Weil es sich nicht vermeiden lässt: vertretbare Spoiler voraus!

Ich hatte eigentlich vor, über den neuen vierstündigen Crossover-Event im Arrowverse nur ein paar Zeilen auf Facebook zu verlieren – primär deswegen, weil ich bei den beteiligten Serien nicht up to date bin und die bisherigen Crossover eher mau fand. Das Arrowverse (und „Gotham“, was nicht zu dieser Kontinuität gehört) ist nicht mein Spielfeld, da bin ich kein Experte. Genau genommen trifft das auf fast alle Network-Superheldenserien zu: Ich wurde ja auch mit „Smallville“ nie warm. Das Fernsehen ist meistens zu klein für wirklich große Helden.

Aber ich habe festgestellt, dass „Crisis on Earth-X“ (so der durchgehende Titel des Events) nicht nur ausführlich besprechenswert ist, sondern einen interessanten Kontrapunkt zu „Justice League“ darstellt. Letztlich sind die geballten Helden des Arrowverse eine Parallelwelt-Version der Gerechtigkeitsliga – und in „Crisis on Earth-X“ treffen sie auf eine Parallelwelt-Version ihrer selbst. Fakt und Fiktion bilden hier eine spannende Meta-Ebene, die durchaus eine genauere Betrachtung rechtfertigt.

Zuerst einmal: Im Gegensatz zu früheren Versuchen haben die Produzenten dieses Jahr erheblich mehr Energie investiert, um einen homogenen Vierteiler zu schaffen, der alle vier Serien gleichberechtigt zusammenführt und der sich damit aus einem Vorrat von zwei Dutzend Superhelden und Bösewichten bedienen kann.

Damit ist schon klar: Hier erwartet uns kein intimes Drama, sondern der große Blowout, die Weltmeisterschaft im Schlagen & Schießen, Rock am Ring bei gleichzeitigem Ausverkauf in Sachen Masken und Capes. Wären die CW-Superhelden die Figuren in Prügelspiegeln von Capcom, wäre „Crisis on Earth-X“ die „Ultimate World Edition“.

Damit ist natürlich auch schon das Problem gesetzt: Es müssen 20 Figuren bedient werden in netto 180 Minuten. Jede braucht im Idealfall einen eigenen Erzählbogen, eine Aufgabe, einen befriedigenden Abschluss. Weil jede Episode für sich genommen eine Actionsequenz am Anfang, in der Mitte und am Ende verlangt, bedingt das 11 großformatige Konfrontationen von steigendem Bombast bis zum Finale, das dann nicht nur einen letzten Höhepunkt, sondern auch die Auflösung der gesamten Storyline bietet. Obendrauf muss die Kontinuität der Figuren gewahrt werden – einschneidende Ereignisse z.B. für den Flash müssen in der „Flash“-Episode des Events stattfinden.

Und das alles für ein TV-Budget und ein Publikum, das in der Woche davor den 300 Millionen Dollar teuren „Justice League“ im Kino gesehen hat.

Puuuhhh.

Tatsächlich lässt sich „Crisis on Earth-X“ am besten im direkten Vergleich und als Gegenentwurf zu „Justice League“ besprechen.

Fangen wir mit dem Setup an, das einer typischen Graphic Novel aus dem DC-Universum ähnelt: Die Welt unserer Helden Flash, Arrow und der Legends of Tomorrow ist bekannntermaßen Earth-1. Supergirl stammt von Earth-38, weshalb sie nicht regelmäßig mit den anderen Helden interagiert oder Figuren teilt. „Gotham“ gehört gar nicht in dieses Universum – DC hat da ein ziemliches Chaos in Sachen Kontinuität gebaut. Nach aktuellem Wissensstand gibt es 52 Parallel-Erden plus 1 unnummerierte. Und von dieser Erde bricht anlässlich von Barry Allens Hochzeit eine Armee über Earth-1 herein. Eine Armee von Nazis. Angeführt vom fliegenden unverwundbaren Overgirl und dem mysteriösen Kapuzen-Bogenschützen Dark Arrow.

