25
Jul 2015

Superman-Triple: "Hollywoodland", "Justice League: Gods and Monsters" & "Supergirl: The Series"

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

Heute gönne ich mir mal einen Dreifachreview von Produktionen, in denen Superman vorkommt oder Thema ist – allerdings nicht so, wie wir ihn kennen und lieben. Es sind quasi Zweige vom großen S-Stamm, unterschiedlich erfolgreiche Ableger und Facetten der DC-Franchise.

Hollywoodland

hl1USA 2006. Regie: Allen Coulter. Darsteller: Adrien Brody, Diane Lane, Ben Affleck, Bob Hoskins, Robin Tunney u.a.

Offizielle Synopsis: Es ist ein Vogel … es ist ein Flugzeug … es ist Superman. Mit diesen Worten begann im amerikanischen Fernsehen allwöchentlich von 1952 bis 1958, umjubelt von Kindern und Jugendlichen in ganz Amerika, die Serie "Adventures of Superman". Ihr Hauptdarsteller George Reeves wurde mit seiner Darstellung des Mannes aus Stahl eine nationale Berühmtheit. Als am 16.06.1959 seine Leiche gefunden wurde, sprach man offiziell von Selbstmord – daran bestand zunächst kein Zweifel. Doch bis heute zählt sein Tod zu den mysteriösesten Ereignissen in Hollywood, denn einige Menschen glauben, dass er ermordet wurde.

Der auf heikle Fälle spezialisierten Privatdetektiv Louis Simo (Adrien Brody) zieht los, um die Wahrheit ans Tageslicht zu bringen. Je mehr er in die undurchsichtige Geschichte von George Reeves (Ben Affleck) eintaucht, desto mehr identifiziert sich der Privatdetektiv mit dessen Leben. Als er von Reeves' langjähriger Affäre mit der Frau eines Studiochefs von MGM erfährt, gerät er selbst in Lebensgefahr…

Kritik: Wie obskur „Hollywoodland“ ist, kann man sehr schön daran sehen, dass ich ihn als Karrieretief von Ben Affleck präsentieren wollte – als seinen ersten TV-Film nach ein paar ganz schlechten Entscheidungen („Gigli“, anyone?). Vom Kino-Daredevil zum abgehalfterten TV-Supermann in nur zwei Jahren. Das kann einen schon in den Alkohol treiben. Aber bei der Recherche musste ich feststellen, dass „Hollywoodland“ zwar vielerorts direkt auf Scheibe ging, aber tatsächlich nicht fürs Fernsehen, sondern für die große Leinwand produziert worden war. Wo er mit 14 Millionen Einspielergebnis keinerlei Wellen machte.

Trotzdem bleibt meine Arbeitsthese intakt: „Hollywoodland“ war ein absolutes Tief in der Karriere von Ben Affeck, der von Hollywood jahrelang als „next big thing“ verhätschelt worden war, ohne die Erwartungen je erfüllen zu können. Selbst „Pearl Harbor“, „Armageddon“, „Daredevil“ und „Der Anschlag“ hatten ihn nicht in die Topliga prügeln können.

Tja, und in „Hollywoodland“ spielt Affleck dann auch erstmals nicht mehr einen jungen, virilen Charmebolzen, sondern einen alternden, fast schon bemitleidenswerten Schauspieler mit großen Ambitionen auf dem Weg in die künstlerische Bedeutungslosigkeit. Die Parallelen zwischen Ben Affleck und George Reeves müssen für Affleck zu diesem Zeitpunkt schmerzhaft gewesen sein.

Als Mix aus Film Noir und Biopic bedient „Hollywoodland“ zwei Handlungsebenen – die letzten Jahre im Leben von George Reeves und die Ermittlungen von Privatdetektiv Louis Simo zu dessen Tod. Beide Männer sind äußerlich grundverschieden, Reeves antrainiert elegant, Simo getrieben drahtig, aber doch in ihrer Melancholie ähnlich, sich selbst und die Menschen ihrer Umgebung trotz großer Begabung immer wieder enttäuscht zu haben. Andererseits: Während Reeves daran verzweifelt, sich zu immer niedrigeren Preisen verkaufen zu müssen, hadert Simo eher mit seiner Unfähigkeit, das System zu bedienen, um sich finanziell und sozial abzusichern.

