Ich werde dieses Jahr 50. Es gehört zu den Erkenntnissen des Alters, dass man irgendwann aus der Phase der Vorsorge in die Phase der Rendite eintritt. Aus „da investiere ich für später“ wird einfach „später ist jetzt“. Man kann nicht ewig Kuchen backen, aber nie essen. Und ich komme jetzt in das Alter, in dem ich etwas davon haben will, dass ich 50 Jahre lange gelernt, gelebt und angeschafft habe.

Das bedeutet auch, das Angeschaffte zu sichten, Inventur zu machen und zu entscheiden, was für die zweiten 50 Jahre noch nötig sein wird.

Es ist eine Geschichte, die ich immer wieder erzähle, in immer neuen Variationen. Ich habe zu viel… Zeug. Obwohl ich keine Sammlernatur bin. Aber mein Beruf (und meine Berufung) bringt mit sich, dass ich über die Jahrzehnte Hunderte von Büchern und Zeitschriften-Konvolute angesammelt habe, die sich in IKEA-Regalen im Arbeitszimmer und im Keller bis unter die Decke stapeln. Obwohl ich mehrfach massiv ausgemistet habe, scheint es nicht weniger zu werden. Mittlerweile sind sogar 30 Plastikkisten nach Belgien ausgelagert, weil es mir an Unterbringungsmöglichkeiten mangelt.

Das ist aus drei Gründen nicht akzeptabel:

  1. Viele der gesammelten Dinge habe ich nie gelesen/angeschaut und werde ich nie lesen/anschauen – es waren Affekt- und Präventivkäufe.
  2. Selbst wenn ich etwas bräuchte, würde ich es angesichts der verschiedenen Unterbringungen vermutlich nicht finden.
  3. Ein weiterer Umzug mit diesen Massen wäre eine Quälerei.

Der Vorteil ist, dass die Abschaffung von physischem Hausrat und der Umstieg ins Digitale ein progressiver Prozess ist. Man muss es nicht im Hauruck-Verfahren machen, neue Technologien und Angebote erlauben dem User, über Jahre hinweg immer mal wieder etwas zu entsorgen. Dinge tauchen in der digitalen Sphäre auf, die ihre Präsenz in der physischen Welt obsolet macht. Damit reduziert sich die Notwendigkeit, alles immer im Regal haben zu müssen.

Auch in der Arbeitswelt greifen langsam die Erkenntnisse der letzten 30 Jahre. Die LvA arbeitet mit Hochdruck daran, die Redaktion so papierlos wie möglich zu gestalten.

Und so haben die Gattin und ich beschlossen, dieses Jahr wieder zum Jahr der Reduktion auf das Notwendige zu machen. Dazu gehören drei Schwerpunkte:

  1. Unser Bestand an DVDs (ca. 500)
  2. Unser Bestand an Kellerkram (Weihnachtsschmuck, Porzellan, Schallplatten)
  3. Mein Bestand an Büchern und Zeitschriften

Die Punkte 1 und 2 sind leicht zu bewältigen. Die DVDs werden entweder verkauft oder verschenkt, da erwarten wir praktisch keine Rendite und keine nostalgischen Anfälle. Wir haben ja nicht mal mehr einen DVD-Player, nur noch zwei externe DVD-Laufwerke für unsere Macbooks. Vielleicht 30 oder 40 Scheiben werden wir behalten, der Rest ist hinfällig, da wir fast ausschließlich auf andere, nicht physische Quellen zurück greifen. Wenn man etwas schneller aus dem Netz als aus dem Regal zieht, dann ist der Zeitpunkt gekommen, das Regal in Frage zu stellen.

Punkt 2 ist nur eine Sache der Überwindung nostalgischer Gefühle. Viele Dinge sind de facto überflüssig, aber geerbt. Doch mir ist aufgefallen, dass meine Retro-Verliebtheit nachlässt, dass ich sie in den Griff bekomme. Ich brauche keine Stofftiere aus meiner Kindheit mehr rumschleppen – abgesehen von Jocko natürlich. Es gibt ja auch niemanden, dem ich sie vererben werde.

