Tag 3 der Basterds. Ich wälze mich nach sechs Stunden aus dem Bett, das Hirn so bleiern wie die Beine. Es gibt eine Art Festival-Paralyse, die träge und doof macht. Vermutlich ein Verteidigungsmechanismus der Psyche, die sich gegen den gezeigten Trash zu stählern versucht. Ich gehe das diesmal proaktiv an: rein in die Laufklamotten und raus in den Park, so sehr meine sterbliche Hülle auch „nöööhhh…“ jault.

Auf dem Weg in den Park an der Pegnitz stoße ich auf diese (vermute ich mal) Antifa-Aso-Kneipe – wieso hat der Doc uns da eigentlich noch nie hin eingeladen? Passender kann es doch eigentlich kaum werden:

Der Park, in dem ich zu laufen beabsichtige, ist für mich „terra incognita“. Ich habe lediglich recherchiert, dass der Rundkurs knappen 2 Kilometern entspricht, ich damit also nach 3 Runden mein Pensum voll haben sollte. Wie es scheint, ist die Grünfläche auch noch „danger zone“:

Ich wage es dennoch und laufe los. Alles relativ ebenerdig, gut ausgebaut, mit hübscher Sicht und Gesellschaft, ohne übervoll zu sein. Es rennt sich entspannt, auch wenn ich es ein wenig fies finde, dass der Lauf ausgerechnet an einem sympathischen Biergarten enden wird.

Es geht mir heute nicht um Rekorde oder um Leistungssteigerung, darum habe ich Runtastic lediglich instruiert, mir nach sechs Kilometern Bescheid zu sagen. Pflichterfüllung. Und die Pflicht wird erfüllt:

Ich lerne aus dem Lauf einiges, aber das ist heute nicht Thema.

Ins Hotel zurück. Duschen. Reviews schreiben. Apfel und Wasser einpacken. Auf ins Kino. Ich komme am Busbahnhof vorbei, wo ich gestern Zeuge wurde, wie dreißig Touristen einen holländischen Reisebus ins Ziel schieben mussten. Wolltet ihr schon immer mal wissen, was es braucht, um einen Reisebus abzuschleppen? Bitteschön:

Genug der Faxen. Kino wartet. Den soften Start macht „Backlash: Oblivion 2“, der in Deutschland auch unter Titeln wie „Badlands“ und „Kopfgeldjäger vs. Aliens“ vermarktet wurde und wird. Kein großer Wurf, aber Maxwell Caulfields bizarre Darstellung eines Dandy-Kopfgeldjägers bringt Leben in die lethargische Bude und der B-Cast ist nicht weniger als sensationell: George Takei, Julie Newmar, Andrew Divoff, Carel Struycken, Meg Foster, Isaac Hayes, Musetta Vander, Brent Huff, etc.

Statt eines Trailers hier mal das schöne „making of“:

Kritisiert werden darf die Projektion des Films – von DVD und einem ganz schlechten Master sieht das immer aus, als liege ein Fliegengitter über der Leinwand.

Danach steht „Gorgo“ auf dem Programm, einer der wenigen europäischen Versuche, einen Riesenmonster-Film nach Godzilla/King Kong-Muster zu stricken. Der betriebene Aufwand ist durchaus beachtenswert, besonders in dieser neuen, bearbeiteten Fassung. Es macht auch Spaß, das London der 50er in Schutt und Asche fallen zu sehen.

Aber die sehr humorlose Inszenierung, die ständige Wiederholung einzelner Action-Cuts und die völlige Abwesenheit eines emotionalen Subplots beweisen, dass die Macher zwar die prinzipielle Konstruktion eines Monsterfilms verstanden hatten, nicht aber die Wirkungsweise. „Gorgo“ macht weniger Spaß, als er sollte. Frauen kommen überhaupt nicht vor – dafür hat die Beziehung der beiden männlichen Protagonisten einen deutlich homoerotischen Subtext (inklusive Quasi-Adoption des kleinen Sean).

Bonuspunkt für die Tatsache, dass Bill Travers unfassbar wie Steven Seagal aussieht.