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Obwohl es durchaus spannend ist, diese Parallelen zu ziehen und zu analysieren, krankt „Hollywoodland“ daran, dass sich die zwei Handlungsebenen letztlich nicht befruchten, nicht zueinander finden. Man hat das Gefühl, zwei Hälften verschiedener Filme zum Thema George Reeves zu sehen, die elegant, aber letztlich inkonsequent zusammen geschnitten wurden.

Hinzu kommt, dass der Streifen seine Grundfrage nicht beantworten kann: Was geschah mit George Reeves in jener Nacht? Verschiedene Möglichkeiten werden durchgespielt, verschiedene Mittäter präsentiert, aber letztlich bleibt alles Spekulation und damit frustrierend unaufgelöst. Und dieses Non-Ende torpediert beide Handlungsstränge, weil wir Reeves nicht bis zum Ende begleiten und Simo den Fall nicht lösen wird. Im Ernst – was ist ein Krimi wert, an dessen Schluss der Detektiv letztlich mit den Schultern zuckt und aufgibt?

Man merkt, dass „Hollywoodland“ das Projekt eines TV-Autors und eines TV-Regisseurs ist, die beide nicht in der Lage sind, ihre Geschichte mit dem großen Kino-Pinsel zu erzählen. Heute, zehn Jahre später, wäre so etwas ein solider TV-Film von HBO oder Netflix. Da gehört er auch hin. Aber was an erzählerischer Potenz fehlt, macht die Produktion teilweise mit viel Zeitkolorit, beeindruckender Ausstattung und einem gewichtigen Cast wett. Und es gibt exakt EINE Szene, in der das dramatische Potenzial des Film durchschimmert: Als „Superman“ George Reeves bei einem Promotion-Auftritt in einer Westernstadt von einem Knirps mit einem echten Revolver bedroht wird, weil er sehen will, wie die Kugeln von der Brust seines Idols abprallen…

Kommen wir abschließend noch zu dem Grund, warum ich mir „Hollywoodland“ überhaupt angesehen habe: Er präsentiert einen fiktionalen Rückblick auf die Entstehungs- und Erfolgsgeschichte der legendären ersten Superman-TV-Serie. Und in diesen Momenten (die zusammen genommen leider nur ca. fünf Minuten ausmachen) kann „Hollywoodland“ dann doch mal überzeugen: Affleck passt sich perfekt in die Rolle ein, diverse Schlüsselszenen der Serie werden liebevoll nachgestellt, man bekommt ein gutes Gefühl dafür, wie Fernsehen in der Nachkriegszeit produziert wurde. Und genau deshalb wäre es eine hübsche Meta-Ebene gewesen, wenn „Hollywoodland“ selbst als TV-Film ein Kind seiner Zeit gewesen wäre. Sollte nicht sein.

Empfehlen würde ich „Hollywoodland“ primär Leuten, die sich für die Tragödie von George Reeves interessieren, die man allerdings in den Büchern „Hollywood Kryptonite“ und „Faster than a speeding bullet“ ausführlicher nachlesen kann.

https://www.youtube.com/watch?v=TTctOwZBUr8

Fazit: Als nostalgischer Blick ins Hollywood der späten 50er und als Sittenbild interessant, als Hardboiled-Krimi zu schwachbrüstig und unentschlossen.

Justice League: Gods and Monsters

jl1USA 2015. Regie: Sam Liu. Sprecher: Benjamin Bratt, Michael C. Hall, Tamara Taylor, Paget Brewster, C. Thomas Howell, Jason Isaacs, Richard Chamberlain u.a.

Story: In diesem Universum ist Superman der Sohn von General Zod, wurde von mexikanischen Immigranten aufgezogen – und führt die Justice League mit harter Hand. Batman ist ein Wissenschaftler, der durch ein Unglück zu einer Art Pseudo-Vampir wurde und immer darauf hofft, wieder in die Normalität zurück zu finden. Wonder Woman ist die Thronerbin von Apokolips, die nach einem Massaker auf ihrer Heimatwelt zur Erde geflohen ist.