Das klingt ganz nach einer potenten Elseworld-Geschichte, in der alle DC-Helden gegen ihre Nazi-Doppelgänger antreten müssen. Allemal ein besserer Aufhänger als der CGI-Schnarcher Steppenwolf und seine Mutterboxen in „Justice League“. Das Faschistoide ist dem Konzept des Supermenschen inhärent. Die Frage, ob Macht auch Machtanspruch bedingt oder eher Machtverantwortung, ist eine der moralischen Grundsatzfragen und war schon immer die Basis vieler Konflikte zwischen den Helden und den Schurken – oft war die unterschiedliche Bewertung dieser Frage sogar der einzige Unterschied zwischen Gut und Böse. In ihrer Physis und ihrem Machtanspruch hätten viele DC-Figuren dem Führer sicher gut gefallen.

Dass „Crisis on Earth-X“ sich mit diesen moralischen Aspekten und den Konsequenzen für jede einzelne Figur aufhalten würde, war aber nicht zu erwarten – und dementsprechend werden die Konflikte auch nicht behandelt, sondern handfest aus der Welt geschafft: mit Gewalt. Absurderweise können unsere Helden ihre Gegenspieler, die Macht für die einzig wahre Legitimation halten, nur durch Macht besiegen. Für eine Thematisierung diese Ironie ist in dem Event jedoch kein Platz – man wünscht sich, unser Earth-1-Team würde mit Grips und überlegener Moral punkten, aber letztlich gilt: wer stärker haut, schneller rennt und besser schießt, der gewinnt.  Damit ist „Crisis on Earth-X“ seinen Soap-Wurzeln näher als den großen Alternativwelt-Szenarien, die tatsächlich etwas über die Natur des Heldentums zu sagen trachteten.

Die ganze Frage, welche tatsächliche Bedeutung man den Nazi-Doppelgängern geben will, ist auch das, voran „Crisis on Earth-X“ krankt. Abgesehen von ein paar „der Stärkere hat Recht“-Phrasen wird die Nazi-Welt nie plausibel erklärt, sie bleibt Comic-Steno für „total böse“. Das kastriert jedes Potenzial in der Konfrontation der Figuren. Es wäre ungleich spannender gewesen, wenn wir erkennen könnten, dass die Nazi-Superhelden ihre Weltsicht nicht nur als legitim, sondern auch als gerecht und fair betrachten. Dass eben manchmal nur eine kleine Justierung der Weltgeschichte reicht, um aus den „Guten“ die „Bösen“ zu machen. Overgirl nicht als Gegenentwurf, sondern als dunkle Kehrseite von Supergirl – DAS hätte den emotionalen Kern der Miniserie ausmachen können, ausmachen MÜSSEN. Aber wie gesagt: die Produzenten treibt das primäre Interesse, 20 Figuren, drei Erden und 12 Actionsequenzen unterzubringen. Wo „Justice League“ zu wenig Futter bietet und erzählerisch fast verhungert, völlert „Crisis on Earth-X“ an zu viel Handlung und überfrisst sich. Keine Zeit für Details, kein Moment zum Innehalten. Schade.

Es ist leider genau diese sehr kindhafte Konfliktlösung durch schneller / stärker / größer, die es auch völlig indiskutabel macht, dass der Crossover sich teilweise bei historischen „key visuals“ bedient, die in meinen Augen in so einem leichtgewichtigen Umfeld nichts zu suchen haben. Nazis als Schurken – das sind Chiffren, ein allgemein gültiges Klischee, der billige Platzhalter für „ultimate evil“. Da lasse ich auch Hakenkreuze und Stechschritt durchgehen. Was für „Castle Wolfenstein“ und Indiana Jones erlaubt ist, darf für das Arrowverse nicht tabu sein. Aber – und das ist eben ein großes Aber: Konzentrationslager, ausgemergelte Juden mit gelben Sternen und der Schriftzug „Arbeit macht frei“ gehören nicht ins Arrowverse, schon gar nicht als beliebiger Background für eine vergleichsweise banale Konfrontation zwischen Helden und Bösewichten. Hier wird der Horror der Nazis nicht abstrahiert, wie es sich für Comics gehört, sondern konkretisiert – und das kann man beispielsweise in „Maus“ gut rechtfertigen, nicht aber im Primetime-Programm vom CW.