Punkt 3 ist das Problem. 30 Jahre Bücher und Zeitschriften, viel davon aus Amerika und England, meistenteils aus dem Bereich Film, Fernsehen, Comic und Allgemeinwissen. Fast vollständige Sortimente aus den 80ern von Cinema, Titanic, Splatting Image und Skeptical Inquirer. Komplett gelesen – aber was soll ich nun mit den Regalmetern? Ersatzlos wegschmeißen kommt nicht in Frage.

In einigen Fällen hat die Zeit schon Lösungen bereitgestellt: Magazine wie Fangoria, Starlog und SFX kann man sich bei archive.org aus dem Internet ziehen. Viele Bücher stehen in digitalen Bibliotheken zur Ausleihe bereit, sollte ich sie je wieder lesen wollen. Ich kann Comics günstig bei Comixology kaufen oder kostenlos bei Amazon ausleihen.

Bevor die Proteste kommen: ich bin nicht wie ein Großteil von euch. Das ist mir klar. Dieses „ich will das im Schrank stehen haben“ bedeutet mir nicht sehr viel. Das gilt allenfalls noch für Sondereditionen, signierte Werke und meine eigenen Bücher. Die sind in gewisser Weise einmalig und damit auch nicht digital ersetzbar.

Ich muss ja auch nicht ALLE meine Bücher und Zeitschriften digital besitzen – vieles hat sich überlebt, stammt aus vergangenen Phasen und verworfenen Projekten. Dinge haben ihre Zeit und bestimmt ein bis zwei Drittel meiner Bibliothek brauche ich nicht mehr, wenn ich nur ehrlich genug bin, das zuzugeben.

Ich werde also die nächsten Monate damit beginnen, das Problem von zwei Seiten aus anzugehen:

  1. Konsequente Inventur des Bestandes und Unterteilung in verzichtbar und unverzichtbar
  2. Durchforstung es Internets, um zu sehen, welche Sachen aus der „unverzichtbar“-Spalte sich bereits digital besorgen lassen

Ist das geschafft, kommt der nächste große Schritt – und damit die Handarbeit. Der Weg zur digitalen Kopie meines Bücherschranks ist weit – zu weit, um darauf zu warten, dass die Anbieter entsprechend aufrüsten und auch alte Schinken und obskure Kleinstveröffentlichungen anbieten. Also muss ich selber ran.

Um es kurz zu machen: Ich plane, mir in den nächsten 12 Monaten mindestens einmal eine Woche Urlaub zu nehmen, um sieben mal sechzehn Stunden nichts anderes zu tun als zu scannen. Zuerst die Zeitschriften, dann die Bücher. Zuerst die wichtigen, dann die weniger wichtigen (falls ich doch die Lust verlieren sollte).

Ich habe in den letzten Wochen mehrere Möglichkeiten zur effektiven Scanarbeit angesehen. Es hilft nix – ein semi-professionelles Gerät muss her. Nicht nur, weil die Arbeit mit einem normalen Auflagenscanner oder gar meiner Digitalkamera zu zeitintensiv und mühsam wäre – es ist die Nachbearbeitung, die indiskutabel lange braucht. Seiten gerade rücken, Helligkeit und Kontrast korrigieren, splitten, in ein PDF zusammenfassen – kommt nicht in Frage. Das muss automatisiert sein.

Ich wünschte, ich könnte mir so ein Teil hier leisten:

Für meine privaten Zwecke scheint momentan der hier praktikabel:

Die A3-Unterlage erlaubt mir, auch Filmzeitschriften doppelseitig und damit effizient zu scannen. Die Software korrigiert die Wölbung der Seiten und die einhergehende optische Verzerrung und wirft am Ende ein kombiniertes und gesäubertes PDF aus. Ob ich das dann noch per OCR „abgelesen“ brauche, wird man sehen.

