Ich bin aktuell voll „retro“, was meinen Medienkonsum angeht. Olle Filme habe ich ja sowieso immer schon gerne geschaut. Aber derzeit genieße ich es, antiquarische Hörspiele zu hören, alte Jahrgänge legendärer Cartoons zu lesen und Klassiker als Ebooks zu verschlingen. Mich entschleunigt das – zu meiner eigenen Überraschung.

Da ich aber ein Kind der verpönten Kostenlos-Kultur des Internets bin, schaue ich natürlich immer, wo es gerade was preiswerter oder gar umsonst gibt. So hatte ich von den großartigen Crackanory-Lesungen ja schon berichtet.

Ebenfalls ein guter Startpunkt für die digitale Belletristik-Sammlung sind gemeinfreie Werke, die günstig rausgehauen werden. Da kann man 50 Romane von Edgar Wallace für ebenso viele Cents kaufen. Oder die kompletten Sherlock Holmes-Erzählungen für umme. Es gibt schlechtere Strandlektüren.

Eine geradezu unüberschaubare Menge an rabattierten und geschenkten Angeboten bekommt man mittlerweile als Amazon Prime-Kunde. Spielfilme und Serien, keine Versandkosten, eine Kindle-Leihbücherei, kuratierte Bestseller zu Spottpreisen, Computerspiele, Musik bis zum Ohrenkrebs, ausgewählte Lebensmittel. Einiges davon nutze ich, vieles liegt brach.

Ich versuche gar nicht mehr, mir da einen Durchblick zu verschaffen – Amazon muss mich auf neue Angebote schon mehr oder weniger diskret hinweisen.

Und das passierte letzte Woche mal wieder, als auf meinem Fire Tablet plötzlich dieses App-Icon ungefragt auftauchte:

Oben rechts das meine ich: Kindle Zeitungskiosk

Nun bin ich eher ungehalten, wenn man mir ohne Nachfrage neue Software aufspielt, aber das Fire Tablet ist quasi Amazon-Eigentum, da will ich mal nicht voreilig urteilen. Ich klicke auf das Icon, erwarte nix – und bin bass erstaunt: 98 Lifestyle- und 38 Frauenmagazine, 3 Männerhefte, 22 Kochzeitschriften, 17 Titel, die sich mit Nachrichten und Politik befassen und 21 Zeitungen. 

Nun gibt es digitale Kioske genug, aber es zeigt sich, dass ich dank Prime-Mitgliedschaft hier gar nicht zahlen muss. Über das Interesse an den Zeitschriften stoße ich aber noch auf etwas, das mich erheblich mehr erfreut: Es gibt ein paar ausgewählte amerikanische SF-Magazine wie „Astounding“, über die ich mich zu Bezahl-Angeboten klicke, die wirklich faszinieren. Denn im Gegensatz zu den meisten Prime-Diensten kann ich hier auch auf englischsprachige Schnäppchen zugreifen.

Man schaue mal die beiden Neuzugänge rechts an:

Fette Sammelbände mit Geschichten zweier meiner Lieblingsautoren. Kostenpunkt: 61 Cent pro Band. Und davon gibt es HAUFENWEISE. Aus praktisch jedem Genre. Bisher war das immer so, dass man solche Packs zwar auf den englischen und amerikanischen Amazon-Seiten angezeigt bekam, sie aber nicht kaufen konnte, weil die Kindle-Märkte national abgeschottet sind. Das ist zumindest hier nicht der Fall.

Ein wirklich haiser Schais.

Heute dann der nächste Paukenschlag: prime reading

Das mag mit dem Kindle Kiosk verwandt oder verschwägert sein, genau habe ich das noch nicht durchblickt. Fakt ist, dass man hier ebenfalls tonnenweise Bestseller, Zeitschriften und Comics kostenlos laden und lesen kann. Wirklich? Ich klicke eher skeptisch die nagelneue Ausgabe des SPIEGEL an – und siehe da, sie wird klaglos auf mein Tablet geladen.

Da nehme ich doch gleich auch noch den ersten „Ms. Marvel“-Comicband mit.

Alles landet zusammen mit den Sci Fi-Packs augenblicklich auf meinem Fire Tablet.

Ich glaube, ich brauche Urlaub – Leseferien.

Natürlich gibt es einen „Haken“, wenn man das so nennen will: Amazon ist kein Full Service-Provider. Man bekommt als Prime-Mitglied nicht ALLE Bücher und Serien kostenlos hinterher geschmissen, sondern eine wechselnde und begrenzte Auswahl. Gehört man zu der Sorte Kunde, die exakt weiß, was sie sucht – man mag nicht immer fündig werden. Ist man aber eher der Browser und lässt sich gerne überzeugen und überraschen, dürfte man selten mit leeren Händen aus dem Prime-Bereich kommen.

Nach der ersten Euphorie fasse ich jetzt mal zusammen: selbst wenn man nicht alle Prime-Dienste nutzt, selbst wenn man nur wenige nutzt, kommt man auf seine Kosten. Die Amazon-Sphäre versorgt mich mit Filmen, Serien, Hörbüchern, Büchern, Zeitschriften, Comics – alles im Preis der Prime-Mitgliedschaft inbegriffen.

Darf ich das toll finden oder bin ich dann nur wieder ein williger Knecht des Systems?



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