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Mai 2018

Kino Kritik: Solo – A Star Wars Story

Themen: Film, TV & Presse |

USA 2018. Regie: Ron Howard (u.a.). Darsteller: Alden Ehrenreich, Emilia Clarke, Donald Glover, Woody Harrelson, Joonas Suotamo, Paul Bettany, Thandie Newton u.a.

Story: Han Solo ist eine Waise auf einem Werft-Planeten. Mit seiner großen Liebe Kira will er genug Geld zusammenklauen, um abzuhauen und ein eigenes Raumschiff zu kaufen. Doch die beiden werden getrennt und Han schließt sich nach einem Intermezzo bei den Regierungstruppen einer Gruppe von Schmugglern und Dieben an. Hier trifft er erstmals auf den Wookie Chewbacca und schließlich auch auf Lando Calrissian, den charismatischen Besitzer des Millennium Falken. Als Han endlich Kira wiedersieht, haben sich die Vorzeichen drastisch geändert…

Kritik: Disney hat "Star Wars" verstanden. Das kann man nach drei Jahren und vier Filmen einfach mal festhalten. Auch wenn man mit den etwas unerwarteten Volten von "The last Jedi" hadert oder die tatsächliche Relevanz der "Rogue One"-Story in Frage stellt, lässt sich nicht bestreiten, dass endlich wieder eine Vision jenseits des Bärtigen sichtbar wird. Dass es einen Hauptstrang gibt, der ebenso sorgfältig bedient wird wie diverse Spinoffs, die ihn ergänzen und erweitern.

Dass das nicht selbstverständlich ist, kann man schon sehen, wenn man in die 80er Jahre zurückschaut – auch Lucas hatte ja die Idee der Spinoffs sehr früh. Und was wurde draus? Das Star Wars Holiday Special, zwei Ewok-Filme und eine Zeichentrickserie über C3PO und R2D2. Na, vielen Dank.

Disney scheint sich deutlicher aus dem gelungeneren Teil des Star Wars-Universums zu bedienen, den Büchern, Videospielen und den Comics. Eine reiche Quelle an Ideen, die man zuerst fast in toto für "nicht canon" (also genau genommen nicht relevant) erklärt hatte, nun aber doch als Inspiration heranzieht.

Wie folgerichtig "Solo" als eigenständiger Film ist, lässt sich leicht nachvollziehen: Die Jugendjahre von Darth Vader hatten wir schon, die fallen also raus. Die Jugendjahre von Luke Skywalker? Der ist in "A new hope" gerade mal 19, genau genommen zeigt die erste Trilogie seine Mann-Werdung. Die letzten drei Star Wars-Filme wurden bereits von weiblichen Hauptdarstellerinnen getragen, da wäre "Leia: A Star Wars Story" vermutlich Overkill gewesen. Bleibt Han, zumal der "charming rogue" sicher eine der schillerndsten Figuren des Universums darstellt. Er ist es auch, der in die erste Trilogie ausreichend Backstory mitbrachte, die eine genauere Betrachtung lohnt: seine Arbeit für Jabba, die Freundschaft zu Chewie, die Beziehung zu Lando, die wechselhafte Geschichte des Millennium Falken, etc.

Kurzum: "Solo" ist nicht nur eine gute Idee, sondern eigentlich zwingend gewesen. Man darf durchaus darüber nachdenken, warum in 40 Jahren Star Wars noch niemand vorher darauf gekommen ist. Han Solo ist reif, reif, reif, überreif für ein eigenes Abenteuer, seine ganz persönliche "origin story" (und ja, ich habe gerade "Reif für die Insel" von Peter Cornelius zitiert).

Nun lief die Produktion bekanntermaßen nicht glatt – das ursprüngliche Regie-Duo wurde gefeuert und man holte Ron Howard an Bord, um den Film wieder auf Spur zu bringen. Es mag dem "casual viewer" vielleicht nicht klar sein, aber mit Howard und dem Drehbuchautor Lawrence Kasdan ist "Solo" vollgepackt mit der Expertise der ersten großen Generation des Hollywood-Blockbusters. Hier sind die Macher von "Jäger des verlorenen Schatzes", "Willow", "Das Imperium schlägt zurück", "Cocoon", "Apollo 13" und "Bodyguard" am Steuer. Disney hat seinen Franchise-Veteranen in die Hände echter Legenden gelegt.