Ist die Darstellung von Earth-SS also durchaus ein Problem, kann man dem Arrowverse nicht vorwerfen, dass es sich bei der political correctness in Genderfragen lumpen lässt. Hier wird massiv inklusiv gearbeitet, Barry heiratet eine Schwarze, es gibt schwule, lesbische und bisexuelle Charaktere, die einzigen tatsächlichen Körperkontakte finden zwischen Mitgliedern der LGBTQ-Sphäre statt. Grundsätzlich kein Problem, wenn es nur nicht so furchtbar aufgesetzt wäre, so erkennbar stolz. Homosexualität ist im Arrowverse gänzlich kalifornisch geprägt, findet nur zwischen schönen und intelligenten Menschen statt, die halt lediglich „anders lieben“. Eine tatsächliche Auseinandersetzung über die Oberflächlichkeiten hinaus findet nicht statt.

Was die Figuren angeht, tut sich „Crisis on Earth-X“ sowieso schwer, irgendwelchen emotional relevanten Content zwischen die übervölkerten Actionszenen zu pressen. So wird der Konflikt zwischen Oliver und Felicity am Anfang ebenso an den Haaren herbei gezogen, wie er am Ende restfrei entsorgt wird. Und manche dramatische Erkenntnis erzeugt beim Zuschauer Kopfpatscher, wenn der Reverse Flash Barry verhöhnt, dass der Rote Blitz seinen Gegner niemals töten würde – und Barry ihn wie als Beweis einfach laufen lässt. Wir lassen die Schurken nun also einfach so gehen?! Eins auf die Birne geben oder wenigstens ins Gefängnis werfen wäre keine Option gewesen?!

Hinzu kommen noch ein paar hausgemachte Probleme, die nichts mit dem Skript zu tun haben – die CGI des Arrowverse ist immer noch teilweise beschämend, besonders wenn komplett gerenderte Städte wie in Sim City aussehen. Die real inszenierten (und durch CGI gepimpten) Fights sind immer noch deutlich überzeugender. Auch bei den Darstellern muss man unterscheiden: Ich fand Franz Drameh als Jax/Firestorm bis dato nur schwach – hier ist er sogar katastrophal und seine große dramatische Performance lädt zum Kichern ein, was besonders deshalb unglücklich ist, weil es dabei um die folgenreichste Szene im ganzen Crossover geht. Melissa Benoist hingegen beweist wieder, dass sie eines der Pfunde ist, mit dem das Arrowverse wirklich wuchern kann.

Aber diese technischen wie dramaturgischen Probleme ändern nichts daran, dass „Crisis on Earth-X“ insgesamt eine verdammt unterhaltsame Sache ist, auch über satte drei Stunden. Wenn wir uns an meinen Artikel über das vertikale Storytelling erinnern, dann wird auch klar, warum das so ist: Der Crossover-Event hält sich nicht lange mit der Vertikalen auf, baut keine komplexe Welt und keine komplexen Figuren, sondern setzt voll auf die Horizontale, auf die dynamische Bewegung nach vorn. Die Locations wechseln im Minutentakt, alle 15 Minuten krachte es gewaltig und am Ende gibt es tatsächlich einen fetten Showdown. Das mag nicht nahrhaft sein, aber es macht satt. Das Problem der mangelnden Tiefe ist zugleich der Bonus der Unterhaltung.

Zum Entertainment dieses Arrowverse-Abenteuers trägt außerdem die generell buntere und lebensbejahendere Weltsicht des DC-TV-Universums bei. Im Gegensatz zum Snyderverse gibt es Farben, Hoffnung, Liebe und Freundschaft. Ohne Kenntnisse des Backgrounds wirkt „Crisis on Earth-X“ denn auch visuell wie tonal eher „Captain America: Civil War“ verwandt als „Justice League“. Was umso drolliger ist, wenn man sich klar macht, dass die Marvel-TV-Miniserien in Sachen Stimmung und Temperament eher zu DC passen würden. Verdrehte Welt.

Der deutlichste Unterschied von „Justice League“ und „Crisis in Earth-X“ findet sich allerdings in der Handhabung der Menschlichkeit der Superhelden. Während das Snyderverse keine Gelegenheit auslässt, die Superhelden als Außenseiter zu zeichnen, als Einzelgänger und Weirdos, müht sich das Arrowverse, die Superhelden als Bestandteil ihrer Community zu zeigen, als Menschen mit Freunden, Familie, einer Liebe zu ihrer Heimat und den Non-Superhelden. In der für mich besten Szene des Vierteilers wird das sehr schön ausgearbeitet, wenn Supergirl, Flash und Co. beim Angriff in der Kirche nicht sofort zum Gegenangriff übergehen, sondern immer die Sicherheit der unschuldigen Besucher in den Vordergrund stellen. Sie sind nicht primär Fighter – sie sind Beschützer. Und genau das fehlt dem Snyderverse. Es ist so besoffen von der Idee, dass die Superhelden Über-Menschen sind, dass es sie ihrer Menschlichkeit beraubt.