Hier sieht man das Gerät bei der Arbeit:

Klar ist das nicht vollautomatisch. Ich muss jede Seite umblättern und dann festhalten. Ich muss ständig dabei bleiben und habe keine Pausen. Das wird hart. Aber wenn man Ende der Woche ein gut gescannter Bestand meiner bisherigen Lieblingsbücher auf der Festplatte landet, will ich mich nicht beschweren. Es ist ein Projekt, das mich reizt.

Das „endgame“? Ein, maximal zwei Billy-Regale für die nicht zu ersetzenden Bücher und Aktenordner. Das wären drei weniger als bisher. Außerdem weg mit dem Markör-Regal aus dem Keller, das ich euch vor 11 Jahren stolz vorgestellt hatte. Weg mit den fünf Benno-Regalen voller DVDs. Weg mit mindestens 10 Kartons voller Altkram. Weg mit dem letzten Stapel Schallplatten, den Zeitschriften, den Romanen. Im Keller nur noch saisonaler Kram, keine ewigen Altlasten.

Stattdessen eine Festplatte von 4 Terabyte plus Sicherheitskopie und einer weiteren Cloud-Kopie der unersetzbaren 10 Prozent. Eine Schublade voll statt 5 Kubikmeter.

Weniger Ballast. Leichter atmen.

Wer Erfahrungen mit solchen Scan-Projekten hat, wer Tipps kennt oder typische Fußfallen, der möge sich in den Kommentaren melden. Das gilt auch, falls ihr mir die Arbeit des Scannens z.B. von „Splatting Image“ oder „Titanic“ schon abgenommen habt – ich würde euch herzen. Momentan ist noch alles im Fluss, ich bin flexibel.



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Patrick
Patrick

Ich hab den CZUR zu Hause, hab den damals über Indiegogo unterstützt. Meine Freundin hat für ihr Studium mehrere Bücher eingescannt. Das hat auch weitestgehend sehr gut funktioniert.

Damals war es noch so, dass die Treiber und Software auf übelst langsamen Servern lag. Runterladen der damals etwa 400MB hat mehrere Stunden gedauert. Du darfst dich auch nicht wundern, wenn das UI teilweise schlecht ins englische übersetzt würde. Wenn du OCR haben willst, dauert die Umwandlung in die PDF auch recht lange. Ansonsten funktioniert das gut. Benutz auf jeden Fall die mitgelieferten Daumenhüte beim scannen. Und ich hab die Fußtaste, das hilft auch sehr.

Wenn du magst, dann leih ich dir das Teil auch aus. Das braucht man ja nicht so häufig.

Doc Knobel
Doc Knobel

Cooles Teil, was kostet der Spaß? Ich muss und will ebenfalls ausmisten, aber das ist nicht ganz so einfach wie bei dir. Dir geht es bei den Filmen tatsächlich nur den Film und nicht um das Bonusmaterial, richtig? Das möchte ich aber unbedingt mein Eigen nennen, von daher bleibe ich da beim Regal, auch wenn es da sicherlich Möglichkeiten gäbe, aber das ist mir noch zu … unpraktisch.

Für mich ist jedoch der Scanner interessant. Ich habe z.b. auch endlos viele Zeitschriften, von denen ich mich nicht trennen kann und will, und sei es nur Recherche für meine Projekte. Derzeit sieht es halt so aus, dass ich eine Excel Datei habe, IN der ich explizit alle Magazine inkl. der Inhalte abgespeichert habe. Suche ich jetzt einen speziellen Titel, finde ich den in der Datei und bekomme dann heraus, um welche Zeitschrift sich es handelt. Das ist das kleinste Problem. In welcher Kiste das Ding dann nun liegt, ist die viel größere Frage. Und dafür käme mir der Scanner gerade recht.
Von daher: interessiert.