Diese radikal anders gelagerte Justice League gerät in Gefahr, als diverse Wissenschaftler ermordet werden (darunter die Alter Egos von Atom, Cyborg und Mr. Freeze) und die Morde den Superhelden in die Schuhe geschoben werden. Irgendwie hängt die ganze Sache mit dem geheimnisvollen Projekt Fairplay zusammen, hinter dem Lex Luthor steckt…

Kritik: Ihr wisst es: Der Wortvogel ist ein Sucker für Parallelwelt-Geschichten. Das war schon beim Spiegel-Universum von Star Trek so und bei den Elseworld-Comics von DC und den What if…-Comics von Marvel. Es hat für mich einen ungeheuren Reiz zu sehen, wie sich bekannte Charaktere und Szenarien ändern, wenn man an den Stellschrauben dreht. Darum habe ich mich auf „Gods and monsters“ gefreut, eine Variation der DC-Continuity, in der die Justice League erheblich ambivalenter dargestellt wird.

Und ja, grundsätzlich ist das alles recht interessant. Superman als Sohn von Zod und Adoptivkind mexikanischer Einwanderer, der dem „american way“ deutlich kritischer gegenüber steht. Batman als getriebener Vampir. Wonder Woman als Flüchtling eines galaktischen Königshauses. Kann man mit arbeiten.

jl2

Nur leider findet „Gods and Monsters“ keine Geschichte, in der diese Alternativ-Versionen ihre Herkunft und ihre Dramen ausspielen könnten. Die vorgenommenen Justierungen sind für die Handlung letztlich irrelevant, mit minimalen Änderungen hätte auch die „normale“ Justice League antreten können. Und weil der Plot die „harte“ Justice League nicht benötigt, können deren Stärken und Schwächen auch nicht ausgespielt werden. Supermans ruppigeres Auftreten ist letztlich so folgenlos wie Batmans Vampirismus. Die tragische Herkunft von Wonder Woman ist ebenfalls nur Hintergrundrauschen.

Auch die Nebenfiguren reißen es nicht raus. Steve Trevor ist ein Schnarchsack, der sieche Lex Luthor steuert nichts zur Handlung bei, der schlussendliche Bösewicht ist völlig uninteressant. „Gods and Monsters“? Wo?

Technisch wird Hausmannskost geboten, der Zeichenstil ist reduziert und akzeptabel animiert, das Voice Acting okay. Positiv aufgefallen ist mir lediglich, dass der Superman dieser Welt fast ausschließlich „stehend fliegt“, was ihm eine gewisse herrische Autorität verleiht. Aber das rettet diese inhaltlich ausgegorene 08/15-Produktionen auch nicht mehr.

Selbst wenn man ein Fan des DCAU (DC animated universe) ist, kann man den hier stressfrei auslassen.

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Fazit: Eine faszinierende Alternativwelt-Variante der DC-Helden, die ihr Potential nie ausschöpft und sich in einer seltsam banalen Geschichte ohne befriedigendes Finale verstrickt.

Interessanterweise hat man zu "Gods and Monsters" eine korrespondierende Webserie produziert. Die erweitert zwar das Universum, als handele es sich eben doch um eine TV-Serie, aber wirklich Mehrwert konnten die 6minüter für mich nicht generieren, Wenigstens kann man sie als Maßstab nehmen, ob sich der Kauf des eigentlichen Films lohnt, sozusagen als Appetithappen:

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Supergirl: The TV Series (Pilot)

sg1USA 2015. Regie: Glen Winter. Darsteller: Melissa Benoist, Mehcad Brooks, Calista Flockhart, David Harewood, Chyler Leigh, Helen Slater, Dean Cain, Peter Facinelli u.a.

Story: Kara Zor-El verlässt den sterbenden Planeten Krypton, um ihren kleinen Cousin Kal-El zu beschützen. Doch ein Unglück sorgt dafür, dass sie zeitversetzt zu ihm auf der Erde landet – und noch dazu jünger. Sie wächst bei der Denvers-Familie auf und versteckt ihre aufkeimenden Superkräfte – sie möchte normal sein und die Welt braucht kaum mehr als einen Supermann. Doch als sie in National City beim Web-Konglomerat von Cat Grant zu arbeiten beginnt, kann sie sich nicht mehr aus den Belangen und Nöten der Menschen heraus halten: Sie nimmt die Identität von Supergirl an – und zieht damit auch ungewollte Aufmerksamkeit auf sich.

