17
Feb 2020

STAR TREK PICARD: Engage (in multiple boring conversations with half baked characters)

Themen: Film, TV & Presse |

Ich verkneife mir üblicherweise Zweitkritiken, weil es IMMER genug neue Sachen zu besprechen gibt. Es muss schon außergewöhnliche Gründe geben, damit ich mich nochmal an die Tastatur setze, um ein Thema erneut aufzukochen.

Bei STAR TREK PICARD ist das heute mal der (seltene) Fall. Der außergewöhnliche Grund: ich habe nach dem besprochenen Piloten nun drei weitere Folgen gesehen – und fühle mich genötigt, meine Meinung zu revidieren.

Es ist ja nicht so, dass ich es nicht geahnt hätte. In der Erstkritik habe ich Patrick Stewarts massiven Einfluss auf den Entstehungsprozess ebenso kritisch gesehen wie den daraus resultierenden Versuch, Jean-Luc Picard zu einer Art Säulenheiligen des Star Trek-Universums zu erklären. Die bildmächtige Umsetzung, ein bisschen knackige Action und die auch bei mir vorhandene Nostalgie in Sachen TNG fing diese Bedenken weitgehend ab. Ich freute mich auf ein spannendes Retro-Abenteuer in zehn Folgen.

Nach weiteren drei Folgen ist diese Begeisterung aber weitgehend verflogen. Schlimmer noch: STAR TREK PICARD ist nicht schlecht, sondern langweilig. Ich ertappe mich dabei, die Episoden mehrfach zu unterbrechen. Immer wieder schweifen meine Gedanken ab, wenn der greise Admiral sich mit alten und neuen Gefährten über die politischen Unstimmigkeiten der Föderation unterhält.

STAR TREK THE NEXT GENERATION war einer der Pioniere des walk and talk – Charaktere nutzen den Weg von einer Location zu nächsten, um zwischen den Ereignissen Dinge zu bereden, Situationen zu erklären, die Handlung für den Zuschauer zu sortieren. Das bringt Bewegung und frisst nicht zu viel Laufzeit. Wir haben (neben der Brücke) in keinem Set der 1701-D so viel Zeit verbracht wie im Korridor. Und das war gut so.

PICARD hat diese Lektion verlernt. Man reist von Welt zu Welt, von Land zu Land. Man trifft sich. Man setzt sich. Man redet. Und redet. Man verabschiedet sich. Man reist zur nächsten Welt, ins nächste Land. Man setzt sich. Man redet. Und redet.

Diese bleierne Tatenlosigkeit, die mit ständigen Ortswechseln kaschiert wird, hat in meinen Augen dreierlei Ursachen.

Da ist zuerst einmal die Story. Man hat sich entschieden, eben keinen direkten TNG-Nachfolger zu drehen, sondern Picard in einen völlig neuen Kontext zu stellen. Das ist erfreulich mutig, aber in diesem Fall fehlgeleitet. Wir müssen fast 20 Jahre im Leben des Admirals, die wir nie erlebt haben, stückchenweise nacherzählt bekommen. Wir werden mit Personen konfrontiert, die Picard unglaublich wichtig sind – die wir noch nie gesehen haben. Die offensichtlichen Fragen, die man als Trekker so hat, werden komplett ausgeklammert: was wurde aus der Enterprise? Was wurde aus Beverly? Sind die Ereignisse in "Gestern, heute, morgen" kein Bestandteil dieser Realität?

Im Endeffekt bedeutet es, dass alles, wofür Picard hier kämpft, uns fremd bleibt. Die Ereignisse, die seinen Ist-Zustand geprägt haben. Die Freunde. Die Feinde. Es wird nur immer wieder behauptet, immer wieder erklärt.

Es wäre sicher besser gewesen, wie seinerzeit TOS bei "Der Zorn des Khan" ein Element aus TNG aufzugreifen und dieses in neuem Glanz und neuer Glorie zu erzählen. Ein letzter Konflikt mit Q? Eine Rückkehr der Borg? Vielleicht der ultimative Angriff der Parasiten aus der Episode "Conspiracy"? Irgend etwas, das man nicht ellenlang hätte erklären müssen. Fokus, Rückbesinnung, Erinnerung.

