Ich wollte dem Neustart des Firefox-Browsers eine faire Chance geben. Einen Monat zur Eingewöhnung und um mir zu beweisen, dass er Chrome überlegen ist.

Nach nicht mal zwei Wochen habe ich Firefox wieder deinstalliert.

Es sind nicht die üblichen Gründe: Der Umstieg war vergleichsweise einfach, es gibt fast alle Extensions auch für den Open Source-Klassiker und bei der Geschwindigkeit gab es nix zu meckern. Als Speicherfresser habe ich Firefox nicht wahrgenommen, auch wenn gefühlt häufiger der Lüfter meines Macbook Air angesprungen ist.

Nein, letztlich waren es läppische Kleinigkeiten, die sich in einem Maße addiert haben, dass es mir die User Experience versau(er)t hat. Schließlich ist der Browser mein primäres Fenster in die Welt, der muss funzen.

Ich führe jetzt einfach mal ein paar Punkte auf, die ich genervt haben.

  • Das Twitter-Plugin funktioniert wie bei Chrome, hat sogar ein paar Funktionen mehr. Aber beim Aufruf des Popup-Fensters erscheint eine Cookie-Warnmeldung, die ich weg klicken muss. Jedes. Verdammte. Mal.
  • Das Plugin Clearly von Evernote gibt es nicht für Firefox. Zwar gibt es mit Reader eine brauchbare Alternative, aber die ist nicht so komfortabel wie Clearly und außerdem nicht eng mit Evernote verzahnt.
  • Ich benutze in beiden Browsern den selben AdBlocker, aber in Firefox schlüpfen deutlich mehr Banner und Popups ungefragt durch.
  • Einige Seiten, die in Chrome Werbe-Popups nur als neue Tabs öffnen, öffnen diese in Firefox als unsichtbare neue Fenster, die ich nicht sofort sehe und die damit permanent im Hintergrund offen bleiben.
  • Der Rechtsklick „Mit Google nach Bild suchen“ fehlt. Er kann zwar per Plugin nachgerüstet werden, scheitert dann aber am AdBlocker, der das Suchfenster als unerwünschten Popup registriert.
  • Vor allem aber: Firefox bekommt keine einheitliche Größe bei der Darstellung von Webseiten hin. Von Haus aus ist alles zu klein. Wenn ich es in einem Tab vergrößere, bleibt es im anderen Tab winzig, und die Menüpunkte und Reiter sind für meinen Geschmack auch zu zwergig beschriftet. Ich habe zu viel Zeit damit verbracht, Seiten immer wieder auf die gewünschte Größe zu vergrößern oder zu verkleinern.

Wie gesagt: Kleinigkeiten. Aber Kleinvieh macht in diesem Fall auch Mist.

Ich bin sicher, die meisten Probleme ließen sich mit ein wenig Geduld und Spucke lösen. Aber warum sollte ich mir die Mühe machen, wenn Chrome diese Probleme gar nicht erst hat? Mein Browser darf keine Dauerbaustelle sein.

Gibt es Sachen, die mir gefallen haben? Durchaus. Ich mag diese kleine Leuchte in den Reitern, die neuen Content signalisiert. Der Lesezeichen-Ordner für „meist besuchte Webseiten“ ist überraschend praktisch, ebenso die hauseigene Startseite. Aber das reicht nicht, um die Defizite wett zu machen.

Sorry, Firefox. War ein guter Versuch. Leider nicht gut genug.



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Achim
Achim

Twitter-Plugin?
Es gibt ein Twitter Plugin?
Ich twittere über den Browser, der bei mir schon immer Firefox ist und auch bleiben wird.
Ein Plugin für Twitter nutze und brauche ich nicht, Twitter wird auch im Browser dargestellt.

dopey
dopey

Ich weiss, du hast schon deinstalliert, aber die meisten deiner Probleme liegen meines Erachtens nicht am Firefox und scheinen miteinander verknüpft zu sein:
Punkt 3 und 4: Wie streng Adblocker blocken, bestimmen die Filterlisten. Der Browser macht dabei keinen Unterschied. Ich empfehle für beide Browser uBlock Origin und dessen standardmäßig aktivierte Filterlisten. Dann hast du auch in Chrome keine Werbe-Popups trotz Adblocker mehr.
Punkt 5: Es gibt zahlreiche Erweiterungen, die diese Funktion nachrüsten und statt Popups die Ergebnisse in Tabs öffnen. Nicht Firefox blockiert das Popup, sondern ein zu streng eingestellter Adblocker.
Punkt 6: Die Schriftgröße in Menü und Tabs sind bei mir in beiden Browsern gleich. Standardmäßig merkt sich Firefox die Zoomstufe einer URL, sodass man z.B. faz.de-Artikel immer in der eingestellten Größe sehen sollte. In den Einstellungen kann man auch für alle Seiten die Schriftgröße hochsetzen. Möglicherweise ist auch hier eine zu strenge Privatsphären-Einstellung z.B. Cookies löschen, verantwortlich, die verhindert, dass die gewählte Schriftgröße dauerhaft gespeichert bleibt, das könnte auch die Cookie-Warnmeldung beim Twitter-Plugin erklären.
Für mich ist Firefox der bessere und wesentlich flexiblere Browser, vielleicht gibst du ihm in ein paar Monaten noch eine Chance. 😉