Ich sage es mal ganz ketzerisch: Hätte Zack Synder das Arrowverse entwickelt, würde es vermutlich so aussehen wie Earth-X, ganz in rotschwarz und mit gnadenlosen Über-Superhelden unter faschistoiden Vorzeichen.

Bleibt die Frage, ob es sich für Nicht-Gucker des Arrowverses lohnt, „Crisis on Earth-X“ anzuschauen – oder ob das überhaupt etwas bringt, wenn man vorher nicht fünf Staffeln „Arrow“, drei Staffeln „Flash“, zwei Staffeln „Supergirl“ und zwei Staffeln „Legends of Tomorrow“ gesehen hat? Als Nicht-Experte kann ich da in vollem Brustton antworten: passt schon. Klar versteht man diverse Details in den Beziehungen zwischen den Figuren nicht. Bei den diversen Flash-Variationen und Dimensionen habe ich schon vor langer Zeit das Handtuch geworfen. Und bestimmt ein Dutzend der Helden kannte ich bisher gar nicht. Aber die wichtigsten Elemente werden knapp erklärte und bunte Klopperei ist bunte Klopperei. Für alte Säcke wie mich gab es sogar erfreuliche Überraschungen, wenn z.B. ein fliegender Nazi-Android auftaucht und ich denke: „Hey, die haben den Roten Tornado!“. Ja, haben sie – und gar nicht mal schlecht gemacht.

Es ist erschütternd, aber in toto habe ich mich bei drei Stunden „Crisis on Earth-X“ besser unterhalten als bei zwei Stunden „Justice League“. Fühlte sich auch deutlich kürzer an.

Fazit: Thematisch ambitioniert und mit vielen Bällen jonglierend, ist der Crossover-Event aus dem Arrowverse letztlich zu flatterhaft und locker in der Ausführung – bietet aber gutes Entertainment und mehr Gelegenheit zu angeregten Diskussionen als „Justice League“. Näher an den klassischen Comics sind die CW-Helden sowieso.

 



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Markus

Prima, guck ich mir an. Wobei ich schon das erste Crossover sehr unterhaltsam fand. Freut mich, dass Barry endlich seine Schwester heiratet. 😉 Vielleicht sollte sich DC einfach aufs Fernsehen konzentrieren. Zwei Anmerkungen: Red Tornado spielte bereits bei „Supergirl“ mit. (Die haben im Prinzip wirklich mittlerweile fast alle Charaktere am Start.) Und ich finde, dass Homosexualität gerade im Arrowverse erfreulich entspannt dargestellt wird. Beispielsweise ist der Polizeichef in „Flash“ halt mit einem Mann verheiratet, ohne dass das großartig thematisiert oder diskutiert würde.

Kaio
Kaio

Mir fallen spontan bei Arrow, Flash und LoT spontan gar keine homosexuellen Charaktere ein. Ein Zeichen dass sie homogen in die Serie eingearbeitet sind und nicht wie ein aufgesetzter Fremdkörper wirken.

Anders nur die Schwester von Supergirl mit ihrer Detective Freundin. Boah, da komm ich aus dem Fremdschämen oft gar nicht mehr raus.

