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Jun 2021

Fantasy Filmfest Nights XL 2021 (1): THE CONJURING: THE DEVIL MADE ME DO IT

Themen: FF Nights XL 2021, Film, TV & Presse, Neues |

USA 2021. Regie: Michael Chaves. Darsteller: Vera Farmiga, Patrick Wilson, Ruairi O’Connor, Sarah Catherine Hook, Julian Hilliard

Offizielle Synopsis: Das Glück vom neuen Heim ist für Familie Glatzel von kurzer Dauer, als ein Dämon von ihrem Sohn Besitz ergreift. Die Warrens werden eiligst zu Hilfe gerufen und es gelingt Ed in einem fast übermenschlichen Kraftakt, das satanische Wesen zu vertreiben. Scheinbar. Tatsächlich konnte der Geist in den Körper eines jungen Mannes wechseln. Arnes Überleben und der Beweis für seine Besessenheit stehen nun auf dem Spiel. Doch Lorraine spürt, dass da noch etwas nicht stimmt mit dem Haus der Glatzels, etwas Unheimliches entzieht sich geschickt ihren spirituellen Fähigkeiten. Stück für Stück versucht Lorraine, tiefer in das Mysterium einzudringen, dem Grauen unerbittlich auf der Spur. Es wird der gefährlichste Auftrag ihres Lebens.

Kritik: Können wir zuerst einmal festhalten, dass die Poster-Artwork skandalös schlecht ist und nicht mal auf einem Asylum-Abklatsch dieser Sorte Film durchgewunken würde? Das sieht nach einem schlechten Hallmark-TV-Grusler der 90er aus – oder einem dieser Re-Releases auf Scheibe, die kein Geld hatten, um das Original-Poster zu lizensieren. Örks.

Darüber hinaus habe ich KEINERLEI Ahnung vom CONJURING-Universum (wohl so eine Art MCU mit Nonnen und Weihwasser). Es gehört zum großen Bereich der Subgrenres/Franchises (SAW, SHARKNADO, FAST&FURIOUS), die ich nur unter Androhung von Strafe schaue – oder auf Festivals wie diesem. Die bisherigen Erfahrungen damit waren erwartungsgemäß mau.

Das sollte euch auch Warnung sein: Ähnlich wie im Fall von SHADOW & BONE ist nicht auszuschließen, dass mein Urteil genau so viel mit meiner Sozialisation und meinem Alter zusammen hängt wie mit der Qualität des Films. Um es mit den Beach Boys zu sagen: I just wasn’t made for these times.

Es mag der Sache nicht förderlich sein, dass ich mit CONJURING 3 einsteige und die vorhergehenden Filme nicht kenne (und auch nicht bereit bin, sie zu recherchieren). Der hier muss für sich allein stehend funktionieren.

Genug der Vorrede. Wenn ich das richtig verstehe, ist das Dämonen jagende Ehepaar Warren so eine Art Zentrum des Conjuring-Universums – und basiert auf realen Personen, was den Film zu der augenblicklich lächerlichen Einblendung "based on the true story" verführt. And monkeys fly out of my butt.

Der letzte Absatz scheint mir übrigens den Kern aller Probleme von CONJURING zu enthalten. Die Warrens sind als tatsächliche Personen trotz ihrer Vorliebe für Spukphänomene unfassbar konservative und stoffelige Figuren, die nicht nur an den paranormalen Kappes glauben. sondern an ihre herausgehobene Stellung als Geisterjäger. Egal, wie abstrus die Ereignisse um sie herum auch werden – sie nehmen das alles bierernst, sehen sich als die letzten mutigen Kämpfer im Konflikt mit übernatürlichen Mächten in einer ignoranten Welt. Diese sauertöpfische und herablassende "you don’t know what I know!"-Attitüde wird vom Film nicht etwa demontiert, sondern zum Maßstab erhoben. Anders als Bruce Campbell in den EVIL DEAD-Filmen sind die Warrens verbeamtete Exorzisten, biedere Frömmler des Guten, die mit ihren strikt im christlichen Glauben verankerten Methoden natürlich auch das christliche Weltbild zementieren.

