Ich bin mit Groupon immer noch sehr zufrieden. Gut, ich schaue nicht mehr ganz so oft rein, schlage auch nicht mehr ganz so oft zu – aber schließlich ist das Müsli auch noch nicht verbraucht und das Wetter zu scheiße für eine Auto-Komplettreinigung.

Je mehr man sich mit Groupon beschäftigt, desto schneller fallen einem auch die Nepper, Schlepper und Bauernfänger auf – es muss nicht immer ein Power Balance Armband sein. Restaurants bieten Speisen, die zum angebotenen „Normalpreis“ völlig überteuert wären, billige Hotelübernachtungen schlagen mit exorbitanten Frühstückskosten zu Buche, die man vor Ort nicht ablehnen kann. Man gewöhnt sich dran und liest gar nicht weiter.

Mitunter fallen mir „tolle Deals“ aber auch auf, weil sie einfach so kackfrech überteuert sind oder so komplett sinnlos, dass sie doch wieder einen oder zwei Beiträge rechtfertigen.

Nehmen wir den Snorestopper, den ich (leider) wirklich gut gebrauchen könnte – so er denn funktioniert:

Das sieht nach Hightech aus, ist aber mit 16,99 Euro eigentlich schon wieder verdächtig billig. Noch verdächtiger ist allerdings, dass das Wirkprinzip des Gerätes eher vage erklärt wird:

„Der SchnarchStopper ist ein revolutionäres Gerät, das das Schnarchen reduzieren kann durch eine Stimulation der Nerven. Wer nervös ist, schläft oftmals in einem angespannten Zustand. Der Luftkanal ist dadurch verengt. So kommt es, dass die Weichteile des Rachens vibrieren. Das Schnarchen ist das hörbare Geräusch dieser Schwingung. Folglich bewirkt der elektronische Lichtimpuls des SnoreStoppers auch mehr Spannung in den Halsmuskeln, damit die Atmung nicht mehr blockiert wird. In der Regel genügt schon eine leichte Stimulation der Nerven, damit der Schnarcher seine Schlafposition ändert und dadurch das Schnarchen stoppt. Das Gehirn wird informiert, ohne den Schnarcher aufzuwecken.“

Hier ist wieder ein „folglich“ drin, das kein „folglich“ ist. Es erinnert an das bizarr platzierte „In diesem Sinne“ bei den Power Balance Bändern.

Also was nun – Nervenstimulation? Lichtimpuls? Heißt es, das Ding blitzt mich nachts aus dem Tiefschlaf? Oder versetzt mir Elektroschocks?

Die Beschreibung im Schnarchshop (3 Pfund Schnarchen 12,99 im Angebot!) ist etwas deutlicher:

„Snore Stopper™ ist ein revolutionäres Gerät, das dazu entwickelt wurde, Schnarchen durch einen patentierten Nervenstimulationsprozess zu reduzieren. Er beinhaltet einen speziell entwickelten Biosensor mit einem integrierten Logikschaltkreis. Wenn Snore Stopper™ Schnarchen entdeckt, wird ein schonendes, 4-Sekunden dauerndes elektrisches Impulsmuster automatisch an die Haut des Schnarchers gesendet, um bestimmte Nerven zu stimulieren. Das Gehirn registriert diese Stimulationsmuster und erinnert oder trainiert den Schnarcher, seine Schlafposition zu verändern, wodurch sich sein Schnarchen reduziert.“

Man darf durchaus die Frage stellen, warum bei Groupon nicht erwähnt wird, dass das Gerät „elektrische Impulsmuster“ verabreicht. Vielleicht, weil zu viele Kunden das korrekterweise mit Elektroschocks assoziieren würden. „Lichtimpulse“ klingt doch viel sympathischer, vor allem in Kombination mit dem Lichtkegel auf dem Produktfoto. Es könnte aber auch sein, dass es sich um eine falsche Übersetzung des Begriffes „light stimulation“ (also leichte, nicht Licht-Stimulation) handelt.

Im Schnarchshop gibt einen netten Herren, der das erklärt:

Klingt schon ETWAS plausibler. Aber nur etwas, leider. Zuerst einmal ist das ja ein höllischer Klotz, den ich da am Gelenk tragen müsste. Inwieweit der schon meinen Schlaf beeinträchtigt, lässt sich schwer sagen. Spätestens wenn ich mich umdrehe, wird das absehbar unangenehm. Woran der Sensor exakt erkennen kann, dass ich schnarche, bleibt schleierhaft. Wichtiger aber: der versprochene Gewöhnungseffekt kann in meinen Augen nicht eintreten.

Schlüsseln wir das mal auf. Im Idealfall würde folgendes passieren:

  • Ich schnarche
  • Der Sensor des Snorestoppers registriert mein Schnarchen
  • Ich bekomme einen Elektroimpuls
  • Ich drehe mich um
  • Das Schnarchen stoppt

Welcher Gewöhnungseffekt sollte hier eintreten? Etwa der, dass ich mich beim Schnarchen von selbst umdrehe? Kaum möglich, denn mir fehlt ja der Stimulus (der Impuls), der Schnarchen signalisiert. Vielleicht versteht einer von euch das besser.

