.

The Norliss Tapes – der Versuch, eine neue Gruselserie im Stil von „Kolchak“ zu etablieren. Es blieb bei dem Pilotfilm:

Trilogy of Terror – ein Horror-Anthologiefilm, dessen letzte Episode Kultstatus besitzt:

A cold night’s death – Hochspannung in der arktischen Forschungsstation. Mit Sicherheit eine der Inspirationen für Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“:

Spectre von Gene Roddenberry – oder wie man „John Sinclair“ und „Professor Zamorra“ RICHTIG umsetzen könnte:

Und das ist wahrlich nur die Spitze des Eisbergs…



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Wer die BBC-Doku verpasst hat: man kan sie noch 28 Tage (Stand 07.01.) nachhören.
Btw: Frohes Neues Jahr Torsten