Kritik: So sehr sich DC auch müht, im Kino die Vormachtstellung von Marvel wenn auch nicht zu brechen, dann doch wenigstens herauszufordern, so sehr gelingt es dem Verlag mittlerweile recht gut, seine Figuren für die Mattscheibe aufzuarbeiten. Nach zwei Superman-Varianten mit „Lois & Clark“ und „Smallville“, diversen erfolgreichen Zeichentrickserien wie „Batman“ und „Justice League“, ein paar Totgeburten wie „Aquaman“ und „Wonder Woman“, baut man nun kräftig an einem halbwegs kohärenten DCTU (DC television universe) als Gegenstück zum MCU (Marvel cinematic universe). So hat man zumindest „Arrow“ und „Flash“ erfolgreich etablieren können, während „Gotham“ und „Constantine“ weniger Fans begeisterten. Das Projekt „Legends of Tomorrow“ steht in den Startlöchern:

https://www.youtube.com/watch?v=4MubNoWQiSc

Vorher wird aber ab Herbst mit „Supergirl“ versucht, deutlicher auf ein weibliches Publikum einzugehen und die teilweise tonale Schwere von „Arrow“ und „Flash“ ein wenig aufzuwiegen. Am Ende sollen sich die Shows mit Crossovern und Teamups befruchten.

Ich tue mich allerdings schwer, für das DCTU große Begeisterung aufzubringen: Zu gelackt die Produktionen, zu eierlos, zu milchgesichtig besetzt und zu beschränkt von der aufgezwungenen Familientauglichkeit für die großen Networks. Und auch wenn Marvel mit „Agents of SHIELD“ und „Agent Carter“ selber keinen fehlerfreien Einstand auf dem Bildschirm feiern konnte, werde ich die Befürchtung nicht los, dass sie mit „Daredevil“ auf die so goldrichtige Strategie für TV-Adaptionen gestoßen sind (limitierte Serien mit durchgehenden Plots als konsequente Erweiterung des Kino-Universums), dass DC auch hier mittelfristig das Nachsehen haben könnte. Und „Supergirl“ ist nicht die Serie, mit der sich das verhindern ließe…

„Supergirl“ ist – und ich werde das noch relativieren – unsäglich. Ein Rückfall in die Girly-Kultur der 80er und 90er, als es eine total tolle Sache war, wenn junge Frauen mal so richtig echt Beruf spielten. In einer großen Firma mit ganz vielen Männern. Gelebte BRAVO-Phantasien von „irgendwas mit Medien“-Berufen, die nie zu warnen vergaßen, dass mit dem beruflichen Erfolg zwangsweise die Einsamkeit verbunden ist, der melancholische Blick über das Weißweinglas aus dem Apartment-Fenster auf die Lichter der Großstadt. Unabhängig und frei ist ja gut und schön – aber käme doch bloß endlich Mister Right…

Diese schon vor 15 Jahren in „Ally McBeal“ zur Parodie ausgewalzten Klischees werden in „Supergirl“ gänzlich unironisch und geradezu skandalös simplifiziert präsentiert. Linda Danvers ist natürlich total hübsch, aber voll verhuscht, Intelligenz wird durch braune Haare und Brille signalisiert, ihre Verlorenheit in der großen Corporate World dadurch, dass sie gerne mal stolpert oder den Kaffee fallen lässt. Wenn ein gut aussehender Mann in ihrer Nähe sein Hemd auszieht, verfällt sie in kuhäugiges Starren und für die wirklich großen Aufgaben in der Firma fühlt sie sich zu klein und wertlos. Sie möchte ja auch nicht wie ihre Chefin Cat Grant werden, die für ihre Karriere jeden Anflug von Menschlichkeit aufgegeben hat (dargestellt in einem grandiosen Meta-Casting-Coup von Ally McBeal persönlich, Calista Flockhart).

Mein Damen und Herren – das ist Supergirl, wie die Autoren von „Verliebt in Berlin“ sie sehen würden.

Okay, okay, vielleicht ist das ja alles Absicht, der Aufbau einer verhuschten Klischee-Existenz als bewusster Kontrast zur starken, mutigen und niemand Rechenschaft schuldigen Superheldin? Zumindest wenn man es nach diesem Pilotfilm beurteilen will: leider nein.

Zuerst einmal wird Linda tatsächlich als die „feige Cousine“ des übermächtigen Supermanns präsentiert, die ihre eigenen Kräfte nicht einsetzen will, weil ein Superman ja genug für die Welt ist. Wie komplett behämmert diese Einstellung ist, kann sich wohl jeder denken. Fast jede moralische Entscheidung, jedes Erkennen von Verantwortung, muss Linda von anderen Figuren (zumeist Männern) vorgebetet werden. Sie ist komplett unfähig, aus ihrer Existenz heraus einen Charakter zu formen, sich ihre Fragen selber zu beantworten.

