20
Mai 2021

Final Thoughts: JUPITER’S LEGACY & INVINCIBLE

Themen: Film, TV & Presse |

Ich hab’s schon oft gesagt, und ich sag’s wieder und wieder: wir leben im "golden age" der Superhelden-Verfilmungen, in dem im Stundentakt Serien, Miniserien und Filme veröffentlicht werden, die wir uns früher nicht hätten erträumen können. Die Tricktechnik und die Budgets haben sich so weit entwickelt, dass alles, was ausgedacht werden kann, auch umgesetzt werden kann. Kurioserweise ist für mich THE MASK von 1994 der erste Film, der alle Grenzen sprengte, was die Darstellbarkeit eines Comic-Universums mit Hilfe von CGI angeht:

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Das ist jetzt auch schon mehr als 25 Jahre her und Adaptionen, die ich früher wegen der Angst vor dem erwartbar grottigen Ergebnis abgelehnt hätte, räumen ab und begeistern längst nicht mehr nur das Nerd-Publikum, das von den Comics zwei Ausgaben gekauft hat, um eine zu lesen und eine in Plastik einzuschweißen:

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Aber es sind nicht nur die "heavy hitter" unter den Helden, die etablierten und sauberen Figuren, die den Sprung vom Print ins Streaming schaffen. Längst werden die düsteren, gebrochenen Figuren ausgegraben, die voll ausnutzen, dass sich die Toleranz in Sachen Sex & Gewalt verschoben hat:

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Vor 20, 30 Jahren wäre nichts davon in einer Umsetzung vorstellbar gewesen, für die man sich nicht hätte schämen müssen.

Weil die Zuschauer mit den Tropen der Superhelden bis zur Übersättigung vertraut sind, geht der aktuelle Trend zur Dekonstruktion der Helden, zur Hinterfragung ihrer Motive, ihrer Legitimierung, ihrer Position in der Gesellschaft. Und weil sowohl die Realserie JUPITER’S LEGACY als auch die Trickserie INVINCIBLE das tun, in dem sie eine JUSTICE LEAGUE-eske Gruppendynamik analysieren, bespreche ich sie auch im Doppelpack.

Beide Serien kommen übrigens mit beeindruckendem Backing: JUPITER’S LEGACY stammt von Mark Millar, einem der zuverlässigsten Lieferanten hochwertiger Heldenkost (WANTED, KICK-ASS, LOGAN, KINGSMAN), und INVINCIBLE ist das Brainchild von Robert Kirkman, dem wir die Endlos-Zombiesaga THE WALKING DEAD verdanken.


Fangen wir mit JUPITER’S LEGACY an – natürlich auf Netflix, denn die haben die Firma Millarworld vor ein paar Jahren gekauft, nachdem sie die Lizenz der Marvel-Miniserien verloren hatten.

Es geht um eine Gruppe (langsam) alternder Superhelden namens The Union unter der Führung des übermächtigen Utopian. So langsam werden sie der ständigen Weltenretterei müde und es zeigen sich auch Risse in den Beziehungen, denn das Team tut sich schwer, die oberste Maxime "nicht töten" glaubhaft an die nächste Generation zu vermitteln. Klar, es ist nicht leicht, die Faust in der Tasche zu machen, wenn den kostümierten Freunden die Schädel abgerissen werden. Um den Codex der Union zu verstehen, wird immer wieder in die 30er Jahre geblendet, als der Börsencrash ein Auslöser für Sheldon Sampson war, sich mit Freunden auf eine Expedition zu begeben, die mit der Erweckung ihrer Superkräfte und der Formierung der Union endete.

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Ehrlich gesagt ist es mir ein Rätsel, wie eine derart aufwändige und von absoluten Profis des Genres entwickelte Serie derartig massive Schwächen aufweisen kann, die über weite Strecken den Genuss massiv schmälern. JUPITER’S LEGACY ist nie so gut oder spannend, wie sie sein könnte, müsste und sollte. Trotz der Premium-Effekte, der KINGDOM COME-Optik und der Jahrzehnte überspannenden Geschichte.