Alles, was in den 70er und 80er Jahren geschehen ist und von den Warrens dokumentiert wurde, ist demnach nicht nur wahr, sondern der Beweis dämonischer Aktivitäten um uns herum. Es gibt keine Skepsis, keine Distanz, nicht mal eine ironische Brechung – CONJURING ist ein Sektenfilm, den die Sektierer selbst gedreht haben.

Während ich Patrick Wilson noch durchwinken kann, weil er seinem Charakter eine halbwegs plausible Ernsthaftigkeit verleiht, ist Vera Farmiga als Medium so unsäglich, wie es Medien in dieser Sorte Film meistens sind: besoffen von den eigenen Fähigkeiten und voller Verachtung gegen die "Ungläubigen", tritt sie in die Ferne starrend und vage Warnungen ausstoßend in alle Fettnäpfchen, die ihr das magere Skript aufstellt.

CONJURING ist eine einfallslose Ansammlung an Grusel-Klischees, die mit beachtlichem Aufwand in Sachen Kamera, Schnitt und Ton versucht, das Geisterbahn-Genre ins neue Jahrtausend zu hieven, ohne auf Drehbuch-Ebene irgendwelche neuen Ideen oder wenigstens eine plausible Handlung zustande zu bringen. Von der Suspense über die Figuren bis zu den Dialogen – alles schon tausend Mal gesehen. Und oft besser. CONJURING möchte der neue EXORZIST sein, scheitert aber schon daran, die schrabbelige AMITYVILLE-Reihe halbwegs kompetent nachzuäffen.

Es würde Stunden dauern, alle Plot-Löcher, Dialog-Klischees und billigen Referenzen aufzuzählen – die Zeit habe ich nicht und es muss reichen, dass dieser Okkult-Kaiser mal wieder keine Kleider trägt.

Fazit: Ein frömmelnder, sich auf lächerliche Weise ernst nehmender Hokus Pokus, der technischen Aufwand und ein paar gute Darsteller an ein hirntotes Drehbuch verschwendet und letztlich nur die Grusel-Mottenkiste plündert. 4 von 10 Punkten.

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Alexander Freickmann
Alexander Freickmann
19. Juni, 2021 05:53

Hatte das von den anderen Filmen des Conjuring Universums auch gedacht, aber die haben mich bisher alle absolut positiv überrascht. Natürlich gibt es hier und da Klischees und ich habe auch so meine Probleme mit Frau Farmigas Rolle, aber das ändert nichts daran, dass diese für mich in den letzten Jahren die kompetentesten Horrorfilme sind, die ich gesehen habe.

Nummer Neun
19. Juni, 2021 11:10

Mir gefielen die Conjuring Filme bisher auch ganz gut – die sind vor allem handwerklich immer top. Bei diesem Teil hatte ich aber auch den Eindruck, dass die Story dagegen abfällt und nicht mehr versucht, als die Jump Scares irgendwie zu verbinden. Insgesamt hat mir das aber immer noch gereicht, um ihn als "ganz gut" abzuspeichern. Man bekommt letztlich das, was man von Conjuring erwartet. Mehr aber auch nicht.

Reini
Reini
21. Juni, 2021 23:56

"The Conjuring" kann man zugutehalten, dass er als "ernster" Geisterfilm damals erfrischend neu daher kam (und einen wirklich gelungenen Jump Scare bot – Stichwort "Klatschen"). Der zweite Teil wirkte dann allerdings schon als ob man besoffen Geisterbahn fahren würde. Ich befürchte für den dritten Teil (noch nicht gesehen), dass das Conjuring-Universum mittlerweile ziemlich totgeritten ist. Deine Kritik hört sich auch ganz stark danach an….