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Dass für dieses Klischee-Setting und die Klischee-Figuren auch nicht mehr als Klischee-Plots funktionieren, dürfte klar sein: Die erste große Actionsequenz ist demnach auch die mehrfach gesehene Rettung eines abstürzenden Passagierflugzeugs. Das ist in den Superman-Comics und Verfilmungen derart oft durchgekaut worden, dass man den Autoren eine schmieren möchte.

Aber es wird noch schlimmer: Die ganze Sequenz ist in ihrer inneren Mechanik eine Frechheit. Linda Denvers hat es immer vermieden, ihre Kräfte für die Menschheit einzusetzen. Man kann nur ahnen, wie viele Menschen verstorben sind, die sie hätte retten können, wenn sie die Verantwortung für ihre Herkunft übernommen hätte. Und dann kommt es zu diesem schicksalhaften Tag, an dem sie mitbekommt, dass eine Passagiermaschine über Central City abzustürzen droht – mit ihrer Halbschwester Alex an Bord! Linda rafft sich auf, reißt sich zusammen, springt, fliegt, fängt die Maschine ab und bringt sie sicher zur Landung.

Mooo-ment! Der Ablauf impliziert ernsthaft, dass Linda NICHT eingegriffen hätte, wenn nicht zufällig ihre Halbschwester an Bord gewesen wäre. WTF? Die hätte über 100 Menschen krepieren lassen, weil „ein Superheld genug ist“? Könnte die Bitch noch blöder und noch egoistischer sein? Man darf nicht drüber nachdenken. Ehrlich nicht.

Und weil die Rettung des Flugzeugs nicht Klischee genug war, kommt es zu der üblichen „Ich probiere verschiedene Varianten eines Kostüms an“-Szene, wie wir sie u.a. in „Lois & Clark“ gesehen haben und in ca. zwei Dutzend romantischen Komödien, in denen sich die Heldin vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan wandelt. Das ist so unfassbar peinlich.

Was ich der Serie nicht vorwerfen kann, was ihr aber trotzdem schwer schadet, ist die Sache mit der Geheimidentität. Ich weiß, dass die DCTU-Serien sich nie große Mühe gemacht haben, ihre Figuren im Privatleben so glaubwürdig zu anonymisieren, dass sie auf der Straße nicht sofort erkannt werden. Und wir haben uns ja schon immer darüber lustig gemacht, dass bei Clark Kent ein profanes Kassengestell reicht, um Superman unsichtbar zu machen. Aber im Fall von „Supergirl“ ist das noch viel schlimmer, weil sie letztlich gar nicht verkleidet ist. Trug ihr Comic-Pendant in früheren Zeiten noch eine brünette Perücke über den blonden Locken, wird hier einfach behauptet, dass niemand in der verhuschten Büro-Maus die taffe Superheldin erkennt. Und es funktioniert nicht. Linda Denvers ist nicht Clark Kent.

A propos Clark Kent: Superman kommt als mythisch überhöhte, wortwörtlicher Supermann in kurzen Szenen vor, in denen wir sein Gesicht nicht erkennen und für die man vermutlich nicht Henry Cavill ans Set holen musste. Das kann man albern finden, aber als Bindematerial zwischen den verschiedenen Franchises finde ich es so in Ordnung wie die kurzen Auftritte von Batman und Joker in "Birds of Prey".

Zurück zum Thema. An keiner Stelle gelingt es „Supergirl“, seine Protagonistin (die die Bezeichnung Heldin wahrlich nicht verdient) emotional glaubwürdig oder wenigstens nicht völlig überfordert zu zeichnen. Das liegt allerdings nicht an Melissa Benoist, die sich redlich müht und in den wenigen Szenen, in denen sie keine blamabel dummen Sachen machen muss, auch absolut passabel wirkt. Auch in Sachen Aufwand und Effekten hat man bei „Supergirl“ nicht mit schmalem Geld gearbeitet. Aber wie heißt es so schön? Auch ein gold angemalter Haufen Scheiße ist ein Haufen Scheiße.