Eine Google-Recherche zum Snorestopper hilft auch nicht weiter, denn abgesehen von Webshops führt sie nur zu einer „klinischen Feldstudie„, die ich für so seriös halte wie die Laboratoires Garnier:

http://www.youtube.com/watch?v=lOYCkHFMnVc

Wir stellen fest: Seriöse Untersuchungen zu dem Gerät scheint es nicht zu geben und es findet sich kein Arzt und keine Klinik, die für die Funktionsweise bürgen möchten. So halte ich mich doch lieber an einen sehr unterhaltsamen Produkttest der Geeks bei Gizmodo, bei dem vor allem das Problem angesprochen wird, dass der Snorestopper Schnarch- und Nebengeräusche nicht zuverlässig unterscheiden kann:

„In use, there were several problems. I put the device on my wrist, and went to bed. Lisa started talking to me about her day and it shocked me. A truck went by the window and it shocked me. I moved around, and it shocked me. And when it didn’t shock me, I couldn’t really fall asleep because I was scared of it shocking me.“

Den Hinweis, dass man für die Sensoren, die direkt an der Haut anliegen, immer wieder neue „Pads“ mit Gel braucht, dass der Snorestopper also Folgekosten verursacht, sucht man bei Groupon vergebens. Endgültig die Klappe drauf macht dann die Tatsache, dass der Anbieter „Sabine Lifestyle“ im Lauftext bei Groupon zu „Homesave Europe“ mutiert.

Da schnarche ich lieber weiter. Sorry, LvA.

Aber was weiß ich schon? 1300 verkauft. Die Welt ist doof.



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Marcus
Marcus

Das erinnert mich an den V-Chip in dem South Park-Film.

Den man übrigens einem gewissen Frankfurter Amateurfilmer einpflanzen müsste – Hilarity ensues… 🙂

Howie Munson
Howie Munson

na super, wenn also der andere Schläfer schnarcht bekommt man auch noch „Elektrosstimulation“… allein dadurch wird es nutzlos.

Welcher Gewöhnungseffekt sollte hier eintreten?

naja wenn das Ding zu 100% nur dann zuschlägt wenn man wirklich selbst einen bis drei Schnarcher gemacht hat, könnte der Körper schon „lernen“ das es nach verursachten Resonanzen es „spannend“* wird.

Also bei eine Gerät das auf Rücken oder Brust befestigt ist und eben dadurch keine Fehlalarme hat, würde ich vielleicht eher glauben das es funktioniert, dann wäre es schon mal als Placebo tauglich. *g*
Also Bonus gäbe es keine Stromimpulse sondern das ding macht selbst nur Vibrationen wie ein ForceFeeback-Rumpel-Pad.

*=Den Kalauer auf fremde Kosten bezüglich passenden Maßeinheiten lass ich jetzt doch lieber….

Achim
Achim

Gegen meine Schlafapnoe gehe ich demnächst wieder zu einer Neurologin, oder zum ersten, denn davor war ich bei einem Neurologen.

Die wird mich wohl wieder ins Schlaflabor schicken, wo mir dann ein Atemgerät angepasst wird.

Das Atemgerät wollte ich vor einigen Jahren noch nicht, ich war noch nicht bereit, mit so einem Rüssel vor dem Gesicht zu schlafen.

Aber nach Jahren schlechten Schlafs ist mir das inzwischen egal, ich will erholsam schlafen. Mir wurde in meiner derzeitigen Reha auch berichtet, dass die Schwester mit Nachtdienst an meinem Zimmer vorbei ging und SEHR lautes Schnarchen gehört haben soll.

Berlinerin
Berlinerin

Bei den Restaurant-Gutscheinen gibt es auch noch folgende Methode:
Wenn die bösen Kunden partout nicht mehr konsumieren wollen als den Gutscheinwert, wird auf Biegen und Brechen versucht, die Rechnung zu frisieren.
Zuerst wird einem gegen Aufpreis das spärliche Buffet angeboten, dann werden größere Getränke geliefert als bestellt (Getränke waren nicht im Gutschein enthalten), nach Beschwerde hieß es „sorry, Fehler“.
Auf der Rechnung fanden sich dann 2 nie bestellte oder gar konsumierte weitere Getränke. „Sorry, Fehler“.
Und als drittes war dann der Nachtisch angeblich nicht vom Gutschein abgedeckt.

1x bestellt, 3x beschissen. Soviel Dreistigkeit habe ich in meinem ganzen Leben noch in keinem anderen Restaurant erlebt.
Da wird ganz offensichtlich versucht, die Leute mit Gutscheinen ins Restaurant zu locken und wenn sie einen heimlich festgelegten Mindestumsatz nicht einhalten, wird eben solange getrickst, bis es sich für das Restaurant doch lohnt.

Wo:
Im Roya Restaurant für persische Spezialitäten in Berlin, Prenzlauer Berg.

„Roya – Das Restaurant
der besonderen Art
Im Prenzlauer Berg, in der Bornholmer Strasse, Ecke Gotlandstrasse, unweit der Schönhauser Allee hat mit dem ROYA ein persisches Restaurant der besonderen Art eröffnet.“

So eine besondere Art der versuchten Abzocke muss man erst einmal finden. Pfui!
Und nein, das war kein(!) Einzelfall. das hat dort anscheinend Methode!

Das Essen selbst war übrigens gut, empfehlen kann ich dieses geldgeile Restaurant trotzdem keinen, außer man steht auf Abzocke „der besonderen Art“.