Das zweite Problem ist die vertikale Erzählweise. Wie viele Serien im Streaming-Zeitalter kommt die Handlung nicht voran, weil eine unfassbare Menge von Figuren parallel erzählt wird, weil es ständig "side quests" gibt, weil der größere Kontext immer wieder neu besprochen werden muss. Die Energie vorwärts wird der Breite der Geschichte geopfert. In vielerlei Beziehung erinnert PICARD auch an STAR WARS THE PHANTOM MENACE mit seiner viel zu detailverliebten Schilderung von politischen Ränkespielen und moralischen Grundsatzfragen. STAR TREK war immer dann am besten, wenn die Serie in begrenzter Laufzeit einer sehr klaren Struktur folgte: Wir sind hier, das Problem ist dort, Warp 8. Der Versuch, aus STAR TREK ein ambivalenteres, brüchigeres Universum zu bauen, ist schon in DISCOVERY gescheitert. Und hier scheitert es doppelt, weil es im Nachhinein die Leistung von TNG beschädigt.

Und schließlich das Thema, das Kern meiner Erstkritik war: die Figur Jean-Luc Picard. Everybody loves Picard. Ich verstehe das nicht nur, ich teile das. Patrick Stewart ist das Beste, was Star Trek je passiert hat. Er hat der Franchise nicht nur den stärksten Captain geschenkt, sondern schauspielerische Respektabilität. Ich halte ihn für einen der Schlüssel zum Mainstream-Phänomen STAR TREK in den 90ern.

Aber statt aus dieser Heldenverehrung Saft für Konflikte zu ziehen, stürzt sich PICARD kopfüber in die Begeisterung für den Protagonisten. Dieser Picard ist unfehlbar bis zur Schmerzgrenze und darüber hinaus, ein Gutmensch kalifornischer Prägung, der seinen moralischen Absolutismus über jeden notwendigen Pragmatismus stellt und damit NATÜRLICH Recht hat. Damit Picard Recht hat, müssen alle anderen irren: die gesamte Föderation, die anderen Sternenvölker, die Admiralität, ALLE. Ihre Entscheidungen in der Romulus-Krise waren falsch, Picards Forderungen waren richtig. Das ist nicht nur anmaßend und lässt den Charakter (wenn man ihm nicht bedingungslos hörig ist) sehr arrogant wirken – es beschädigt auch die Integrität der Sternenflotte zugunsten der Hagiographie.

Die Überzeichnung von Picard als moralischem Super-Maßstab des Star Trek-Universums zeugt von einer Selbstüberschätzung der Macher – und einer Fehleinschätzung dessen, was Jean-Luc Picard zu einer so großartigen Figur macht.

Aber all das ist Spiel- und Spieler-Kritik, Schall und Rauch, wenn das Ergebnis stimmt, weil die richtigen Tore gefallen sind. Und da hakt es eben: STAR TREK PICARD ist schlicht (bisher) langweilig, überfrachtet und mehr an gesitteten Diskussionen interessiert als am Weltraum, am Sense of Wonder oder dem "to boldly go". Abgesehen von Picard habe ich keine Figur gefunden, die mich rechtschaffen interessiert, deren Konflikt und deren Ziel ich nachvollziehen kann. Man hat den Admiral aus der Welt, die wir kennen und lieben, herausgelöst und in eine Welt versetzt, die uns fremd und wenig spannend scheint. Schade.

Dass viele Trek-Apologeten diese Meinung nicht teilen, ist klar. Ist mir aber – wie eigentlich immer – wurst. Dieser Beitrag ist u.a. für Björn Sülter, der meinte, ich könne meine Ablehnung doch sicher argumentativ untermauern. Kann ich. Oder?

Mich amüsiert übrigens die zickige Reaktion der Hardcore-Trekker, die Picard NATÜRLICH gut finden (müssen) und sich in Kommentarspalten beschweren, dass Kritiker so unqualifizierte Wertungen wie "langweilig" abgeben. Hakt man nach, warum ein "langweilig" unqualifiziert ist, dann wird angefressen darauf verwiesen, dass das ja keine begründete Kritik sei. Nun, "Find ich SUPER!!!" ist AUCH keine begründete Kritik und ich sehe nicht wirklich ein, warum man Begeisterung einfach in den Raum stellen darf, Ablehnung aber erst von den Apologeten abgenickt werden muss. Andererseits: Das sind die Trekker, so wie wir sie kennen.

Aber wer weiß: vielleicht melde ich mich ja nach der zehnten Folge mit einer abschließenden Staffel-Kritik und finde bis dahin alles wieder tuffig und super.