Es mag sich Protest regen. Ist der Wortvogel nicht die völlig falsche Zielgruppe, kann er „Supergirl“ vielleicht genau so wenig objektiv bewerten wie „Twilight“ oder „50 Shades of Grey“? Schließlich gucke ich auch nicht „Melrose Place“ und „The OC“. Aber dem halte ich entgegen: Eine moderne, pfiffige und stimmige Superheldinnen-Serie wäre mir sehr recht, Zielgruppe hin oder her. Ich glaube aber, dass „Supergirl“ von Leuten gemacht ist, deren Verständnis für die Zielgruppe vor 20 Jahren eingeschlafen ist.

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Fazit: Trotz des hohen Aufwands und der sympathischen Hauptdarstellerin ein erschütternd unausgegorener Versuch, der Superman-Franchise auch eine Girl-Soap im Stile von "Ally McBeal" und "Melrose Place" abzupressen.



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DJ Doena
25. Juli, 2015 18:51

In "The OC" solltest du aber mal reingucken.

Von all den Teen-Drama-Serien, die mir auf meinen Reisen begegnet sind, war diese … die menschlichste.

Ernshaft, die Verbrüderung von Ryan und Seth war richtig gelungen.

Beim Supergirl Piloten hatte ich das zwar mitbekommen, dass sie keine Heldin sein wollte, weil es ja schon _ihn_ gibt, aber das mit dem Flugzeug hatte ich so nicht mitbekommen.

Ingesamt war ich aber auch nicht besonders überwältigt von dem, was ich gesehen habe.

Und auch bei Arrow und Flash habe ich bei der jeweils letzten halben Staffel schon wieder die Lust verloren.

CW-Serien setzen einfach zu sehr (schon seit Smallville) auf Love Triangles, um den dürftigen Plot voranzutreiben. Ein Storelement, dass ja auch im SG Piloten gleich wieder ausgepackt wurde.

PS: Gib OC mal ne Chance, zur Not fang mit der Chrismukkah-Episode an!

Dietmar
26. Juli, 2015 02:01

Ich werde Supergirl nicht gucken, aber Melissa Benoist spielt sehr sympathisch, nach dem, was ich mir jetzt angesehen habe.

Was das mit Ben Affleck ist, verstehe ich irgendwie nicht. Ich mochte "Der Anschlag". Das hätte es für ihn sein müssen, finde ich. Obwohl das für die Schauspielerei ja keine Rolle spielt ist er mir aber widerwärtig geworden, als er bei Bill Maher Sam Harris hartnäckig als Rassisten beschimpfte, weil er Islamkritik übt. (Meine bessere Hälfte mochte Affleck noch nie; wie Alec Baldwin.)

Mythenmetz
Mythenmetz
26. Juli, 2015 08:47

Supergirl ist halt eine CW Serie. Mehr kann man da nicht erwarten.

Wortvogel
Wortvogel
26. Juli, 2015 09:52

@ Mythenmetz: Das Argument wäre stichhaltig, wenn "Arrow" und "Flash" nicht deutlich besser wären und auch auf dem CW laufen würden.

Kastanie
Kastanie
26. Juli, 2015 11:47

Sehr schade. Und man stellt sich die Frage, warum DC es einfach nicht hinbekommt, wirklich gute Filme/Serien zu kreieren, sondern bestenfalls 08/15-Standardware, die nicht beim Bügeln stört ("Flash", "Gotham") und Totalausfälle (so wie "Supergirl" einer zu sein scheint).
Was kann da das Problem sein? Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle talentierten Köpfe nur bei Marvel herumhängen. Die müssten doch mal langsam was reißen können. Stattdessen wieder eine Flopserie. Mir erschließen sich deren Gedanken und Konzepte nicht. Es gibt eigentlich keine Entschuldigung, warum sie nicht das Haus rocken – der Stoff dafür ist da.

Kaio
Kaio
26. Juli, 2015 16:29

Supergirl ist doch gar keine CW Serie, ich dachte die läuft bei CBS? (re: einige der Kommentare).

Ich hab den Piloten noch nicht gesehen, werde dazu also nichts sagen. Ich finde Arrow und Flash aber beide recht gelungen. Vor allem letzteres hat mich sehr positiv überrascht. Für TV Verhältnisse sehr gutes CG das nicht negativ auffällt – das war vor dem Start der Serie meine größte Angst. Auch sonst hebt es sich mit einem leichteren Ton klar genug von Arrow ab um eigenständig zu sein – dass es dasselbe in Grü… eh Rot/Gelb wird war meine zweitgrößte Angst. Aber beides war nicht der Fall.