Das Problem ist in meinen Augen zweigeteilt. Zuerst einmal ist da ein schlecht ausbalanciertes Skript, das erheblich zu viel Zeit an eine erheblich zu aufgeblasene, letztlich aber eben doch magere "origin story" verschwendet, die nur wenig mit den Geschehnissen in der Gegenwart zu tun hat. Man wird ständig aus der Geschichte, die man eigentlich sehen möchte, rausgerissen. Dadurch erlahmt jeder Vorwärtstrieb. Und auch die Figuren sind eher schnarchig gestaltet. Wenn man bedenkt, dass wir immerhin um die sechs Stunden mit den Charakteren verbringen, bleiben sie kümmerlich vage – Sheldon, Grace, Walter sind nur Pappkameraden, Chiffren. Die einzige Figur, der mehr Platz eingeräumt wird, ist die rebellische Chloe, bei der das Attribut "rebellisch" auch nur wieder für die model/actress/whatever-Klischees Koks, Ficken und Party steht.

Trotz aller Pompösität kann JUPITER’S LEGACY an keiner Stelle die gewünschte Epik erreichen, es ist letztlich eine sehr banale Superhelden-Soap.

Vielleicht liegt’s auch daran, dass die Gerüchteküche von massiven Nachdrehs raunt.

Das zweite Problem ist eine kreative Grundsatzentscheidung, die sich wie ein Krebs durch die gesamte Produktion frisst und in fast jeder Szene negativ auffällt: die Darsteller werden durch die fiktionalen Jahrzehnte beibehalten. Will sagen: Josh Duhamel spielt den Utopian mit 30 und mit 50 und mit 80. Und das klappt halt gar nicht, weil wir permanent mit Figuren konfrontiert werden, die mit angeklebten Bärten, (teilweise schockierend schlechten) Perücken und aufgeschminkten Runzeln "alt" spielen.

Es ist ein Desaster. Es ist lachhaft. Es ist an keiner Stelle überzeugend. Selbst wenn ich hinnehmen würde, dass der 48jährige Josh Duhamel einen 120 Jahre alten Superhelden spielt, ließe sich nicht ignorieren, dass er (wie alle anderen Helden auch) den Körperbau eines Mannes in Bestform hat. Das Alter ist lediglich im Gesicht herbei gelogen, alle anderen Merkmale fehlen.

Ich bin rückblickend nicht sicher, ob diese krasse Fehlentscheidung der Macher die Serie in ihrer Wirkung nicht stärker torpediert als alle Defizite der Drehbücher.

Schade. Sehr schade. Ich hatte mir von JUPITER’S LEGACY deutlich mehr erwartet. Mir bleibt als Trost nur die Gewissheit, dass ich im Rahmen eines Reviews schon vor fast vier Jahren geschrieben habe:

"…ein Film ohne Zeigefinger (…), mit dem sich Josh Duhamel endgültig für die Hollywood A-List empfiehlt. Der Mann gehört ins Marvel oder DC-Universum, wäre ein perfekter Hal Jordan oder Captain Marvel. All chin, all action."

Das stimmt. JUPITER’S LEGACY ist der Beweis.


Und damit zu INVINCIBLE, einer ebenfalls achtteiligen Serie, die aktuell auf Amazon zu sehen ist. Nicht die erste Adaption, übrigens: MTV versuchte es 2008 schon mal mit einem "motion comic", als diese Brücke zwischen Comic und Film gerade angesagt war. Zu meiner Überraschung ist es ziemlich unmöglich, davon noch Material zu finden. Hey Internet – ich dachte, du vergisst nix?!

