Fantasy Filmfest 2026 (12): VERTIGINOUS


Frankreich 2026

Regie: Quentin Dupieux

Figuren/Sprecher: Alain Chabat, Jonathan Cohen, Anaïs Demoustier, Jean-Marie Winling

Offizielle Synopsis: Jacky bemerkt immer mehr haarsträubende Anomalien in seiner Welt: Ein Mann schwebt ohne Unterkörper durch die Gegend, ein Baby kommt ohne Nabelschnur zur Welt. Mit einer Liste von 265 solcher Auffälligkeiten konfrontiert er seinen Freund Bruno schließlich mit einer schockierenden Erkenntnis: Die Realität ist nicht echt – sie ist eine Simulation. Sind die beiden womöglich nur Figuren in einem Retro-Computerspiel? Oder handelt es sich einfach um einen weiteren Fehler in der Matrix?

Kritik: Kaum ein Jahr ohne Dupieux und trotzdem fallen immer wieder welche durch den Rost, weil der Meister des Absurden schneller dreht, als die Festivals nachkommen. Sein neustes Werk ist gerade mal 67 Minuten lang und als Animationsfilm im Stil eines 3D-Videospiels der späten 90er inszeniert – die Welt immer wieder pixelig unscharf und grob, die Figuren aus wenigen Polygonen, die mit Texturen beklebt wurden:

Der Sinn dahinter? Die Figuren erkennen, dass sie… na ja, nicht in einer Simulation leben, sondern vielmehr auf der anderen Seite des Spiegels. Diese Welt ist gröber und ungenauer, es gibt Bugs und Glitches, wenn man nur genau genug hinschaut. Wie die Gesellschaft mit der Erkenntnis umgeht, nur das zweitklassige Abbild der "echten" Welt zu sein, das wird von Dupieux gewohnt leichtfüßig erzählt.

Es gilt natürlich wie immer die Faustregel: An Dupieux scheiden sich die Geister. Wer bisher nichts mit ihm anfangen konnte, wird auch hier nicht bekehrt. Dupieux macht keine Anstalten, mit zunehmendem Alter kommerzieller zu werden, im Gegenteil: er scheint immer mehr ausprobieren zu wollen und auch unausgegorene Ideen in schräge Filme umzusetzen. Das ist bedingungslos begrüßenswert.

Ich bin dankbar für Dupieux – auch dafür, dass es nur einen von der Sorte gibt.

Fazit: Wieder mal ein einzigartiges Gedankenspiel von Dupieux, bewusst holperig umgesetzt und in seinen Theorien faszinierend. Wahrlich nicht für jeden, aber auf jeden Fall für mich. 8 von 10 Punkten.

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BILD DES TAGES

Einen Hohenzollernplatz gibt es in München auch – da war die Redaktion vom GONG und ich habe dort fünf Jahre gearbeitet. Ubahn-Station hatte es aber keine:

Da die Ubahn in München auch erst in den späten 60er Jahren gebaut wurde, bleiben uns Münchnern auch so schöne Zugänge "erspart".



4 Kommentare

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4 Kommentare
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Alex
5. September, 2026 20:42

Dupieux ist meiner Meinung nach ein geniales Genie. Bei "Mandibles", den ich erst neulich nach Jahren auf arte nachgeholt habe, bin ich vor Lachen von der bequemen Couch gefallen. "Wrong Cops" für mich ein Meisterwerk.

Goran
5. September, 2026 21:16

This could have been an e-mail.

Zu wenig Fleisch, selbst für nur 67 Minuten, zuviele Dialoge, die sich um sich selbst drehen, und die Spiegeltheorie hat riesen Risse, aber glücklicherweise ist wenigstens das Dupieux auch völlig bewusst. Spätestens am Ende hält er dazu nochmal ein riesen Schild hoch.

Allgemein ein nettes Gedankenspiel zum Thema Realität und deren Wahrnehmung, aber eben kaum mehr.

Matts
20. September, 2026 10:40

Als eingefleischter Gamer hat mich hier schon das optische Gimmick angesprochen, das allein schon immer wieder für kleine Heiterkeiten gesorgt hat. Ansonsten könnte man LA VERTIGE wohl als einen der zahmeren Dupieuxs bezeichnen – aber das heisst für absolut nichts schlechtes.
Mittlerweile bin ich mit dem Mann wieder vollends versöhnt.