Ich verstehe nicht wieso immer so darauf rumgehackt wird dass Beziehungskram immer eine Rolle spielt in CW Serien. Ist IMO noch im Rahmen. Klar ist es -ein- Thema (unter vielen) das in einer wöchentliche Serie ne Rolle spielt.

Baumi
Baumi
27. Juli, 2015 00:12

@Kaio:

Supergirl ist tatsächlich CBS – allerdings verwundert es nicht, dass manche es für eine CW-Serie halten: Chefautor ist Greg Berlanti, und der hat bei vielen Projekten von CW (und vom Vorgänger-Sender The WB) mitgearbeitet – inklusive Arrow und The Flash.

Exverlobter
Exverlobter
27. Juli, 2015 13:08

"dargestellt in einem grandiosen Meta-Casting-Coup von Ally McBeal persönlich, Calista Flockhart)".

Dann müssten es aber eher Lucy Liu oder Portia de Rossi sein. Schließlich haben besagte Damen in der Serie eher den beschriebenen karrieregeilen Typ dargestellt, während Calista ja da weit sympathischer war.

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos
27. Juli, 2015 13:10

"Ich verstehe nicht wieso immer so darauf rumgehackt wird dass Beziehungskram immer eine Rolle spielt in CW Serien. Ist IMO noch im Rahmen. Klar ist es -ein- Thema (unter vielen) das in einer wöchentliche Serie ne Rolle spielt."

@Kaio: Dann verfolgst du wohl nicht Vampire Diaries 😉

Wortvogel
Wortvogel
27. Juli, 2015 13:12

@ Ex-Verlobter: Du hast es mal wieder nicht verstanden – wir befinden uns eine Generation NACH "Ally McBeal". Calista Flockhart spielt das, was aus Ally McBeal vermutlich geworden wäre – eine beinharte Corporate Bitch und das genaue Gegengewicht zu Linda Denvers.

AlphaOrange
AlphaOrange
27. Juli, 2015 15:15

"Am Ende sollen sich die Shows mit Crossovern und Teamups befruchten." – hast du das aus ner sicheren Quelle? Meine nämlich das Gegenteil gelesen zu haben – und das halte ich auch für ziemlich plausibel.

Letztendlich geht mir hier der Aspekt zu sehr unter (oder, wenn man sich er die Kommentare ansieht sogar durcheinander), dass DC sein DCTU bislang wild über die Sender verteilt und dadurch imho gerade nicht "halbwegs kohärent ist": "Constantine" war NBC, "Gotham" ist FOX, "Arrow", "Flash" und demnächst "Legends of Tomorrow" sind CW (und bislang ach die einzigen, die munter miteinander crossovern), "Supergirl" ist CBS. Jeder einzelnen dieser Serien sieht man an, dass sie auf ihren Sender zugeschnitten sind. Jede hat ihren eigenen Erzählstil, ihren eigenen visuellen Stil (samt unterschiedlicher Produktionsstandards), jede interpretiert sich als Graphic-Novel-Adaption anders. So passt etwa das in einer zeitlos-anachronistischen unwirklichen Zwischenwelt angesiedelte "Gotham" überhaupt nicht mit den in der aktuellen Wirklichkeit spielenden CW-Serien zusammen. Crossover sind da (auch von der Senderkonkurrenz abgesehen) undenkbar.
"Gotham" und "Supergirl" werden gar zur gleichen Zeit laufen. Gegeneinander! Das ist mir aus DC-Sicht unerklärlich.

"Supergirl" ist eben ein CBS-Format und als solches schon ein großer Schritt vorwärts, liegt das Erfolgsmodell des Senders doch eher in Crime-Show-Varianten. "Supergirl" ist als Serie älter (verglichen mit den CW-Teenieserien), harmloser, wenig kantig, dafür sympathiegetrieben. Das entspricht dem Profil, das man bei CBS erwarten kann. Macht die Sache nicht besser, aber zeigt deutlich, dass da eben nicht der DCTU-Masterplan hinter steckt.

PS: Linda Denvers? Ist jetzt schon ein paar Wochen her, dass ich den Piloten sah, aber heißt sie da nicht konsequent Kara?