Und bevor ihr euch vor Neugier ins Höschen macht: es hat sich gelohnt.

"Solo" ist die Quadratur des Kreises: Ein perfekter Star Wars-Film, der sich ungemein smooth in das Gesamtbild der Franchise einpasst, und gleichzeitig ein souverän für sich stehender Action-SF-Film mit viel Humor und einem erstaunlich großen Herz. Ob man als alter Star Wars-Nerd begeistert die Referenzen bejubelt oder als Newbie ins Cockpit des Millennium Falken steigt – großes Entertainment über 2 Stunden 20 Minuten ist gewiss. Kino deluxe.

Ich will mich bei der Besprechung gar nicht so sehr auf die technischen Aspekte versteifen – dass die Effekte erste Sahne sind, dass die Musik mit wagnerischem Pomp dröhnt, dass an exotischen Locations nicht gespart wurde, das war zu erwarten und das wird auch eingelöst. Die 250 Millionen Dollar sind auf der Leinwand angekommen. Auge und Ohr werden mit Perfektion eingecremt.

Aber es geht ja auch um andere Dinge. So findet "Solo" von der ersten Szene an eine eigene Bildsprache, einen eigenen Blickwinkel auf das Star Wars-Universum. Hier regieren Rauch und Nebel, Schmutz und Rost. Wir befinden uns in der Unterwelt der Republik, in bestenfalls halbseidenen Kreisen. Wer sich hier rumtreibt, sieht nicht das große Ganze, sondern nur seinen Ausschnitt. Folgerichtig verzichtet der Film auf die üblichen gigantomanen Ansichten von Städten und Planeten, hält den Fokus eng, bleibt nah an den Protagonisten und ihrem Platz in einem chaotischen Universum.

Auch erzählerisch wird diese eigenständige Sichtweise bedient – in der Welt der Schmuggler und Diebe ist kein Platz für die Republik, für riesige Flotten von Raumschiffen, für Laserschwerter oder Jedi-Ritter. Vieles, was wir von den Star Wars-Filmen als essentiell erwarten, kommt schlicht nicht vor – und passt perfekt dazu, dass Han in "A new hope" z.B. die Jedi für einen Mythos hält, ein Kindermärchen. Sie waren nie Bestandteile "seines" Universums.

Und da "Solo" eben nicht die üblichen Elemente bedienen muss, kann er sich an anderen Vorbildern orientieren, was perfekt den Bogen zu Kasdan und Howard schlägt: "Solo" ist ein klassischer Söldner-Film mit B Movie-Genen, der "Das dreckige Dutzend" und Charles Dickens emuliert, wenn "Soldat" Han desertiert und sich einem "wilden Haufen" anschließt, um als Kriegsgewinnler genau da abzukassieren, wo die konkurrierenden Fraktionen nicht so genau hinschauen. Es werden Züge überfallen und Rohstoffe geklaut, man trifft auf Rebellen und Verräter, korrupte Generäle und eiskalte Warlords. DAS ist die Welt von Han Solo – und sie ist erfrischend anders als die Welt von Anakin Skywalker oder Obi-Wan Kenobi.

Erstaunlich ist dabei nicht nur die Geschwindigkeit und die Präzision, mit der "Solo" die "Ausbildung" seines Helden in sich immer steigernden Actionsequenzen durchhastet, erstaunlich ist auch die schiere Menge an Story, die in der Laufzeit untergebracht wird. "Solo" hätte man mit wenig Aufwand auf eine Trilogie strecken können, so  hoch, breit und lang wird hier erzählt.

All das KANN nur funktionieren, wenn die Darsteller es tragen können. Und auch in dieser Hinsicht kann ich 10 für 10 vermelden. Alden Ehrenreich mag kein "lookalike" des jungen Harrison Ford sein, aber er hat den Blick, die Gesten und das Posing perfekt drauf. Man nimmt ihm sofort ab, dass er in 15 Jahren aussehen wird wie Harrison Ford vor 40. Es hilft, dass die deutsche Synchronstimme Florian Clyde wie die perfekte junge Version von Wolfgang Pampel klingt. Gleiches gilt für Donald Glover: Ist er ein Doppelgänger von Billy Dee Williams? Nein. Aber er ist so unfassbar smooth, charismatisch und windig, dass man ihm den CHARAKTER Lando sofort abkauft. Alles, was an Figuren hinzu gedichtet wurde, ergänzt den Cast nahtlos – Paul Bettany, Woody Harrelson, sogar Emilia Clarke, für die ich keine besonderen Sympathien hege, die hier aber sehr gut ist.