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Inhaltlich ist INVINCIBLE auf vielen Ebenen mit JUPITER’S LEGACY vergleichbar: beide Serien handeln von eine alternden Superhelden-Team, das der Justice League sehr ähnelt, von Geheimnissen und Verrat in den Rängen, von der Schwierigkeit, den gottgleichen Status an eine würdige nachfolgende Generation weiter zu geben. Im Fall von INVINCIBLE steht Mark Grayson im Mittelpunkt, dessen außerirdischer Vater Omni-Man als übermächtiger Kopf des Teams "Guardians of the Globe" die Erde beschützt. Doch eines Tages werden die Guardians brutal abgeschlachtet, Omni-Man schwer verletzt und der gerade seine Kräfte entdeckende Mark muss versuchen, die Suche nach der Wahrheit mit dem Leben an der Highschool und seiner ersten Freundin zu vereinbaren.

DAS, meine Damen und Herren, ist "the real deal", die perfekte Quintessenz des erwachsenen Superhelden-Comics der letzten 20 Jahre, zugleich Huldigung des Kostümwesens wie kernige Kritik an ihm. Eine perfekt ausbalancierte, bis in die Nebenplots stimmige, komplexe Geschichte, in die man sich leicht einfindet und deren multiple Handlungsstränge durchdacht in- und nebeneinander laufen. Verführend simpel im Look, aber dynamisch in der Action, wirkt INVINCIBLE oberflächlich wie ein poppiges Mainstream-Universum von DC oder Marvel. Aber es ist genau das, was Kirkman uns glauben lassen will – um dann schon in der ersten Episode brutal und gnadenlos mit den Klischees aufzuräumen. Hier werden keine Gefangenen gemacht. Und das ist gut so.

Das zentrale Mysterium ist ungleich potenter als bei JUPITER’S LEGACY, die Figuren ungleich interessanter, die Auflösung ungleich befriedigender. Ist JL relativ gerade erzählt und nur im Wechsel der Zeitebenen "komplex", überschlägt sich INVINCIBLE förmlich mit Wendungen und Überraschungen, die der Handlung immer wieder eine neue Richtung geben.

Ich kann mich an keine Trickserie aus diesem Genre erinnern, der es vergleichbar perfekt gelungen ist, die Emotionen und damit das Drama der gezeichneten Figuren so spürbar zu machen wie in einer Produktion mit echten Darstellern. Ganz simpel gesagt: wenn Omni-Man auf die Fresse bekommt, schert mich das erheblich mehr als beim Utopian. Oder bei Superman im Snyderverse.

Das liegt auch daran, dass Omni-Man im Original von J.K. Simmons gesprochen wird, mit einer Stimme wie Kekskrümel-Sahneeis. Er allein ist ein Grund, sich auf jeden Fall die Originalversion anzuschauen/anzuhören.

Müsste ich unbedingt meckern, dann hätte ich mir im letzten Drittel etwas weniger Teen-Soap gewünscht und generell hätte es der Serie gut getan, wenn man die Beziehungen von Mark nicht ganz so penetrant "woke" gestaltet hätte (bester Freund schwul, Freundin schwarz und Feministin, etc.). Aber: alles Niggeligkeiten.

Mir ist völlig egal, ob ihr Superhelden mögt oder Trickserien gerne schaut – DAS hier ist "must see TV". Ein perfektes Comic-Universum und die gleichzeitige kritische Hinterfragung desselben mit ausreichend Plot für ein Dutzend Staffeln.


Soviel dazu. Klar werden wir nun auf weitere Folgen von JUPITER’S LEGACY und INVINCIBLE noch eine Weile warten müssen, aber bis dahin wird uns Superhelden-Fans mit Sicherheit nicht langweilig: TITANS kommt mit einer dritten Staffel, DOOM PATROL geht ebenso weiter wie UMBRELLA ACADEMY und THE BOYS, der Start von LOKI steht unmittelbar bevor, die erste WHAT IF…-Serie von Marvel ist weitgehend fertig gestellt, dazu MS. MARVEL und HAWKEYE.

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Ach ja: das Arrowverse mit seinen diversen Serien läuft auch noch:

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Und in den letzten 24 Stunden sind zwei weitere Zeichentrick-Projekte angekündigt worden: DC schickt mit BATMAN: CAPED CRUSADER den ollen Flattermann erneut ins nächtliche Gotham…

… und MY ADVENTURES WITH SUPERMAN setzt wohl eher auf hippen Anime Style:

Ich hab’s schon oft gesagt, und ich sag’s wieder und wieder: wir leben im "golden age" der Superhelden-Verfilmungen.