OnkelFilmi
OnkelFilmi

Guckst Du alle Arrowverse-Serien? Oder eher sporadisch? Denn das „Warum“, weshalb Barry Eobard Thawne laufen lässt, ist ja in den letzten Staffeln FLASH begründet: entfernt Barry Thawne von sich aus aus der Zeitlinie (auch wenn er ihn einsperrt), beisst es Barry umgehend in den Arsch, da beide Figuren schon fast auf einem molekular verschmolzenen Level existieren. Thawne ist das Yang zu Barrys Yin. Jede Handlung Barrys gegen Thawne zieht für ohn Konsequenzen nach sich. Egal, was Barry auch versucht hat, um Thawne zu stoppen, es hat immer nur Leid über ihn und seine Freunde gebracht. Der Tod von Barrys Mutter – Thawne (sogar mehrmals, da Barry den Tod bei mehreren Versuchen Thawne zu stoppen durchleben musste), der Tod von Ronnie Raymond – Thawne, der Selbstmord von Eddie – Thawne. Auch nach seinem Tod war Thawne indirekt an eigentlich allem Schlechten beteiligt, das Barry zugestossen ist. Der Bruch im Raum-/Zeitgefüge am Ende von Staffel 1 ging ja auf Thawne zurück, und öffnete so den Weg für Hunter Zolomon/Zoom, der schlussendlich Henry Allen tötete.

Daher sehe ich das ganze nicht als Kopfpatscher-Moment, wenn Barry Thawne laufen lässt. Thawne weiss, dass er Barry nicht zu fürchten hat.

Ähnlich ist das bei Felicity/Ollie – rein für sich, nur auf das Crossover bezogen, macht ihr Geplänkel nicht wirklich viel Sinn. Im Kontext der letzten Staffeln ARROW (die leider ziemlich soapy geworden sind) passt es aber, und ist in sich mehr oder weniger „logisch“. Man kann halt solche Events nicht zu 100% aus der etablierten Continuity herauslösen, auch wenn es das ganze natürlich für Casual Viewer einfacher (oder in diesem Fall erträglicher) machen würde.

Zum Crossover allgemein:

Wie bereits auf FB letzte Woche geschrieben, war ich mehr als nur zufrieden damit. Losgelöst von den jeweiligen Serien war es ein sehr kurzweiliges und unterhaltsames „Rock’em Sock’em“ mit doch einigen Schauwerten (und so gering das Budget auch sein mag – es hatte teils BESSERE Effekte als JUSTICE LEAGUE). Vor allem war der Vierteiler wieder einmal ein Beweis dafür, wie gut DC-Figuren funktionieren können, wenn man sich denn auf die ursprüngliche, doch recht campy DNA der Vorlagen besinnt, und nicht alles in „doom and gloom“ ersäuft und auf eine endlose Aneinanderreihung von „Jesus Christ Poses“ beschränkt.

Von daher passte auch die Auswahl der Nazis als Bösewichter perfekt. Nicht nur, weil sie inhaltlich und visuell ein krasses Gegenstück zur Positivität und der Buntheit des Arrowverse darstellen (hey, selbst ARROW ist zehnmal heller und bunter als Snyders Murderverse), sondern weil sie auch einen perfekten Throwback zu den mehr oder weniger Ursprüngen der Superhelden-Comics darstellen. Das Golden Age lebte ja förmlich davon, dass Superman, Wonder Woman, Batman oder auch die Kollegen von Marvel wie Captain America oder Namor den Nazis ein paar auf den Seitenscheitel kloppten.

Allerdings muss ich auch zugeben, dass mir fast das Mettbrötchen im Hals steckengeblieben ist, als ich den „Arbeit macht frei“-Schriftzug gesehen habe. Sicher, wie gerade erwähnt, sind Nazis oder Nazi-Allegorien keine Unbekannten in Superheldencomics, und auch nicht in Superheldenfilmen – man denke nur an Fox‘ X-MEN Franchise. Dieser direkte Bezug auf Auschwitz war aber mal eine ganz andere Hausnummer.

Was ich auch sehr gemocht habe, war der Auftritt von Wentworth Miller. Der hier mal NICHT Leonard Snart aka Captain Cold sein durfte, sondern Leo Snart aka Citizen Cold. Für Miller ist diese Season die letzte als Teil des Arrowverse, und von daher finde ich es schön, dass er die Figur bzw ihre Earth-X Version noch einmal komplett anders spielen darf. Von Beginn an als Held (während der „Ur-Snart“ sich erst langsam zu einer Art Anti-Hero wandelte) und – wie Miller selbst – schwul. Ich hoffe, dass ihm Berlanti und Co. einen guten Abschied bescheren werden.

Das einzig Negative – obwohl es natürlich gut gemacht war – der Abgang von XXXX (ich spoilere mal lieber nicht). Es war zwar bereits bekannt, dass XXXXXX die Serie verlassen würde, aber dass es ausgerechnet so passieren würde, hätte ich nicht gedacht. Nach den Ereignissen der letzten Folgen hätte ich mit einem positiven Abgang, einem „happily ever after“ gerechnet. Und nicht mit einem Tritt in die Magengrube.