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Uli
Uli
17. Februar, 2020 10:53

"Wir müssen fast 20 Jahre im Leben des Admirals, die wir nie erlebt haben, stückchenweise nacherzählt bekommen. "
Interessant finde ich in dem Zusammenhang das es anscheinend ein Begleitbuch geben wird:
https://www.cross-cult.de/titel/star-trek-picard-die-letzte-und-einzige-hoffnung.html?titel_medium=9

Eventuell heißt es dann bald man müsse schon das Buch gelesen haben um die Serie würdigen zu können.

Marcel
Marcel
17. Februar, 2020 11:37
Reply to  Uli

Einen Comic, der den Hintergrund seiner Tal-Shiar-Haushaltshilfen beleuchtet gibt es bereits: https://www.comixology.eu/Star-Trek-Picard-Countdown/digital-comic/838893

Christian Siegel
17. Februar, 2020 13:41
Reply to  Uli

Das Buch wertet die Serie in der Tat auf, und wäre aus meiner Sicht auch die wesentlich bessere erste Staffel gewesen. Dass es aber so ungeschickt wie unverschämt ist, vom Zuschauer zu verlangen, Geld und Zeit in solches Hintergrundmaterial zu investieren, statt die Hausaufgaben innerhalb der Serie zu erledigen, ist zweifellos richtig.

comicfreak
comicfreak
17. Februar, 2020 12:30

..das klingt wie Umberto Eccos "Der Name der Rose", der mit einem doppelt so dicken Erklärbärbuch auf den Markt kam und trotzdem erst durch den Film verständlich wurde..

Mencken
Mencken
17. Februar, 2020 15:19
Reply to  comicfreak

Ein Erklärbuch zum Buch?

Das habe ich gar nicht als so unverständlich in Erinnerung.

cimddwc
17. Februar, 2020 13:47

Es wäre sicher besser gewesen, wie seinerzeit TOS bei "Der Zorn des Khan" ein Element aus TNG aufzugreifen und dieses in neuem Glanz und neuer Glorie zu erzählen.

Hmm, das seh ich nicht ganz so. Bei einem Film wie eben dem Zorn des Khan geht das sicher ganz gut, aber bei einer Serie wäre dann doch wieder das Gemecker groß, dass man olle Kamellen aufwärmt und über 10 Episoden in die Länge zieht. Man hätte höchstens einen Mittelweg finden können, der mit weniger nachträglichen Erklärungen auskommt.

Marsel
Marsel
21. Februar, 2020 16:05
Reply to  Torsten Dewi

Genau so fühlt es sich doch an: wie ein (wenig origineller) Kinofilm, der auf 10 Serienfolgen gestreckt wurde.

Christian Siegel
17. Februar, 2020 13:48

"was wurde aus der NCC 1701-D?"
Ich nehme an, du hast dich verschrieben und meintest die E? Weil das Wrack der D liegt ja bekanntermaßen auf Veridian III.

"Sind die Ereignisse in "Gestern, heute, morgen" kein Bestandteil dieser Realität?"
Davon konnte man eigentlich schon nach der Zerstörung der D in "Generations" (die in "Gestern, heute, morgen" ja in upgegradeter Form vorkam) ausgehen.

Was die Kritik selbst betrifft: Ich bin da über weite Strecken bei dir, auch wenn mein Urteil insgesamt noch etwas wohlwollender ausfällt. Vertikales Storytelling muss man können, und daran Mühen sich die "Star Trek"-Macher mittlerweile seit der ersten "Discovery"-Staffel ab, und bekommen es nicht richtig hin. Was ich jedoch nicht ganz teile, ist deine Einschätzung von Picards Unfehlbarkeit. Also, natürlich hast du mit der Heldenverehrung und ihm als moralische Hoheit recht, wie auch, dass dies zugleich bedeutet, dass alle anderen diesbezüglich im Unrecht sein müssen, nur damit sein Stern umso heller erstrahlen kann. Allerdings: Sich bloß weil der Rücktritts-Bluff gecalled wurde wie eine beleidigte Leberwurst völlig aus der Evakuierungsmission zurückzuziehen, jegliche Bemühungen zur Rettung von Leben einzustellen (jemand mit seinem Status und seinen Beziehungen hätte es durchaus schaffen können, mit einer privaten Flotte noch was auf die Beine zu stellen), sämtliche Kontakte abzubrechen (zu Raffi, zu Zani und auch Elnor, die ihm doch angeblich alle so wichtig waren), und sich auf sein Weingut zurückzuziehen um den Kummer in Earl Grey zu ertränken, ist nun nicht unbedingt das, was ich ihn dieser Situation als "Held" bezeichnen würde.