Über die Darsteller kommen wir dann auch abschließend zu den Figuren – und zum wirklichen Schlüssel für das Entertainment von "Solo". Denn es geht hier ja um mehr als um ein paar Charaktere in wechselnd gefährlichen Situationen. Es geht um Freundschaften, von denen wir wissen, dass sie die nächsten Generationen prägen werden. Han und Chewie, Han und Lando, Han und der Falke – das waren schon immer fast mythische, symbiotische Verbindungen, und dem Team Howard/Kasdan gelingt es, diese mühelos zu etablieren. Machte die erste Trilogie von 1977 bis 1984 sehr deutlich, dass Han und Chewie ein Arsch und ein Eimer sind, dann verstehen wir nach "Solo", WARUM das so ist. Haben wir uns nach "Das Imperium schlägt zurück" gefragt, warum Han dem hinterhältigen Lando vertraut, so wissen wir nun, WARUM er es tun wird – und warum Lando ihn verrät. Der Millennium Falke – er ist im wahrsten Sinne des Wortes mehr als nur ein Raumschiff, dass den "kessel run in less than twelve parsecs" geschafft hat. Wir haben von all diesen Dingen bisher nur die Blüten gesehen – "Solo" zeigt die Wurzeln. Und damit ist der Film auch für das Star Wars-Universum deutlich relevanter als "Rogue One", der letztlich nur eine Momentaufnahme in die Länge zieht.

Bei allem Spektakel, bei aller Spielfreude, bei allen klassisch erzählten Abenteuern ist "Solo" letztlich ein Film über Freundschaften in schwerer Zeit. 1978 war ich 10 Jahre alt und kam aus dem Kino mit zwei Gedanken im fast platzenden Kopf: "Ich brauche ein Laserschwert – und ich will Han Solo sein". Als ich gestern Abend aus dem Kino kam, aufgedreht und hibbelig, dachte ich: "Ich will zu Team Solo gehören. Einer für alle, alle für einen."

Fazit: Ein großartiger, sehr eigenständiger Abenteuerfilm, vollgepackt mit Story, Spektakel und echten Freundschaften, der das Söldner-Kino der 70er referenziert und weit besser als "Rogue One" nicht nur einen "side quest" des Star Wars-Universums erzählt, sondern als "origin story" die Figur Han Solo und ihr Umfeld beleuchtet.

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Marcus
Marcus
24. Mai, 2018 15:56

"DAS ist die Welt von Han Solo – und sie ist erfrischend anders als die Welt von Annakin Skywalker oder Obi-Wan Kenobi."

Da ist leider irgendwo ein "n" zuviel… 🙂

"passt perfekt dazu, dass Han in „A new hope“ z.B. die Jedi für einen Mythos hält, ein Kindermärchen. Sie waren nie Bestandteile „seines“ Universums."

Ich versteh schon, was du meinst, aber genau da (u.a.) haben halt die unseligen Prequels den Originalen in die Füße geschossen – am Ende von Ep 3 war Amidala schon mit Luke und Leia schwanger. D.h. als Han das gesagt hat, war die Vernichtung der Jedi maximal so lange her, wie Luke alt ist, womit Han also nicht an etwas glaubt, was es zu seinen Lebzeiten noch gegeben hat und was da auch alles andere als ein Geheimnis war. Das ist so, als würde ich nicht glauben, dass es die Spice Girls mal gegeben hat.

Ansonsten: schön, dann scheint das ja wider Erwarten doch keine Gurke geworden zu sein.

Wortvogel
Wortvogel
24. Mai, 2018 16:00
Reply to  Marcus

"womit Han also nicht an etwas glaubt, was es zu seinen Lebzeiten noch gegeben hat" – das ist nicht der Punkt. "Solo" macht sehr deutlich, dass das Universum unfassbar groß ist und die Jedi Teil einer Sphäre sind, mit der Han praktisch nicht in Berührung kommt. Natürlich das grundlegend unwahrscheinlich, aber es wird glaubwürdig erzählt.

