Abattoir

abattoir_poster_02USA 2016. Regie: Darren Lynn Bousman. Darsteller: Jessica Lowndes, Lin Shaye, Joe Anderson, Dayton Callie, Michael Paré

Offizielle Synopsis: Journalistin Julia packt das pure Entsetzen, als sie die Familie ihrer Schwester abgeschlachtet vorfindet – und damit fängt der Schrecken für sie erst an. Als sie wenige Tage später an den Tatort, das Kinderzimmer ihres Neffen, zurückkehrt, ist der Raum aus dem Haus herausgerissen. Julia beginnt zu recherchieren: Seit Jahrzehnten verschwinden Schauplätze grausiger Morde. Die Spur führt schließlich in eine geisterhafte Kleinstadt, die mit fester Hand von Prediger Crone geführt wird. Statt Antworten zu bekommen, werden der Reporterin nur die Türen vor der Nase zugeknallt. Das kollektive Schweigen der Gemeinde ist bedrückend.

Kritik: „Abattoir“ hatte das Pech, dass er beim Festival permanent betrailert wurde und der Trailer tatsächlich alles verrät, was man zum Film wissen muss. Das bisschen, was der Film an Mystery aufbaut, wird in zweieinhalb Minuten fröhlich und frech zusammen gefasst. Genau genommen kann man sich danach den Kinobesuch schenken.

Was mich ebenfalls nicht mit Begeisterung in den Kinosessel plumpsen ließ, war die Tatsache, dass hier wieder mit einem „Von den Machern von Saw Teil umpfzig bis drölfzig“ geworben wird. Das ist für mich eher ein Rausschmeißer. Aber nun hat Regisseur Bousman auch den durchaus beeindruckenden „Repo! The Genetic Opera“ gedreht, da will ich keine Vorurteile hegen.

Kurioserweise ist „Abattoir“ letztlich genau das, was bei diesen Vorgaben zu erwarten war. Es ist ein Horrorfilm der neuen Okkultwelle, die am laufenden Band Streifen wie „The Conjuring“ in die Kinos spült und die teilweise recht klassische Gruselmechanismen mit modernster Technik aggressiv aufpumpt. Er ist für eine neue Generation von Fans, die alle drei Minuten einen Schreckmoment braucht und für die dröhnende Musik und laute Soundeffekte „Spannung“ ankündigen müssen.

Schnitt, Effekte, Soundtrack – wirklich alles dient dem Zweck, Atmosphäre zu generieren, nicht die Story voran zu treiben. Die Form ist wichtiger als der Inhalt. Das erinnert nicht zufällig an James Wans „Dead Silence„.

Unter der Haube ist Schmalhans Küchenmeister. Unsere Heldin ist zwar Reporterin, bekommt aber praktisch alle Hinweise in den Schoß gelegt. Worum es in dem kleinen Ort New English geht, wird von den Bewohnern relativ offenherzig ausgeplaudert. Der Bösewicht hat auch keinen sonderlich geheimen Masterplan. Das ist los, da musst du hin, das passiert dann – Ende. Dürftig ist da noch freundlich ausgedrückt.

abattoir

Dass man sich bei der Konstruktion des Plots keine nennenswerte Mühe gemacht hat, ist offensichtlich – das aktuelle Opfer ist zufällig die Schwester einer Crime-Journalistin, die zufällig aus New English stammt und deren Lover zufällig Cop ist. Man kann es sich auch sehr einfach machen.

Bei den Dialogen wird es nicht besser – hier fehlt jede Spielfreude, es werde nur die Notwendigkeiten transportiert, und das auch noch in den banalst möglichen Phrasen. Memorable Sätze? Nicht in diesem Film.

Die Darsteller… na ja, stellen dar. Sie sehen aus, wie Figuren in solchen Filmen aussehen, sie sagen Sachen, die Figuren in solchen Filmen sagen. Aber wie auch die gesamte artifizielle Atmosphäre des Film wirken sie seltsam unecht, eher wie Charaktere, die in Cutscenes von Videospielen auftreten. Nichts gegen Jessica Lowndes, sie müht sich redlich – aber die Entscheidung, sie wie Lois Lane in einer 40er Jahre-Verfilmung von „Superman“ aufzudonnern, ist massiv unsinnig und störend. An keiner Stelle kann man Julia wirklich ernst nehmen. Sie leistet ja auch nichts.

Und so endet „Abattoir“ als dünner Spukhausfilm ohne wirkliche Höhepunkte, der visuell gefällig seine Laufzeit rumbringt, aber niemals wirkliche Spannung oder auch nur Interesse für seine Figuren erzeugen kann. Kann man angesichts der schicken Verpackung (ein Begriff, der auch prima auf Jessica Lowndes passt) mit Horror-Noobs an einem verregneten Nachmittag weg gucken, aber wenn das hier ein Beispiel für die „new breed of horror“ ist, dann werfe ich lieber noch mal die DVD von „Poltergeist“ ein.

gelbFazit: Ein sehr flach konstruierter, aber wenigstens schön anzuschauender Oldschool-Geisterfilm, der besser wäre, wenn er seine Stimmung ganz nicht so aufdringlich durch Musik, Geräusche und billigen Bohoo aufzuwerten versuchte.

Dieser Trailer ist zu lang und verrät zu viel:

P.S.: Michael Paré konnte ich übrigens im ganzen Film nicht finden und die IMDB hat für ihn keinen Rollennamen. Vermutlich ein Geist…



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