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USA 2013 / 98 MIN / ENGLISCHE OMDU REGIE Chan-wook Park DARSTELLER Mia Wasikowska / Nicole Kidman / Matthew Goode / Dermot Mulroney / Jacki Weaver

Offizielle Synopsis: Schön, unnahbar, blitzgescheit – das ist India Stoker. Dazu hat das 18-jährige Mädchen eine ganz besondere Gabe: sie hört, was anderen verborgen bleibt. Selbst aus weiter Ferne kann sie Gespräche belauschen. Nachdem Ihr geliebter Vater Richard durch einen tragischen Unfall ums Leben kommt, taucht wie aus dem Nichts ihr bisher unbekannter Onkel Charlie auf. Ein attraktiver, mysteriöser Mann mit erbarmungslos stechendem Blick. Indias psychisch labile Mutter Evie, für die India unverhohlenen Hass empfindet, ist entzückt über den Neuankömmling und lässt ihn spontan bei ihnen einziehen. zumal Charlie sogar über Kochkünste verfügt – praktisch, wo gerade dieHaushälterin verschwunden ist. Während Evie mit allen Mitteln seine Aufmerksamkeit zu erregen versucht, entspinnt sich zwischen Charlie und India im Geheimen ein kampflustiges Katz- und Mausspiel.

Kritik: Ich habe mich in den Kritiken zu „I’m a cyborg but that’s okay“ und „Thirst“ darüber ausgelassen, dass ich Chan-wook Park für einen absoluten Ausnahmeregisseur halte. Er ist der Feinmechaniker unter den Regisseuren, ein Konditor unter Bäckern, dessen Fähigkeit zur beinahe beiläufigen Komposition und emotionaler Aufladung leerer Räume (auf Bild- und Tonspur) aktuell ihresgleichen sucht.

Natürlich ist es immer von Sorge begleitet, wenn so jemand nach Hollywood geht und sich dort ausgerechnet an einer Variation von Hitchcocks „Im Schatten des Zweifels“ (mit Nicole Kidman!) versucht. Wir haben zu viele unserer Heroen fallen sehen, die sich nun am Sunset Boulevard prostituieren.

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Umso erfreulicher, dass „Stoker“ alle Qualitäten Parks mitbringt – inklusive der paar Defizite, die wir bei ihm lieben gelernt haben. Es ist ein „slow burn“-Thriller, der seine erzählerische Langsamkeit durch ein permanentes Gefühl von Unbehagen wett macht. In dem wir unbewusst nach der Figur suchen, der wir trauen können, die uns genug an sich heran lässt, um Motive und Ziele zu erahnen. So, wie die Charaktere einander Rätsel sind, bleiben sie auch uns verschlossen. In der Dreiecksgeschichte von India, Evie und Charlie sind Ekel und Sehnsucht, Furcht und Begehren gleichwertige Komponenten, das Machtgefüge ständig im Fluss. Den anderen zu kontrollieren bedingt die Kontrolle über sich selbst – und genau das verlangt eine Stärke, die keiner der Beteiligten wirklich aufbringt.

Ich bin kein Fan von Mia Wasikowska und glaube immer noch, dass eine andere Schauspielerin der Rolle etwas mehr Tiefe hätte geben können – aber sie hat mich beeindruckt. Nicole Kidman spielt sich selbst – eitel, verschreckt, sehnsüchtig, klammernd an die verwelkende Schönheit und voller Neid auf die blühende Tochter. Aber es ist Matthew Goode, der den Film an sich reißt: charmant, ewig lächelnd, künstlich gebräunt wie dereinst Cary Grant und Alan Ladd. Ein Herzensbrecher ohne Herz, ein Psychopath von ausgesuchter, leiser Höflichkeit.

Es bereitet fast physische Lust, Park bei der Konstruktion von Bildern und Szenen zu zu schauen, wie er Erwartungen bricht, erste Eindrücke neu interpretiert, Abläufe dekonstruiert. Die Kamera bleibt über die gesamte Laufzeit unruhig, suchend, gibt nur widerwillig preis, was es zu sehen – aber lange nicht zu verstehen – gilt. Sich am großen Vorbild Hitchcock nicht zu verschlucken, sondern ihm mit eigener Stimme virtuos zu huldigen, ist vermutlich einer der größten Verdienste von „Stoker“.

Fazit: Ein bedächtiger, langsamer Thriller, sorgsam gewebt wie ein edler Teppich, der mehr die Cineasten als den Filmfest-Mob ansprechen dürfte.



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Dietmar
Dietmar

Klingt wie ein interessanter Film.

comicfreak
comicfreak

*zustimm*

DMJ
DMJ

Ah, der gute alte Park mal wieder! Schön zu hören, dass er auch diesmal erfolgreich war. 🙂

heino
heino

Das sieht richtig gut aus. Leider werde ich den nicht sehen können:-(

Exverlobter
Exverlobter

„Ich bin kein Fan von Mia Wasikowska“

Jepp, sie ist potthässlich. Schon bei Alice ist mir das aufgefallen.

Marcus
Marcus

@heino: Drückeberger.

@Ex: du bist auch potthässlich. 😉

heino
heino

@Marcus:du wirst gleich richtig Grund haben, mich zu beschimpfen. Ich könnte eh nur Sonntag, aber da die Trailer im Schulterschluß mit den hiesigen Kritiken bis auf „John dies at the end“ allesamt nach bestensfalls durchschnittlichem Genre-Müll aussehen, werde ich höchstens den sehen. Vielleicht aber auch gar keinen.

OnkelFilmi
OnkelFilmi

*heinoausfbfreundeslisteundhandylösch*

heino
heino

@Filmi:ich bin halt nicht so`n skrupelloser Allesgucker wie ihr zwei:-)

Peroy
Peroy

Ach, „Thirst“… der liegt hier immer noch halb ungesehen rum. Ich weiß auch gar nicht, ob ich den jemals zuende gucken möchte…

Wortvogel
Wortvogel

Typisch Peroy: für alle anderen wäre der Film halb gesehen. Die cineastische Version von dem halb vollen und halb leeren Glas…

Peroy
Peroy

Oha… was sagt das jetzt über mich aus ? 😕

Marcus
Marcus

Groß. Einfach nur… groß. 10/10.

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Fantasy Filmfest Masterliste (1) | Wortvogel – 100 % Torsten Dewi

[…] Mary ♣ Citadel ♦ John dies at the End ♥ Stoker ♣ The ABCs of Death ♣ The […]

heino
heino

Eben auch endlich mal gesehen und restlos begeistert. Der ist wirklich großes Tennis. Ebenfalls 10/10

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