Eine lange Pause folgte, in der ich ein Stündchen Schlaf im Hotel nachholte und dank Cheat Day etwas probierte, das ich am Hauptbahnhof entdeckt hatte: Hot Dogs. Bei Burgerking:

Erwartungsgemäß gab es einen Bruch zwischen Wunsch und Wirklichkeit:

Schmecken auch nicht besser als die von IKEA, sind aber teurer. Ich bezweifle, dass die ins dauerhafte Programm der Fastfood-Kette aufgenommen werden.

Die Primetime des Abends bestritt „Das Geheimnis der schwarzen Witwe“ – ein Film, der sich nach Kräften bemüht, ein Edgar Wallace-Reißer zu sein, aber auf einem Roman von Louis Weinert-Wilton beruht. Ansonsten ist die Checkliste praktisch komplett: London, schwarzweiß, Nebel, Geheimbünde, ein unbekannter Serienmörder, Karin Dor, Eddi Arent, Klaus Kinski.

Was „Das Geheimnis der schwarzen Witwe“ aber erheblich und unfassbar unterhaltsamer macht als die Wallace-Konkurrenz, ist O.W. Fischer. Der österreichische Superstar des Nachkriegskinos spielt den ständig besoffenen, schmuddeligen wie aufdringlichen Reporter Welby mit unwiderstehlichem Charme weitab von den Wallace-Kommissar-Klischees: Er lebt auf einem Boot, reißt Frauen auf, hat immer einen Flachmann in der Tasche. Ich will nicht lügen: es wäre mir durchaus recht, ALLE Heinz Drache-Wallace-Filme digital durch O.W. Fischer-Versionen zu ersetzen.

Von London nach Hongkong, aus den 60ern in die 80er – für „Ninja Thunderbolt“, den ersten Ninja-Verhau von Godfrey Ho mit Richard Harrison:

Vor fünf Jahren hatten wir ja schon „Ninja Terminator“ aus der gleichen Schmiede. Im direkten Vergleich ist „Ninja Thunderbolt“ schlechter, weil er besser ist. Klingt seltsam? Ist aber so. Man merkt, dass Ho sich bei seinem Erstling noch mehr Mühe gegeben hat, den ausgeplünderten Original-Film und das neue Ninja-Material irgendwie in Einklang zu bringen. Natürlich passt das hinten und vorne nicht, aber allein die Tatsache, dass auch im Rumpf-Film ein Ninja vorkommt und dass relativ aufwändige Fights und Stunts geboten werden, lässt den Streifen homogener wirken als die späteren Werke.

Und das ist auch das Problem: die Godfrey Ho-Filme leben von ihrem total Irrwitz, von der Patchwork-Dramaturgie und den abstrusen Sprüngen in Zeit, Raum um Logik. Sie sind wahrer Trash, gemessen am „gewollt, aber nicht gekonnt“. Sobald sich auch nur der Hauch von Kompetenz einschleicht, lässt die Wirkung nach. Und das ist hier durchaus der Fall. Aber auch ein schlechter Ho ist immer noch ein guter Ho und bessere Rausschmeißer als die Filme von IFD kann man sich eigentlich nicht wünschen.

So, es ist nun kurz vor 12, ich muss das Hotelzimmer räumen und dann wieder zum Kino – Zielgerade!



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Martin Däniken
Martin Däniken

Man müsste mal untersuchen ob der Verlust von Hinzellen durch das Gucken von schlechten (guten) Filmen durch Joggen kompensiert/begrenzt werden kann?!
Weil das Sehen von Badmovie bestimmt nicht das Gehirnwachstum anregt…
Wäre aber ein schöner Plot für nen B-Film,müssen noch Haie und (Zombie)Nazis rein
-Asylum übernehmen Sie 😉

comicfreak
comicfreak

..die Kneipentür hab ich auch gesehen..
Entweder ist das Publikum in unserem Alter, was dann etwas peinliches hätte, oder es sind nachgewachsene junge Punks, was unserem Besuch dort etwas vom Charme eines Altersheimausfluges verleihen würde ^^

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