AlphaOrange
AlphaOrange
17. Februar, 2020 14:48

Im Grundtenor stimme ich dir absolut zu. Star Trek Picard ist derzeit einfach langweilig. Die Staffel ist bald zur Hälfte um und wir befinden uns immer noch in der Rekrutierungsphase und zwar in keiner, die besonders mitreißend umgesetzt ist. Die angedeutete riesige Mythologie im Hintergrund wird derweil auf Eislaufen auf dem Borgkubus reduziert, ist ergo zumindest erzählerisch Stillstand. Und da frage ich mich: wo stehen wir eigentlich? Ist das noch das Setup? Und wie lange will die Serie noch ihre Figuren aufstellen, wenn danach kaum noch Zeit ist, mit ihnen zu arbeiten? Oder sind wir schon mittendrin? Und was für ein Mittendrin soll das sein, wenn einfach nichts passiert? Irgendwas passt da einfach nicht.

Die Person des Picard sehe ich ein wenig anders, aber vielleicht ist das sogar auf den gleichen Nenner zu bringen. Picard kommt mir nicht zum Heiligen stilisiert vor, sondern – und das finde ich gar noch schlimmer – wie ein starrsinniger alter Sack, der sich nur noch selbst als dieser Heilige sieht. Einer, der sich 14 Jahre auf sein Weingut verkrümelt, dann beginnt, von allerlei früheren Weggefährten, bei denen er sich nie gemeldet hat, Gefallen einzufordern und ständig stinkig ist, wenn diese nicht direkt begeistert sind, ihn in die Schranken weisen oder er, der große Admiral, gar nicht mehr sofort erkannt wird. Ob im Sternenflotten-HQ, bei Raffi in der Einöde oder auf der Flüchtlingswelt der Romulaner: Picard zeigt keinerlei Verständnis dafür, dass sich die Welt ohne ihn weitergedreht hat. Kann man machen, ist grundsätzlich interessanter Ansatz, macht die Figur aktuell aber einfach unglaublich unsympathisch und nicht zu dem, was man eigentlich sehen möchte. Konsequenterweise müsste man Picard am Staffelende eigentlich den Weltraumführerschein entziehen und ihn ins Altenheim abschieben. Dann hätten die Autoren meinen Respekt dafür, die Entwicklung des Charakters so durchgezogen zu haben und meine Verachtung dafür, meine Erinnerung an den großartigsten Captain von ganz Star Trek ruiniert zu haben.

Das sind die Trekker, so wie wir sie kennen.

Ach ja, der Trekker-Peitsche. Hab ich glaube ich schon mal geschrieben. Von der einen Seite heißts "Das sind Trekker, die loben sowieso den größten Scheiß in den Himmel!" und von der anderen "Das sind Trekker, die finden eh alles scheiße, was nicht genauso aussieht wie vor dreißig Jahren." Als Trekker bist du eh immer der Arsch. Oder vielleicht sind es wie bei allen anderen Serien auch, einfach nur ganz normaler Zuschauer, die die Serie super oder supermies finden und nicht in der Lage oder willens sind, das mit Argumenten zu untermauern.

Thorben
Thorben
17. Februar, 2020 15:40

Ist für mich wie am Anfang von TNG – ich fand die ersten Staffeln auch entsetzlich langweilig… Diese fing echt gut an, zieht sich jetzt aber. Hoffentlich dauert es nicht wieder 3-4 Staffeln bis es spannend wird…

Andreas
Andreas
18. Februar, 2020 11:20

Vielen Dank!

Du sprichst mir aus der Seele. Und es ist mir dabei total egal, ob man die 20 Jahre Rückblick gut findet oder nicht. Ob die Förderation einfach am Scheideweg stehen muss oder nicht. Ob bla oder blubb.

Es soll Spaß machen, diese Serie zu schauen. Und das macht sie einfach immer weniger! Es ist wie in Discovery. Es sind dieselben Leute, die hinter den Kulissen als Showrunner agieren. Und sie haben es nicht gelernt!