P.S.: Ich mag gar nicht darüber nachdenken, was man alles verpasst, wenn man nicht ständig alle Vertriebswege im Auge hat – wusstet ihr z.B., dass es vor ein paar Jahren satte 159 DC NATION-Shorts gab?

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Matts
Matts
20. Mai, 2021 17:23

Als ich das Bild von Omni-Man gesehen habe, dachte ich: "Der sieht aus wie J. J. Jameson." Und als du dann geschrieben hast, dass J.K. Simmons ihn spricht, musste ich lachen.
Aber in das Lob auf Simmons´Arbeit kann ich natürlich nur einstimmen. Der Mann beherrscht sowohl den gütigen Mentor (AVATAR – THE LEGEND OF KORRA) als auch den sadistischen Mentor (WHIPLASH) perfekt. Ist das hier jetzt der moralisch ambivalente Mentor?
Kingt jedenfalls so, als müsste ich mir die Serie mal ensehen!

Markus
Markus
20. Mai, 2021 22:54

Kleiner Hinweis: Omni-Man ist kein Mitglied der Guardians.

Dizoneros
Dizoneros
21. Mai, 2021 01:33
Reply to  Markus

Inoffiziell, er hat die Zugangscodes zu ihrem Quartier, etc. – aber ja. Kleinigkeit.

Stimmige Kritiken. "Jupiter’s Legacy" ist Cosplay für Fortgeschrittene. Ich wurde beim Gucken das Gefühl nicht los, dass sich die meisten Darsteller unwohl fühlen in ihren komischen Kostümen (die durch die Bank bekloppt aussehen). Selbst Duhamel, der sonst alles schmerzbefreit wegspielt, sieht irgendwie traurig aus. Halbgarer Schrott, der nicht mal an "Condorman" rankommt. Dass die "Pointe" der ewigen Rückblenden die ist, dass sie ihre hinreichend etablierten Kräfte kriegen, muss man sich auch erst mal trauen.

"Invincible" ist genau das – ein unschlagbarer Volltreffer. Da stimmt alles, bis auf ein paar nervige Nebenfiguren (siehe oben). Ändert nichts dran: 10 von 10 Punkten. So gut, dass ich sogar im Sommerurlaub den Comic lesen werde.

Dinozeros
Dinozeros
21. Mai, 2021 18:58
Reply to  Torsten Dewi

Die Rückblende zur Origin im Alien-Berg nimmt im Comic wohl wenig Platz ein. Schlau so. Ewige Schiffsreise zu unbekannter Insel, und am Ende nicht mal ein großer Affe. Oh no. Oh no. Oh no, no-no-no-no-no.

Und Condorman war natürlich nur ein Späßle. Ihn nochmal ansehen – auf keinen Fall!!! Geliebte Ikonen aus meiner Kindheit/Jugend, die nochmalige Sichtung überlebt haben, sind rar: Die dreibeinigen Herrscher, Captain Future, Robin Hood (nur Praed! FU, Baby-Connery!).

Da riskiere ich nichts. Der hat mich damals zu "Die Eule" inspiriert. Barocker Superheld meets Nero Wolfe. Good times.

jimmy1138
jimmy1138
21. Mai, 2021 10:50

Ich fand in Jupiter’s Legacy die Origin-Story eigentlich interessanter als jene in der Jetztzeit. Klar, war die ein bißchen aufgeblasen, aber da sind doch einige wichtige Dinge drinnen:

Spoiler

  • Die Brüderdynamik – der Verrat des älteren Bruders wäre in meinen Augen aus dem Jetztzeitplot nicht zu verstehen. Dort ist er mehr oder minder der loyale Sidekick, während es in der Vergangenheit eine Art Haßliebe zwischen "golden boy" Lieblingssohn und dem älteren Bruder, der sich den Hintern aufreißt, war.
  • Das Verhältnis zum angeblichen Antagonisten und Union-Aussteiger Skyfox – dazu muß man mMn George als den loyalen Freund sehen, der gegen jede Logik den verrückten Plan mit der Insel unterstützt.
  • Auch das Verhältnis zur Ehefrau in der Jetztzeit erhält Brisanz (und hier ist es z.B. wichtig, daß man sofort erkennt, daß das die Person aus der Zukunft ist)
  • In der Gegenwart ist bis zu einem gewissen Grad ein Konflikt zwischen alten Superhelden und einer – zynisch gesagt – entitlement/participation trophy Generation erkennbar, nach dem üblichen Motto "ihr habt es gut, wißt ihr, wie wir uns abrackern mußten" wonach der jungen Generation alles geschenkt wurde – da ist es dann nötig zu zeigen, welche Hürden die Superhelden meistern mußten, um ihre Kräfte zu bekommen.


Aber prinzipiell stimme ich zu – der Serie fehlt das gewisse Extra und die Balance zwischen den verschiedenen Plots und Zeitperioden ist etwas daneben.
Die meisten Probleme, die die Serie hat, sind in meinen Augen aber behebbar.

Generell finde ich aber, daß man sich schon die Frage stellen muß, ob es momentan nicht doch zuviel Dekonstruktion im Superheldengenre gibt. Wieviele relevante Superheldenshows gibt es momentan, wo ein/e Superheld/in die Welt vor Superschurken rettet? Superman & Lois und eventuell Stargirl, sonst? Das restliche Arrowverse klammere ich mal bewußt aus – dort ist seit "Crisis on infinite earth" in meinen Augen die Luft komplett draußen – Supergirl, Black Lightning und Legends wird mWn bald beendet und haben Quoten jenseits der Wahrnehmungsgrenze, Flash hat sich wie Arrow davor nach ein paar Staffeln erzählerisch verrannt und Batwoman ist in jeder Hinsicht ein Witz. Den Diskurs dagegen dominieren eben Shows wie "The Boys", "Umbrella Academy", "Invincible".

jimmy1138
jimmy1138
21. Mai, 2021 11:58
Reply to  Torsten Dewi

"das gesamte Arrowverse muss reichen."

Wie gesagt: Ich halte das Arrowverse für nicht mehr wirklich relevant. Gleich drei Serien mit sehr mageren Quoten laufen aus und The Flash hat massiv an Interesse verloren – als Gradmesser nehme ich da z.B. Emergency Awesome (im Prinzip der Youtube Kanal für Leute, die am Laufenden sein wollen, ohne die Sachen zu schauen), der früher jede Flash Folge ein Video gemacht hat und jetzt gar nicht mehr.
Und ganz subjektiv: Im Arrowverse dreht sich mittlerweile zuviel um persönliche Befindlichkeiten und zwischenmenschliches Drama allzu weinerlicher "Superhelden". Daß Superman & Lois da auf wesentlich höherem Niveau performt, ist in meinen Augen nicht verwunderlich.

Invincible hab ich noch nicht fertiggesehen, aber klar – eine Show kann durchaus beide Aspekte erfolgreich umsetzen.

Und, daß die Origin story wesentlich ökonomischer umgesetzt werden könnte, möchte ich nicht bestreiten. Eventuell sind gewisse Details noch später wichtig, aber prinzipiell denke ich, daß sie wohl die Laufzeit irgendwie füllen mußten – die Story in der Jetztzeit allein war vermutlich zu dünn, wenn man Staffel eins mit dem Twist enden lassen wollte.

Dizoneros
Dizoneros
22. Mai, 2021 15:19
Reply to  Torsten Dewi

Genrestoffe mit JUPITER im Titel sind nicht vom Glück geküsst, das steht fest…

Was JL nach 10 Folgen aufgefahren hat an charakterlichen Erkenntnissen ist schlicht kläglich. War keine schlaue Idee, die Briefmarken-große Personality moderner Ich-Ich-Ich-Meins-Meins-Meins-Vanity-Gören 1:1 abzubilden. Die falsche Art Realismus im Cosplay-Schaukasten. Wirkt alles ein bisschen so, als habe man eine Zack-Snyder-Zeitlupe auf Staffelgröße aufgepustet. Einmal reingepiekst, platzt der Frosch.

