Vor ein paar Jahren hatte ich mal darauf hingewiesen, dass es neben praktisch allen Ausgaben des SF-Filmmagazins Starlog bei Archive.org eine geradezu unfassbare Menge kostenlosen Krams zu laden gibt: Bücher, Filme, Serien, Hörspiele, Comics.

Ziel der Webseite war es schon immer, alles Digitale zu erhalten und alles Analoge zu digitalisieren, um es dann zu erhalten. Was rumliegt, was niemandem gehört, was keiner mehr haben will – hier findet sich ein Serverplatz dafür. Und wo eine gute Sache ist, da sind auch gute Menschen, sie zu unterstützen – immer mehr Geeks werfen weltweit ihre Scanner an, um vergilbtes Papier in vergilbte PDFs zu verwandeln.

Filmkritiker-Kollege John Charles hat am Wochenende darauf hingewiesen, dass man dort mittlerweile auch das legendäre Filmmagazin „Psychotronic Video“ findet – alle 41 Ausgaben plus das zugehörige Buch und zehn Scans des Vorläufer-Fanzines.

Da wurde mir schon ein wenig schummrig, denn ich habe in Belgien bei meinen Eltern auf dem Dachboden 30 Plastikboxen stehen, in denen sich meine in den 80er und 90er Jahren mühsam zusammen gekauften Zeitschriften-Schätze befinden, darunter diverse Ausgaben von „Psychotronic Video“. Die Enzyklopädie gehört zu den meistgelesenen Werken in meinem Regal. Und jetzt kann man alle diese Delikatessen für Deppenfilm-Delinquenten KOMPLETT und KOSTENLOS runterladen? Wo bleibt denn da das Herrschaftswissen?!

Aber damit nicht genug. Ich verbrachte nach dieser Entdeckung einen ganzen Nachmittag damit, in Archive.org zu stöbern – wie bei einem gemeinnützigen Projekt mit User-Beteiligung nicht anders zu erwarten, ist die Bedienung eine Katastrophe, die Suche nach bestimmten Medien mit „dumpster diving“ zu vergleichen – und damit ganz wunderbar. Archive.org ist tatsächlich so etwas wie ein vollgemüllter Keller oder Dachboden, zu dem man nach 30 Jahren den Schlüssel wiedergefunden hat und in dem man nun Ordnung schaffen will – was daran scheitert, dass man ständig nostalgisch grinsend auf dem Boden hockt und blättert. Und blättert. Und blättert. Eine Wundertüte, ein Füllhorn, der Sack vom Weihnachtsmann.

Es ist wirklich erschütternd, dass ich circa 80 Prozent der mühsam von mir nach Deutschland eingeschleppten und verwahrten Heftchen hier mit einem Klick auf die Festplatte runterladen kann. Das entwertet sie – aber es entbindet mich auch von dem zwanghaften Glauben, sie für die Nachwelt aufbewahren zu müssen. Sobald ich alle meine neu entdeckten Schätze sortiert habe, wird im analogen Archiv ausgemistet.

Hier eine kleine, in weiten Teilen auch auf meinem Papierarchiv basierende Auswahl an Geek-Genüssen, die ich euch ans Herz legen möchte:

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Neben der Unordnung ist es auch ein Markenzeichen von Archive.org, dass alles legal und kostenlos sein soll, aber nicht notwendigerweise ist – so finden sich diverse Sammlungen bekannter Zeitschriften, deren Ordner kurioserweise leer sind. Da hat dann ein übereifriger Sammler Hefte wie „MAD“ hochgeladen, die von ihren Eigentümern durchaus noch kommerziell verwertet werden und deshalb wieder gelöscht werden mussten. Es fällt außerdem auf, dass Archive.org sich nicht an die puritanischen Jugendschutz-Bestimmungen der USA hält – es gibt eine Menge Schweinkram zu finden, wenn man danach sucht, aber auch hochwertige Erotika und wissenschaftliche Einlassungen zum Thema.

Eine ganz besonders wertvolle Ressource ist die extrem hochwertige „Sight& Sound“-Zeitschrift des British Film Institute.

Beim Thema Bücher ist Archive.org ein zweischneidiges Schwert. Auch hier ist das Angebot unüberschaubar. Allein die „American Libraries“ haben über 2,7 Millionen verschiedene Publikationen eingestellt. Aber vieles ist nicht zum Download vorgesehen, sondern zur Ausleihe. Ganz genau, Archive.org ist auch eine kostenlose digitale Leihbibliothek, in der man manchmal warten muss, bis ein anderer Leser sein Exemplar digital ins Regal zurück gestellt hat. Das ist bestenfalls putzig, aber nicht zielführend.

Zu den absolut unverzichtbaren Klassikern, die ich in diesem Bereich frei ladbar auftreiben konnte, gehören beide Bände von Kenneth Angers Skandalchronik „Hollywood Babylon“.

Wenn ich könnte, würde ich mir aus den Covern der Photoplay-Ausgaben (und ähnlicher Hefte) eine Tapete für mein Arbeitszimmer drucken lassen.