Marcus
Marcus
24. Mai, 2018 23:37
Reply to  Wortvogel

Wie gesagt, ich verstehe schon, was du sagen willst. Das macht es aber nicht logischer. Ich zB bin mit Boris Jelzin auch nie in Berührung gekommen und zweifle trotzdem nicht daran, dass es ihn mal gegeben hat.

BlueDragon
BlueDragon
31. Mai, 2018 19:15
Reply to  Marcus

Und dann stell dir mal vor du wärst irgendwo in einem Slum in Südamerika aufgewachsen. Wie viel hättest du da mitbekommen…? Han war in seiner Kindheit und Jugend relativ von der Aussenwelt abgeschnitten, so kommt es jedenfalls im Film rüber.

invincible warrior
invincible warrior
6. Juni, 2018 05:27
Reply to  Marcus

Es wurde schon in Episode 1 klargestellt, dass die Jedi ein arroganter Haufen in ihrem Elfenbeinturm waren, die nur auf andere Planeten kommen um Kleinkinder mit Machtpotential mitzunehmen. Das bedeutet, dass die meisten Bewohner der Planeten niemals Kontakt mit den Jedi hatten und die hoechstens von ihnen gehoert haben.
Solo spielt zudem NACH der Machtergreifung des Imperators, die Jedi wurden alle als Verraeter des Imperiums/Republik gebrandmarkt und deren Ruf durch die Propaganda zerstoert. Also selbst wenn man zuvor von den Jedi gehoert hat, ist deren Ruf sicher nicht mehr so gut. Aber man kann von ausgehen, dass Han wirklich nicht mehr als nur Geruechte gehoert hat von den Jedi.

Olaf
Olaf
24. Mai, 2018 15:58

Gänsehaut beim Lesen bekommen, heute abend heisst es "Solo" für Olaf 😉

heino
heino
24. Mai, 2018 16:32

Nachdem mich die letzen 3 SW-Filme alle enttäuscht hatten, wollte ich den hier auf keinen Fall sehen, aber die doch recht guten Trailer und der negative Artikel auf SPoN – für sich genommen ja fast immer ein Garant, dass der jeweilige Film unsereins gefallen wird – haben mich umgestimmt. Kann aber noch was dauern, bis ich dazu komme.

Wookie
Wookie
24. Mai, 2018 17:34

„Han schließt sich nach einem Intermezzo bei den Regierungstruppen einer Gruppe von Schmugglern und Dieben an. Hier trifft er erstmals auf den Wookie Chewbacca …“ – fast richtig, Chewie trifft er, bevor er sich den Schmugglern und Dieben anschließt 😉

Wortvogel
Wortvogel
24. Mai, 2018 17:54
Reply to  Wookie

Das kommt darauf an, wie man die Szene auslegt.

Martzell
24. Mai, 2018 22:58

Jetzt habe ich wieder Bock auf den Film den critic.de zerrissen hat.

Micha
Micha
25. Mai, 2018 07:55

schade … klingt wieder nach einem Film, der sich weit außerhalb des Canons der Bücher bewegt … keine Ahnung warum man die Geschichte immer wieder völlig neu schreiben muss 🙁

siehe hier

Dietmar
27. Mai, 2018 00:00
Reply to  Micha

Warum sind die Bücher kanonisch? Und wenn es um Kanon geht: Den hat Episode I bereits verraten.

Howie Munson
Howie Munson
27. Mai, 2018 12:23
Reply to  Dietmar

weil "schorchi" sich 15 Jahre lang geweigert hat neue Filme zu machen und die X-Wing Spiel von LucasArts (vormals "Lucasfilm Games") sich eben auf die Bücher bezogen.

Ist aber eh wurst, wie du schon richtig sagst hat Ep.1 schon den Kanon der ersten Triologie gebrochen…. jedenfalls wenn man das jeweilige "Buch zum Film" zugrunde legt.

Dietmar
27. Mai, 2018 23:16
Reply to  Howie Munson

weil … die X-Wing Spiel von LucasArts (vormals „Lucasfilm Games“) sich eben auf die Bücher bezogen.

Ach so! Das wusste ich nicht, weil Spiele grundsätzlich an mir vorbei gehen. Danke!

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos
25. Mai, 2018 11:16

Danke für das Review, aber knapp 2,5 Stunden in unsäglichem 3D brauche ich echt nicht. Wird dann im Heimkino mitgenommen, die Trailer haben mich schon nicht abgeholt und mich nerven Prequels insofern, dass man alle neu eingeführten Charaktere (die vielleicht sogar cool sind) dann eh abschreiben kann, da sie entweder in den Hauptteilen dann gar nicht mehr vorkommen oder am Ende nicht mal erwähnt werden.