INVINCIBLE ist ein gutes Gegenbeispiel. Rasch rotierende Dynamiken, Laufschritt-Narrativ, stets bewegliche Verzahnung der Figuren. Kurz geblinzelt, wieder was passiert.

Für mich BTW weniger Dekonstruktion, mehr Neo-Rekonstruktion. Die bewusste Rückkehr zu klassischen Erzählmustern (perfekt bedient durch klassische Animation) . Dabei mehr als nur die klassische Rekonstruktion, da bereichert durch den modernen Mut zu Game Changern und Plot Twists, die dem klassischen Superheldencomic nicht möglich waren. Der Status quo durfte halt nicht verändert werden.

Oder kurz gesagt: Millar möchte ans DC-Pantheon erinnern. Invincible tut’s.

Dadurch fühlt sich das für mich alles angenehm essentiell an. Kein Wunder: Es spielt mit Essenzen. Bin wirklich auf Staffel 2 gespannt. Das war bei THE BOYS anders. Da konnte ich mich noch nicht durchringen, Staffel 2 zu gucken. Spaßig beim Gucken, verblasste aber rasch.

Snyders "Army of the Dead" ist online. Review?

Last edited 5 Monate zuvor by Dizoneros
Goran
Goran
21. Mai, 2021 13:28

Mal kurz zu den Vorlagen:

Die erste Serie von Jupiter’s Legacy ist auch im Comic genauso mit den Rückblenden durchzogen, bei denen dann am Ende auch eher nur ein "war’s das?" hängenblieb.
Im Grunde genau das Produkt, das man erwarten muss, wenn jemand Watchmen gelesen hat und denkt, "kann ich auch", stimmt nur nicht.

Millar setzt mir Gewalt, Drogen, usw. auch immer nur ein weil "erwachsen". Kick-Ass (1) und ein paar andere seiner Werke, die natürlich Kracher der Comicgeschichte sind, sehe ich da immer als glücklich Unfälle seines Schaffensprozesses.

Invincible ist im Comic öfter etwas holperig, es wird offenbar, dass Kirkman eben vieles ausprobiert und mancher Storygedanke funktioniert besser, mancher schlechter.

Es ist trotzdem nur mit Bedauern zu sehen, wie die Änderungen eben Nichts verbessern. Die Beziehung zur Erstfreundin ist im Comic einer der ersten überraschenden Momente des Erwachsen- und Heldwerdens von Mark.

Der Amberersatz hat jetzt schon diese Story fast unmöglich gemacht. Einfach durch dämliches Teeniedramagetue, dass nicht einmal viel Sinn macht, wenn man bedenkt, was die dann am Ende der Staffel anscheinend doch schon wusste.

Spoiler
Omni-Man ist am Ende auch schon ins psychopathische übersteigert.
Der Comic zeigt Omni-Man als gleichgültig gegenüber der zu erobernden Menschheit, daher stört ihn der Kollatteralschaden seines Kampfes mit Mark kaum.
Die absolute Grausamkeit ist mir in der Serie zu sehr auf die Schockwirkung ausgelegt.

Trotzdem natürlich eine Serie, die eben volle Superheldenaktion bietet und sich trotzdem an dem Versuch zu erklären, wie eine Welt mit solchen Göttern aussieht, nicht verhebt. Mal sehen, ob das in der zweiten Staffel dann noch hält, The Boyz ist ja auch ordendlich abgesegelt, aber da hatte man die Comicstory ja schon in der ersten Staffel drangegeben. Vom Comic Hughie war ja kaum was übrig.

Last edited 5 Monate zuvor by Goran
Dizoneros
Dizoneros
22. Mai, 2021 17:32
Reply to  Torsten Dewi

Oh, ist schon? Nice. Und: yippie. Gespannt.

heino
heino
22. Mai, 2021 17:53

Die ersten 3 Episoden von JL fand ich schon furchtbar öde und viel zu plakativ auf Aktualität getrimmt. Ist eher unwahrscheinlich, dass ich mir den Rest noch ansehen werde.