Martzell

Scanbot Smartphone App reicht nicht? Aktuell habe ich die Erfahrung gemacht dass die bessere Ergebnisse liefert als der Flachbettscanner. Ist auch viel einfacher. Drückt sogar automatisch ab, sobald erkannt.

tbee

Du könntest mal in deriner Bibliothek nachfragen ob die nicht prof. Buchscanner haben – zumindest die PH und Uni Bibs haben so was z.B.: auch das KIT in Karlsruhe: http://blog.bibliothek.kit.edu/kit_bib_news/index.php/2012/05/15/zusatzliche-buchscanner-in-der-kit-bibliothek-sud/
Ob die Stabi in Baden Baden einen hat? Anrufen hilft 😉

Stefan
Stefan

DVDs haben einen ganz entscheidenden Vorteil gegenüber Streaming-Angeboten aus dem Netz.

Wenn man sie einmal hat, dann hat man sie. Einige sind vielleicht etwas schwer zu kriegen, weil man sie beispielsweise nur in Österreich oder England ungeschnitten bekommt. Das ist jetzt nicht mehr ganz so schlimm wie früher, aber einiges gibt es in Deutschland aus mir unerfindlichen Gründen nicht einmal für Erwachsene.

Wenn man aber auf Streaming angewiesen ist, können sie dort den Film jederzeit ganz rausnehmen oder die ungeschnittene Fassung durch eine geschnittene ersetzen. Und dann guckst du traurig, weil du damals die DVD entsorgt hast.

Ich würde mir halt wenigstens ein paar USB-Platten zulegen und MKVs daraus machen, bevor ich sie wegwerfe oder für ein paar Groschen verscherble. Dann hast du alles, was du willst. Die Filme übersichtlich und platzsparend gespeichert und die DVDs los. Sicher ist sicher. Das Klima wird nämlich gerade wieder konservativer und Zensur von allem möglichen wird zunehmend wieder eingeführt.

Björn
Björn

Mein Setup ist nicht zerstörungsfrei und daher nicht für unersetzliche Originaldruckwerke anwendbar. Dafür geht die Digitalisierung sehr schnell. Ich nutze einen Fujitsu ScanSnap Einzugsscanner in Zusammenarbeit mit einer etwas besseren Schneidemaschine die auch problemlos durch dickere Stapel schneidet.
Zeitschriftenrücken schneide ich komplett inklusive Falz mit den Heftklammern weg. Die losen Seiten jage ich dann als Stapel automatisiert durch den beidseitig scannenden Snapscan. Die Software rechnet dann ein bisschen und wirft mir am Ende ein perfektes durchsuchbares PDF raus.

Bücher digitalisiere ich seltener – da muss ich leider immer erst den Buchrücken mit dem Messer in kleinere Blöcke aufschneiden und dann in kleineren Einheiten die Klebebindung wegschneiden. Ein echter Blockschneider wäre da effektiver und bräuchte nur einen Schnitt….

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

Uff, knapp 450€ für das Scanteil ist sportlich, soviel wäre mir die Digitalisierung meiner alten Zeitschriften dann doch nicht wert, obwohl der Platz langsam knapp wird 😀

Bei den DVDs/BDs bin ich aber komplett bei dir (auch durch einen Stups der besseren Hälfte, dass das Wohnzimmer nicht wie eine Videothek ausehen muss). Von knapp 1400 SKUs bin ich inwzischen bei 1100 angelangt. Filme, die behalten werden, landen in einer Sammelmappe, die Hülle im Keller (nächster Schritt, wäre bei den „die gebe ich niemals weg“-Titeln auch die Hülle wegzuschmeißen), TV-Serien werden (bis auf minimalste Ausnahmen) rigeros ausgemistet (guckt man eh kein zweites Mal, dank Streaming sind Serien bei Amazon & Netflix viele interessante Sachen verfügbar), der Rest landet ohne große Wehmut bei Momox & Co.
Sind leider immer noch knapp vier Billy-Regale mit eingeschweißten Scheiben (mitunter seit mehr als zehn Jahren im Besitz), die noch gesichtet werden „müssen“…