Das Arrowverse mistet aus, das Arrowverse baut neu auf – mit GREEN ARROW geht demnächst die dienstälteste und namensgebende Serie der Multi-Franchise zu Ende, bei LEGENDS OF TOMORROW hört man auch schon die Totenglocken läuten. Es gibt Gerüchte (Gerüchte!), dass man SUPERGIRL nach einem Ausstieg von Melissa Benoist in SUPERMAN umbauen könnte. CONSTANTINE und GOTHAM (letzteres offiziell KEIN Teil des Arrowverse) sind ja schon länger durch. Das macht den diesjährigen Crossover der Arrowverse-Serien umso spannender, denn neben allen etablierten Figuren buddelt DC noch diverse Alternativ-Varianten aus – Brandon Routh (SUPERMAN RETURNS) darf noch mal als Superman ran, Tom Welling (SMALLVILLE) ebenfalls, und auch sonst sieht es so, aus würde der Crossover das ultimative TV-Mega-Event werden.

Da fällt fast hinten runter, dass DC mit BATWOMAN gerade die neuste Arrowverse-Show gestartet hat, deren Hauptfigur ihren ersten (wenig bemerkenswerten) Auftritt im letztjährigen Crossover hatte – Ruby Rose als Kate Kane alias BATWOMAN!

Schieben wir erstmal den Elefanten im Raum beiseite: wie erwartet ist BATWOMAN die erste LGBTQ-Serie des Arrowverse. Kate Kane ist lesbisch und das wird auch von Anfang an SEHR deutlich gemacht. Immer wieder. Natürlich ist sie „cool lesbisch“ auf diese Art, die auch vielen Männern gefällt. Und weil die eigene sexuelle Präferenz in einer solchen Serie nicht einfach Fakt sein kann, muss pausenlos thematisiert werden, wie gemein und verständnislos die Umwelt auf Kates Outing reagiert. With great lesbionics comes great responsibility – for social justice. Sartre hat mal sehr schön dargelegt, dass nichts den Außenseiter-Status mehr befördert als die ständige Betonung, man sei „normal“. Und das ist bei BATWOMAN sehr deutlich der Fall.

Nun wäre ich durchaus dafür, mal eine „normal lesbische“ Superheldin zu sehen, die keinen großen Bohei darum macht, mit wem sie ins Bett geht und wen das interessiert. Aber Kate Kane ist für diese Rolle denkbar ungeeignet, denn ihr ständiges Insistieren, ihren eigenen Weg zu gehen, beißt sich halt brutal offensichtlich mit der Tatsache, dass sie damit eine Karriere als B-Klasse-Batman meint. Geld, Technik, Assistent, sogar der Ruf – ALLES übernimmt sie von Bruce Wayne. Die Reputation, die sie anstrebt, ist nicht selbst erarbeitet, sie ist dem Patriarchat gestohlen. Kate Kanes BATWOMAN ist wie eine Frau, die für ihren Reichtum Respekt will, den sie bei der Scheidung von ihrem Mann erpresst hat. Wie viel vernünftiger wäre es gewesen, eine Superheldin zu erschaffen, die begreift, dass Gotham eben KEINEN zweiten Batman braucht, sondern eine Heldin, die der verzweifelten Stadt einen völlig neuen Ansatz schenkt – einen von Hoffnung und Vergebung? Aber schon klar: Das Arrowverse wollte halt eine Art Batman. In Frau.

Und jetzt lassen wir all das mal weg. Subtrahieren wir den bleiernen wie fehlgeleiteten LGBTQ-Ansatz von meiner Kritik und akzeptieren auch, dass es nun mal BATWOMAN sein musste – koste es, was es wolle.

Es taugt immer noch nix.

Ich habe mir jetzt die erste Episode angesehen und bin ehrlich gesagt baff, dass das Arrowverse nach mehreren hundert Episoden immer noch nicht in der Lage oder schlicht nicht willens ist, einen ordentlichen Pilotfilm zu bauen, der die Hauptfigur, ihre Beziehungen und ihre Konflikte ordentlich etabliert.