Ihr wollt nicht nur was für die Augen, sondern auch für die Ohren? Gerne doch.

Ein zweischneidiges Schwert sind Hörspiele und Lesungen auf Archive.org. Klar, die Auswahl ist groß und fast unüberschaubar, aber oft sind die Vorleser nur auf Amateur-Niveau oder die Qualität der Radio-Mitschnitte ist bestenfalls bescheiden. Aber wer suchet, der findet – z.B. diese BBC-Reihe mit exzellenten SF-Geschichten, vorgetragen von ebenso exzellenten Sprechern.

Videos hat Archive.org auch, aber als Faustregel empfehle ich in dieser Richtung lieber YouTube, wo die Qualität meist höher ist und die Suchmaschine besser arbeitet. Allerdings kann man durchaus Sachen finden, die verwirren und faszinieren – siehe das Avantgarde-Kino von Lutz Mommartz.

Ärgerlich ist der nach wie vor minimale Anteil an deutschen Materialien. Wo sind die Komplett-Scans von „Emma“, „Phantastische Zeiten“, „Vampir“, „Titanic“, „Spaß – die Comic-Zeitung“, „Zack“ und „Yps“? Nicht hier, das steht fest. Was man aber durchaus findet, sind so ziemlich alle relevanten Computer- und Videospiel-Zeitschriften der letzten 40 Jahre, vom „Aktuellen Software Markt“ bis zur „Happy Computer“.

Ihr merkt schon: Der Dewi ist im Schlaraffenland. Ich in der festen Überzeugung, dass JEDER meiner Leser bei Archive.org irgend etwas findet, das er schon immer gesucht hat. Irgendeine vergessene Rarität, ein lieb gewonnenes Buch aus der Kindheit, ein Hörspiel mit ideellem Wert. Wer nostalgisch gepolt ist, kann hier Tage verbringen und danach jahrelang lesen. Das totale Chaos der Webseite entwickelt seinen eigenen Charme, weil man entschlossen wühlen muss – Archive.org ist nicht Amazon.

Und jetzt muss ich wieder los – mir sind noch ein paar Titel eingefallen, die bestimmt irgendwo auf den Servern von Archive.org zu finden sind…

Wer sich nun selber auf die Suche macht und wirkliche Perlen entdeckt, darf das durchaus allen Lesern in den Kommentaren mitteilen.

P.S.: Massendownload bei Archive.org

Eines der Probleme bei Archive.org ist, dass sich Dateien nur sehr mühsam und einzeln herunter laden lassen. Will man z.B. alle Ausgaben der Fangoria auf die Festplatte holen, dauert das mehrere nervige Stunden. Der unbezahlbare Wortvogel-Veteran Marcel hat mir ein kleines Skript geschrieben, das den Vorgang nicht gerade idiotensicher macht, aber doch erheblich vereinfacht. Will man es unter Windows nutzen muss man sich hier einen PHP-Interpreter runterladen.

Ich erkläre es so einfach wie möglich.

Man legt das Skript in einen neuen Unterordner. Dann geht man zu Archive.org zur erweiterten Suche und trägt bei Query z.B. „collection:(psychotronic)“ (ohne Anführungszeichen) ein. Das Format für die Ausgabe stellt man auf RSS um. Die Nummer der erwünschten Resultate sollte man auch groß genug einstellen. Drückt man nun Suche, erzeugt die Site (in diesem Fall) eine XML-Liste, die man im gleichen Ordner wie das PHP-Skript abspeichert. Dann öffnet man auf dem Mac das Terminal-Programm, wechselt in den Ordner mit dem Skript und gibt folgende Zeile ein:

php get-download-links.php advancedsearch.xml

Will man die Ausgaben von Starlog laden, gilt dieser spezielle Code:

php get-download-links.php advancedsearch.xml starlog

Schon wird eine komplette, saubere Liste an Links zu allen Dateien angezeigt, die man z.B. in den kostenlosen und für alle Systeme verfügbaren Jdownloader kopieren kann.

Hat man sich dran gewöhnt, ist das eine sehr bequeme Methode, größere Sammlungen aus dem Archive.org zu ziehen. Funktioniert nicht immer, kann aber hilfreich sein.

Danke an Marcel für die wirklich tolle Hilfestellung!

NACHTRAG 1.10.2017

Hinweis des Lesers Sebastian bei Facebook:

Stichwort Massendownload. Mit dem JDownloader geht das auch ohne Skript.

Dazu kopiert man einfach die URL einer „Collection“-Seite, also z.B. https://archive.org/details/psychotronic, in den JDownloader. Nun erscheinen im Linksammler-Fenster alle einzelnen Pakete inklusive aller Dateiformate (zip, pdf, xml, gz, usw.). Da man nicht alle, sondern nur ein Format runterladen will, filtert man die Linksammler-Liste entsprechend des Formats, indem man unten im Bereich „Überblick“ in der Zeile „Dateiname“ das gewünschte Format eingibt (z.B. „pdf“). Damit zeigt der Linksammler nur noch die PDF-Dateien an, deren Download man dann mit einem einzigen Klick starten kann.



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