23
Jan 2024

Ein schnarchiger Beitrag

Themen: Neues |

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Heute erzähle ich euch mal wieder etwas, das euch nichts angeht, aber vielleicht mittelfristig hilft.

Ich schnarche.

Mehr noch: Ich entstamme einer großen Dynastie von Schnarchern. Mein Vater selig hätte beim Abriss der Plattenbauten in der Ex-DDR mithelfen können und gegen meinen Bruder kommt das satte Röhren einer Harley-Davidson auch nicht an. Zwei männliche Dewi unter einem Dach könnten durch kombinierte Schwingungen auf der offenen Richter-Skala registriert werden – in Japan.

Einerseits möchte ich sagen: Es ist nicht unsere Schuld. Es sind die Gene. Andererseits kann ich kaum bestreiten: Es ist obendrein eine Kombination aus Alter, Alkohol und Fettleibigkeit. Das ist empirisch belegbar – in Zeiten der Diät (2012 und 2018) schnarchte ich weniger und auch im Urlaub neulich konnte ich das Problem durch den Verzicht auf Rosé zum Abendessen erkennbar reduzieren.

Ich hatte massive Probleme, die Schnarcherei ernstzunehmen, weil ich mich dafür geschämt habe. Wer will denn nachts den Partner nerven?! Gerade die Tatsache, dass man es selber nicht merkt und es auch nicht unter Kontrolle hat, verunsichert stark. Aber aus diskreten Gesprächen im Freundeskreis habe ich herausgefunden, dass ich damit wahrlich nicht allein bin. Wir Schnarcher sind vielleicht Verstoßene – aber wir sind viele!

Disclaimer: Schlafapnoe ist es nicht – mein Bruder und ich haben uns mit Hilfe von Schlaflabors checken lassen. Das bedeutet auch: Die Schnarcherei ist nicht krankhaft und damit nicht das Problem der Krankenkasse.

Ich bin sehr froh, dass ich immer ein Arbeitszimmer hatte, um im Zweifelsfall in das “Schnarchbett” umziehen zu können. Die Schnarcherei belastet nicht nur meine Atemwege – sie raubt vor allem der LvA den Schlaf. Und die LvA braucht ihren Schlaf. Ich will keine unausgeschlafene LvA. Eine unausgeschlafene LvA ist eine reizbare LvA. Vor einer reizbaren LvA habe ich Angst.

Ich merke übrigens selber, wenn ich schwer geschnarcht habe – dann ist morgens der ganze Mundraum unangenehm trocken und ich bin fast heiser. Außerdem klingelt immer mal wieder die vom Nachbarn gerufene Polizei. Nein, Herr Wachtmeister, wir haben heute Nacht kein Schwein geschlachtet.

Vor zwölf Jahren schaute ich mir deshalb diesen SnoreStopper an und identifizierte ihn augenblicklich als dummdreisten Kappes:

Ich höre mich habituell nach neuen Möglichkeiten um – so soll es bei uns im Münchner Speckgürtel einen Kieferorthopäden geben, der eine neue Form von Spange entwickelt hat, die tatsächlich hilft. Angeblich.

In meiner Verzweiflung habe ich sogar das hier probiert – abgesehen davon, dass es nicht hilft, ist es absolut entwürdigend:

Eine zeitlang haben mir sogenannte Schnarchschienen geholfen, die man bei Amazon bestellen und die man durch leichtes Erhitzen an die eigene Kieferform anpassen kann:

Davon bin ich wieder abgekommen, weil das Teil einfach nicht richtig sitzt und damit auch nicht wirklich hilft.

Auch die Nasen-OP vor drei Jahren hat zwar eine generelle Verbesserung der nasalen Belüftung gebracht, von dem ästhetischen Gewinn gar nicht zu reden, aber dem nächtlichen Röhren konnte keine Abhilfe geschaffen werden.

Ich bin einer OP des Gaumenlappens oder der Uvula nicht mal abgeneigt – aber dafür müssten die Erfolgsaussichten höher sein, als sie es aktuell sind.

Ein Spezialist empfahl mir 2020, doch mal zu einem Zahnarzt zu gehen, der mir eine individuelle Zahnschiene anpasst. Mit wenig Hoffnung ließ ich mir einen Termin geben und einen Abdruck meiner Kiefer machen. Drei Tage später wurde das Trumm aus Gummi-Plastik erstmals in die Kauleiste geschoben:

Zur Erklärung: Es sitzt nicht fest wie eine Zahnklammer. Der Kunststoff ist weich genug, um das Zahnfleisch nicht zu verletzen und auch bei nächtlichen Kaubewegungen abzufedern. Praktisch unkaputtbar.

Es ist nicht schön. Es ist nicht sexy. Es ist gewöhnungsbedürftig. Man muss abends eine Balance aus “in Griffweite” und “außer Sicht” finden, weil das Teil den Charme einer Zahnprothese besitzt, die nicht auf den Nachttisch gehört.