Wir erinnern uns:  schon der SUPERGIRL-Pilot war an hanebüchenen Zufällen und dummer Herbeifaselei halbgarer Pseudo-Konflikte kaum zu überbieten:

BATWOMAN setzt hier noch einen drauf. Praktisch JEDE Szene ist einen Kopfpatscher wert und das hier ist eine Masterclass in Sachen „lazy writing“. Statt das im Kontext abzufeiern, zähle ich nur mal ein paar Details auf:

  • Kates Training für eine Sicherheitsfirma beinhaltet Übungen, bei der sie mit hoher Wahrscheinlichkeit sterben müsste – was ihren Ausbilder nicht zu scheren scheint
  • Statt das Abschalten des Batsignals als Start in eine neue Ära zu feiern („wir schauen hoffnungsvoll in eine Zukunft ohne einen maskierten Beschützer“), wird es als kindische Enttäuschung über das Verschwinden Batmans verkauft
  • Sophie fällt bei einer Prügelei vom Dach – direkt in das Sprungtuch der Bösewichte. Woher wussten die, dass sie DORT kämpfen würde, dass sie DORT fallen würde?
  • Warum wird die angebliche Ablehnung Kates durch ihren Vater ebenso wenig thematisiert wie seine angebliche Bevorzugung von Sophie?
  • Wie schafft es Luke Fox, binnen weniger Stunden ein neues Kostüm zu basteln?
  • Wie kann Kate das gesamte Equipment von Batman bedienen, das sie nie zuvor gesehen hat?
  • Wo zur Hölle ist das Gotham Police Department? Wo ist Gordon? Wo Alfred?

Und selbst wenn ich all das noch als bequemes Übergehen angebrachter Fragen hinnehmen würde, komme ich nicht über die Szene hinweg, in der Kate DAS große Rätsel löst:

Der auf Hightech spezialisierte Rächer Batman, der seit drei Jahren verschwunden ist, und der auf Hightech spezialisierte Multimillionär Bruce Wayne, der seit drei Jahren verschwunden ist – sind ein und dieselbe Person!

Schockschwerenot! BATWOMAN verkauft das tatsächlich als brillante Kombinationsgabe. Ich musste herzlich lachen.

Die Marvel-Miniserien wie PUNISHER und DAREDEVIL haben bewiesen, dass auch das Superhelden-TV keine Ausrede hat, über die Maßen doof oder unglaubwürdig zu sein. BATWOMAN hat das Memo anscheinend nicht bekommen. Hier sind Anspruch und Aufwand dem Anliegen untergeordnet worden – für einen hohen Preis.

Davon ab ist BATWOMAN für das Budget erwartbar ordentlich gefilmt, mit anständigen Schauspielern besetzt und durchaus nicht langweilig. Ob die Serie allerdings ihren Flow noch findet – wie SUPERGIRL -, bleibt abzuwarten.

Fürs Stammbuch: Entertainment first, awareness second.



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„Kate Kanes BATWOMAN ist wie eine Frau, die für ihren Reichtum Respekt will, den sie bei der Scheidung von ihrem Mann erpresst hat.“

🙂

Nicole

Die Trailer hatten mich damals da auch echt nicht umgehauen, ich hatte schon sowas in die Richtung erwartet, zumal ich so langsam mit allen Serien das Arrowverse meine Probleme habe. Schaue auch nur noch The Flash, finde da die Staffeln aber mittlerweile auch eher ne qualitative Achterbahnfahrt, wo mich eher die Schauspieler halten. Bei Arrow war ich bei Staffel 3 raus (überlege aber tatsächlich da mal weiterzugucken), Legends fand ich schauspielerisch so schlecht, dass ich in S1 abgebrochen habe, bei Black Lightning fand ich S1 sogar gelungen, bin aber noch nicht dazu gekommen S2 zu gucken und Supergirl konnte mich irgendwie nicht mit reißen. Habe es echt versucht ,aber bin damit nicht warm geworden. Bei Batwoman hätte ich in der Tat eher mal Lust wegen Rachel Skarsten und Meagan Tandy mal reinzuschauen. So langsam werden mir das auch zu viele Superheldenserien bei The CW. Man arbeitet ja jetzt fleißig an weiteren Produktionen, nur das die halt alle nicht so viel Neues zu bieten haben. An „Gotham“ reicht da für mich keine ran, das mochte ich nämlich aufgrund der verrückten Plots, den genialen Antagonisten und der düsteren Atmosphäre richtig gerne.

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Mich schreckt schon das Poster ab.