Jake
Jake
26. Mai, 2021 11:41

INVINCIBLE hat mich mehr begeistert, als ich erwartet hatte. Klare Empfehlung meinerseits. Schade, dass ich schon durch diverse Ausschnitte und Kritiken gespoilert war. So konnte der WTF-Moment am Ende der ersten Folge nicht mehr voll durchschlagen.

Jake
Jake
26. Mai, 2021 16:22
Reply to  Torsten Dewi

Das halte ich eigentlich genauso. Bei INVINCIBLE war’s nur so, dass ich zunächst keinerlei Interesse an der Serie hatte und erst neugierig wurde, nachdem ich bereits die ein oder andere Detailinfo aufgeschnappt hatte.

WaboSG
WaboSG
27. Mai, 2021 17:49

Holy Cow! Erst zwei Folgen drin (Invincible) und absoluter Fan. Danke, ohne diesen Artikel hätte ich die Serie sicher verpasst.

WaboSG
WaboSG
31. Mai, 2021 17:37

So, mit Invincible durch. Final Thoughts (SPOILERWARNUNG): Großartige Unterhaltung. Die Miniserie hat sich unglaublich voll angefühlt und in jeder Folge Reveals gehabt, die mich teilweise mit offenem Mund zurück gelassen haben (wobei der krasseste Reveal/Cliffhanger das Ende von Folge eins war). Zwei Dinge finde ich besonders beachtenswert:

Erstens: Die Brutalität. Ich bin kein Splatterfan, der Blut um des Blutes Willen mag, ABER ich bin der Meinung, dass Konsequenzen nicht automatisch weniger werden, nur weil man sie nicht zeigt. Invincible zeigt Kämpfe, die blutig und brutal sind, berauscht sich aber nicht am Leid. Ich hatte eher ein Gefühl von Realismus (bei einem Superhelden Comic…). Herausragende Szene: Der „gerettete“ Arm im finalen Fight, als Mark versucht das Haus zu stabilisieren. Das habe ich gefühlt. Auf Par mit der Szene der U-Bahn. Heftig. Großartig. Angebracht.
Zweitens: Die Moral. Keine Figur ist an sich gut oder böse. So etwas ist nun nicht mehr neu. Invincible versucht aber nicht, sich an einer Parabel zu verheben und einen auf Watchmen zu machen, sondern lässt einfach alle Figuren handeln. Innerhalb ihrer Wissensstände und Möglichkeiten, aber ohne visionäres Ziel oder den ganz großen Plan. Dabei bleiben eigentlich alle Charaktere sympathisch und spannend. Durch den großzügigen Umgang mit Menschenleben ist man als Zuschauer nie auf der sicheren Seite. So mutet in den letzten beiden Folgen JEDEM Zusammentreffen zweier Figuren der Hauch von Katastrophe an (als Omni-Man bei Art klopft…Oder als er Williams Auto anhält…oder als Robot und die MaulerTwins…). Ich wusste die Hälfte der Laufzeit nicht, wem ich trauen kann, dabei gab es gar keine sooo üblen Ränke.

Trotzdem bleiben Fragen offen, die vielleicht die Staffeln zwei und drei lösen werden. Zumindest eine sei mir aber hier vergönnt: Ich habe die Figur des Darkblood nicht verstanden. Was war seine Funktion? Mir fallen ad hoc drei Möglichkeiten ein, wie die Story OHNE ihn kohärenter abgelaufen wäre (wenn Debbie das Kostüm gefunden hätte, das ja in ihrem Wohnzimmer gebunkert war, und bei Art untersuchen hätte lassen, wären wir doch gleich weit, oder?) und am Ende trägt er ja nichts zum großen Rätsel bei? Habe ich was verpasst?

jimmy1138
jimmy1138
3. Juni, 2021 10:41

Jupiters Legacy wurde übrigens von Netflix abgesetzt…