Freunde von mir sind total begeistert, haben mir mit Feuer in den Augen von Folge 4 erzählt. Da habe ich Folge 2 gesehen und mir gedacht: ok, dann wird das ja noch Fahrt aufnehmen. Nix. Ich habe mich durch die 3. Folge gequält und bei Episode 4 Sachen übersprungen, weil sie einfach so redundant, so sinnlos und so lahm waren, dass es keinen Spaß gemacht hat, sie zu schauen.

Bevor jetzt einer mit "aber das sind alles Puzzelteile! Das fügt sich zusammen! Das große Ganze" ankommt: Quark! Auch Puzzleteile und Andeutungen muss man können. Schaut euch mal Buffy an – DANN wisst ihr, wie man Foreshadowing macht, OHNE dass es doof und lahm rüberkommt. Und ganz ehrlich, dieses ganze große Narrativ, das große Ganze ist Kappes. Es ist Murks. Selbst wenn jetzt rauskommt, dass die Romulaner vor tausende Jahren die Borgs erschaffen haben, oder die Avengers heimlich im Star-Trek-Universum leben, es ist alles nur lahm angerissen und erzählt. Ich will die große Enthüllung gar nicht erahnen – weil es so einschläfernd hingebrochen wird, dass es mich null interessiert.

Jede Folge Picard fühlt sich derzeit an, als ob da mit gebremsten Schaum operiert wird. Als ob die Autoren gar nichts zu erzählen hätten, dass aber auf 45 Minuten pro Folge. Sorry, ich liebe das ST-Universum, ich mag die Figur Picard. Aber wenn man es bei derzeit rund 180 (!) Minuten Serienzeit nicht geschafft hat, den Captain eines Raumschiffes in ein Raumschiff zu schmeißen (und zwar ein cooles, nicht diesen Frachthanger) und die Charaktere um ihn herum zum Sci-Fi-Leben zu erwecken, dann ist es ganz schön doof.

Denn, das hat der Wortvogel ja nichtmal angesprochen: was ist das eigentlich für ein Charakterbuilding? Die Leute auf Picards Schiff sind Pappaufsteller. Die naive, aber süße Roboterexpertin, die Picard hassende, ihn aber dennoch ins Feuer folgende Skeptikerin, den coolen rauhbeinigen Piloten mit nem NHM und ein kleiner Attentäterjunge für die Action. Na, was für ein 0815 Team aus dem Handbuch "how to write Sci-Fi." Und dann gibt es nichtmal Gespräche zwischen den Leuten, also ich meine richtige, glaubhafte Gespräche. Keine Spannungen. Keine Themen. Wir können zu keinem Moment glauben, dass diese Leute noch was anderes tun, außer dem Captain hinterherzulaufen. (Ich empfehle mal Firefly, was glaubwürdige Charaktere angeht).

Die alte Crew, Riker, Troy, der kleine blasse Junge (Wesley), Worf, Data (…) verdammt, sogar Chief O’Brian – sie hatten jenseits des "Ay Captains" ein Leben. Und das haben die Writer damals in weniger als derzeit 180 Minuten Laufzeit hinbekommen (Stichwort vertikales Storytelling).

Was zur Hölle ist eigentlich mit Star Trek los? Ich werde die Folgen weiterhin anschauen, aber ich werde wohl Sachen einfach überspringen. Und nicht das Gefühl haben, wirklich was zu verpassen.

jimmy1138
jimmy1138
18. Februar, 2020 14:13

Eine Sache, die ich nicht verstehe: Womit bezahlt Picard eigentlich den Piloten? In TNG bzw den Filmen wurde betont, es gäbe kein Geld mehr und über sowas wie materiellen Besitz wäre man erhaben, aber gleichzeitig ist "Raffi" neidig auf Picard, weil der in seinem Chateau lebt und sie in ihrer Dreckshütte im Naturschutzgebiet und dann ist eben die Rede davon, daß man einen Piloten und sein Schiff anheuert. Mit welchem Geld?
Generell kommt’s mir so vor, als ob Jay El Picard mehr sowas wie "Professor X in space" denn der Jean Luc Picard aus TNG ist. Hier ist er der nette Opa, in TNG war die Hauptaufgabe vom Riker, ihm lästige Kinder vom Hals zu halten…

Marsel
Marsel
18. Februar, 2020 17:05

Ich in ja so froh, bin ich nicht der einzige, der das alles ein bisschen lahm findet. Wenn man hochgradig intensive Serien wie Leftovers, Killing Eve oder Counterpart gesehen hat, kann man das hier nicht wirklich gut finden.