Das Prozedere, um sich keine Keimschleuder zwischen die Zähne zu rammen, ist zudem wenig anregend: Morgens lege ich die Schiene in Wasser in eine kleine Box und schmeiße eine Tablette Kukident dazu. Abends schrubbe ich das Teil mit einer dafür bereitgelegten Zahnbürste ab.

Man gewöhnt sich dran und hakt es als “nicht schön, aber notwendig” ab.

Aber was soll ich sagen? Es hilft. Endlich etwas, das hilft! Natürlich ist es kein Wundermittel. Laut Aussagen der LvA hat das Schnarchen weitgehend aufgehört, aber zwischendrin schleicht sich immer mal wieder ein Röhren und Rasseln an der Schiene vorbei – was die LvA aber meistens gut wegschlafen kann.

Sicher ist das keine Lösung für jeden. Manche Formen des Schnarchens lassen sich damit nicht kurieren. Und nicht jeder kann mit einem solchen Keil im Mund schlafen. Ich habe das Glück, dass ich da relativ schmerzfrei bin – ich habe ja auch keine Probleme mir Ohropax, was mir schon oft genug den Schlaf gerettet hat.

Nach mittlerweile fast vier Jahren ist die Zahnschiene noch absolut in Ordnung, ich habe sie in einer Zahnspangen-Box immer dabei, wenn ich über Nacht unterwegs bin. Sie ist kein Freund, aber ein Helfer – dennoch plane ich mittelfristig mal wieder eine Diät und eine Ernährungsumstellung, um vielleicht eines Tages wieder darauf verzichten zu können. Ohne wäre auf jeden Fall besser.

Ich war ehrlich, nun seid auch ehrlich – wie sieht es bei euch mit der Nachtruhe aus? Heilige Stille oder allabendliche Großbaustelle? Sind wieder mal nur wir Männer die Schuldigen? Any Ladyschnarcher in the house? Alternative Ursachen, alternative Lösungen? Es bleibt unter uns…



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dermax
dermax
23. Januar, 2024 12:37

In der Tat, Gewicht ist ein Faktor. Mit 110kg bis vor 20 Jahren wurde ich von jedem Zimmernachbarn zum Teufel gewünscht.
Seitdem hats bei mir total mit der Schlafposition zu tun. Solange ich auf dem Bauch wegratze, ist alles bestens, auf dem Rücken gibts dann gerne und oft Ellenbogenchecks von der Gemahlin.

heino
heino
23. Januar, 2024 14:43

Ich schnarche auch, z.T. wegen einer leichten Schlafapnoe, zum größeren Teil aber wegen meines Übergewichtes. Ich habe aber das “Glück”, dass meine Frau auch schnarcht und es deshalb nicht so eng sieht

DerPaddy
DerPaddy
24. Januar, 2024 08:52
Reply to  heino

Bei mir isses auch leichte Apnoe und mäßiges Übergewicht.
Habe für erstere eine Spezial-Schiene, die aber nur mäßig zu helfen scheint.
Daher ist abspecken das Ziel, aber das wird mit fortschreitendem Alter nicht gerade leichter 😉

Nikolai
Nikolai
23. Januar, 2024 14:52

Nach einer Rückfrage bei meiner Frau schnarche ich nicht übermäßig. Wenn doch, dann so leise, dass sie nicht aufwacht oder es sie zumindest nicht stört.
Das Schnarchen meiner Frau kann ich auch einfach verschlafen.
Wenn unsere Tochter( 2 Jahre alt) schnarcht, dann wollen wir gar nicht einschlafen, weil das soooo süß ist.

Sven
Sven
23. Januar, 2024 15:48

Mein Zahnarzt wollte mir so was in der Art auch anfertigen. Problem: Kosten von weit über 800€ ohne eine Garantie, dass das auch hilft. Keine Ahnung, was Deine gekostet hat, aber bei dem Preis hier hat sogar meine schnarchgeplagte Frau spontan Nein gesagt.

Marko
23. Januar, 2024 17:38

Wenn ich auf dem Sessel mal einnicke und der Kopf nach vorne kippt, dann kommt wohl hin und wieder der ein oder andere Schnarcher. Da krieg ich selber aber nichts von mit, es wurde mir berichtet. Im Bett schnarche ich wohl ein bisschen, wenn ich auf dem Rücken liege, was nachts aber kein Thema ist, weil ich quasi nur in Seitenlage schlafe. Bisher hab ich da also keine Sorgen, aber hey, kann ja alles noch kommen…

Tomek
Tomek
23. Januar, 2024 18:22

Bei mir wohl nur infolge Alkoholkonsums. Also selten.
Meine Frau hingegen … Ladyschnarcherin IN DA HOUSE!

Last edited 4 Monate zuvor by Tomek
Squirrelius
Squirrelius
23. Januar, 2024 19:32

Ich konnte mein Schnarchen merklich mit Nasenpflastern mindern. Wobei eine Gewichtsreduktion auch nicht schaden würde

Martzell
29. Januar, 2024 10:00

Es gibt T-Shirts mit eingenähter Rolle. Damit tauscht man Rückenschmerzen gegen Schnarchen. Erzwungene Seiten- statt schnarchanfällige Rückenlage.