Fantasy Filmfest 2026 (15): HOKUM
Regie: Damian McCarthy
Darsteller: Adam Scott, David Wilmot, Austin Amelio, Florence Ordesh, Peter Coonan
Offizielle Synopsis: Jahrhundertelang hat eine Hexe die Menschen im irischen County Cork terrorisiert, ihre Opfer in Ketten gelegt und durch die Unterwelt gezerrt, wo sie von verlorenen Seelen verschlungen wurden. Nun soll das grausame Wesen endlich gefangen sein – ausgerechnet in der Hochzeitssuite eines kleinen Hotels, in dem sich der amerikanische Autor Ohm nichts ahnend einquartiert hat. Herablassend tut er die Legenden und Warnungen als Humbug ab. Bis sich ihm eines Nachts die Tür zur verbotenen Suite öffnet…
Kritik: Hier haben wir es mal wieder mit einer Inhaltsangabe zu tun, die dem Film keinen Gefallen tut. HOKUM beginnt mit der Ankunft von Ohm Baumann und die gesamte Backstory mit der Hexe ist eigentlich etwas, das wir mit dem Protagonisten zusammen erforschen sollten. Die Hexe ist auch nicht Kern der Geschichte. Primär geht es um die Schuld, die wir mit uns schleppen, und um die Chance, Erlösung zu finden, in dem wir das Leid anderer zu unserem machen.
Es ist erfrischend, einem Filmemacher so konkret bei seiner Reifung zusehen zu dürfen. McCarthys Erstling CAVEAT fand ich unsäglich nervig und strafte ihn mit einer roten Ampel und gerade mal 3 Punkten ab. Der Nachfolger ODDITY fand schon deutlich mehr Gnade mit einer gelben Ampel und fünf Punkten. Mit HOKUM verdient er sich seine erste grüne Ampel. Das nenne ich Fortschritt.
Dabei ist besonders anzumerken, dass McCarthy wieder einen typischen McCarthy-Film abgeliefert hat. Das seltsame Haus, die alten Geheimnisse, die Mysterien um kuriose Gegenstände und Ereignisse, das Gefühl von Einsamkeit und Isolation. McCarthy setzt auf klassische Grusel-Tropen mit komplexen Figuren und verschachtelten Ereignissen.
Der verbitterte, dem Alkohol zugeneigte Schriftsteller mit Schreibblockade, der in einem einsamen Hotel mit seinen Dämonen und den Grausamkeiten der Vergangenheit konfrontiert wird – ein Vergleich mit SHINING bietet sich natürlich an. Und in der Tat gelingt es HOKUM, eine durchgehend unheimliche Atmosphäre aufzubauen und das Hotel selbst als eine Art altmodische Zwischenwelt zu etablieren, in der man sich leicht verlieren kann.
Ich will nicht verheimlichen, dass es eine Weile dauerte, bis ich in den Film rein kam. Damian McCarthy ist kein Regisseur der Rasanz, der treibenden Dialoge, der dynamischen Kamera. In den ersten 20 Minuten fühlte ich mich an den drögen THE INNKEEPERS von Ti West erinnert, mit dem er die Neigung zu "Leute, die schweigend in Gänge starren" teilt. Aber sobald klar wird, worum es eigentlich geht und welche Rolle Ohm Baumann dabei spielt, zieht die Spannungskurve deutlich an – gänzlich ohne Splatter, Schockeffekte oder billige Fakeouts.
Ich sag’s, wie’s ist: Ich hielt Damian McCarthy bisher für massiv überschätzt – er ist einer der wenigen Regisseure, bei denen ich mir mit dem verehrten Mark Tinta nicht einig bin. Aber nach HOKUM kommt der auf meine "always one to watch"-Liste neben Regisseure wie Vince Natali, Quentin Dupieux, und Ben Wheatley.
Vor allem aber: DAS ist die Sorte Film, die ich auf dem Fantasy Filmfest sehen will!
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BILD DES TAGES
Impressionen aus dem Berliner Sommer – DIE NACKTE KANONE auf der Großleinwand, alle drei Minuten von ratternder S-Bahn übertönt:

Und erneut bin ich erstaunt darüber, wie zwei Menschen den selben Film so vollkommen unterschiedlich "sehen". Nachdem ich die ersten beiden Filme des Regisseurs auf dem FFF regelrecht abgefeiert hatte, war ich von "Hokum" vollkommen enttäuscht und verärgert. Für mich ein richtig schlechter Film. Begründungen gibts auf F3A in meiner Review.
Wie fix bist du in diesem Jahr eigentlich mit dem Schreiben der Reviews? Das ist ja fast in Echtzeit!
Planung, Disziplin, und ein bisschen Glück.