Jake
Jake
19. Februar, 2020 14:33

PICARD hat leider von Folge zu Folge nachgelassen, für mich ist die Serie im Grunde gestorben. Vieles wurde in der obigen Kritik und in den Kommentaren angesprochen, ich könnte noch einiges hinzufügen. Vorläufiger Tiefpunkt war für mich die Sockenrutsch-Szene mit anschließendem Rumgeknutsche im verlassenen Borg-Trakt. WTF!? Ich gucke PICARD, wie schon zuvor DISCOVERY, eigentlich nur noch, um zu den Verrissen, die man zu lesen oder in Form von YouTube-Videos zu sehen bekommt, wissend nicken zu können. Traurig eigentlich, dass ich mir diese Zeitverschwendung gebe. Meine Meinung: Kurtzman kann’s nicht. New Trek ist ein absolutes Desaster und mir graut es schon vor den weiteren geplanten Ablegern.

ratsnack
ratsnack
21. Februar, 2020 19:11

Yep. Teile die Meinung. Anfänglich euphorisch, gefiel mir aber die Nebencharaktere sind das langweiligste seit Stargate Universe und ich kann mich beim besten Willen nicht für sie interessieren. Genausowenig für die Handlung. Idgaf about the Romulans. Sorry. Meh.

Lothar
Lothar
24. Februar, 2020 14:38

Finde das ganze auch ein bisschen zäh. Es hat drei Folgen gebraucht, bis überhaupt die Crew vollständig war und in Folge vier ist die eine wohl schon wieder weg. Das ist meiner Ansicht nach verdammt lang und man hat wenig davon dafür verwendet, ein paar Fragen zu beantworten. Zum Beispiel, wieso sich Picard und 7of9 über "Cocktailpartyniveau" hinaus zu kennen scheinen.

Michael
Michael
26. Februar, 2020 14:17

Vielen Dank für die Worte, die mein Gelangweilt sein erklären, tatsächlich interessiert mich keine der neuen Figuren wirklich, es ist viel "Geraune" über die Hüntergründe, aber das echte Gefühl es gäbe einen echten Backplot, das stellt sich so gar nicht ein. Die Masse des Budgets scheint für Stewart draufgegangen zu sein, danach litten die Effekte und dann vor allem das Drehbuch. Tempo, Esprit, Überraschung, Wendungen, irgendwie modernes Fernsehen: Fehlanzeige. Verschwörungen ins Trek-Universum einzubauen – das hat bisher schon nicht sooo funktioniert, und hier, tja, funktionert es auch nicht. Neben uninspirierten Dialogen, platten Charakteren mit einer Überdosis Conspiracy und dann auch noch Esoterik. Ich bin am Ende der 3. Folge und so unmotiviert, weiterzusehen. Bei Discovery habe ich auch unter großem Widerwillen die erste Staffel zu Ende geschaut. Hier werde ich das wohl auch tun, aber das reicht dann auch. Es gibt so viele so viel tollere Sachen da draußen. Wenn auch nicht unbedingt im phantastischen Bereich.

Marsel
Marsel
27. Februar, 2020 11:18
Reply to  Michael

Counterpart war phantastisch, in jeder Beziehung.

plumtree
plumtree
29. Februar, 2020 18:28

Die erste Folge fand ich großartig. Das fühlte sich sehr Star Trek mäßig an. Als sie in der 3. Folge immer noch nicht unterwegs waren, habe ich schon sehr mit der Stirn gerunzelt.
Zumal der Borg/Romulaner Plot einem ja auch nicht gerade vor Spannung die Schuhe auszieht.
Die 4, Folge machte es nicht besser und dann sind wir in Urlaub gefahren. Ich hätte massenhaft Zeit gehabt und habe bisher weder die 5. noch die 6. Episode gesehen. Es tritt der "Discovery" Effekt ein – es interessiert mich schlicht nicht, was mit diesen Leuten passiert.
Offenbar ist die Magie verloren gegangen.

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[…] für möglich gehalten, aber nach zwei Staffeln DISCOVERY, dem dritten Kelvin-TREK und zehn Folgen PICARD habe ich eher das Gefühl, die neue Trek-Serie überstanden als beendet zu […]