Kaio
Kaio
27. Juli, 2015 16:03

Rudi Ratlos: Ok das tue ich wirklich nicht, ich bezog mich jetzt auf Arrow + Flash. Was auf CW sonst läuft kann mir ja Wumpe sein^^

CW ist halt auch immer noch von der Zielgruppe her vor allem ein Frauensender afaik. Da überrascht es dass sie überhaupt Comicadaptionen erfolgreich im Programm haben – zumindest wenn man den Marktstrategen Hampelmännern glaubt die Jahrzehnte lang propagiert haben dass Frauen alle Comics eh als Müll sehen.

DJ Doena
27. Juli, 2015 17:00

@Kaio: Das mit dem Frauensender stimmt – wenn auch nur bedingt. Als die The CW Senderchefin Dawn Ostroff hieß, wurde das tatsächlich zur Senderausrichtung und gut laufende Serien wie Smallville wurden immer mehr an den Rand gedrückt und Budget zusammengstrichen.

Smallville hat sie zum Dank dafür zu einem Ziehkind von Granny Goodness gemacht, einem Minion von Darkseid (die blonde Frau auf dem Foto):

http://41.media.tumblr.com/f46f6b24da930e523376554bf96fd705/tumblr_ns5j0fQOjc1tu2mzao1_1280.jpg

Aber auch Frau Ostroff hat Serien wie Supernatural und eben Smallville nicht tot bekommen.

Frank B.
Frank B.
28. Juli, 2015 22:47

Wann kommt Ms.Marvel als Serie (der neue Comic), hat doch mehr Potential als Supergirl … und wann zum Teufel kommt endlich Howard the Duck? Als Serie! Als Satireprojekt in der Gegenwart angesiedelt – so was würde auf jeden Fall funktionieren! Wenn man sich etwas Mühe gibt.
Aber ich vergaß-wir reden ja von DC …

trackback

[…] warm geworden, angefangen bei "Smallville" über "Arrow" bis "Flash", "Constantine", "Gotham" und "Supergirl". "Legends of Tomorrow" ist der offensichtliche Versuch, neben den "Avengers", den "X-Men" und der […]

invincible warrior
invincible warrior
7. Januar, 2017 12:54

Habe mir das DCTV Spektakel gegeben und alle vier großen Serien durchgeschaut, also somit auch Supergirl. Und ja, die Kritikpunkte stimmen für den Piloten, ABER die werden zum Glück alle im Laufe der Staffel aufgebrochen, was der Serie auch gut tut.

Flugzeugrettung: Ja, das war ein Egotrip, aber würde das nicht jeder für seine Lieben tun?
Superheldendasein: Ja, das ist auch eine eher egoistische Denke. Allerdings sehe ich den Grund hier darin, dass sie eine normale kryptonische Erziehung bekommen hat und Familie Zor-El auch nicht die altruistischen Kryptonier waren wie Familie El. Kara wird daher eben auch erst als Supergirl aktiv als sie feststellt, dass sie selbst Scheiße gebaut hat (und das Krypton-Gefängnis mit auf die Erde brachte). Kann halt nicht jeder so ein Boyscout wie Superman sein.
Keiner erkennt Supergirl: Am Ende der Staffel wissen zumindest alle, die ihr näher stehen von ihrer Identität. Einzige Ausnahme ist ihr Boss Cat Grant, die hatte zwar (anders als je Perry White) natürlich Kara enttarnt, wurde dann aber durch den Martian Manhunter ausgetrickst, der mehrmals Kara aushalf.
Zudem ist ihre Verkleidung eben nicht nur eine Verkleidung, Kara spielt nicht nur das Twentysomething Dummerchen, sie ist es auch. Das macht sie imo aber auch sympathisch. Clark hat man ja nie abgenommen, ernsthaft neben Louis bestehen zu können, da er viel zu nett ist und das trottelige nur spielt. Aber Kara ist eben so wie viele Mädels in dem Alter, nur eben viel viel stärker. War besonders schön zu sehen als sie einen abgeblitzen Kollegen aus versehen dabei zusah wie er von der nächsten Dame seiner Wahl bedient wird.
Positive männliche Rolle: Martian Manhunter, eine wirklich gute Bereicherung in der Serie. Natürlich als eine Vaterfigur, aber wird immerhin auch gut aufgebaut.
Negative männliche Rolle: Jimmy Olsen: Love Interest, really? Hätte es bevorzugt, wenn die das weithin ausgeblendet hätten. Natürlich darfs sexuelle Interessen geben, aber Supergirl hätte es gut gestanden, erstmal ohne Beziehung auszukommen.