Wortvogel
Wortvogel
25. Mai, 2018 12:11
Reply to  Rudi Ratlos

Da liegst du falsch – da "Solo" mitnichten direkt an "Phantom Menace" anschließt, bleibt viel Raum, auch die neuen Figuren weiter zu führen.

jimmy1138
jimmy1138
25. Mai, 2018 13:14
Reply to  Rudi Ratlos

Die Trailer sind mMn sehr irreführend geschnitten (und enthalten z.T. auch Szenen, die im Film nicht vorkommen). Und ohne groß zu spoilern: Es ist kein Rogue One, wo am Ende alle tot sind. Einige der neuen Charaktere überleben bzw hatte ich da das Gefühl, daß da noch mehr kommen muß…

jimmy1138
jimmy1138
25. Mai, 2018 11:58

Vielleicht hätte man an gewissen Stellen kürzen können bzw möglicherweise ist der Film vom Drehbuch her überladen und auch die Filmmusik – generell in meinen Augen eher ein Schwachpunkt der neuen Filme – könnte etwas einprägsamer bzw wirkungsvoller sein. Aber es ist zumindest nach dem ersten Ansehen ein gelungener Heist-Film, der sich gut an die Genrekonventionen (insbesondere Struktur und das Motiv des "last big score") hält. Nichts fühlt sich an, als ob es nicht ins Star Wars Universum passen würde und obwohl man weiß, daß gewisse Dinge passieren müssen, gibt es auch einige Überraschungen.
Ich bin mir sicher, daß das manchen Fans nicht schmecken wird, aber ich denke, daß Solo der Auftakt zur MCU-isierung von Star Wars (bzw. einem Teil von Star Wars) ist: Ein Shared Movie Universe, das in ebendieser Epoche (schätzomativ 10 Jahre vor ANH) spielt, mit Filmen bzw Filmreihen, wo zwar der Protagonist unterschiedlich ist, aber verbindende Elemente und ein übergeordneter Plot bestehen. Spätestens als er am Ende des Films aufkreuzt war für mich klar: Da gibt es bei Disney einen Plan. Denn, daß da gewisse offene Rechnungen in kommenden Filmen nicht beglichen werden, wär genauso wie wenn Marvel kein Infinity Wars gedreht hätte, nachdem sie Thanos in Avengers gezeigt haben.

Wortvogel
Wortvogel
25. Mai, 2018 12:09
Reply to  jimmy1138

Das sehe ich ein wenig anders – es gibt zwar verbindende Elemente (zwangsweise, Han Solo war ja unbestreitbar auch in den anderen Filmen dabei) und ein paar Cameos, aber das riecht in meinen Augen eben nicht nach "großer Gesamtstory" und der Film ist auch für Star Wars-Novizen prima goutierbar.

Dietmar
26. Mai, 2018 23:57

Oh klasse! Ich hatte, gnaddelig wie immer, wenn es um die Neuauflage von Altem geht, gedacht, "Star Wars" ist für mich erledigt. Aber den werde ich jetzt doch gucken.

Markus
30. Mai, 2018 13:55

Volle Zustimmung! (Ist ja nicht "Discovery"…)