Thomas+Hortian

Das Problem Nr. 4 mit den Pop-Ups habe ich komischerweise bei Chrome und nicht bei Firefox. Aber Nr. 5 kenne ich von Firefox auch, das ist nervig.
Ich benutze ja beide, und auf beiden auch den gleichen Adblocker (Adblock Plus) und mir ist auch aufgefallen, dass er auf beiden Browsern unterschiedlich blockt, genauso wie mein Virenprogramm. So weigert sich Firefox manchmal beharrlich, Seiten mit veralteten Sicherheitszertifikaten zu öffnen, selbst wenn ich sie in die Ausnahmeliste hinzufüge.
Ich bin immer noch zumeist auf Firefox unterwegs, da ich sein Interface weit übersichtlicher finde (was wohl auch Gewöhnungssache ist), obwohl man leider bekritteln muss, dass einer seiner größten Vorteile, nämlich der übersichtliche und schnell aufzurufene Lesezeichen-Manager, in der neuesten Version übelst verschlimmbessert wurde, und von mir geliebte Erweiterungen wie Picasa oder Read it later entweder komplett verschwanden oder für mich durch schlechtere Handhabung unbrauchbar wurden. Der Hauptgrund für mich ist immer noch, dass Chrome halt schon ab dem fünften oder sechsten Tab den Inhalt der Seiten nur noch stockend wiedergibt, während ich bei Firefox auch mit einem Dutzend geöffneten Tabs bequem zwischen diesen wechseln kann, ohne Geschwindigkeitseinbußen hinnehmen zu müssen.

Existencielle
Existencielle

dass einer seiner größten Vorteile, nämlich der übersichtliche und schnell aufzurufene Lesezeichen-Manager, in der neuesten Version übelst verschlimmbessert wurde

Können Sie das konkretisieren, ich kann nämlich gar keinen Unterschied erkennen.

Existencielle
Existencielle

Also ich bin ziemlich zufrieden bisher mit dem neuen Firefox, wenn auch er noch einige Kinderkrankheiten hat, die hoffentlich noch ausgebügelt werden. (Oder besser gesagt, einige Addons haben noch Kinderkrankheiten in der Interaktion mit dem neuen Firefox)

Da ich einen doch deutlich älteren und somit schwächeren Rechner habe, habe ich sofort nach dem Update eine Verbesserung zur Vorversion festgestellt, was die Geschwindigkeit und den Speicherbedarf angeht.
Was allerdings etwas stört, und wohl genau mit diesem reduzierten Speicherbedarf zusammenhängt, sind kurze Hänger nach dem Schließen von Tabs, besonders wenn es sich um eine aufwändigere Seite handelte. Ich nehme an, dass er hängt, weil er mit dem „Aufräumen“ beschäftigt ist.

Ich habe allerdings auch noch nie Chrome benutzt (außer aufm Handy), habe somit den Vergleich nicht. Es hat für mich aber auch nie Sinn ergeben, auf Chrome zu wechseln, immerhin hatte ich damals gewisse Gründe, den Internet Explorer abzulehnen und zu Firefox (bzw. vorher Netscape) zu wechseln, also abgesehen von rein technischen Gründen, und dann jetzt Chrome zu nehmen würde ich als Rückschritt sehen. Ist aber wohl eher meine eigene Meinung als objektiver Fakt.

Fand es trotzdem interessant, deine Perspektive zu lesen, von jemandem, der den neuen Firefox mit Chrome im Vergleich sieht. Ich hoffe, ich kann mit meiner Perspektive eines Wechslers von Firefox (alt) auf Firefox (neu) etwas zur Diskussion beitragen.

Brandenburgerin
Brandenburgerin

Moin,
was ist mit Opera? Seit dem Firefox immer schlechter wurde, habe ich zu Opera geschwenkt und kann mich nicht wirklich beschweren. Vor allem die Integration von Messengern finde ich in Opera sehr gelungen gelöst.