USA 2016. Regie: Greg McLean. Darsteller: John Gallagher Jr., Tony Goldwyn, Adria Arjona, John C. McGinley, Josh Brener, Michael Rooker, Sean Gunn, Melonie Diaz, Brent Sexton

Synopsis: Während eines heimtückischen Sozialexperiments ist eine Gruppe von 80 Amerikanern in ihrem Büro-Komplex in Bogotà eingeschlossen. Sie werden von einer unbekannten Stimme aus dem firmeninternen Kommunikationssystem angewiesen, an einem mörderischen Spiel von Töten-oder-Getötet-werden teilzunehmen. Schnell trennt sich die Spreu vom Weizen, die Helden von den Heulsusen, die Raubtiere von den Beutetieren…

Kritik: „Belko Experiment“ ist ein Abfallfilm. Das klingt sehr gemein, aber letztlich ist es so. Das Skript hatte der seinerzeit noch vergleichsweise erfolglose James Gunn jahrelang im Schreibtisch vor sich hin gilben. Seit seinem Erfolg mit den „Guardians of the Galaxy“ wird ihm alles, was er jemals geschrieben hat, gierig aus der Hand gerissen – vermutlich könnte der seine Einkaufszettel optionieren lassen.

Weil wohl von Anfang an klar war, dass „Belko Experiment“ nicht zum Blockbuster taugt, hat Gunn die Regie an den Australier Greg McLean übergeben, der mittlerweile DREI „Wolf Creek“-Filme UND eine zugehörige TV-Serie gedreht hat. Der Cast setzt sich aus soliden TV-Veteranen und der unteren Hälfte der IMDB-Liste der „Guardians“ zusammen. Trotz der hochkarätigen Beteiligungen ist immer offensichtlich, dass hier auf Sparflamme gefahren wird: Das Belko-Gebäude ist sehr offensichtlich CGI, die Crew wurde größtenteils in Mittelamerika rekrutiert und abseits der fünf, sechs bekannten Namen sind auch die Darsteller meist preiswert vor Ort gecastet worden.

Aber das ist natürlich alles wumpe, wenn der Film ein hoch dynamischer Kracher mit ordentlich Splatter zum Crowdpleasing ist. Mehrfach wurde „Belko Experiment“ als „The Office meets Battle Royale“ beschrieben und das trifft es ziemlich gut. Wie schnell Bürodrohnen zu weinerlichen Killern (Tod by Tesa!) werden können, ist hier ausgesprochen fettfrei und rasant illustriert. Am Ende gilt wie bei Highlander: Es kann nur Einen geben!

Andererseits: WUSSTEN wir das nicht schon immer? Sind wir nach sehr vielen „Sozialexperiment“-Filmen wie „Die Welle“, „Das Experiment“ und diversen „Cube“-Teilen nicht hinreichend gewahr, dass unter der dünnen Schicht der Zivilisation und der Anpassung immer noch das egoistische Raubtier lauert? Zeigt uns „Belko Experiment“ nicht nur das, was längst klar ist – und das noch dazu ohne überraschende Wendungen? Die Kraft der Gesellschaftskritik, sie ist hier nur noch sehr schwach, weil sie den Erwartungen der Zuschauer lediglich zuarbeitet, statt sie zu widerlegen.

Hinzu kommt, dass Gunns Skrips sich nicht die Mühe nennenswerter Psychologisierungen macht: Ab ca. Minute 20 ist „dog eat dog“ angesagt, es regieren brutale Schlachtereien und platzende Köpfe. Was genau so gut und legitim ein psychologisches Drama hätte bleiben können, wird ein Splatter- „Die hard“ mit hohem Bodycount. Kann man machen, ist auch unterhaltsam, aber GEHALTVOLL ist es nicht.

Fazit: Resteverwertung eines Alt-Skript von James Gunn mit den Nebendarstellern aus Guardians of the Galaxy. Straff, spannend und angemessen splatterig, aber letztlich ohne neue Einsichten oder Aussagen. 7 von 10, da wäre mehr drin gewesen.

Shriek of the Nowak-Yeti:

„Solides Entertainment aus der Feder von James Gunn mit einem perfekten und glänzend aufgelegten Cast (Michael Rooker! Gregg Henry! John C. McGinley!), der aber über seine Prämisse „The Office“ meets „Battle Royale“ hinaus nichts über die „conditio humanis“ sagt, was wir nicht schon tausendmal gesehen haben. Aber fetzig, blutig und unterhaltsam. 7 von 10.“



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Heino
Heino

Das kann man so unterschreiben. Die wirklich blöde Idee, da noch eine Erklärung liefern zu wollen, beschädigt für mich den Film noch unnötig.

Marcus
Marcus

Ein unterhaltsamer, knackiger, aber inhaltlich auch reichlich dünner Fetzer. Muss auch mal sein. 7/10.

trackback

[…] also mal wieder Joe Lynch – mit einem Film, der förmlich um einen Vergleich mit „Belko Experiment“ bettelt. Beide Filme spielen in abgeriegelten Bürohäusern, wurden preiswert im Ausland gedreht […]