http://www.sitzkartoffel.de/?p=1246

jimmy1138
jimmy1138
4. Juni, 2018 20:35

Also mittlerweile kann man nix mehr beschönigen: Solo wird ein absolutes Desaster für Disney an den Kinokassen, könnte vermutlich auch einer der größten Flops aller Zeiten werden, ein Debakel von John-Carter-Ausmaßen.
Das schlechte Startwochenende ist für mich Zeichen, daß der Hype nichtexistent war, man sieht es z.B. an den Aufrufen des Trailers auf Youtube – 14 Mio Abrufe für Solo vs 50 Mio für Rogue One und Last Jedi, The Force Awakens hatte sogar 100 Mio Aufrufe. Jetzt ist von Konkurrenz durch Deadpool und Avengers die Rede, der angeblichen Unzufriedenheit unter den Fans nach TLJ und gar "Star Wars Fatigue", weil dieser Film so knapp nach dem letzten kam. Ich denke es ist nicht ein Faktor, sondern eine Kombination von Gründen.
Gerade bei Solo hatte man mMn sicherlich mehrere Probleme den Film dem Publikum schmackhaft zu machen, einerseits durch den Schauspielerwechsel – für viele ist Han Solo nur Harrison Ford -, andererseits ist für den normalen Kinobesucher vermutlich etwas verwirrend, den Film chronologisch einzuordnen, und außerdem – das sag ich als jemand, dem er gefiel – steht nicht allzu viel auf dem Spiel im Film. Während es in den Sagafilmen um nichts weniger geht als das Schicksal der Galaxis, geht’s da um das Leben irgendwelcher Kleinkrimineller, wo man obendrein weiß, wie es ausgeht. Han, Lando und Chewie überleben, Han bekommt den Falken.
Ähnliche Probleme sehe ich bei den angedachten Boba Fett bzw Kenobi Filmen. Wie will man das dem breiten Publikum verkaufen? Bei Rogue One konnte man es – da ging’s um das Schicksal der Galaxis, Figuren, die bzw deren Schicksal man noch nicht kannte, und ein Setting, mit dem jeder was anfangen kann.
Welche Folgen wird das Boxoffice-Fiasko bei Disney haben? Ich denke man wird – leider – weitere Filme in der Solo-Kontinuität vergessen können. Soferne die DVD-Auswertung nicht ein Sensationserfolg wird, wird Disney nicht den Masochismus haben, ein Shared Movie Universe, eine Franchise, wasauchimmer auf einem Film aufzubauen, der vermutlich – mal grob geschätzt – 100-200Mio $ Verlust machen wird. (Apropos: Das Dark Universe dürfte nicht komplett tot sein…) Der von manchen Fans herbeigesehnte Rauswurf von Kathleen Kennedy? Die reichlichen Produktionsprobleme stärken ihre Position sicher nicht und es werden manche wohl meinen, Lucasfilm brauche einen "Kevin Feige". Oder gar den Kevin Feige?

Howie Munson
Howie Munson
6. Juni, 2018 17:30
Reply to  jimmy1138
Matts
Matts
7. Juni, 2018 12:41

Für mich war Solo auch ein sympatischer Star Wars Film, der mich durchgehend gut unterhalten hat. Ich hab eigentlich kaum etwas an dem Streifen auszusetzen. Daher finde ich es auch wirklich schade, dass er wohl als finanzieller Flop enden wird.
Über die Gründe wurde ja hier schon viel spekuliert. War es, weil zwar alle Han Solo mögen, aber Alden Ehrenreich einfach nicht Harrison Ford ist? Ich bin von seiner Pefromance in der Rolle nicht ganz so begeistert wie der Wortvogel – trotzdem hat er als Protagonist gut genug funktioniert.
War es, weil keiner eine Origin-Story von Han Solo gewollt hat? Ganz ehrlich: Ich hab diesen Film auch nicht gebraucht, bin jetzt aber auch nicht unglücklich, dass es ihn gibt.
War es, weil so viele Leute entsetzt von "The Last Jedi" waren, dass sie Star Wars komplett abgeschworen haben? Man ist ja einiges gewohnt, aber die Mimimi-Orgie im Netz nach dem Film hat schon direkt neue Ausmaße erreicht.
Oder setzt einfach eine Franchise-Müdigkeit ein? Immerhin sind es erst 5 Monate seit dem letzten Star Wars Film.
Vermutlich ist es Kombination von all diesen Faktoren und noch vielen anderen….