Vineyard
Vineyard

Hoppla, gute Erklärung wegen Thawne, das hatte ich auch glatt vergessen.

Das „Schöne Menschen“ Syndrom liegt hauptsächlich daran ,dass es eine CW Serie ist, da ist das praktisch einprogrammiert.

Ansonsten gute Kritik.

Oh, und an alle die das Event scho ngesehen haben:

Gönnt euch mal die Easter Egg Videos dazu auf YT…^^

Nummer Neun

Ein Vierteiler über vier verschiedene Serien hinweg? Programmplaner auf der ganzen Welt werden darüber kotzen!

Christian+Siegel

In Deutschland leider insofern nicht, als hierzulande einfach drauf geschissen wird. Die Rechte sind zwischen der RTL- und der Pro7-Gruppe aufgeteilt, und die Serien werden zu unterschiedlichen Terminen bei unterschiedlichen Sendern ausgestrahlt. Wer aufs deutsche TV angewiesen ist, ist damit – leider wie so oft – wieder mal der Gelackmeierte :-/.

Was das Arrowverse an sich betrifft: Ich mag alle vier Serien grundsätzlich ganz – wenn auch unterschiedlich – gerne. Mein Favorit ist und bleibt dabei Arrow, die Serie hat mich von Beginn an positiv überrascht, und auch wenn die Staffeln in ihrer Qualität teilweise geschwankt sind, ist es doch die ernsteste, düsterste und vor allem bodenständigste der Serien, was mich persönlich am meisten anspricht. Aber auch Supergirl, Legends of Tomorrow und Flash machen Laune, und bieten gute, altmodische (im Hinblick auf das angesprochene horizontale Storytelling) Unterhaltung. Zumindest soweit es die ABC-Konkurrenz betrifft (teilweise aber auch durchaus die Netflix-Serien) ist also zumindest im Fernsehen DC Marvel ausnahmsweise mal überlegen ;-).

OnkelFilmi
OnkelFilmi

Naja, kommt immer auf die Betrachtungsweise an. Ich liebe LOT, FLASH und SUPERGIRL (ARROW ist mir, wie erwähnt, inzwischen viel zu soapy), aber wenn man als Vergleich Season 4 von AOS hinzuzieht, verlieren die DC-Serien doch einiges. Was die Production Values und die Inszenierung angeht, war das ein Unterschied wie STARCRASH zu STAR WARS 😉

Und die momentan beste Superheldenserie hat auch Marvel zu bieten: RUNAWAYS. Da stimmt einfach alles. Sollte CLOAK & DAGGER auch nur annähernd so gut werden, steht uns mit 2018 ein sehr gutes Jahr für Comic-Adaptionen bevor.

Aber erstmal sehen, was uns Image Comics am Freitag beschert. Da startet nämlich die TV-Adaption von Grant Morrisons HAPPY! auf SyFy.

Karsten Scholz

Mhm, von Gotham abgesehen, die Serie gefällt mir richtig gut, hat mich bisher jede der DC-Serien bereits in der ersten Staffel verloren. Das ist umso erstaunlicher, hab ich doch sogar die Schnarchnasen-Ironfist bis zum Ende durchgehalten. Für Punisher oder Daredevil könnte es von mir aus gleich die nächste Staffel geben.

Deine Kritik macht aber Lust, sich nochmal reinzufuchsen … sobald der Serien-PoS eine erträgliche Höhe erreicht hat. 😉

Squirrelius

Mit den DC- Serien bin ich irgendwie nie warm geworden. Die Serien aus dem Arrowverse sind mir zu billig gemacht,Flash ist zwar irgendwie charmant, was aber wohl an diesem schrägen Hai- Menschen liegt. Wenn ich mir da ansehe was Marvel in der Seriensparte auffährt (sowohl schauspielerisch und budgettechnisch), ist das ein ganz anderes Kaliber. Und GOTHAM… ich kann mir nicht helfen. Ich warte immer darauf, das im nächsten Moment Batman in die Szene platzt und sie alle verkloppt. Und vor allem müssten dann, wenn Bruce zu Batman wird, die Hälfte der Schurken am Rentenalter kratzen.