jimmy1138
jimmy1138
7. Juni, 2018 15:59
Reply to  Matts

Auf die einzelnen Punkte/mögliche Ursachen
– TLJ-Fallout:
In den Jahren zwischen TFA und TLJ gab es v.a. Diskussionen um zwei Themen – wer sind Rey’s Eltern und wer ist Snoke? Man kann argumentieren, daß die Identität von Rey und Snoke nicht wichtig für die Story sind und man gerade bei Rey die Aussage machen wollte, daß man nicht unbedingt von irgendwem abstammen muß, um Großes zu vollbringen, aber: JJ Abrams hat das in TFA selbst angeteasert und soweit ich mich erinnere, war sein Plan, daß es darauf zufriedenstellende Antworten gibt.
Dann natürlich Luke Skywalker, der hoffnungslose Optimist der originalen Trilogie, als alter Grantler. Der am Schluß zwar wieder etwas zu seinem Optimismus findet, aber einfach so stirbt. Dazu die Handlung um Canto Bight – sozialer Kommentar mit dem Holzhammer. Und generelle viele Brüche mit gängigen Erzählklischees, die zwar clever sind, aber ein Problem haben: Star Wars ist im Kern ganz bewußt ein einziges Erzählklischee, die sogenannte "Heldenreise".
Ich verstehe schon, daß das insgesamt für viele Fans zu viel war, einige sich von Johnson verschaukelt oder sich gar vorgekommen sind, als würde ihnen ins Gesicht gespuckt – auch wenn viele Reaktionen übertrieben sind und gerade auf Youtube Clickbaiting betrieben wird. Da haben in meinen Augen einige Leute versucht, mit Star Wars Bashing Karriere zu machen. (Wobei man diesen Vorwurf auch manchen Leuten in der Prequel Ära machen kann).
Man muß mMn auch sagen, daß gewisse Kommentare von Lucasfilm-Leuten es nicht besser gemacht haben. Star Wars ist nicht ohne Grund "A long time ago in a galaxy far far away", ein Exkurs fernab des Alltags, v.a. von (tages)politischen Streitereien. Das heißt nicht, daß Star Wars unpolitisch sein muß, aber die Dinge eben sehr, sehr viel subtiler transportiert werden müssen als im Canto Bight Handlungsstrang.

– "Solo braucht keiner":
Welchen Film braucht man? Das ist ein reines Marketingproblem. Und wenn es stimmt, daß der Pitch für den Solo-Film war, wie der an seinen Nachnamen kommt, kann man sich nur an den Kopf greifen.
Insgesamt war das Marketing eher schlecht. Sehr lange kein Trailer, viele Leute wissen gar nicht, daß der Film schon im Kino ist – vielleicht weil man konditioniert ist darauf, daß es zu Weihnachten einen neuen Star Wars Film gibt. z.T. mag auch mitspielen, daß die Fans sauer sind und eben nicht ihre Freunde und Bekannten auf den Hype-Train aufsteigen lassen.

– "Franchise-Müdigkeit":
Star Wars kann keine 2 Filme pro Jahr rausbringen, aber Marvel drei?

Lülü
Lülü
9. Juni, 2018 23:46
Reply to  jimmy1138

Oh Gott, da denke ich beim Lesen, wer ist dieser Schriftsteller – oder Philosoph – mit dem Inselzitat, der mir Kulturbanausen nicht bekannt ist. Klicke auf den link und bin auf einmal wieder tief in den 80er und Kind. Dafür recht herzlichen Dank…

Zu Solo: Ist für Montag Abend geplant – auch wieder ein Rücksturz in die Kindheit – und ich hoffe Deine Bewertung stimmt so mit meinem Empfinden überein, wie die Bewertung "ich komme aus dem Kino und will ein Lichtschwert"

Bislang haben mir die neuen Filme gut gefallen. Aber ich bin auch recht leidensfähg. Ich habe sogar Episode I akzeptiert

Heino
Heino
18. Juli, 2018 09:56

Tja, jetzt habe ich den Streifen doch noch gesehen und bin zwar nicht so angepisst wie nach TLJ, aber begeistern konnte er mich auch nicht. Dafür haben mich dann doch etliche Dinge (der nervige "lustige" Roboter inkl. peinlicher Sterbeszene, Lando als geckenhafter, angeberischer Dandy, der keinen Sinn ergebende Big Baddie am Ende, das Malen nach Zahlen-Script, das jede Spannung schon im Ansatz erstickt) gestört. Ehrenreich fand ich überraschend gut, Harrelson und Bettany sind eh eine Bank und Emilia Clarke sehe ich auch immer gern, aber insgesamt fand ich den Film recht langweilig. Zumindest das konnte ich den anderen Filmen nicht vorwerfen.

Wortvogel
Wortvogel
18. Juli, 2018 11:52
Reply to  Heino

Meinungen, die mehr als zwei Wochen nach dem Kinostart geäußert werden, können wir leider nicht berücksichtigen.

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[…] der Franchise groß genug ist, um Figuren und Geschichten voneinander abzukoppeln. Wie schon in SOLO – A STAR WARS STORY (und sogar den TV-Filmen der 80er wie KARAWANE DER TAPFEREN) gibt es ausreichend Raum, um nicht […]